Autor: Jochen (Seite 1 von 4)

Kurs Süd

Im strömenden Regen geht es zu der letzten Station in der Vava´u-Gruppe. Wir müssen ja zwischen den einzelnen Inselgruppen immer wieder aus-/ einchecken und hierfür müssen wir zurück nach Neiafu. Wir finden auch gleich eine freie Boje, was hier nicht üblich ist. In einer kurzen Regenpause gehen wir auch gleich zu der Behörde, um alles zu erledigen. Da schon wieder Mittag ist gönnen wir uns noch ein letztes Essen in der Mangobar, bevor es zurück zur JOSA geht und wir gleich die Leine von der Boje lösen. Wir machen uns auf, um an einer der südlichen Inseln vor Anker zu gehen und uns so die Zeit am nächsten Tag zu sparen. Mit 60 sm ist es eine Distanz, die wir bei kalkulierten 5 kn gerade so bei Tageslicht schaffen können. Wir brechen auch am nächsten Morgen mit dem ersten Tageslicht auf. Die Wind- und Wellenverhältnisse sind angenehm und 1 Stunde vor Sonnenuntergang fällt der Anker an einem der nördlichen Ankerplätze in der Ha´apai-Gruppe. Am nächsten Morgen geht´s dann weiter zu einem lauschigen Platz etwas weiter südlich, die Entfernungen hier sind nicht all zu weit. Heute ist Samstag und das Büro für die Einreise geschlossen. Wir nehmen über WhatsApp Kontakt zu der Dame auf und vereinbaren, am Dienstag zum Check-in vorbei zu kommen. Für die nächsten Tage ist Südwind vorhergesagt, der Ankerplatz in Pangai‘i wäre hier total offen. So liegen wir vor der Insel Uoleva, auf der es nur 4 kleine Urlaubsresorts gibt. Wir haben noch Glück und können uns einen schönen Platz aussuchen, wo es keine Bommies unter Wasser gibt. Die Schiffe, die nach uns noch eintreffen, haben dann weniger Glück und müssen ihre Kette mit Schwimmbojen ausstatten, die die Kette über dem Grund schweben lässt. Die meisten der Boote, die sich gerade hier befinden, sind eben hier um Schutz zu suchen – es sind aber auch keine zehn Boote, alles überschaubar. So treffen wir auch alte Bekannte wie die Silverwind wieder und lernen neue Crew´s kennen. Am Abend sind wir alle im Pepa´s Resort, um gemeinsam einen Sundowner zu genießen. Hier buchen wir dann auch ein Abendessen für uns, um am nächsten Tag Sabines Geburtstag zu feiern. Ansonsten gibt es noch ein kleines Strandfeuer, wo wir mit der Silverwind und einer anderen Crew einen weiteren schönen Abend verbringen. Letztendlich geht es dann zurück nach Pangai‘i, um der Behörde einen Besuch abzustatten. Wir machen unsere Anreise klar und machen auch gleich unsere Abreise perfekt. Wir wollen zwar noch ein paar Ankerplätze erkunden, wollen aber einem weiteren Besuch hier entgehen.

Wir verbringen noch ein paar Tage „unter dem Radar“ vor Anker. Bei einem Ankerplatzwechsel sehen wir die Santa Maria Australis mit Jeanette und Wolf kommen – Freunde, die wir von 1,5 Jahren in Puerto Williams kennen gelernt haben. Sie sind von dort nach unserer Abfahrt in Richtung Brasilien gestartet und über den Panamakanal wieder in den Pazifik gesegelt. Wir haben ihre Route schon länger im Auge und dachten, daß wir uns knapp verpassen werden – weit gefehlt! Wir verabreden uns am nächsten Ankerplatz und die Wiedersehensfreude ist groß und wir verbringen gemeinsam etwas Zeit mit ihnen und ihren mitsegelnden Gästen. War das schön, wieder in Patagonien-Erinnerungen zu schwelgen. Die nächsten Etappen bis nach Tongatapu sind wir gemeinsam unterwegs. Hier ist denn auch unser letzter Stopp in Tonga, die Abfahrt nach Neuseeland steht vor der Tür.

