Autor: Jochen (Seite 1 von 4)

Bergfest in Samoa

Irgendwo auf dem Weg von Niue nach Samoa haben wir den Längengrad 170° West überschritten. Da Hamburg bei ca. 10° Ost liegt, haben wir 180° voll und somit den halben Globus umrundet. Von den Längengraden aus gesehen kommen wir so jetzt wieder näher und entfernen uns nicht mehr. Noch dazu kommt, daß Samoa über der Datumsgrenze liegt. Wir sind jetzt nicht mehr im Tag zurück, sondern voraus, wenn man es von der Heimat aus betrachtet. Den 05.08.2026 gibt es bei uns nicht, den haben wir einfach übersprungen. Und als Sahnehäubchen jährt sich unsere Abreise am 11. August zum dritten Mal, während wir hier in Samoa vor Anker liegen mit etwa 22.000 Seemeilen auf dem Buckel.

Die Überfahrt von Niue nach Samoa war wohl die bisher angenehmste ihrer Art im Pazifik. Hatten wir bei der Abfahrt in Niue am Bojenfeld ordentlich Dünung und es war entsprechendes rollig, wurde dies auf offener See deutlich besser. Lediglich kurz nach dem Start zogen einige Wolkenfelder durch, die ordentlich Wind und etwas Regen in sich hatten. So war der Anfang etwas ruppig, da wir hoch am Wind unterwegs waren. Aber nach und nach beruhigte sich alles und wir konnten mit einem Westwind – jetzt auf Halbwindkurs – relativ gut Kurs auf Samoa anlegen und haben zu Beginn auch vernünftig Fahrt gemacht. Wir wussten im Vorfeld, daß der Wind auf Süd drehen wird, was für uns wieder etwas kreuzen vor dem Wind bedeutet, aber dafür haben wir die verhältnismäßig kleine Welle dann schön von hinten. Kein großartiges schlagen der Segel und wir werden schön geschoben. Bei diesem „Windwechsel“ schlief dieser auch etwas ein, so daß wir dann wieder etwas Strecke eingebüßt haben – das ist halt so: mal schneller, mal langsamer. Im Schnitt kommen wir doch immer wieder auf unseren Speed von 5 Knoten 😊

Am 2. Tag bei relativ gemütlicher Fahrt stellt Sabine dann fest „irgendwas passt da nicht!“, da das Boot plötzlich außer Kurs fährt und das Segel Geräusche von sich gibt. Es ist uns eine Steuerleine der Windfahnensteuerung gerissen und daher wurde nicht mehr korrekt gesteuert. Daher halt mal kurzzeitig ein Steuern per Hand (ja, wir sind echt faul geworden) und der Skipper repariert das Ganze mal eben unter beigedrehtem Boot. Und schon steuert unsere Moni wieder von alleine dahin, wo wir hinwollen. Zwischenzeitlich mußten wir auch unser Großsegel herunternehmen, da so wenig Wind war, daß nur noch schlagen angesagt war. Ohne Großsegel steht bei wenig Wind auch unsere Genua besser und zieht uns dahin.

Nach der 3. Nacht auf See kommen wir unserem Ziel näher und auch der Wind legt jetzt wieder zu, da das angekündigte Hoch ankommt und entsprechende Winde mitbringt. So machen wir wieder ordentlich Fahrt, aber auch die Dünung legt natürlich zu, auch geschuldet der Nähe zur Insel, und es wird wieder etwas ruppiger. Wir müssen Samoa halb umrunden, um unserem Ankerplatz in der Hauptstadt Apia anzusteuern. Auf Samoa ist nur hier ein Ankern erlaubt. So fahren wir auf der Nordseite bei einer Windstärke von 6 bft in Böen an Samoa’s Küste entlang, bis der Wind dann in der Abdeckung der großen Vulkanberge plötzlich weg ist (ebenso die Dünung) und wir den Motor anwerfen müssen.

Die Küste Samoa´s empfängt uns mit vielen Wolken

So können wir noch auf See unsere Segel herunternehmen und das Boot schon einmal soweit aufklaren. Denn, wenn wir vor Anker sind, kommen normalerweise die Behörden recht zügig ans Boot bzw. wollen mit dem Dinghy abgeholt werden. So werfen wir um cirka 14 Uhr unseren Anker im Hafen von Apia neben all unseren bereits wartenden Freunden aus den diversen WhatsApp-Gruppen, die schon für den heutigen Tag ein Sundowner-Treffen vereinbart haben.

Leider kommt an diesem Tag nur die Hafenbehörde an Bord und checkt uns ein. Da wir noch nicht offiziell eingereist sind, dürfen wir das Boot nicht verlassen und können nicht an diesem Sundowner teilnehmen. Dafür bekommen wir Besuch von einem Deutschen, der unsere TO-Flagge erkannt hat und seine Clubkollegen begrüßen will. Dirk aus Hamburg hat aus der Entfernung unseren Fetzen an Flagge erkannt ( große Leistung!!!!) und will Hallo sagen.

Von der Hafenbehörde bekommen wir auf nochmalige Nachfrage mitgeteilt, daß die anderen Behörden am nächsten Tag kommen würden und wir über Funk eine Mitteilung erhalten würden. So sitzen wir am nächsten Morgen im Cockpit beim Frühstück, als wir sehen, daß sich uns ein Boot nähert. Keine Info, aber plötzlich 4 Mann auf dem Boot. Auch wenn man alle Formulare die man schon im Vorfeld per Mail geschickt hat, nochmal von Hand ausfüllen muss, geht alles schnell und entspannt von statten. Die Einwanderungsbehörde nimmt noch unsere Ausweise mit, die wir später im Büro wieder abholen sollen. Nachdem wir unser Frühstück dann final beendet hatten, machten wir uns auch gleich auf dem Weg, um unsere Dokumente wieder abzuholen und die Stadt etwas zu erkunden.

  • Die Kathedrale sehen wir direkt vom Ankerplatz
  • Beeindruckendes Innere
  • und die Kuppel
  • Markthalle von Apia
  • alle anwesenden Boote beim gemeinsamen Abendessen

So fanden wir auch gleich einen Laden, der Sabines Handy wieder zum Leben erwecken kann – das Batterielademodul hatte sich verabschiedet. Anschließend gibt es noch die obligatorische Runde mit dem Dinghy zu unseren Nachbarliegern. Altbekannte treffen wir wieder sowie neue Crews. So vereinbaren wir auch gleich mit der Matatoa zusammen einen Leihwagen zu nehmen, um Besorgungen zu erledigen sowie die Insel zu erkunden. Nachdem ich ja schon erste Erfahrungen mit dem Roller und Linksverkehr in Aitutaki hatte, kommt jetzt das mit dem Auto dran. Der Verkehr klappt ganz gut, nur mit der Bedienung tue ich mir etwas schwer. Blinker- und Scheibenwischhebel sind ebenfalls vertauscht und der Wischer ist mehr in Aktion als bei den Verhältnissen nötig 😉. Die ersten beiden Tage gehen für die besagten Besorgungen drauf, danach machen wir zwei Tage Inselrundfahrt. Der Tag beginnt mit dem Besuch des Robert-Louis-Stevenson-Museum, der Schriftsteller (er hat unter anderem „Die Schatzinsel“ geschrieben) hat die letzten Jahre seines kurzen Lebens hier gelebt. Sein altes Anwesen, das auch mal Gouverneursunterkunft war, ist sauber gepflegt und in dem Haus gibt es viele der alten Gegenstände und sehr viele Fotos zu sehen. Danach gibt es noch eine Wanderung zu seinem Grab, das auf dem nahegelegenen Berg liegt. Die schöne Wanderung geht durch den Wald und oben gibt es noch eine schöne Aussicht zu genießen. Da hier auch viele der Sehenswürdigkeiten auf privaten Grund sind, wird natürlich auch Eintritt verlangt. Wir finden einen Wasserfall mit Bademöglichkeit, der frei zugänglich ist. Die Erfrischung in dem Süßwasserpool ist nach einem langen Tag sehr erholsam und zu genießen.

An Tag zwei starten wir mit einer Erfrischung. Auf dem Gelände einer Kircheneinrichtung sind die Preise mit 5 Tala pro Person und 10 für das Auto noch erträglich (3Tala entsprechen einem Euro). Der Süßwasserpool speist sich hier aus einer kleinen Grotte. Auf der Weiterfahrt halten wir noch hier und da an, um die Schönheit der Insel zu genießen. Am Nachmittag noch ein kurzer Spaziergang zum MA-Tree. Der beworbene Baum stellt sich als schon abgestorben heraus, die Abmessungen der Reste aber nicht minder beeindruckend. Auch die Nachkommen in der Umgebung geben sich alle Mühe dem Vorbild nachzukommen und haben schon eine entsprechende Größe. Der Schlusspunkt an diesem Tag ist der Baha’i-Tempel, einer von 8 kontinentalen „Muttertempeln“ mit ihren beeindruckendem Kuppeldesign. Die Baha’i-Religion glaubt an einen einzigen Gott, an den alle großen Religionen nach ihrer Überzeugung glauben. Die Tempel haben üblicherweise neun Seiten und neun Eingänge, die die Offenheit für alle Menschen und Religionen symbolisiert. Es gibt keine Predigten, sondern es wird aus allen (!!) heiligen Schriften der Weltreligionen gelesen. Es gibt keine Vorurteile hinsichtlich Rasse, Nation, Geschlecht oder dergleichen. Wir fanden im dortigen Tempel die Bibel, die Thora und auch den Koran ausliegen. Apropos Kirche, die Kirchendichte hier auf Samoa ist enorm, noch nie habe ich so viele Kirchen wie hier gesehen.

Juliet und Gordi machen Tags darauf eine Pause, wir entschließen uns eine Wanderung zum Lake Lanotoó zu machen. Der Kratersee liegt in einem Naturschutzgebiet und ist über einen, ich sage mal, vor langer Zeit angelegten Weg zu erreichen. Die Stufen und Geländer, die mal angebracht worden sind, sind schon sehr in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie überhaupt noch vorhanden sind. Der Steg, der am See installiert wurde, ist entsprechend verfallen – leider. Schön war die Tour trotzdem. Zur Abkühlung und Reinigung unserer Füße und Beine fahren wir nochmal zum Wasserfall vom ersten Tag weiter, der nicht allzu weit weg ist.

Für die darauffolgenden Tage haben wir den Besuch der Nachbarinsel Savai‘i auf den Plan. Hierfür hat Juliet eine Unterkunft ausgesucht, Fale`s direkt am Strand. Es sind einfache Hütten inclusive Frühstück und Abendessen, die zu einem kleinen Preis zu bekommen sind. Wir starten am Morgen mit der Fahrt zur Fähre, die dann auch mit uns pünktlich ablegt. Mit dabei sind noch Rob und Margie von der Silverwind, sie haben sich einen Leihwagen auf Savai‘i gemietet. Zur Fähre hatten sie sich ein Taxi genommen, die Preise hierfür erschwinglich. Drüben angekommen, lassen wir es entspannt angehen, gehen erst einmal einen Mittagssnack zu uns nehmen, bevor es zur nächsten Süßwasserquelle geht. Mit dem vielen Salzwasser um uns herum ist so etwas eine beliebte Angelegenheit bei Seglern😊. Die Verhandlungen über den Eintrittspreis sind dann etwas amüsierend. Sie beginnen bei 10 Tala, gehen dann auf 25 Tala (pro Person versteht sich) und letztendlich bezahlen wir 5 Tala. Über einen Fußweg geht es zur Quelle, von der wir dann den Rückweg schwimmend zurücklegen. Ein kleiner Fluss, der quasi durch eine Art Mangrovenwald führt. Weiter geht es anschließend zu unserer Unterkunft und wir beziehen Quartier. Jede Crew bezieht ihr eigenes Fale, einfache Holzhütten die an den Seiten Jalousien aus Bambus oder anderen Naturmaterialien zum runterlassen haben, ausgestattet mit Matratze, Moskitonetz und direktem Blick auf´s Meer. Neben den Badhäusern die mit Toilette und Dusche glänzen können, gibt es noch ein Gemeinschafts-Fale, in dem das Essen gemeinsam eingenommen wird. Pünktlich um 19 Uhr schlägt die Glocke, die alle Besucher zum Essen ruft. Das Essen wird auf dem Teller serviert und beinhaltet verschiedene lokale Köstlichkeiten, die sehr lecker sind. Da wir alle ziemlich müde sind fallen wir recht bald ins Bett, den um 8 Uhr kommt der nächste Glockenschlag für das Frühstück. Auch hier wieder „Regional“, wir beide als Süß-Frühstücker müssen uns etwas umstellen, aber lecker ist es trotzdem, ausreichend sowieso. Da Juliet und Gordie einen Strandtag einlegen wollen trennen sich unsere Wege, Strand und schnorcheln können wir ja quasi überall, wir wollen uns die Insel anschauen.

So ziehen wir los und machen den ersten Stop bei den „Blow Holes“. Eigentlich nur ein paar Löcher im vulkanischen Ufergestein, die von der Dünung gespeist werden und hohe Wasserfontänen in die Höhe schießen lassen, aber schön anzusehen, was uns Mutter Natur da wieder mal gebastelt hat. Nach dem obligatorischen Halt an einem Strandrestaurant für einen Mittagssnack geht es weiter zu einer Ruine der Missionarskirche, die durch die massiven Wellen von Hurrikan Ofa im Februar 1990 zerstört wurde. Bei der Abfahrt werden wir noch aufgehalten und sollen 10 Tala pro Person für den Besuch bezahlen, zum Glück war Sabine im Auto sitzen geblieben 😉. Weiter geht´s zu einer Lavahöhle die auf privaten Grund ist, auch hier wieder 20 Tala p.P. Aber die sind wenigstens gerechtfertigt. Ein schön angelegter Weg führt durch den Garten zur Höhle. Die Höhle selbst ist ca. 5 km lang. Man darf ohne Führer nur die ersten 500 m betreten, leider ist heute kein Führer da, wahrscheinlich muss man vorher buchen oder es hatte gerade keiner Zeit/ Lust, wir wissen es nicht. Unsere Stirnlampen, die wir dabei haben sind fast etwas zu schwach, die Lava schluckt viel von dem Licht, das zur Verfügung gestellt wird. Wenn man die Höhle betritt, vernimmt man ein permanentes Klicken, was – nicht wie zu vermuten lässt von Fledermäusen stammt; nein es sind schwalbenartige Vögel, die hier ihre Nester haben und sich so orientieren. Es scheint aber nicht so gut wie bei den Fledermäusen zu funktionieren, wir werden einige mal angerempelt. Nach den 500 m kehrt man freiwillig um, die Höhle teilt sich und zwei Schlunde führen in die Tiefe, während ein Großer auf gleicher Höhe weiter geht, aber nur auf einen schmalen abschüssigen Streifen, den selbst ich ohne Sicherung nicht weiter gehen würde. So geht es auf gleichem Weg zurück und mit dem Auto zu unserer Unterkunft. Jetzt nehmen auch wir noch ein kurzes Bad im Meer, um unseren Schweiß vom Tag abzuwaschen und lassen den Tag Revue passieren. Nach dem Abendessen kommt noch eine Tanz- und Feuervorführung einer Gruppe aus dem Ort, immer wieder unterschiedlich aber schön anzusehen.

Unseren letzten Tag lassen wir dann entspannt beginnen. Wir verabschieden uns noch bei allen, die wir hier kennengelernt haben bevor wir zu einem Wasserfall aufbrechen, bei dem man auch schön baden kann. Auch hier wieder Privatgrund und diesmal 10 Tala zu berappen. Ein schönes Schwimmbecken mit einem ordentlichen Fall erwartet uns, die umgebene Natur gibt ihr Bestes dazu. In dem Wasser entdecke ich zahlreiche Süßwassergarnelen, die sich hier zwischen den Füßen der Gäste tummeln. An dem Wasserfall kann man auch über die Felsen auf die Rückseite dessen gelangen und in die Fluten springen. Bis wir uns wieder aus dem Wasser begeben ist auch schon wieder Mittag. So halten wir auf dem Rückweg zur Fähre noch bei einem Imbiss an bevor wir Abschied von Savaii nehmen.

Ansonsten haben wir am nächsten Tag noch bis zum Mittag den Wagen um letzte Besorgungen zu machen, die Abfahrt zum nächsten Inselstaat steht schon bevor. Gemeinsam mit den anderen Booten genehmigen wir uns einen letzten Sundowner in der naheliegenden Bar und gönnen uns beiden ein letztes Abendessen in einem Restauraunt, dem „Paddles“ – echte italienische Küche in Samoa! Und es hat auch nach Italien geschmeckt!

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Berveridge Reef und Niue

Die Überfahrt von Palmerston zum Beveridge Riff war, so sage ich mal, sehr wechselhaft. Zuerst hatten wir ordentlichen Wind mit einer nicht allzu hohen Welle. Leider waren die Wellenabstände wieder verhältnismäßig kurz, was es etwas unangenehm werden lies. Aber wieder war es ok und wir kommen gut vorwärts. Vor Einbruch der Dunkelheit, nach 30 Stunden unterwegs, kommt dann wie angekündigt das erste Flautenloch. Die Genua wird eingerollt und unser Motor treibt uns für die nächsten 6 Stunden an, bevor zum Wachwechsel der Wind wieder zurückkommt. Sabine hat dann aber bei ihrer Wache einiges zu tun mit Segel rauf und runter, Wind von hier und da, hoch und niedrig, Maschine aus und an. In den Morgenstunden zu meinem Wachbeginn beruhigt es sich und wir kommen wieder mit der Kraft des Windes voran. Nur leider dreht er noch zu unseren Ungunsten und kommt jetzt fast von da, wo wir hinwollen. Geht halt mit einem Segelboot nicht, wir fangen an zu kreuzen. Nach zwei Schlägen entscheide ich, mit der Maschine weiter zu fahren, zu schwach ist der Wind und die Welle noch zu groß. Wir machen kaum Strecke gut. Mit der Situation von den letzten Stunden muss die nächste Entscheidung fallen. Zwar dreht der Wind weiter und wir können später wieder mit genug Wind segeln, doch leider wird die Ankunft am Riff am sehr späten Nachmittag sein.

Eine Einfahrt durch den Pass wollen wir in der Dunkelheit nicht wagen, auch wenn dieser als einfach beschrieben ist, aber da wollen wir unser Glück mal nicht herausfordern. Ansonsten müssten wir uns dann die ganze Nacht treiben lassen, auch blöd bei den Bedingungen. So beschließe ich mal kräftig auf die Bremse zu treten, das Großsegel kommt runter und die Genua wird gerefft. Schließlich geht es dadurch bei mittlerweile guten Winden doch langsam voran. In der Nacht nimmt der Wind dann auch wieder ab, das hilft zusätzlich. Letztendlich sind wir im Morgenlicht noch ca. 5 sm vom Atoll entfernt. Genau jetzt lässt uns der Wind ganz im Stich, unserer Eisengenua (der Motor 😊) muss wieder ran.  Wenn man sich dieses Gebilde auf der Seekarte anschaut ist es schon unglaublich. Dieses Atoll, mitten im Nirgendwo, hat eine Größe von etwa 4 auf 6 Kilometern und steigt aus einer Tiefe von 5000 m auf kürzester Strecke auf. Würde man das mit etwas Bildlichem vergleichen, wäre es einer der alten Industrieschornsteine, die der ein oder andere noch kennt, nur halt im Format Super XXL. Schaut man sich Deutschlands höchsten Berg an, die Zugspitze, die nicht einmal 3000 m hoch ist und dann noch Garmisch das auf 700 m liegt, sieht man letztendlich 2300 m Berg. Dieser Unterwasserberg ist mehr als doppelt so hoch und so steil, daß sich wohl jeder Bergsteiger die Zähne daran ausbeißen würde.

