1000 Tage Wochenende

Ja es steht ein kleines Jubiläum im Raum, am 7. Mai sind wir seit unserem Start in Hamburg, nun schon so lange unterwegs. Es gibt ein Buch von einem Segler der in drei Jahren um die Welt ist, der Titel: „1200 Tage Sonntag“. Dem kann ich so nicht zustimmen, Wochenende passt da wohl besser. Sonntag ist für mich so ein Tag an dem es heißt, Füße hochlegen. Der Samstag ist dann so der Arbeitstag an dem das ein oder andere zu erledigen ist, typisch Deutsch halt. Wobei sich das mit den Wochentagen ja schon lange erledigt hat. Was für ein Tag ist heute? Keine Ahnung, ich müsste nachschauen. Da sind mit Sicherheit arbeitsreiche Sonntage dabei gewesen, dafür „unter der Woche“ Füße hoch angesagt.

Es nun schon eine lange Zeit her seit dem Beginn, aber Erinnerungen, Erlebnisse oder Begegnungen haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Wie es der Zufall will, ist auch der Tag, an dem ich mein Zuhause verlassen habe nur wenige Tage entfernt, es war der 11. Mai. Wenige Tage zuvor wurde unser Schiff für den Transport auf der Straße verladen. Der Aufruf in der Whatsapp-Gruppe von Willanzheim zu sehr später Stunde für ein paar helfende Hände. Bei der Abfahrt vom LKW stellte sich heraus, daß der Mast falsch liegt und mal eben um 1 m verschoben werden muss. 30 Minuten später waren genügend Helfer da, um das Ganze per Muskelkraft zu korrigieren, Dorfgemeinschaft sei Dank. Ja und dann kam die sehr emotionale Abfahrt von zu Hause, mitten in der Nacht, durch die leeren Straßen. Wenn ich heute diese Zeilen schreibe und zurück denke, wird es wieder emotional. Letzter Besuch beim Arbeitgeber, um Tschüß zu sagen und alles abzugeben. Ankunft in Kappeln: Wo ist unser Boot? Die letzten Stationen der Vorbereitungen, um das Boot fertig zu bekommen waren in Kappeln, Flensburg, Kiel und Hamburg. In der Zwischenzeit Besuch von Freunden, die sich verabschiedeten. Und ganz wichtig: der Besuch von meiner Familie, die sich auch nochmals verabschiedet hat, emotional wieder. In Hamburg letztendlich Besuch von Arbeitskollegen und schließlich Chris, der uns die erste Etappe die Elbe hoch bis nach Cuxhafen begleitet hat.

Erste nervenaufreibende Motorenprobleme in Belgien, nach deren Lösung es den dann aber weitestgehend problemlos weiter geht. Es folgte die Biskaya, weiter die Küste runter bis Lissabon und schließlich auf die Kanaren. Heute muss ich sagen, daß wir hier eine einschneidende Begegnung hatten. Wir trafen Andrea und Dirk von der Southeast, ausgesprochene Südamerikaliebhaber, die die weitere Reiseplanung quasi auf den Kopf gestellt haben, sehr zum positiven! Genauso haben unsere Erlebnisse sie inspiriert und sie sind mittlerweile mit dem eigenen Boot in Brasilien angekommen, sehr zu unserer Freude.

Es folgen die Kap Verden und der Sprung über den Atlantik nach Brasilien mit der Äquatorüberquerung. In Jacare lernen wir Kerstin und Mike von der Salto kennen, die wir immer wieder auf den Weg in den Süden treffen, auf der Isla Los Estados unsere erste gemeinsame Woche im tiefen Süden verbringen, bis wir gemeinsam in Ushuaia ankommen. Leider haben sich durch unsere erneuten Motorenprobleme die Wege in Puerto Williams getrennt. Erst in Puerto Montt gab es ein Wiedersehen. Immer wieder sind es auch diese zufälligen Begegnungen, die es so Besonders machen. Freundliche Menschen die, auch wenn sie wenig haben, teilen und helfen wo sie können, überall auf unserer Reise.

Dann sind wir ja auch so völlig untypische Segler, man muss inzwischen „leider“ dazu sagen. Wenn wir irgendwo vor Anker gehen, setzten wir uns ins Dinghy, fahren eine Begrüßungsrunde zu den Nachbarliegern und stellen uns vor. Wenn jemand keine Lust auf Kommunikation hat, stellt man das innerhalb von Sekunden fest. Mit der ein oder anderen Besatzung hat man dann auch vielleicht das ein oder andere Treffen und eine schöne gemeinsame Zeit. Und dann gibt es noch die Anderen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt. So bei Andres und Guillermo, Argentinier die wir in Brasilien kennengelernt haben und später eine wunderbare Zeit zusammen in ihrer Heimat verbracht haben. In Uruguay war es dann einmal anders herum, wir liegen fest im Hafen als plötzlich an unserem Boot ein deutsches Hallo ertönt. Wir lernen dadurch Daniel und Mechtild kennen, ein uruguayisch-deutsches Ehepaar, die uns dazu verleiteten, doch ein paar Tage länger in dem dortigen Hafen zu verweilen, bis Daniel schließlich eine Etappe mit uns gesegelt ist.

Bei einem weiteren Zwischenstopp haben wir dann auch unseren ersten Kontakt mit Ulf von der Farvel, einem Solosegler, mit dem wir später gemeinsam Patagonien bereisen und am Kap Horn waren. Nora und Hacko von der Anixi, die wir endlich in Pueto Williams persönlich kennenlernen, wir hatten schon lange zuvor Kontakt über Handy. Sie haben Patagonien von Nord nach Süd durchquert und sind uns quasi entgegen gekommen. Man könnte die Liste unendlich weiterführen. Hier in Französisch Polynesien treffen wir viele, die eine ähnliche Route wie wir fahren, man trifft sich immer mal wieder und hat eine schöne Zeit zusammen, lernt immer wieder neue Segler aus unterschiedlichen Ländern kennen, die gemeinsam mit uns den Südseetraum leben.

Auf der bisherigen Reise war aber für mich das absolute Highlight natürlich Patagonien mit seiner fantastischen Natur. Auch wenn es viele andere schöne Orte gegeben hat, war dieser schon etwas Besonderes. Als kultureller Höhepunkt war schließlich das Marquesasfestival auf Ua Huka. So, jetzt genug von dem kleinen Rückblick. Die nächste Etappe steht vor der Tür und die Planungen für Neuseeland laufen, unserem nächsten großen Ziel, das ihr wieder alle auf der Karte findet.

Auf die nächsten 19400sm (ca.36000km) 😉

Tuamotus – weg von Bergen hin zu flachen Atollen

So sind wir am Dienstagnachmittag aufgebrochen gen Süden. Wir haben auch gleich wieder unsere Angel ausgebracht und Kraki schwimmen lassen – und tatsächlich: direkt vor Hapatoni, noch in der Landabdeckung, haben wir Bewegung an der Angel. Jochen hat schwer gekämpft, wir haben dann die (noch) Motorfahrt unterbrochen, um es etwas leichter zu machen. Wir hatten einen kapitalen Gelbflossenthunfisch dran, der partout nicht an die Wasseroberfläche wollte. Jochen hatte ihn dann endlich in Bootsnähe und dieser Fisch wollte sich immer unter unserer Dicken verstecken. Leider hat er es dabei geschafft, die Angelschnur an der Windsteueranlage aufzureiben und diese ist dann gerissen. Weg – Fisch und Köder, heul. Das war es dann mit Angeln. Zuerst muss das Equipment wieder startklar gemacht werden, aber bei den anschließenden Bedingungen vermeiden wir es sowieso zu Angeln.

Inzwischen waren wir auch aus dem Wind- und Wellenschatten der Insel hinaus und die übliche südpazifische Welle ging wieder los. Wir hatten fast während der gesamten Überfahrt einen schönen Halbwind von 4 – 5 Beaufort, aber dazu halt leider auch die Welle direkt von der Seite auf das Boot. So hieß es denn wieder einmal 4 Tage rumrollen mit Schräglage, glücklicherweise sind wir von vorneherein nur im 2. Reff beim Großsegel losgefahren. Es war Wind von 3  – 4 bft angesagt und da wir wissen, daß wir da immer noch was draufpacken müssen, haben wir uns gleich für Reff 2 entschieden. Wir möchten nicht bei Wind und Welle noch am Mast rumturnen müssen, um die Segelfläche zu verkleinern, was ein großer Kraftakt ist, wenn Winddruck vorhanden ist. Und das war eine sehr gute Wahl. Wir sind auch so teilweise mit 7 Knoten Fahrt dahingerauscht. Und so konnten wir die Geschwindigkeit gut über die Genua kontrollieren. Nachts sicherheitshalber etwas weniger Segel und tagsüber halt etwas mehr. Noch dazu bekamen wir dann auch einmal wieder etwas Wetter ab, so daß Jochen wieder einmal klatschnass war vom Regen, währenddem er die Genua reffen musste. Nachdem zahlreiche Regenzellen uns besucht haben, beruhigte sich das wechselhafte Wetter auch wieder und nach und nach wurde die Welle auch etwas weniger.

hier kämpft der Skipper noch mit dem großen Fisch

Und so waren wir ziemlich flott, kalkulierten, daß wir wohl am Samstag morgen ankommen werden. Und Glück muß man halt auch haben – man soll in die Atolle vorzugsweise bei Slack einfahren. Slack bedeutet der Stillstand der Ein- und Ausströmung bei Wechsel von Ebbe und Flut. Und laut unseren Daten sollte Hochwasser am Samstag morgen um 5:00 Uhr sein. Je nach örtlicher Gegebenheit und Wetterlage verschieben sich dann noch die optimalen Einfahrzeiten. Die letzten Stunden vor Ankunft können wir die Geschwindigkeit sogar etwas selbst regulieren, um zur richtigen Zeit anzukommen. Und wir hatten den Sonnenaufgang direkt über dem Atoll, an dessen Westseite sich der Pass befindet, durch den wir einfahren konnten. Gegen 6 Uhr war es dann soweit, wir sind vor dem Pass angekommen, haben die Genua weggepackt, den Motor angeworfen und sind mal auf den Pass zugefahren. Das ist schon etwas ehrfurchtgebietend, wenn man die Berichte von anderen Seglern liest. Eine schmale Einfahrt, in der viele Turbulenzen und Wellen stehen können. Kommt man zur falschen Zeit, sind dann noch starke Strömungen dabei, die uns geradewegs wieder rückwärts ausspucken würden. Es gibt Atolle, bei denen Strömungen von über 12 Knoten im Pass erreicht werden. Bei den Atollen sind sehr wenige Öffnungen vorhanden, in denen das ganze Wasser ein- und wieder ausfließen muß; entsprechend groß kann daher die Strömung sein, wenn entsprechend viel Wasser aus dem Atoll heraus möchte.

Wir kommen an und sehen rein gar nichts dergleichen, wir sind zur perfekten Zeit hier angekommen, wir fahren hinein und hatten nur 0,8 Knoten Gegenströmung, quasi nix.

Im Pass angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg ans nord-östliche Ende vom Atoll Amanu, nochmal eine Strecke von 15 sm. Ab Sonntag war kräftiger Wind aus Ost angesagt, so liegen wir gleich geschützt für die kommenden Tage. Wir ankern hinter einem großen Motu und genießen es, daß unser Boot absolut ruhig liegt, nichts bewegt sich, das hatten wir das letzte Mal in Valdivia/Chile. Wir genießen die nächsten Tage am Strand zu spazieren, im klaren Wasser zu schnorcheln und nach langer Zeit auch einfach wieder alleine am Ankerplatz zu liegen. Nach vier Tagen war dann die Vorhersage so gut, daß wir uns an den nächsten Ankerplatz verlegten, jetzt im östlichen Teil des Atolls. Hier zeigt sich das Motu in einem ganz anderen Gewand. Neben der kleinen Insel gibt es große Flächen, die trotz des geringen Tidenhubs überspült werden und dann wieder trocken fallen, ein einzigartiges Naturschauspiel. Ein großer Bommie der Nahe am Ankerplatz ist, ist ein hervorragender Schnorchelspot, Herz was willst du mehr. Auf unserem Weg zurück zum kleinen Ort an der Passeinfahrt, gibt’s es noch schließlich einen Stopp an einem Riff das mittig im Atoll liegt. Wir schmeißen unseren Anker und unternehmen gleich einen Schnorchelausflug. Auf dem Rückweg zum Schiff werfen wir noch einen Blick auf unseren Anker, ob dieser auch gut liegt, das gefällt uns aber nicht. Das heißt umankern oder gleich weiter, Zeit genug ist noch. Da uns das Riff jetzt nicht so ganz gut gefallen hat, ist die Entscheidung schnell gefallen, wir brechen auf und verlegen direkt an den Ort. Hier in Ikitake leben ca. 120 Menschen, von denen wir bei unserem Besuch am nächsten Tag, nur wenige zu Gesicht bekommen. Der Ort hat aber immerhin top betonierte Straßen, die einzigen fahrbereiten Fahrzeuge, die wir sehen, sind die der Gemeinde. So vertreten wir uns noch etwas die Beine auf den wenigen Wegen die es gibt, bevor es zurück auf´s Schiff geht.

Wir planen die Weiterfahrt zum nächsten Atoll von Hao, denn auch die Ausfahrt aus dem Pass muss soweit zeitlich stimmen. Da Hao nur 15 sm entfernt liegt, muss es auch so passen, hier wieder zur richtigen Zeit anzukommen. Ihr seht schon, es ist viel Timing nötig für die Navigation in und um die Atolle. So lassen wir uns am nächsten Morgen mit etwas ablaufenden Strom aus dem Atoll schieben, um dann zur richtigen Zeit im Hao-Pass zu sein. Alles passt perfekt und der Anker fällt zur Mittagszeit vor Otepa, dem Ort des hiesigen Atolls. Wir machen das Schiff wieder klar und bereiten Fred gleich vor, um einen Besuch beim Nachbarlieger abzustatten. Dann noch gleich weiter zum kleinen Hafen, hier liegen ein deutsches und schweizerisches Boot. Aber hier ist leider niemand zu Hause, alles ausgeflogen. So geht es wieder zurück und wir genießen den Nachmittag. Gegen Abend gehen wir in den Ort, wir wollten uns eine Pizza im Restaurant gönnen. Leider hatten wir kein Glück, die Besitzer teilten uns mit, daß sie kein Material mehr haben, sie müssen erst wieder auf das Versorgungsschiff warten. So ist das Leben auf so abgeschiedenen Flecken Erde, nix mit wir gehen mal schnell einkaufen. Wenn leer, dann leer. Auf der Straße stehend beratschlagen wir, was wir machen, als vier Leute auf uns zugelaufen kommen. Es stellt sich heraus, daß es die zwei Crews der beiden Boote im Hafen sind. Sie sind auch gerade auf dem Weg zum Essen gehen. Es gibt noch ein weiteres Restaurant, mal schauen ob die offen haben und auch noch etwas anbieten können, so die Aussage. Wir schließen uns an und haben einen schönen gemeinsamen Abend mit etwas zu essen. Die Bordküche kann kalt bleiben. Da dieses Atoll über 30 sm lang ist und nichts Außergewöhnliches zu erwarten ist, beschließen wir nur vor dem Ort zu bleiben. Ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigen und uns den Ort anschauen. Immerhin leben hier schon über eintausend Menschen, also etwas größer das Ganze. Was man noch erwähnen sollte, Hao hat eine etwas traurige Vergangenheit. Hier war das Logistikzentrum der französischen Armee für die Atombombentests, die etwas weiter südlich auf zweien der Atolle stattgefunden haben. Entsprechend gut ist hier auch noch die Infrastruktur der Insel mit großem Flughafen in dessen Nähe eine, sagen wir einmal, provisorisch abgedeckte Fläche besteht. Hier sollen die Beobachtungsflugzeuge nach ihren Einsätzen dekontaminiert worden sein, die radioaktive Strahlung besteht wohl bis heute noch. Ansonsten war am Sonntag Bürgermeisterwahl der drei zusammengehörigen Atolle. Die läuft hier etwas anders, wie es wir gewohnt sind. Es ist ein Event an dem es den ganzen Tag Unterhaltung geboten wird, mit Essen und Trinken natürlich. Gegen Abend versammeln sich dann nochmals sehr viele der Bewohner um das Ergebnis abzuwarten und zu feiern. Es könnte durchaus sein, daß dieses „Event“ eine höhere Wahlbeteiligung garantiert. Gewonnen hat die bisherige Amtsinhaberin; mit genau 2 Stimmen mehr hatte sie die nötigen 51 %. So hatten wir heuer auch „unsere“ Gemeindewahl.

