Autor: Jochen (Seite 1 von 4)

Tuamotus, zweiter Teil

Wir gehen um 2 Uhr in der Früh Anker auf und verlassen Tahanea, die Passausfahrt ist einfach und eine ruhige, entspannte Nachtfahrt nach Fakarava liegt vor uns. Wir erreichen den Südpass gegen 11 Uhr, das Timing stimmt. Wir fahren mit leichter Gegenströmung in den anfangs breiten Pass. Die Wassertiefe steigt von 30 m bis auf knapp über 4 m an und wir müssen etwas Schlangenlinien fahren, um in der Einfahrt den Untiefen auszuweichen. Kurz darauf fällt der Anker in einem Minenfeld aus Bommis, einen kleinen Sandfleck für unseren Anker zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach, wird aber gemeistert und wir lassen unsere Kette mit den Bojen schwimmen, um die Korallenblöcke nicht zu beschädigen. Diese Ankertechnik wenden wir zu Zeit eigentlich immer an, um auf Nummer sicher zu gehen. Es erleichtert auch das Aufholen des Ankers/ Kette. Bei Winddrehern schwebt die Kette eben über die Korallen und verhängt sich nicht in diesen, oder wickelt sich gar drumherum. Der Südpass von Fakarava hat auch einen sehr bekannten Tauchplatz, die „Wall of Shark“, den wir auch besuchen wollen. Kurz nach unserer Ankunft sehe ich die ersten Tauchboote zum Pass fahren, das richtige Indiz für die richtige Zeit. Denn auch hier zählt, das richtige Timing zu beachten, daß man mit der beginnenden einlaufenden Strömung den Tauchgang startet. Zu früh hat man noch Gegenströmung und auch eine schlechtere Sicht, zu spät wird die Strömung zu stark für einen entspannten Tauchgang. Ich beschließe mit Fred zum Pass zu fahren und einen Schnorchelausflug zu unternehmen, Sabine hat keine Lust. So habe ich, mit Fred im Schlepptau, einen wirklich schönen Schnorchelgang, ich sehe wie die Taucher sich treiben lassen und natürlich jede Menge an Haien. Außerdem noch einige große Napoleonfische und Fischschwärme, die sich mir präsentieren.

Leider ändert sich die Wetterlage und ein Nordwind soll sich für die nächsten Tage einstellen. Wir beschließen uns in die südöstliche Ecke vom Atoll zu verstecken. Bei einem 30 sm langen Atoll wird sich da einiges an Welle aufbauen, die sehr ungemütlich werden kann, außerdem liegen wir dann Legerwall, sprich wir werden auf die Küste gedrückt. Sollte hier ein Problem mit dem Anker auftreten kann es schnell kritisch werden. Das Umfeld vom Südpass ist natürlich auch stark frequentiert, hier in der Ecke ist dagegen wieder entspannte Ruhe. Wir sind in Kontakt mit Dirk von der Manus 2, er hatte ja den direkten Weg zum Nordende vom Atoll genommen, um seinen Besuch am Flughafen abzuholen, er will schließlich am Tag darauf zu uns stoßen. Wir machen aus, daß wir uns auf dem Weg zum Südpass machen um, nachdem sich der Wind etwas abgeschwächt hatte, zu schauen wie die Bedingungen sind. Vor Ort stellt sich heraus, daß die Wellen doch noch sehr ungemütlich sind, wir drehen kurzerhand wieder um, geben Dirk Bescheid, und treffen uns dann in der Südostecke. Schließlich lernen wir Peter kennen, sein Freund der auf Besuch gekommen ist. Wir unternehmen noch einen Landgang und Schnorchelausflug zusammen und genießen die gemeinsamen Sundowner auf einem unserer Boote, inclusive der Geburtstage der beiden, die aufeinander folgen.

Danach ist es endlich soweit, wir verlegen uns zurück zum Südpass. So unternehmen wir gemeinsam Landgang, Restaurantbesuch, schnorcheln und natürlich einen Tauchgang im Südpass. Dazu fahren wir gemeinsam mit Fred zum Pass, Sabine und ich machen den Anfang, während uns die Manus-Crew schnorchelnd mit Fred im Schlepptau folgt und uns am Ende des Tauchgangs schließlich wieder aufnimmt. Das ganze wieder zurück und auf Anfang, nur mit umgekehrter Besatzung. Um es kurz zu machen, es war ein fantastisches Erlebnis nach über 12 Jahren wieder mal mit der Pressluftflasche Unterwasser zu gehen und das noch an einem solchen Platz. Wir sehen eine Unmenge an Haien an uns vorbeiziehen, es sollen bis zu siebenhundert Stück hier leben. Des Weiteren gibt es große Napoleonfische und diverse Fischschwärme, die sich am Riff präsentieren.

Wieder treiben uns die Wetteraussichten zwei Tage später voran, es ist der einzige Tag wo wir unter Segel in den Norden kommen, bevor sich erstmal Flaute einstellt. Wir wollen nach Rotoava, dem Ort von Fakarava, schließlich kommt das Versorgungsschiff dort morgen an. Unsere Frischevorräte sind leer und wollen aufgefüllt werden, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Auch ist es hier Zeit Abschied zu nehmen von Dirk und Peter, die beiden müssen nach Tahiti weiter, um rechtzeitig zum Flieger zu kommen. Für Peter ist der Urlaub zu Ende, kurz darauf fliegt auch Dirk für einen Heimaturlaub nach Hause. Eine schöne Zeit ist vorbei, vielleicht treffen sich unsere Wege wieder im weiteren Verlauf. Wir gehen dann 2 Tage später Anker auf und wollen dem Nordpass einen Besuch abstatten, konnten aber in der Zwischenzeit mit Stephane von der Lazarina 2 ein kleines Wiedersehen feiern.

Am Nordpass waren dann die Bedingungen alles andere als schön, unsere Josa veranstaltete einen kleinen Rodeoritt vor Anker. Wir beschlossen den Pass nicht zu besuchen: alleine das zu-Wasser-lassen von Fred und wieder retour wäre eine Herausforderung geworden. So bleiben wir nur über Nacht und vollbrachten am nächsten Tag das kurze Stück von 20 sm nach Toau. Wir bleiben ein paar Tage in dem nahezu unbewohnten Atoll, vertreiben uns die Zeit mit ausgiebigen Schnorchelausflügen in den beiden Pässen, die in unmittelbarer Nähe liegen und selbstverständlich auch an den kleinen Riffen, die auf dem Weg dorthin sind. Ja und die kleinen Arbeiten die da wieder mal zu erledigen sind, wollen auch abgearbeitet werden. In einem Atoll wo es sonst nichts weiter gibt eine gute Möglichkeit, diese von der ToDo-Liste streichen zu können. Nach 5 Tagen geht es dann ans Nordende von Toau: in den Blindpass. Das ist ein Pass, der nur von der Außenseite zugänglich ist und quasi eine Sackgasse ist. Es ist auch der erste Ort, an der es wirklich Festmacherbojen gibt, an denen wir uns festmachen können. Eigentlich eine perfekte Sache, so werden die Korallen durch die vielen Anker und Ketten verschont. An vielen Orten markiert, aber nur an wenigen vorhanden, leider. Es wurden schon einige Bojen gesetzt, leider fehlt es an deren Pflege und sie sind wieder verschwunden. Wenn ich als Yachti mich an so einer Boje befestige, möchte ich auch die Gewissheit haben, daß sie hält und nicht mein Boot bei aufkommenden Winden auf Drift geht, wenn die Befestigung reißt. Hier ist alles gut, die Bojen gehören wohl einem der beiden Familien, die hier leben und werden regelmäßig kontrolliert. Dafür muss man auch einen kleinen Obolus bezahlen, was auch völlig ok ist. Trotzdem haben wir Glück und liegen umsonst hier, der Besitzer ist aktuell nicht da, den anderen interessiert es nicht. Auch hier wieder schnorcheln vom Feinsten, es gibt jede Menge an Haien, die um das Boot und beim schnorcheln zu sehen sind.

Von hier aus geht es dann zum 100 sm entfernten Atoll Rangiroa, was wir wieder einmal mit einer Nachtfahrt bewerkstelligen wollen. Die Überfahrt gestaltet sich dann alles andere als einfach. Es zieht ein ausgewachsenes Regenband über uns, das von Flaute bis Starkwind alles im Gepäck hat, Winddreher von weit über 90 Grad inclusive. Ich schaffe es irgendwie auf 2 Stunden Schlaf in der Nacht zu kommen, aber was soll es, ist ja nur eine Nacht. Am Vormittag fällt der Anker vor Tiputa, der Stadt des Atolls. Rangiroa empfinden wir als das touristischste Atoll der Tuamotus, täglich starten und landen mehrere Flugzeuge, die die Gäste anbringen/ abholen. Die örtlichen Tauchschulen fahren ihre Kundschaft fleißig zu den Tauchspots, die wir nur schnorchelnd erkunden. Ein wohl sehr lohnenswerter Tauchgang soll am Außenriff der Passeinfahrt sein, wir entscheiden uns dagegen, zu schlecht sind die aktuellen Sichtbedingungen aufgrund der Wind- und Wetterbedingungen. Der Schnorchelgang an der kleinen Insel an der Innenseite vom Pass entschädigt für so einiges, wenn auch hier die Sicht eingeschränkt ist. In der Zwischenzeit habe ich Kontakt mit einem anderen Boot aufgenommen, das Motorenprobleme hat; sie kommen zu uns gesegelt und ich schaue mal, ob ich da weiterhelfen kann. Sie kommen am späten Abend an und am nächsten Morgen wird schließlich Hand angelegt. Nach einigen Stunden ist das Problem gelöst und der Motor schnurrt wieder, wie er soll, alle sind Glücklich.

In der Zwischenzeit haben wir uns auch festgelegt, daß es am Ende vom Jahr nach Neuseeland gehen soll. Die ganze Zeit war es noch völlig offen, was wir machen. Neuseeland, Australien oder gleich nach Indonesien, wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber wenn wir schon einmal so „Nah“ dran sind, sollten wir das auch ausnutzen. So ist natürlich auch einiges zu Planen und zu Organisieren, langweilig wird es bestimmt nicht.

Nach der getätigten Arbeit geht es dann auch schon weiter zu unserem letzten Stopp in den Tuamotus, auf nach Tikehau. Die 45 sm sollten gut in einer Tagesetappe zu schaffen sein, ja wäre nicht die zeitliche Abstimmung mit der Passausfahrt. Bei Tagesanbruch ist eigentlich die ungünstigste Zeit, die man sich aussuchen kann, ich beschließe 2 Stunden später zu starten. Die entscheidenden 300 m durch den Pass werden trotzdem wild, das Wasser wird mehrfach über das Deck gespült, aber unser Dickschiff meistert die Passage in gewohnter Souveränität. Leider lässt uns ausgerechnet auf dieser Passage die Wind- und Strömungsverhältnisse im Stich. Um noch vor Einbruch der Dunkelheit und natürlich auch zur rechten Zeit am Pass zu sein, entscheiden wir uns, unseren Motor mitlaufen zu lassen, wir Motorsegeln die Strecke. Wir kommen wie geplant an, die Passeinfahrt passt wieder und der auserkorene Ankerplatz ist gleich um die Ecke. Am nächsten Tag geht es noch zum schnorcheln in den Pass, die Zeit am Vormittag sollte passen, am Nachmittag wollen wir noch innerhalb des Atolls verlegen. Leider gibt es aktuell kein einlaufendes Wasser in den Pass, es gibt nur einen kurzes Zeitfenster, in der das Wasser zum Stillstand kommt, die Sicht ist entsprechend schlecht. Zu diesem Ereignis kommt es durch die aktuellen starken Ostwinde die auf der anderen Seite vom Atoll jede Menge Wasser durch die Öffnungen drückt und dann an der Westseite, an der wir uns befinden, nur noch abfließen. Nach dem schnorcheln geht es Anker auf und wir verlegen auf die Ostseite vom Atoll. Der Wind kommt genau von Vorne, ein kreuzen durch das Atoll möchten wir nicht, zu viele Untiefen sind auf dem Weg, denen ausgewichen werden muss. So kommt wieder der Motor zum Einsatz und bringt uns auf die andere Seite. Hier liegen wir jetzt wie im Abrahams Schoss, absolut ruhig und geschützt. Der Anker liegt vor dem „Garden Eden“, zwei Familien die hier noch Obst und Gemüse anbauen, in den Tuamotus absolut einmalig. Sie stellen aus Kompost Erde her, auf denen sie alles anpflanzen. Leider ist zur Zeit nur Pok Choy fertig und die letzten Eier hat die Yacht vor uns mitgenommen, Pech gehabt. Wir bekommen vom Besitzer noch einen Rundgang durch die Anlage, in der er uns alles erklärt und zeigt, leider habe ich keine Kamera, dabei um es euch hier zu zeigen. Die Familien bauen alle möglichen Gemüsesorten an, die sie aus Samen selbst kultivieren, haben diverse Früchte wie Papaya und Banane, ebenso Vanille und stellen sogar eigenes Meersalz her. Ebenso besteht noch eine kleine Perlzucht.

Da uns die Abfahrt nach Tahiti bevorsteht, haben wir hier noch ein strammes Programm. Das Wetter gibt uns wieder den Takt vor. Im Moment zeichnet sich eine stabile Wetterlage ab und für drei Tage sollten die Wellen auch sehr moderat sein, das wollen wie ausnutzen. Wir könnten es auch etwas entspannter Angehen, aber dann wird es wahrscheinlich eine Woche später. Hier eine Woche und da eine Woche, wir wollen weiterkommen. Um nach Neuseeland zu kommen, muss es auch zeitlich passen, die Zyklonsaison fängt im November an. Lieber geben wir jetzt etwas Gas, wenn sich die Möglichkeit ergibt, als es uns am Ende fehlt.

So bleiben wir auch nur zwei Nächte hier um noch an den Mantapoint zu verlegen, ein Ort an dem es eine Putzerstation für die sanften Riesen geben soll, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zuvor machen wir aber noch einen Ausflug mit Fred zur Vogelinsel, die vor dem Garten Eden liegt. Auf diesem kleinen, unbewohnten Eiland brüten tausende von Seevögeln unterschiedlicher Art. Auf der Insel ist ein kleiner Rundweg angelegt, der mit Leinen markiert ist. Bei dem ständigen Vogelgezwitscher können wir Weißkopfnoddys, Braunnoddys, Feenseeschwalben und Rotfußtölpel identifizieren. Letztere sind gerade mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Die Vögel haben auch keine Angst vor uns, wir kommen sehr nah an die Vögel ran. Einfach ein paradiesischer Ort hier. Weiter geht es dann zum Ankerplatz Mantapoint, es ist schwachwindig. Es ist ein schöner Tag und keine Welle, so segeln wir gemächlich unserem Ziel entgegen, für die 10 sm braucht es über 4 Stunden bis der Anker wieder fällt. Beim ersten Schnorchelausflug gibt es auch gleich einen der sanften Riesen zu sehen, wie er gemütlich um den Bommie kreist und sich dabei von den Putzerfischen verwöhnen lässt. Es ist so Windstill das wir am Platz bleiben können und nochmal ins Wasser absteigen, auf der Suche nach den Riesen. Leider ist das Wasser sehr trüb und die Sicht sehr begrenzt. Nach drei Nächten heißt es jetzt, Tahiti wir kommen.

12

1000 Tage Wochenende

Ja es steht ein kleines Jubiläum im Raum, am 7. Mai sind wir seit unserem Start in Hamburg, nun schon so lange unterwegs. Es gibt ein Buch von einem Segler der in drei Jahren um die Welt ist, der Titel: „1200 Tage Sonntag“. Dem kann ich so nicht zustimmen, Wochenende passt da wohl besser. Sonntag ist für mich so ein Tag an dem es heißt, Füße hochlegen. Der Samstag ist dann so der Arbeitstag an dem das ein oder andere zu erledigen ist, typisch Deutsch halt. Wobei sich das mit den Wochentagen ja schon lange erledigt hat. Was für ein Tag ist heute? Keine Ahnung, ich müsste nachschauen. Da sind mit Sicherheit arbeitsreiche Sonntage dabei gewesen, dafür „unter der Woche“ Füße hoch angesagt.

Es nun schon eine lange Zeit her seit dem Beginn, aber Erinnerungen, Erlebnisse oder Begegnungen haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Wie es der Zufall will, ist auch der Tag, an dem ich mein Zuhause verlassen habe nur wenige Tage entfernt, es war der 11. Mai. Wenige Tage zuvor wurde unser Schiff für den Transport auf der Straße verladen. Der Aufruf in der Whatsapp-Gruppe von Willanzheim zu sehr später Stunde für ein paar helfende Hände. Bei der Abfahrt vom LKW stellte sich heraus, daß der Mast falsch liegt und mal eben um 1 m verschoben werden muss. 30 Minuten später waren genügend Helfer da, um das Ganze per Muskelkraft zu korrigieren, Dorfgemeinschaft sei Dank. Ja und dann kam die sehr emotionale Abfahrt von zu Hause, mitten in der Nacht, durch die leeren Straßen. Wenn ich heute diese Zeilen schreibe und zurück denke, wird es wieder emotional. Letzter Besuch beim Arbeitgeber, um Tschüß zu sagen und alles abzugeben. Ankunft in Kappeln: Wo ist unser Boot? Die letzten Stationen der Vorbereitungen, um das Boot fertig zu bekommen waren in Kappeln, Flensburg, Kiel und Hamburg. In der Zwischenzeit Besuch von Freunden, die sich verabschiedeten. Und ganz wichtig: der Besuch von meiner Familie, die sich auch nochmals verabschiedet hat, emotional wieder. In Hamburg letztendlich Besuch von Arbeitskollegen und schließlich Chris, der uns die erste Etappe die Elbe hoch bis nach Cuxhafen begleitet hat.