Dann heißt es auch Land in Sicht, oder auch nicht. Lange sieht man gar nichts, nur auf dem Plotter ist da etwas zu sehen. Bei der Annäherung erkennt man dann nur die brechende Brandung an der Außenseite. Landmasse sucht man hier vergeblich, alles ist knapp unter der Wasseroberfläche. Einzig, es soll bei Ebbe eine kleine Sandbank in der Nordwestecke geben. Als wir uns von der Nordseite nähern, sehen wir auch, daß die von Süd kommende Dünungswelle aufhört. Dafür fängt das Wasser regelrecht das Kochen an und Strömungswirbel sind zu erkennen, wieder unglaublich wenn man bedenkt, welche Wassermassen sich hier um diesen Schornstein bewegen. Wir biegen auf die Westseite ab, als sich unsere Angel meldet und die Schnur schnell ausrauscht. Ach ja, da war ja was. Als ich den Motor angeworfen habe, dachte ich mir noch wir könnten es wieder einmal versuchen, hier was zu fangen, die Bedingungen sind ruhig, wenn nicht hier, wo dann und habe den Köder ausgebracht. Leider hatten wir unseren beiden letzten Fische verloren, ob es heute klappt?

Ich merke, daß der Fisch wieder nur in die Tiefe zieht, das hatten wir zuletzt in den Marquesas mit einem Gelbflossenthun. Wir reduzieren etwas die Geschwindigkeit und nach etwa einer halben Stunde können wir ihn das erste Mal erblicken. Es ist wieder ein Gelbflossenthunfisch und was für einer. Jetzt kämpfen wir zu zweit, um ihn an Bord zu bringen. Nach weiteren 20 Minuten ist auch das geschafft, unsere Bordküche hat wieder eine Bereicherung. Wir sichern den Fisch erst einmal an Deck, wir stehen mittlerweile direkt vor der Passeinfahrt.

unser Fang des Tages
unser Fang des Tages

Auch hier steht wieder eine kurze, steile Welle in der Einfahrt, die durch das ausströmende Wasser verursacht wird. Schaut letztendlich schlimmer aus als es ist und wir kommen mit 3 Knoten Gegenstrom durch den Pass, der hier verhältnismäßig breit ist. Im Inneren haben wir eine fast durchgängige Tiefe von 10 m und man erkennt schon wären der Fahrt den Grund sehr klar. Wir werfen unseren Anker dann an der Südostecke in 8 m Tiefe, klaren soweit das Boot auf, um gleich mit dem Zerlegen unseres Fanges zu beginnen. Zuvor muss aber noch schnell ein Bad in dem Wasser sein, das Klarste was wir bisher auf der Reise hatten. Nur der Einstieg ins Wasser gestaltet sich schwierig. Zur Begrüßung kreisen gleich mal drei Grauhaie um unser Boot. Die sind aber so neugierig, daß man aufpassen muss, ihnen nicht auf den Kopf zu treten, ein etwas mulmiges Gefühl. Ich taste mich langsam die Leiter hinunter, Flossen voraus. Sie kommen nah, sehr nah. Ich warte einen Augenblick, bis sie wieder etwas Abstand nehmen bevor der nächste Schritt kommt. Im Wasser muss ich sie noch mit den Flossen auf Abstand halten bis der Abstand wieder größer wird, jetzt traut sich auch Sabine ins Wasser. Wir kontrollieren noch den Anker, immer mit Blick zu den Haien. Aber weit muss man da nicht schwimmen. Das Wasser ist so unglaublich klar, das wir den Anker in 40 m Entfernung schon vom Boot aus gut sehen. Ich schwimme noch das Umfeld ab, um zu sehen ob es Problem beim schwojen geben könnte. Aber die Bommis, die wir vom Boot aus gesehen haben, sind alle sehr tief, das klare Wasser täuscht hier ungemein.

Zurück am Schiff fangen wir dann wirklich an, den Fisch zu verarbeiten. Die Reste gehen natürlich ins Wasser und sind sehr schnell entsorgt, in das Wasser sollte jetzt erstmal keiner zum Schwimmen😊. Während Sabine sich mit dem erstmaligen Einkochen von Fisch widmet (es ist zu viel, um alles gleich zu essen) klare ich final das Boot auf. So verbringen wir hier noch entspannte Tage in der Einsamkeit, wobei am nächsten Tag noch Pat auftaucht, den wir seit Morea kennen. Er ist auf direktem Weg von Aitutaki gekommen. Viel kann man hier nicht anstellen. Landmasse ist absolute Fehlanzeige, da bleibt nur noch schnorcheln übrig. Wir sind zweimal mit Fred unterwegs, um am Pass zu schnorcheln und statten dem kleinen Wrack des ehemaligen Fischerbootes einen Besuch ab. Im Pass sehen wir zahlreiche Haie, die wie schon gewohnt alle sehr nah kommen, um mal zu schauen und dann wieder abdrehen. Als gleich mal 15 Stück auf einmal auftauchen, wird es Sabine zu viel, sie war dann schnell im Dinghy verschwunden. Ansonsten war da noch ein großer Schwarm an nicht kleinen Barracudas zu bewundern neben den üblich verdächtigen Fischen, die zum Teil im großen Schwarm auftauchten.

schnelle Resteverwertung am Riff

Bei den vielen dunklen Flecken, die wir bei der Einfahrt beobachtet haben, stellte sich heraus, daß es meist nur ein dunkler Untergrund war. Korallenbommis wie wir sie kennen gab es nur wenige und dann auch sehr klein, schade. Ein Tag war auch komplett verregnet, an dem wir einige kleine Arbeiten ab Boot erledigt haben. Ansonsten war dann nach vier Tagen die Abreise geplant, weiter geht’s nach Niue.

Der kleine Inselstaat gehört zu Neuseeland, ist aber eigenständig. Für uns ist es der letzte Stopp bevor es über die Datumsgrenze geht. Die Überfahrt ist mal wieder bescheiden. Die Winde sind so wechselhaft, daß wir kein Setup für unsere Windsteueranlage finden, unsere Kurslinie schaut schlagenförmig aus. Man könnte meinen, da wäre jemand volltrunken unterwegs gewesen. Es beruhigt uns etwas, daß es Pat, der zusammen mit uns gestartet ist und das gleiche Ziel vor Augen hat, auch nicht besser ergangen ist. Angekommen sind wir aber beide und liegen nun an einer der Bojen, die vor der kleinen Inselhauptstadt Alofi angebracht sind und die wir im Vorfeld gebucht haben. Zur Begrüßung haben wir noch bei der Anfahrt springende Buckelwale gesehen und nahe ans Bojenfeld kommen sie auch um hallo zu sagen. >Niue ist die Spitze eines erloschenen Vulkans und mit 261,46 km² Fläche eines der größten gehobenen Atolle der Welt. Es erhebt sich etwa zwischen 4000 und 5000 Meter über den Meeresgrund (Wikipedia)<, alles andere könnt ihr selbst dort nachlesen😉. Wir melden uns über Funk an und sollen dann am nächsten Tag mit dem Dinghy an Land kommen für den Papierkram, es ist halt schon wieder Nachmittag. So bleiben wir an Bord und checken die Lage vom Schiff aus. Wie wir feststellen, haben wir wieder den Jackpot gezogen, es ist Hauptsaison auf der Insel und kein Leihwagen verfügbar, alles ausgebucht. Die Insel lebt vom Tourismus und jetzt, wo die Wale da sind, ist zur Walbeobachtung halt alles voll. Das Wetter ist noch für ein paar Tage stabil, danach kommt kräftiger Wind für eine lange Zeit, so die Vorhersage. Wir wollen gleich unsere Boje noch für ein paar Tage verlängern, geht auch nicht, auch alles ausgebucht, scheiße sag ich da nur. Eigentlich wollten wir hier etwas länger verweilen, schmeißen aber alles über den Haufen und planen um. Schließlich machen wir am Morgen zur vereinbarten Zeit Fred startklar und begeben uns Richtung Pier, an dem uns die nächste Herausforderung erwartet. Hier in Niue werden jedes Mal und alle (!) Boote mit einem Kran an Land gehoben. Während der Zufahrt können wir uns die Handhabung schon bei einem der Ausflugsboote für die Walbeobachtungen anschauen, der vor uns an der Reihe ist. Wieder eine neue Erfahrung und erstmal spannend, einmal gemacht, aber ganz easy zu bewerkstelligen.

Begrüßung am Bojenfeld

Alle Offiziellen stehen bereit und alles geht entspannt und zügig von statten. Mit den neuen Gegebenheiten wollen wir uns schon wieder am Sonntagabend verabschieden. Da es Donnerstag ist, Freitag ein Flieger kommt, so daß die Immigration keine Zeit für uns hat und Samstag/ Sonntag nicht gearbeitet wird, vereinbaren wir auch gleich wieder einen Termin für die Ausreise. Dazu sollen wir später noch ins Büro kommen, was wir dann auch erledigen. So schlendern wir noch etwas durch den Ort, bevor wir uns am Abend zum Essen begeben in dem Yachtclub hier, ein Yachtclub ohne Boote und Hafen. Heute gibt es dann noch zufällig etwas Livemusik zum Essen. Nach einem kleinen Regenschauer sitzen wir dann mit einigen Einheimischen am Tisch und unterhalten uns etwas. Wie üblich das woher und wohin und wie uns die Insel gefällt und was wir uns alles noch ansehen. Wir erklären unsere Situation, daß es keine Autos zum Ausleihen gibt und wir so nichts weiter anschauen können. Da kommt der Vorschlag, wir könnten doch am Samstag ihren Wagen nehmen. Das ist ja mal eine Ansage, wir freuen uns wie Schneekönige. Sie müsse nur abklären ob jemand anderes aus der Familie den Wagen braucht, wir tauschen Kontakte aus. Leider bekommen wir weder eine positive noch eine negative Rückmeldung, wie schade. So unternehmen wir noch an den folgenden Tagen zwei Wanderungen im Umfeld zum Hafen und genießen das, was geht. Vom Boot aus schnorchel ich noch die Küste ab, das klare Wasser lädt dazu ein. So kann ich auch die endemische Seeschlange beobachten. Außerdem noch Adlerrochen und sehr viele der Rifffische die hier ansässig sind. Leider sehen wir keine der Wale mehr im Umfeld vom Boot, einzig am Abend als wir vom Landausflug zurück waren, hören wir den lauten Walblas eines Kollegen, der zwischen unserem Boot und der Küste entlang schwimmt. Sehen tun wir ihn nicht, da es schon zu Dunkel ist.

Wie gesagt planen wir die Abfahrt für Sonntagabend und eigentlich müssten wir die Boje um 10 Uhr verlassen. Wir fragen im Büro nach und bekommen den Kontakt von dem Boot, das unsere Boje übernimmt, zum Glück plant er erst spät anzukommen. Wir vereinbaren in Kontakt zu bleiben und er meldet sich, wenn er in der Nähe ist – solange können wir bleiben. An unserem Abreisetag hat dann der Wind auf West gedreht, es ist wie vorhergesagt nur schwachwindig, aber das Bojenfeld ist sehr rollig, da es nach Westen komplett offen ist. Wir wollen am Mittag noch an einem Buffet teilnehmen, um uns nochmal für die Überfahrt zu stärken. Das wird eine spannende Angelegenheit bei diesen Bedingungen mit dem Dinghy an Land zu kommen. Aber nachdem wir ja schon einige mal am Kran üben konnten, meisterten wir auch das ohne Zwischenfälle. Zurück am Boot musste dann der Außenborder und das Dinghy an Deck gebracht werden. Unter diesen schlechten Bedingungen hatten wir das auch noch nicht, aber auch hier; Ende gut, alles gut. Jetzt kommt auch die Nachricht von dem Folgeboot unserer Boje, daß er keinen Stopp in Niue einlegt und direkt weiter fährt, das Wetter für die nächsten Tage hat seine Entscheidung geändert. Kurz darauf kommt auch die Info vom Büro, daß wir länger bleiben können, aber unser Entschluss ist gefasst und wir ziehen weiter. Zu lange müssten wir auf das nächste Wetterfenster warten und ohne Leihwagen macht es auch keinen Sinn. So heißt es um 16 Uhr: Leinen los mit Ziel Samoa.

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Willkommen in den Cookinseln

Die Cook´s bestehen aus 15 Inseln, die über ein recht weites Gebiet verstreut sind (236,7 km² Landfläche und insgesamt 1.969.553 km² Wirtschaftszone lt. Wikipedia). Es gibt insgesamt nur 3 Einreisehäfen, wir entscheiden uns für Aitutaki, da dies am ehesten auf unserer Route liegt. Die Cookinseln sind ein unabhängiger Staat, aber eng an Neuseeland verknüpft und alle Bürger sind Neuseeländische Staatsangehörige. Auch die Währung ist der neuseeländische Dollar, wobei es aber eigene Münzen und Scheine der Cooks gibt, die nur hier anerkannt sind. Dabei handelt es sich bei den Münzen auch um begehrte Sammlerstücke, da z.B. die 2-Dollar-Münze dreieckig ist. Wir sind jetzt definitiv auch in „Rugby“ angekommen – ab hier wird dies wohl der Nationalsport sein.

Soviel zum Thema Cookinseln. Wer interessiert ist, kann gerne selbst nachlesen. Daher nun zu Aitutaki. Diese Insel ist ein Urlaubsgebiet der Neuseeländer und Australier mit einigen schönen Hotelanlagen. Hier wird viel Wassersport angeboten: Schnorcheln, Tauchen, Surfen, Kiten, Wingfoilen…. Wir selbst dürfen mit unserem Fred leider nicht in der Lagune umherfahren und selbst erkunden. Dies ist hier verboten. Angeblich zum Schutz des Riffes, aber doch hauptsächlich, um den Einheimischen einen Verdienst zu ermöglichen. Eine einzelne Taxifahrt zur „Honeymooninsel“ schlägt gleich mal mit 30 € einfach pro Person zu. Wir verstehen natürlich das Interesse, den Einheimischen eine Verdienstmöglichkeit zu gewähren – aber dafür sind wirklich genug Pauschaltouristen hier. Die paar Segler würden nicht weh tun, wenn die selbst herumfahren könnten.

Die Passeinfahrt ist noch gar nicht so lange für uns zu befahren. Die ursprüngliche Tiefe betrug nur knapp über einen Meter. Die Insel setzt seit einiger Zeit auch auf die Segler, so wurde die Einfahrt bereits auf 4 m Tiefe ausgegraben und der Hafen soll jetzt nach und nach auch fertig gestellt werden. Wir kommen quasi mitten in der Baustelle an, alles verändert sich täglich und man muss schauen, wo man sich ein Plätzchen ergattern kann. Die Einfahrt selbst ist unter den Seglern schon etwas berüchtigt, schmal, lang und mit viel ausgehender Strömung. Für uns heißt es da das richtige Timing zu treffen. Ist man erst einmal drin, gibt es kein zurück mehr, kein Platz für Experimente. Der Hafen selbst benötigt anlegen nach patagonischer Art (oder offiziell: römisch-katholisch wie im Mittelmeer): Anker schmeißen und dann rückwärts an den Rand und Landleinen über das Heck ausbringen. Was sind wir froh, unsere langen Leinen noch zu haben. Alles wird schon draußen vor dem Atoll vorbereitet, drinnen muss es schnell gehen. Über die örtliche WhatsApp-Gruppe gibt man Bescheid, wann die Ankunft ist – ein paar helfende Hände für die Leinen stehen dann bereit.

Aitutaki Hafenbaustelle, in der Mitte wird derzeit eine Mole für den Bagger aufgefüllt, damit alles ausgebaggert werden kann. Leider haben wir vergessen ein Bild von unserem Platz zu machen. Wir liegen links vom Bild und an den Betonblöcken, die man in der Mitte sieht werden die Landleinen befestigt.

Wir kommen so langsam zur Passeinfahrt, wo soll die bitte wieder sein, wir verlassen uns wieder blind auf die Seekarten. Und siehe da, da taucht sie auf. Verdammt schmal und im Außenbereich brodelt das Wasser von der ausgehenden Strömung. Wir bergen noch unsere Genua, das Großsegel war schon weiter draußen runtergekommen, drinnen ist einfach kein Platz und keine Zeit, um es zur Unterstützung gegen die Strömung oben zu lassen. Die Maschine muss genügen. Die Anspannung steigt, je näher unser Zuhause dem Pass kommt. Die waschbrettartigen Wellen sind erreicht und wir werden auch gleich von der Strömung gebremst, da muss noch mehr Gas gegeben werden. Sobald das Außenriff erreicht ist beruhigt sich gleich das Wellenbild, aber die Strömung steigt und steigt. Jetzt gebe ich schon fast Vollgas und wir kommen gerade mal so auf 1 kn Fahrt über Grund vorwärts. Die ein oder andere Kurskorrektur in der schmalen Spur muss auch noch sein, bevor nach 100 m die Strömung so langsam wieder abnimmt und das Gas so langsam wieder reduziert werden kann. An der Seite stehen einzelne Stangen, nach denen man sich richten kann, die Riffkante ist aber auch so gut zu erkennen. Nach 500 m ist dann auch der erste Spuk vorbei und die Anspannung fällt etwas ab. Jetzt kommt noch das Anlegen. Im Vorfeld hatten ich schon abgestimmt, wo ich mich hinlege, ein paar aktuelle Drohnenaufnahmen von anderen Seglern erleichtern die Orientierung. Die helfenden Hände stehen am Ufer auch schon bereit, wir lassen den Anker fallen und ich ziehe zurück, während Sabine noch entsprechende Ankerkette auslässt. Der Anker scheint auch gleich gut zu halten, jetzt noch schnell den Steuerstand verlassen und die vorbereiteten Landleien zum Ufer werfen. Die erste Leine ist an einem der Betonblöcke fest, das war es. Für den Rest haben wir dann etwas Zeit, die Anspannung fällt ab. Gut das wir das schon einige Male in Patagonien geübt haben, alles läuft perfekt. Wir bringen noch die zweite Landleine aus und richten das Boot aus. Während wir das Boot aufklaren, steht schon der erste Beamte von der Biosecurity in den Startlöchern. Wir hatten uns draußen über Funk bei der Port Control angemeldet und die freundliche Dame am anderen Ende hat schon alle Behörden organisiert, so soll es sein. Für den Beamten müssen wir aber erst einmal unser Dinghy Fred zu Wasser lassen, damit er zu uns an Bord kommen kann, wird sind halt noch nicht so weit. Kein Problem kommt es vom Ufer, dann komme ich später nochmal vorbei, sehr freundlich. Eine halbe Stunde später sind wir dann soweit und der Beamte steht auch wieder da. Er setzt über und kommt an Bord. Wir werden aufgeklärt das keine mitgebrachten Lebensmittel an Land gebracht werden darf, genauso wie auch der Müll. Einzig hier gekaufte Gegenstände dürfen in den Müll kommen. Er macht noch einen Rundumblick durch das Boot, das war`s auch schon. Er nimmt noch den aktuellen Müll den wir an Bord haben mit und verabschiedet sich. Kurz darauf kommt noch Bob vom Zoll und die Dame von der Gesundheitsbehörde vorbei. Alle sehr freundlich und entspannt. Was es heißt hier krank anzukommen, erfahren wir einige Tage später. Ein kleines Kreuzfahrtschiff legt sich draußen vor Anker und fährt einige Stunden später wieder ab. Wie wir erfahren haben, gab es wohl 6 kranke Personen an Bord, so wurde dem ganzen Schiff die Anlandung verweigert, konsequent kann man da nur sagen. Nach den ganzen Formalitäten dürfen wir auch offiziell das Land betreten, was wir dann auch nutzen. Aber erstmal um unseren Freunden Isabell und Jeff von der „Ouante Vas“ beim Festmachen zu helfen. Sie kommen etwa 3 Stunden später nach uns an. Ich hatte sie schon benachrichtigt über die Örtlichkeiten hier. Auch sie schmeißen den Anker, der aber nicht hält. Erst beim zweiten Versuch scheint er zu greifen. Die Leinen werden versucht an Land zu schmeißen, aber leider ein einziges Leinenchaos, ich komme an Bord um zu helfen. Wir schaffen es gerade so das Schiff in Position zu halten bis das Chaos entwirrt ist und das Schiff sicher vertäut ist. In dem Moment, als die Beiden ihr Dinghy zu Wasser lassen, löst sich ihr Anker erneut. Ich gebe Isabell Anweisungen wie sie das Boot in Position halten kann. Wir machen ihr Dinghy mit dem Außenborder startklar und sichern das Schiff nach vorne mit einem unserer langen Landleinen quer hinüber zu den großen Schiffscontainern und blockieren damit den ganzen Hafen. Die Einheimischen, die gerade aus- oder einfahren wollen haben Verständnis und nehmen es gelassen. Wir nehmen den Anker samt Kette ins Dinghy auf und bringen diesen dann wieder aus. Bei dem Versuch die Kette auf Zug zu bekommen reisst der Anker wieder aus, welch ein Drama. Wieder kommt der Anker mit Kette ins Dinghy und das Spiel wiederholt sich noch einmal. Bei diesem 4. Versuch scheinen wir dann Glück zu haben. So langsam fällt die Anspannung auch bei Ihnen. Ich bin gerade auf unserem Boot zurück, als sich deren Anker ein weiters mal selbstständig macht. Schnell eilen wir wieder zur Hilfe und das Spiel beginnt von vorne. Dieser Versuch sollte jetzt aber wirklich der letzte sein. Wie das Beispiel zeigt, so kann es auch gehen, da haben wir ja Glück gehabt. Für Isabell und Jeff war es das erste Anlegemanöver dieser Art, ich denke das nächste Mal sind sie besser vorbereitet und wissen, was zu tun ist.