Nach diesem Ereignis haben wir uns schnell entschlossen, Hao wieder zu verlassen und weiter nach Makemo zu fahren. Dort befinden sich inzwischen schon bekannte Boote, die wir doch gerne noch mal sehen möchten. Die etwa 170 sm sollten wir in etwa 1,5 Tagen schaffen, so daß wir gegen Nachmittag von Hao losfahren möchten, um genügend Zeit bei Sonnenlicht zum dortigen Einlaufen zu haben. Und wir haben es mit der passenden Tide wieder geschafft, aus Hao gemütlich auszufahren. Bei unserer Ausfahrt auf den Pass zu haben wir dann schon unsere norwegischen Freunde von der Pele auf dem AIS gesehen, die sich kurz hinter dem Pass für die Nacht auf Anker gelegt hatten. Sie sind gerade eingefahren. Und schon hat uns Espen auch angefunkt, wir haben uns kurz abgestimmt und hoffen, daß wir uns dann in einem der nächsten Atolle nochmals treffen werden.

Da sehr wenig Wind vorhergesagt war, haben wir uns auch entschlossen, gleich unser Leichtwindsegel zu setzen und mit diesem zu arbeiten. Und es ging seeehr langsam los, die erste Zeit hatten wir gerade einmal 3 Knoten Fahrt im Schiff. Ja, wenn das so weitergeht, benötigen wir mehr als 2 Tage und kommen doch im Dunkeln an!!! Aber irgendwann war es dann soweit, daß wir zwischenzeitlich gut Fahrt gemacht haben und das wieder aufholen konnten, so daß unser Zeitplan wieder einmal aufgegangen ist. Irgendwann waren es dann in der zweiten Nacht doch auch einige starke Böen, somit entschied der Skipper den Blister herunterzuholen und mit Genua weiterzuarbeiten, um den Rest der Nacht auch noch etwas zum Schlafen zu kommen. Die Genua ist dann doch besser zu regulieren, wenn was Kräftiges ankommt.

unser Blister zieht uns wieder….

So ging es durch die Nacht mit einigen Wind-, Wolken- und Regenfelder. Es wurde nicht langweilig. Das Atoll Makemo kam dann auch am Morgen in Sicht. Das Unschöne: wir müssen etwa 15 Seemeilen am Atoll entlangfahren, um zum Pass zu kommen. Wisst Ihr, wie das ist? Das Ziel vor Augen, der Wind wird schwächer und schwächer und Du willst endlich da rein? Aber…Timing ok, der Skipper schmeißt den Motor zur Unterstützung an und wir fahren wieder entspannt durch einen Pass. Wir sehen zwar das Wasser leicht brodeln, aber wir haben weder zu viel Strömung mit uns noch gegen uns. Und so werfen wir den Anker vor dem Ort Pouheva, direkt neben einem anderen deutschen Boot.

Dieses Atoll gefällt uns schon vom ersten Eindruck sehr gut.

So verbringen wir die ersten Tage hier vor dem Ort, genießen die Landgänge mit den sehr freundlichen Leuten und haben eine schöne Zeit mit den Nachbarbooten. Dazu gehören: Paul, Kelly, Jesica von der Oops, Dirk von der Manus 2 und Jan von der Makamea. Zu guter Letzt erfahren wir noch, daß das Versorgungsschiff am Sonntag ankommen soll, das passt ja perfekt. So können wir am Montag Nachmittag noch mal unsere Vorräte mit Frischwaren ergänzen, bevor wir am Dienstag gegen Mittag unseren Anker lichten, um in den Osten des Atolls zu verlegen, Dirk folgt uns, Jan kommt noch nach. Auch hier muss wieder die Abfahrt geplant werden. Auf dem Weg dorthin sind sehr viel Bommis, denen es auszuweichen gilt. Um diese gut zu sehen, sollte man die Sonne im Rücken haben, bzw. muss diese hoch stehen – sonst wird das nichts. Auf dem Weg dahin helfen unter anderem auch Satellitenbilder von diversen Anbietern, auf denen diese gut zu erkennen sind, zumindest bei größeren Wassertiefen. Die letzten Seemeilen zum Ankerplatz gleichen einem Minenfeld, Sabine muss in den Bug, um Ausschau zu halten und wir kommen im Zick-Zack-Kurs sicher an. Ein traumhafter Ort empfängt uns, klares, türkisfarbenes Wasser inclusive. Der Platz ist bestens geschützt vor den aktuellen Winden und wir liegen wie in Abrahams Schoß. Wir machen einen Landausflug zu einem „Swimmingpool“, als hätten wir nicht genug Platz um uns herum 😊. Dieser Pool ist etwas abgetrennt von dem Inneren des Atolls und durch die Landmasse abgetrennt vom offenen Pazifik. So genießen wir eine übergroße Badewanne mit 30° Wassertemperatur und sehen die Brandung auf das Atoll treffen mit der dazugehörigen Geräuschkulisse, traumhaft. Tags darauf machen unsere 3 Boote dann noch ein schönes BBQ am Strand. Schließlich müssen die Kalorien auch mal wieder verbrannt werden: wir starten eine Schnorcheltour am Riff. Das Riff hat sehr viele blaue Korallen und hat deshalb den Spitznamen Schwedenriff. Außerdem erleben wir hier die besten Sichtweiten Unterwasser, die wir bisher haben; zu sehen gab es auch sehr viel Fisch in den unterschiedlichsten Größen und Arten. So schön es auch hier ist, so langsam zieht es uns dann auch wieder weiter. Dirk folgt uns wieder, er bekommt einen Gast der nach Fakarava geflogen kommt, da bleibt dann auch nicht mehr viel Zeit. Wir legen auf dem weiteren Weg einen Tagesstopp am Ort ein, gehen nochmal einkaufen und am Abend gönnen wir uns nochmal Pizza im Ort. Hier begleitet uns noch Richard von der Mistral, ihn kennen wir bereits von den Marquesas, auch er ist gestern hier angekommen. Da es jetzt nach Westen geht, starten wir am frühen Morgen – der Sonne wegen, ihr wisst ja… Wir wollen nochmal einen Stopp im Nordwesten vom Atoll ansteuern und dort ein paar Tage bleiben, bis die Bedingungen für eine Weiterreise nach Tahanea passen. Hier im Makemo-Atoll haben wir die Möglichkeit einen weiteren Pass im Westen zu nutzen, so können wir einmal quer durchs Atoll und müssen nicht wieder zurück, auch schön um etwas mehr zu sehen. So verbringen wir hier noch die Tage mir schnorcheln, Landspaziergang und beobachten der Wetteraussichten.

Geplant war am Mittwochnachmittag zum Westpass zu fahren und dort die Nacht vor Anker zu verbringen, um uns dann früh mit den ersten Lichtstrahlen auf den Weg zu machen nach Tahanea. Tja, Segler und ihre Planung. Am Westpass angekommen schmeißen wir den Anker unter sehr welligen Bedingungen, keine guten Voraussetzungen für die Nacht. Nach kurzer Rücksprache mit Dirk beschließen wir noch am Abend zu starten, dann eben eine Nachtfahrt zum nächsten Atoll. Hat im dem Fall auch noch eine Nachtankunft am nächsten Pass zur Folge. Wir hatten dies natürlich auch besprochen, konnten aber aus diversen Berichten erkennen, daß dieser Pass zu den einfachen gehört und wir uns das dann auch zutrauen. So heißt es um 16 Uhr Anker auf und auf uns wartet eine entspannte Nachtfahrt. Zuerst Sternenklar, gegen 21 Uhr geht dann der Mond auf und leuchtet uns den rechten Weg. Gegen 3 Uhr in der Früh kommen wir an der Einfahrt von Tahanea an, unser Timing passt mal wieder hervorragend und wir können mit 1 kn Schiebestrom durch die breite Wasserstraße hindurchfahren. Gleich um die Ecke fällt der Anker, kurz das Schiff aufklaren und ab in die Koje. Nach dem Ausschlafen geht es im nächsten Bericht weiter…….

12

Hiva Oa und Tahuata

Nach Hiva Oa wollten wir ja auf alle Fälle noch einmal zurückkommen, da wir hier bisher ja nur eine Nacht verbracht haben, bevor wir auf das Festival nach Ua Huka gefahren sind. Darüber hinaus haben wir auf dem Festival auch Tattoo-Künstler kennengelernt, von denen wir ein Tattoo als Erinnerung wollten – und diese waren eben auch zufällig in Hiva Oa ansässig. Auf dem Festival wollten wir uns kein Tattoo zulegen, das wollten wir in Ruhe im Studio machen – mit Aircondition inklusive.

Und so war unser erster wichtiger Gang natürlich zum Tattoo-Studio, um einen zeitnahen Termin zu bekommen. Soll man doch nach dem Stechen etwa 3 Wochen Sonne und Salzwasser meiden – diese Zeit wollen wir in Hiva Oa verbringen, um bei evtl. auftretenden Problemen ebenfalls in der Nähe eine medizinische Versorgung in Anspruch nehmen zu können.

So kam es, daß wir bereits 3 Tage später bei Kaha unter der Nadel lagen. Nach einer kurzen Besprechnung, was wir uns jeweils vorstellen, ging es schon los mit dem direkten Aufzeichnen auf der Haut – von wegen einer Papierschablone. Hier wird noch schön gleich freihand auf der Haut gezeichnet. Nach schnellen 3,5 Stunden waren beide Tattoos gestochen und wir sind glücklich wieder abgezogen. Danke Kaha!

Zu diesen Tattoos möchte ich noch anmerken bzw. habe ich ja schon erwähnt, daß jedes Symbol auch eine Bedeutung hat. So steht z.B. die Schildkröte auf der einen Seite für die Familie, da sie ja viele Nachkommen zeugt aber ebenso auch für eine sichere Navigation – da sie immer wieder an den Strand ihrer Geburt zurückkommt, um dort selbst ihre Eier abzulegen. So haben wir auch uns bewußt unsere Symbole im Vorfeld ausgesucht, die wir haben möchten und Kaha hat dann „drumherumgebaut“ mit den dazu passenden Symbole wie Sonne, Wind, Wellen… So hat Jochen in seinem Manta sämtliche großen Meerestiere wie den Buckelwal, den Hammerhai, den Delfin, die Schildkröte aber auch den Albatros und den Gecko versteckt sowie einen Tiki. Als auch das Kreuz der Marquesas, es steht für das Gleichgewicht der vier Elemente: Feuer, Erde, Wasser, Luft. Wer findet und erkennt alle Symbole?

So haben wir uns auch wieder einmal ein Auto für zwei Tage gemietet und sind alle Möglichkeiten auf der Insel abgefahren – vom lachenden Tiki über die archäologische Anlage Ma’ae Lipona, in der das größte Tiki steht, zu den Petroglyphen, dem alten Friedhof von Teivitete und dem Zeremonienplatz von Upeke. Zu Upeke muss man noch sagen, daß nach einer Sage hier der Baum des Lebens gestanden hat in dem alle Vögel brüteten. Als der Baum umgefallen ist, sind die Äste auf die anderen Inseln der Marquesas gefallen, auf denen sich schließlich die Vögel verteilt haben. Anhand dieser Sage kann man erahnen, wie wichtig dieser Ort für die Ureinwohner war, entsprechend groß auch die Anlage, die nur zum Teil freigelegt ist. Ein Großteil befindet sich im Wald und will entdeckt werden. Natürlich haben wir mit dem Auto auch noch unsere Besorgungen erledigt, vor allem die schweren Getränkedosen sind doch einfacher zu transportieren, wenn man einen fahrbaren Untersatz hat und nicht 4 km hin und 4 km zurück laufen muß, da der Hafen/Ankerplatz doch etwas von der Stadt entfernt ist.

Wir haben die Zeit in Hiva Oa genossen, haben wir doch dort auch wieder unsere neuseeländischen Freunde Gordi und Juliet getroffen, haben Kevin aus Südafrika kennengelernt und…… wieder einmal ein deutsches Boot begrüßen dürfen. Michael und Andrea von der Gleda sind aus Panama angekommen. Ach…und unsere französischen Freunde von der Lazarina sind wieder aus ihrem Heimaturlaub zurückgekommen und haben ihr Schiff wieder fit gemacht und zu Wasser gelassen. So war das Patagonien-Dream-Team wieder beieinander. Schließlich haben wir einige gesellige Abende gemeinsam verbracht, sei es zum Sundowner oder auch zum gemeinschaftlichen Essen.

hier noch etwas andere Kunst, die überall zu finden ist: geht nicht mehr – wird abgestellt und bleibt da

Und täglich grüßt das Murmeltier – die Shopbetreiber der Tankstelle kannten uns dann auch schon. Denn fast täglich nach der Mittagszeit sind wir dort aufgeschlagen, haben unseren Eisbecher aus der Tiefkühlung genommen und ein Eis gelöffelt, während wir zum Kontrollgang in den Yardbereich gegangen sind, um zu sehen, wie die Arbeiten an den Booten unserer Freunde vorwärts gehen. Denn sehr viele, die wir bisher in FP kennengelernt haben, haben ihr Boot dort aus dem Wasser geholt, um einige Arbeiten, vor allem den Unterwasseranstrich, zu erledigen. Da muß man schon mal schauen, ob das allen ordnungsgemäß vorwärts geht! Als dann einmal kein Eis an der üblichen Stelle zu finden war und wir nachfragten, wußte die Dame gleich, was sie uns aus dem Lager zu holen hat 😊

Wir hatten das Glück, daß wir einen einigermaßen guten Ankerplatz im kleinen Hafenbecken erwischt haben. Ziemlich hinten drin, weit weg vom täglichen Schiffsverkehr. Der ein oder andere mußte schon mal verlegen, als das Versorgungsschiff ankam und manövrieren mußte. Auch war unser Platz noch relativ gut geschützt vom Schwell, so daß unser „Gewackel“ nicht ganz so groß war wie von manch anderen. Wir haben dann auch einen Tag genutzt, um kurz an den Pier zu verlegen, dort festzumachen, wo normalerweise die kleine Fähre liegt und unser Ankergeschirr auf der Pier aufzulegen, zu reinigen, zu drehen und die Farbmarkierungen für die Tiefenangaben neu aufzutragen (mit der Sprühdose farbliche Streifen sprühen). Dabei konnten wir feststellen, daß das Wasser in diesem Hafenbecken ganz schön aggressiv sein muß. Unser schöner Edelstahlanker strahlt plötzlich in einem Orangeton.

Aber egal, funktionieren muß er und nicht schön ausschauen. Kaum liegen wir wieder an unserem Ankerplatz, kommt die Fähre auch schon wieder zurück – das nennt man Timing.