Wiedersehen mit Jeanette und Wolf

Auf Tongatapu ankern wir vor der Hauptstadt Tongas, Nuku’alofa. Dachten wir zunächst, daß es sich hier um eine großzügige geschützte Bucht handelt, so müssen wir feststellen, dem ist so nicht, viel höher als die Palmen erhebt sich die Landmasse nicht. Wir ankern auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt vor einer Insel bei „Mama’s Yacht Club“, der früher wohl so mal existiert hat. Nach dem Tsunami von 2009 ist aber alles hier in Tonga nur so ein bisschen wieder im Aufbau. Wir sind dann dort auch gar nicht an Land, um uns vorzustellen. Denn eigentlich gibt es wohl am Wochenende Drinks und Essen und auch ein Taxi-Boot-Service wird angeboten. Wir mühen uns lieber mit dem Dinghy ab, um in die „Stadt“ zu kommen und unsere Behördengänge zu machen. So sind wir flexibel, das Taxiboot fährt wohl nur 3 x am Tag.

alles Flach in Nukaálofa

So gehen wir auch am ersten Abend gleich mal an Land und versuchen einzuchecken. Leider schon geschlossen. Die Crew von der Santa Maria kommt nicht herübergefahren, da es zu viert in ihrem Dinghy viel zu wellig ist und sie alle komplett nass wären – und das Taxi fährt heute nicht mehr. So gehen wir leider nicht gemeinsam zu einem Abendessen, so wie es geplant war. Aber wir gönnen uns ein leckeres Essen in einem sehr schönen Restaurant – was war das lecker und sooo verdient.

Wir liegen vor Anker bei über 20 kn Wind und einer kleinen Welle die sich von der Insel bis hierher aufbaut, die aber die Dinghyfahrt zur Stadt interessant macht. An Bord unserer JOSA merken wir davon überhaupt nichts, nur wenn wir den Kopf zum Cockpit rausstrecken, fühlen wir den Wind. Das Ein- und Aussteigen in unseren Fred ist dagegen eine große Kampfansage.

Am nächsten Morgen geht es wieder in die City. Die Santa Maria hatte noch vor unserem Aufstehen ihr Boot in die Nähe des Stadthafens verlegt, da sie heute ausreisen werden und nach Fiji lossegeln. So treffen wir diese am Dinghy-Dock, als wir ankommen und gehen gemeinsam zu den Behörden. Wenn wir schon nicht Abendessen waren, wollen wir jetzt doch noch einen Kaffee gemeinsam trinken. Also wieder in „unser“ Restaurant. Aus dem Kaffee trinken wurde dann ein längeres Sitzen und die Abfahrer haben sich gleich noch ihr Mittagessen gegönnt (um 11 Uhr früh!). So verabschieden wir uns von Ihnen, ein weiteres Mal werden wir uns wohl nicht mehr über den Weg laufen, da sie eine große Pazifikrunde über Japan und Alaska machen. Wir gehen zurück auf die JOSA und ich widme mich ein letztes Mal der Reinigung des Unterwasserschiffes, nehme ein Video und Bilder davon auf, die wir für Neuseeland bei der Biosicherheit einreichen werden.

Man muss in Neuseeland mit einem sauberen Schiff ankommen, wenn man dort länger mit dem Boot bleiben will. So schützt Neuseeland seine Natur, um fremde Eindringlinge zu vermeiden. Man hat die Möglichkeit, sein Boot vorher in einer Werft reinigen zu lassen und eine Bescheinigung zu erhalten (wenn die Werft von NZ zugelassen ist) oder eben sein Boot selbst zu reinigen. Mit den Videoaufnahmen kann man das Einreiseprozedere etwas verkürzen, denn die Behörden prüfen den Bewuchs am Schiff. Ist auf den Videos nachweislich nichts zu erkennen, wird man quasi „durchgewunken“.