Anschließend ist es Zeit für die erste Erkundungstour in dem kleinen Städtchen. Für den nächsten Tag ist dann ein kräftiger Wind vorhergesagt. Ich plane am Morgen noch einen Landleine an den Bug anzubringen, um den Anker etwas zu entlasten. Gesagt getan. Aber genau in diesem Moment bricht der Anker von Jean-Luc, dem Nachbarboot, das vor uns schon da war, aus. Ich sichere sein Boot über eine Bugleine von uns aus. Das mit dem Anker ins Dinghy aufnehmen und wieder ausbringen kennen jetzt ja schon alle zu genüge, alles geht gut koordiniert und schnell von der Bühne, der erste Versuch ist auch gleich von Erfolg gekrönt. Ein Wunder das unser Anker hält, bei 4 m Wassertiefe und nur 10m Kette draußen. Zur Sicherheit holen wir unser Eisen auch noch einmal hoch, er hat verdammt gut gehalten. Aber sicher ist sicher, der Wind wird nicht weniger. So haben wir dann 30 m Kette draußen, beruhigt das Gewissen und lässt einen ruhiger schlafen. Dieser Hafen ist halt derzeit in Bearbeitung und die „Mono-Alley“, wo Einrumpfboote mit Tiefgang wie wir ankern können, ist sehr begrenzt. Da ist zwischen Bug und gegenüberliegender Mole nur etwa 10 Meter Platz. Wir haben uns schließlich etwas schräg ausgerichtet, um die 30 m Kette ausbringen zu können.

Nach der Anfangsaufregung haben wir dann ein paar entspannte Tage auf der schönen Insel. Wir können unseren Berg Wäsche wieder mal zu vernünftigen Preisen waschen lassen und der Hol- und Bringservice für kleines Geld macht es auch noch einfach. So leihen wir uns Tags darauf mit Isabell und Jeff zusammen Scooter aus, um eine Inselrundfahrt zu unternehmen, bei der wir alle Sehenswürdigkeiten abklappern. Zuerst erklimmen wir zu Fuß den höchsten Punkt, um die Aussicht über das Atoll zu genießen auf 124 m Höhe. Anschließend geht’s vorbei an dem kleinen Flughafen und Golfplatz (!) zur blauen Lagune mit einem Mittagssnack in dem dortigen Restaurant. Dieses war sehr liebevoll dekoriert mit altem Schiffszubehör. Weiter auf unserer Inselrunde geht es zum Crazy-Tree, einem riesigen Baum, der quer über die Straße wächst und man quasi „im Tunnel“ durchfährt. Schnell noch eine alte Versammlungsstätte gesucht, bevor wir jetzt aber einen Kaffee haben wollen. So fahren wir zu einem kleinen Cafe, dem Avatea-Cafe, das sehr gute Kritiken hat. Leider ist es bereits 15 Uhr und sie haben geschlossen. Ähnlich wie überall im Pazifik bisher sind hier die Restaurants, Cafes etc. von 10 – 14 Uhr und dann wieder ab 17 Uhr geöffnet. Das können wir Europäer mit unserem 15-Uhr-Kaffee-trinken-gehen-wollen nicht verstehen….

Aber: es gibt ja ein Restaurant, das durchgängig den ganzen Tag offen hat!!! Also gehen wir halt da hin. Ach ja: der Tag fing ja super an mit den Scootern. Wir bekamen diese an die Boote geliefert. Sabine und ich wollten dann noch schnell unsere Gasflasche zum Füllen bringen und sind schon mal vorausgefahren. Weit sind wir nicht gekommen. Bereits nach 300 Metern mussten wir anhalten, da der Vorderreifen platt war. So standen wir vor der Touristinfo, die natürlich geschlossen war, da Samstag ist. Aber eine nette Dame hielt an, fragte ober wir Hilfe gebrauchen könnten und rief für uns beim Verleiher an, der dann auch kam und einen neuen Vorderreifen brachte. Bis dieser da war, haben uns auch Jeff und Isabell eingeholt 😊

Wir haben dann auch noch zu Fuß eine kleine Farm besucht, wo man diverse Gemüse, Salate und Kräuter kaufen kann. Leider gab es derzeit noch nicht so viel – ist ja Winter. Aber immerhin haben wir wieder einmal einen frischen Salat, der sogar schon geputzt ist und das noch zu einem recht fairen Preis. Und obendrein bekamen wir dann auch noch 4 Papaya geschenkt. Wir haben es wieder einmal genossen, lecker Essen zu gehen – nicht nur Steak oder Burger, was hier überall so üblich ist. Auch wollten wir die Happy Hour in einem Hotel nutzen. Die Stunde stimmte, aber das mit dem Happy müssen wir noch mal üben. Es gab eine spezielle Happy-Hour-Karte mit 4 alkoholischen Cocktails, die jeweils etwa 1,50 € günstiger waren, als auf der normalen Karte. Da waren wir von Happy ganz weit weg….

Wir haben am Abend dann in besagtem Hotel noch eine Tanzvorführung angeschaut. Diese wird 2 mal wöchentlich dargeboten und die Gäste können vorher an einem Buffet teilnehmen. Dieses Geld sparen wir uns und kommen einfach direkt als Zaungäste zur Vorstellung. Das ist gar kein Problem und machen einige hier.

Alles in allem muß man sagen, daß es uns hier schon sehr gugt gefallen hat. Die Menschen sind unwahrscheinlich freundlich und suchen das Gespräch. Kaum stehst Du irgendwo und guckst etwas dumm in der Gegend rum, schon wird Dir Hilfe oder eine Autofahrt angeboten, wenn man die Straße langläuft. Die Häuser und Gärten sind gepflegt und alles sieht sehr ordentlich aus. Es gab leckeren Kaffee und Smoothies und auch eine kleine „Dorfdisco“ war vorhanden.

Von Aitutaki aus wollen wir weiter nach Palmerston. Diese Insel gehört auch zu den Cook’s, man benötigt jedoch eine Genehmigung (Permit) hierfür und muß diese per E-Mail beantragen. Dies haben wir bereits gemacht, als wir angekommen sind. Eigentlich wollten wir auch eine Einwohnerin von Palmerston aus Aitutaki mitnehmen, die über die WhatsApp-Gruppe eine Mitfahrgelegenheit gesucht hatte. Denn es gibt dort keinen Flughafen und auch keine Fährverbindung. Jedoch hat sie uns 2 Tage vor der geplanten Abfahrt mitgeteilt, daß sich bei ihr etwas verzögert und sie in der kommenden Woche mit einem anderen Boot mitfährt. So haben wir entschieden, nicht bis Samstag mit der Abfahrt zu warten und schon am Freitag loszufahren. So haben wir definitiv auch bessere Bedingungen.

Also wieder zu unserem Zoll und ausklarieren und alle Schulden bezahlen. Hier gibt es eine Gebühr für die Biosicherheit, für die Gesundheitsbehörde, eine Hafengebühr für das Ankern sowie eine Abreisegebühr. Alles in allem kommt da schon ein schönes Sümmchen zusammen, dafür daß wir in so einer Baustelle ankern. Aber: wir sind am Ende der Welt!

Das schöne hier ist, daß in den WhatsApp-Gruppen auch Einheimische aktiv sind und vor allem auch die, die für etwas zuständig sind. Diese kümmern sich und helfen, wo sie können. So hatten wir im Vorfeld bereits Kontakte nach Palmerston geknüpft und nachgefragt, ob noch etwas benötigt wird, was wir mitbringen können. Da wir aber ja eigentlich eine Dame mitnehmen wollten, hat niemand mehr sonst noch etwas beauftragt – ging man doch davon aus, daß unser Boot schon voll wird.

So sind wir dann am Freitagmorgen mit dem ersten Tageslicht gegen 7.30 Uhr aufgebrochen und haben unsere Leinen gelöst und den Anker gelichtet. Alles lief reibungslos. Der Hafen war inzwischen leer – nur noch Pat und wir waren da. So hatten wir Platz zum hantieren und mussten nicht auf andere Schiffe aufpassen; wir konnten mit Ruhe unsere langen Landleinen aufrollen und gleich wieder verräumen (3x 100 Meter Leine wollen erst mal aufgerollt werden), während wir noch am Anker hingen und den Platz in der schmalen Gasse für uns hatten.

Fahrt in den Sonnenuntergang

Die Passausfahrt war total entspannt und noch war das Meer ruhig im Inselschatten. Wir setzten die Segel und setzen Kurs auf Palmerston. Nach kurzer Zeit setzt dann die Dünung und Windsee ein, auch wenn die Wellen nicht all zu hoch sind, sind deren Abstände recht kurz und die Fahrt etwas ruppig. Aber alles nicht so schlimm, die 210 sm schaffen wir bis zum späten Samstagnachmittag. Gerade noch rechtzeitig, daß uns Edward und Julianna besuchen kommen und den Check-in erledigen. Wir werden noch schnell über die Gepflogenheiten der Insel aufgeklärt und das war es. Hier liegen wir im Außenbereich des Atoll´s an einer Boje. Edward hat hier einige Bojen mithilfe von anderen Seglern installiert, um das Korallenriff zu schützen. Einen Pass in das Atoll für Schiffe gibt es nicht. Die Öffnung durch das Riffdach ist so klein und flach, das man es nur mit kleinen Booten befahren kann. Es wird auch empfohlen, nicht mit dem eigenen Dinghy zu fahren, zu schwierig ist der Zugang. So kommt es, daß wir gleich mit Edward einen Shuttle für Sonntagfrüh um 9 Uhr verabreden, denn um 10 ist Kirche, da muss er zurück sein. Fast pünktlich kommt er dann am nächsten Morgen an, um uns abzuholen, wir erleben so live die Durchfahrt. Aber als wir auf ihn warteten, tauchten 50 m neben unserem Boot zwei Buckelwale auf, welch ein Erlebnis die Giganten der Meere zu beobachten, immer wieder. Ich überlege noch kurz, ob ich mich schnell ins Wasser begebe, ein Traum von mir ist es, diese Tiere auch mal Unterwasser zu sehen, aber ich verkneife es mir, es kommt bestimmt noch eine Gelegenheit. Edward kennt natürlich die Örtlichkeiten hier im Schlaf und zirkelt das Boot, nachdem wir eingestiegen sind, durch Strömung und Untiefen. Wir werden dann herzlich von der Familie empfangen und werden zum Mittagessen eingeladen. Zuvor geht es aber noch in die Kirche, wir gehen da auch mit. Aber Sabine hat nur kurze Hose und Shirt an, das geht gar nicht. So bekommt sie von Meli, Edwards Schwiegertochter, noch ein passendes Outfit, Kleid und Hut verpasst. Ich hatte mir schon vorsorglich eine lange Hose mitgebracht. So haben wir von den 37 Inselbewohnern schon einmal 21 gesehen. Was die paar Leute für eine Lautstärke beim Gesang an den Tag legen war auch schon sehr beeindruckend, wobei noch Mann und Frau mehrstimmig das ganze gestalteten. Zurück am Haus gab es dann leckeres Essen und das ein oder andere wurde ausgetauscht. Der Nachmittag ist hier, am Tag des Herrn, ganz der Entspannung gewidmet, alle legen sich zum Schlafen hin. Wir machen uns da auf die Socken und erkunden das kleine Eiland. So staunen wir, als wir die Schule besichtigen: nicht schlecht für die 11 Kinder, die hier leben. Daneben gibt es gleich noch einen Lerngarten, in dem Gemüse angebaut wird. Ob das einmal Früchte trägt und die Bewohner ihr eigenes Gemüse anbauen ist aber eine andere Frage. Es ist natürlich sehr mühselig hier etwas anzubauen, aber Zeit hätten sie ja. Gleich neben der Schule steht die relativ neue Energiezentrale der Insel, ein kleiner Solarpark mit Batteriespeicher und falls es nicht ausreicht ein Dieselgenerator. So ist es auch nicht verwunderlich, daß auf den kleinen Wegen überall Straßenlaternen angebracht sind, ein Kuriosum das wir so nicht erwartet hätten. Leute sind um diese Uhrzeit sonst keine zu sehen, mit denen man sich unterhalten könnte, so sind wir dann am Strand entlang noch einmal rundherum gelaufen. Zum Teil sind auch noch schwere Baumaschinen zu sehen, wo man sich fragt, wie sie die auf die Insel gebracht haben, leider werden diese nicht gepflegt und werden einfach der Natur überlassen. So steht ein Bagger am Strand, der Fahrerstand ist noch in einem neuwertigen Zustand, nur das Fahrgestell und die Ketten sind schon so von der Salzluft zerfressen, so daß er keine 5 m mehr fahren würde. Wie auf allen bisherigen Inseln fehlt es an Wissen und/oder Ersatzteilen, um alles am Laufen zu halten. So verabreden wir uns noch vor der Abfahrt zurück zu unserem Boot mit Edward für den nächsten Tag, um einen seiner Außenbordmotoren zu reparieren. Für seine Taxidienste übergebe ich ihm noch 10 Liter von dem kostbaren Sprit den wir dabeihaben, wir bekommen wenigsten wieder welchen, wenn wir an einer der größeren Inseln vorbeikommen. Obenauf lege ich noch eine unserer Landleinen von Patagonien, die dankbar angenommen wird. Hier ist alles sehr rar, das Versorgungsschiff kommt nur alle 3- 4 Monate!!!

Am Abend als wir uns ins Bett legen hören wir ein, ich sage mal, rhythmisches Geräusch. Zuerst denke ich wieder mal eine neue Geräuschkulisse am Boot, die ich noch nicht kenne. Was könnte das wieder sein? Nur passt es so gar nicht zu den Bewegungen die das Boot an der Boje macht, was eigentlich der Fall ist. Wir hören beide gespannt und überlegen. Plötzlich ändert sich das Klangbild, es sind Wale, die sich unterhalten. Auch so ein Traum den ich mal erleben wollte, erfüllt, hoffentlich erleben wir noch mehr davon. Da ist unser Aluminiumdampfer ein guter Resonanzkörper und wir hören im Schiff mehr als außerhalb. Ein wirklich krönender Abschluss für einen fantastischen Tag. So sind wir am Montag wieder abgeholt worden. Nach der obligatorischen Begrüßung, Sabine hatte einen Kuchen mitgebracht, der gleich getestet wurde, wollte Edward das wir erst einmal noch die Insel erkunden und nach dem Mittagessen könne wir uns ja mal den Motor anschauen. Da hat er aber die Rechnung ohne mich gemacht. Ich mache im deutlich, daß ich gleich mit dem Motor anfange, das hat ihn dann, so glaube ich, ganz schön gestresst 😊. So hat er mir dann doch das Problem gezeigt und ich habe mich über den Motor her gemacht. Schnell war klar, daß es nichts Großes ist, das eigentliche Problem, ein hängender Schwimmer im Vergaser, schnell behoben. Laufen tut er leider doch nicht so rund. Ich probiere die Verunreinigungen im Vergaser zu beseitigen, leider sind die so stark, daß mir hier die richtige Ausrüstung fehlt. Ich zeige im am Handy einen Ultraschallreiniger, der hier helfen würde, vielleicht hat einer der nächsten Segler einen dabei oder er bestellt einen und lässt ihn mit dem nächsten Versorgungsschiff kommen. Wie der Zufall so will, soll nächste Woche das Schiff kommen, nur leider ist das zu spät für eine Bestellung, dann halt erst in ca. 3-4 Monaten. Es läuft ja nicht davon, die Uhren ticken hier halt etwas anders. Leider zwingt uns das Wetter schon für den nächsten Tag wieder zur Weiterfahrt. Die einzige Chance noch Wind bis zu unserem nächsten Ziel zu haben. Da wir uns in dem Bereich der Interkonvergenzzone befinden, das viel Windstille und Turbulenzen beinhaltet, das will genutzt werden. Wenn wir nicht abfahren, müssen wir hier für mindesten die nächsten 10 Tage bleiben, das ist uns dann doch etwas zu lange. So verabschieden wir uns nach getaner Arbeit von der Familie und Edward bringt uns am Nachmittag zurück zum Boot. Dort beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Fahrt zum Beveridge Riff, die wir am nächsten Morgen starten werden. Früh lösen wir unsere Leine dann von der Boje und blicken ein letztes mal zurück zu dem kleine Eiland auf dem Atoll.