Und schon naht der Abschied – wir wollen noch einige Tage auf die Nachbarinsel Tahuata in die Hanamoenoa-Bucht mit ihrem weißen Sandstrand und den täglichen Mantabegegnungen. Auch einige der hier liegenden Boote wechseln in diese Bucht, so daß unser Grüppchen doch noch nicht ganz auseinandergerissen wird. Bei der kurzen Überfahrt stellt wir auch fest das uns einiges an Geschwindigkeit fehlt. Eigentlich dachten wir, daß sich bei dem dreckigen Brackwasser im Hafenbecken der Unterwasserbewuchs in Grenzen hält, falsch gedacht.

So war die erste Amtshandlung in der sauberen Bucht Hanamoenoa: Unterwasserschiff sauber machen. Das Ganze hat sich über zwei Tage gezogen, bis die ganzen Seepocken wieder ab waren. Leider sind bei dieser Aktion ein paar Quallen zu nah an die Wade von Jochen gekommen. Im Wasser noch nichts bemerkt, fühlte es sich an Deck wie ein Sonnenbrand an, nur die Röte dazu hat gefehlt. Am nächsten Morgen dann die Überraschung, alles mit kleinen Bläschen übersät. So könne und wollen wir nicht zu unserem nächsten Ziel starten. Erst einmal auskurieren. Schließlich verbringen wir hier auch noch einige schöne Tage, haben zusammen mit Gordi und Juliet und den Dänen von der Sommerwind, Silvia und Frank, ein Lagerfeuer am Strand mit Stockbrot, verbringen zwei Spielabende mit der Crew der Carosy und der Penny Lane und lernen hier dann den nächsten deutschen Neuankömmling kennen – Dirk von der Manus 2. So liegen wir hier kurzzeitig mit 3 deutschen Booten – Gott, wie lange hatten wir das denn nicht mehr – Unterhaltung nur in der Heimatsprache.

ein traumhafter Strand, nur die Welle kann einen manchmal ganz schön von den Füßen hauen…

Auch das Schnorcheln mit den Mantas konnten wir noch einige Male genießen. Und schon hieß es wieder – Wetter beobachten, wir wollen dann doch einmal von den Marquesas wegkommen in die Tuamotus. Hierfür haben wir uns als erste Anlaufstelle das Atoll Amanu ausgesucht, das ziemlich genau 480 Seemeilen südlich liegt; also wieder einmal 4 Tage auf See.

immer wieder ein Erlebniss

So hieß es dann auch, das Boot klarzumachen: die Windsteueranlage wieder montieren, unseren Fred verräumen und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in die Schaps wegräumen oder verzurren.

19

Ua Pou – „Zwei Säulen“

Ua Pou ist die drittgrößte Insel der Marquesas und für mich mit die eindrucksvollste. Sie hat steile, an Zuckerhüte erinnernde Berge, die der Insel den Namen Ua Pou „Zwei Säulen“ gab.

Blick über den Hafen auf die Basaltfelsen

Zunächst ging es für uns in den Hauptort Hakahau auf der Nordseite der Insel. Hier soll man sich etwas hinter den Wellenbrecher legen, um vor der heranrollenden Dünung geschützter zu liegen. Tja – leider voll. So liegen wir also voll in der Dünung und wackeln so vor uns hin. Zum Glück kommt der Wind stabil und die Dünung aus derselben Richtung, so daß das Boot mit dem Bug im Wind und der Dünung liegt und wir nur schaukeln und nicht von links nach rechts rollen. Immerhin!

Das Örtchen selbst ist wieder ganz nett mit 2 Supermärkten und mehreren Möglichkeiten, ein Restaurant aufzusuchen. So sind wir beim ersten Landgang auch in den Genuss von handgemachter Eiscreme in der Bauernkooperative gekommen. Sehr lecker! Und auch die beiden anderen Restaurants haben wir einmal ausprobiert. Man muß seine Chancen nutzen, bald wird das nicht mehr möglich sein, wenn wir einmal in die Tuamotus aufgebrochen sind.

Eine kleine Wanderung zum Gipfelkreuz haben wir noch unternommen und sind auch so mehrfach durch das Örtchen gebummelt. Hier liegt eindrucksvoll ein Segelboot gestrandet am Strand, gut vertäut, damit es nicht wieder rückwärts in die See gezogen wird. Da blutet einem das Herz, wenn man sieht, wie so ein stolzer Kahn auf der Seite liegt und vor sich hin verkümmert. Das Schiff schaut eigentlich noch ziemlich gut aus und auch sämtliche Anbauteile wie Radarschüssel etc. sind noch vorhanden und nicht abmontiert. Vielleicht will der Eigner doch noch versuchen, es wieder ins Wasser zu ziehen?

Nachdem das Versorgungsschiff da war, haben wir uns nochmals mit etwas Lebensmitteln eingedeckt und sind „um die Ecke“ nach Hakahetau verlegt. Von hier aus soll es eine schöne Wanderung zu den Bergen geben und auch Schoko-Manfred will besucht werden. Ein deutscher Auswanderer, der hier lebt und seine eigene Schokolade herstellt, nebst allen Zutaten hierfür, die im eigenen Garten im Wald angebaut werden.

beim Umzug des Ankerplatzes vorbei am Inselflugplatz – spannende Landebahn

Dieses Örtchen fand ich wirklich wunderschön. Total ruhig, nette Anwesen, unwahrscheinlich freundliche Menschen. Das wäre jetzt so das erste Örtchen hier auf den Marquesas, wo ich sagen könnte: ja, da ein klein Häuschen mit Garten. Obwohl… viel zu warm auf Dauer.

Das Anlanden mit dem Dinghi ist etwas spannend; es gibt hier zwar eine kleine Hafenmole, aber die Dünung rollt hier rein und der Betonsteg ist bei Niedrigwasser schon schwer zu bezwingen vom Dinghi aus (für Kurzbeiner). Auch ist der Zugang oft überspült und die Oberfläche entsprechend schon sehr glatt von den Algen und sonstigem Bewuchs. Also: vorsichtig laufen hier. Die Kinder finden das natürlich klasse und haben eine ebene Rutschbahn.

unser Dinghiplatz: links toll ausgespülter Fels, rechts die Hafenmole – a bisserl überspült

Im Örtchen selbst gab es auch einen ganz kleinen Laden für das nötigste und auch ein Restaurant soll vorhanden sein, aber nur auf Vorbestellung. Am Nachmittag treffen sich die Dorfbewohner und spielen Volleyball in der Nähe des Piers. Und das gar nicht mal schlecht.

Jochen hat sich dann auch aufgemacht, „die Gipfel zu bezwingen“. Hierbei handelt es sich um einen Rundweg um den Mount Poumaka, der mitunter sehr steil ist und den man nicht machen sollte, wenn es kürzlich oder aktuell regnet, da es dann sehr schlüpfrig wird. Ich habe mich von dieser Wanderung gleich ausgeklinkt, weil ich so schon mit der Hitze hier zu kämpfen habe und definitiv nicht die Kondition und den Willen habe, hier 4 bis 5 Stunden in der Hitze steile Berghänge zu bezwingen. Noch dazu mag ich ja auch ausgesetzte Stellen am Berg nicht, da bleib ich lieber am Boot und beschäftige mich hier.

  • Die Wanderung war, um es kurz zu sagen, ein Genuss der Extraklasse. Es sollte zu den markanten Basaltfelsen gehen, für die die Insel bekannt ist und auch schon von Weitem zu sehen sind, wenn sie nicht gerade in den Wolken verschwinden.  Zuerst ging es ein Stück auf der Straße entlang, bevor der Abzweig auf den Schotterweg gekommen ist. Hier entlang an dem ein oder anderen Anwesen vorbei; immer weiter hinein in die fantastische Natur. Schließlich gab es keine Bebauung mehr, der Weg wurde schmaler und steiler. Schließlich wurde er nur noch zu einem Pfad, extrem steil. Keine Stufen oder dergleichen und nur noch blanker Boden unter den Füßen. Links und rechts etwas kräftigeres Gras, an dem man sich etwas festhalten konnte, mehr nicht. Jetzt war ich an der Stelle angekommen, den andere so beschrieben haben: „nur mit gutem Schuhwerk zu gehen“; ich hatte meine abgelaufenen Treckingsandalen an, lach. Ich hatte aber soweit Glück bzw. hatte ich so geplant (wieder lach), daß es zuletzt trocken war und der Boden dann auch entsprechend gehalten hat. Je weiter es nach oben ging, desto feuchter wurde es dann doch – den tiefhängenden Wolken geschuldet. Aber alles noch gut machbar. Fast oben angekommen, öffnen sich die Baumkronen und ein fantastischer Blick über das Tal in die Ankerbucht ist zu erblicken. Ich mache die erste kleine Pause und genieße erst einmal den Ausblick. Nur noch ein kleiner Endspurt und ich stehe am Fuße einer dieser unglaublichen Basaltsäulen. In diesem Moment lichtet sich auch etwas die Wolkendecke und ich kann das obere Ende sehen, welch ein Zufall. Ich genieße den Augenblick und mach noch das ein oder andere Bild, bevor ich den Abstieg angehe. Zulange warte ich damit aber nicht, hier oben pfeift der Wind ordentlich. Im ersten Moment eine willkommene Abkühlung, was zu viel ist, ist aber zu viel. Der Abstieg ist genauso steil wie es rauf ging, nur geht es hier zwischen Bäumen und Sträuchern runter. Zwischen Wurzeln und Steinen haben sich auch Stufen gebildet, die es etwas erleichtern nach unten zu kommen. Dafür ist der Abstieg um einiges länger, in dem es so steil bergab geht, an einigen Stellen sind jetzt sogar mal Seile angebracht. Kaum ist das Steile geschafft, steht man auch schon bei Schoko-Manfred mitten im Garten, der Weg führt durch sein Grundstück hindurch. Ich werde von den Hunden lautstark begrüßt, kurz darauf kommt mir seine Frau entgegen und lädt mich direkt ein. Manfred war gerade noch etwas an seinem selbstgebauten Wasserrad am Richten. Er nutzt es neben Solar zu Stromerzeugung. Kurz darauf steht ein Teller mit Proben seiner selbst gemachten Schokolade auf dem Tresen und wir erzählen unsere Geschichten, meist ist es aber nur Manfred, der erzählt. Er hat vor 40 Jahren einen Fernsehbeitrag über Französisch Polynesien gesehen, eine Woche später war er mit seinem Hab und Gut im Flieger nach Tahiti gesessen – ohne jegliche Sprachkenntnisse. Seit 26 Jahren lebt er jetzt auf Ua Pou und hat sich sein eigenes Reich geschaffen. Ich wollte morgen mit Sabine nochmal kommen, hatte ja dummerweise auch mein Geld vergessen, um etwas mitzunehmen. Nachdem die Schoki leer war, machte ich mich dann aber mal auf dem Weg, war ja noch ein Stück und ein Highlight sollte ja noch kommen. Auf halben Weg von hier zum Boot war da noch ein Abzweig zum Wasserfall. Der kurze Abstecher hat sich voll gelohnt. Zwar ist es ein relativ kleiner Wasserfall, aber die Kulisse traumhaft und die Möglichkeit, den Schweiß in dem Schwimmbecken abzuspülen, genial. Einzig musste man sich zügig ausziehen und schauen ins Wasser zu kommen. Den kleinen Biestern, Nonos genannt (eine Kriebelmückenart), sei Dank. Winzig klein und nicht zu sehen, sind die Hinterlassenschaften deutlich. Kleine rote Bissstellen, die fürchterlich über Tage jucken. Genauso schnell natürlich wieder raus aus dem Wasser, rein in die Klamotten. Was nicht abgedeckt ist gleich wieder mit Mückenabwehr einsprühen – und das reichlich. Frisch abgekühlt und gereinigt sind die letzten 2 km bis zum Boot nur noch ein leichter Spaziergang, der bergab geht.

Als Jochen dann wieder zurück war, erzählte er mir, daß er Schoko-Manfred besucht hat (das liegt auf dem Weg) und wir da morgen noch mal hingehen können.

Das haben wir dann auch gemacht, dieses Unikat möchte ich auch kennenlernen. Und wirklich mitten im Wald am Berghang hat sich Manfred da sein kleines Paradies geschaffen. Er hat dort sein Haus gebaut und seinen Garten / Plantage angelegt nachdem er 120 Kokospalmen gefällt hat. Zunächst haben wir an seiner Theke Platz genommen und bekamen auch seine Schokolade zum Probieren hingestellt. Dann hat er sein Fotoalbum herausgeholt und uns seine Lebensgeschichte erzählt. In unserer Segler-App wurde unter anderem von anderen Leuten moniert, daß Manfred so viele sexistische Witze machen würde und sich die jungen Mädels da unwohl fühlen und niemals alleine hingehen würden. Mein Gott!! Ihr kennt meine Familie nicht. Da werden auch ständig sexistische Witze erzählt und Verbalerotik betrieben. Stellt Euch mal alle nicht so an – ich konnte gut mit ihm lachen. Aber das liegt wohl auch an der heutigen Zeit, wo sich jeder über alles nur noch aufregt und alles gleich in entsprechende Schubladen gelegt wird. Ganz wichtig: nicht vergessen zu Gendern!!!

Wir haben dann natürlich auch Schokolade in verschiedenen Geschmacksrichtungen gekauft. Sehr lecker. Schokolade ohne irgendwelche Zusatzstoffe wie Palmfett oder Zucker. Wirklich Kakao, Kakaofett und die Geschmackszutat wie Orange, Nüsse, Cashew, usw. Lecker. Er hat an die 15 verschiedene Geschmacksrichtungen, die erworben werden können.

Dann bekamen wir noch eine Führung durch seinen Garten, weil uns das doch interessierte. Stolz führte er uns seine Kakaopflanzen vor, die von der ersten Miniblüte bis zur erntereifen Frucht 6 Monate benötigt. Ganz stolz war er auch, daß er eigene Erdbeerpflanzen hat – die haben wir bisher in den Marquesas noch nicht entdecken können.

Nachdem wir Manfred besuchten, sind wir auf dem Rückweg noch am Wasserfall vorbeigegangen. Auch wieder eine sehr nette Cascade mit einem kleinen Becken, das zum Schwimmen und abkühlen einlädt. Nur leider diese unleidlichen Nonos und Mücken. Das war ein schnelles abkühlen und noch schnelleres abtrocknen und wieder anziehen und mit Mückenspray besprühen.

Da aber auch hier der Ankerplatz sehr bewegt ist, haben wir dann zeitnah unseren Anker aufgeholt und sind auf der Westseite in die Hakaotu Bucht verlegt. Eine kleine, sehr gut geschützte Bucht, an der das Anlanden mit dem Dinghi aber irgendwie nicht möglich schien und wir es erst gar nicht versucht haben. Jochen hat sich wieder einmal am Schnorcheln versucht, aber leider ist auch hier das Wasser sehr trübe. Da hoffen wir jetzt wirklich auf die Tuamotus mit ihrem glasklaren Wasser – Zeit wird es, daß man wirklich mal was zu sehen bekommt, unter Wasser.

Und dann ging es schon wieder los mit dem Beobachten des Wetters, damit wir nach Hiva Oa übersetzen können. Hierfür müssen wir wieder nach Südosten fahren, was bedeutet, daß wir nahe an der vorherrschenden Windrichtung fahren müssen. Achje.

