So sind wir am Dienstagnachmittag aufgebrochen gen Süden. Wir haben auch gleich wieder unsere Angel ausgebracht und Kraki schwimmen lassen – und tatsächlich: direkt vor Hapatoni, noch in der Landabdeckung, haben wir Bewegung an der Angel. Jochen hat schwer gekämpft, wir haben dann die (noch) Motorfahrt unterbrochen, um es etwas leichter zu machen. Wir hatten einen kapitalen Gelbflossenthunfisch dran, der partout nicht an die Wasseroberfläche wollte. Jochen hatte ihn dann endlich in Bootsnähe und dieser Fisch wollte sich immer unter unserer Dicken verstecken. Leider hat er es dabei geschafft, die Angelschnur an der Windsteueranlage aufzureiben und diese ist dann gerissen. Weg – Fisch und Köder, heul. Das war es dann mit Angeln. Zuerst muss das Equipment wieder startklar gemacht werden, aber bei den anschließenden Bedingungen vermeiden wir es sowieso zu Angeln.
Inzwischen waren wir auch aus dem Wind- und Wellenschatten der Insel hinaus und die übliche südpazifische Welle ging wieder los. Wir hatten fast während der gesamten Überfahrt einen schönen Halbwind von 4 – 5 Beaufort, aber dazu halt leider auch die Welle direkt von der Seite auf das Boot. So hieß es denn wieder einmal 4 Tage rumrollen mit Schräglage, glücklicherweise sind wir von vorneherein nur im 2. Reff beim Großsegel losgefahren. Es war Wind von 3 – 4 bft angesagt und da wir wissen, daß wir da immer noch was draufpacken müssen, haben wir uns gleich für Reff 2 entschieden. Wir möchten nicht bei Wind und Welle noch am Mast rumturnen müssen, um die Segelfläche zu verkleinern, was ein großer Kraftakt ist, wenn Winddruck vorhanden ist. Und das war eine sehr gute Wahl. Wir sind auch so teilweise mit 7 Knoten Fahrt dahingerauscht. Und so konnten wir die Geschwindigkeit gut über die Genua kontrollieren. Nachts sicherheitshalber etwas weniger Segel und tagsüber halt etwas mehr. Noch dazu bekamen wir dann auch einmal wieder etwas Wetter ab, so daß Jochen wieder einmal klatschnass war vom Regen, währenddem er die Genua reffen musste. Nachdem zahlreiche Regenzellen uns besucht haben, beruhigte sich das wechselhafte Wetter auch wieder und nach und nach wurde die Welle auch etwas weniger.

Und so waren wir ziemlich flott, kalkulierten, daß wir wohl am Samstag morgen ankommen werden. Und Glück muß man halt auch haben – man soll in die Atolle vorzugsweise bei Slack einfahren. Slack bedeutet der Stillstand der Ein- und Ausströmung bei Wechsel von Ebbe und Flut. Und laut unseren Daten sollte Hochwasser am Samstag morgen um 5:00 Uhr sein. Je nach örtlicher Gegebenheit und Wetterlage verschieben sich dann noch die optimalen Einfahrzeiten. Die letzten Stunden vor Ankunft können wir die Geschwindigkeit sogar etwas selbst regulieren, um zur richtigen Zeit anzukommen. Und wir hatten den Sonnenaufgang direkt über dem Atoll, an dessen Westseite sich der Pass befindet, durch den wir einfahren konnten. Gegen 6 Uhr war es dann soweit, wir sind vor dem Pass angekommen, haben die Genua weggepackt, den Motor angeworfen und sind mal auf den Pass zugefahren. Das ist schon etwas ehrfurchtgebietend, wenn man die Berichte von anderen Seglern liest. Eine schmale Einfahrt, in der viele Turbulenzen und Wellen stehen können. Kommt man zur falschen Zeit, sind dann noch starke Strömungen dabei, die uns geradewegs wieder rückwärts ausspucken würden. Es gibt Atolle, bei denen Strömungen von über 12 Knoten im Pass erreicht werden. Bei den Atollen sind sehr wenige Öffnungen vorhanden, in denen das ganze Wasser ein- und wieder ausfließen muß; entsprechend groß kann daher die Strömung sein, wenn entsprechend viel Wasser aus dem Atoll heraus möchte.
Wir kommen an und sehen rein gar nichts dergleichen, wir sind zur perfekten Zeit hier angekommen, wir fahren hinein und hatten nur 0,8 Knoten Gegenströmung, quasi nix.