Erste nervenaufreibende Motorenprobleme in Belgien, nach deren Lösung es den dann aber weitestgehend problemlos weiter geht. Es folgte die Biskaya, weiter die Küste runter bis Lissabon und schließlich auf die Kanaren. Heute muss ich sagen, daß wir hier eine einschneidende Begegnung hatten. Wir trafen Andrea und Dirk von der Southeast, ausgesprochene Südamerikaliebhaber, die die weitere Reiseplanung quasi auf den Kopf gestellt haben, sehr zum positiven! Genauso haben unsere Erlebnisse sie inspiriert und sie sind mittlerweile mit dem eigenen Boot in Brasilien angekommen, sehr zu unserer Freude.

Es folgen die Kap Verden und der Sprung über den Atlantik nach Brasilien mit der Äquatorüberquerung. In Jacare lernen wir Kerstin und Mike von der Salto kennen, die wir immer wieder auf den Weg in den Süden treffen, auf der Isla Los Estados unsere erste gemeinsame Woche im tiefen Süden verbringen, bis wir gemeinsam in Ushuaia ankommen. Leider haben sich durch unsere erneuten Motorenprobleme die Wege in Puerto Williams getrennt. Erst in Puerto Montt gab es ein Wiedersehen. Immer wieder sind es auch diese zufälligen Begegnungen, die es so Besonders machen. Freundliche Menschen die, auch wenn sie wenig haben, teilen und helfen wo sie können, überall auf unserer Reise.

Dann sind wir ja auch so völlig untypische Segler, man muss inzwischen „leider“ dazu sagen. Wenn wir irgendwo vor Anker gehen, setzten wir uns ins Dinghy, fahren eine Begrüßungsrunde zu den Nachbarliegern und stellen uns vor. Wenn jemand keine Lust auf Kommunikation hat, stellt man das innerhalb von Sekunden fest. Mit der ein oder anderen Besatzung hat man dann auch vielleicht das ein oder andere Treffen und eine schöne gemeinsame Zeit. Und dann gibt es noch die Anderen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt. So bei Andres und Guillermo, Argentinier die wir in Brasilien kennengelernt haben und später eine wunderbare Zeit zusammen in ihrer Heimat verbracht haben. In Uruguay war es dann einmal anders herum, wir liegen fest im Hafen als plötzlich an unserem Boot ein deutsches Hallo ertönt. Wir lernen dadurch Daniel und Mechtild kennen, ein uruguayisch-deutsches Ehepaar, die uns dazu verleiteten, doch ein paar Tage länger in dem dortigen Hafen zu verweilen, bis Daniel schließlich eine Etappe mit uns gesegelt ist.

Bei einem weiteren Zwischenstopp haben wir dann auch unseren ersten Kontakt mit Ulf von der Farvel, einem Solosegler, mit dem wir später gemeinsam Patagonien bereisen und am Kap Horn waren. Nora und Hacko von der Anixi, die wir endlich in Pueto Williams persönlich kennenlernen, wir hatten schon lange zuvor Kontakt über Handy. Sie haben Patagonien von Nord nach Süd durchquert und sind uns quasi entgegen gekommen. Man könnte die Liste unendlich weiterführen. Hier in Französisch Polynesien treffen wir viele, die eine ähnliche Route wie wir fahren, man trifft sich immer mal wieder und hat eine schöne Zeit zusammen, lernt immer wieder neue Segler aus unterschiedlichen Ländern kennen, die gemeinsam mit uns den Südseetraum leben.

Auf der bisherigen Reise war aber für mich das absolute Highlight natürlich Patagonien mit seiner fantastischen Natur. Auch wenn es viele andere schöne Orte gegeben hat, war dieser schon etwas Besonderes. Als kultureller Höhepunkt war schließlich das Marquesasfestival auf Ua Huka. So, jetzt genug von dem kleinen Rückblick. Die nächste Etappe steht vor der Tür und die Planungen für Neuseeland laufen, unserem nächsten großen Ziel, das ihr wieder alle auf der Karte findet.

Auf die nächsten 19400sm (ca.36000km) 😉
19

Tuamotus – weg von Bergen hin zu flachen Atollen

So sind wir am Dienstagnachmittag aufgebrochen gen Süden. Wir haben auch gleich wieder unsere Angel ausgebracht und Kraki schwimmen lassen – und tatsächlich: direkt vor Hapatoni, noch in der Landabdeckung, haben wir Bewegung an der Angel. Jochen hat schwer gekämpft, wir haben dann die (noch) Motorfahrt unterbrochen, um es etwas leichter zu machen. Wir hatten einen kapitalen Gelbflossenthunfisch dran, der partout nicht an die Wasseroberfläche wollte. Jochen hatte ihn dann endlich in Bootsnähe und dieser Fisch wollte sich immer unter unserer Dicken verstecken. Leider hat er es dabei geschafft, die Angelschnur an der Windsteueranlage aufzureiben und diese ist dann gerissen. Weg – Fisch und Köder, heul. Das war es dann mit Angeln. Zuerst muss das Equipment wieder startklar gemacht werden, aber bei den anschließenden Bedingungen vermeiden wir es sowieso zu Angeln.

Inzwischen waren wir auch aus dem Wind- und Wellenschatten der Insel hinaus und die übliche südpazifische Welle ging wieder los. Wir hatten fast während der gesamten Überfahrt einen schönen Halbwind von 4 – 5 Beaufort, aber dazu halt leider auch die Welle direkt von der Seite auf das Boot. So hieß es denn wieder einmal 4 Tage rumrollen mit Schräglage, glücklicherweise sind wir von vorneherein nur im 2. Reff beim Großsegel losgefahren. Es war Wind von 3  – 4 bft angesagt und da wir wissen, daß wir da immer noch was draufpacken müssen, haben wir uns gleich für Reff 2 entschieden. Wir möchten nicht bei Wind und Welle noch am Mast rumturnen müssen, um die Segelfläche zu verkleinern, was ein großer Kraftakt ist, wenn Winddruck vorhanden ist. Und das war eine sehr gute Wahl. Wir sind auch so teilweise mit 7 Knoten Fahrt dahingerauscht. Und so konnten wir die Geschwindigkeit gut über die Genua kontrollieren. Nachts sicherheitshalber etwas weniger Segel und tagsüber halt etwas mehr. Noch dazu bekamen wir dann auch einmal wieder etwas Wetter ab, so daß Jochen wieder einmal klatschnass war vom Regen, währenddem er die Genua reffen musste. Nachdem zahlreiche Regenzellen uns besucht haben, beruhigte sich das wechselhafte Wetter auch wieder und nach und nach wurde die Welle auch etwas weniger.

hier kämpft der Skipper noch mit dem großen Fisch

Und so waren wir ziemlich flott, kalkulierten, daß wir wohl am Samstag morgen ankommen werden. Und Glück muß man halt auch haben – man soll in die Atolle vorzugsweise bei Slack einfahren. Slack bedeutet der Stillstand der Ein- und Ausströmung bei Wechsel von Ebbe und Flut. Und laut unseren Daten sollte Hochwasser am Samstag morgen um 5:00 Uhr sein. Je nach örtlicher Gegebenheit und Wetterlage verschieben sich dann noch die optimalen Einfahrzeiten. Die letzten Stunden vor Ankunft können wir die Geschwindigkeit sogar etwas selbst regulieren, um zur richtigen Zeit anzukommen. Und wir hatten den Sonnenaufgang direkt über dem Atoll, an dessen Westseite sich der Pass befindet, durch den wir einfahren konnten. Gegen 6 Uhr war es dann soweit, wir sind vor dem Pass angekommen, haben die Genua weggepackt, den Motor angeworfen und sind mal auf den Pass zugefahren. Das ist schon etwas ehrfurchtgebietend, wenn man die Berichte von anderen Seglern liest. Eine schmale Einfahrt, in der viele Turbulenzen und Wellen stehen können. Kommt man zur falschen Zeit, sind dann noch starke Strömungen dabei, die uns geradewegs wieder rückwärts ausspucken würden. Es gibt Atolle, bei denen Strömungen von über 12 Knoten im Pass erreicht werden. Bei den Atollen sind sehr wenige Öffnungen vorhanden, in denen das ganze Wasser ein- und wieder ausfließen muß; entsprechend groß kann daher die Strömung sein, wenn entsprechend viel Wasser aus dem Atoll heraus möchte.

Wir kommen an und sehen rein gar nichts dergleichen, wir sind zur perfekten Zeit hier angekommen, wir fahren hinein und hatten nur 0,8 Knoten Gegenströmung, quasi nix.

Im Pass angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg ans nord-östliche Ende vom Atoll Amanu, nochmal eine Strecke von 15 sm. Ab Sonntag war kräftiger Wind aus Ost angesagt, so liegen wir gleich geschützt für die kommenden Tage. Wir ankern hinter einem großen Motu und genießen es, daß unser Boot absolut ruhig liegt, nichts bewegt sich, das hatten wir das letzte Mal in Valdivia/Chile. Wir genießen die nächsten Tage am Strand zu spazieren, im klaren Wasser zu schnorcheln und nach langer Zeit auch einfach wieder alleine am Ankerplatz zu liegen. Nach vier Tagen war dann die Vorhersage so gut, daß wir uns an den nächsten Ankerplatz verlegten, jetzt im östlichen Teil des Atolls. Hier zeigt sich das Motu in einem ganz anderen Gewand. Neben der kleinen Insel gibt es große Flächen, die trotz des geringen Tidenhubs überspült werden und dann wieder trocken fallen, ein einzigartiges Naturschauspiel. Ein großer Bommie der Nahe am Ankerplatz ist, ist ein hervorragender Schnorchelspot, Herz was willst du mehr. Auf unserem Weg zurück zum kleinen Ort an der Passeinfahrt, gibt’s es noch schließlich einen Stopp an einem Riff das mittig im Atoll liegt. Wir schmeißen unseren Anker und unternehmen gleich einen Schnorchelausflug. Auf dem Rückweg zum Schiff werfen wir noch einen Blick auf unseren Anker, ob dieser auch gut liegt, das gefällt uns aber nicht. Das heißt umankern oder gleich weiter, Zeit genug ist noch. Da uns das Riff jetzt nicht so ganz gut gefallen hat, ist die Entscheidung schnell gefallen, wir brechen auf und verlegen direkt an den Ort. Hier in Ikitake leben ca. 120 Menschen, von denen wir bei unserem Besuch am nächsten Tag, nur wenige zu Gesicht bekommen. Der Ort hat aber immerhin top betonierte Straßen, die einzigen fahrbereiten Fahrzeuge, die wir sehen, sind die der Gemeinde. So vertreten wir uns noch etwas die Beine auf den wenigen Wegen die es gibt, bevor es zurück auf´s Schiff geht.

Wir planen die Weiterfahrt zum nächsten Atoll von Hao, denn auch die Ausfahrt aus dem Pass muss soweit zeitlich stimmen. Da Hao nur 15 sm entfernt liegt, muss es auch so passen, hier wieder zur richtigen Zeit anzukommen. Ihr seht schon, es ist viel Timing nötig für die Navigation in und um die Atolle. So lassen wir uns am nächsten Morgen mit etwas ablaufenden Strom aus dem Atoll schieben, um dann zur richtigen Zeit im Hao-Pass zu sein. Alles passt perfekt und der Anker fällt zur Mittagszeit vor Otepa, dem Ort des hiesigen Atolls. Wir machen das Schiff wieder klar und bereiten Fred gleich vor, um einen Besuch beim Nachbarlieger abzustatten. Dann noch gleich weiter zum kleinen Hafen, hier liegen ein deutsches und schweizerisches Boot. Aber hier ist leider niemand zu Hause, alles ausgeflogen. So geht es wieder zurück und wir genießen den Nachmittag. Gegen Abend gehen wir in den Ort, wir wollten uns eine Pizza im Restaurant gönnen. Leider hatten wir kein Glück, die Besitzer teilten uns mit, daß sie kein Material mehr haben, sie müssen erst wieder auf das Versorgungsschiff warten. So ist das Leben auf so abgeschiedenen Flecken Erde, nix mit wir gehen mal schnell einkaufen. Wenn leer, dann leer. Auf der Straße stehend beratschlagen wir, was wir machen, als vier Leute auf uns zugelaufen kommen. Es stellt sich heraus, daß es die zwei Crews der beiden Boote im Hafen sind. Sie sind auch gerade auf dem Weg zum Essen gehen. Es gibt noch ein weiteres Restaurant, mal schauen ob die offen haben und auch noch etwas anbieten können, so die Aussage. Wir schließen uns an und haben einen schönen gemeinsamen Abend mit etwas zu essen. Die Bordküche kann kalt bleiben. Da dieses Atoll über 30 sm lang ist und nichts Außergewöhnliches zu erwarten ist, beschließen wir nur vor dem Ort zu bleiben. Ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigen und uns den Ort anschauen. Immerhin leben hier schon über eintausend Menschen, also etwas größer das Ganze. Was man noch erwähnen sollte, Hao hat eine etwas traurige Vergangenheit. Hier war das Logistikzentrum der französischen Armee für die Atombombentests, die etwas weiter südlich auf zweien der Atolle stattgefunden haben. Entsprechend gut ist hier auch noch die Infrastruktur der Insel mit großem Flughafen in dessen Nähe eine, sagen wir einmal, provisorisch abgedeckte Fläche besteht. Hier sollen die Beobachtungsflugzeuge nach ihren Einsätzen dekontaminiert worden sein, die radioaktive Strahlung besteht wohl bis heute noch. Ansonsten war am Sonntag Bürgermeisterwahl der drei zusammengehörigen Atolle. Die läuft hier etwas anders, wie es wir gewohnt sind. Es ist ein Event an dem es den ganzen Tag Unterhaltung geboten wird, mit Essen und Trinken natürlich. Gegen Abend versammeln sich dann nochmals sehr viele der Bewohner um das Ergebnis abzuwarten und zu feiern. Es könnte durchaus sein, daß dieses „Event“ eine höhere Wahlbeteiligung garantiert. Gewonnen hat die bisherige Amtsinhaberin; mit genau 2 Stimmen mehr hatte sie die nötigen 51 %. So hatten wir heuer auch „unsere“ Gemeindewahl.

Nach diesem Ereignis haben wir uns schnell entschlossen, Hao wieder zu verlassen und weiter nach Makemo zu fahren. Dort befinden sich inzwischen schon bekannte Boote, die wir doch gerne noch mal sehen möchten. Die etwa 170 sm sollten wir in etwa 1,5 Tagen schaffen, so daß wir gegen Nachmittag von Hao losfahren möchten, um genügend Zeit bei Sonnenlicht zum dortigen Einlaufen zu haben. Und wir haben es mit der passenden Tide wieder geschafft, aus Hao gemütlich auszufahren. Bei unserer Ausfahrt auf den Pass zu haben wir dann schon unsere norwegischen Freunde von der Pele auf dem AIS gesehen, die sich kurz hinter dem Pass für die Nacht auf Anker gelegt hatten. Sie sind gerade eingefahren. Und schon hat uns Espen auch angefunkt, wir haben uns kurz abgestimmt und hoffen, daß wir uns dann in einem der nächsten Atolle nochmals treffen werden.

Da sehr wenig Wind vorhergesagt war, haben wir uns auch entschlossen, gleich unser Leichtwindsegel zu setzen und mit diesem zu arbeiten. Und es ging seeehr langsam los, die erste Zeit hatten wir gerade einmal 3 Knoten Fahrt im Schiff. Ja, wenn das so weitergeht, benötigen wir mehr als 2 Tage und kommen doch im Dunkeln an!!! Aber irgendwann war es dann soweit, daß wir zwischenzeitlich gut Fahrt gemacht haben und das wieder aufholen konnten, so daß unser Zeitplan wieder einmal aufgegangen ist. Irgendwann waren es dann in der zweiten Nacht doch auch einige starke Böen, somit entschied der Skipper den Blister herunterzuholen und mit Genua weiterzuarbeiten, um den Rest der Nacht auch noch etwas zum Schlafen zu kommen. Die Genua ist dann doch besser zu regulieren, wenn was Kräftiges ankommt.

unser Blister zieht uns wieder….

So ging es durch die Nacht mit einigen Wind-, Wolken- und Regenfelder. Es wurde nicht langweilig. Das Atoll Makemo kam dann auch am Morgen in Sicht. Das Unschöne: wir müssen etwa 15 Seemeilen am Atoll entlangfahren, um zum Pass zu kommen. Wisst Ihr, wie das ist? Das Ziel vor Augen, der Wind wird schwächer und schwächer und Du willst endlich da rein? Aber…Timing ok, der Skipper schmeißt den Motor zur Unterstützung an und wir fahren wieder entspannt durch einen Pass. Wir sehen zwar das Wasser leicht brodeln, aber wir haben weder zu viel Strömung mit uns noch gegen uns. Und so werfen wir den Anker vor dem Ort Pouheva, direkt neben einem anderen deutschen Boot.

Dieses Atoll gefällt uns schon vom ersten Eindruck sehr gut.