Eine Strecke von gut 70 Seemeilen, die wir wieder über Nacht fahren wollen. Um schon einmal die ersten 5 Seemeilen hinter uns zu bringen, beschließen wir, daß wir zunächst in die südlichste Bucht von Ua Pou zu verlegen. Was wir haben, haben wir. Also raus aus unserer geschützten Bucht, in der wir so gar nichts von Wind und Welle mitkriegen. Und dann ging es auch schon los. Wellengang und ordentlich Wind, natürlich voll auf die Nase. Also mit Motor durchkämpfen. Als wir am geplanten Zielort ankommen: Nee, da ist nichts mit Ankern. Da steht voll die Welle drauf, da können wir nicht bleiben. Also wieder umdrehen und ein Stück zurückfahren in die etwas geschütztere Nachbarbucht, die Baie Hikeu, aber immerhin 4 Seemeilen abgekürzt von der Gesamtstrecke.

Dann wie geplant Anker auf für die Nachtfahrt nach Hiva Oa. Der Wind soll angeblich aus Nordost kommen, das sollte uns einen schöne Halbwindkurs bei Windstärken 4 – 5 bft bescheren. Aber zunächst müssen wir ja erst mal die Westseite von Ua Pou hinter uns lassen, um etwas nach Südost schwenken zu können. Der Wind war auch gleich mit der Windstärke da, natürlich aus Ost und ordentlich Wellen. Vorsichtshalber haben wir unser Großsegel schon gleich nur im 2. Reff gesetzt.

Tschüss Ua Pou

Vor Ua Pou im Süden liegt noch eine vorgelagerte Insel und zwischen diesen beiden Inseln ist eine ordentliche Kanalwirkung. Wir schaukeln so wild unter Motor voran mit einer Geschwindigkeit, die dir auf die Tränendrüse drückt. Wenn wir jetzt noch ordentlich Strömung gegenan kriegen, fahren wir ja rückwärts. Von Jochen kam dann irgendwann: „wenn das nach der Insel nicht besser wird, drehen wir um“. Es wurde dann von der Welle her etwas besser, aber der Wind bzw. die Windrichtung hat uns wieder mal nicht so unterstützt, wie sie sollte. Es war ein harter Kampf Hoch am Wind zu fahren und mit etwas kreuzen. Irgendwann meinte der Skipper dann, ich steuere jetzt Ua Huka im Norden an und wir fahren dann von dort aus in einem besseren Winkel direkt nach Süden nach Hiva Oa.  Kurs geändert, Richtung Ua Huka. Skipper legt sich etwas hin, Wind dreht und ich stelle fest, daß wir mit diesem Kurs jetzt eine Ua Pou-Umrundung fahren. Also doch wieder Kursänderung auf Hiva Oa. Es war ein Hin und Her und die Nacht nicht langweilig.

Schlußendlich haben wir Hiva Oa wirklich erreicht, hatten aber dann 94 Seemeilen ins Logbuch eintragen dürfen. Direkter Kurs wären etwa 74 Seemeilen gewesen. Happy, to be hier, Anker zu werfen und etwas zu schlafen.

19

Ua Huka und Nuku Hiva

Von Ua Huka habe ich ja außer vom Festival bisher noch gar nichts erzählt. Hmmm – viel können wir auch nicht erzählen, da wir nicht wirklich mehr gesehen haben, als das kleine Örtchen, vor dem wir vor Anker gelegen haben und dem Festivalgelände.

Von der gesamten Insel haben wir sonst nichts besucht, eine kleine Wanderung zu einem ehemaligen Zeremonienplatz, das war es – gibt wohl auch nicht wirklich viele Möglichkeiten. Wir (also ich) waren dann auch froh, den Ankerplatz zu wechseln. Rollig sind hier ja alle Ankerplätze, aber speziell hier sind doch immer ordentliche Fallböen von den Berghängen heruntergekommen – was sich auch gerade nachts beim Schlafen nicht besonders beruhigend anhört…

So sind wir dann wenigstens noch auf einen Ankerplatz auf der Westseite von Ua Huka gewechselt. Als wir dort angekommen sind, war das Wasser glatt und wir lagen sehr ruhig. So sind wir dann auch gleich noch in unser Dinghi gestiegen und an Land gefahren. Soll es hier doch eine schöne Höhle geben.

Das Anlanden am Strand war dann doch etwas schwieriger, als vom Wasser aus zu erkennen. Es hat sich doch eine kleine Welle dort aufgebaut und gebrochen, so daß wir schnell sein mussten, um das Dinghi auf den Strand zu ziehen. Am Strand gab es in den Felsen dann gleich ein paar Petroglyphen zu entdecken, bevor wir auf den Hügel hinaufgestiegen sind. Von oben ging es dann in eine leicht zugängliche Grotte und wir konnten von oben auf das strahlende Blau des Wassers über dem Sandgrund blicken. Das Wasser wurde mit jeder Welle ordentlich hereingedrückt und hat ein lautes Grollen von sich gegeben. Das sind schon gewaltige Kräfte, obwohl es keine großartigen Wellen draußen auf dem Meer gab. Aber wenn das Wasser mit der Dünung durch ein kleines Loch gepresst wird, entsteht doch ordentlich Druck. In der Nähe der Grotte fanden wir auch sehr viele Hinterlassenschaften der hiesigen freilaufenden Ziegen – scheint es sich hier doch auch für sie um ein schattiges „Heim“ zu handeln, das Sicherheit bietet.

Zurück zum Strand und mal sehen, wie wir von diesem wieder wegkommen. Vorsichthalber habe ich schon mal meinen Rock ausgezogen.  Das hätte ich mit dem T-Shirt auch mal machen sollen, denn wie vorhergesehen, war ich komplett naß, bis das Dinghi im Wasser und über den brechenden Wellen war. Aber zum Glück ist es ja warm und das Wasser auch nicht kalt.

Leider mußten wir dann am Boot feststellen, daß es nun auch hier rollig war – kein Wind und das Boot steht quer zu Welle – also eine weitere Nacht mit unruhigem Boot. So sind wir dann auch gleich am nächsten Morgen frühzeitig losgefahren, um nach Nuku Hiva überzusetzen. Eine Strecke von etwa 30 Seemeilen, was gut in einer Tagesetappe zu schaffen ist.

Auf Nuku Hiva wollen wir einige Zeit verbringen, da doch rund um die Insel wunderschöne Ankerplätze sein sollen. Dies ist die zweitgrößte Insel Polynesiens und bietet in seiner Hauptstadt (was man als Hauptstadt bezeichnen möchte) gute Versorgungsmöglichkeiten und auch die Chance, wieder einmal ein Restaurant zu besuchen.

So sind wir zunächst in die nächstgelegene Ankerbucht, die Controllers Bay eingelaufen und haben unseren Anker geworfen. In dem kleinen Örtchen dieser Bucht gibt es zu unserer Freude eine Boulangerie, in der wir neben dem obligatorischen Baguette auch köstliche Croissants und Schokoteile erwerben können. Was ein Genuss! Da es hier einen Wasserfall geben soll, haben wir uns am nächsten Morgen natürlich auf den Weg gemacht, ohne genau zu Wissen, wie weit wir eigentlich laufen müssen. Netterweise hat uns ein Herr des hiesigen Wasser-/Energieversorgung in seinem Pickup mitgenommen, so daß wir uns einen mühsamen Marsch erspart haben. Der Weg war einfach doch etwa 7 km, was bei dieser Hitze echt unangenehm ist. An den Wasserfall selbst sind wir leider nicht herangekommen. An dem kleinen Flußlauf sind wir ausgestiegen, der Mann ist seiner Arbeit nachgegangen: den Rechen vom Laub befreien und die Anlage prüfen.

Wir haben dann versucht, in dem Flußlauf voran zu kommen, um an den Wasserfall heranzukommen. Ein unleidiges Unterfangen. Kaum am Wasser wurden wir schon von den Heerscharen an Moskitos überfallen. Unser Mückenspray hat diese nicht wirklich abgehalten. Da mir die Steine dann irgendwann zu hoch wurden, bin ich dann umgedreht und Jochen hat dann noch versucht, etwas weiterzukommen. Aber er hat dann auch irgendwann vor den Mücken kapituliert. So sind wir dann den Weg wieder zurückmarschiert, um an der Boulangerie als Belohnung nochmals ein kühles Getränk zu uns zu nehmen.

So war der Ankerplatz vor der Stadt auch unser nächstes Ziel für den nächsten Morgen, um hier auf alle Fälle Weihnachten zu verbringen. Dies bedeutete lediglich eine Fahrtzeit von etwa 1,5 Stunden. Bei unserer Ankunft wurde uns gleich von einem anderen Boot mitgeteilt, daß am Abend ein Festival mit öffentlichem Essen (wie in Ua Huka) stattfindet. Da gehen wir natürlich hin. Was ein Kulturschock 😊 Der Festplatz quillt über von Schneemännern aus Fässern und Reifen, aus blinkenden und blitzenden Lichtern, ein Kaminzimmer wurde nachgestellt – mehr Kitsch, als deutsche Weihnachtsmärkte zu bieten haben. Und alle haben etwas auf dem Kopf – sei es ein Haarreif als Elch, blinkende Mützen, und, und, und. Das Essen war dann auch sehr lecker und die Vorführung war quasi nochmals das, was wir in Ua Huka gesehen hatten. Hinzu noch eine reine Kindergruppe im Vorfeld. Sehr schön, aber irgendwie merkwürdig in dieser Weihnachtsumgebung.

Nuku Hiva ist eine tolle Insel. Die Küste wirkt bei der Anfahrt rauh und felsig zerklüftet. Im Inneren ist diese jedoch grün und dicht bewachsen. Hier gibt es auch alle Arten von Früchten: Brotfrucht, Papaya, Mango, Sternfrucht, Bananen, Pampelmuse….

Fast alle Boote, die vorher in Ua Huka waren, haben sich über die Feiertage hier versammelt. So haben wir den Weihnachts- und Silvesterabend zusammen mit einigen anderen englischsprachigen Booten (wir nennen es die No-Francais-Conection) verbracht. Hierfür durften wir die Tische und Bänke eines Imbisses direkt am Pier benutzen. Jeder hat etwas zu Essen und Trinken mitgebracht und wir haben dann zusammengesessen, alles geteilt und eine schöne Zeit gemeinsam verbracht.

Jochen, Henk (NL), Ann (IR), Roy (GB), Sabine, Carolyn (NL), Mary-Ann und Gary (US) – die Non-Francaise-Connection beim geselligen Abend auf Roy’s Boot

Wir haben zusammen mit eben diese 3 anderen Booten 2 Autos geliehen und sind einen Tag lang über die asphaltierten Straßen in andere Buchten gefahren. Die Insel hat auch recht hohe Berge, so daß sich auch die Vegetation ziemlich ändert. In den Bergen sind wir in den Wolken gefahren und hier oben sah es fast so aus wie zu Hause im Allgäu oder Oberbayern: Nadelbäume und Tierweiden. Nur, daß hier die freilebenden Pferde dann einfach so auf oder direkt neben der Straße stehen und man beim Fahren um eine Kurve aufpassen muß, daß nicht plötzlich ein Tier vor dem Kühler steht. Auf der Nordseite der Insel haben wir dann unter Mittag in einem sehr leckeren Restaurant Halt gemacht und köstlich gegessen. Zum ersten Mal haben wir Brotfrucht gekostet – diese wird wie Kartoffel gekocht und hier dann zusätzlich frittiert. Wir haben noch nirgend so viele neue Dinge kennengelernt wie in Polynesien (gut, wir waren ja auch nie in der Karibik – da gibt es das wohl auch alles). In der Nähe der kleinen Ortschaft war dann noch eine Ruinenstätte der Ureinwohner. Die Stätte wurde vor einiger Zeit freigelegt und die Gebäude nachgebildet. Auch hier wieder beeindruckend wie vor langer Zeit riesige Steinblöcke passgenau bewegt und gesetzt wurden. Bis wir dann die beiden asphaltierten Straßen abgefahren hatten war es dann schon dunkel als wir zurück waren. Leider hatte wir kein Allradfahrzeug, sonst hätten wir eine Rundstrecke fahren können. Bei Ankunft im Ort entdeckten wir dann eine hell beleuchtete Sitzgruppe, wir stoppten und wurden auch gleich Begrüßt. Es war ein offenes Restaurant und der Abendsnack war gesichert. Es stellte sich dann noch heraus das sich hier die Einheimischen zum Bingo spielen treffen.

Wir haben dann noch einen Ankerplatz im Norden der Insel besucht, die Anaho-Bay. Eine schöne Bucht ohne Anbindung an eine Straße, in der sich wieder etliche bekannte Boote versammelt hatten. Von hier aus konnten wir eine Wanderung machen, Richtung Osten zu einer großen Bucht mit sehr langem Sandstrand. Diese riesige Bucht ist leider nicht zum Ankern geeignet, da sie komplett nach Osten, also der vorherrschenden Wind- und Wellenrichtung offen ist. Auf dem Weg dorthin (ein reiner Fußpfad) kamen wir bei einem „Bauern“ vorbei, der hier auf 10 Hektar Fläche Gemüse und Obst anbaut. Alles von Hand, ohne Hilfe eines Traktors oder anderen schweren Gerätes. Lediglich 5 Pferde dienen ihm zum Transport des Gemüses in die Anaho-Bay, wo es dann auf Boote verladen wird zum Verkauf in der Stadt. Diese 10 Hektar bewirtschaftet er mit seiner Frau und seinem Sohn – eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, wie üppig hier alles wuchert. Da bedarf es schon ordentlicher Pflege, alles in Schuss zu halten, damit nur das wächst, was man auch haben möchte. Wir haben uns bei ihm dann auch mit Gemüse und Obst eingedeckt.

In Richtung Westen konnten wir dann von dieser Bucht noch in die Nachbarbucht (in der wir zuvor schon mit dem Auto waren) laufen, die dann wieder Anbindung an den Straßenverkehr hat. Der Weg dorthin geht über den Bergrücken und war wohl früher auch einmal ein befahrbarer Weg. Aber die Einwohner der Bucht wollten das nicht und haben den Weg nicht gepflegt, so daß man wirklich nur zu Fuß oder Pferd (evtl. auch mit einem passendem Motorrad) hierher kommt. In der Bucht hat man dann die Möglichkeit, ein Restaurant zu besuchen oder ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Aber: der Weg ist das Ziel und es war eine schöne Wanderung bergauf- und -ab.

Weiter ging es bei unserer Inselumrundung dann noch auf die Westseite der Insel. Der Weg dorthin war wieder einmal sehr spannend. Auf der Nordseite der Insel hatten wir ja den Wind von hinten, ebenso die Wellen, die nicht gerade klein waren. Dann ging es „um’s Eck“, war der Wind dann natürlich aufgrund der Berge weg und die Dünung ebenso. So ist das halt, wenn man in einen Inselschatten fährt, ähnlich wenn man um ein Häusereck geht und sich in den Windschatten stellt. So ging es von viel Wind auf ziemlich null Wind.

Auf der Westseite der Insel haben wir noch zwei weitere Buchten besucht. In der Anse Tapueahu konnten wir eine Wanderung im trockenen Flussbett machen hinein in den „Grand Canyon“. Diesen hatten wir bei unserer Inselrundfahrt schon von einem Aussichtspunkt gesehen. Wieder eine spektakuläre Landschaft! Das Flußbett alleine war schon gigantisch – was hier an Felsen drin war. Wie gerne würde ich das mal sehen, wenn hier Regenzeit ist und der Fluß sich füllt. Momentan ist hier ja alles trocken. Hohe Felswände zu beiden Seiten und dann die vielen Vögel, die hier an den Felsen nisten. Überall an den Hängen sieht und hört man die Ziegen. Bilder können dies überhaupt nicht wiedergeben. Wir versuchen es jedoch immer wieder entsprechend einzufangen.