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Tuamotus, zweiter Teil

Wir gehen um 2 Uhr in der Früh Anker auf und verlassen Tahanea, die Passausfahrt ist einfach und eine ruhige, entspannte Nachtfahrt nach Fakarava liegt vor uns. Wir erreichen den Südpass gegen 11 Uhr, das Timing stimmt. Wir fahren mit leichter Gegenströmung in den anfangs breiten Pass. Die Wassertiefe steigt von 30 m bis auf knapp über 4 m an und wir müssen etwas Schlangenlinien fahren, um in der Einfahrt den Untiefen auszuweichen. Kurz darauf fällt der Anker in einem Minenfeld aus Bommis, einen kleinen Sandfleck für unseren Anker zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach, wird aber gemeistert und wir lassen unsere Kette mit den Bojen schwimmen, um die Korallenblöcke nicht zu beschädigen. Diese Ankertechnik wenden wir zu Zeit eigentlich immer an, um auf Nummer sicher zu gehen. Es erleichtert auch das Aufholen des Ankers/ Kette. Bei Winddrehern schwebt die Kette eben über die Korallen und verhängt sich nicht in diesen, oder wickelt sich gar drumherum. Der Südpass von Fakarava hat auch einen sehr bekannten Tauchplatz, die „Wall of Shark“, den wir auch besuchen wollen. Kurz nach unserer Ankunft sehe ich die ersten Tauchboote zum Pass fahren, das richtige Indiz für die richtige Zeit. Denn auch hier zählt, das richtige Timing zu beachten, daß man mit der beginnenden einlaufenden Strömung den Tauchgang startet. Zu früh hat man noch Gegenströmung und auch eine schlechtere Sicht, zu spät wird die Strömung zu stark für einen entspannten Tauchgang. Ich beschließe mit Fred zum Pass zu fahren und einen Schnorchelausflug zu unternehmen, Sabine hat keine Lust. So habe ich, mit Fred im Schlepptau, einen wirklich schönen Schnorchelgang, ich sehe wie die Taucher sich treiben lassen und natürlich jede Menge an Haien. Außerdem noch einige große Napoleonfische und Fischschwärme, die sich mir präsentieren.

Leider ändert sich die Wetterlage und ein Nordwind soll sich für die nächsten Tage einstellen. Wir beschließen uns in die südöstliche Ecke vom Atoll zu verstecken. Bei einem 30 sm langen Atoll wird sich da einiges an Welle aufbauen, die sehr ungemütlich werden kann, außerdem liegen wir dann Legerwall, sprich wir werden auf die Küste gedrückt. Sollte hier ein Problem mit dem Anker auftreten kann es schnell kritisch werden. Das Umfeld vom Südpass ist natürlich auch stark frequentiert, hier in der Ecke ist dagegen wieder entspannte Ruhe. Wir sind in Kontakt mit Dirk von der Manus 2, er hatte ja den direkten Weg zum Nordende vom Atoll genommen, um seinen Besuch am Flughafen abzuholen, er will schließlich am Tag darauf zu uns stoßen. Wir machen aus, daß wir uns auf dem Weg zum Südpass machen um, nachdem sich der Wind etwas abgeschwächt hatte, zu schauen wie die Bedingungen sind. Vor Ort stellt sich heraus, daß die Wellen doch noch sehr ungemütlich sind, wir drehen kurzerhand wieder um, geben Dirk Bescheid, und treffen uns dann in der Südostecke. Schließlich lernen wir Peter kennen, sein Freund der auf Besuch gekommen ist. Wir unternehmen noch einen Landgang und Schnorchelausflug zusammen und genießen die gemeinsamen Sundowner auf einem unserer Boote, inclusive der Geburtstage der beiden, die aufeinander folgen.

Danach ist es endlich soweit, wir verlegen uns zurück zum Südpass. So unternehmen wir gemeinsam Landgang, Restaurantbesuch, schnorcheln und natürlich einen Tauchgang im Südpass. Dazu fahren wir gemeinsam mit Fred zum Pass, Sabine und ich machen den Anfang, während uns die Manus-Crew schnorchelnd mit Fred im Schlepptau folgt und uns am Ende des Tauchgangs schließlich wieder aufnimmt. Das ganze wieder zurück und auf Anfang, nur mit umgekehrter Besatzung. Um es kurz zu machen, es war ein fantastisches Erlebnis nach über 12 Jahren wieder mal mit der Pressluftflasche Unterwasser zu gehen und das noch an einem solchen Platz. Wir sehen eine Unmenge an Haien an uns vorbeiziehen, es sollen bis zu siebenhundert Stück hier leben. Des Weiteren gibt es große Napoleonfische und diverse Fischschwärme, die sich am Riff präsentieren.

Wieder treiben uns die Wetteraussichten zwei Tage später voran, es ist der einzige Tag wo wir unter Segel in den Norden kommen, bevor sich erstmal Flaute einstellt. Wir wollen nach Rotoava, dem Ort von Fakarava, schließlich kommt das Versorgungsschiff dort morgen an. Unsere Frischevorräte sind leer und wollen aufgefüllt werden, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Auch ist es hier Zeit Abschied zu nehmen von Dirk und Peter, die beiden müssen nach Tahiti weiter, um rechtzeitig zum Flieger zu kommen. Für Peter ist der Urlaub zu Ende, kurz darauf fliegt auch Dirk für einen Heimaturlaub nach Hause. Eine schöne Zeit ist vorbei, vielleicht treffen sich unsere Wege wieder im weiteren Verlauf. Wir gehen dann 2 Tage später Anker auf und wollen dem Nordpass einen Besuch abstatten, konnten aber in der Zwischenzeit mit Stephane von der Lazarina 2 ein kleines Wiedersehen feiern.

Am Nordpass waren dann die Bedingungen alles andere als schön, unsere Josa veranstaltete einen kleinen Rodeoritt vor Anker. Wir beschlossen den Pass nicht zu besuchen: alleine das zu-Wasser-lassen von Fred und wieder retour wäre eine Herausforderung geworden. So bleiben wir nur über Nacht und vollbrachten am nächsten Tag das kurze Stück von 20 sm nach Toau. Wir bleiben ein paar Tage in dem nahezu unbewohnten Atoll, vertreiben uns die Zeit mit ausgiebigen Schnorchelausflügen in den beiden Pässen, die in unmittelbarer Nähe liegen und selbstverständlich auch an den kleinen Riffen, die auf dem Weg dorthin sind. Ja und die kleinen Arbeiten die da wieder mal zu erledigen sind, wollen auch abgearbeitet werden. In einem Atoll wo es sonst nichts weiter gibt eine gute Möglichkeit, diese von der ToDo-Liste streichen zu können. Nach 5 Tagen geht es dann ans Nordende von Toau: in den Blindpass. Das ist ein Pass, der nur von der Außenseite zugänglich ist und quasi eine Sackgasse ist. Es ist auch der erste Ort, an der es wirklich Festmacherbojen gibt, an denen wir uns festmachen können. Eigentlich eine perfekte Sache, so werden die Korallen durch die vielen Anker und Ketten verschont. An vielen Orten markiert, aber nur an wenigen vorhanden, leider. Es wurden schon einige Bojen gesetzt, leider fehlt es an deren Pflege und sie sind wieder verschwunden. Wenn ich als Yachti mich an so einer Boje befestige, möchte ich auch die Gewissheit haben, daß sie hält und nicht mein Boot bei aufkommenden Winden auf Drift geht, wenn die Befestigung reißt. Hier ist alles gut, die Bojen gehören wohl einem der beiden Familien, die hier leben und werden regelmäßig kontrolliert. Dafür muss man auch einen kleinen Obolus bezahlen, was auch völlig ok ist. Trotzdem haben wir Glück und liegen umsonst hier, der Besitzer ist aktuell nicht da, den anderen interessiert es nicht. Auch hier wieder schnorcheln vom Feinsten, es gibt jede Menge an Haien, die um das Boot und beim schnorcheln zu sehen sind.

Von hier aus geht es dann zum 100 sm entfernten Atoll Rangiroa, was wir wieder einmal mit einer Nachtfahrt bewerkstelligen wollen. Die Überfahrt gestaltet sich dann alles andere als einfach. Es zieht ein ausgewachsenes Regenband über uns, das von Flaute bis Starkwind alles im Gepäck hat, Winddreher von weit über 90 Grad inclusive. Ich schaffe es irgendwie auf 2 Stunden Schlaf in der Nacht zu kommen, aber was soll es, ist ja nur eine Nacht. Am Vormittag fällt der Anker vor Tiputa, der Stadt des Atolls. Rangiroa empfinden wir als das touristischste Atoll der Tuamotus, täglich starten und landen mehrere Flugzeuge, die die Gäste anbringen/ abholen. Die örtlichen Tauchschulen fahren ihre Kundschaft fleißig zu den Tauchspots, die wir nur schnorchelnd erkunden. Ein wohl sehr lohnenswerter Tauchgang soll am Außenriff der Passeinfahrt sein, wir entscheiden uns dagegen, zu schlecht sind die aktuellen Sichtbedingungen aufgrund der Wind- und Wetterbedingungen. Der Schnorchelgang an der kleinen Insel an der Innenseite vom Pass entschädigt für so einiges, wenn auch hier die Sicht eingeschränkt ist. In der Zwischenzeit habe ich Kontakt mit einem anderen Boot aufgenommen, das Motorenprobleme hat; sie kommen zu uns gesegelt und ich schaue mal, ob ich da weiterhelfen kann. Sie kommen am späten Abend an und am nächsten Morgen wird schließlich Hand angelegt. Nach einigen Stunden ist das Problem gelöst und der Motor schnurrt wieder, wie er soll, alle sind Glücklich.

In der Zwischenzeit haben wir uns auch festgelegt, daß es am Ende vom Jahr nach Neuseeland gehen soll. Die ganze Zeit war es noch völlig offen, was wir machen. Neuseeland, Australien oder gleich nach Indonesien, wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber wenn wir schon einmal so „Nah“ dran sind, sollten wir das auch ausnutzen. So ist natürlich auch einiges zu Planen und zu Organisieren, langweilig wird es bestimmt nicht.

Nach der getätigten Arbeit geht es dann auch schon weiter zu unserem letzten Stopp in den Tuamotus, auf nach Tikehau. Die 45 sm sollten gut in einer Tagesetappe zu schaffen sein, ja wäre nicht die zeitliche Abstimmung mit der Passausfahrt. Bei Tagesanbruch ist eigentlich die ungünstigste Zeit, die man sich aussuchen kann, ich beschließe 2 Stunden später zu starten. Die entscheidenden 300 m durch den Pass werden trotzdem wild, das Wasser wird mehrfach über das Deck gespült, aber unser Dickschiff meistert die Passage in gewohnter Souveränität. Leider lässt uns ausgerechnet auf dieser Passage die Wind- und Strömungsverhältnisse im Stich. Um noch vor Einbruch der Dunkelheit und natürlich auch zur rechten Zeit am Pass zu sein, entscheiden wir uns, unseren Motor mitlaufen zu lassen, wir Motorsegeln die Strecke. Wir kommen wie geplant an, die Passeinfahrt passt wieder und der auserkorene Ankerplatz ist gleich um die Ecke. Am nächsten Tag geht es noch zum schnorcheln in den Pass, die Zeit am Vormittag sollte passen, am Nachmittag wollen wir noch innerhalb des Atolls verlegen. Leider gibt es aktuell kein einlaufendes Wasser in den Pass, es gibt nur einen kurzes Zeitfenster, in der das Wasser zum Stillstand kommt, die Sicht ist entsprechend schlecht. Zu diesem Ereignis kommt es durch die aktuellen starken Ostwinde die auf der anderen Seite vom Atoll jede Menge Wasser durch die Öffnungen drückt und dann an der Westseite, an der wir uns befinden, nur noch abfließen. Nach dem schnorcheln geht es Anker auf und wir verlegen auf die Ostseite vom Atoll. Der Wind kommt genau von Vorne, ein kreuzen durch das Atoll möchten wir nicht, zu viele Untiefen sind auf dem Weg, denen ausgewichen werden muss. So kommt wieder der Motor zum Einsatz und bringt uns auf die andere Seite. Hier liegen wir jetzt wie im Abrahams Schoss, absolut ruhig und geschützt. Der Anker liegt vor dem „Garden Eden“, zwei Familien die hier noch Obst und Gemüse anbauen, in den Tuamotus absolut einmalig. Sie stellen aus Kompost Erde her, auf denen sie alles anpflanzen. Leider ist zur Zeit nur Pok Choy fertig und die letzten Eier hat die Yacht vor uns mitgenommen, Pech gehabt. Wir bekommen vom Besitzer noch einen Rundgang durch die Anlage, in der er uns alles erklärt und zeigt, leider habe ich keine Kamera, dabei um es euch hier zu zeigen. Die Familien bauen alle möglichen Gemüsesorten an, die sie aus Samen selbst kultivieren, haben diverse Früchte wie Papaya und Banane, ebenso Vanille und stellen sogar eigenes Meersalz her. Ebenso besteht noch eine kleine Perlzucht.

Da uns die Abfahrt nach Tahiti bevorsteht, haben wir hier noch ein strammes Programm. Das Wetter gibt uns wieder den Takt vor. Im Moment zeichnet sich eine stabile Wetterlage ab und für drei Tage sollten die Wellen auch sehr moderat sein, das wollen wie ausnutzen. Wir könnten es auch etwas entspannter Angehen, aber dann wird es wahrscheinlich eine Woche später. Hier eine Woche und da eine Woche, wir wollen weiterkommen. Um nach Neuseeland zu kommen, muss es auch zeitlich passen, die Zyklonsaison fängt im November an. Lieber geben wir jetzt etwas Gas, wenn sich die Möglichkeit ergibt, als es uns am Ende fehlt.

So bleiben wir auch nur zwei Nächte hier um noch an den Mantapoint zu verlegen, ein Ort an dem es eine Putzerstation für die sanften Riesen geben soll, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zuvor machen wir aber noch einen Ausflug mit Fred zur Vogelinsel, die vor dem Garten Eden liegt. Auf diesem kleinen, unbewohnten Eiland brüten tausende von Seevögeln unterschiedlicher Art. Auf der Insel ist ein kleiner Rundweg angelegt, der mit Leinen markiert ist. Bei dem ständigen Vogelgezwitscher können wir Weißkopfnoddys, Braunnoddys, Feenseeschwalben und Rotfußtölpel identifizieren. Letztere sind gerade mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Die Vögel haben auch keine Angst vor uns, wir kommen sehr nah an die Vögel ran. Einfach ein paradiesischer Ort hier. Weiter geht es dann zum Ankerplatz Mantapoint, es ist schwachwindig. Es ist ein schöner Tag und keine Welle, so segeln wir gemächlich unserem Ziel entgegen, für die 10 sm braucht es über 4 Stunden bis der Anker wieder fällt. Beim ersten Schnorchelausflug gibt es auch gleich einen der sanften Riesen zu sehen, wie er gemütlich um den Bommie kreist und sich dabei von den Putzerfischen verwöhnen lässt. Es ist so Windstill das wir am Platz bleiben können und nochmal ins Wasser absteigen, auf der Suche nach den Riesen. Leider ist das Wasser sehr trüb und die Sicht sehr begrenzt. Nach drei Nächten heißt es jetzt, Tahiti wir kommen.

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1000 Tage Wochenende

Ja es steht ein kleines Jubiläum im Raum, am 7. Mai sind wir seit unserem Start in Hamburg, nun schon so lange unterwegs. Es gibt ein Buch von einem Segler der in drei Jahren um die Welt ist, der Titel: „1200 Tage Sonntag“. Dem kann ich so nicht zustimmen, Wochenende passt da wohl besser. Sonntag ist für mich so ein Tag an dem es heißt, Füße hochlegen. Der Samstag ist dann so der Arbeitstag an dem das ein oder andere zu erledigen ist, typisch Deutsch halt. Wobei sich das mit den Wochentagen ja schon lange erledigt hat. Was für ein Tag ist heute? Keine Ahnung, ich müsste nachschauen. Da sind mit Sicherheit arbeitsreiche Sonntage dabei gewesen, dafür „unter der Woche“ Füße hoch angesagt.

Es nun schon eine lange Zeit her seit dem Beginn, aber Erinnerungen, Erlebnisse oder Begegnungen haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Wie es der Zufall will, ist auch der Tag, an dem ich mein Zuhause verlassen habe nur wenige Tage entfernt, es war der 11. Mai. Wenige Tage zuvor wurde unser Schiff für den Transport auf der Straße verladen. Der Aufruf in der Whatsapp-Gruppe von Willanzheim zu sehr später Stunde für ein paar helfende Hände. Bei der Abfahrt vom LKW stellte sich heraus, daß der Mast falsch liegt und mal eben um 1 m verschoben werden muss. 30 Minuten später waren genügend Helfer da, um das Ganze per Muskelkraft zu korrigieren, Dorfgemeinschaft sei Dank. Ja und dann kam die sehr emotionale Abfahrt von zu Hause, mitten in der Nacht, durch die leeren Straßen. Wenn ich heute diese Zeilen schreibe und zurück denke, wird es wieder emotional. Letzter Besuch beim Arbeitgeber, um Tschüß zu sagen und alles abzugeben. Ankunft in Kappeln: Wo ist unser Boot? Die letzten Stationen der Vorbereitungen, um das Boot fertig zu bekommen waren in Kappeln, Flensburg, Kiel und Hamburg. In der Zwischenzeit Besuch von Freunden, die sich verabschiedeten. Und ganz wichtig: der Besuch von meiner Familie, die sich auch nochmals verabschiedet hat, emotional wieder. In Hamburg letztendlich Besuch von Arbeitskollegen und schließlich Chris, der uns die erste Etappe die Elbe hoch bis nach Cuxhafen begleitet hat.

Erste nervenaufreibende Motorenprobleme in Belgien, nach deren Lösung es den dann aber weitestgehend problemlos weiter geht. Es folgte die Biskaya, weiter die Küste runter bis Lissabon und schließlich auf die Kanaren. Heute muss ich sagen, daß wir hier eine einschneidende Begegnung hatten. Wir trafen Andrea und Dirk von der Southeast, ausgesprochene Südamerikaliebhaber, die die weitere Reiseplanung quasi auf den Kopf gestellt haben, sehr zum positiven! Genauso haben unsere Erlebnisse sie inspiriert und sie sind mittlerweile mit dem eigenen Boot in Brasilien angekommen, sehr zu unserer Freude.

Es folgen die Kap Verden und der Sprung über den Atlantik nach Brasilien mit der Äquatorüberquerung. In Jacare lernen wir Kerstin und Mike von der Salto kennen, die wir immer wieder auf den Weg in den Süden treffen, auf der Isla Los Estados unsere erste gemeinsame Woche im tiefen Süden verbringen, bis wir gemeinsam in Ushuaia ankommen. Leider haben sich durch unsere erneuten Motorenprobleme die Wege in Puerto Williams getrennt. Erst in Puerto Montt gab es ein Wiedersehen. Immer wieder sind es auch diese zufälligen Begegnungen, die es so Besonders machen. Freundliche Menschen die, auch wenn sie wenig haben, teilen und helfen wo sie können, überall auf unserer Reise.

Dann sind wir ja auch so völlig untypische Segler, man muss inzwischen „leider“ dazu sagen. Wenn wir irgendwo vor Anker gehen, setzten wir uns ins Dinghy, fahren eine Begrüßungsrunde zu den Nachbarliegern und stellen uns vor. Wenn jemand keine Lust auf Kommunikation hat, stellt man das innerhalb von Sekunden fest. Mit der ein oder anderen Besatzung hat man dann auch vielleicht das ein oder andere Treffen und eine schöne gemeinsame Zeit. Und dann gibt es noch die Anderen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt. So bei Andres und Guillermo, Argentinier die wir in Brasilien kennengelernt haben und später eine wunderbare Zeit zusammen in ihrer Heimat verbracht haben. In Uruguay war es dann einmal anders herum, wir liegen fest im Hafen als plötzlich an unserem Boot ein deutsches Hallo ertönt. Wir lernen dadurch Daniel und Mechtild kennen, ein uruguayisch-deutsches Ehepaar, die uns dazu verleiteten, doch ein paar Tage länger in dem dortigen Hafen zu verweilen, bis Daniel schließlich eine Etappe mit uns gesegelt ist.