So verbringen wir die ersten Tage hier vor dem Ort, genießen die Landgänge mit den sehr freundlichen Leuten und haben eine schöne Zeit mit den Nachbarbooten. Dazu gehören: Paul, Kelly, Jesica von der Oops, Dirk von der Manus 2 und Jan von der Makamea. Zu guter Letzt erfahren wir noch, daß das Versorgungsschiff am Sonntag ankommen soll, das passt ja perfekt. So können wir am Montag Nachmittag noch mal unsere Vorräte mit Frischwaren ergänzen, bevor wir am Dienstag gegen Mittag unseren Anker lichten, um in den Osten des Atolls zu verlegen, Dirk folgt uns, Jan kommt noch nach. Auch hier muss wieder die Abfahrt geplant werden. Auf dem Weg dorthin sind sehr viel Bommis, denen es auszuweichen gilt. Um diese gut zu sehen, sollte man die Sonne im Rücken haben, bzw. muss diese hoch stehen – sonst wird das nichts. Auf dem Weg dahin helfen unter anderem auch Satellitenbilder von diversen Anbietern, auf denen diese gut zu erkennen sind, zumindest bei größeren Wassertiefen. Die letzten Seemeilen zum Ankerplatz gleichen einem Minenfeld, Sabine muss in den Bug, um Ausschau zu halten und wir kommen im Zick-Zack-Kurs sicher an. Ein traumhafter Ort empfängt uns, klares, türkisfarbenes Wasser inclusive. Der Platz ist bestens geschützt vor den aktuellen Winden und wir liegen wie in Abrahams Schoß. Wir machen einen Landausflug zu einem „Swimmingpool“, als hätten wir nicht genug Platz um uns herum 😊. Dieser Pool ist etwas abgetrennt von dem Inneren des Atolls und durch die Landmasse abgetrennt vom offenen Pazifik. So genießen wir eine übergroße Badewanne mit 30° Wassertemperatur und sehen die Brandung auf das Atoll treffen mit der dazugehörigen Geräuschkulisse, traumhaft. Tags darauf machen unsere 3 Boote dann noch ein schönes BBQ am Strand. Schließlich müssen die Kalorien auch mal wieder verbrannt werden: wir starten eine Schnorcheltour am Riff. Das Riff hat sehr viele blaue Korallen und hat deshalb den Spitznamen Schwedenriff. Außerdem erleben wir hier die besten Sichtweiten Unterwasser, die wir bisher haben; zu sehen gab es auch sehr viel Fisch in den unterschiedlichsten Größen und Arten. So schön es auch hier ist, so langsam zieht es uns dann auch wieder weiter. Dirk folgt uns wieder, er bekommt einen Gast der nach Fakarava geflogen kommt, da bleibt dann auch nicht mehr viel Zeit. Wir legen auf dem weiteren Weg einen Tagesstopp am Ort ein, gehen nochmal einkaufen und am Abend gönnen wir uns nochmal Pizza im Ort. Hier begleitet uns noch Richard von der Mistral, ihn kennen wir bereits von den Marquesas, auch er ist gestern hier angekommen. Da es jetzt nach Westen geht, starten wir am frühen Morgen – der Sonne wegen, ihr wisst ja… Wir wollen nochmal einen Stopp im Nordwesten vom Atoll ansteuern und dort ein paar Tage bleiben, bis die Bedingungen für eine Weiterreise nach Tahanea passen. Hier im Makemo-Atoll haben wir die Möglichkeit einen weiteren Pass im Westen zu nutzen, so können wir einmal quer durchs Atoll und müssen nicht wieder zurück, auch schön um etwas mehr zu sehen. So verbringen wir hier noch die Tage mir schnorcheln, Landspaziergang und beobachten der Wetteraussichten.

Geplant war am Mittwochnachmittag zum Westpass zu fahren und dort die Nacht vor Anker zu verbringen, um uns dann früh mit den ersten Lichtstrahlen auf den Weg zu machen nach Tahanea. Tja, Segler und ihre Planung. Am Westpass angekommen schmeißen wir den Anker unter sehr welligen Bedingungen, keine guten Voraussetzungen für die Nacht. Nach kurzer Rücksprache mit Dirk beschließen wir noch am Abend zu starten, dann eben eine Nachtfahrt zum nächsten Atoll. Hat im dem Fall auch noch eine Nachtankunft am nächsten Pass zur Folge. Wir hatten dies natürlich auch besprochen, konnten aber aus diversen Berichten erkennen, daß dieser Pass zu den einfachen gehört und wir uns das dann auch zutrauen. So heißt es um 16 Uhr Anker auf und auf uns wartet eine entspannte Nachtfahrt. Zuerst Sternenklar, gegen 21 Uhr geht dann der Mond auf und leuchtet uns den rechten Weg. Gegen 3 Uhr in der Früh kommen wir an der Einfahrt von Tahanea an, unser Timing passt mal wieder hervorragend und wir können mit 1 kn Schiebestrom durch die breite Wasserstraße hindurchfahren. Gleich um die Ecke fällt der Anker, kurz das Schiff aufklaren und ab in die Koje. Nach dem Ausschlafen geht es im nächsten Bericht weiter…….

13

Gambier Inseln

Eigentlich gibt es nicht Vieles weiter zu berichten, was wir nicht schon in unserem letzten Beitrag geschrieben hätten. Wir ziehen von Ankerplatz zu Ankerplatz, gehen Wandern, wenn es hierzu Möglichkeiten gibt oder erkunden die Unterwasserwelt mit den Flossen an den Füssen. Zwischendurch kommt auch mal das Versorgungsschiff – was nicht nur ein Highlight für die Inselbewohner ist – und so zieht es uns dann nach Rikitea, um unsere Vorräte etwas aufzustocken. Wir waren auch bei Daniela und Rolf auf dem Boot, die uns dann anhand von Fotos die Produktion der Perlen erklärt haben und uns ihre eigene Stücke vorgeführt haben, wieder etwas schlauer. Bei all dem vielen Terminen 😉 hatten dann Valerie und Herve an einem Sonntag zum BBQ eingeladen. Hier treffen sich dann alle interessierten Segler zum gemeinsamen Grillen; jeder bringt etwas mit und wird schließlich geteilt. Im Anschluss sind wir in die Kunst des Boule-spielen eingewiesen worden, gegen die vielen Profis aus Frankreich hat sich Team Germany gar nicht so schlecht geschlagen. Mit der Lazarina und Topaia sind ziwschenzeitlich auch zwei Schiffe angekommen, die wir kurz in Patagonien getroffen hatten. Beim gemeinsamen Zusammensitzen werden „alte“ Erinnerungen aufgefrischt und die weiteren Pläne ausgetauscht, was den Aufenthalt hier nicht langweilig werden lässt. Aktuell warten wir eigentlich nur auf das passende Wetterfenster, um unser nächstes Ziel zu erreichen, die Marquesas. Kein leichtes unterfangen, täglich schaut der Wetterbericht komplett anders aus, mal schauen, drückt uns schonmal die Daumen. Dafür gibt`s noch ein paar Bilder zum Träumen.

13

Überfahrt zu den Gambier Inseln

Nachdem Fred und der Außenborder schließlich verstaut sind und soweit alles vorbereitet ist, heißt es endlich gegen 19 Uhr Anker auf. Doch hier der erste Schreckmoment, unsere Ankerkette hat sich wohl irgendwo am Grund um einen Felsen verschlungen. Mit ordentlich Zug auf der Kette und dem leichten auf und ab in der Dünung vom Boot kommt sie schließlich frei, Glück gehabt. Hätte das nicht funktioniert, hätte sich die Abfahrt wohl um einen Tag verschoben. Bei 20 m Wassertiefe hätte es eine Tauchausrüstung benötigt, um die Kette wieder frei zu bekommen. Unsere ist gut um Schiff verstaut und sich an eine der örtlichen Tauchschulen zu wenden, hätte alles noch einiges an Zeit gekostet. Bis es soweit gewesen wäre, wäre es schon so dunkel, daß daran nicht mehr zu denken gewesen wäre ins Wasser zu gehen, Tauchlampen haben wir leider keine dabei. Es hätte auf den nächsten Tag verschoben werden müssen. Aber wie gesagt, Glück gehabt.

So können wir schnell die Segel setzen, bei der Behörde noch schnell unsere Abfahrt durchfunken und los geht´s. Kaum aus der Landabdeckung draußen ist der Wind auch so kräftig, daß wir die Segel gleich noch etwas weiter reffen müssen als eh schon gemacht. Dann passt alles und so geht es die nächsten 2 Tage ohne weiteres Zutun dahin. Der Wind dreht schließlich immer weiter, nimmt auch noch etwas zu und wir fahren nun hoch am Wind unserem Ziel entgegen. Eine sehr zermürbende Fahrt, sowohl für´s Gemüt als auch für´s Material.

Dazu will ich euch mal ein wenig in die Grundlagen vom Segeln entführen. Der Einfachheit werde ich die Werte etwas runden, damit es verständlicher wird, der Profi wird mir verzeihen. Zuerst mal die Windgeschwindigkeiten die bei uns oft in Beaufort, kurz Bft, angegeben sind. Hier handelt es sich um eine Windscala die besagter Herr Beaufort entwickelt hat. 1 Bft entsprechen einer Windzunahme von ca. 5 kn, das sind ca. 10km/h. So entsprechen 5 Bft um die 20 kn Wind. Beim Segeln sprechen wir noch von einem wahren Wind und dem scheinbaren Wind. Der wahre Wind ist der Wind, den ihr spürt wenn ihr an einem festen Ort steht, Richtung und Stärke entsprechen den Angaben. Der scheinbare Wind ist der Wind den ihr in Bewegung spürt. Als Beispiel nenne ich mal das Fahrradfahren. Wenn ihr bei 20 km/h Wind dem Wind genau entgegenfahrt mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h (mit E-Bike schafft das jeder😉), so spürt ihr den Wind mit 40 km/h. Fahrt ihr mit den gleichen Werten genau mit dem Wind von hinten, so fühlt es sich an als wäre Windstille. Das ist der scheinbare Wind mit dem wir auf unserem Boot unterwegs sind. Kommt der Wind noch etwas von der Seite, ändert sich auch mit der Boots- bzw. Fahrradgeschwindigkeit der Einfallswinkel vom Wind. Auf dem Boot fahren wir auf Am-Wind-Kurs = Wind von vorne, Halb-Wind-Kurs = Wind von der Seite, Raumschot-Kurs = Wind von hinten. Jetzt fahren wir auf Am-Wind-Kurs bei besagten 5 Bft ca. mit 8 kn durch das Wasser, das fühlt sich dann schon an wie 6-7 Bft Wind, das ist schon nicht ohne. Fahren wir mit den gleichen Werten nun Raumschot, sind es nur noch 3-4 Bft Wind die wir auf dem Boot spüren und auch zur Verfügung haben, um vorwärts zu kommen. Jetzt kommt noch der Faktor Welle/ Dünung mit ins Spiel, auf dem Fahrradweg oder der Straße bleiben die Bedingungen ja gleich. Die Dünung ist in der Regel eine er langgezogene Welle die von einem weit entfernten Windsystem kommt. Hier im Südpazifik kommt jene meist aus südwestlicher Richtung und entstehen tut sie südlich des 40ten Breitengrades in den Stürmen, die da unten gang und gäbe sind. Die Welle kommt, der Einfachheit wieder gesagt, aus der Richtung, aus der der Wind kommt und wird auch von jenem erzeugt den man vor Ort hat. Fährt man nun auf Am-Wind-Kurs, kommen einem die Wellen mit ihrer etwas steileren Seite entgegen, das Schiff kämpft gegen die Wellen an. Ein ständiges Stampfen ist die Folge, viel Gischt und Wasser kommen über das Deck. Fahren wir Raumschot kommt die etwas flachere Seite der Welle von hinten, hebt das Schiff sanft an und geht mit der Welle auch wieder sanft nach unten. Wie in einen Fahrstuhl ein auf und ab, aber alles entspannt. Auf Halbwindkurs ist das Ganze eine Mischung aus den beiden, Windstärke ist wie angesagt und die Welle von der Seite. Ich hoffe es soweit verständlich geschrieben zu haben, ansonsten könnt ich über den Kommentar gerne nachfragen.

Bei der letzten Überfahrt zu der Osterinsel waren wir auf der Nordseite von einem Hochdruckgebiet, hatten somit auf der Südhalbkugel den Wind von hinten (die Wettersysteme drehen auf der Südseite entgegengesetzt wie auf der Nordseite) und die Fahrt mit 8 Bft war weitestgehend entspannt. Bei der Überfahrt die wir jetzt haben, sind wir auf der Nordseite eines Tiefdrucksystems, also Wind von vorne. Waren zuvor 8 Bft entspannt, ist es jetzt bei 6 Bft schon etwas übel. Da wir ja nicht genau gegen den Wind segeln können, kommt der Wind leicht schräg von vorne. Durch den Wind in den Segeln haben wir schon eine Grundkrängung (Krängung = Schräglage) im Schiff. Unsere Josa kämpft sich wacker durch die Wellen, nur die Wellen die dabei ständig auf die Bordwand prallen, sind lautstark und bringen das Boot immer wieder stark ins Schwanken. Kommen dann die etwas größeren Wellen an, spritzt die Gischt über das ganze Boot und etliche Kubikmeter Salzwasser werden über das Deck gespült. Die Belastungen für das Boot sind enorm und das eigene Gemüt leidet auch stark. Nach eineinhalb Tagen langt es uns, wir drehen etwas ab und sind nun mit Halbwind unterwegs, die Wellen von der Seite und etwas weniger scheinbarer Wind, lässt das Ganz schon viel erträglicher werden. Von dem Plan die Pitcairn Insel (bekannt von der Bounty, deren Meuterer sich hier niedergelassen haben und deren Nachfahren noch heute hier leben) zu besuchen, können wir uns in diesem Moment verabschieden. Was mich am meisten dabei stört: wir verpassen noch ein kleines Atoll, das auf dem Weg dahin liegt, Ducie Island. Eines der abgelegensten Atolle der Welt, kaum jemand kommt hier vorbei. Alles unberührte Natur, hier mal den Kopf Unterwasser zu stecken, mit Sicherheit traumhaft schön und interessant. Aber so ist das Seglerleben: es gibt Pläne, um sie zu ändern. So fahren wir anfangs einen Nordkurs. Später, als die Bedingungen etwas besser werden, einen Nordwestkurs um einem größeren Flautengebiet, das im Anmarsch ist, möglichst aus dem Weg zu gehen; ganz werden wir es wohl nicht schaffen. Der ursprüngliche Plan während der Flaute die Zeit am Atoll zu verbringen, hätte auch nicht funktioniert, der Weg wäre doch noch zu weit gewesen, um rechtzeitig dorthin zu kommen. Da wir am Rand von einem Tiefdruckgebiet unterwegs sind, sind die Tage und Nächte weitestgehend bewölkt, die Sonne zeigt sich nur spärlich. Nach zwei weiteren Tagen steht wieder mal der Wechsel zwischen zwei Windsystemen auf dem Programm. Wie bei der letzten Überfahrt hält mich das Ganze wieder über viele Stunden auf Trab, natürlich auch wieder in der Nacht, was sonst. An Schlaf ist so gut wie gar nicht zu denken. Als sich der Wind schließlich eingependelt hat ist es schon taghell und ich kann mich auch endlich mal auf´s Ohr legen. Den Rest vom Tag verbringe ich meist in der horizontalen, um den Schlaf nachzuholen. Mit dem neuen System sind wir jetzt auch in einem Hochdruckgebiet, die Sonne begleitet uns und ein Blick in den Mondkalender verspricht Neumond, sprich kein Mond zu sehen. Die nächste Nacht lässt somit einen fast ungetrübten Blick auf den Sternenhimmel zu, nur ein paar Wolken sind zu sehen, einfach traumhaft dieser Anblick. Letztendlich kommen wir auch in das Flautengebiet wie angekündigt, wir haben aber Glück und sind wirklich bis an den Rand gekommen. Wir haben immer gerade noch soviel Wind, daß wir unter Segel fahren können, zwar sehr langsam – aber immerhin; und ob wir ein oder zwei Tage später auf den Gambier´s ankommen ist nicht so wichtig, Zeit haben wir ja.

Vielen Dank an Ulf der uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat, wir können mit unseren Mitteln leider keine Sternenbilder fotografieren. Die Bilder zeigen den Sternenhimmel von dem ich immer so schwärme noch viel deutlicher, sie sind in der Atacamawüste aufgenommen, keine Lichtverschmutzung und noch weniger Staub in der Luft.