Danach ging es wieder auf die Südseite der Insel, in die wohl geschützteste Bucht – der Daniel’s Bay. Sind wir auf der Westseite mit wenig Wind und Welle gestartet (der Wind kam zu unserer Überraschung aus Südwest!), wurde es am Südkap wieder ordentlich ruppig. Hier traf uns dann wieder die Welle aus Ost und der Wind setzte auch wieder kräftig aus dieser Richtung, als wir aus dem Inselschatten herauskamen. Aber wir konnten alles gut segeln, mußten jedoch ordentlich gen Süden ziehen, um die Daniel’s Bay dann unter Segel anlaufen zu können. Und wirklich: da kommst Du mit ordentlich Wellengang in die Bucht angeschaukelt und kaum geht es etwas um das Eck, wird es total ruhig. (Naja: für die hiesigen Verhältnisse total ruhig 😊)

Hier kann man ebenso in ein kleines Örtchen und zu einem Wasserfall laufen, was wir natürlich auch gemacht haben. Der Wasserfall selbst ist jetzt nicht gigantisch: es hat ja grad wenig Wasser. Aber der Weg dahin war wieder einmal toll und der Wasserfall befindet sich am Ende eines langen, schmalen Canyons. Rundherum steil aufragender Fels mit einem kleinen Flußlauf und üppigem Grün. Aufgrund der Mücken haben wir es uns verkniffen, uns auszuziehen und in das Wasser zu hüpfen.

Jochen ist dann auch nochmal alleine losgezogen, um einen der umliegenden Gipfel zu besteigen. Mir ist das in dieser Hitze einfach zu anstrengend und zu steil. Ich begnüge mich dann auch mit seinen Fotos.

Nach der Daniel’s Bay ging es noch einmal zurück in die „Hauptstadt“ Taiohae. Ein letzter gemeinsamer Abend in der Pizzeria mit Roy und den Neuseeländern, noch einmal Shopping und dann verlassen wir Nuku Hiva in Richtung Ua Pou. Wir wollen ja doch mal weiterkommen.

Wir hoffen, daß unsere Fotos einigermaßen ausdrücken, was wir hier an Natur vorfinden und bei Euch das Reisefieber wecken 😊

die Fischer nehmen am Pier (Dinghi-Dock) ihre Fische aus und werfen die Abfälle ins Wasser

12

Ua Huka: das Festival der Marquesas

Am Nachmittag haben wir in Hiva Oa den Anker gelichtet und sind Richtung Norden gestartet. Wir konnten auch gleich die Segel setzen und kamen ganz gut voran.

In der Nacht schwächte der Wind dann wieder ab und drehte hin und her, so daß ich dann letztendlich die Maschine angeworfen habe, nachdem auch die Genua angefangen hatte zu schlagen. Ich bin da immer sehr darauf bedacht, das Material zu schonen. Der Skipper hätte das wahrscheinlich durchgezogen – ich bin da wesentlich früher genervt….

Der Skipper hat dann in den Nachtstunden in seiner Schicht dann wieder Segel gesetzt und wir konnten mit einem Wind von 3 bft gemächlich dahinsegeln. Im Morgengrauen ist dann die Insel aus dem Dunst aufgetaucht und wir konnten gegen 8 Uhr am Morgen unseren Anker werfen. Bei der Zählung der bereits vorhandenen Segelboote waren wir Nummer 15, die angekommen ist. Bis zum Höhepunkt des Festivals haben sich schließlich 32 Segelboote in der Bucht zusammengedrängt.

Wie bereits vorherzusehen war, ist der Ankerplatz hier leider etwas rollig – aber das ist überall in den Marquesas so, da keine vorgelagerten Saumriffe die auflaufende Dünung abbremsen. Aber wir haben schlimmeres erwartet.

Wir sind vor einem kleinen Örtchen namens Hane vor Anker. Hier gibt es eine kleine Kirche, einen Laden sowie ein Minimuseum. Wieder ein sehr netter Ort mit freundlichen Menschen. Seit etwa 2 Monaten ist hier auch ein Pier fertiggestellt. Hier können wir mit dem Dinghi festmachen, solange kein Schiff oder Fähre ankommt; d. h. während des Festivals müssen wir leider am Strand anlanden, was bei Ebbe etwas unschön ist, da das Wasser dann sehr flach und voller Steine ist. Das Örtchen wurde von uns dann einmal erkundet und wir haben das Minimuseum besucht – seht nett. Von unserem Bootsnachbarn Gäel haben wir dann erfahren, daß hier eine Funkrunde besteht, wenn mal also etwas benötigt oder absprechen möchte, auf Kanal 06 ist das zu erledigen. Ebenso erklärte er uns, daß um 18 Uhr Yoga am Pier ist – täglich. Das mach ein anderer Segler und auch wir haben an einem Abend teilgenommen. Das erste Mal Yoga in unserem Leben!

So, und nun zum Grund unseres Besuches: das „Marquesas Islands Kunst- und Kulturfestival“ oder unter der einheimischen Sprache „Matava a o te Henua énana“

Dieses Festival wurde 1986 eingeführt, um die Traditionen zu bewahren und weiterzugeben. Dies ist ein Festival der Marquesas und jede Insel schickt eine Delegation, die hier einen „Tanz“ aufführt. Ebenso sind von den einzelnen Inseln die diversen Kunsthandwerker vor Ort und verkaufen ihre Waren. So sind hier Tiki’s (Skulpturen aus Holz oder Stein), Tapa’s (gemalte Bilder auf Rinde), Schmuck, Vanille, Hüte, Taschen und vieles mehr zu bekommen. Ebenso sind Tattookünstler vor Ort und arbeiten an der tollen polynesischen Körperkunst. Kleine Info am Rande, die Marquesas sind seit kurzeml auch in der Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Ich möchte jetzt einmal Eure Vorstellung von Polynesien etwas ernüchtern: wir sind hier nicht am Ende der Welt, Polynesien gehört zu Frankreich und entsprechend gut ist es auch von französischen Touristen besucht, die hier auch arbeiten dürfen. Man trifft extrem viele junge Franzosen. Geht weg von dem Bild, daß wir uns hier auf einer einsamen Insel mit einem Häuptling befinden, die noch im Lendenschurz rumlaufen, so wie es die Fernsehbilder oder jetzt unsere Fotos vielleicht zeigen. Hier läuft auch jeder mit einem Smartphone in der Hand rum – nur man lässt es halt viel gemächlicher angehen – no stress. Dieses Festival soll eben an jene Zeiten erinnern und die Traditionen werden hin und wieder gepflegt.

Das Festival geht über die gesamte Woche und beginnt am Montag morgen mit einer Messe in der Kirche in unserem Ort – die Menschen hier sind sehr gläubige Christen. Das eigentliche Festgelände liegt dann etwa 5,5 km entfernt. Leider gibt es hier keinen regelmäßigen Busverkehr bzw. haben wir das nicht rausfinden können. Die Messe am Montagmorgen haben wir uns verkniffen – jeder weiß, daß ich kein Morgenmensch bin und für die Kirche extra um 7 Uhr aus dem Bett krabbeln – nein, lasst mal gut sein.

Während dieses Festivals wird auch der traditionelle Erdofen betrieben. So wurde früher (und teilweise auch heute noch) für größere Anlässe gekocht. Hierzu wird ein Loch ausgehoben, ein Feuer darin geschürt und Lavasteine obenauf gelegt, die dann die Hitze speichern. Wenn das Feuer soweit heruntergebrannt ist, werden auf die Steine frische Bananenblätter und aufgespaltene Stauden (die viel Wasser beinhalten!) gelegt und darauf dann das in Palmblätter eingewickelte oder in Taschen gepacktes Essen aufgelegt. Das Ganze dann wieder mit Bananenblätter abdecken und mit feuchten Säcken und Folie abdecken. Letztendlich wird noch alles mit Erde abgedeckt. Dieser Ofen wird am Abend angelegt und gefüllt und dann am nächsten Mittag wieder aufgemacht. Hier auf dem Festival wird dann das so gegarte Essen an alle verteilt. Hierzu wurde uns mitgeteilt, daß wir unser „Geschirr“ mitbringen müssen, das dürfe aber kein Plastik sein, sondern sollte aus Kokosschalen bestehen. Und wir sollten vorzugsweise je 2 Kokosnüsse für jeden haben, damit auch etwas reinpasst.

Also war ein To-Do für Ua Huka: in den Wald gehen und Geschirr herstellen. So sind wir dann mit kleiner Axt und Machete in den Wald gezogen, haben uns ein paar schöne große Kokosnüsse ausgesucht die hier ja überall rumliegen. Jochen hat diese dann mit der Axt in mühsamer Arbeit aufgespalten und geschält, die schwierigste Aufgabe dabei. Die innenliegende Nuss dann mit der Machetenrückseite „anklopfen“, so daß diese rundherum springt. Das Kokoswasser dann getrunken bzw. ablaufen lassen, war dann doch zuviel für mich und das Kokosfleisch ausschaben. Zum Schluß die Schale außenrum noch etwas „enthaart“ und etwas ansehnlicher gemacht und fertig ist die Schüssel. Man kann jedoch nur eine Hälfte der Nuss benutzen, da die andere Hälfte ja die Augen für die Triebe hat und daher Löcher. Letztendlich haben wir 6 oder 7 Nüsse bearbeitet, um ein paar schöne Schalen zu bekommen. Das Essen kann kommen!!!

und hier nun mal die Abfolge eines Erdofens in Bildern:

Wie sind wir nun zum Veranstaltungsplatz gekommen? Es gibt die Möglichkeit, mit einem „Taxi“ zu fahren, diese verlangen für die einfache Fahrt pro Person etwa 8 Euro. Ein stolzer Preis finden wir. Dies haben wir einmal gemacht, uns aber entschieden, daß wir einfach mal loslaufen und versuchen, ein Auto anzuhalten. Und das hat immer geklappt, es haben immer Einheimische gehalten, die uns mitgenommen haben. Das Weiteste, was wir einmal laufen mussten, war etwas mehr als 1 Kilometer. Wir wären aber auch die vollen km gelaufen. Spannend ist nur: hier fahren ja alle Pickup’s. Das Mitfahren auf der Ladefläche ist offiziell verboten. Jedoch wurden wir hier häufig mitgenommen. Wir wurden halt in der letzten Kurve vor dem Festivalgelände aufgeladen oder herausgeworfen, damit die Gendarmerie das nicht sieht. Und so haben wir bei einer nächtlichen Pickup-Fahrt ganz nette Menschen auf der Ladefläche kennengelernt – neu angekommene Segler.

Jeden Tag auf dem Festival haben immer 2 Inseln ihren Tanz aufgeführt. Das war schon sehr eindrucksvoll. Zu einem diese wahnsinnig großen Trommeln, die einen richtig mitnehmen; die teils ganz toll tätowierten Männer, die wirklich sehr martialisch wirken, wenn sie vor einem in ihrer traditionellen „Bekleidung“ (was man Bekleidung nennt) stehen und der Gesang der Frauen ist einfach klasse. Pro Vorführung dauert das Spektakel ca. 1 Stunde und die unterschiedlichen Darbietungen gehen zum Teil durch Mark und Bein.

Wir sind in der Regel immer gegen Mittag auf das Festival gegangen, die Vorführungen am Morgen ab 10 Uhr war uns einfach zu bald. Erstens müssen wir ja damit rechnen, eventuell etwas mehr als eine Stunde zu laufen, zum anderen wird es ja abends recht lang bis die letzte Vorführung beendet und wir wieder auf dem Boot sind. Leider stimmte das heruntergeladene Programm nicht ganz. Die aufgedruckten Nachmittagsvorführungen fanden nicht statt – ich denke, es war einfach zu heiß dafür. So haben wir viel Zeit mit rumhängen auf dem Festgelände in großer Hitze verbracht und waren am Abend entsprechend geschafft. Aber es hat sich definitiv gelohnt.

Nun noch ein Wort zu den Tattoo’s:

Nein, die Tätowierer hier benutzen nicht mehr die traditionellen Werkzeuge wie Hammer und „Kamm“, sondern arbeiten genauso elektrisch und professionell wie die Tätowierer bei uns zu Hause. Nur mit dem Unterschied, daß hier halt die Motive ganz anders sind und wenn man ganz korrekte Körperkunst tragen will: für jeden Körperteil gibt es ein bestimmtes Motiv, je nach Insel oder Archipel. So hat auch jedes Zeichen seine Bedeutung und manche sind wirklich nur den Einheimischen vorbehalten und man würde die als Tourist wohl nicht bekommen. Und es sind großflächige schwarze Flächen vorhanden, auch im Gesicht. Mehrfach wurde wir, als wir sagten, daß wir aus Deutschland sind, gefragt, ob wir einen Jo Steiner kennen würden. Dieser Deutsche hat wohl vor langer Zeit als Erster die polynesischen Zeichen und Malereien “übersetzt“ und in einem Buch zusammengetragen. Dieses Buch bzw. seine Erkenntnisse werden hier von allen Tätowierern und anderen Künstlern als Nachschlagewerk benutzt. Leider habe ich hierzu bei Onkel Google nichts gefunden. Wir haben jedoch auf Fatu Hiva so ein Originalbuch ansehen dürfen, das schon sehr zerfleddert war.  Falls hier irgendjemand etwas dazu finden sollte, bitte gebt mir diese Info weiter.

Und ich muß Euch sagen: solche Ganzkörpertattoos sehen schon toll aus!

So, jetzt habe ich genug gelabert. Lasst einfach die Bilder auf Euch wirken und schaltet den Ton an!

und hier das kleine, aber feine Museum

18

Von Gambier’s zu den Marquesas

Nachdem der Wetterbericht ja täglich anders ausschaut, haben wir in Abstimmung mit der Lazarina 2 schließlich beschlossen, das Mini-Wetterfensterchen von 3 Tagen zu nutzen, um abzureisen. Wir wollen uns gemeinsam auf die Fahrt nach Fatu Hiva begeben. (dies erleichtert es uns, da Stephane hier schon insgesamt 8 Jahre lebte und viele Leute kennt. Außerdem spricht er als Franzose natürlich die Landessprache 😊). Nach diesen 3 Tagen sollte uns ein Flautenloch erwischen, aber ein Fenster von 7 Tagen ist hier irgendwie nicht in Aussicht.

Am Freitagnachmittag sollte der Wind kommen – Stephane war aber irgendwie nicht zu bremsen und so rief er uns gegen 11 Uhr am morgen zu, daß sie jetzt losfahren würden. Gut, wir kommen nach, wir sind noch nicht soweit… außerdem war noch gar kein Wind da…

So haben wir schließlich auch gegen 15.30 Uhr den Anker gehoben und einen letzten Blick auf Rikitea und die anderen Boote geworfen. Wir konnten auch gleich die Segel setzen und unsere Fahrt aufnehmen. Solange wir in der Abdeckung des Atolls waren, war der Seegang auch total super angenehm – nämlich quasi nicht vorhanden. Aus der Abdeckung raus, fing natürlich der südpazifische Schwell an….

Wir kamen aber gut vorwärts und konnten mit guter Fahrt durch die Nacht und den Samstag fahren. Am Sonntag frischte der Wind dann auf und wir hatten teilweise bis zu 6 bft Wind und eine dazugehörige Welle. Aber dies war alles gut zu händeln, kam der Wind doch aus der richtigen Richtung von Südost über Ost. Am Montag war dann wie erwartet das „Flautenloch“, wobei totale Flaute nicht richtig ist. Wir hatten immer etwas Wind (haha, 1 bft). Da dieser dann aus Nordost bzw. Nord kam, hätten wir noch am Wind segeln können – hier langt uns auch weniger Wind. Mit der stehenden Welle ist dies aber wieder so nervenzehrend, daß wir schließlich den Motor dazu angeworfen haben und letztendlich die Segel heruntergeholt haben.