Bei einem weiteren Zwischenstopp haben wir dann auch unseren ersten Kontakt mit Ulf von der Farvel, einem Solosegler, mit dem wir später gemeinsam Patagonien bereisen und am Kap Horn waren. Nora und Hacko von der Anixi, die wir endlich in Pueto Williams persönlich kennenlernen, wir hatten schon lange zuvor Kontakt über Handy. Sie haben Patagonien von Nord nach Süd durchquert und sind uns quasi entgegen gekommen. Man könnte die Liste unendlich weiterführen. Hier in Französisch Polynesien treffen wir viele, die eine ähnliche Route wie wir fahren, man trifft sich immer mal wieder und hat eine schöne Zeit zusammen, lernt immer wieder neue Segler aus unterschiedlichen Ländern kennen, die gemeinsam mit uns den Südseetraum leben.

Auf der bisherigen Reise war aber für mich das absolute Highlight natürlich Patagonien mit seiner fantastischen Natur. Auch wenn es viele andere schöne Orte gegeben hat, war dieser schon etwas Besonderes. Als kultureller Höhepunkt war schließlich das Marquesasfestival auf Ua Huka. So, jetzt genug von dem kleinen Rückblick. Die nächste Etappe steht vor der Tür und die Planungen für Neuseeland laufen, unserem nächsten großen Ziel, das ihr wieder alle auf der Karte findet.

Auf die nächsten 19400sm (ca.36000km) 😉
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Tuamotus – weg von Bergen hin zu flachen Atollen

So sind wir am Dienstagnachmittag aufgebrochen gen Süden. Wir haben auch gleich wieder unsere Angel ausgebracht und Kraki schwimmen lassen – und tatsächlich: direkt vor Hapatoni, noch in der Landabdeckung, haben wir Bewegung an der Angel. Jochen hat schwer gekämpft, wir haben dann die (noch) Motorfahrt unterbrochen, um es etwas leichter zu machen. Wir hatten einen kapitalen Gelbflossenthunfisch dran, der partout nicht an die Wasseroberfläche wollte. Jochen hatte ihn dann endlich in Bootsnähe und dieser Fisch wollte sich immer unter unserer Dicken verstecken. Leider hat er es dabei geschafft, die Angelschnur an der Windsteueranlage aufzureiben und diese ist dann gerissen. Weg – Fisch und Köder, heul. Das war es dann mit Angeln. Zuerst muss das Equipment wieder startklar gemacht werden, aber bei den anschließenden Bedingungen vermeiden wir es sowieso zu Angeln.

Inzwischen waren wir auch aus dem Wind- und Wellenschatten der Insel hinaus und die übliche südpazifische Welle ging wieder los. Wir hatten fast während der gesamten Überfahrt einen schönen Halbwind von 4 – 5 Beaufort, aber dazu halt leider auch die Welle direkt von der Seite auf das Boot. So hieß es denn wieder einmal 4 Tage rumrollen mit Schräglage, glücklicherweise sind wir von vorneherein nur im 2. Reff beim Großsegel losgefahren. Es war Wind von 3  – 4 bft angesagt und da wir wissen, daß wir da immer noch was draufpacken müssen, haben wir uns gleich für Reff 2 entschieden. Wir möchten nicht bei Wind und Welle noch am Mast rumturnen müssen, um die Segelfläche zu verkleinern, was ein großer Kraftakt ist, wenn Winddruck vorhanden ist. Und das war eine sehr gute Wahl. Wir sind auch so teilweise mit 7 Knoten Fahrt dahingerauscht. Und so konnten wir die Geschwindigkeit gut über die Genua kontrollieren. Nachts sicherheitshalber etwas weniger Segel und tagsüber halt etwas mehr. Noch dazu bekamen wir dann auch einmal wieder etwas Wetter ab, so daß Jochen wieder einmal klatschnass war vom Regen, währenddem er die Genua reffen musste. Nachdem zahlreiche Regenzellen uns besucht haben, beruhigte sich das wechselhafte Wetter auch wieder und nach und nach wurde die Welle auch etwas weniger.

hier kämpft der Skipper noch mit dem großen Fisch

Und so waren wir ziemlich flott, kalkulierten, daß wir wohl am Samstag morgen ankommen werden. Und Glück muß man halt auch haben – man soll in die Atolle vorzugsweise bei Slack einfahren. Slack bedeutet der Stillstand der Ein- und Ausströmung bei Wechsel von Ebbe und Flut. Und laut unseren Daten sollte Hochwasser am Samstag morgen um 5:00 Uhr sein. Je nach örtlicher Gegebenheit und Wetterlage verschieben sich dann noch die optimalen Einfahrzeiten. Die letzten Stunden vor Ankunft können wir die Geschwindigkeit sogar etwas selbst regulieren, um zur richtigen Zeit anzukommen. Und wir hatten den Sonnenaufgang direkt über dem Atoll, an dessen Westseite sich der Pass befindet, durch den wir einfahren konnten. Gegen 6 Uhr war es dann soweit, wir sind vor dem Pass angekommen, haben die Genua weggepackt, den Motor angeworfen und sind mal auf den Pass zugefahren. Das ist schon etwas ehrfurchtgebietend, wenn man die Berichte von anderen Seglern liest. Eine schmale Einfahrt, in der viele Turbulenzen und Wellen stehen können. Kommt man zur falschen Zeit, sind dann noch starke Strömungen dabei, die uns geradewegs wieder rückwärts ausspucken würden. Es gibt Atolle, bei denen Strömungen von über 12 Knoten im Pass erreicht werden. Bei den Atollen sind sehr wenige Öffnungen vorhanden, in denen das ganze Wasser ein- und wieder ausfließen muß; entsprechend groß kann daher die Strömung sein, wenn entsprechend viel Wasser aus dem Atoll heraus möchte.

Wir kommen an und sehen rein gar nichts dergleichen, wir sind zur perfekten Zeit hier angekommen, wir fahren hinein und hatten nur 0,8 Knoten Gegenströmung, quasi nix.

Im Pass angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg ans nord-östliche Ende vom Atoll Amanu, nochmal eine Strecke von 15 sm. Ab Sonntag war kräftiger Wind aus Ost angesagt, so liegen wir gleich geschützt für die kommenden Tage. Wir ankern hinter einem großen Motu und genießen es, daß unser Boot absolut ruhig liegt, nichts bewegt sich, das hatten wir das letzte Mal in Valdivia/Chile. Wir genießen die nächsten Tage am Strand zu spazieren, im klaren Wasser zu schnorcheln und nach langer Zeit auch einfach wieder alleine am Ankerplatz zu liegen. Nach vier Tagen war dann die Vorhersage so gut, daß wir uns an den nächsten Ankerplatz verlegten, jetzt im östlichen Teil des Atolls. Hier zeigt sich das Motu in einem ganz anderen Gewand. Neben der kleinen Insel gibt es große Flächen, die trotz des geringen Tidenhubs überspült werden und dann wieder trocken fallen, ein einzigartiges Naturschauspiel. Ein großer Bommie der Nahe am Ankerplatz ist, ist ein hervorragender Schnorchelspot, Herz was willst du mehr. Auf unserem Weg zurück zum kleinen Ort an der Passeinfahrt, gibt’s es noch schließlich einen Stopp an einem Riff das mittig im Atoll liegt. Wir schmeißen unseren Anker und unternehmen gleich einen Schnorchelausflug. Auf dem Rückweg zum Schiff werfen wir noch einen Blick auf unseren Anker, ob dieser auch gut liegt, das gefällt uns aber nicht. Das heißt umankern oder gleich weiter, Zeit genug ist noch. Da uns das Riff jetzt nicht so ganz gut gefallen hat, ist die Entscheidung schnell gefallen, wir brechen auf und verlegen direkt an den Ort. Hier in Ikitake leben ca. 120 Menschen, von denen wir bei unserem Besuch am nächsten Tag, nur wenige zu Gesicht bekommen. Der Ort hat aber immerhin top betonierte Straßen, die einzigen fahrbereiten Fahrzeuge, die wir sehen, sind die der Gemeinde. So vertreten wir uns noch etwas die Beine auf den wenigen Wegen die es gibt, bevor es zurück auf´s Schiff geht.

Wir planen die Weiterfahrt zum nächsten Atoll von Hao, denn auch die Ausfahrt aus dem Pass muss soweit zeitlich stimmen. Da Hao nur 15 sm entfernt liegt, muss es auch so passen, hier wieder zur richtigen Zeit anzukommen. Ihr seht schon, es ist viel Timing nötig für die Navigation in und um die Atolle. So lassen wir uns am nächsten Morgen mit etwas ablaufenden Strom aus dem Atoll schieben, um dann zur richtigen Zeit im Hao-Pass zu sein. Alles passt perfekt und der Anker fällt zur Mittagszeit vor Otepa, dem Ort des hiesigen Atolls. Wir machen das Schiff wieder klar und bereiten Fred gleich vor, um einen Besuch beim Nachbarlieger abzustatten. Dann noch gleich weiter zum kleinen Hafen, hier liegen ein deutsches und schweizerisches Boot. Aber hier ist leider niemand zu Hause, alles ausgeflogen. So geht es wieder zurück und wir genießen den Nachmittag. Gegen Abend gehen wir in den Ort, wir wollten uns eine Pizza im Restaurant gönnen. Leider hatten wir kein Glück, die Besitzer teilten uns mit, daß sie kein Material mehr haben, sie müssen erst wieder auf das Versorgungsschiff warten. So ist das Leben auf so abgeschiedenen Flecken Erde, nix mit wir gehen mal schnell einkaufen. Wenn leer, dann leer. Auf der Straße stehend beratschlagen wir, was wir machen, als vier Leute auf uns zugelaufen kommen. Es stellt sich heraus, daß es die zwei Crews der beiden Boote im Hafen sind. Sie sind auch gerade auf dem Weg zum Essen gehen. Es gibt noch ein weiteres Restaurant, mal schauen ob die offen haben und auch noch etwas anbieten können, so die Aussage. Wir schließen uns an und haben einen schönen gemeinsamen Abend mit etwas zu essen. Die Bordküche kann kalt bleiben. Da dieses Atoll über 30 sm lang ist und nichts Außergewöhnliches zu erwarten ist, beschließen wir nur vor dem Ort zu bleiben. Ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigen und uns den Ort anschauen. Immerhin leben hier schon über eintausend Menschen, also etwas größer das Ganze. Was man noch erwähnen sollte, Hao hat eine etwas traurige Vergangenheit. Hier war das Logistikzentrum der französischen Armee für die Atombombentests, die etwas weiter südlich auf zweien der Atolle stattgefunden haben. Entsprechend gut ist hier auch noch die Infrastruktur der Insel mit großem Flughafen in dessen Nähe eine, sagen wir einmal, provisorisch abgedeckte Fläche besteht. Hier sollen die Beobachtungsflugzeuge nach ihren Einsätzen dekontaminiert worden sein, die radioaktive Strahlung besteht wohl bis heute noch. Ansonsten war am Sonntag Bürgermeisterwahl der drei zusammengehörigen Atolle. Die läuft hier etwas anders, wie es wir gewohnt sind. Es ist ein Event an dem es den ganzen Tag Unterhaltung geboten wird, mit Essen und Trinken natürlich. Gegen Abend versammeln sich dann nochmals sehr viele der Bewohner um das Ergebnis abzuwarten und zu feiern. Es könnte durchaus sein, daß dieses „Event“ eine höhere Wahlbeteiligung garantiert. Gewonnen hat die bisherige Amtsinhaberin; mit genau 2 Stimmen mehr hatte sie die nötigen 51 %. So hatten wir heuer auch „unsere“ Gemeindewahl.

Nach diesem Ereignis haben wir uns schnell entschlossen, Hao wieder zu verlassen und weiter nach Makemo zu fahren. Dort befinden sich inzwischen schon bekannte Boote, die wir doch gerne noch mal sehen möchten. Die etwa 170 sm sollten wir in etwa 1,5 Tagen schaffen, so daß wir gegen Nachmittag von Hao losfahren möchten, um genügend Zeit bei Sonnenlicht zum dortigen Einlaufen zu haben. Und wir haben es mit der passenden Tide wieder geschafft, aus Hao gemütlich auszufahren. Bei unserer Ausfahrt auf den Pass zu haben wir dann schon unsere norwegischen Freunde von der Pele auf dem AIS gesehen, die sich kurz hinter dem Pass für die Nacht auf Anker gelegt hatten. Sie sind gerade eingefahren. Und schon hat uns Espen auch angefunkt, wir haben uns kurz abgestimmt und hoffen, daß wir uns dann in einem der nächsten Atolle nochmals treffen werden.

Da sehr wenig Wind vorhergesagt war, haben wir uns auch entschlossen, gleich unser Leichtwindsegel zu setzen und mit diesem zu arbeiten. Und es ging seeehr langsam los, die erste Zeit hatten wir gerade einmal 3 Knoten Fahrt im Schiff. Ja, wenn das so weitergeht, benötigen wir mehr als 2 Tage und kommen doch im Dunkeln an!!! Aber irgendwann war es dann soweit, daß wir zwischenzeitlich gut Fahrt gemacht haben und das wieder aufholen konnten, so daß unser Zeitplan wieder einmal aufgegangen ist. Irgendwann waren es dann in der zweiten Nacht doch auch einige starke Böen, somit entschied der Skipper den Blister herunterzuholen und mit Genua weiterzuarbeiten, um den Rest der Nacht auch noch etwas zum Schlafen zu kommen. Die Genua ist dann doch besser zu regulieren, wenn was Kräftiges ankommt.

unser Blister zieht uns wieder….

So ging es durch die Nacht mit einigen Wind-, Wolken- und Regenfelder. Es wurde nicht langweilig. Das Atoll Makemo kam dann auch am Morgen in Sicht. Das Unschöne: wir müssen etwa 15 Seemeilen am Atoll entlangfahren, um zum Pass zu kommen. Wisst Ihr, wie das ist? Das Ziel vor Augen, der Wind wird schwächer und schwächer und Du willst endlich da rein? Aber…Timing ok, der Skipper schmeißt den Motor zur Unterstützung an und wir fahren wieder entspannt durch einen Pass. Wir sehen zwar das Wasser leicht brodeln, aber wir haben weder zu viel Strömung mit uns noch gegen uns. Und so werfen wir den Anker vor dem Ort Pouheva, direkt neben einem anderen deutschen Boot.

Dieses Atoll gefällt uns schon vom ersten Eindruck sehr gut.

So verbringen wir die ersten Tage hier vor dem Ort, genießen die Landgänge mit den sehr freundlichen Leuten und haben eine schöne Zeit mit den Nachbarbooten. Dazu gehören: Paul, Kelly, Jesica von der Oops, Dirk von der Manus 2 und Jan von der Makamea. Zu guter Letzt erfahren wir noch, daß das Versorgungsschiff am Sonntag ankommen soll, das passt ja perfekt. So können wir am Montag Nachmittag noch mal unsere Vorräte mit Frischwaren ergänzen, bevor wir am Dienstag gegen Mittag unseren Anker lichten, um in den Osten des Atolls zu verlegen, Dirk folgt uns, Jan kommt noch nach. Auch hier muss wieder die Abfahrt geplant werden. Auf dem Weg dorthin sind sehr viel Bommis, denen es auszuweichen gilt. Um diese gut zu sehen, sollte man die Sonne im Rücken haben, bzw. muss diese hoch stehen – sonst wird das nichts. Auf dem Weg dahin helfen unter anderem auch Satellitenbilder von diversen Anbietern, auf denen diese gut zu erkennen sind, zumindest bei größeren Wassertiefen. Die letzten Seemeilen zum Ankerplatz gleichen einem Minenfeld, Sabine muss in den Bug, um Ausschau zu halten und wir kommen im Zick-Zack-Kurs sicher an. Ein traumhafter Ort empfängt uns, klares, türkisfarbenes Wasser inclusive. Der Platz ist bestens geschützt vor den aktuellen Winden und wir liegen wie in Abrahams Schoß. Wir machen einen Landausflug zu einem „Swimmingpool“, als hätten wir nicht genug Platz um uns herum 😊. Dieser Pool ist etwas abgetrennt von dem Inneren des Atolls und durch die Landmasse abgetrennt vom offenen Pazifik. So genießen wir eine übergroße Badewanne mit 30° Wassertemperatur und sehen die Brandung auf das Atoll treffen mit der dazugehörigen Geräuschkulisse, traumhaft. Tags darauf machen unsere 3 Boote dann noch ein schönes BBQ am Strand. Schließlich müssen die Kalorien auch mal wieder verbrannt werden: wir starten eine Schnorcheltour am Riff. Das Riff hat sehr viele blaue Korallen und hat deshalb den Spitznamen Schwedenriff. Außerdem erleben wir hier die besten Sichtweiten Unterwasser, die wir bisher haben; zu sehen gab es auch sehr viel Fisch in den unterschiedlichsten Größen und Arten. So schön es auch hier ist, so langsam zieht es uns dann auch wieder weiter. Dirk folgt uns wieder, er bekommt einen Gast der nach Fakarava geflogen kommt, da bleibt dann auch nicht mehr viel Zeit. Wir legen auf dem weiteren Weg einen Tagesstopp am Ort ein, gehen nochmal einkaufen und am Abend gönnen wir uns nochmal Pizza im Ort. Hier begleitet uns noch Richard von der Mistral, ihn kennen wir bereits von den Marquesas, auch er ist gestern hier angekommen. Da es jetzt nach Westen geht, starten wir am frühen Morgen – der Sonne wegen, ihr wisst ja… Wir wollen nochmal einen Stopp im Nordwesten vom Atoll ansteuern und dort ein paar Tage bleiben, bis die Bedingungen für eine Weiterreise nach Tahanea passen. Hier im Makemo-Atoll haben wir die Möglichkeit einen weiteren Pass im Westen zu nutzen, so können wir einmal quer durchs Atoll und müssen nicht wieder zurück, auch schön um etwas mehr zu sehen. So verbringen wir hier noch die Tage mir schnorcheln, Landspaziergang und beobachten der Wetteraussichten.

Geplant war am Mittwochnachmittag zum Westpass zu fahren und dort die Nacht vor Anker zu verbringen, um uns dann früh mit den ersten Lichtstrahlen auf den Weg zu machen nach Tahanea. Tja, Segler und ihre Planung. Am Westpass angekommen schmeißen wir den Anker unter sehr welligen Bedingungen, keine guten Voraussetzungen für die Nacht. Nach kurzer Rücksprache mit Dirk beschließen wir noch am Abend zu starten, dann eben eine Nachtfahrt zum nächsten Atoll. Hat im dem Fall auch noch eine Nachtankunft am nächsten Pass zur Folge. Wir hatten dies natürlich auch besprochen, konnten aber aus diversen Berichten erkennen, daß dieser Pass zu den einfachen gehört und wir uns das dann auch zutrauen. So heißt es um 16 Uhr Anker auf und auf uns wartet eine entspannte Nachtfahrt. Zuerst Sternenklar, gegen 21 Uhr geht dann der Mond auf und leuchtet uns den rechten Weg. Gegen 3 Uhr in der Früh kommen wir an der Einfahrt von Tahanea an, unser Timing passt mal wieder hervorragend und wir können mit 1 kn Schiebestrom durch die breite Wasserstraße hindurchfahren. Gleich um die Ecke fällt der Anker, kurz das Schiff aufklaren und ab in die Koje. Nach dem Ausschlafen geht es im nächsten Bericht weiter…….