Im Pass angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg ans nord-östliche Ende vom Atoll Amanu, nochmal eine Strecke von 15 sm. Ab Sonntag war kräftiger Wind aus Ost angesagt, so liegen wir gleich geschützt für die kommenden Tage. Wir ankern hinter einem großen Motu und genießen es, daß unser Boot absolut ruhig liegt, nichts bewegt sich, das hatten wir das letzte Mal in Valdivia/Chile. Wir genießen die nächsten Tage am Strand zu spazieren, im klaren Wasser zu schnorcheln und nach langer Zeit auch einfach wieder alleine am Ankerplatz zu liegen. Nach vier Tagen war dann die Vorhersage so gut, daß wir uns an den nächsten Ankerplatz verlegten, jetzt im östlichen Teil des Atolls. Hier zeigt sich das Motu in einem ganz anderen Gewand. Neben der kleinen Insel gibt es große Flächen, die trotz des geringen Tidenhubs überspült werden und dann wieder trocken fallen, ein einzigartiges Naturschauspiel. Ein großer Bommie der Nahe am Ankerplatz ist, ist ein hervorragender Schnorchelspot, Herz was willst du mehr. Auf unserem Weg zurück zum kleinen Ort an der Passeinfahrt, gibt’s es noch schließlich einen Stopp an einem Riff das mittig im Atoll liegt. Wir schmeißen unseren Anker und unternehmen gleich einen Schnorchelausflug. Auf dem Rückweg zum Schiff werfen wir noch einen Blick auf unseren Anker, ob dieser auch gut liegt, das gefällt uns aber nicht. Das heißt umankern oder gleich weiter, Zeit genug ist noch. Da uns das Riff jetzt nicht so ganz gut gefallen hat, ist die Entscheidung schnell gefallen, wir brechen auf und verlegen direkt an den Ort. Hier in Ikitake leben ca. 120 Menschen, von denen wir bei unserem Besuch am nächsten Tag, nur wenige zu Gesicht bekommen. Der Ort hat aber immerhin top betonierte Straßen, die einzigen fahrbereiten Fahrzeuge, die wir sehen, sind die der Gemeinde. So vertreten wir uns noch etwas die Beine auf den wenigen Wegen die es gibt, bevor es zurück auf´s Schiff geht.
Wir planen die Weiterfahrt zum nächsten Atoll von Hao, denn auch die Ausfahrt aus dem Pass muss soweit zeitlich stimmen. Da Hao nur 15 sm entfernt liegt, muss es auch so passen, hier wieder zur richtigen Zeit anzukommen. Ihr seht schon, es ist viel Timing nötig für die Navigation in und um die Atolle. So lassen wir uns am nächsten Morgen mit etwas ablaufenden Strom aus dem Atoll schieben, um dann zur richtigen Zeit im Hao-Pass zu sein. Alles passt perfekt und der Anker fällt zur Mittagszeit vor Otepa, dem Ort des hiesigen Atolls. Wir machen das Schiff wieder klar und bereiten Fred gleich vor, um einen Besuch beim Nachbarlieger abzustatten. Dann noch gleich weiter zum kleinen Hafen, hier liegen ein deutsches und schweizerisches Boot. Aber hier ist leider niemand zu Hause, alles ausgeflogen. So geht es wieder zurück und wir genießen den Nachmittag. Gegen Abend gehen wir in den Ort, wir wollten uns eine Pizza im Restaurant gönnen. Leider hatten wir kein Glück, die Besitzer teilten uns mit, daß sie kein Material mehr haben, sie müssen erst wieder auf das Versorgungsschiff warten. So ist das Leben auf so abgeschiedenen Flecken Erde, nix mit wir gehen mal schnell einkaufen. Wenn leer, dann leer. Auf der Straße stehend beratschlagen wir, was wir machen, als vier Leute auf uns zugelaufen kommen. Es stellt sich heraus, daß es die zwei Crews der beiden Boote im Hafen sind. Sie sind auch gerade auf dem Weg zum Essen gehen. Es gibt noch ein weiteres Restaurant, mal schauen ob die offen haben und auch noch etwas anbieten können, so die Aussage. Wir schließen uns an und haben einen schönen gemeinsamen Abend mit etwas zu essen. Die Bordküche kann kalt bleiben. Da dieses Atoll über 30 sm lang ist und nichts Außergewöhnliches zu erwarten ist, beschließen wir nur vor dem Ort zu bleiben. Ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigen und uns den Ort anschauen. Immerhin leben hier schon über eintausend Menschen, also etwas größer das Ganze. Was man noch erwähnen sollte, Hao hat eine etwas traurige Vergangenheit. Hier war das Logistikzentrum der französischen Armee für die Atombombentests, die etwas weiter südlich auf zweien der Atolle stattgefunden haben. Entsprechend gut ist hier auch noch die Infrastruktur der Insel mit großem Flughafen in dessen Nähe eine, sagen wir einmal, provisorisch abgedeckte Fläche besteht. Hier sollen die Beobachtungsflugzeuge nach ihren Einsätzen dekontaminiert worden sein, die radioaktive Strahlung besteht wohl bis heute noch. Ansonsten war am Sonntag Bürgermeisterwahl der drei zusammengehörigen Atolle. Die läuft hier etwas anders, wie es wir gewohnt sind. Es ist ein Event an dem es den ganzen Tag Unterhaltung geboten wird, mit Essen und Trinken natürlich. Gegen Abend versammeln sich dann nochmals sehr viele der Bewohner um das Ergebnis abzuwarten und zu feiern. Es könnte durchaus sein, daß dieses „Event“ eine höhere Wahlbeteiligung garantiert. Gewonnen hat die bisherige Amtsinhaberin; mit genau 2 Stimmen mehr hatte sie die nötigen 51 %. So hatten wir heuer auch „unsere“ Gemeindewahl.