Das Fahren unter Motor bei Welle ist nicht sehr angenehm – ein Schwanken von links nach rechts mit jeder eintreffenden Dünungswelle. Mit Segeln fährt das Schiff viel stabiler und ruhiger. Am Abend aber kam doch wieder Wind (juhu – die Vorhersage passt nicht so mit der Flaute) und wir konnten wieder Segel setzen. Nachdem dann die Welle etwas weniger wurde und der Wind gleichbleibend mit 3 bft wehte, haben wir uns entschieden, unser Leichtwindsegel zu setzen.

Und wenn keine großartige Welle steht und das Schiff stark schwankt, sind wir inzwischen sogar sehr schnell im Setzen dieses Segels – nach 30 Minuten stand der Lappen am Himmel. Zu Erläuterung: um dieses Segel zu setzen, müssen wir auch alle dazugehörigen Schoten verlegen und das Segel aus dem Schiffsinneren nach oben befördern, alle Schoten und Umlenkrollen am Schiff befestigen und schließlich das Segel am Mast hochziehen. Und wenn man sich da nicht ständig irgendwo festhalten muß, geht das Ratz-Fatz.

Bevor wir am Dienstag in die Nacht gefahren sind, haben wir den Blister wieder eingeholt und mussten den Motor anwerfen. Zu wenig Wind und in der Nacht wollen wir ihn nicht bergen müssen. Zudem drehte der Wind dann auch noch über NNO auf N, so daß wir ihn jetzt genau auf die Nase hatten. Also mußte unser Dieselross wieder seinen Dienst tun.

Insgesamt war diese Überfahrt wieder genauso ereignislos, wie viele andere vorher schon auch – keine Schiffsbegegnungen (stopp: ein Frachter kam vorbei), kein Wal, kein Delfin – nix. Aber dafür hatten wir wieder einmal Angelerfolg. Gerade mit dem Abendessen fertig, spult unsere Angelschnur ordentlich aus. Ui – das muss was Größeres sein, so wie das rauscht. Während der Skipper an der Angel kämpft, entscheiden wir uns, das Schiff erst einmal „beizudrehen“. Wir waren unter Segel mit etwa 5 Knoten Fahrt unterwegs. Und dabei dann am Heck einen großen Fisch aus dem Wasser zu ziehen, ist sehr anstrengend und auch nicht ganz ungefährlich. So drehen wir bei, nehmen die Fahrt aus dem Schiff und können uns auf den Fisch konzentrieren.

Ein kurzes Stoßgebet an den Himmel, daß der Haken hält und uns der Fisch nicht vom Haken rutscht, wenn wir ihn an unserem steilen Heck hochziehen müssen. Aber alles gutgegangen und er liegt auf unserem Deck. Es handelte sich um einen „echten Bonito“. Jochen hat ihn dann ausgenommen und Steaks daraus geschnitten – am Ende mußten wir unsere Kühlbox in eine Gefrierbox verwandeln, da nun 7 kg Fisch darin verschwinden werden. Diesen werden wir dann so nach und nach in diverse Gerichte verzaubern.

Unsere Freunde von der Lazarina 2 haben wir unterwegs nur einmal kurz am Horizont gesehen. Sie kamen am Mittwoch abend mit dem letzten Sonnenlicht in der Ankerbucht Hanavave auf Fatu Hiva an und teilten uns mit, daß sie mit dem Ankergetränk auf uns warten würden und wir am nächsten Abend bei Ihnen an Bord zum Essen eingeladen wären. Wir haben es dann auch am Donnerstag morgen geschafft, unseren Anker in dieser traumhaften Bucht zu werfen. Was für ein Anblick!

Fatu Hiva ist ein Traum, man kann es nicht anders sagen. Eine aus dem Meer steil aufragender Bergipfel vulkanischen Ursprungs. Grün in allen möglichen Schattierungen, zerklüftete Berge und Täler.

Am Nachmittag sind wir dann auch gleich gemeinsam mit der Lazarina in den kleinen Ort zur ersten Übersicht marschiert und bekamen von Stephane viel erklärt. Auch ein erster Besuch bei seinen Freunden hier im Ort stand auf dem Plan. So konnten wir gleich einmal auch die hießige Kunst der Tiki’s sehen. Fatu Hiva ist berühmt für seine Skulpturen aus Holz und Stein. (jeder Teil in französisch Polynesien ist für etwas anderes bekannt, die Gambiers ja für die schwarzen Perlen und Fatu Hiva für die Tiki’s).

Der Abend endete dann mit einem leckeren Abendessen bei Stephane und Michele: auch sie hatten den gleichen dicken Fisch gefangen wie wir, vielleicht haben wir zwei Brüder erwischt 😉. So gab es als Vorspeise rohen Thunfisch mit Sashimi und als Hauptgericht Thuna-Steaks mit Reis. Sehr lecker!

Hier auf Fatu Hiva besteht endlich die Möglichkeit, wieder einmal zu wandern – was in dieser Hitze aber wirklich sehr mühsam ist. So sind wir auch gleich einmal zu einem Wasserfall marschiert. Gerade einmal 4 km einfache Strecke…aber was war ich froh, dort ins kühle Nass zu hüpfen. Hier ist es doch wesentlich wärmer als auf den Gambiers. Das Klima am Wasserfall war sehr angenehm aufgrund des kühlen Wassers. Erst beim Verlassen und dem Austritt aus dem Wald traf uns der Hitzeblitz wieder.

Die Menschen hier sind auch sehr freundlich, jeder fragt, wo man herkommt und jeder will einem sein Kunsthandwerk zeigen und natürlich auch verkaufen. Wir haben uns dann auch unseren „Wilson“ – einen kleinen Tiki bestellt (einen weiblichen).

Zusammen mit der Lazarina 2 und etlichen anderen französischen Segelbooten waren wir bei einem Barbecue bei Jaques und Desire eingeladen. Dies sind die Freunde der Lazarina – und da wir das Glück haben, mit ihnen hier zu sein, wurden wir mit eingeladen. Für dieses Barbecue sind einige Männer am Morgen mit Jaques zum Angeln hinausgefahren und haben den Fisch „besorgt“. Dazu gab es noch Hühnchen (beides auf dem offenen Grill am Boden gegrillt) und diverse Salate und Beilagen, die von den einzelnen Crews mitgebracht wurden. Auch einige Nachspeisen durften nicht fehlen – also kochen und genießen können die Franzosen schon!!! Es war ein sehr netter Nachmittag, auch wenn die Verständigung manchmal etwas holprig war oder über Dritte gehen musste.

Jochen hat sich dann an einem Tag auch noch aufgemacht, das hiesige Gipfelkreuz zu besuchen – mir war das zu mühsam, nachdem wir am Tag vorher nochmals zum Wasserfall marschiert sind. Der Weg hinauf ist wohl recht einfach, da er meist auf der Straße entlang geht, aber halt sehr steil. Da bleib ich lieber am Boot und erledige einige Dinge von meiner To-Do-Liste.

An diesem Abend waren wir dann auf dem Nachbarboot zum Sundowner eingeladen. Wow! Bei diesem Boot handelt es sich um einen 50-Fuß-Katamaran der Luxusklasse. Was ein Unterschied zu unserer einfachen Behausung!!!! Der Eigner war sehr nett und wir haben uns gut unterhalten.

Waren wir bei unser Ankunft in der Bucht gerade einmal 6 Boote, sind es zwischenzeitlich 13 Boote gewesen. Hier sind eindeutig die Katamarane in der Überzahl! Kaum vorstellbar für uns Deutsche, einen Katamaran sieht man in Nord- und Ostsee eher nicht. Hier in Polynesien (und wohl auch in der Karibik) sind sie das übliche Bild eines Segelbootes.

Abschließend gab es nochmals ein Barbecue, zu dem Stephane eingeladen hatte, da er hier seinen 68. Geburtstag feiert. An diesem Barbecue wurde ordentlich aufgetischt, Desire hatte gekocht und gegrillt. So gab es frische Langusten, gekochtes Schweinefleisch, Rindfleisch, Nudeln…. Es war abschließend noch einmal sehr lecker und hat uns den Abschied versüsst. Am nächsten Tag sind wir dann aufgebrochen, um langsam Richtung Norden zu unserem Festival in Ua Huka zu kommen. Das Ziel war die nächste Insel Tahuata, auch hierhin sind wir gemeinsam mit der Lazarina gefahren.

Wir konnten die gesamte Strecke bei ordentlichem Wind segeln und wir haben wieder unser Angelglück versucht. Wir hatten auch etliche Male etwas an der Leine, aber leider jedes Mal wieder verloren…. Dann gibt es halt keinen frischen Fisch sondern noch den Tuna aus dem Gefrierer.

Nachdem wir dann um die Inselspitze gefahren sind, war dann auch der Wind weg und unser Motor musste wieder seinen Dienst verrichten. Kurz vor dem Ankerplatz dann der Schreck: oh, Gott – die Temperaturanzeige vom Motor dreht gleich durch – viel zu heiß. So sind wir mit ganz kleiner Drehzahl unser Ankermanöver gefahren und der Skipper hat sich dann auch gleich auf Fehlersuche begeben.

Unser Kühlwasser war komplett weg! Er hat dann wieder einige Stunden herumgetestet und am Wärmetauscher die Dichtungen gewechselt. Glücklicherweise hatten wir hier noch ein paar neue Ersatzteile. Und wie es ausschaut, ist der Fehler jetzt behoben.

Tahuata ist auch eine reizende Insel. Wir haben im kleinen Örtchen Hapatoni dann den hießigen „Chef-Tänzer“ und Choreographen Cyrill besucht, der auch wunderschönen Schmuck und anderes aus sämtlichen Materialien wie Holz, Knochen, Muscheln etc. herstellt und der selbst ein einziges Kunstwerk ist. Sein Körper ist komplett mit traditionellen Tattoos bedeckt. Selbst das Gesicht und die Lippen sind schwarz. Das muß man echt mal live gesehen haben – das macht schon was her.

Cyrill – ein netter Zeitgenosse, der martialisch aussieht

Bei diesem Miniausflug sind wir dann mit einem Pick-up in den nächsten Ort zum Mittagessen gefahren. Auch das: ein Erlebnis. Die Straßen sind Offroad-Pisten steil bergauf und bergab und das Fahrzeug wird maximal im 2. Gang bewegt. Auch dieser Ort sehr nett mit einer luftigen und wunderschönen Kirche.

Wir haben uns dann für den nächsten Tag entschieden, daß wir auf den Berg hinauflaufen wollen, die Beine müssen doch mal langsam wieder an das Wandern gewöhnt werden. Das Laufen ging gut, ging es doch nur die „Straße“ entlang, aber die Höhenmeter haben es bei dieser Hitze doch schon in sich. Auf dem Bergkamm dann wieder tolle Ausblicke, auch auf unsere Ankerbucht. Bei Zurücklaufen haben wir dann ein paar Einheimische beobachten können, die gerade Schweine geschlachtet haben und die Innereien (Darm, Magen) dann direkt am Pier im Salzwasser ausgewaschen haben. Hängt bei uns mal ein Schweinchen einfach so im Hof offen auf und zerlegt es!!! Hier gibt es noch die Hausschlachtung wie bei uns früher.

In dieser Bucht haben wir dann nochmals einen geselligen Abend auf der Lazarina mit 4 anderen französischen Booten verbracht. Wir haben zwar fast kein Wort verstanden, aber es war trotzdem wieder nett! Von dieser Bucht haben wir uns am nächsten Morgen verabschiedet, nachdem Jochen noch vor dem Frühstück mit Delfinen geschnorchelt ist, die in dieser Bucht regelmäßig vorbeikommen. Wir sind weiter nördlich in eine Ankerbucht, die mit den Nachbarbuchten zusammen, die einzigen weißen Sandstrände der Marquesas haben. Was ein Anblick: eine große halbrunde Bucht mit Sandstrand, gesäumt von Palmen und hintendran die saftig grünen Hügel.

Am Spätnachmittag kommt dann die Info, daß die Mantas in der Bucht sind! Nix wie rein in den Schnorchelanzug und ab auf‘s Dinghi. Was ein Gebrodel, wenn sich diese imposanten Tiere an der Wasseroberfläche bewegen. So schnell wie hier war ich noch nie im Wasser. Und schon waren wir mittendrin. Das Wasser war leider nicht sehr klar, aber logisch, wenn die sich hier den Bauch mit Plankton vollschlagen, dürfen wir kein klares Wasser erwarten. Wenn dann aus dem Blau ein Schatten auf Dich zukommt mit einer „Flügelbreite“ von 4 Metern, aufgerissenem Maul und elegant einen Purzelbaum schlägt, das ist schon der Hammer. Und sie drehen erst kurz vor dir ab, so daß du denkst „jetzt rempelt er mich um“ – ich habe da schon großen Respekt, obwohl ich ja weiß, daß das absolut friedliche Giganten sind. Und vor allem: es ist ja nicht ein einzelner Manta, das war ja eine ganze Schule. Man wusste gar nicht, wo man hinschauen sollte. Zum Sonnenuntergang haben wir dann diese Schnorchelei beendet, denn wir sind zum Abendessen auf der Lazarina eingeladen, diese müssen ihre Lebensmittel aufbrauchen, da sie in wenigen Tagen ihr Boot aus dem Wasser holen und nach Frankreich in den „Urlaub“ fliegen.

Hier bleiben wir nur für eine Nacht, da wir bald mal in Ua Huka ankommen müssen, wenn wir noch die Chance auf einen Ankerplatz auf dieser Insel haben wollen. Aber hierher kommen wir bestimmt noch mal zurück! Garantiert!

Nächster Morgen ab nach Hiva Oa, einer größeren Insel mit guter Versorgung. Von hier aus fliegen die Lazarina’s nach Hause und stellen Ihr Boot dafür an Land. Wir nutzen hier die Chance, um unsere Gas- und Benzinvorräte aufzufüllen und noch etwas frische Lebensmittel nachzukaufen. Das machen derzeit wohl sehr viele Segler, denn es ist ein ständiger Bootswechsel vor Atuona. Da wir recht flott alles erledigen können, verbringen wir auch hier nur eine Nacht und am Abend starten wir dann nach Ua Huka. Dies ist eine Strecke von 70 bis 80 Seemeilen, so daß wir gemütlich über Nacht fahren können und dann morgen vormittag mit Licht vor Anker gehen können. Auch nach Hiva Oa werden wir nochmals zurückkommen und etwas längere Zeit verbringen, aber jetzt heißt es erst einmal Ankerplatz in Ua Huka sichern, solange es noch Platz gibt…..

Hiva Oa, Ankerplatz im „Hafenbecken“ vor der „Hauptstadt“ Atuona

Über Ua Huka dann mehr in unserem nächsten Blog, in dem wir dann hoffentlich von einem faszinierenden Festival berichten können.