Als der Wind wieder einsetzt, setzen wir doch wieder Kurs auf Ducie Island, wir sind gerade mal 170 sm davon entfernt, wir wären in spätestens 30 Stunden dort. Der Wind würde gut passen, um dorthin zu kommen. Ich checke nochmals alle Für und Wider der Vorhersage, die für die weiteren Tage gemeldet sind und nochmal und nochmal. Schweren Herzens fällt doch der Entschluss, wieder direkten Kurs auf das Gambier Archipel zu nehmen. Zu einem haben wir noch mäßigen Wind, wenn wir an dem Atoll ankommen würden, die Ankerverhältnisse sind völlig unklar, im Zweifel müssten wir trotzdem weiterfahren. Auch für den weiteren Verlauf danach schaut es nicht gut aus. Das nächste Eiland ist Henderson 200 sm weiter, auch hier die Ankerverhältnisse völlig unklar. Um dorthin zu kommen müssten wir auch wieder ein Flautenloch überbrücken. Danach dann wieder kräftiger Wind, vor dem wir uns irgendwo Schutz suchen müssten. Das wäre dann die Pitcairn Insel nochmals weitere 100 sm entfernt, Ankerplatz sehr rollig und ein anlanden an Land nur bei ruhigen Verhältnissen möglich. Alles Dinge, die letztendlich entschieden haben, daß wir diese interessanten Inseln nicht anlaufen werden. Nach zwei Tagen, auf denen wir Raumschot und mit guten Windverhältnissen unterwegs sind macht sich so langsam die uns bevorstehende Flaute bemerkbar, der Wind nimmt langsam aber stetig ab. Gerade am raumen Kurs, wenn der Wind zu wenig wird, rollt das Schiff immer mehr von der einen Seite auf die andere, da der Winddruck in den Segeln fehlt. Durch diese Rollbewegung fangen die Segel immer mehr das Schlagen an. Wenn man bedenkt, daß sich die Mastspitze immer 5 Meter von der einen zur anderen Seite bewegt – und das innerhalb kürzester Zeit – erzeugt das schon beachtliche Beschleunigungen in den Segeln, die das Ganze verursachen. Die nächsten beiden Tage werden die Nerven wieder auf eine harte Probe gestellt. Wir passen den Kurs und die Segel immer wieder an, um es zumindest etwas abzumildern. Die zweite Nacht lässt die Überlegung schon aufkommen unter Maschine weiter zu fahren. Aber die nächsten drei Tage noch unter Maschine bis zum Ziel? Nein Danke, wir halten durch. Am Morgen ergibt sich dann ein ganz neues Bild, der Wind hat kräftig gedreht und die Welle sich auf ein Minimum reduziert. Ich setzte beide Segel, das Großsegel war zuletzt zur Pause verdammt worden und die Genua nur zu 80% gesetzt, alles dem Schlagen geschuldet. Nun kommen wir auf einem Amwindkurs, trotz der er schwachen Windverhältnisse, gut voran und durch die wenige Welle gleiten wir jetzt gemächlich über das weite Blau des Pazifiks. Die Sonne lacht vom Himmel und das Meer hat seine tausenden Spiegel ausgepackt, die im steten Wechsel die Wasseroberfläche in einem silbernen Glanz erscheinen lässt, Seglerherz was willst du mehr. Dieser uns wohl gesonnene Zustand hält natürlich nicht ewig an, am nächsten Tag ist es dann so weit. Das Segel hängt fast wie ein nasser Sack am Vorstag, wir bergen es. Aber bevor wir die Maschine starten gibt es noch ein erfrischendes Bad im Pazifik, welche Wohltat. Ich schwimme eine Runde um das Boot in einem unglaublichen Blau, in diesem Bereich ca. 3200 m tief. Wer kann schon von sich behaupten in so einem tiefen Gewässer mal geschwommen zu sein? Schreibt uns gerne.

Dann geht´s schließlich unter Motor weiter, zum Glück aber nur 3 Stunden lang, bevor der Wind wieder einsetzt. Kleiner Nebeneffekt, die Batterien sind auch wieder voll geladen. Wir setzten nur die Genua für die weitere Wegstrecke, aber schon schnell wird der Wind immer kräftiger, ich fang das reffen an. Kurz darauf taucht am Horizont auch noch ein Wolkenband auf, das ein Anzeichen für weitere Windzunahme ist. Als es immer Näher kommt, wird weiter gerefft, viel steht nicht mehr vom Tuch. Aber genau zur richtigen Zeit und in der richtigen Dimensionierung sind wir gut gewappnet für das, was kommt. Es ist wesentlich entspannter so etwas am Tag zu erleben, man sieht was kommt und kann entsprechend reagieren. Schließlich dreht der Wind und wir sind in unserem neuen Wettergebiet angekommen. Es ist Zeit, die ersten Berechnungen für unsere Ankunft zu tätigen. Der Wind sollte uns bis zu den Gambier´s gewogen sein. Aktuell kommt er als Halbwind daher und soll etwas auf Raumschot drehen. Perfekt, so kann ich nur unter der Genua segelnd gut die Geschwindigkeit kontrollieren, indem ich die Segelfläche anpasse. Ich rechne aus, wie schnell wir fahren müssen und dürfen, um bei Tageslicht unser Ziel zu erreichen. Zwar soll das Atoll gut betonnt sein und somit auch eine Einfahrt bei Nacht möglich sein, aber schöner und sicherer ist es doch bei Tageslicht. Mittlerweile, aber schon wieder im Dunkeln, fängt ein wilder Tanz an, keine 12 Stunden nach meiner Schwimmeinlage wird es immer heftiger. Das Ausmaß ist dann erst in der Morgendämmerung zu erkennen, Wellenberge kreuz und quer sind zu sehen. So wilde Wellenberge hatten wir auch noch nicht. Nach gut 2 Stunden übelster Schaukelei scheint der Höhepunkt erreicht zu sein, die Wellen nehmen langsam eine einheitliche Richtung an, was auch auf dem Boot deutlich zu spüren ist. Es bleibt aber weiterhin alles andere als angenehm, aber mit der Aussicht am nächsten Tag anzukommen, erträglich. So ist mit der ersten Morgendämmerung dann auch Land in Sicht. Während ich mich über das Erreichen von unserem ersten Ziel in der Südsee freue, kommt von Sabine nur, „endlich hört das Geschaukel auf“. So unterschiedlich sind die Gedanken. Wir kommen mittig in der gewünschten Zeitspanne zu unserem Wegpunkt an, bei dem wir die Ansteuerung zur Passeinfahrt starten. Die einzelnen Inseln (Motu’s), die in dem Atoll über der Wasseroberfläche zu sehen sind, werden immer deutlich in ihrem Aussehen, die höchsten Berge sind hier etwas über 400 m hoch. Unser Tiefenmesser, der bis 300 m Tiefe anzeigt, macht sich erst wenige Meter vor dem Pass das erste mal bemerkbar, so steil ist auch die Unterwasserlandschaft. Insgesamt ein steiler Berg, mitten im nirgendwo, die See ist um das Atoll herum noch 3 bis 4-tausend Meter tief. Wenn man bedenkt, daß Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze 2962 m hat, Garmisch auf 708 Meter liegt, so hat man noch ungefähr 2200m reinen Berg. Dieser Berg hier steigt vom Meeresgrund empor und ist damit fast doppelt so hoch wie unsere Zugspitze, unglaublich. Die Durchfahrt hat dann eine maximale Tiefe von 12 m, links und rechts noch deutlich weniger, ist aber dank der genauen Seekarten leicht zu passieren. Danach fällt der Grund auch wieder auf bis zu 40 m ab, die See ist deutlich ruhiger geworden. Das Innere eines Atoll´s ist immer mit zahlreichen Untiefen bestückt, eine genau angegebene Kurslinie muss eingehalten werden, um diese Gefahrlos zu passieren. An diesem Atoll gibt es drei verschiedene Zufahrten, wir haben uns für die aus Südwest entschieden. Hier sind die ersten Seemeilen innerhalb nicht mit Fahrwassertonnen bestückt, aber durch die Beschreibung in der Seekarte ohne weitere Probleme zu meistern. Bis wir das Hauptfahrwasser erreichen, in dem dann die Tonnen das Fahrwasser markieren, sind die ersten 10 sm noch unter Segel zurückgelegt, der Wind steht dafür gut. Für die weiteren 10 sm muss dann auf die Maschine zurückgegriffen werden, bis wir den Hauptort Rikitea das erstmal sehen. Durch die große Weite vom Atoll, dem kräftigen Wind geschuldet, ist trotz alledem einiges an Wellengang. Die letzte Seemeile führt nun durch eine schmale Durchfahrt eines breiten Riffgürtels, das unseren anvisierten Ankerplatz vor dem Ort sehr gut schützt. Eine kleine Runde vor dem Ort und unser Anker fällt auf 15m Tiefe in den Sand, willkommen in der Südsee, unserem zweiten Traumziel nach Patagonien.

1653 sm nach 13 Tagen und 20 Stunden macht einen durchschnittlichen Etmal von 120 sm, insgesamt 4100 sm vom chilenischen Festland zurück gelegt.

17

Pazifik: Überfahrt nach Rapa Nui- Osterinsel

Nachdem wir auf der Robinsoninsel ja noch ein kleines Wetter abwarten, entwickelt sich unser Bojenplatz zu einem kleinen Rodeoritt. Obwohl wir auf der windgeschützten Seite der Insel liegen, kommen vom Berg einige Fallwinde, die uns treffen und der Pazifikschwell scheint auch um die Insel in die Bucht zu laufen; einer der rolligsten Plätze, die wir auf unserer bisherigen Reise hatten. Um dem Besuch noch etwas Gutes zu geben: seit der Ankunft ist das Thema mit Kondenswasser durch. Die Wassertemperatur liegt mittlerweile bei 15° und die Luft ist auch entsprechend wärmer. Unser täglicher Kampf in den letzten 9 Monate hat sich jetzt wieder zum Positiven gewendet. Am Montag zur Mittagszeit schmeißen wir die Leine mit dem Ziel Rapa Nui los, noch ein kleiner Schwenk an Ulf´s Farvel vorbei, ein letzter Gruß und unsere Wege trennen sich nach über 6 Monaten zusammen unterwegs sein wieder. Ulf fährt zurück zur Küste und dann nordwärts nach Panama.

ein letzter Blick zurück auf die Robinsoninsel

Der Start war dann auch recht gut, aus dem Windschatten der Insel raus und wir konnten die Segel setzen, wobei es war nur eines war, die Genua. Für die Nacht sollte der Wind erst einmal wieder nachlassen und unser Motor müsste die Arbeit übernehmen, so ist es dann auch gekommen. Ab dem nächsten Morgen ging es dann schließlich unter Kraft des Windes voran. Dann meldet sich auch wieder mal unsere Angel, Fischalarm. Seit langer Zeit haben wir mal wieder einen am Haken und es ist zugleich unser größter Fang bisher, ein weißer Thun. Der wird dann auch gleich filetiert und ab in die Kühlung damit, ein erster Happen wird spontan zum Abendessen serviert. Ab Tag drei sollten uns die Ausläufer von einem Starkwindfeld treffen, bei der Wetterkontrolle stellt sich dann heraus, daß dieses seine Zugbahn ändert, zu unseren Ungunsten. Das werden wohl ein bisschen mehr als nur Ausläufer werden, das Zentrum erreicht uns dann wohl aber doch nicht. Die Aussichten: 40 Knoten Wind und Wellen bis 6 m bei nur 11 Sekunden Periode, keine schönen Daten. Der Wind macht uns da keine Sorgen, das kann man gut händeln, aber die Welle. Das wird wohl das Ungemütlichste seit unserem Start in Deutschland. Die Vorbereitungen dazu starten dann auch. Sabine kocht schon mal was zum Essen vor, an und unter Deck wird noch alles verstaut und verzurrt was geht. Vorsorglich setzten wir auch unser Kutterstag mit seinem Sturmsegel, besser haben als nicht. Bis dahin ist der Wind recht wechselhaft und eher schwach, wir dümpeln so vor uns hin und den angedachten Kurs können wir auch nicht halten, da kommt genau der Wind her. So fahren wir statt einen Nordwestkurs, einen Nordkurs. Erst einmal nicht so schlimm, aber um dem Windfeld wenigstens ein bisschen zu entfliehen, kontraproduktiv. Letztendlich warten wir auf den Wind und den damit einher kommenden Dreher. Der Wind fällt zusammen, jetzt ist es soweit. Keine 30 Sekunden später setzt der Wind ein, um 90° gedreht und mit 30 kn gleich recht ordentlich. Dieser beruhigt sich jedoch noch einer halben Stunde wieder und weht mit konstanten 20 kn, perfekt. Endlich können wir Kurs anlegen und kommen ordentlich vorwärts. Natürlich wird der Wind dann auch nach und nach immer kräftiger, wir passen unsere Segelfläche entsprechend an, alles läuft gut. Mit fortschreitender Zeit baut sich dann auch allmählich die Welle auf. Wir schaukeln uns so langsam ein, unsere „Dicke“ zeigt uns, für was sie gebaut worden ist. So zieht sie souverän ihre Bahn über und durch die Wellenberge. Verfluche ich doch bei dem ein oder anderen Hafenmanöver die vielen Pfunde die sie hat, freue ich mich jetzt umso mehr über jedes einzelne. Wir haben ganze 7 Tonnen Ballast im Kiel, mehr als viele Boote insgesamt wiegen und genau das ist es, was sie so geschmeidig ihren Weg bahnen lässt, auch wenn noch ein paar weitere Faktoren hier mit einwirken. Mit einem der neueren GFK-Boote wäre es wahrscheinlich eine Tortour, das hat sich schon bei einigen Charterbooten, die wir hatten, gezeigt und uns gelangt. Unsere „Moni“, die Windsteueranlage, gibt auch ihr Bestes. Bringt sie uns doch unbeirrt und zielgenau genau dahin, wie wir es wünschen, braucht keinen Strom und arbeitet 24 Stunden ohne zu meckern. Selbst als die 6 m Wellenhöhe und in Spitze 40kn Wind erreicht sind (jetzt stimmen auch mal die Vorhersagen), läuft alles gut, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Was aber nicht heißt, daß es ein Sonntagsausflug ist. Jeder Schritt und Handgriff müssen wohl bedacht sein und der Spruch „immer eine Hand am Schiff“, zählt umso mehr. Jeder Toilettengang wird wohl überlegt und bringt die ein oder andere Herausforderung mit sich. Bei diesen Bedingungen schafft es Sabine auch immer wieder etwas Essbares zu richten, eine Aufgabe, die mal besonderer Erwähnung wert ist und vor der man den Hut ziehen muss. Es ist ja auch nicht so, das es nur jetzt der Fall ist, der Zustand ist ja ein Dauerzustand, mal mehr, mal weniger heftig. Manchmal fragt man sich dann doch, wieso tue ich mir das überhaupt an. Es könnte so schön und einfach sein, Hotel, Strand und Meer. Stimmt, da war ja was…  

ein weißer Tunfisch

Nach 24 Stunden mit Windstärken um die 35kn lässt der Wind auch langsam nach und bleibt dann zum Glück mit 20kn noch recht stabil erhalten. In der Nacht dann ein immer wiederkehrendes und nicht zuzuordnendes Geräusch. So geht’s um 1 Uhr in der Früh in voller Montur auf das Vorschiff, natürlich gesichert, um nach dem Rechten zu sehen, nichts Auffälliges zu erkennen, da muss ich nochmal bei Tageslicht nachschauen. Zum Glück kommt während dieser Zeit kein Brecher über das Schiff, so komme ich wieder trocken ins Cockpit zurück. Wieder alles ausziehen und versuchen noch etwas zu schlafen.

Bis sich die Welle letztendlich auf ein angenehmes Maß abgebaut hat dauert es weitere 36 Stunden. So können wir noch weiter unter Segel unsere Bahn ziehen. Das gute an diesem Windfeld ist außerdem, daß es von einem Hochdruckgebiet stammt, so bleibt es meist sonnig und trocken.

Irgendwann ist Wind und Welle dann so weit stabil bzw. abgeklungen, daß wir auch unser Großsegel mit zur Genua setzen, aber nicht bevor das Sturmsegel wieder verstaut worden ist. So geht es jetzt mit etwas mehr Tempo unserem Ziel entgegen. Leider tun wir uns beide etwas schwer in einen Rhythmus zu kommen, die ungewohnten Schlaf- und Essenszeiten zollen ihren Tribut. Uns geht es nicht wirklich schlecht, gut ist aber auch etwas anderes. So kommt es dazu, daß ein Großteil von unserem Fisch über Bord gehen muss, leider. Wir finden keine Möglichkeit ihn zu verzehren oder zu verarbeiten, die Option der Tiefkühlung haben wir aktuell nicht. Unsere Kühlbox die das könnte, ist voll mit Gegenständen die nur Kühl gelagert werden. Sämtlich Einmachgläser sind voll, da muss erst einiges verbraucht werden. Da werden wir uns nochmal schlau machen müssen, was für Optionen beim nächsten Fang zur Verfügung stehen. So vergehen die nächsten Tage ohne weitere Vorkommnisse, die Aussichten bleiben erst einmal stabil. Wir kreuzen vor dem Wind, um im für uns passenden Windfeld zu bleiben, müssen so ganz nebenbei einer Fischfangflotte großräumig ausweichen, die wir auf Marinetraffic sehen, aber sonst. Ach ja, eine kleine Gruppe von Delphinen hat uns mal kurz besucht, natürlich als wir gerade an Deck mit dem Sturmsegel beschäftigt waren, ansonsten hätten wir sie vielleicht auch gar nicht bemerkt – und ein einziges weiteres Schiff, das wir über AIS gesehen haben, für visuell war es zu weit weg.