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Gambier Inseln

Eigentlich gibt es nicht Vieles weiter zu berichten, was wir nicht schon in unserem letzten Beitrag geschrieben hätten. Wir ziehen von Ankerplatz zu Ankerplatz, gehen Wandern, wenn es hierzu Möglichkeiten gibt oder erkunden die Unterwasserwelt mit den Flossen an den Füssen. Zwischendurch kommt auch mal das Versorgungsschiff – was nicht nur ein Highlight für die Inselbewohner ist – und so zieht es uns dann nach Rikitea, um unsere Vorräte etwas aufzustocken. Wir waren auch bei Daniela und Rolf auf dem Boot, die uns dann anhand von Fotos die Produktion der Perlen erklärt haben und uns ihre eigene Stücke vorgeführt haben, wieder etwas schlauer. Bei all dem vielen Terminen 😉 hatten dann Valerie und Herve an einem Sonntag zum BBQ eingeladen. Hier treffen sich dann alle interessierten Segler zum gemeinsamen Grillen; jeder bringt etwas mit und wird schließlich geteilt. Im Anschluss sind wir in die Kunst des Boule-spielen eingewiesen worden, gegen die vielen Profis aus Frankreich hat sich Team Germany gar nicht so schlecht geschlagen. Mit der Lazarina und Topaia sind ziwschenzeitlich auch zwei Schiffe angekommen, die wir kurz in Patagonien getroffen hatten. Beim gemeinsamen Zusammensitzen werden „alte“ Erinnerungen aufgefrischt und die weiteren Pläne ausgetauscht, was den Aufenthalt hier nicht langweilig werden lässt. Aktuell warten wir eigentlich nur auf das passende Wetterfenster, um unser nächstes Ziel zu erreichen, die Marquesas. Kein leichtes unterfangen, täglich schaut der Wetterbericht komplett anders aus, mal schauen, drückt uns schonmal die Daumen. Dafür gibt`s noch ein paar Bilder zum Träumen.

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Überfahrt zu den Gambier Inseln

Nachdem Fred und der Außenborder schließlich verstaut sind und soweit alles vorbereitet ist, heißt es endlich gegen 19 Uhr Anker auf. Doch hier der erste Schreckmoment, unsere Ankerkette hat sich wohl irgendwo am Grund um einen Felsen verschlungen. Mit ordentlich Zug auf der Kette und dem leichten auf und ab in der Dünung vom Boot kommt sie schließlich frei, Glück gehabt. Hätte das nicht funktioniert, hätte sich die Abfahrt wohl um einen Tag verschoben. Bei 20 m Wassertiefe hätte es eine Tauchausrüstung benötigt, um die Kette wieder frei zu bekommen. Unsere ist gut um Schiff verstaut und sich an eine der örtlichen Tauchschulen zu wenden, hätte alles noch einiges an Zeit gekostet. Bis es soweit gewesen wäre, wäre es schon so dunkel, daß daran nicht mehr zu denken gewesen wäre ins Wasser zu gehen, Tauchlampen haben wir leider keine dabei. Es hätte auf den nächsten Tag verschoben werden müssen. Aber wie gesagt, Glück gehabt.

So können wir schnell die Segel setzen, bei der Behörde noch schnell unsere Abfahrt durchfunken und los geht´s. Kaum aus der Landabdeckung draußen ist der Wind auch so kräftig, daß wir die Segel gleich noch etwas weiter reffen müssen als eh schon gemacht. Dann passt alles und so geht es die nächsten 2 Tage ohne weiteres Zutun dahin. Der Wind dreht schließlich immer weiter, nimmt auch noch etwas zu und wir fahren nun hoch am Wind unserem Ziel entgegen. Eine sehr zermürbende Fahrt, sowohl für´s Gemüt als auch für´s Material.

Dazu will ich euch mal ein wenig in die Grundlagen vom Segeln entführen. Der Einfachheit werde ich die Werte etwas runden, damit es verständlicher wird, der Profi wird mir verzeihen. Zuerst mal die Windgeschwindigkeiten die bei uns oft in Beaufort, kurz Bft, angegeben sind. Hier handelt es sich um eine Windscala die besagter Herr Beaufort entwickelt hat. 1 Bft entsprechen einer Windzunahme von ca. 5 kn, das sind ca. 10km/h. So entsprechen 5 Bft um die 20 kn Wind. Beim Segeln sprechen wir noch von einem wahren Wind und dem scheinbaren Wind. Der wahre Wind ist der Wind, den ihr spürt wenn ihr an einem festen Ort steht, Richtung und Stärke entsprechen den Angaben. Der scheinbare Wind ist der Wind den ihr in Bewegung spürt. Als Beispiel nenne ich mal das Fahrradfahren. Wenn ihr bei 20 km/h Wind dem Wind genau entgegenfahrt mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h (mit E-Bike schafft das jeder😉), so spürt ihr den Wind mit 40 km/h. Fahrt ihr mit den gleichen Werten genau mit dem Wind von hinten, so fühlt es sich an als wäre Windstille. Das ist der scheinbare Wind mit dem wir auf unserem Boot unterwegs sind. Kommt der Wind noch etwas von der Seite, ändert sich auch mit der Boots- bzw. Fahrradgeschwindigkeit der Einfallswinkel vom Wind. Auf dem Boot fahren wir auf Am-Wind-Kurs = Wind von vorne, Halb-Wind-Kurs = Wind von der Seite, Raumschot-Kurs = Wind von hinten. Jetzt fahren wir auf Am-Wind-Kurs bei besagten 5 Bft ca. mit 8 kn durch das Wasser, das fühlt sich dann schon an wie 6-7 Bft Wind, das ist schon nicht ohne. Fahren wir mit den gleichen Werten nun Raumschot, sind es nur noch 3-4 Bft Wind die wir auf dem Boot spüren und auch zur Verfügung haben, um vorwärts zu kommen. Jetzt kommt noch der Faktor Welle/ Dünung mit ins Spiel, auf dem Fahrradweg oder der Straße bleiben die Bedingungen ja gleich. Die Dünung ist in der Regel eine er langgezogene Welle die von einem weit entfernten Windsystem kommt. Hier im Südpazifik kommt jene meist aus südwestlicher Richtung und entstehen tut sie südlich des 40ten Breitengrades in den Stürmen, die da unten gang und gäbe sind. Die Welle kommt, der Einfachheit wieder gesagt, aus der Richtung, aus der der Wind kommt und wird auch von jenem erzeugt den man vor Ort hat. Fährt man nun auf Am-Wind-Kurs, kommen einem die Wellen mit ihrer etwas steileren Seite entgegen, das Schiff kämpft gegen die Wellen an. Ein ständiges Stampfen ist die Folge, viel Gischt und Wasser kommen über das Deck. Fahren wir Raumschot kommt die etwas flachere Seite der Welle von hinten, hebt das Schiff sanft an und geht mit der Welle auch wieder sanft nach unten. Wie in einen Fahrstuhl ein auf und ab, aber alles entspannt. Auf Halbwindkurs ist das Ganze eine Mischung aus den beiden, Windstärke ist wie angesagt und die Welle von der Seite. Ich hoffe es soweit verständlich geschrieben zu haben, ansonsten könnt ich über den Kommentar gerne nachfragen.

Bei der letzten Überfahrt zu der Osterinsel waren wir auf der Nordseite von einem Hochdruckgebiet, hatten somit auf der Südhalbkugel den Wind von hinten (die Wettersysteme drehen auf der Südseite entgegengesetzt wie auf der Nordseite) und die Fahrt mit 8 Bft war weitestgehend entspannt. Bei der Überfahrt die wir jetzt haben, sind wir auf der Nordseite eines Tiefdrucksystems, also Wind von vorne. Waren zuvor 8 Bft entspannt, ist es jetzt bei 6 Bft schon etwas übel. Da wir ja nicht genau gegen den Wind segeln können, kommt der Wind leicht schräg von vorne. Durch den Wind in den Segeln haben wir schon eine Grundkrängung (Krängung = Schräglage) im Schiff. Unsere Josa kämpft sich wacker durch die Wellen, nur die Wellen die dabei ständig auf die Bordwand prallen, sind lautstark und bringen das Boot immer wieder stark ins Schwanken. Kommen dann die etwas größeren Wellen an, spritzt die Gischt über das ganze Boot und etliche Kubikmeter Salzwasser werden über das Deck gespült. Die Belastungen für das Boot sind enorm und das eigene Gemüt leidet auch stark. Nach eineinhalb Tagen langt es uns, wir drehen etwas ab und sind nun mit Halbwind unterwegs, die Wellen von der Seite und etwas weniger scheinbarer Wind, lässt das Ganz schon viel erträglicher werden. Von dem Plan die Pitcairn Insel (bekannt von der Bounty, deren Meuterer sich hier niedergelassen haben und deren Nachfahren noch heute hier leben) zu besuchen, können wir uns in diesem Moment verabschieden. Was mich am meisten dabei stört: wir verpassen noch ein kleines Atoll, das auf dem Weg dahin liegt, Ducie Island. Eines der abgelegensten Atolle der Welt, kaum jemand kommt hier vorbei. Alles unberührte Natur, hier mal den Kopf Unterwasser zu stecken, mit Sicherheit traumhaft schön und interessant. Aber so ist das Seglerleben: es gibt Pläne, um sie zu ändern. So fahren wir anfangs einen Nordkurs. Später, als die Bedingungen etwas besser werden, einen Nordwestkurs um einem größeren Flautengebiet, das im Anmarsch ist, möglichst aus dem Weg zu gehen; ganz werden wir es wohl nicht schaffen. Der ursprüngliche Plan während der Flaute die Zeit am Atoll zu verbringen, hätte auch nicht funktioniert, der Weg wäre doch noch zu weit gewesen, um rechtzeitig dorthin zu kommen. Da wir am Rand von einem Tiefdruckgebiet unterwegs sind, sind die Tage und Nächte weitestgehend bewölkt, die Sonne zeigt sich nur spärlich. Nach zwei weiteren Tagen steht wieder mal der Wechsel zwischen zwei Windsystemen auf dem Programm. Wie bei der letzten Überfahrt hält mich das Ganze wieder über viele Stunden auf Trab, natürlich auch wieder in der Nacht, was sonst. An Schlaf ist so gut wie gar nicht zu denken. Als sich der Wind schließlich eingependelt hat ist es schon taghell und ich kann mich auch endlich mal auf´s Ohr legen. Den Rest vom Tag verbringe ich meist in der horizontalen, um den Schlaf nachzuholen. Mit dem neuen System sind wir jetzt auch in einem Hochdruckgebiet, die Sonne begleitet uns und ein Blick in den Mondkalender verspricht Neumond, sprich kein Mond zu sehen. Die nächste Nacht lässt somit einen fast ungetrübten Blick auf den Sternenhimmel zu, nur ein paar Wolken sind zu sehen, einfach traumhaft dieser Anblick. Letztendlich kommen wir auch in das Flautengebiet wie angekündigt, wir haben aber Glück und sind wirklich bis an den Rand gekommen. Wir haben immer gerade noch soviel Wind, daß wir unter Segel fahren können, zwar sehr langsam – aber immerhin; und ob wir ein oder zwei Tage später auf den Gambier´s ankommen ist nicht so wichtig, Zeit haben wir ja.

Vielen Dank an Ulf der uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat, wir können mit unseren Mitteln leider keine Sternenbilder fotografieren. Die Bilder zeigen den Sternenhimmel von dem ich immer so schwärme noch viel deutlicher, sie sind in der Atacamawüste aufgenommen, keine Lichtverschmutzung und noch weniger Staub in der Luft.

Als der Wind wieder einsetzt, setzen wir doch wieder Kurs auf Ducie Island, wir sind gerade mal 170 sm davon entfernt, wir wären in spätestens 30 Stunden dort. Der Wind würde gut passen, um dorthin zu kommen. Ich checke nochmals alle Für und Wider der Vorhersage, die für die weiteren Tage gemeldet sind und nochmal und nochmal. Schweren Herzens fällt doch der Entschluss, wieder direkten Kurs auf das Gambier Archipel zu nehmen. Zu einem haben wir noch mäßigen Wind, wenn wir an dem Atoll ankommen würden, die Ankerverhältnisse sind völlig unklar, im Zweifel müssten wir trotzdem weiterfahren. Auch für den weiteren Verlauf danach schaut es nicht gut aus. Das nächste Eiland ist Henderson 200 sm weiter, auch hier die Ankerverhältnisse völlig unklar. Um dorthin zu kommen müssten wir auch wieder ein Flautenloch überbrücken. Danach dann wieder kräftiger Wind, vor dem wir uns irgendwo Schutz suchen müssten. Das wäre dann die Pitcairn Insel nochmals weitere 100 sm entfernt, Ankerplatz sehr rollig und ein anlanden an Land nur bei ruhigen Verhältnissen möglich. Alles Dinge, die letztendlich entschieden haben, daß wir diese interessanten Inseln nicht anlaufen werden. Nach zwei Tagen, auf denen wir Raumschot und mit guten Windverhältnissen unterwegs sind macht sich so langsam die uns bevorstehende Flaute bemerkbar, der Wind nimmt langsam aber stetig ab. Gerade am raumen Kurs, wenn der Wind zu wenig wird, rollt das Schiff immer mehr von der einen Seite auf die andere, da der Winddruck in den Segeln fehlt. Durch diese Rollbewegung fangen die Segel immer mehr das Schlagen an. Wenn man bedenkt, daß sich die Mastspitze immer 5 Meter von der einen zur anderen Seite bewegt – und das innerhalb kürzester Zeit – erzeugt das schon beachtliche Beschleunigungen in den Segeln, die das Ganze verursachen. Die nächsten beiden Tage werden die Nerven wieder auf eine harte Probe gestellt. Wir passen den Kurs und die Segel immer wieder an, um es zumindest etwas abzumildern. Die zweite Nacht lässt die Überlegung schon aufkommen unter Maschine weiter zu fahren. Aber die nächsten drei Tage noch unter Maschine bis zum Ziel? Nein Danke, wir halten durch. Am Morgen ergibt sich dann ein ganz neues Bild, der Wind hat kräftig gedreht und die Welle sich auf ein Minimum reduziert. Ich setzte beide Segel, das Großsegel war zuletzt zur Pause verdammt worden und die Genua nur zu 80% gesetzt, alles dem Schlagen geschuldet. Nun kommen wir auf einem Amwindkurs, trotz der er schwachen Windverhältnisse, gut voran und durch die wenige Welle gleiten wir jetzt gemächlich über das weite Blau des Pazifiks. Die Sonne lacht vom Himmel und das Meer hat seine tausenden Spiegel ausgepackt, die im steten Wechsel die Wasseroberfläche in einem silbernen Glanz erscheinen lässt, Seglerherz was willst du mehr. Dieser uns wohl gesonnene Zustand hält natürlich nicht ewig an, am nächsten Tag ist es dann so weit. Das Segel hängt fast wie ein nasser Sack am Vorstag, wir bergen es. Aber bevor wir die Maschine starten gibt es noch ein erfrischendes Bad im Pazifik, welche Wohltat. Ich schwimme eine Runde um das Boot in einem unglaublichen Blau, in diesem Bereich ca. 3200 m tief. Wer kann schon von sich behaupten in so einem tiefen Gewässer mal geschwommen zu sein? Schreibt uns gerne.

Dann geht´s schließlich unter Motor weiter, zum Glück aber nur 3 Stunden lang, bevor der Wind wieder einsetzt. Kleiner Nebeneffekt, die Batterien sind auch wieder voll geladen. Wir setzten nur die Genua für die weitere Wegstrecke, aber schon schnell wird der Wind immer kräftiger, ich fang das reffen an. Kurz darauf taucht am Horizont auch noch ein Wolkenband auf, das ein Anzeichen für weitere Windzunahme ist. Als es immer Näher kommt, wird weiter gerefft, viel steht nicht mehr vom Tuch. Aber genau zur richtigen Zeit und in der richtigen Dimensionierung sind wir gut gewappnet für das, was kommt. Es ist wesentlich entspannter so etwas am Tag zu erleben, man sieht was kommt und kann entsprechend reagieren. Schließlich dreht der Wind und wir sind in unserem neuen Wettergebiet angekommen. Es ist Zeit, die ersten Berechnungen für unsere Ankunft zu tätigen. Der Wind sollte uns bis zu den Gambier´s gewogen sein. Aktuell kommt er als Halbwind daher und soll etwas auf Raumschot drehen. Perfekt, so kann ich nur unter der Genua segelnd gut die Geschwindigkeit kontrollieren, indem ich die Segelfläche anpasse. Ich rechne aus, wie schnell wir fahren müssen und dürfen, um bei Tageslicht unser Ziel zu erreichen. Zwar soll das Atoll gut betonnt sein und somit auch eine Einfahrt bei Nacht möglich sein, aber schöner und sicherer ist es doch bei Tageslicht. Mittlerweile, aber schon wieder im Dunkeln, fängt ein wilder Tanz an, keine 12 Stunden nach meiner Schwimmeinlage wird es immer heftiger. Das Ausmaß ist dann erst in der Morgendämmerung zu erkennen, Wellenberge kreuz und quer sind zu sehen. So wilde Wellenberge hatten wir auch noch nicht. Nach gut 2 Stunden übelster Schaukelei scheint der Höhepunkt erreicht zu sein, die Wellen nehmen langsam eine einheitliche Richtung an, was auch auf dem Boot deutlich zu spüren ist. Es bleibt aber weiterhin alles andere als angenehm, aber mit der Aussicht am nächsten Tag anzukommen, erträglich. So ist mit der ersten Morgendämmerung dann auch Land in Sicht. Während ich mich über das Erreichen von unserem ersten Ziel in der Südsee freue, kommt von Sabine nur, „endlich hört das Geschaukel auf“. So unterschiedlich sind die Gedanken. Wir kommen mittig in der gewünschten Zeitspanne zu unserem Wegpunkt an, bei dem wir die Ansteuerung zur Passeinfahrt starten. Die einzelnen Inseln (Motu’s), die in dem Atoll über der Wasseroberfläche zu sehen sind, werden immer deutlich in ihrem Aussehen, die höchsten Berge sind hier etwas über 400 m hoch. Unser Tiefenmesser, der bis 300 m Tiefe anzeigt, macht sich erst wenige Meter vor dem Pass das erste mal bemerkbar, so steil ist auch die Unterwasserlandschaft. Insgesamt ein steiler Berg, mitten im nirgendwo, die See ist um das Atoll herum noch 3 bis 4-tausend Meter tief. Wenn man bedenkt, daß Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze 2962 m hat, Garmisch auf 708 Meter liegt, so hat man noch ungefähr 2200m reinen Berg. Dieser Berg hier steigt vom Meeresgrund empor und ist damit fast doppelt so hoch wie unsere Zugspitze, unglaublich. Die Durchfahrt hat dann eine maximale Tiefe von 12 m, links und rechts noch deutlich weniger, ist aber dank der genauen Seekarten leicht zu passieren. Danach fällt der Grund auch wieder auf bis zu 40 m ab, die See ist deutlich ruhiger geworden. Das Innere eines Atoll´s ist immer mit zahlreichen Untiefen bestückt, eine genau angegebene Kurslinie muss eingehalten werden, um diese Gefahrlos zu passieren. An diesem Atoll gibt es drei verschiedene Zufahrten, wir haben uns für die aus Südwest entschieden. Hier sind die ersten Seemeilen innerhalb nicht mit Fahrwassertonnen bestückt, aber durch die Beschreibung in der Seekarte ohne weitere Probleme zu meistern. Bis wir das Hauptfahrwasser erreichen, in dem dann die Tonnen das Fahrwasser markieren, sind die ersten 10 sm noch unter Segel zurückgelegt, der Wind steht dafür gut. Für die weiteren 10 sm muss dann auf die Maschine zurückgegriffen werden, bis wir den Hauptort Rikitea das erstmal sehen. Durch die große Weite vom Atoll, dem kräftigen Wind geschuldet, ist trotz alledem einiges an Wellengang. Die letzte Seemeile führt nun durch eine schmale Durchfahrt eines breiten Riffgürtels, das unseren anvisierten Ankerplatz vor dem Ort sehr gut schützt. Eine kleine Runde vor dem Ort und unser Anker fällt auf 15m Tiefe in den Sand, willkommen in der Südsee, unserem zweiten Traumziel nach Patagonien.