18

Gambier Inseln

Eigentlich gibt es nicht Vieles weiter zu berichten, was wir nicht schon in unserem letzten Beitrag geschrieben hätten. Wir ziehen von Ankerplatz zu Ankerplatz, gehen Wandern, wenn es hierzu Möglichkeiten gibt oder erkunden die Unterwasserwelt mit den Flossen an den Füssen. Zwischendurch kommt auch mal das Versorgungsschiff – was nicht nur ein Highlight für die Inselbewohner ist – und so zieht es uns dann nach Rikitea, um unsere Vorräte etwas aufzustocken. Wir waren auch bei Daniela und Rolf auf dem Boot, die uns dann anhand von Fotos die Produktion der Perlen erklärt haben und uns ihre eigene Stücke vorgeführt haben, wieder etwas schlauer. Bei all dem vielen Terminen 😉 hatten dann Valerie und Herve an einem Sonntag zum BBQ eingeladen. Hier treffen sich dann alle interessierten Segler zum gemeinsamen Grillen; jeder bringt etwas mit und wird schließlich geteilt. Im Anschluss sind wir in die Kunst des Boule-spielen eingewiesen worden, gegen die vielen Profis aus Frankreich hat sich Team Germany gar nicht so schlecht geschlagen. Mit der Lazarina und Topaia sind ziwschenzeitlich auch zwei Schiffe angekommen, die wir kurz in Patagonien getroffen hatten. Beim gemeinsamen Zusammensitzen werden „alte“ Erinnerungen aufgefrischt und die weiteren Pläne ausgetauscht, was den Aufenthalt hier nicht langweilig werden lässt. Aktuell warten wir eigentlich nur auf das passende Wetterfenster, um unser nächstes Ziel zu erreichen, die Marquesas. Kein leichtes unterfangen, täglich schaut der Wetterbericht komplett anders aus, mal schauen, drückt uns schonmal die Daumen. Dafür gibt`s noch ein paar Bilder zum Träumen.

13

angekommen am Traumziel, Südsee

nun sind wir da – in Französisch Polynesien. Nein, nicht in Tahiti oder Bora Bora – es gibt noch so unendlich viel mehr, als diese beiden bekannten Inseln. Aber bei uns zu Hause in Deutschland kennt man als Nichtsegler die vielen anderen Möglichkeiten überhaupt nicht. Und sogar als Segler, der sich nicht explizit mit der Südsee beschäftigt, kennt man Namen wie Tuvalu, Kiribati oder Vanuatu nicht und wüsste nicht, wo man die suchen sollte und das sind noch nicht einmal die Namen von einzelnen Inseln.

Daher möchte ich Euch erst einmal einen kleinen Überblick verschaffen. Wir sind jetzt in der „Südsee“ ganz im Südosten, noch weit, weit weg von Neuseeland oder Australien. Hier mal eine Übersichtskarte – oben links seht ihr mal den Gesamtüberblick. Wir sind wie eben erwähnt ganz unten rechts angekommen, in den Gambiers mit der Hauptinsel Mangareva. Die Segler, die über die übliche Route durch den Panama-Kanal hierher fahren, kommen normalerweise auf den Marquesas-Inseln an.

Französisch Polynesien (FP) besteht aus 5 Inselgruppen wie Ihr seht und wir werden – so der Plan – uns von unten rechts nach oben rechts über die Mitte nach links vorarbeiten. Und danach geht es immer weiter nach links – also Westen. Die Inselgruppen sind auch sehr unterschiedlich in Ihrer Erscheinung. Momentan befinden wir uns in einem Atoll, das sich aus einem Zentralvulkan gebildet hat und vulkanisches Gestein hat. (sehr scharfkantig!!) Die Tuamotus sind total flach und sind insgesamt 78 Korallen-Atolle. Die Marquesas im Norden sind Gipfel einer aus der Tiefsee aufragenden Gebirgskette vulkanischen Ursprungs. Hier gibt es keine umlaufenden Saumriffe wie bei den flachen Atollen.

Wir werden also total unterschiedliche Inseln zu sehen bekommen. Momentan sind wir im kleinsten Archipel. Die Gambier sind insgesamt 43 Inseln oder Inselchen, hier Motu genannt. Dies ist zum Teil nur eine kleine Sanderhebung auf dem Saumriff. Unsere Lagune hat einen Durchmesser von etwa 25 km, so daß wir recht schnell wechseln können, um an einem anderen Motu unseren Anker fallen zu lassen. Hier gibt es auch einen kleinen Flugplatz und zweimal in der Woche kommt auch ein Flieger aus Tahiti.

Soviel hierzu, wer mehr wissen will, kann das alles in Wikipedia nachlesen – ich lese auch immer nach und vergesse ganz schnell wieder ganz viel… (ja, auch ich werde älter und das sind halt keine Zahlen…)

Nach unserer Ankunft haben wir unseren Anker ja vor der „Hauptstadt“ Rikitea geworfen und haben uns ordnungsgemäß bei der hiesigen Gendarmerie angemeldet. Noch nie war einklarieren so einfach! Wir sind ja jetzt in Frankreich und mussten hier nur vorher Online ein Formular ausfüllen, das wir auch weiterhin pflegen müssen. Hier werden alle angelaufenen Ziele eingetragen und wenn wir FP verlassen, müssen wir das dann auch eintragen. Dem Gendarmen haben wir einfach unsere zugewiesene Registrierungsnummer mitgeteilt, er hat irgendwas im System eingegeben und das wars. Einen Stempel in den Pass haben wir nur bekommen, weil wir ihn wollten. Als Europäer wäre das nicht nötig. Wir dürfen jetzt hierbleiben, aber unser Boot hat keinen unbegrenzten Aufenthalt. Nach 2 Jahren müssten wir dieses „importieren“ und dafür Zoll bezahlen. Also heißt es aufpassen und vorher mal ausreisen.

Hier auf den Gambier ist alles noch sehr idyllisch, weil abgelegen von den Hauptrouten. Es gibt keine Restaurants, Cafes oder große Supermärkte oder dergleichen. Cirka alle 3 – 4 Wochen kommt das Versorgungsschiff vorbei und dann gibt es wieder Frischware in den kleinen Läden vor Ort. Es gibt mehrere kleine „Imbiss“ Möglichkeiten. Und alles hat hier halt seinen Preis, weit abgelegen von allem. So kostet z.B. ein 6er-Pack Dosenbier (á 0,5 ltr) stolze 2400 CFP. Das sind umgerechnet 20 €. Ja gut, daß Jochen kein Bier trinkt 😊

Hier auf Mangareva kann man einige Wanderungen machen. Zur Eingewöhnung sind wir zunächst auf dem Bergkamm direkt am Ort entlanggelaufen. Die höchste Erhebung ist der Mont Duff, 441m hoch. Diesen haben wir natürlich auch schon bestiegen, vor allem auch, weil gerade Himbeersaison ist und der gesamte Berg voll mit Himbeersträuchern ist.  Das war schon ganz schön anstrengend. Es ging ordentlich nach oben und das mit unserem ungeübten Seglerbeinen. Aber die Mühe hat sich gelohnt, die Schüssel war voll und der Ausblick natürlich atemberaubend.

Die Natur hier ist wirklich unglaublich! Sämtliche Pflanzen, die wir von zu Hause als Zierpflanzen im Topf für’s Wohnzimmer kennen, stehen hier in voller Pracht in riesig!!! Habt Ihr schon mal einen Weihnachtsstern als Baum gesehen?!?!? Aber seht selbst in meiner kleinen Pflanze- und Früchtegalerie:

Wir haben natürlich auch schon andere Ankerplätze hier im Atoll besucht. Der erste Platz war am Motu Totegegie, der Flugplatzinsel. Dort ist ein Pass raus in den Pazifik, wo man toll schnorcheln kann. Man muß nur auf die Gezeiten achten, denn hier zieht es schon ordentlich rein und raus. Wir haben dann gleich bei der ersten Erkundung 12 kleine Schwarzspitzen-Riffhaie direkt am Strand gezählt. Jochen hat sich dann auch die Flossen angezogen und ist mal kurz ins Wasser; um festzustellen, daß selbst ihm die Strömung dann doch zu arg ist. Ich hatte gleich abgewunken. Wir sind dann auch die komplette Insel abmarschiert, nur leider wurde uns am Flughafen verwehrt, hier weiter zu gehen. Haben wir es wirklich geschafft, am Flughafen vorbeizukommen, wenn außerplanmäßig ein Flieger da war. Somit war auch Personal vor Ort und jenes teilte uns mit „nicht erlaubt“.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie auf die Außenseite das Atolls die Wellen aufschlagen. Entsprechend sind diese auch voll mit toten, aufgeworfenen Korallen und vielen anderem, auch Müll. Man kann hier noch total gut die Strukturen der einzelnen Korallenarten erkennen. Die Inseln sind voll mit Seevögeln, die hier brüten. Auch unter Wasser brummt das Leben an den hier „Bommies“ genannten Korallenblöcken. Sind diese für uns beim Ankern eher ein Problem, weil wir diese ja nicht in unserer Kette haben wollen a) wollen wir uns nicht festfahren und b) wollen wir ja auch nichts kaputtmachen.

So ist beim ankern Voraussicht wichtig: man sucht sich einen hellen Fleck, der für Sandgrund steht und prüft, ob dieser groß genug ist, um darin zu schwojen. Sind in der Nähe doch einige Bommies, so werden nochmals Ankerbälle in die Kette eingehängt, so daß die Ankerkette nicht komplett auf dem Grund liegt sondern eher im Wasser schwebt. Und somit über den Bommies. Jochen prüft beim ersten Schnorcheln dann immer, ob das so passt und evtl. verlegen wir nochmals oder schleppen den Anker mithilfe einer Leine ein paar Meter weiter. Save the nature! Bis jetzt hat es geklappt.

Unser nächster Ankerplatz war ganz im Norden des Atolls am Motu Puaumu. Ein toller Ort. Wirklich flach, die Insel voller Vögel und Pflanzen und ein toller Schnorchelspot. Und keine Menschenseele. Ab 18 Uhr ist es hier ja dunkel – und ich meine dunkel. Nur die Sterne, der Mond und sonst nix.

Wir wechseln jetzt hier also die Ankerplätze so durch und zwischendurch fahren wir immer wieder mal nach Rikitea zum ankern. Hier sind nun mal die Wanderwege, die Einkaufsmöglichkeiten und die Chance, am Wochenende auch mal zum Essen zu gehen. So haben wir hier endlich wieder einmal gute Pommes gefunden. Nach einem Jahr Chile mit „Latschepommes“ ein Genuss. Am Sonntag treffen sich die Einwohner zum Boule-Spielen hinter dem Rathaus, leider können wir uns kaum unterhalten, da wir ja so gar kein Französisch können und die Menschen hier halt nur etwas Englisch. So ist ein kleiner Plausch eher schwierig. Die Leute sind jedoch alle sehr freundlich und heißen uns immer Willkommen. Vor allem, da wir mal keine Franzosen sind 😊 Diese sind hier natürlich in der Überzahl. Momentan sind wir hier 8 Segelboote, davon eines von Schweizern, die hier leben, wir und der Rest Franzosen – und diese fahren meist Katamarane. Für diese Landsleute ist es natürlich auch einfach – sie dürfen hier auch arbeiten gehen ohne Probleme. So haben wir einen jungen Franzosen kennengelernt, der über die Karibik und den Panama-Kanal hierher gekommen ist. Er hatte zwischendurch in der Karibik einmal gearbeitet und plant dies dann wieder für Neu-Kaledonien. Das ist der Vorteil, wenn sein Land noch „Kolonien“ hat.

Ich werde jetzt nicht viel mehr erzählen, lasst einfach die Bilder auf Euch wirken – ich sage Euch: in Natura ist das noch viel besser als auf diesen winzigen Fotos.

Eines noch: zwischenzeitlich ist hier am Strand auch ein Seeleopard aufgetaucht. Was ist das denn jetzt wieder? Ein Seeleopard ist eine Robbenart, die eigentlich in der Antarktis heimisch ist und wandert höchstens bis Australien. Der hier angekommene Kollege hat leider etliche Verletzungen und liegt nun am Strand. Zu Anfang hat sich noch die Gemeinde darum gekümmert und sogar auf Ihrer Facebook-Seite berichtet, aber nun liegt der arme Geselle da am Strand und wird wohl über kurz oder lang hier verenden. Wie er hierher kam? Tja, da kann man nur spekulieren. Ich tippe auf Beifang in einem Netz der großen Fischfangflotten, der dann „entsorgt“ wurde. Das ist leider auch Natur. Ein paar Tage später war er dann weg… Vielleicht hat er sich ja auch nur erholen müssen und zieht jetzt wieder munter Richtung Antarktis.

Seeleopard am Strand von Rikitea

So, das war’s jetzt erst mal für das Erste. Ihr habt jetzt genug Bilder zum angucken und neidisch werden.

23

Überfahrt zu den Gambier Inseln

Nachdem Fred und der Außenborder schließlich verstaut sind und soweit alles vorbereitet ist, heißt es endlich gegen 19 Uhr Anker auf. Doch hier der erste Schreckmoment, unsere Ankerkette hat sich wohl irgendwo am Grund um einen Felsen verschlungen. Mit ordentlich Zug auf der Kette und dem leichten auf und ab in der Dünung vom Boot kommt sie schließlich frei, Glück gehabt. Hätte das nicht funktioniert, hätte sich die Abfahrt wohl um einen Tag verschoben. Bei 20 m Wassertiefe hätte es eine Tauchausrüstung benötigt, um die Kette wieder frei zu bekommen. Unsere ist gut um Schiff verstaut und sich an eine der örtlichen Tauchschulen zu wenden, hätte alles noch einiges an Zeit gekostet. Bis es soweit gewesen wäre, wäre es schon so dunkel, daß daran nicht mehr zu denken gewesen wäre ins Wasser zu gehen, Tauchlampen haben wir leider keine dabei. Es hätte auf den nächsten Tag verschoben werden müssen. Aber wie gesagt, Glück gehabt.

So können wir schnell die Segel setzen, bei der Behörde noch schnell unsere Abfahrt durchfunken und los geht´s. Kaum aus der Landabdeckung draußen ist der Wind auch so kräftig, daß wir die Segel gleich noch etwas weiter reffen müssen als eh schon gemacht. Dann passt alles und so geht es die nächsten 2 Tage ohne weiteres Zutun dahin. Der Wind dreht schließlich immer weiter, nimmt auch noch etwas zu und wir fahren nun hoch am Wind unserem Ziel entgegen. Eine sehr zermürbende Fahrt, sowohl für´s Gemüt als auch für´s Material.