Nach 8 Tagen haben wir dann schließlich Bergfest, wir haben nun seit der Robinsoninsel 1000sm im Kielwasser und noch Luftlinie 850sm vor uns. Wenn die Fangflotte uns nicht noch um einen weiteren Bogen zwingt oder das Wetter uns nochmals einen anderen Kurs vorgibt, sollten wir die Hälfte geschafft haben. Am weiteren Tagesverlauf steht noch ein Wechsel der Windsysteme an, wir müssen von einem Hochdruckgebiet in das nächste wechseln. Das bringt immer etwas Wetterküche mit sich. Von wechselnden Winden in Richtung und Stärke soll es auch einmal Regen geben, der uns von der Salzkruste auf dem Boot befreit. So sind dann Winddreher um 90° zu bewerkstelligen und Böen die mal 3Bft über den herrschenden Verhältnissen sind, bevor ein großes Flautenloch kommt, in dem wir nur noch unter Maschine voran kommen, um dieses zu überbrücken. Bei einem der Winddrehern, bei denen wir eine Halse fahren, stelle ich auf einmal fest, daß der Baumniederholer nur noch lose am Baum hängt, da ist wohl was kaputt gegangen. Natürlich wieder in der Nacht, im Dunkeln. Das Problem ist schnell ausgemacht und auch mit Bordmitteln recht einfach zu erledigen. Nur im Dunkeln auf Deck rumturnen mit der Stirnlampe und Werkzeug/ Material ausgerüstet, nochmal eine extra Herausforderung. So geht es später eben durch besagtes Flautengebiet in dem ich am Überlegen bin, unser bis dahin im 2. Reff gefahrenes Großsegel für die spätere Fahrt etwas mehr Tuch zu geben und in Reff 1 zu gehen, es sind ja gerade etwas ruhigere Verhältnisse. Sabine schläft gerade und ich verkneife es mir, was sich kurze Zeit später als Glücksfall herausstellt. Sind in der Flaut gerade nur 4 Knoten Wind, begrüßt uns das neue Hochdruckgebiet binnen Sekunden wieder mit einem starken Winddreher, wenn man von Wind überhaupt sprechen kann bei 4kn zuvor, und einer Windzunahme auf 35kn, mal eben Windstärke 8Bft (erwähnte ich schon, daß es wieder mal mitten in der Nacht ist?!). So ist der Kampf mit etwas weniger Segel dann doch etwas einfacher, das Boot auf den richtigen Kurs zu halten. Nach etwa einer halben Stunde beruhigt sich das ganze schließlich auch wieder und pendelt sich um die 25kn aus Süd ein, immer noch mehr als ausreichend. So kommen wir zügig weiter durch die Dunkelheit und können endlich wieder mal direkten Kurs auf Rapa Nui, unserem Ziel, nehmen. Dieses Hoch sollte uns die nächsten Tage erhalten bleiben, bis es wohl kurz vor dem Ziel nochmal gegen ein anderes getauscht werden muss. Ich hoffe schon jetzt insgeheim, daß es uns der Wechsel nicht wieder 24 Stunden auf Trab hält.

so sehen Winddreher (links) und Windzunahmen (rechts) auf den Instrumenten aus

Zwischenzeitlich kommen wir an der Fangflotte vorbei – ein paar Signale auf dem AIS-System, mehr zu sehen gibt es nicht. Diese Fangflotten sind schon gigantisch aufgezogen. Da gibt es ein großes Mutterschiff, das den Fang der etwas kleineren Fischerboote aufnimmt und noch mit einem Helicopter ausgestattet ist, um aus der Luft die Fischschwärme auszumachen und eben die Fischerboote entsprechend leitet. Die Netzbojen sind dann mit AIS-Sendern ausgestattet, die wohl zusätzlich auch noch deren Füllstände übermitteln. Und zu guter Letzt kommt noch ein Tankschiff vorbei, das die Flotte mit Treibstoff versorgt. Kein Wunder, daß unsere Meere immer mehr überfischt werden. Mit etwas Abstand tauchen dann weitere Signale auf; ein paar Einzelne, die etwas außerhalb der Meute unterwegs sind, fischen hier. Wir können problemlos zwischen den Bojen durchfahren und sehen in der Nacht auch am Horizont einen Lichtschein der hellauf beleuchteten Boote.

Die Welle hier auf dem südlichen Pazifik bleibt leider unangenehm, was freue ich mich in den Passatgürtel zu kommen. Eine Windrichtung gleich einer Wellenrichtung. Aber bis dahin wird es noch sehr lange dauern, da er erst so auf dem 16ten bis 17ten Breitengrad einsetzt, im Moment bewegen wir uns auf dem 27ten.

An Tag 13 steht dann der besagte zweite Frontenwechsel auf dem Programm. Laut dem letzten Wetterbericht sollten wir Glück haben und soweit überhaupt ohne Flautenloch durch kommen. Wie beim letzten auch, verabschiedet sich auch dieses nochmal mit ordentlichen Böen. Der Wind schläft ein, dreht um 180° und legt gleich wieder ordentlich vor, alles wie schon mal, nur eben ohne Flaute. Doch nach einer halben Stunde schläft der Wind wieder ein. Soweit, daß sogar die Maschine angeschmissen wird und die Segel geborgen werden müssen, komisch. Bis wir den nächsten Wetterbericht einsehen können dauert es etwas, Starlink baut irgendwie keine Verbindung auf. Bei diesem Gerolle auch kein Wunder, viel Welle und kein Wind in den Segeln, die das Ganze etwas stabilisieren würden. Bis es dann endlich soweit ist, sehen wir uns am Beginn einer großen Flaute stehen, so schnell kann es sich ändern mit dem Wetterbericht hier. Bis die Maschine wieder zur Ruhe kommt vergehen schließlich 6 Stunden, in der ich auch wieder einmal unseren Wasservorrat etwas aufbessere, in dem ich unseren Wassermacher aktiviere. Der Vorteil dieser Flaute ist schließlich auch, das sich gaaanz laaangsam die Welle beruhigt und als der Wind dann schließlich mit einer leichten Brise einsetzt, diese auch genutzt werden kann. So geht es dann langsam, aber immerhin unter Segel, dem Ziel entgegen. Nach den letzten Tagen in denen wir immer ein Etmal von über 150sm hatten, war schon die Befürchtung wieder mitten in der Nacht bzw. in den frühen Morgenstunden anzukommen. Dies hatte sich jetzt von selbst erledigt. Die Gefahr besteht im Moment eher, das wir erst am Folgeabend ankommen, auch wieder im Dunkel. Aber da hoffe ich noch, daß der Wind wieder etwas zulegt, dann sollte es bei Tageslicht klappen. Letztendlich sind wir gegen 13 Uhr Ortszeit angekommen, ohne weitere Vorkommnisse. Noch eben über Funk bei den Behörden melden, was sich als etwas schwierig herausstellt. Unser Gegenüber kann kein Englisch und wenn er in Spanisch redet, versteht ihn Sabine nicht. Zu schnell und über Funk auch zu undeutlich. Nach kurzer Wartezeit kommt noch eine 3te Person an einem anderen Funkgerät mit über den Äther, der zwischen uns und dem Offiziellen dolmetscht. Es war dann so, daß wohl die Kollegen schon in der Bucht standen, die wir mit unserem Fred besuchen sollten, um unsere Papiere zu zeigen. Wir lehnten dies aber ab, da uns die Bedingungen mit Welle und Brandung zu rau waren. Da hätten wir Fred erstmal bei dem Geschaukel startklar machen müssen und noch dazu den großen Außenborder anbauen, nein Danke. Schließlich haben wir uns dann darauf geeinigt, uns zu melden, wenn die Bedingungen für uns passen, die Kollegen würden dann halt wieder kommen. Alles sehr nett und freundlich. So, jetzt haben wir auch genügend Zeit erst einmal richtig anzukommen, morgen sollten die Bedingungen besser werden.

Hier noch ein paar Zahlen für die Statistik zum Tripp: von der Robinson Insel bis zu unserem Ankerplatz waren wir 1945 sm Nonstop unterwegs und das Ganze hat genau 339 Stunden gedauert, sind dann 14 Tage und 3 Stunden. Macht ein Etmal von 138sm im Schnitt, wobei der niedrigste bei 107 und der höchste bei 156sm lag. Wir waren ca. 11 Stunden unter Motorkraft unterwegs, der Rest alles unter Segel. Nicht schlecht für uns.

Und nun will auch Sabinchen noch ein paar Gedanken mit einwerfen:

Es ist Montag morgen, der 1.9. gegen 8 Uhr. Der Skipper horcht noch an seiner Matratze und ich sitze im Cockpit, als an Steuerbord die ersten Schemen einer Erhebung auszumachen sind. Wir haben die Osterinsel vor dem Bug. Kann ich Euch beschreiben, wie sich das anfühlt?

Es ist ein Gefühl aus Stolz „chaka, ich habe Land gefunden“, „wir haben alles gemeistert“ und „Gott sei Dank ist das Elend vorbei“.

Was meine ich damit? Früher habe ich immer gesagt „Blauwassersegeln ist toll. Kein Land, nur Meer und diese Ruhe“. Gut, ich hatte am Anfang immer mal einen Tag Seekrankheit. Aber das legte sich nach dem einschaukeln und ich hatte keine Probleme mehr. Aber jetzt? Nun, jetzt bin ich in der hormonellen „Zwischenphase“ im Leben einer Frau und mein Körper, vor allem mein Magen-Darm-Trakt lehnt das permanente Durchruckeln und den Schlafmangel irgendwie ab. Ich bin nicht Seekrank, habe aber ein permanent flaues Gefühl und Magen und Darm drehen total durch.  Dies beginnt meist ab Tag 4 und zieht sich so durch. Bei starkem Seegang geht es mir sogar besser als bei diesem leichten hin- und hergerolle. Die Welle mit 6 Meter und entsprechendem Wind hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Daher sind längere Passagen wie jetzt die 14 Tage ein Graus für mich und so sind meine Gefühle beim Land finden, extrem toll.

Jetzt kann ich auch Johannes verstehen, der nach unserem Überführungstörn von Griechenland nach Kiel feststellte „Blauwasser ist nix für mich, ich bleib beim Buchtenhopping“, da er sich auch permanent müde fühlte und nicht schlafen konnte.

Und sonst so? Na, wenn nicht gerade starker Wind und Welle einen beschäftigen, ist es doch eher langweilig.  Man kann nicht viel tun, da arbeiten unter Deck beim dem Gerolle eher kontraproduktiv für den Körper ist. Alleine das Kochen ist schon anstrengend, da man die Schiffsbewegung ja ausgleichen muss. Dazu kommt der Bewegungsmangel – ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag Gymnastik zu machen. Aber auch das lässt man bleiben bei ständiger Bewegung des Schiffes in allen Richtungen. Da ist festhalten angesagt. Also sitzt man im Cockpit, stiert vor sich hin und langweilt sich einfach. So, nun wisst ihr, daß ich mich wie Schnitzel freue, Land zu sehen. Juhu: Iorana RAPA NUI.

17

Auf geht´s zur Mutter

Im Moment sind wir ja etwas zwiespältig unterwegs, auf der einen Seite gibt es diese unglaubliche Natur zu bestaunen und zu genießen, auf der anderen Seite ist das Wetter nicht sonderlich einladend. Außerdem muss da noch das Ganze mit dem Weiterkommen kombiniert werden. Der Nachteil bei unserer Route ist ja, daß wir uns eigentlich entgegen der vorherrschenden Windrichtung bewegen, günstiger wäre es hier, von Nord nach Süd unterwegs zu sein. So sind dann eben einige Komponenten mehr zu berücksichtigen bei der Planung der einzelnen Etappen. Sind wir doch noch in den „wilden“ 50iger Breitengraden unterwegs, hier an der Westküste prallen bekanntlich die vielen Tiefdruckgebiete das erste Mal auf Land, Schutz bieten hier nur die mehr oder weniger vorgelagerten Inseln Patagoniens. Die Windgeschwindigkeiten, die hier so als Standard gelten, sind weit weg von angenehm, was man so kennt und so ein Tief bringt dann auch ordentlich Feuchte mit sich. So wollen wir, neben dem Besuch der Highlights, recht schnell weiter nach Norden kommen. Neben dem täglichen Überprüfen vom Wetterbericht kommt es dann zur Planung der Etappen. Die abgestimmt auf Erreichbarkeit der einzelnen Ankerplätze und deren Schutz für das angesagte Wetter beinhaltet, das Ganze noch vorausschauend für weitere Tage. Der Wetterbericht selbst stimmt aber höchstens die nächsten 2 Tage, der Rest kann man als Tendenz sehen, mehr nicht. So werden auch fast täglich die Pläne geändert oder komplett verworfen. So ist unser erstes großes Etappenziel, Puerto Eden. Eine der entlegensten Siedlungen in Chile, die auf einer Insel auf dem 49sten Breitengrad liegt, raus aus den Wilden, rein in die Brüllenden. Außerdem ist es der erste Anlaufpunkt seit Puerto Williams, um uns wieder mit Lebensmitteln und Treibstoff zu Versorgen.

So hatten wir an unserem letzten Ankerplatz, der Caleta Teokita einer gut geschützten Bucht, einige Tage Winde bis zu 50 kn ausgesessen; nicht vorzustellen, was draußen los war. Am ersten Tag, nachdem sich alles wieder beruhig hat, ging es dann eben weiter zur nächsten Bucht, deren Name Puerto Mardon war. Bei trockenen Bedingungen und verhältnismäßig warmen Temperaturen ging es, meist unter Maschine, unserem Ziel entgegen. Unterwegs sind dann auch die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken durchgebrochen, die ersten seit über einer Woche. Pünktlich zum Anlegen sind dann, innerhalb von einigen Minuten, alle Wolken verschwunden. Strahlend blauer Himmel, den wir dann noch in unserem Cockpit genießen konnten.  Mit einer Fahrt zum Ufer mit unserem Fred wollten wir zusammen mit Ulf noch einen Spaziergang unternehmen, der sichtbare Wasserfall hat dazu eingeladen. Das musste leider unverrichteter Dinge abgebrochen werden, kein durchkommen in der Vegetation am Ufer. Am nächsten Tag haben wir dann auch schon wieder den Channel Smyth verlassen, in dem wir seit der Magellanstraße unterwegs waren, unser Ziel die Caleta Columbine. Bei dem Wortwitz war der Platz eigentlich Pflicht. Eine weitläufige Bucht in der wir nur unseren Anker haben fallen lassen müssen, das verspannen mit Landleinen war nicht nötig, auch mal schön und zeitsparend. Sowohl das Ausbringen als auch das Einholen am nächsten Tag bedarf doch schon etwas Zeit. Die Etappe war nicht sonderlich lange, so hatten wir einen entspannten Nachmittag. Am Abend legte der Wind unerwartet zu und es wurde ganz schön schaukelig auf unserem Zuhause. In der Nacht geht unser Ankeralarm los, der Wind hatte weiter zugelegt, schnell unsere Position genau überprüfen. Und ja, wir sind gedriftet. Aber der Anker hat sich gleich wohl wieder selbst eingegraben und hält jetzt wieder. Noch zur Sicherheit etwas Ankerkette nachgeben und wieder ab ins Bett, der Rest der Nacht war dann soweit ohne weitere Vorkommnisse. Die für den nächsten Morgen angedachte, entspannte Weiterfahrt, war dann doch etwas sportlicher. Zum Glück waren es nur 10 sm bis zur Calete Theleme, die aber gemacht werden mussten. Die weitere Vorhersage für die nächsten Tage waren, sagen wir mal milde ausgedrückt, nicht gerade berauschend und die weite Ankerbucht hätte uns da nicht genug Schutz geboten.

Wir sind rechtzeitig dort und können noch gleich einen kleinen Landausflug starten, Beine vertreten und wieder Neues entdecken. So sind wir hier dann für 3 Nächte geblieben, bis wir weiterkonnten. Das Barometer war von 1012 auf 965 hPa gefallen, Böen von über 50kn sind über uns weggezogen. Verspannt mit 4 Landleinen, hat aber alles gut gehalten. Für die folgenden Tage war dann mal ruhigeres Wetter gemeldet, was für unser nächstes Ziel von Vorteil ist. Zuvor noch einen kleinen Zwischenstopp in der Caleta Moonlight Shadow, in der wir uns mit einer Bug- und einer Heckleine verspannen und der Caleta Wanderer.

Laut unserem Buch eine kleine Bucht, in die man vor Anker gehen kann, zusätzlich noch Landleinen ausbringen und gut. Bei Ankunft stellten wir fest, dass die Fischer hier quer in der Einfahrt eine Leine gespannt haben, kurzerhand ankern wir vor der Bucht und bringen die Leinen beim Eingang der Bucht an. Die vorgelagerte Insel sollte genug Schutz für die Nacht bieten, in der es ruhig bleiben soll. Ulf der immer kurz hinter uns einfährt legt sich einfach längsseits der Fischerleine, mit seinem kleineren und deutlich leichteren Boot kein Problem.  Am nächsten Tag erwartet uns dann eben der nächste Höhepunkt, der Amalia-Gletscher. Bei absoluten windstillen Bedingungen suchen wir uns einen Weg zwischen den Eisblöcken hindurch, um möglichst nah an dieses beeindruckende Gebilde zu kommen. Man bewegt sich wirklich im Schritt-Tempo durchs Eis, weicht möglichst vielen aus, und wenn es nicht anders geht auch mal mitten durch, aber immer schön vorsichtig. Als wir beschließen, jetzt ist es gut und das Eis wird zu dicht, stellen wir unseren Motor aus und genießen das Spektakel dieser Eisgiganten. Ein unaufhörliches Donnern und krachen, das nur erahnen lässt, wie sich die Eismassen bewegen, nichts weiter ist zu sehen. Irgendwann kalbt der Gigant dann doch ein wenig und ein kleiner Teil der Eismassen stürzen ins Wasser, was für ein Schauspiel. Irgendwann geht es dann wieder zurück, um unseren nächsten Ankerplatz aufzusuchen, die Caleta Amalia. Der Name ist natürlich Programm, den Gletscher vom Ankerplatz weiter im Blick.

Am Tag darauf gleich ein Fjord weiter zum nächsten Gletscher, der Brujo, hier ein ganz anderes Bild. Während der Amalia eine Menge an Geröll mit sich getragen hat, ist dieser fast schon rein in seinem Eisbild, das unglaubliche Blau leuchtet noch intensiver. Auch dieses Szenario können wir eindrucksvoll genießen bevor wir uns auf dem Rückweg machen, unser Ziel diesmal, die Caleta Valdivia.