1653 sm nach 13 Tagen und 20 Stunden macht einen durchschnittlichen Etmal von 120 sm, insgesamt 4100 sm vom chilenischen Festland zurück gelegt.

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Pazifik: Überfahrt nach Rapa Nui- Osterinsel

Nachdem wir auf der Robinsoninsel ja noch ein kleines Wetter abwarten, entwickelt sich unser Bojenplatz zu einem kleinen Rodeoritt. Obwohl wir auf der windgeschützten Seite der Insel liegen, kommen vom Berg einige Fallwinde, die uns treffen und der Pazifikschwell scheint auch um die Insel in die Bucht zu laufen; einer der rolligsten Plätze, die wir auf unserer bisherigen Reise hatten. Um dem Besuch noch etwas Gutes zu geben: seit der Ankunft ist das Thema mit Kondenswasser durch. Die Wassertemperatur liegt mittlerweile bei 15° und die Luft ist auch entsprechend wärmer. Unser täglicher Kampf in den letzten 9 Monate hat sich jetzt wieder zum Positiven gewendet. Am Montag zur Mittagszeit schmeißen wir die Leine mit dem Ziel Rapa Nui los, noch ein kleiner Schwenk an Ulf´s Farvel vorbei, ein letzter Gruß und unsere Wege trennen sich nach über 6 Monaten zusammen unterwegs sein wieder. Ulf fährt zurück zur Küste und dann nordwärts nach Panama.

ein letzter Blick zurück auf die Robinsoninsel

Der Start war dann auch recht gut, aus dem Windschatten der Insel raus und wir konnten die Segel setzen, wobei es war nur eines war, die Genua. Für die Nacht sollte der Wind erst einmal wieder nachlassen und unser Motor müsste die Arbeit übernehmen, so ist es dann auch gekommen. Ab dem nächsten Morgen ging es dann schließlich unter Kraft des Windes voran. Dann meldet sich auch wieder mal unsere Angel, Fischalarm. Seit langer Zeit haben wir mal wieder einen am Haken und es ist zugleich unser größter Fang bisher, ein weißer Thun. Der wird dann auch gleich filetiert und ab in die Kühlung damit, ein erster Happen wird spontan zum Abendessen serviert. Ab Tag drei sollten uns die Ausläufer von einem Starkwindfeld treffen, bei der Wetterkontrolle stellt sich dann heraus, daß dieses seine Zugbahn ändert, zu unseren Ungunsten. Das werden wohl ein bisschen mehr als nur Ausläufer werden, das Zentrum erreicht uns dann wohl aber doch nicht. Die Aussichten: 40 Knoten Wind und Wellen bis 6 m bei nur 11 Sekunden Periode, keine schönen Daten. Der Wind macht uns da keine Sorgen, das kann man gut händeln, aber die Welle. Das wird wohl das Ungemütlichste seit unserem Start in Deutschland. Die Vorbereitungen dazu starten dann auch. Sabine kocht schon mal was zum Essen vor, an und unter Deck wird noch alles verstaut und verzurrt was geht. Vorsorglich setzten wir auch unser Kutterstag mit seinem Sturmsegel, besser haben als nicht. Bis dahin ist der Wind recht wechselhaft und eher schwach, wir dümpeln so vor uns hin und den angedachten Kurs können wir auch nicht halten, da kommt genau der Wind her. So fahren wir statt einen Nordwestkurs, einen Nordkurs. Erst einmal nicht so schlimm, aber um dem Windfeld wenigstens ein bisschen zu entfliehen, kontraproduktiv. Letztendlich warten wir auf den Wind und den damit einher kommenden Dreher. Der Wind fällt zusammen, jetzt ist es soweit. Keine 30 Sekunden später setzt der Wind ein, um 90° gedreht und mit 30 kn gleich recht ordentlich. Dieser beruhigt sich jedoch noch einer halben Stunde wieder und weht mit konstanten 20 kn, perfekt. Endlich können wir Kurs anlegen und kommen ordentlich vorwärts. Natürlich wird der Wind dann auch nach und nach immer kräftiger, wir passen unsere Segelfläche entsprechend an, alles läuft gut. Mit fortschreitender Zeit baut sich dann auch allmählich die Welle auf. Wir schaukeln uns so langsam ein, unsere „Dicke“ zeigt uns, für was sie gebaut worden ist. So zieht sie souverän ihre Bahn über und durch die Wellenberge. Verfluche ich doch bei dem ein oder anderen Hafenmanöver die vielen Pfunde die sie hat, freue ich mich jetzt umso mehr über jedes einzelne. Wir haben ganze 7 Tonnen Ballast im Kiel, mehr als viele Boote insgesamt wiegen und genau das ist es, was sie so geschmeidig ihren Weg bahnen lässt, auch wenn noch ein paar weitere Faktoren hier mit einwirken. Mit einem der neueren GFK-Boote wäre es wahrscheinlich eine Tortour, das hat sich schon bei einigen Charterbooten, die wir hatten, gezeigt und uns gelangt. Unsere „Moni“, die Windsteueranlage, gibt auch ihr Bestes. Bringt sie uns doch unbeirrt und zielgenau genau dahin, wie wir es wünschen, braucht keinen Strom und arbeitet 24 Stunden ohne zu meckern. Selbst als die 6 m Wellenhöhe und in Spitze 40kn Wind erreicht sind (jetzt stimmen auch mal die Vorhersagen), läuft alles gut, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Was aber nicht heißt, daß es ein Sonntagsausflug ist. Jeder Schritt und Handgriff müssen wohl bedacht sein und der Spruch „immer eine Hand am Schiff“, zählt umso mehr. Jeder Toilettengang wird wohl überlegt und bringt die ein oder andere Herausforderung mit sich. Bei diesen Bedingungen schafft es Sabine auch immer wieder etwas Essbares zu richten, eine Aufgabe, die mal besonderer Erwähnung wert ist und vor der man den Hut ziehen muss. Es ist ja auch nicht so, das es nur jetzt der Fall ist, der Zustand ist ja ein Dauerzustand, mal mehr, mal weniger heftig. Manchmal fragt man sich dann doch, wieso tue ich mir das überhaupt an. Es könnte so schön und einfach sein, Hotel, Strand und Meer. Stimmt, da war ja was…  

ein weißer Tunfisch

Nach 24 Stunden mit Windstärken um die 35kn lässt der Wind auch langsam nach und bleibt dann zum Glück mit 20kn noch recht stabil erhalten. In der Nacht dann ein immer wiederkehrendes und nicht zuzuordnendes Geräusch. So geht’s um 1 Uhr in der Früh in voller Montur auf das Vorschiff, natürlich gesichert, um nach dem Rechten zu sehen, nichts Auffälliges zu erkennen, da muss ich nochmal bei Tageslicht nachschauen. Zum Glück kommt während dieser Zeit kein Brecher über das Schiff, so komme ich wieder trocken ins Cockpit zurück. Wieder alles ausziehen und versuchen noch etwas zu schlafen.

Bis sich die Welle letztendlich auf ein angenehmes Maß abgebaut hat dauert es weitere 36 Stunden. So können wir noch weiter unter Segel unsere Bahn ziehen. Das gute an diesem Windfeld ist außerdem, daß es von einem Hochdruckgebiet stammt, so bleibt es meist sonnig und trocken.

Irgendwann ist Wind und Welle dann so weit stabil bzw. abgeklungen, daß wir auch unser Großsegel mit zur Genua setzen, aber nicht bevor das Sturmsegel wieder verstaut worden ist. So geht es jetzt mit etwas mehr Tempo unserem Ziel entgegen. Leider tun wir uns beide etwas schwer in einen Rhythmus zu kommen, die ungewohnten Schlaf- und Essenszeiten zollen ihren Tribut. Uns geht es nicht wirklich schlecht, gut ist aber auch etwas anderes. So kommt es dazu, daß ein Großteil von unserem Fisch über Bord gehen muss, leider. Wir finden keine Möglichkeit ihn zu verzehren oder zu verarbeiten, die Option der Tiefkühlung haben wir aktuell nicht. Unsere Kühlbox die das könnte, ist voll mit Gegenständen die nur Kühl gelagert werden. Sämtlich Einmachgläser sind voll, da muss erst einiges verbraucht werden. Da werden wir uns nochmal schlau machen müssen, was für Optionen beim nächsten Fang zur Verfügung stehen. So vergehen die nächsten Tage ohne weitere Vorkommnisse, die Aussichten bleiben erst einmal stabil. Wir kreuzen vor dem Wind, um im für uns passenden Windfeld zu bleiben, müssen so ganz nebenbei einer Fischfangflotte großräumig ausweichen, die wir auf Marinetraffic sehen, aber sonst. Ach ja, eine kleine Gruppe von Delphinen hat uns mal kurz besucht, natürlich als wir gerade an Deck mit dem Sturmsegel beschäftigt waren, ansonsten hätten wir sie vielleicht auch gar nicht bemerkt – und ein einziges weiteres Schiff, das wir über AIS gesehen haben, für visuell war es zu weit weg.

Nach 8 Tagen haben wir dann schließlich Bergfest, wir haben nun seit der Robinsoninsel 1000sm im Kielwasser und noch Luftlinie 850sm vor uns. Wenn die Fangflotte uns nicht noch um einen weiteren Bogen zwingt oder das Wetter uns nochmals einen anderen Kurs vorgibt, sollten wir die Hälfte geschafft haben. Am weiteren Tagesverlauf steht noch ein Wechsel der Windsysteme an, wir müssen von einem Hochdruckgebiet in das nächste wechseln. Das bringt immer etwas Wetterküche mit sich. Von wechselnden Winden in Richtung und Stärke soll es auch einmal Regen geben, der uns von der Salzkruste auf dem Boot befreit. So sind dann Winddreher um 90° zu bewerkstelligen und Böen die mal 3Bft über den herrschenden Verhältnissen sind, bevor ein großes Flautenloch kommt, in dem wir nur noch unter Maschine voran kommen, um dieses zu überbrücken. Bei einem der Winddrehern, bei denen wir eine Halse fahren, stelle ich auf einmal fest, daß der Baumniederholer nur noch lose am Baum hängt, da ist wohl was kaputt gegangen. Natürlich wieder in der Nacht, im Dunkeln. Das Problem ist schnell ausgemacht und auch mit Bordmitteln recht einfach zu erledigen. Nur im Dunkeln auf Deck rumturnen mit der Stirnlampe und Werkzeug/ Material ausgerüstet, nochmal eine extra Herausforderung. So geht es später eben durch besagtes Flautengebiet in dem ich am Überlegen bin, unser bis dahin im 2. Reff gefahrenes Großsegel für die spätere Fahrt etwas mehr Tuch zu geben und in Reff 1 zu gehen, es sind ja gerade etwas ruhigere Verhältnisse. Sabine schläft gerade und ich verkneife es mir, was sich kurze Zeit später als Glücksfall herausstellt. Sind in der Flaut gerade nur 4 Knoten Wind, begrüßt uns das neue Hochdruckgebiet binnen Sekunden wieder mit einem starken Winddreher, wenn man von Wind überhaupt sprechen kann bei 4kn zuvor, und einer Windzunahme auf 35kn, mal eben Windstärke 8Bft (erwähnte ich schon, daß es wieder mal mitten in der Nacht ist?!). So ist der Kampf mit etwas weniger Segel dann doch etwas einfacher, das Boot auf den richtigen Kurs zu halten. Nach etwa einer halben Stunde beruhigt sich das ganze schließlich auch wieder und pendelt sich um die 25kn aus Süd ein, immer noch mehr als ausreichend. So kommen wir zügig weiter durch die Dunkelheit und können endlich wieder mal direkten Kurs auf Rapa Nui, unserem Ziel, nehmen. Dieses Hoch sollte uns die nächsten Tage erhalten bleiben, bis es wohl kurz vor dem Ziel nochmal gegen ein anderes getauscht werden muss. Ich hoffe schon jetzt insgeheim, daß es uns der Wechsel nicht wieder 24 Stunden auf Trab hält.

so sehen Winddreher (links) und Windzunahmen (rechts) auf den Instrumenten aus

Zwischenzeitlich kommen wir an der Fangflotte vorbei – ein paar Signale auf dem AIS-System, mehr zu sehen gibt es nicht. Diese Fangflotten sind schon gigantisch aufgezogen. Da gibt es ein großes Mutterschiff, das den Fang der etwas kleineren Fischerboote aufnimmt und noch mit einem Helicopter ausgestattet ist, um aus der Luft die Fischschwärme auszumachen und eben die Fischerboote entsprechend leitet. Die Netzbojen sind dann mit AIS-Sendern ausgestattet, die wohl zusätzlich auch noch deren Füllstände übermitteln. Und zu guter Letzt kommt noch ein Tankschiff vorbei, das die Flotte mit Treibstoff versorgt. Kein Wunder, daß unsere Meere immer mehr überfischt werden. Mit etwas Abstand tauchen dann weitere Signale auf; ein paar Einzelne, die etwas außerhalb der Meute unterwegs sind, fischen hier. Wir können problemlos zwischen den Bojen durchfahren und sehen in der Nacht auch am Horizont einen Lichtschein der hellauf beleuchteten Boote.

Die Welle hier auf dem südlichen Pazifik bleibt leider unangenehm, was freue ich mich in den Passatgürtel zu kommen. Eine Windrichtung gleich einer Wellenrichtung. Aber bis dahin wird es noch sehr lange dauern, da er erst so auf dem 16ten bis 17ten Breitengrad einsetzt, im Moment bewegen wir uns auf dem 27ten.

An Tag 13 steht dann der besagte zweite Frontenwechsel auf dem Programm. Laut dem letzten Wetterbericht sollten wir Glück haben und soweit überhaupt ohne Flautenloch durch kommen. Wie beim letzten auch, verabschiedet sich auch dieses nochmal mit ordentlichen Böen. Der Wind schläft ein, dreht um 180° und legt gleich wieder ordentlich vor, alles wie schon mal, nur eben ohne Flaute. Doch nach einer halben Stunde schläft der Wind wieder ein. Soweit, daß sogar die Maschine angeschmissen wird und die Segel geborgen werden müssen, komisch. Bis wir den nächsten Wetterbericht einsehen können dauert es etwas, Starlink baut irgendwie keine Verbindung auf. Bei diesem Gerolle auch kein Wunder, viel Welle und kein Wind in den Segeln, die das Ganze etwas stabilisieren würden. Bis es dann endlich soweit ist, sehen wir uns am Beginn einer großen Flaute stehen, so schnell kann es sich ändern mit dem Wetterbericht hier. Bis die Maschine wieder zur Ruhe kommt vergehen schließlich 6 Stunden, in der ich auch wieder einmal unseren Wasservorrat etwas aufbessere, in dem ich unseren Wassermacher aktiviere. Der Vorteil dieser Flaute ist schließlich auch, das sich gaaanz laaangsam die Welle beruhigt und als der Wind dann schließlich mit einer leichten Brise einsetzt, diese auch genutzt werden kann. So geht es dann langsam, aber immerhin unter Segel, dem Ziel entgegen. Nach den letzten Tagen in denen wir immer ein Etmal von über 150sm hatten, war schon die Befürchtung wieder mitten in der Nacht bzw. in den frühen Morgenstunden anzukommen. Dies hatte sich jetzt von selbst erledigt. Die Gefahr besteht im Moment eher, das wir erst am Folgeabend ankommen, auch wieder im Dunkel. Aber da hoffe ich noch, daß der Wind wieder etwas zulegt, dann sollte es bei Tageslicht klappen. Letztendlich sind wir gegen 13 Uhr Ortszeit angekommen, ohne weitere Vorkommnisse. Noch eben über Funk bei den Behörden melden, was sich als etwas schwierig herausstellt. Unser Gegenüber kann kein Englisch und wenn er in Spanisch redet, versteht ihn Sabine nicht. Zu schnell und über Funk auch zu undeutlich. Nach kurzer Wartezeit kommt noch eine 3te Person an einem anderen Funkgerät mit über den Äther, der zwischen uns und dem Offiziellen dolmetscht. Es war dann so, daß wohl die Kollegen schon in der Bucht standen, die wir mit unserem Fred besuchen sollten, um unsere Papiere zu zeigen. Wir lehnten dies aber ab, da uns die Bedingungen mit Welle und Brandung zu rau waren. Da hätten wir Fred erstmal bei dem Geschaukel startklar machen müssen und noch dazu den großen Außenborder anbauen, nein Danke. Schließlich haben wir uns dann darauf geeinigt, uns zu melden, wenn die Bedingungen für uns passen, die Kollegen würden dann halt wieder kommen. Alles sehr nett und freundlich. So, jetzt haben wir auch genügend Zeit erst einmal richtig anzukommen, morgen sollten die Bedingungen besser werden.

Hier noch ein paar Zahlen für die Statistik zum Tripp: von der Robinson Insel bis zu unserem Ankerplatz waren wir 1945 sm Nonstop unterwegs und das Ganze hat genau 339 Stunden gedauert, sind dann 14 Tage und 3 Stunden. Macht ein Etmal von 138sm im Schnitt, wobei der niedrigste bei 107 und der höchste bei 156sm lag. Wir waren ca. 11 Stunden unter Motorkraft unterwegs, der Rest alles unter Segel. Nicht schlecht für uns.

Und nun will auch Sabinchen noch ein paar Gedanken mit einwerfen:

Es ist Montag morgen, der 1.9. gegen 8 Uhr. Der Skipper horcht noch an seiner Matratze und ich sitze im Cockpit, als an Steuerbord die ersten Schemen einer Erhebung auszumachen sind. Wir haben die Osterinsel vor dem Bug. Kann ich Euch beschreiben, wie sich das anfühlt?

Es ist ein Gefühl aus Stolz „chaka, ich habe Land gefunden“, „wir haben alles gemeistert“ und „Gott sei Dank ist das Elend vorbei“.

Was meine ich damit? Früher habe ich immer gesagt „Blauwassersegeln ist toll. Kein Land, nur Meer und diese Ruhe“. Gut, ich hatte am Anfang immer mal einen Tag Seekrankheit. Aber das legte sich nach dem einschaukeln und ich hatte keine Probleme mehr. Aber jetzt? Nun, jetzt bin ich in der hormonellen „Zwischenphase“ im Leben einer Frau und mein Körper, vor allem mein Magen-Darm-Trakt lehnt das permanente Durchruckeln und den Schlafmangel irgendwie ab. Ich bin nicht Seekrank, habe aber ein permanent flaues Gefühl und Magen und Darm drehen total durch.  Dies beginnt meist ab Tag 4 und zieht sich so durch. Bei starkem Seegang geht es mir sogar besser als bei diesem leichten hin- und hergerolle. Die Welle mit 6 Meter und entsprechendem Wind hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Daher sind längere Passagen wie jetzt die 14 Tage ein Graus für mich und so sind meine Gefühle beim Land finden, extrem toll.