Dazu will ich euch mal ein wenig in die Grundlagen vom Segeln entführen. Der Einfachheit werde ich die Werte etwas runden, damit es verständlicher wird, der Profi wird mir verzeihen. Zuerst mal die Windgeschwindigkeiten die bei uns oft in Beaufort, kurz Bft, angegeben sind. Hier handelt es sich um eine Windscala die besagter Herr Beaufort entwickelt hat. 1 Bft entsprechen einer Windzunahme von ca. 5 kn, das sind ca. 10km/h. So entsprechen 5 Bft um die 20 kn Wind. Beim Segeln sprechen wir noch von einem wahren Wind und dem scheinbaren Wind. Der wahre Wind ist der Wind, den ihr spürt wenn ihr an einem festen Ort steht, Richtung und Stärke entsprechen den Angaben. Der scheinbare Wind ist der Wind den ihr in Bewegung spürt. Als Beispiel nenne ich mal das Fahrradfahren. Wenn ihr bei 20 km/h Wind dem Wind genau entgegenfahrt mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h (mit E-Bike schafft das jeder😉), so spürt ihr den Wind mit 40 km/h. Fahrt ihr mit den gleichen Werten genau mit dem Wind von hinten, so fühlt es sich an als wäre Windstille. Das ist der scheinbare Wind mit dem wir auf unserem Boot unterwegs sind. Kommt der Wind noch etwas von der Seite, ändert sich auch mit der Boots- bzw. Fahrradgeschwindigkeit der Einfallswinkel vom Wind. Auf dem Boot fahren wir auf Am-Wind-Kurs = Wind von vorne, Halb-Wind-Kurs = Wind von der Seite, Raumschot-Kurs = Wind von hinten. Jetzt fahren wir auf Am-Wind-Kurs bei besagten 5 Bft ca. mit 8 kn durch das Wasser, das fühlt sich dann schon an wie 6-7 Bft Wind, das ist schon nicht ohne. Fahren wir mit den gleichen Werten nun Raumschot, sind es nur noch 3-4 Bft Wind die wir auf dem Boot spüren und auch zur Verfügung haben, um vorwärts zu kommen. Jetzt kommt noch der Faktor Welle/ Dünung mit ins Spiel, auf dem Fahrradweg oder der Straße bleiben die Bedingungen ja gleich. Die Dünung ist in der Regel eine er langgezogene Welle die von einem weit entfernten Windsystem kommt. Hier im Südpazifik kommt jene meist aus südwestlicher Richtung und entstehen tut sie südlich des 40ten Breitengrades in den Stürmen, die da unten gang und gäbe sind. Die Welle kommt, der Einfachheit wieder gesagt, aus der Richtung, aus der der Wind kommt und wird auch von jenem erzeugt den man vor Ort hat. Fährt man nun auf Am-Wind-Kurs, kommen einem die Wellen mit ihrer etwas steileren Seite entgegen, das Schiff kämpft gegen die Wellen an. Ein ständiges Stampfen ist die Folge, viel Gischt und Wasser kommen über das Deck. Fahren wir Raumschot kommt die etwas flachere Seite der Welle von hinten, hebt das Schiff sanft an und geht mit der Welle auch wieder sanft nach unten. Wie in einen Fahrstuhl ein auf und ab, aber alles entspannt. Auf Halbwindkurs ist das Ganze eine Mischung aus den beiden, Windstärke ist wie angesagt und die Welle von der Seite. Ich hoffe es soweit verständlich geschrieben zu haben, ansonsten könnt ich über den Kommentar gerne nachfragen.

Bei der letzten Überfahrt zu der Osterinsel waren wir auf der Nordseite von einem Hochdruckgebiet, hatten somit auf der Südhalbkugel den Wind von hinten (die Wettersysteme drehen auf der Südseite entgegengesetzt wie auf der Nordseite) und die Fahrt mit 8 Bft war weitestgehend entspannt. Bei der Überfahrt die wir jetzt haben, sind wir auf der Nordseite eines Tiefdrucksystems, also Wind von vorne. Waren zuvor 8 Bft entspannt, ist es jetzt bei 6 Bft schon etwas übel. Da wir ja nicht genau gegen den Wind segeln können, kommt der Wind leicht schräg von vorne. Durch den Wind in den Segeln haben wir schon eine Grundkrängung (Krängung = Schräglage) im Schiff. Unsere Josa kämpft sich wacker durch die Wellen, nur die Wellen die dabei ständig auf die Bordwand prallen, sind lautstark und bringen das Boot immer wieder stark ins Schwanken. Kommen dann die etwas größeren Wellen an, spritzt die Gischt über das ganze Boot und etliche Kubikmeter Salzwasser werden über das Deck gespült. Die Belastungen für das Boot sind enorm und das eigene Gemüt leidet auch stark. Nach eineinhalb Tagen langt es uns, wir drehen etwas ab und sind nun mit Halbwind unterwegs, die Wellen von der Seite und etwas weniger scheinbarer Wind, lässt das Ganz schon viel erträglicher werden. Von dem Plan die Pitcairn Insel (bekannt von der Bounty, deren Meuterer sich hier niedergelassen haben und deren Nachfahren noch heute hier leben) zu besuchen, können wir uns in diesem Moment verabschieden. Was mich am meisten dabei stört: wir verpassen noch ein kleines Atoll, das auf dem Weg dahin liegt, Ducie Island. Eines der abgelegensten Atolle der Welt, kaum jemand kommt hier vorbei. Alles unberührte Natur, hier mal den Kopf Unterwasser zu stecken, mit Sicherheit traumhaft schön und interessant. Aber so ist das Seglerleben: es gibt Pläne, um sie zu ändern. So fahren wir anfangs einen Nordkurs. Später, als die Bedingungen etwas besser werden, einen Nordwestkurs um einem größeren Flautengebiet, das im Anmarsch ist, möglichst aus dem Weg zu gehen; ganz werden wir es wohl nicht schaffen. Der ursprüngliche Plan während der Flaute die Zeit am Atoll zu verbringen, hätte auch nicht funktioniert, der Weg wäre doch noch zu weit gewesen, um rechtzeitig dorthin zu kommen. Da wir am Rand von einem Tiefdruckgebiet unterwegs sind, sind die Tage und Nächte weitestgehend bewölkt, die Sonne zeigt sich nur spärlich. Nach zwei weiteren Tagen steht wieder mal der Wechsel zwischen zwei Windsystemen auf dem Programm. Wie bei der letzten Überfahrt hält mich das Ganze wieder über viele Stunden auf Trab, natürlich auch wieder in der Nacht, was sonst. An Schlaf ist so gut wie gar nicht zu denken. Als sich der Wind schließlich eingependelt hat ist es schon taghell und ich kann mich auch endlich mal auf´s Ohr legen. Den Rest vom Tag verbringe ich meist in der horizontalen, um den Schlaf nachzuholen. Mit dem neuen System sind wir jetzt auch in einem Hochdruckgebiet, die Sonne begleitet uns und ein Blick in den Mondkalender verspricht Neumond, sprich kein Mond zu sehen. Die nächste Nacht lässt somit einen fast ungetrübten Blick auf den Sternenhimmel zu, nur ein paar Wolken sind zu sehen, einfach traumhaft dieser Anblick. Letztendlich kommen wir auch in das Flautengebiet wie angekündigt, wir haben aber Glück und sind wirklich bis an den Rand gekommen. Wir haben immer gerade noch soviel Wind, daß wir unter Segel fahren können, zwar sehr langsam – aber immerhin; und ob wir ein oder zwei Tage später auf den Gambier´s ankommen ist nicht so wichtig, Zeit haben wir ja.

Vielen Dank an Ulf der uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat, wir können mit unseren Mitteln leider keine Sternenbilder fotografieren. Die Bilder zeigen den Sternenhimmel von dem ich immer so schwärme noch viel deutlicher, sie sind in der Atacamawüste aufgenommen, keine Lichtverschmutzung und noch weniger Staub in der Luft.

Als der Wind wieder einsetzt, setzen wir doch wieder Kurs auf Ducie Island, wir sind gerade mal 170 sm davon entfernt, wir wären in spätestens 30 Stunden dort. Der Wind würde gut passen, um dorthin zu kommen. Ich checke nochmals alle Für und Wider der Vorhersage, die für die weiteren Tage gemeldet sind und nochmal und nochmal. Schweren Herzens fällt doch der Entschluss, wieder direkten Kurs auf das Gambier Archipel zu nehmen. Zu einem haben wir noch mäßigen Wind, wenn wir an dem Atoll ankommen würden, die Ankerverhältnisse sind völlig unklar, im Zweifel müssten wir trotzdem weiterfahren. Auch für den weiteren Verlauf danach schaut es nicht gut aus. Das nächste Eiland ist Henderson 200 sm weiter, auch hier die Ankerverhältnisse völlig unklar. Um dorthin zu kommen müssten wir auch wieder ein Flautenloch überbrücken. Danach dann wieder kräftiger Wind, vor dem wir uns irgendwo Schutz suchen müssten. Das wäre dann die Pitcairn Insel nochmals weitere 100 sm entfernt, Ankerplatz sehr rollig und ein anlanden an Land nur bei ruhigen Verhältnissen möglich. Alles Dinge, die letztendlich entschieden haben, daß wir diese interessanten Inseln nicht anlaufen werden. Nach zwei Tagen, auf denen wir Raumschot und mit guten Windverhältnissen unterwegs sind macht sich so langsam die uns bevorstehende Flaute bemerkbar, der Wind nimmt langsam aber stetig ab. Gerade am raumen Kurs, wenn der Wind zu wenig wird, rollt das Schiff immer mehr von der einen Seite auf die andere, da der Winddruck in den Segeln fehlt. Durch diese Rollbewegung fangen die Segel immer mehr das Schlagen an. Wenn man bedenkt, daß sich die Mastspitze immer 5 Meter von der einen zur anderen Seite bewegt – und das innerhalb kürzester Zeit – erzeugt das schon beachtliche Beschleunigungen in den Segeln, die das Ganze verursachen. Die nächsten beiden Tage werden die Nerven wieder auf eine harte Probe gestellt. Wir passen den Kurs und die Segel immer wieder an, um es zumindest etwas abzumildern. Die zweite Nacht lässt die Überlegung schon aufkommen unter Maschine weiter zu fahren. Aber die nächsten drei Tage noch unter Maschine bis zum Ziel? Nein Danke, wir halten durch. Am Morgen ergibt sich dann ein ganz neues Bild, der Wind hat kräftig gedreht und die Welle sich auf ein Minimum reduziert. Ich setzte beide Segel, das Großsegel war zuletzt zur Pause verdammt worden und die Genua nur zu 80% gesetzt, alles dem Schlagen geschuldet. Nun kommen wir auf einem Amwindkurs, trotz der er schwachen Windverhältnisse, gut voran und durch die wenige Welle gleiten wir jetzt gemächlich über das weite Blau des Pazifiks. Die Sonne lacht vom Himmel und das Meer hat seine tausenden Spiegel ausgepackt, die im steten Wechsel die Wasseroberfläche in einem silbernen Glanz erscheinen lässt, Seglerherz was willst du mehr. Dieser uns wohl gesonnene Zustand hält natürlich nicht ewig an, am nächsten Tag ist es dann so weit. Das Segel hängt fast wie ein nasser Sack am Vorstag, wir bergen es. Aber bevor wir die Maschine starten gibt es noch ein erfrischendes Bad im Pazifik, welche Wohltat. Ich schwimme eine Runde um das Boot in einem unglaublichen Blau, in diesem Bereich ca. 3200 m tief. Wer kann schon von sich behaupten in so einem tiefen Gewässer mal geschwommen zu sein? Schreibt uns gerne.

Dann geht´s schließlich unter Motor weiter, zum Glück aber nur 3 Stunden lang, bevor der Wind wieder einsetzt. Kleiner Nebeneffekt, die Batterien sind auch wieder voll geladen. Wir setzten nur die Genua für die weitere Wegstrecke, aber schon schnell wird der Wind immer kräftiger, ich fang das reffen an. Kurz darauf taucht am Horizont auch noch ein Wolkenband auf, das ein Anzeichen für weitere Windzunahme ist. Als es immer Näher kommt, wird weiter gerefft, viel steht nicht mehr vom Tuch. Aber genau zur richtigen Zeit und in der richtigen Dimensionierung sind wir gut gewappnet für das, was kommt. Es ist wesentlich entspannter so etwas am Tag zu erleben, man sieht was kommt und kann entsprechend reagieren. Schließlich dreht der Wind und wir sind in unserem neuen Wettergebiet angekommen. Es ist Zeit, die ersten Berechnungen für unsere Ankunft zu tätigen. Der Wind sollte uns bis zu den Gambier´s gewogen sein. Aktuell kommt er als Halbwind daher und soll etwas auf Raumschot drehen. Perfekt, so kann ich nur unter der Genua segelnd gut die Geschwindigkeit kontrollieren, indem ich die Segelfläche anpasse. Ich rechne aus, wie schnell wir fahren müssen und dürfen, um bei Tageslicht unser Ziel zu erreichen. Zwar soll das Atoll gut betonnt sein und somit auch eine Einfahrt bei Nacht möglich sein, aber schöner und sicherer ist es doch bei Tageslicht. Mittlerweile, aber schon wieder im Dunkeln, fängt ein wilder Tanz an, keine 12 Stunden nach meiner Schwimmeinlage wird es immer heftiger. Das Ausmaß ist dann erst in der Morgendämmerung zu erkennen, Wellenberge kreuz und quer sind zu sehen. So wilde Wellenberge hatten wir auch noch nicht. Nach gut 2 Stunden übelster Schaukelei scheint der Höhepunkt erreicht zu sein, die Wellen nehmen langsam eine einheitliche Richtung an, was auch auf dem Boot deutlich zu spüren ist. Es bleibt aber weiterhin alles andere als angenehm, aber mit der Aussicht am nächsten Tag anzukommen, erträglich. So ist mit der ersten Morgendämmerung dann auch Land in Sicht. Während ich mich über das Erreichen von unserem ersten Ziel in der Südsee freue, kommt von Sabine nur, „endlich hört das Geschaukel auf“. So unterschiedlich sind die Gedanken. Wir kommen mittig in der gewünschten Zeitspanne zu unserem Wegpunkt an, bei dem wir die Ansteuerung zur Passeinfahrt starten. Die einzelnen Inseln (Motu’s), die in dem Atoll über der Wasseroberfläche zu sehen sind, werden immer deutlich in ihrem Aussehen, die höchsten Berge sind hier etwas über 400 m hoch. Unser Tiefenmesser, der bis 300 m Tiefe anzeigt, macht sich erst wenige Meter vor dem Pass das erste mal bemerkbar, so steil ist auch die Unterwasserlandschaft. Insgesamt ein steiler Berg, mitten im nirgendwo, die See ist um das Atoll herum noch 3 bis 4-tausend Meter tief. Wenn man bedenkt, daß Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze 2962 m hat, Garmisch auf 708 Meter liegt, so hat man noch ungefähr 2200m reinen Berg. Dieser Berg hier steigt vom Meeresgrund empor und ist damit fast doppelt so hoch wie unsere Zugspitze, unglaublich. Die Durchfahrt hat dann eine maximale Tiefe von 12 m, links und rechts noch deutlich weniger, ist aber dank der genauen Seekarten leicht zu passieren. Danach fällt der Grund auch wieder auf bis zu 40 m ab, die See ist deutlich ruhiger geworden. Das Innere eines Atoll´s ist immer mit zahlreichen Untiefen bestückt, eine genau angegebene Kurslinie muss eingehalten werden, um diese Gefahrlos zu passieren. An diesem Atoll gibt es drei verschiedene Zufahrten, wir haben uns für die aus Südwest entschieden. Hier sind die ersten Seemeilen innerhalb nicht mit Fahrwassertonnen bestückt, aber durch die Beschreibung in der Seekarte ohne weitere Probleme zu meistern. Bis wir das Hauptfahrwasser erreichen, in dem dann die Tonnen das Fahrwasser markieren, sind die ersten 10 sm noch unter Segel zurückgelegt, der Wind steht dafür gut. Für die weiteren 10 sm muss dann auf die Maschine zurückgegriffen werden, bis wir den Hauptort Rikitea das erstmal sehen. Durch die große Weite vom Atoll, dem kräftigen Wind geschuldet, ist trotz alledem einiges an Wellengang. Die letzte Seemeile führt nun durch eine schmale Durchfahrt eines breiten Riffgürtels, das unseren anvisierten Ankerplatz vor dem Ort sehr gut schützt. Eine kleine Runde vor dem Ort und unser Anker fällt auf 15m Tiefe in den Sand, willkommen in der Südsee, unserem zweiten Traumziel nach Patagonien.

1653 sm nach 13 Tagen und 20 Stunden macht einen durchschnittlichen Etmal von 120 sm, insgesamt 4100 sm vom chilenischen Festland zurück gelegt.

17
« Ältere Beiträge

© 2026 SY JOSA

Theme von Anders NorénHoch ↑