Nach diesem Ereignis haben wir uns schnell entschlossen, Hao wieder zu verlassen und weiter nach Makemo zu fahren. Dort befinden sich inzwischen schon bekannte Boote, die wir doch gerne noch mal sehen möchten. Die etwa 170 sm sollten wir in etwa 1,5 Tagen schaffen, so daß wir gegen Nachmittag von Hao losfahren möchten, um genügend Zeit bei Sonnenlicht zum dortigen Einlaufen zu haben. Und wir haben es mit der passenden Tide wieder geschafft, aus Hao gemütlich auszufahren. Bei unserer Ausfahrt auf den Pass zu haben wir dann schon unsere norwegischen Freunde von der Pele auf dem AIS gesehen, die sich kurz hinter dem Pass für die Nacht auf Anker gelegt hatten. Sie sind gerade eingefahren. Und schon hat uns Espen auch angefunkt, wir haben uns kurz abgestimmt und hoffen, daß wir uns dann in einem der nächsten Atolle nochmals treffen werden.
Da sehr wenig Wind vorhergesagt war, haben wir uns auch entschlossen, gleich unser Leichtwindsegel zu setzen und mit diesem zu arbeiten. Und es ging seeehr langsam los, die erste Zeit hatten wir gerade einmal 3 Knoten Fahrt im Schiff. Ja, wenn das so weitergeht, benötigen wir mehr als 2 Tage und kommen doch im Dunkeln an!!! Aber irgendwann war es dann soweit, daß wir zwischenzeitlich gut Fahrt gemacht haben und das wieder aufholen konnten, so daß unser Zeitplan wieder einmal aufgegangen ist. Irgendwann waren es dann in der zweiten Nacht doch auch einige starke Böen, somit entschied der Skipper den Blister herunterzuholen und mit Genua weiterzuarbeiten, um den Rest der Nacht auch noch etwas zum Schlafen zu kommen. Die Genua ist dann doch besser zu regulieren, wenn was Kräftiges ankommt.

So ging es durch die Nacht mit einigen Wind-, Wolken- und Regenfelder. Es wurde nicht langweilig. Das Atoll Makemo kam dann auch am Morgen in Sicht. Das Unschöne: wir müssen etwa 15 Seemeilen am Atoll entlangfahren, um zum Pass zu kommen. Wisst Ihr, wie das ist? Das Ziel vor Augen, der Wind wird schwächer und schwächer und Du willst endlich da rein? Aber…Timing ok, der Skipper schmeißt den Motor zur Unterstützung an und wir fahren wieder entspannt durch einen Pass. Wir sehen zwar das Wasser leicht brodeln, aber wir haben weder zu viel Strömung mit uns noch gegen uns. Und so werfen wir den Anker vor dem Ort Pouheva, direkt neben einem anderen deutschen Boot.
Dieses Atoll gefällt uns schon vom ersten Eindruck sehr gut.