Jetzt kann ich auch Johannes verstehen, der nach unserem Überführungstörn von Griechenland nach Kiel feststellte „Blauwasser ist nix für mich, ich bleib beim Buchtenhopping“, da er sich auch permanent müde fühlte und nicht schlafen konnte.

Und sonst so? Na, wenn nicht gerade starker Wind und Welle einen beschäftigen, ist es doch eher langweilig.  Man kann nicht viel tun, da arbeiten unter Deck beim dem Gerolle eher kontraproduktiv für den Körper ist. Alleine das Kochen ist schon anstrengend, da man die Schiffsbewegung ja ausgleichen muss. Dazu kommt der Bewegungsmangel – ich hatte mir vorgenommen, jeden Tag Gymnastik zu machen. Aber auch das lässt man bleiben bei ständiger Bewegung des Schiffes in allen Richtungen. Da ist festhalten angesagt. Also sitzt man im Cockpit, stiert vor sich hin und langweilt sich einfach. So, nun wisst ihr, daß ich mich wie Schnitzel freue, Land zu sehen. Juhu: Iorana RAPA NUI.

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Auf geht´s zur Mutter

Im Moment sind wir ja etwas zwiespältig unterwegs, auf der einen Seite gibt es diese unglaubliche Natur zu bestaunen und zu genießen, auf der anderen Seite ist das Wetter nicht sonderlich einladend. Außerdem muss da noch das Ganze mit dem Weiterkommen kombiniert werden. Der Nachteil bei unserer Route ist ja, daß wir uns eigentlich entgegen der vorherrschenden Windrichtung bewegen, günstiger wäre es hier, von Nord nach Süd unterwegs zu sein. So sind dann eben einige Komponenten mehr zu berücksichtigen bei der Planung der einzelnen Etappen. Sind wir doch noch in den „wilden“ 50iger Breitengraden unterwegs, hier an der Westküste prallen bekanntlich die vielen Tiefdruckgebiete das erste Mal auf Land, Schutz bieten hier nur die mehr oder weniger vorgelagerten Inseln Patagoniens. Die Windgeschwindigkeiten, die hier so als Standard gelten, sind weit weg von angenehm, was man so kennt und so ein Tief bringt dann auch ordentlich Feuchte mit sich. So wollen wir, neben dem Besuch der Highlights, recht schnell weiter nach Norden kommen. Neben dem täglichen Überprüfen vom Wetterbericht kommt es dann zur Planung der Etappen. Die abgestimmt auf Erreichbarkeit der einzelnen Ankerplätze und deren Schutz für das angesagte Wetter beinhaltet, das Ganze noch vorausschauend für weitere Tage. Der Wetterbericht selbst stimmt aber höchstens die nächsten 2 Tage, der Rest kann man als Tendenz sehen, mehr nicht. So werden auch fast täglich die Pläne geändert oder komplett verworfen. So ist unser erstes großes Etappenziel, Puerto Eden. Eine der entlegensten Siedlungen in Chile, die auf einer Insel auf dem 49sten Breitengrad liegt, raus aus den Wilden, rein in die Brüllenden. Außerdem ist es der erste Anlaufpunkt seit Puerto Williams, um uns wieder mit Lebensmitteln und Treibstoff zu Versorgen.

So hatten wir an unserem letzten Ankerplatz, der Caleta Teokita einer gut geschützten Bucht, einige Tage Winde bis zu 50 kn ausgesessen; nicht vorzustellen, was draußen los war. Am ersten Tag, nachdem sich alles wieder beruhig hat, ging es dann eben weiter zur nächsten Bucht, deren Name Puerto Mardon war. Bei trockenen Bedingungen und verhältnismäßig warmen Temperaturen ging es, meist unter Maschine, unserem Ziel entgegen. Unterwegs sind dann auch die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken durchgebrochen, die ersten seit über einer Woche. Pünktlich zum Anlegen sind dann, innerhalb von einigen Minuten, alle Wolken verschwunden. Strahlend blauer Himmel, den wir dann noch in unserem Cockpit genießen konnten.  Mit einer Fahrt zum Ufer mit unserem Fred wollten wir zusammen mit Ulf noch einen Spaziergang unternehmen, der sichtbare Wasserfall hat dazu eingeladen. Das musste leider unverrichteter Dinge abgebrochen werden, kein durchkommen in der Vegetation am Ufer. Am nächsten Tag haben wir dann auch schon wieder den Channel Smyth verlassen, in dem wir seit der Magellanstraße unterwegs waren, unser Ziel die Caleta Columbine. Bei dem Wortwitz war der Platz eigentlich Pflicht. Eine weitläufige Bucht in der wir nur unseren Anker haben fallen lassen müssen, das verspannen mit Landleinen war nicht nötig, auch mal schön und zeitsparend. Sowohl das Ausbringen als auch das Einholen am nächsten Tag bedarf doch schon etwas Zeit. Die Etappe war nicht sonderlich lange, so hatten wir einen entspannten Nachmittag. Am Abend legte der Wind unerwartet zu und es wurde ganz schön schaukelig auf unserem Zuhause. In der Nacht geht unser Ankeralarm los, der Wind hatte weiter zugelegt, schnell unsere Position genau überprüfen. Und ja, wir sind gedriftet. Aber der Anker hat sich gleich wohl wieder selbst eingegraben und hält jetzt wieder. Noch zur Sicherheit etwas Ankerkette nachgeben und wieder ab ins Bett, der Rest der Nacht war dann soweit ohne weitere Vorkommnisse. Die für den nächsten Morgen angedachte, entspannte Weiterfahrt, war dann doch etwas sportlicher. Zum Glück waren es nur 10 sm bis zur Calete Theleme, die aber gemacht werden mussten. Die weitere Vorhersage für die nächsten Tage waren, sagen wir mal milde ausgedrückt, nicht gerade berauschend und die weite Ankerbucht hätte uns da nicht genug Schutz geboten.

Wir sind rechtzeitig dort und können noch gleich einen kleinen Landausflug starten, Beine vertreten und wieder Neues entdecken. So sind wir hier dann für 3 Nächte geblieben, bis wir weiterkonnten. Das Barometer war von 1012 auf 965 hPa gefallen, Böen von über 50kn sind über uns weggezogen. Verspannt mit 4 Landleinen, hat aber alles gut gehalten. Für die folgenden Tage war dann mal ruhigeres Wetter gemeldet, was für unser nächstes Ziel von Vorteil ist. Zuvor noch einen kleinen Zwischenstopp in der Caleta Moonlight Shadow, in der wir uns mit einer Bug- und einer Heckleine verspannen und der Caleta Wanderer.

Laut unserem Buch eine kleine Bucht, in die man vor Anker gehen kann, zusätzlich noch Landleinen ausbringen und gut. Bei Ankunft stellten wir fest, dass die Fischer hier quer in der Einfahrt eine Leine gespannt haben, kurzerhand ankern wir vor der Bucht und bringen die Leinen beim Eingang der Bucht an. Die vorgelagerte Insel sollte genug Schutz für die Nacht bieten, in der es ruhig bleiben soll. Ulf der immer kurz hinter uns einfährt legt sich einfach längsseits der Fischerleine, mit seinem kleineren und deutlich leichteren Boot kein Problem.  Am nächsten Tag erwartet uns dann eben der nächste Höhepunkt, der Amalia-Gletscher. Bei absoluten windstillen Bedingungen suchen wir uns einen Weg zwischen den Eisblöcken hindurch, um möglichst nah an dieses beeindruckende Gebilde zu kommen. Man bewegt sich wirklich im Schritt-Tempo durchs Eis, weicht möglichst vielen aus, und wenn es nicht anders geht auch mal mitten durch, aber immer schön vorsichtig. Als wir beschließen, jetzt ist es gut und das Eis wird zu dicht, stellen wir unseren Motor aus und genießen das Spektakel dieser Eisgiganten. Ein unaufhörliches Donnern und krachen, das nur erahnen lässt, wie sich die Eismassen bewegen, nichts weiter ist zu sehen. Irgendwann kalbt der Gigant dann doch ein wenig und ein kleiner Teil der Eismassen stürzen ins Wasser, was für ein Schauspiel. Irgendwann geht es dann wieder zurück, um unseren nächsten Ankerplatz aufzusuchen, die Caleta Amalia. Der Name ist natürlich Programm, den Gletscher vom Ankerplatz weiter im Blick.

Am Tag darauf gleich ein Fjord weiter zum nächsten Gletscher, der Brujo, hier ein ganz anderes Bild. Während der Amalia eine Menge an Geröll mit sich getragen hat, ist dieser fast schon rein in seinem Eisbild, das unglaubliche Blau leuchtet noch intensiver. Auch dieses Szenario können wir eindrucksvoll genießen bevor wir uns auf dem Rückweg machen, unser Ziel diesmal, die Caleta Valdivia.

Auch hier heißt es erstmal, Wetter aussitzen, der nächste Tag bringt Dauerregen in seiner übelsten Form. Die Szenerie am darauffolgenden Tag ist dann auch wieder besonders eindrucksvoll mit seinen tief liegenden Wolken. In der Caleta Pico werden wir, wie so oft, wieder mal von Delphinen empfangen. Das besondere war aber, daß die Bucht recht steil ins Wasser fällt und unser Anker hier in 20 m Tiefe fällt, bevor er auf Grund trifft, den Delphinen schein es zu gefallen. Beim Ausbringen der Leinen kreisen sie um Fred, so daß dieser ganz schön am schaukeln ist. Nachdem unsere JOSA sicher verspannt ist, gehe ich noch eine Runde mit den Delphinen spielen, ein schönes Erlebnis. Der spätere Versuch, sich mal wieder an Land die Beine zu vertreten bleibt leider ebenfalls erfolglos, zu dicht der Bewuchs.

Unser nächster Stop war dann die Caleta Neruda, ein schmaler Seitenarm, der uns Schutz gibt für die Nacht. In der Bucht kommt dann auch mal kurz ein Seelöwe vorbei und schaut nach dem Rechten. Die Caleta Greenpeace hat ihren Namen vom Buchautor bekommen, wirklich schön dieser Platz mit vorgelagerten Inseln. Wir finden auch einen Weg durch die Vegetation und können eine schon fast ausgedehnte Wanderung unternehmen. Es wäre auf jeden Fall noch einiges mehr gegangen, leider hat es der Wettergott nicht gut mit uns gemeint und Regen angekündigt, wie wir ihn von weiten sehen, machen wir uns auf den Rückweg und kommen gerade am Boot an, als es zu regnen beginnt, Timing ist alles. Nichts desto trotz, war es eine schöne Wanderung über die Moorebene auf die kleine Anhöhe hinauf, um den Blick über die große Bucht gleiten zu lassen. Auch hier verbringen wir einen weiteren Tag im Regen. Der Regen war dann zwar nicht so ausgiebig, aber für einen weiteren Landgang war es dann doch etwas zu viel.

Ein weiter Hauptgrund, die Weiterfahrt noch auf den nächsten Tag zu verschieben war: es kommt Südwind. Dieses seltene Phänomen sollte für einen längere Etappe gut genutzt werden, die vor uns lag. Dieser Wind sollte uns bis zu unserem nächsten Highlight bringen. Und so kam es, daß wir die 40 sm fast ausschließlich unter Segel zurücklegen konnten, hier und da eine kleine Abbiegung und dann kommt er schon von weitem zu Vorschein, der Gletscher der Gletscher, oder „Mutter“ aller Gletscher, im südpatagonischen Eisfeld. Es ist der größte Gletscher auf der südlichen Erdhalbkugel außerhalb der Antarktis. Der Gletscher hat eine Länge von 66 km, die Abbruchkante hat eine Breite von fast 5 km und ist bis zu 80 m hoch, die Fläche erstreckt sich auf ca. 1300 km², die Rede ist vom Brüggen-Gletscher, auch Pio XI genannt. Der Name Brüggen kommt von einem deutschen Geologen, der Pio XI von einem Papst, der begeisteter Bergsteiger war. Aber was sich da vor unseren Augen aufbaut ist einfach nur der Hammer, die Ausmaße unglaublich. Der Vorteil vom heutigen Südwind ist, die Zufahrt ist komplett eisfrei. Wir können ohne Probleme so nah ran an das Ungetüm, wie wir es uns aus Sicherheitsgründen her trauen. Sollte hier eine der großen Eistürme abbrechen, entstehen schon gewaltige Wellen, die uns gefährlich werden können, Sicherheit geht vor. Der Nachtteil, durch den mittlerweile schon recht kräftigen Wind hat sich auf der Länge vom Fjord doch schon einiges an Welle aufgebaut. Um nicht Richtung Gletscher getrieben und ein Spielball der Natur zu werden, müssen wir in Bewegung bleiben. Maschine aus und das Spektakel genießen ist nicht möglich, nachdem wir unser Segel geborgen hatten. Trotzdem bleibt es ein unvergessenes Erlebnis, wir wollen von unserem Ankerplatz aus nochmal eine Tour mit Fred zum Gletscher machen, eine kleine Wanderung inbegriffen. So geplättet von den Eindrücken geht es jetzt erst einmal zum Ankerplatz, der nicht weit weg ist, leider bietet dieser keinen Blick auf den Gletscher, wäre auch zu schön gewesen. Bei der Anfahrt sehen wir, daß sich eine kleine Eisscholle in unsere Bucht verirrt hat, das wird eng mit zwei Booten. Aber auch das bekommen wir in den Griff und sind kurze Zeit später sicher verspannt in der Caleta Sally untergebracht.

Erst zwei Tage später, in einer Regenpause, sind wir dann nochmal mit Fred los zum Gletscher. Wir wollten in einer kleinen Bucht unser Beiboot ankern, um dann den Rest zu Fuß zu erledigen, einfach auch, um unsere Beine wieder mal zu vertreten. So ging es dann erst einmal am steinigen Strand entlang, um einen Eingang durch die dichte Vegetation zu finden, am Strand entlang ist kein Durchkommen. Mit der Machete bewaffnet, wo ein Wille da auch ein Weg, sind wir auf eine kleine Ebene gelangt, die „nur“ mit Moosen bedeckt war. Auf diesem Moosteppich muss aber auch erst einmal der Weg gefunden werden. Man sinkt hier bei jedem Schritt 5- 20 cm wie in einem Schwamm ein, dazwischen immer wieder feuchtere Stellen, die man nicht betreten sollte, sonst ist man bis zum Knie eingesunken. Da haben wir aber schon einen geschulten Blick für, und der Abschnitt wird ohne größere Probleme gemeistert. Der nächste, ich nenne es mal „Waldabschnitt“, ist voraus und verlangt nach einem guten Blick, um sich da durch zu kämpfen. So eine unberührte Landschaft hat so seine eigenen Herausforderungen. Immer wieder geht´s zum Strand zurück um da ein paar einfache Meter gut zu machen, um dann wieder ins Unterholz zu verschwinden, um sich den Weg zu bahnen. Immer wieder ist das laute Donnergrollen zu hören, der vom Gletscher ausgeht, aber sehen können wir nichts, zumindest sind wir auf dem richtigen Weg. Nach einer ganzen Weile mühsamer Wegfindung, kommen wir an einen weiteren Küstenabschnitt mit Blick auf den Gletscher. Mmmh, immer noch ganz schön weit weg. Wir verweilen ein wenig, um uns den Gletscher genauer zu betrachten, beschließen aber letztendlich, wir wollen näher ran. So sind wir dann wieder zurück zu unserem Beiboot, um mit diesem weiter nach vorne zu gelangen, da gibt es noch einen weiteren Strand weiter vorne. Der Weg zurück gestaltet sich fast genauso schwierig, da wo du vor 5 min gelaufen bist, ist davon nichts mehr zu sehen, kein Fußabdruck oder ähnliches. Der schwammartige Boden leistet hier ganze Arbeit, der Weg muss meist neu gefunden werden. So sind wir dann doch irgendwann wieder bei unserem Fred gelandet, um diesen wieder zu bemühen. Kurz bevor wir den Gletscher ums Eck zu Gesicht bekommen, ein imposantes Donnergrollen, wieder kein kalben vom Gletscher gesehen. Das Einzige was wir noch mit bekommen ist die große Welle, die der Abbruch ausgelöst hat. Der angedachte Strand, weiter vorne, war dann aber auch noch komplett mit gestrandeten Eisschollen belegt, der Rest nur steile Felsküste, ein anlanden unmöglich. So sind wir dann einfach in sicherem Abstand zum Gletscher gefahren und haben uns treiben lassen. Die Geräuschkulisse ist schon unglaublich, ein ständiges knacken, krachen, Donnern, mal hell, mal dumpf im Klangbild, aber nichts zu sehen. Alles passiert im Innern und lässt nur erahnen, was sich da abspielt. Ab und an dann doch noch ein lautes Donnergrollen, der Gletscher kalbt. Eisstücke brechen ab und schlagen aufs Wasser auf, eine Wasserfontäne steigt empor und eine Welle wird ausgelöst, unglaublich dieses Schauspiel.

Was wir sehen, sind aber nur recht kleine Abbrüche, sehen wollen wir eigentlich mal einen der Größeren, so wie wir sie schon jetzt einige male gehört hatten. Die größeren Eisschollen, oder sagt man da schon Eisberge, die hier schwimmen, sagen jedenfalls eine andere Sprache. So sind wir dann über eine Stunde geblieben, Sprühregen hatte mittlerweile auch wieder eingesetzt, bis wir ziemlich durchgefroren uns dann auf den Rückweg gemacht haben.

ein sehr kleiner Abbruch

Letztendlich hat Murphys-Gesetz zugeschlagen, kaum waren wir einige hundert Meter weg, wieder einmal ein ohrenbetäubendes Donnergrollen. Alle Drei drehen wir uns um und sehen nur noch eine riesige Wasserfontäne, gefolgt von einer ebenso riesigen Welle. War ja klar, daß, wenn wir uns auf den Rückweg machen, so ein großes Kalben stattfindet, wie wir es gerne gesehen hätten, schade. So sind wir dann noch an einen der großen Eisschollen gefahren und haben uns das Ganze von Nah angeschaut, dieses Blau ist einfach magisch und die Klarheit vom Eis faszinierend. Wie Alt mag es wohl sein? So sind wir dann trotzdem, auch wenn uns der große Augenblick verwehrt worden ist, mit neuen Eindrücken glücklich zurück zu unserm Ankerplatz gefahren. Der Wetterbericht hat uns schließlich in 2 Tagen einen Südwind vorausgesagt, der will genutzt werden. So sind wir am nächsten Tag erst einmal mit dem Nordwind Richtung Süden aus dem Fjord raus gefahren in die nächste Ankerbucht, der Caleta Lucrecia, um die Nacht hier zu verbringen. Am darauffolgenden Tag sollte uns der angesagt Wind dann nach Norden bis Puerto Eden bringen. Am Morgen sind dann noch einige Schauer über uns hinweg gezogen, da es aber nur 25 sm bis zu Ziel waren, hatten wir es nicht eilig los zu kommen und hörten dem ganzen aus dem Bett zu. Anker auf hat es dann um 11 Uhr geheißen. War es zu beginn noch schwachwindig, unsere Eisengenua (Motor) musste herhalten, hat ein weiterer Schauer dann den Wind mitgebracht. Von nun an konnten wir unter Segel bei herrlichen Bedingungen unserem Ziel entgegensteuern, Zivilisation! Puerto Eden, eine der entlegensten Siedlungen von Chile, unser erster Anlauf- und Versorgungspunkt nach 2 Monaten Einsamkeit.

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