Auch hier heißt es erstmal, Wetter aussitzen, der nächste Tag bringt Dauerregen in seiner übelsten Form. Die Szenerie am darauffolgenden Tag ist dann auch wieder besonders eindrucksvoll mit seinen tief liegenden Wolken. In der Caleta Pico werden wir, wie so oft, wieder mal von Delphinen empfangen. Das besondere war aber, daß die Bucht recht steil ins Wasser fällt und unser Anker hier in 20 m Tiefe fällt, bevor er auf Grund trifft, den Delphinen schein es zu gefallen. Beim Ausbringen der Leinen kreisen sie um Fred, so daß dieser ganz schön am schaukeln ist. Nachdem unsere JOSA sicher verspannt ist, gehe ich noch eine Runde mit den Delphinen spielen, ein schönes Erlebnis. Der spätere Versuch, sich mal wieder an Land die Beine zu vertreten bleibt leider ebenfalls erfolglos, zu dicht der Bewuchs.

Unser nächster Stop war dann die Caleta Neruda, ein schmaler Seitenarm, der uns Schutz gibt für die Nacht. In der Bucht kommt dann auch mal kurz ein Seelöwe vorbei und schaut nach dem Rechten. Die Caleta Greenpeace hat ihren Namen vom Buchautor bekommen, wirklich schön dieser Platz mit vorgelagerten Inseln. Wir finden auch einen Weg durch die Vegetation und können eine schon fast ausgedehnte Wanderung unternehmen. Es wäre auf jeden Fall noch einiges mehr gegangen, leider hat es der Wettergott nicht gut mit uns gemeint und Regen angekündigt, wie wir ihn von weiten sehen, machen wir uns auf den Rückweg und kommen gerade am Boot an, als es zu regnen beginnt, Timing ist alles. Nichts desto trotz, war es eine schöne Wanderung über die Moorebene auf die kleine Anhöhe hinauf, um den Blick über die große Bucht gleiten zu lassen. Auch hier verbringen wir einen weiteren Tag im Regen. Der Regen war dann zwar nicht so ausgiebig, aber für einen weiteren Landgang war es dann doch etwas zu viel.

Ein weiter Hauptgrund, die Weiterfahrt noch auf den nächsten Tag zu verschieben war: es kommt Südwind. Dieses seltene Phänomen sollte für einen längere Etappe gut genutzt werden, die vor uns lag. Dieser Wind sollte uns bis zu unserem nächsten Highlight bringen. Und so kam es, daß wir die 40 sm fast ausschließlich unter Segel zurücklegen konnten, hier und da eine kleine Abbiegung und dann kommt er schon von weitem zu Vorschein, der Gletscher der Gletscher, oder „Mutter“ aller Gletscher, im südpatagonischen Eisfeld. Es ist der größte Gletscher auf der südlichen Erdhalbkugel außerhalb der Antarktis. Der Gletscher hat eine Länge von 66 km, die Abbruchkante hat eine Breite von fast 5 km und ist bis zu 80 m hoch, die Fläche erstreckt sich auf ca. 1300 km², die Rede ist vom Brüggen-Gletscher, auch Pio XI genannt. Der Name Brüggen kommt von einem deutschen Geologen, der Pio XI von einem Papst, der begeisteter Bergsteiger war. Aber was sich da vor unseren Augen aufbaut ist einfach nur der Hammer, die Ausmaße unglaublich. Der Vorteil vom heutigen Südwind ist, die Zufahrt ist komplett eisfrei. Wir können ohne Probleme so nah ran an das Ungetüm, wie wir es uns aus Sicherheitsgründen her trauen. Sollte hier eine der großen Eistürme abbrechen, entstehen schon gewaltige Wellen, die uns gefährlich werden können, Sicherheit geht vor. Der Nachtteil, durch den mittlerweile schon recht kräftigen Wind hat sich auf der Länge vom Fjord doch schon einiges an Welle aufgebaut. Um nicht Richtung Gletscher getrieben und ein Spielball der Natur zu werden, müssen wir in Bewegung bleiben. Maschine aus und das Spektakel genießen ist nicht möglich, nachdem wir unser Segel geborgen hatten. Trotzdem bleibt es ein unvergessenes Erlebnis, wir wollen von unserem Ankerplatz aus nochmal eine Tour mit Fred zum Gletscher machen, eine kleine Wanderung inbegriffen. So geplättet von den Eindrücken geht es jetzt erst einmal zum Ankerplatz, der nicht weit weg ist, leider bietet dieser keinen Blick auf den Gletscher, wäre auch zu schön gewesen. Bei der Anfahrt sehen wir, daß sich eine kleine Eisscholle in unsere Bucht verirrt hat, das wird eng mit zwei Booten. Aber auch das bekommen wir in den Griff und sind kurze Zeit später sicher verspannt in der Caleta Sally untergebracht.

Erst zwei Tage später, in einer Regenpause, sind wir dann nochmal mit Fred los zum Gletscher. Wir wollten in einer kleinen Bucht unser Beiboot ankern, um dann den Rest zu Fuß zu erledigen, einfach auch, um unsere Beine wieder mal zu vertreten. So ging es dann erst einmal am steinigen Strand entlang, um einen Eingang durch die dichte Vegetation zu finden, am Strand entlang ist kein Durchkommen. Mit der Machete bewaffnet, wo ein Wille da auch ein Weg, sind wir auf eine kleine Ebene gelangt, die „nur“ mit Moosen bedeckt war. Auf diesem Moosteppich muss aber auch erst einmal der Weg gefunden werden. Man sinkt hier bei jedem Schritt 5- 20 cm wie in einem Schwamm ein, dazwischen immer wieder feuchtere Stellen, die man nicht betreten sollte, sonst ist man bis zum Knie eingesunken. Da haben wir aber schon einen geschulten Blick für, und der Abschnitt wird ohne größere Probleme gemeistert. Der nächste, ich nenne es mal „Waldabschnitt“, ist voraus und verlangt nach einem guten Blick, um sich da durch zu kämpfen. So eine unberührte Landschaft hat so seine eigenen Herausforderungen. Immer wieder geht´s zum Strand zurück um da ein paar einfache Meter gut zu machen, um dann wieder ins Unterholz zu verschwinden, um sich den Weg zu bahnen. Immer wieder ist das laute Donnergrollen zu hören, der vom Gletscher ausgeht, aber sehen können wir nichts, zumindest sind wir auf dem richtigen Weg. Nach einer ganzen Weile mühsamer Wegfindung, kommen wir an einen weiteren Küstenabschnitt mit Blick auf den Gletscher. Mmmh, immer noch ganz schön weit weg. Wir verweilen ein wenig, um uns den Gletscher genauer zu betrachten, beschließen aber letztendlich, wir wollen näher ran. So sind wir dann wieder zurück zu unserem Beiboot, um mit diesem weiter nach vorne zu gelangen, da gibt es noch einen weiteren Strand weiter vorne. Der Weg zurück gestaltet sich fast genauso schwierig, da wo du vor 5 min gelaufen bist, ist davon nichts mehr zu sehen, kein Fußabdruck oder ähnliches. Der schwammartige Boden leistet hier ganze Arbeit, der Weg muss meist neu gefunden werden. So sind wir dann doch irgendwann wieder bei unserem Fred gelandet, um diesen wieder zu bemühen. Kurz bevor wir den Gletscher ums Eck zu Gesicht bekommen, ein imposantes Donnergrollen, wieder kein kalben vom Gletscher gesehen. Das Einzige was wir noch mit bekommen ist die große Welle, die der Abbruch ausgelöst hat. Der angedachte Strand, weiter vorne, war dann aber auch noch komplett mit gestrandeten Eisschollen belegt, der Rest nur steile Felsküste, ein anlanden unmöglich. So sind wir dann einfach in sicherem Abstand zum Gletscher gefahren und haben uns treiben lassen. Die Geräuschkulisse ist schon unglaublich, ein ständiges knacken, krachen, Donnern, mal hell, mal dumpf im Klangbild, aber nichts zu sehen. Alles passiert im Innern und lässt nur erahnen, was sich da abspielt. Ab und an dann doch noch ein lautes Donnergrollen, der Gletscher kalbt. Eisstücke brechen ab und schlagen aufs Wasser auf, eine Wasserfontäne steigt empor und eine Welle wird ausgelöst, unglaublich dieses Schauspiel.

Was wir sehen, sind aber nur recht kleine Abbrüche, sehen wollen wir eigentlich mal einen der Größeren, so wie wir sie schon jetzt einige male gehört hatten. Die größeren Eisschollen, oder sagt man da schon Eisberge, die hier schwimmen, sagen jedenfalls eine andere Sprache. So sind wir dann über eine Stunde geblieben, Sprühregen hatte mittlerweile auch wieder eingesetzt, bis wir ziemlich durchgefroren uns dann auf den Rückweg gemacht haben.

ein sehr kleiner Abbruch

Letztendlich hat Murphys-Gesetz zugeschlagen, kaum waren wir einige hundert Meter weg, wieder einmal ein ohrenbetäubendes Donnergrollen. Alle Drei drehen wir uns um und sehen nur noch eine riesige Wasserfontäne, gefolgt von einer ebenso riesigen Welle. War ja klar, daß, wenn wir uns auf den Rückweg machen, so ein großes Kalben stattfindet, wie wir es gerne gesehen hätten, schade. So sind wir dann noch an einen der großen Eisschollen gefahren und haben uns das Ganze von Nah angeschaut, dieses Blau ist einfach magisch und die Klarheit vom Eis faszinierend. Wie Alt mag es wohl sein? So sind wir dann trotzdem, auch wenn uns der große Augenblick verwehrt worden ist, mit neuen Eindrücken glücklich zurück zu unserm Ankerplatz gefahren. Der Wetterbericht hat uns schließlich in 2 Tagen einen Südwind vorausgesagt, der will genutzt werden. So sind wir am nächsten Tag erst einmal mit dem Nordwind Richtung Süden aus dem Fjord raus gefahren in die nächste Ankerbucht, der Caleta Lucrecia, um die Nacht hier zu verbringen. Am darauffolgenden Tag sollte uns der angesagt Wind dann nach Norden bis Puerto Eden bringen. Am Morgen sind dann noch einige Schauer über uns hinweg gezogen, da es aber nur 25 sm bis zu Ziel waren, hatten wir es nicht eilig los zu kommen und hörten dem ganzen aus dem Bett zu. Anker auf hat es dann um 11 Uhr geheißen. War es zu beginn noch schwachwindig, unsere Eisengenua (Motor) musste herhalten, hat ein weiterer Schauer dann den Wind mitgebracht. Von nun an konnten wir unter Segel bei herrlichen Bedingungen unserem Ziel entgegensteuern, Zivilisation! Puerto Eden, eine der entlegensten Siedlungen von Chile, unser erster Anlauf- und Versorgungspunkt nach 2 Monaten Einsamkeit.

16

Auf in die Kanäle Chile’s

Da wir schon gemerkt haben, daß die Bemerkung „Kanäle“ etwas für Verwirrung sorgen: hierbei handelt es sich nicht um künstliche und zum Teil kostenpflichtige Wasserwege wie bei uns. Vielmehr handelt es sich um die natürlichen Wasserwege in Süden und Westen Chiles, ähnlich den Fjorden Norwegens. Der Süden und Westen Chiles besteht aus unzähligen Inseln und Inselchen, die alle durch eben „Kanäle“ verbunden sind und entsprechend kreuz und quer befahren werden können. Jeder Kanal hat hier auch einen Namen und wir haben für das Befahren auch eine Genehmigung, der sogenannten Zarpe, in der aufgeführt ist, welche Kanäle wir befahren dürfen. Die bekanntesten sind die Magellan-Straße, die quer von Ost nach West das Festland von der großen Insel Tierra del Fuego (Feuerland) trennt. Weiter südlich verläuft ebenfalls von Ost nach West der Beagle-Kanal, in dem wir uns die ganze Zeit aufgehalten haben und den wir jetzt dann so langsam verlassen werden, wenn wir die nördliche Richtung einschlagen werden.

Die Ankerbuchten heißen hier „Caleta“ oder „Puerto“, von denen es unzählige gibt, eine schöner als die andere. Und über eben diese werden wohl die zukünftigen Beiträge handeln; mit den dazugehörigen Gletschern und Besonderheiten natürlich.

Wir sind nun endlich aus Puerto Williams losgekommen und haben nochmals Abschied von allen genommen, die uns in kurzer Zeit so an’s Herz gewachsen sind: unser Brite Steve, der schon sehr lange auf die Lieferung seines Ankers wartet und mit uns den ein oder anderen Kaffee getrunken hat (und auch mehr). Hacko und Nora von der Anixi, die bereits die patagonischen Kanäle hinter sich gebracht haben und nun Richtung Falklands starten. Heinz, der mit seinen nun 84 Jahren und über 40 Jahren Segelei durch die Welt, auch Richtung Europa starten will und noch über die Nordwestpassage nachdenkt (Nordamerika obenrum durch’s Eis) 😊. Und all die anderen, die wir hier kennenlernen durften. Den ein oder anderen werden wir unterwegs sicherlich noch einmal treffen. Mit uns fährt Ulf auf seiner Farvel, für den es als Einhandsegler hilfreich ist, sich mit anderen zusammenzuschließen. So werden wir immer mit zwei Booten unterwegs sein und können uns gegenseitig unterstützen.

Zum Abschied gibt es weiße Gipfel bei Porto Williams

Unser erstes Ziel sollte eine der Ankerbuchten sein, die wir nach dem Passieren von Ushuaia und dem Verlassen der argentinischen Grenzregion auffinden. In welche Caleta wir gehen, wollten wir spontan entscheiden – je nachdem wie weit wir kommen. Es war nur klar, es muß eine Caleta sein, in der wir die nächsten 3 Tage verbringen werden, da ein Starkwind angekündigt wurde, den wir sicher „aussitzen“ wollten. Wir hatten keinerlei Wind und auch keine Welle und sind daher nur unter Maschine gefahren. Wir hatten zwar einmal versucht, unsere Genua dazu zunehmen, aber das war nix. Wenigstens hatten wir keinen Gegenwind und keine Welle, die uns großartig ausgebremst hätte. Lediglich als wir Ushuaia passiert haben, wurde es neblig und feucht, aber es war erträglich. (für uns sowieso, da wir ja trocken in unserer Kuchenbude sitzen können – lediglich Ulf muß auf seiner Farvel die Zeit im Freien am Ruder verbringen).

Wir haben uns dann für die Caleta Boracho (Betrunkenenbucht) entschieden und just, als wir den Kurs hierauf absetzen, ruft uns Jeanette von der Santa Maria Australis an. Sie sehen uns auf AIS und sie wären ja in der Caleta Ferrari, ob wir denn auch da hinkommen. Kurzer Ratschlag mit Ulf, wir ändern den Kurs wieder in die Ferrari – Ulf wollte sowieso lieber hierhin. So haben wir nochmals die Chance, einen Abend mit den beiden zu verbringen und auch hier Lebewohl zu sagen.

Die Caleta Ferrari liegt in einer großen Bucht, der Bahia Yendegaia, in die ein Fluß mündet. Der Ankerplatz befindet sich vor einer ehemaligen Estanzia und bietet die Möglichkeit, das Land leicht zu betreten und zu erwandern. Das haben wir natürlich auch gleich ausgenutzt. Wir hatten tolles Wetter mit Sonnenschein bei unserem Landgang. Der Weg führte uns natürlich über die Estanzia, in der noch einiges an Inventar herumliegt. Leider verfallen die Gebäude sehr stark. Auch der ehemalige Garten ist noch zu sehen mit unzähligen Himbeersträuchern, an denen auch etliche reife Früchte hingen. Voller Freude habe ich das Pflücken angefangen; leider sind die Beeren so fest an ihrem „Kerngehäuse“, daß diese nur als Matsche an den Fingern kleben – doch kein Himbeernachtisch.

Weiter ging es am Fluß entlang, durch etliche Feuchtgebiete – die Biber leisten hier wirklich volle Arbeit. Etliche ehemalige Viehweiden sind total unter Wasser gesetzt und das Vorankommen ist sehr feucht und schwer. Ehemals genutzte Holzwege und Brücken sind noch vorzufinden, während wir uns Richtung ehemaliges Flugfeld bewegen. Überall grasen Pferdeherden und viele Vögel sind zu hören und zu sehen. Außerdem muss es sehr viele Hasen geben, nach den Hinterlassenschaften zu urteilen, gesehen haben wir nur einen Einzigen. Und natürlich wieder viele tolle Pflanzen und Blüten – Sommer halt. Man hält es nicht für möglich, daß diese Pflanzen hier gedeihen bei dieser Durchschnittstemperatur. Undenkbar für uns, daß bei uns Himbeeren an den Sträuchern hängen, wenn es nur 10 bis 14 Grad warm ist und des öfteren regnet.

Wir haben schließlich den starken Wind hier gut ausgesessen und sind dann 3 Tage später weitergezogen in die Caleta Olla. Hier werden wir unseren ersten Gletscher, den Glacier Holanda vom Boot aus sehen können. Die ersten Seemeilen können wir auch noch gut segeln, bis der Wind wieder auf eine Richtung dreht, in der wir unmöglich segeln können. Aber wir kommen auch so wieder gut vorwärts. Uns war im Vorfeld klar, daß wir in den Kanälen kaum segelbaren Wind haben werden. Daher ist es für unsere Planung und Weiterfahrt einfach nur wichtig: möglichst wenig Wind von vorne und nicht gegen Wind und Strömung ankämpfen müssen. Das würde uns nur unnötig Zeit und vor allem Diesel kosten. Und dieser ist hier seeeeehr wichtig. Die nächste Tankmöglichkeit besteht erst in Puerto Eden in Luftlinie 400 Seemeilen; in gefahrenen Seemeilen durch die Kanäle deutlich mehr. Bis dahin will unser Motor und auch unser Diesel-Ofen gefüttert werden.