So verbringen wir die ersten Tage hier vor dem Ort, genießen die Landgänge mit den sehr freundlichen Leuten und haben eine schöne Zeit mit den Nachbarbooten. Dazu gehören: Paul, Kelly, Jesica von der Oops, Dirk von der Manus 2 und Jan von der Makamea. Zu guter Letzt erfahren wir noch, daß das Versorgungsschiff am Sonntag ankommen soll, das passt ja perfekt. So können wir am Montag Nachmittag noch mal unsere Vorräte mit Frischwaren ergänzen, bevor wir am Dienstag gegen Mittag unseren Anker lichten, um in den Osten des Atolls zu verlegen, Dirk folgt uns, Jan kommt noch nach. Auch hier muss wieder die Abfahrt geplant werden. Auf dem Weg dorthin sind sehr viel Bommis, denen es auszuweichen gilt. Um diese gut zu sehen, sollte man die Sonne im Rücken haben, bzw. muss diese hoch stehen – sonst wird das nichts. Auf dem Weg dahin helfen unter anderem auch Satellitenbilder von diversen Anbietern, auf denen diese gut zu erkennen sind, zumindest bei größeren Wassertiefen. Die letzten Seemeilen zum Ankerplatz gleichen einem Minenfeld, Sabine muss in den Bug, um Ausschau zu halten und wir kommen im Zick-Zack-Kurs sicher an. Ein traumhafter Ort empfängt uns, klares, türkisfarbenes Wasser inclusive. Der Platz ist bestens geschützt vor den aktuellen Winden und wir liegen wie in Abrahams Schoß. Wir machen einen Landausflug zu einem „Swimmingpool“, als hätten wir nicht genug Platz um uns herum 😊. Dieser Pool ist etwas abgetrennt von dem Inneren des Atolls und durch die Landmasse abgetrennt vom offenen Pazifik. So genießen wir eine übergroße Badewanne mit 30° Wassertemperatur und sehen die Brandung auf das Atoll treffen mit der dazugehörigen Geräuschkulisse, traumhaft. Tags darauf machen unsere 3 Boote dann noch ein schönes BBQ am Strand. Schließlich müssen die Kalorien auch mal wieder verbrannt werden: wir starten eine Schnorcheltour am Riff. Das Riff hat sehr viele blaue Korallen und hat deshalb den Spitznamen Schwedenriff. Außerdem erleben wir hier die besten Sichtweiten Unterwasser, die wir bisher haben; zu sehen gab es auch sehr viel Fisch in den unterschiedlichsten Größen und Arten. So schön es auch hier ist, so langsam zieht es uns dann auch wieder weiter. Dirk folgt uns wieder, er bekommt einen Gast der nach Fakarava geflogen kommt, da bleibt dann auch nicht mehr viel Zeit. Wir legen auf dem weiteren Weg einen Tagesstopp am Ort ein, gehen nochmal einkaufen und am Abend gönnen wir uns nochmal Pizza im Ort. Hier begleitet uns noch Richard von der Mistral, ihn kennen wir bereits von den Marquesas, auch er ist gestern hier angekommen. Da es jetzt nach Westen geht, starten wir am frühen Morgen – der Sonne wegen, ihr wisst ja… Wir wollen nochmal einen Stopp im Nordwesten vom Atoll ansteuern und dort ein paar Tage bleiben, bis die Bedingungen für eine Weiterreise nach Tahanea passen. Hier im Makemo-Atoll haben wir die Möglichkeit einen weiteren Pass im Westen zu nutzen, so können wir einmal quer durchs Atoll und müssen nicht wieder zurück, auch schön um etwas mehr zu sehen. So verbringen wir hier noch die Tage mir schnorcheln, Landspaziergang und beobachten der Wetteraussichten.
Geplant war am Mittwochnachmittag zum Westpass zu fahren und dort die Nacht vor Anker zu verbringen, um uns dann früh mit den ersten Lichtstrahlen auf den Weg zu machen nach Tahanea. Tja, Segler und ihre Planung. Am Westpass angekommen schmeißen wir den Anker unter sehr welligen Bedingungen, keine guten Voraussetzungen für die Nacht. Nach kurzer Rücksprache mit Dirk beschließen wir noch am Abend zu starten, dann eben eine Nachtfahrt zum nächsten Atoll. Hat im dem Fall auch noch eine Nachtankunft am nächsten Pass zur Folge. Wir hatten dies natürlich auch besprochen, konnten aber aus diversen Berichten erkennen, daß dieser Pass zu den einfachen gehört und wir uns das dann auch zutrauen. So heißt es um 16 Uhr Anker auf und auf uns wartet eine entspannte Nachtfahrt. Zuerst Sternenklar, gegen 21 Uhr geht dann der Mond auf und leuchtet uns den rechten Weg. Gegen 3 Uhr in der Früh kommen wir an der Einfahrt von Tahanea an, unser Timing passt mal wieder hervorragend und wir können mit 1 kn Schiebestrom durch die breite Wasserstraße hindurchfahren. Gleich um die Ecke fällt der Anker, kurz das Schiff aufklaren und ab in die Koje. Nach dem Ausschlafen geht es im nächsten Bericht weiter…….
























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