Auch die Caleta Olla fanden wir wunderschön. Der erste Landgang ging auf den Hügel und am Strand entlang bis zum Fluß und dann ab zu einem Wasserfall. Natürlich wieder sehr feucht, sehr üppig und wunderschön. Die Männer sind dann am nächsten Tag mal alleine losgezogen in Richtung Gletscher da es mir nicht so gut ging. Nach mehreren schweißtreibenden Stunden kamen sie wieder erschöpft und zufrieden zurück und durften sich dafür bei frischem Apfelplootz stärken, ehe es hieß: „Fasnacht in Franken“, musste geschaut werden. Zum Aussichtspunkt auf den Gletscher und den Gletschersee gibt es einen kleinen Trampelpfad, der am Eingang markiert ist. Da man aber nicht Hin- und Rückweg auf dem selben Weg machen will – „man will ja was sehen“ – sind die beiden dann auf eigenen Wegen den Berg herunter. Das war wohl sehr anstrengend 😉. Außerdem war für den nächsten Tag eine Wanderung am Flußlauf entlang angedacht, der so beschrieben ist und bis zum Gletschersee führen sollte. Denkste, die eine Seite war durch den Biber unpassierbar geworden, die Andere zu dicht bewachsen und immer wieder mit kleinen Wasserläufe durchzogen. Am letzten Tag noch eine kleine Abschlusswanderung am Strand entlang bis zu einem Seezeichen und zurück, wer weiter will hat es wiederum sehr schwer.

Auch in dieser Caleta sind wir 4 Nächte geblieben wegen der Wettervorhersagen und am Montag zeitig losgezogen in den Seno Pia. Dies ist ein zweiarmiger Fjord, in dem an beiden Enden der Gletscher bis ins Wasser reich – und ein „must-do“, wenn man hier vorbeifährt. Wir sind bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein losgefahren und vorbei an tollen Gletschern, dem Italia, Francia, Alemania und dem Romanche. Leider haben wir schon gesehen, daß sich der Himmel langsam zuzieht. Für die nächsten Tage ist leider auch deutlich kühlere Temperatur mit Schneeregen angesagt. So sind wir direkt bis zum Pia-Gletscher im rechten Arm hineingefahren und haben unseren ersten Gletscher direkt am Boot erleben dürfen mit seiner Abbruchkante und den kleinen Eisbrocken im Wasser. Ein beeindruckendes Erlebnis. Ebenso beeindruckend: wir hatten leider massive Grundberührung bei der Zufahrt. Die elektronischen Seekarten sind hier leider nicht ganz genau und wir haben es geschafft, einen Felsen unter Wasser zu touchieren, der nicht eingezeichnet war.

Es hat einen abrupten Stopp gegeben und das ganze Schiff ist kurz nach Steuerbord gekippt und zurück. Ein erster Augenschein aller relevanten Teile hat keine ersichtlichen Schäden erkennen lassen. Der Skipper wird in den nächsten Tagen noch einmal das Unterwasserschiff abtauchen und schauen, wo unser dicker Kiel eine Beule hat. Sind wir mal froh, daß wir so eine „Fat-Lady“ aus dickem Aluminium und massiven Kiel haben. Lediglich später haben wir dann bemerkt, daß unser Haltebrett für den Außenbordmotor durch diese Wucht gebrochen ist und der Außenborder nur noch am seidenen Faden hängt. Also bastelt uns Jochen ein neues Brett, damit wir den Außenborder wieder an seinen Stammplatz hängen können.

Es fing dann natürlich auch pünktlich zum Ankern mit dem Regen an. Unser Schiff hat schnell seinen Platz gefunden und der Anker hält gut, die Leinen zum Land sind schnell gelegt. Nur Ulf hat mit seinem Boot etwas Probleme, sein Anker hält nicht richtig und er muß zweimal einen neuen Anlauf nehmen um zu ankern. Da wir ihm beim Landleinenausbringen natürlich helfen, sind wir alle drei durchgeweicht. Zur Belohnung gibt es erst mal einen Kaffee und einen warmen Schokopudding – für Leib und Seele. Das war dann auch genug Aufregung für heute – sowohl positiv als auch negativ. Als wir ins Bett gehen, sehen wir Ulf auf seinem Boot werkeln. Ein kurzer Ruf rüber, ob alles klar ist: Ja, er hat noch etwas Kette gegeben, da er seinen Anker über Grund rumpeln hörte.

Das musste sein:“ Whiskey on the rocks“, mit frischen Gletschereis. Nach der ganzen Aufregung haben wir uns das doppelt verdient.

Am nächsten Morgen, wir schauen aus dem Fenster. Jetzt hängt Ulf aber sehr nah am Ufer. Schneller Funkruf rüber, ob er es schon gesehen hat. Nein, noch nicht gesehen und ja, er hat immer noch Probleme mit dem Anker, die Aufzeichnung seiner Bewegung lässt naheliegen, daß der Anker nicht hält und er sich bewegt. Also zieht Jochen sich wieder Regenfest an und die beiden ankern nun nochmals komplett um und verlegen sein Schiff auf einen ganz anderen Platz, bis sicher ist, daß der Anker nun auch wirklich hält.

Hier (nochmals?) für die Laien eine kleine Erklärung, wie das mit dem Ankern so läuft bzw. wie wir es handhaben:

Jochen fährt langsam die Stelle ab, an der wir ankern möchten und beobachtet dabei den Tiefenmesser. Wir brauchen einen gewissen Radius um das Schiff mit genügend Tiefe, da sich das Schiff ja im Regelfall mit dem Wind um den Anker herum bewegt („schwojen“). Hat er eine Stelle gefunden, die ihm zusagt, ruft er mir zu „Anker ab“. Wir ankern gerne in einer Tiefe von 5 – 10 Metern, was leider nicht immer möglich ist. Ich lasse den Anker dann fallen und gebe entsprechend der Bedingungen Kette aus. (alle 10 Meter ist eine farbliche Markierung an der Kette, damit man weiß, wieviele Meter draußen sind). Ist unsere Wunschlänge ausgebracht, fährt Jochen langsam rückwarts, bis die Kette auf Zug kommt. Dies beobachte ich bzw. lege meine Hand auf die Kette. So kann ich auch fühlen, ob der Anker über den Grund „ruckelt“ oder greift. Kommt die Kette auf Zug, gebe ich Jochen die Info und er gibt dann rückwärts mehr Gas. Bleibt die Kette auf Zug und nichts ruckelt – das sehe ich, indem die Kette aus dem Wasser in flacherem Winkel kommt – hält der Anker. Wir hängen dann noch eine sogenannte Ankerkralle ein, damit nicht die ganze Kraft der Kette auf der elektrischen Ankerwinsch und dem Bugbeschlag hängt um diese evtl. zu beschädigt. Die Ankerkralle hängen wir in die Kette ein und belegen die Leinen, an die jene hängt, auf den starken Klampen, so nehmen diese den Zug auf.

Hier in den Caletas machen wir das auch so, aber nach dem Ankern werden noch zusätzliche Leinen an Land, an Bäumen oder Felsen ausgebracht, da hier meistens kein Platz zum schwojen ist und das Boot in seiner Lage fixiert sein muß.

So nun sind wir beide sicher vor Anker und verbringen unsere Zeit im warmen Schiff, da es jetzt sehr ungemütlich kalt mit Schneeregen ist. Die Schneefallgrenze ist nur noch wenige Meter über dem Meeresniveau, wahrscheinlich könnten wir auf unserer Mastspitze schon einen Schneemann bauen 😊. Jochen fängt das reparieren an und ich kümmere mich um andere Kleinigkeiten.

17

Feuerland, wir kommen

Nachdem die Salto auch vor Ort war, hatten wir zusammen ja erst einmal drei Tage am Südufer vor Anker verbracht. Der erste und schließlich auch der einzige Tag, der zu einem Landgang einlud, war dann auch vollgepackt mit der To-Do-Liste. So sind wir dann am Dienstag zusammen mit der Salto an unseren „alten Bojenplatz“ verlegt, während unsere Gute alleine am Ankerplatz zurück blieb. Wir haben uns dann auch gleich aufgeteilt, Mike und Sabine zur Wäscherei, Kerstin und ich zur Prefectura. Die Salto musste ja erst einmal einchecken, ich wollte auch gleich das auschecken abschließen. Mit der geplanten Abfahrt am Donnerstag wurde mir aber das verwehrt: geht nur maximal 24 Stunden zuvor, ich solle doch morgen nochmal kommen. Der Hinweis, daß es morgen wegen dem wieder aufkommenden Windes uns nicht möglich ist, an Land zu kommen, hat auch nicht geholfen, sie würden dann halt mit dem eigenem Boot zu uns kommen. Ok, auch eine Möglichkeit. Als wir unser Schreibkram bei der Behörde erledigt hatten, ging es zu unserem Treffpunkt, dem Museumscafe, Mike wollte sich unbedingt den alten Chevrolet anschauen. Die Zeit wurde ebenfalls genutzt, um unsere weiteren Pläne zu besprechen. Nach nochmaligen studieren der Wetteraussichten und mit dem für und wider, haben wir uns dann für eine Abfahrt am Mittwoch Nachmittag entschieden. Da die Zeit wieder wie im Fluge vergeht, war die Frage, was wir zum Mittag machen. Das einzige Restaurant das wir kannten, das offen hatte und eine Sitzgelegenheit bietet, war gleich an der nächsten Straßenkreuzung. So viel die Wahl recht schnell zu einem Besuch. Nach der gemeinsamen Stärkung ging es auch gleich zum nächsten Tagespunkt, Teile besorgen. Wieder aufgeteilt, waren dann die beiden Frauen und Männer jeweils zusammen unterwegs. Die Frauen machten sich auf zum Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen, wobei sich das ja bei uns nur auf die Frischwaren einschränkte, die Salto benötigte da schon etwas mehr. Wir Männer machten uns inzwischen auf Ersatzteilsuche, wir wurden aber nur zum Teil fündig, war ja auch fast nicht anders zu erwarten. Anschließend sind wir noch an der Wäscherei vorbei, Punktlandung, unsere Wäsche war gerade fertig geworden. So sind wir dann alle Vier mehr oder weniger bepackt zurück zu unserem Fred gekommen, wo wir dann gemeinsam zur Salto übersetzten, um unsere Vorräte an Bord zu bringen. Da wir ja unsere Abfahrt etwas nach vorne verschoben haben, konnten wir auch doch heute noch auschecken. Während Mike am Boot blieb, sind wir im Dreierpack nochmals zur Prefectura und haben alle Formalitäten erledigt. Anschließend wieder zurück zum Boot und zum Ankerplatz, der Südwind sollte am Abend wieder kommen. Nach einen gemeinsamen „Anlegergetränk“ heißt es dann auch für uns, zurück auf die Josa. Der windige Abend und der darauffolgende Vormittag wurden dann noch genutzt um alles zu verstauen und seefest zu machen.

Am Nachmittag, mit Hochwasser, war es dann auch an die Zeit gekommen und Anker-auf zu sagen, Ziel war eine Ankerbucht bei der vorgelagerten Isla Pinguines. Bei der Bucht wurden wir dann von einer Kolonie Seelöwen und Pinguine begrüßt. Für einen Besuch der Insel war es dann aber leider schon etwas zu spät, außerdem war bei dem aktuellen Niedrigwasser ein anlanden mit dem Dinghy schwierig, dann halt nicht. Am nächsten Morgen war dann um 7 Uhr Anker-auf verabredet, so war der Abend kurz, damit wir morgen ausgeschlafen sind. Schließlich sind dann einige Seetage geplant. Leider hat der rollige Ankerplatz etwas dagegen gehabt, so sind wir dann am Morgen etwas schlaftrunken aus unserem Bett gekrochen, um uns fertig zu machen. Zum richtig wach werden war dann aber auch gleich nicht viel Zeit, beim Ausfahren aus der Bucht wurden wir mit einer heftigen See, die sich rund um das Eiland aufbaut, begrüßt worden. Schnell etwas Abstand gewinnen war die Devise, nach der ersten Seemeile wurde es dann zwar etwas besser, aber gut ist etwas anderes, der Südatlantik hat uns wieder. Gefühlt treffen hier mindestens zwei unterschiedliche Dünungen, drei verschiedene Windseen und natürlich noch der Gezeitenstrom aufeinander. Dafür, daß die Welle nicht allzu hoch ist, ist sie ganz schön wild. Auch wenn sich unsere Gute in gewohnter Manier durch die Wellen schneidet, schlagen im 5 Sekundentakt die Wellen seitlich, mit lautem Krawums, gegen die Bordwand.

Vor uns liegt, in meinen Augen, unsere Königsetappe der Reise. Rund 500 Seemeilen lang, 4 bis 5 Tage sollte diese dauern, wenn kein weiterer Zwischenstopp von Nöten ist. Hier zum Südatlantik gibt es viele Geschichten. Nicht umsonst wird in der Seefahrt von den Roaring Forties, Furious Fifties und den Screaming Sixties gesprochen, zu Deutsch: brüllenden Vierzigern, wütenden Fünfzigern und schreienden Sechzigern. Das Ganze bezieht sich auf die Breitengrade in unserem Koordinatensystem. Gut, bis zu den Sechzigern wollen wir dann doch nicht runter. Aber andere Seemannsweisheiten sprechen auch von „unterhalb des 40. Breitengrades gibt es kein Gesetz, unterhalb des 50. Breitengrades gibt es keinen Gott“. Auch den 40sten haben wir schon seit San Blas hinter uns gelassen, den 50ten queren wir auf dieser Etappe. Das mit dem Gesetz können wir so auf jeden Fall beim Wetter bestätigen: Aussichten, die länger wie 24 Stunden sind, stimmen nur selten, über 48 Stunden sind es wilde Spekulationen. Ansonsten segeln wir nach dem Motto, “ein guter Segler hat immer guten Wind“, soll heißen: Das man immer auf ein passendes Wetterfenster wartet und nicht bei schlechten Bedingungen/ Aussichten rausfährt. Auch wenn es hier schwierig ist, über so einen Zeitraum das Wetter vorher zu sehen, kann man doch schon eine Tendenz erkennen. Unterwegs sollte man einen Plan B parat haben, was aber in dieser Gegend wiederum schwierig ist, da es sehr wenige Plätze gibt, an den wir uns eventuell Schutz suchen können. Nichts destotrotz haben wir uns für das aktuelle Fenster entschieden, wer weiß, wann das nächste kommt und ob dies besser wird. Auch das haben wir in der Zwischenzeit hier gelernt, wenn sich eines auftut, nutze es. Ein Starkwindfeld das auf halber Strecke uns treffen könnte, hat sich mit jeder Wetteraussicht der letzen Tage etwas abgeschwächt, sollte es sich halten, gibt es einen Ankerplatz, den wir noch rechtzeitig erreichen können, Planung ist alles. Bei den herrschenden Windbedingungen kommen wir dann auch gut vorwärts, auch wenn die Welle uns das Leben auf dem Boot schwer macht. Jeder Handgriff muss gut gewählt sein, nichts darf mal eben ungesichert irgendwo rumliegen. Die Bedingungen sind aber, für den Ort an dem wir uns befinden, in meinen Augen gut und erträglich. So gehen die Tage vorüber, dank der modernen Technik können wir uns täglich mit neuen Wetterdaten versorgen, was die weiteren Vorgehensweisen natürlich stark vereinfacht. Ich denke mir des Öfteren, wie das die ersten Segler gemeistert haben, ohne den ganzen Schnickschnack. Da haben wir in der heutigen Zeit doch schon einen großen Vorteil. Das starke Windfeld, das uns zur Mitte treffen sollte, hat sich dann doch komplett abgeschwächt, ein durchsegeln bis zu unserem Ziel steht damit nichts mehr im Wege. Das Ziel heißt Isla de los Estados oder auch Staten Island, auf dem 54sten Breitengrad gelegen, eine große Insel mit gut geschützten Buchten vor der Einfahrt zum Beagle Channel, in dem die südlichste Stadt von Argentinien ist: Ushuaia. Luftlinie 120 Seemeilen von Kap Horn entfernt, um dem sich ja bekanntlich viele Sagen und Mythen ranken, allein bei dem Aussprechen dieses Ortes fährt es so manchem Segler kalt dem Rücken runter. Ob vor Angst, Respekt, nur aus Ehrfurcht oder gar Traumziel sei mal dahingestellt.

So kommen wir gut vorwärts, auch wenn das Schlafen und Erholen wieder sehr schwierig ist. Wie erwartet haben wir dann auch noch ein angekündigtes Flautenloch erwischt, durch das wir etliche Stunden durchmotort sind. Aber: hier in den wütenden 50ern lieber eine Flaute als zu viel Wind. Wir sind mit dem Motor zwar langsamer als unter Segeln bei guten Winden, aber der Vorteil bringt so ein langes Flautenloch auch mit sich: die See beruhigt sich und ist fast spiegelglatt. Somit haben wir, mit dem danach aufkommenden Winden, ein angenehmeres Segeln, da wir uns nicht durch wilde Wellenberge kämpfen müssen. Da der Wind wieder einmal mitten in der Nacht aufkommen sollte, habe ich in meiner langen Nachtwache fleißig den Windverlauf im Auge behalten. So konnten wir rechtzeitig unser Großsegel komplett herunterholen und haben nur die Genua gesetzt, mit der wir auch alleine genug Vortrieb haben bei raumen Wind (von hinten). Unser Ziel war, die Isla de los Estados bis zum Mittag zu erreichen, da danach der Wind wieder ordentlich zulegen sollte. Bis dahin wollten wir es geschafft haben.

Und wir haben es geschafft. Am frühen Morgen tauchen die in Wolken gehüllte Gipfel der Insel auf und wir fahren schön darauf zu. Unser gewählter Ankerplatz heißt „Puerto Hoppner“ und soll wunderschön und super geschützt gegen alle Windrichtungen sein. Jeder, der hier war, hat nur geschwärmt. Zunächst war der Plan, gleich nach der Einfahrt in die Bucht auf einen Ankerplatz in der sogenannten „Outer-Bay“ zu nehmen, um dann mit dem Höchststand der Tide gegen 12:30 Uhr in die „Inner-Bay“ einzufahren. Das deshalb, da die innere Bucht nur durch eine etwa 10 Meter breite Durchfahrt zwischen Felsen zu passieren ist und entsprechend bei Ebbe oder Flut hier eine Menge an Wasser durchgepresst wird, was zu entsprechenden Strömungsgeschwindigkeiten führt. Dies ist sehr gefährlich zu solch einem Zeitpunkt durchzufahren – eine Segelyacht mit ihrem relativ schwachen Motor und der Windanfälligkeit ist da schnell auf den Felsen versetzt.

Kaum waren wir in der äußeren Bucht, war das Wasser ruhig und von dem Wind außerhalb nur noch ein Hauch zu spüren. Also klar machen zum Anker setzen. Beim Ablassen des Ankers bemerkt Sabine, daß die Ankerwinsch aber sehr „ruckt“ und stellt voller Entsetzen fest, daß die Ankerwinsch nicht mehr richtig fixiert ist. Also schnell Ankermanöver abbrechen und Stellungswechsel. Sabine ans Ruder und Kreise drehen und der Herr Mechaniker an die Winsch um das Übel zu begutachten. Von den 4 Befestigungsbolzen sind zwei nicht mehr vorhanden und die Winsch kippt nach vorne weg.

Ich habe dann die Winsch mithilfe einer Leine erst einmal wieder an Ort und Stelle fixiert und wir haben das Ankermanöver durchführen können, so daß wir erst einmal fest und sicher waren. Mit meiner geplanten Schlafnachholung war es dann natürlich nichts, ich hatte die komplette Nacht Wache geschoben. Jetzt hieß es erst einmal, Winsch reparieren, damit wir den Anker auch wieder einholen können. Es waren aus dem Gehäuse zwei Stehbolzen komplett ausgerissen, hier mussten zwei Neue mit größerem Gewinde rein. Die anderen Beiden – stark verbogen – wollten auch ersetzt werden. So habe ich dann aus Gewindestangen, die ich zum Glück an Bord habe, 4 neue Bolzen angefertigt und zwei neue Gewinde ins Gehäuse geschnitten, um diese wieder montieren zu können. Natürlich haben die Löcher in der Befestigungsplatte überhaupt nicht mehr gepasst, da die alten Stehbolzen ja etwas kleiner waren. Auch hier wieder Nacharbeiten mit Bohrmaschine und Rundschleifer. Nach etwa zwei Stunden war aber auch das geschafft.

Die Salto, die in der Zwischenzeit auch gerade angekommen war, hat sich dann sofort in die innere Bucht verlegt und durchgefunkt, daß es jetzt gerade total problemlos geht, da durchzukommen. Gut, es war ja nur noch eine Stunde bis Scheitelpunkt. Also haben wir noch geschwind aufgeräumt und haben ebenfalls die Durchfahrt in Angriff genommen. Ja – es war spannend. Es sieht nicht nur eng aus, es ist auch eng. Vor allem, wenn man weiß, daß überall unter dem Kelp sich weiterer Felsen versteckt.

Einfahrt in die Inner-Bay

Auch das Festmachen des Schiffes war wieder eine spannende Angelegenheit. Die Salto lag schon mit zwei Leinen verspannt hinter der kleinen Insel in der Bucht. Wir sind dann längsseits an die Salto herangefahren, haben unseren Anker gesetzt und Kerstin hat Sabine mit ihrem Dinghy aufgenommen, um unsere erste Landleine zu befestigen. Dies ging auch ruck-zuck und wir waren schnell mit allen 4 Leinen verspannt; ebenso die Salto. Mit zwei Personen im Beiboot geht das wirklich fix, wenn einer sich aufs Fahren und der andere auf die Leinenarbeit konzentrieren kann.

Nun liegen wir hier einträchtig nebeneinander und harren der Winde, die da kommen sollen. Mike hat dann noch eine kleine Ruderrunde gedreht und hat sich die gesamte innere Bucht einmal angesehen; hier soll man doch gut laufen können zu einem See und einem Wasserfall. Nur, wo kommen wir an Land? Dabei ist er auch nochmals an der Durchfahrt vorbeigefahren und hat festgestellt: „wir hier am Liegeplatz haben null Wind und da vorne geht die Post ab und in der Durchfahrt ist eine üble Brandung“. Wir werden die nächsten Tage hier auf alle Fälle einiges erkunden und berichten.

20

Immer weiter Kurs Süd

Nachdem wir San Blas mit dem nächsten Wetterfenster verlassen haben, heißt unser nächstes Ziel Golfo Nuevo bei Puerto Madryn. Eine kleine beschauliche Bucht von 50 bis 60 km Durchmessern und einer Einfahrtsbreite von ca. 10 km und einer Wassertiefe um die 30 m, während die Bucht so um die 150 m Tiefe hat. Wieso ich das Euch erzähle? Bei einem Tidenhub von 5 m kann man sich schnell mal ausrechnen, welche Wassermassen da viermal täglich durch das kleine Nadelöhr fließen, um den Wasserstand auszugleichen. Die zu erwartende Gezeitenströmung in der Einfahrt soll hier beachtet werden, sonst kann das Ganze schon etwas länger dauern, bis man drin ist. Auch der wesentlich größere Golfo San Matias, an dem wir vorbeifahren, verheißt auf der Strömungskarte nichts Gutes. Die aktuelle Vollmondphase verstärkt das alles noch. Die starken Strömungen, die auch gleich mit der Ausfahrt von San Blas zu spüren sind, können wir planen und zu unserem Gunsten nutzen, der Rest wird sich zeigen, wie wir vorwärts kommen.

Die Ausfahrt aus dem Kanal zeigt sich auf jeden Fall schon etwas angenehmer als die Tage zuvor die Einfahrt. Bei strahlend blauem Himmel kommen wir trotz des schwachen Windes gut voran. Die Aussichten für die Strecke sollen auch so bleiben. Was wir aber Schlussendlich hier erleben, ist eine Fortsetzung von der letzten Fahrt. Kaum ein Logbucheintrag ohne daß sich die Windrichtung nicht mindestens um neunzig Grad geändert hat; das hält uns ganz schön auf Trab. Dazu muss man sagen, daß wir spätestens nach 4 Stunden einen Eintrag machen, wenn sich in der Zwischenzeit nicht etwas ändert. Nach viel Gejammer und Gefluche auf die Windküche, die uns hier auf dem Wegstück widerfahren ist und den halbwegs zu unseren Gunsten ausgenutzten Strömungsbedingungen, sind wir dann 2 Stunden vor dem nächsten vorhergesagten Starkwindfeld vor Anker gegangen. Alles nach Plan gelaufen. Trotz der großen Tiefenunterschieden in der Bucht hält der Ankerplatz für uns eine flach ansteigende Küste mit gutem Ankergrund bereit. Perfekt also auch hier, und für den angekündigten Westwind ausreichend Schutz. Nachdem wir am Boot soweit alles aufklariert haben, bleibt noch genug Zeit um sich nochmal aufs Ohr zu legen um etwas von dem fehlenden Schlaf nachzuholen, bevor es los geht. Als wir dann vom aufkommenden Wind geweckt werden, kontrollieren wir unsere Ankerposition nochmals. Bei Windstärken bis 35 kn hält unser Anker gut und zuverlässig. Bis zu Nachtruhe beruhig sich der Wind wieder so allmählich und wir können getrost unseren verdienten Schlaf antreten.

Zu dem Golfo Nuevo sei noch erklärt, daß es sich um eine „Walbucht“ handelt. So sollen sich hier um diese Jahreszeit etliche der majestätischen Tiere aufhalten, in einem Bereich im Norden der Bucht. Boote sind hier natürlich nicht gerne gesehen, es sei denn, es sind die, die diese Waltouren kommerziell anbieten. Wir dürften hier nur hin, wenn es die Wettersituation es nicht anders zulässt, also bei starken Nordwinden; verkehrte Welt. Aber da wir die Einstellung haben, daß wir das Ganze, wenn dann, von unserem Boot aus erleben wollen, werden wir diesem Kommerz nichts beitragen.

Abendstimmung im Golfo Nuevo

Mit dieser Einstellung und dem Betrachten der weiteren Vorhersagen, sehen wir schon für den nächsten Tag ein Wetterfenster, das wir nutzen wollen, nichts was uns hier zum längeren Verweilen veranlassen würde. Die entsprechenden Fenster wollen gut genutzt sein, auch wenn sie nicht immer Ideal sind, bei der hier vorherrschenden Windrichtung aus Süd. Wer weiß, wann sich das nächste auftut. Bei der routinemäßigen Kontrolle im Motorraum entdecke ich eine nicht unerhebliche Menge an Wasser in der Bilge, oh Schreck, was ist jetzt los, müssen wir den Aufenthalt doch verlängern und eventuell ans Ende der Bucht in der Stadt verlegen? Nach einem gründlichen Check aller Verbindungen am Abend und weiter Ursachenforschung am Morgen, ist die Ursache in unserer Stopfbuchse zu finden. Das Bauteil dichtet unsere Antriebswelle, die zum Propeller führt ab. Die hatte ich erst bei unserem Werftaufenthalt in Juan Lacaze komplett ausgebaut und gewartet. Vermutlich hat sich erst jetzt gezeigt, bei der etwas längeren Belastung bei der Einfahrt in die Bucht, daß das Dichtungspaket noch etwas nachgestellt werden muss. Soweit erst einmal Entwarnung, der Fehler schnell behoben. Weitere, intensive, Beobachtungen werden folgen, der Weiterfahrt sollte somit nichts im Wege stehen. Gegen 12 Uhr heißt es dann Anker auf.

Nachdem wir die Ausfahrt der Bucht passiert haben, wird es sehr ungemütlich, ein wilder Ritt über die Wellen; ja wenn in den Seekarten schon entsprechendes verzeichnet ist – wir sind vorbereitet. Bei den eher schwachen Windverhältnissen, die bei ruhiger See ein entspanntes Segeln versprechen würden, ist jetzt nicht zu denken, die Segel würden ohne Unterlass schlagen. So sind die ersten Stunden nur unter Maschine zurück zu legen, bis sich das Wellenbild beruhigt. Die Wellen sind zwar nicht all zu hoch, aber die Abstände von jener recht kurz. Wenn man sich so Vorhersagen anschaut, schauen wir uns auch immer die vorhergesagten Wellen mit an, bei einem Verhältniss unter 3 zu 1 (Periode/Zeit zu Wellenhöhe) wird es richtig unangenehm, so wie gerade eben halt. Nichts destotrotz ist auch das bald überstanden und als kleiner Nebeneffekt gleich ein Test ob im Maschinenraum jetzt alles dicht ist. Nach mehrmaliger Kontrolle kann ich auch hier wieder einen Haken setzten, der Verdacht der Stopfbuchse hat sich bestätigt und alles ist wieder in Ordnung.

Ausfahrt aus dem Golfo Nuevo, schon in einer ruhigeren Phase 😉

Unser nächstes Ziel heißt Caleta Hornos, ein kleiner „Flusslauf“ in der Küstenlinie, nichts außer Natur drum rum und unser erster Stopp, an dem wir mit Landleinen arbeiten müssen, dazu später mehr. Unterwegs merken wir, daß unser Speed doch etwas langsamer ist, wie veranschlagt und entscheiden uns, noch einen Zwischenstopp in einer Bucht auf dem Weg einzulegen, ansonsten würden wir erst in der Nacht ankommen, das wollten wir tunlichst vermeiden. So haben wir unseren Kurs Richtung Küste geändert und haben den neuen Ankerplatz direkt angesteuert. Auch hier wieder an der Küste sind in den Seekarten etwas unruhige See eingetragen, das sich trotz der ruhigen Bedingungen bewahrheitet. Kaum am Eingang der Bucht und schon ist wieder Ruhe im Schiff und wir können in aller Gemütlichkeit unsere Segel bergen. Der Anker ist schnell geschmissen und hält auch zuverlässig. Das Windfeld, das für die Nacht gemeldet war, war dann auch nicht so stark wie gemeldet, wir hatten eine erholsame Nacht. Am nächsten Tag dann der Start zur Caleta Hornos; auf die wir uns ja schon eine Zeitlang freuen. Wieder etwas unruhige See bei der Ausfahrt, aber dann ein schöner Segeltag hoch am Wind. Am Cabo dos Bahias, ca. 10 sm vor unserem Ziel, heißt es dann WAL IN SICHT. Unser erster Wal an der argentinischen Küste zeigt sich gleich bilderbuchmäßig. Erst ein großer Walblas, dann sein großer runder Rücken und schlussendlich hebt er seine Schwanzflosse aus dem Wasser als er vor unseren Augen abtaucht. Ein grandioser Anblick, leider ohne Fotobeweis. Der weitere Ausblick lässt aber weiter nichts mehr erspähen, die können halt auch verdammt lange unter Wasser bleiben 😉. Eine halbe Stunde später dann die nächste Sichtung. Zwei dieser Giganten schwimmen querab von uns in entgegengesetzter Richtung vorbei, wir sehen mehrfach ihren Blas und einen kleinen Teil von deren Rücken. Nach dem Schauspiel heißt es dann auch, vorbereiten für die Einfahrt in die Caleta. Da die Bedingungen entspannt ruhig sind, beschließen wir unser Dinghy erst in der Caleta zu Wasser zu lassen, Leinen sind soweit schon alle griffbereit. Die Einfahrt alleine ist schon beeindruckend, sieht man doch erst im letzten Augenblick wenn man ums Eck kommt, daß da noch ein Einschnitt in der Küste ist. Wir tasten uns langsam unter Maschine voran, da das Kartenmaterial nicht ganz so Präzise sein soll. Schließlich haben wir eine leichte Grundberührung am Ende im weichen Untergrund, wir fahren uns wieder frei, war wohl etwas zu weit rein. Ein Stück retour und der Anker fällt. Schnell das Dinghy zu Wasser und Sabine macht sich auf den Weg, die Landleinen am Ufer zu befestigen, zieht sich natürlich alles ein wenig. Mit dem Dinghy ans Ufer paddeln, Ausstieg an den schroffen Felsen, Fred sichern und dann noch eine Stelle suchen, um die Leine sicher zu befestigen. Während ich versuche das Schiff auf Position zu halten und ich die erste Leine dichtholen kann, sind wir zwar schon ein wenig abgetrieben, aber jetzt sind wir dann mal sicher soweit. Drei weitere Leinen wollen jetzt noch ausgebracht werden und der Wind frischt auch langsam auf, gutes Timing.

>Landleinen: In Patagonien ist es üblich das Schiff zusätzlich zum Anker mit eben solchen noch zu verspannen. Die Caletas, Buchten oder die Unterwasserlandschaft lassen oft kein Raum zum schwojen (Drehkreis um den Anker wenn sich Wind oder Strömung ändern) um den Anker, weshalb man das Schiff eben fest fixiert um dies zu verhindern<

Nachdem das geschafft ist, gibt es erst einmal das wohlverdiente Anlegegetränk, alles hat soweit funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Das ein oder andere hat noch etwas Verbesserungspotenzial, aber Möglichkeiten zum Üben kommen jetzt noch genug. So haben wir die Nachmittagsstunden noch im Cockpit genossen bis hin zum Abendessen. Währenddessen war dann auch der höchste Stand der Flut, die Tide beträgt hier in etwa 5m. Ich fange an zu recherchieren und zu rechnen, komme aber zu dem Ergebnis, daß uns etwas Wasser unter dem Schiff fehlt, wenn wir Ebbe haben. Um kein Risiko einzugehen, beschließen wir nach kurzer Beratschlagung, uns wieder aus der Caleta zu manövrieren und am Eingang von dieser, an der Küste vor Anker zu gehen. Bei den mittlerweile kräftigen Wind wäre die Gefahr zu groß in der schmalen Caleta zu manövrieren und einen geeigneteren Platz zu finden. Natürlich ist es jetzt schon fast dunkel. Wir befestigen noch unseren Außenbordmotor an Fred und los geht´s. Ich in Fred und in passender Reihenfolge alle Leinen von Land wieder einholen, bis wir nur noch am Anker hängen, gut das wir dessen Position so gewählt haben das wir bei dem angesagtem Wind auch frei an diesem hängen und nirgends anschlagen. Zuletzt noch Anker auf und im Stockdunkeln raus an die Küste, hier schmeißen wir unser Eisen dann in ausreichender Tiefe ins Wasser. Jetzt liegen wir erst einmal sicher hier, die Anspannung fällt langsam wieder ab. Am nächsten Morgen heißt es dann nochmal alles bei Tageslicht zu beurteilen, aber auch hier gibt es grünes Licht und der Starkwind der die nächsten 24 Stunden über uns wegzieht, kann kommen.

Fazit: 1. Angelerfolg hatten wir gleich zu Anfang: 2 Fische und im weiteren Verlauf noch 3 Möwen in unterschiedlicher Größe. 2. Die Wetterfenster in dem Bereich, in dem wir uns aktuell bewegen, wollen gut genutzt werden, auch wenn sie nicht optimal sind. Wir bewegen uns schließlich entgegen der hauptsächlichen Windrichtung. 3. Ja – und die Lernkurve in den letzten Wochen steigt wieder steil nach oben.

so langsam kommt auch hier Routine auf, befreien von Möwen

16
« Ältere Beiträge

© 2026 SY JOSA

Theme von Anders NorénHoch ↑