Am nächsten Tag verlegen wir auch näher an die Stadt, um wieder auf die Behörde zu gehen, unsere Ausreise aus Tonga muss klar gemacht werden. Zuvor wird noch ein letzter Check vom Rigg gemacht für die lange Reise. Bei 25 kn Wind geht´s in den Mast hoch um alles zu überprüfen. Aber oh Schreck, bei einem der Wanten sind die ersten Litzen vom Draht gebrochen, nicht gut. Zum Glück haben wir vom Vorbesitzer noch einen gebrauchten Ersatz an Bord. Der kommt aus den Tiefen der Staufächer ans Tageslicht und ist auch schnell gewechselt – puh Glück gehabt. Zum Einen, es gesehen zu haben und zum anderen, Ersatz dabei zu haben. Unserem Nachbarboot ist es nicht so gut ergangen. Bei deren Kontrolle haben sie das gleiche Problem festgestellt. Ersatz muss in Fiji geordert werden und da der Versand mit dem Schiff zeitaufwendig ist, bucht er einen Flug, um es persönlich abzuholen. Schließlich verlegen wir uns zur Stadt und wir gehen noch einmal zum Mittagessen und Einkaufen, um unser letztes tongaische Geld loszuwerden. Dann geht es schon zurück auf das Boot, um die ganzen Dokumente an die Behörden in Neuseeland zu mailen. Das muß man spätestens 48 Stunden vor Ankunft erledigen. Da das aber viel zum Hochladen ist, sollte man das machen, wenn man noch eine stabile Internetverbindung hat – also jetzt in Tonga. Die Dokumente haben wir im Vorfeld schon alle vorbereitet; nun noch ein letzter Check, ob alle Daten stimmen und ab damit nach Neuseeland. Das klingt jetzt so easy, war aber eine Heidenarbeit. Mehrere Tage hat Sabine am Rechner verbracht, um allen gerecht zu werden. Genau aus diesem Grund haben wir uns für die letzte Passage von Tonga nach Neuseeland der Pacific Rally angeschlossen. Dies ist keine Rally im eigentlichen Sinn, wo alle Boote gleichzeitig losfahren. Jeder kann seinen Starttermin und seinen Absprunghafen selbst bestimmen. Man bekommt aber jede Menge Unterstützung mit den Formularen für alle Länder, den Ein- und Ausreisebestimmungen, ein Wetterrouting und kann jederzeit bei Fragen nachfragen. So hat uns Viki sehr geholfen, als wir Probleme damit hatten, unser Visum rechtzeitig zu bekommen. Wir hatten dies genauso beantragt, wie sie es in ihren Webinaren empfohlen hat. Leider haben die Behörden die Bestimmungen geändert und einige Crews haben daher sehr lange auf eine Bearbeitung des Visas warten müssen. Erst nach Vikis Interventionen mit ihren „Insidern“ wurde der Sachverhalt geklärt und schon hatten wir zwei Tage später unser Visum, gerade noch rechtzeitig zur Abfahrt.

Nachdem wir also wieder mal lockere 2 Stunden am Rechner verbracht haben, um unsere ganzen Behörden-Mails abzuarbeiten, haben wir dann auch unsere JOSA reisefertig gemacht und alles vorbereitet. Am späten Nachmittag verlassen wir Nuku’alofa und somit Tonga und fahren wieder raus auf den offenen Pazifik. Die Abfahrt aus der Inselgruppe ist zunächst sehr ruppig und nass. Hierfür muß man wissen, daß Tonga quasi ein Hochplateau mitten im Meer ist. Nebenan ist der Tongagraben mit bis zu 10.000 Metern Tiefe und die Inselgruppen von Tonga liegen alle auf einem sehr niedrigen Niveau, um die 100 Meter. Mal etwas mehr, mal auch nur 8 Meter, so daß bei der Navigation hier schon darauf geachtet werden muß, daß man nicht über eine Untiefe stolpert, die man nicht sieht. Und normalerweise kommt der Wind und die Welle aus Osten, also aus dem Tiefengewässer. Das Wasser muß dann natürlich irgendwohin und schaukelt sich dann auf dem flachen Tongaplateau entsprechend auf. Das sollte aber besser werden, wenn wir wieder in tieferem Gewässer sind. Dazu kommt, daß wir immer noch die 25 kn Wind haben, in Böen bis 30. Wir wollen den Wind aber nutzen, um Strecke zu machen, da es schnell weniger werden soll. Mit der richtigen Segelgarderobe ist das auch gut zu machen und wenn man bedenkt, wie viele Tage der Wind schon in dieser Stärke da ist, sind die Wellenverhältnisse noch gut.

So – unser Fazit zu Tonga:

Tonga hat uns gut gefallen, die Inseln sind sehr schön mit üppiger Natur, wunderschönen Ankerplätzen und netten Menschen. Das Essen war sehr lecker und auch preislich wollen wir uns hier nicht beschweren. Die von uns besuchten Resorts und Bars waren alle liebevoll eingerichtet und gepflegt. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter, was in diesem Jahr wohl besonders schlecht sein soll (wieder mal haben wir es erwischt nach Uruguay und Patagonien). Meist hatten wir nur wolkenverhangenen Himmel in den verschiedensten Grautönen, nur selten Sonne. Es hat häufiger geregnet und die Sicht im Wasser war meist schlecht. Von der Unterwasserwelt waren wir auch hier eher enttäuscht. Kaum farbige Korallen, meist auch nur totes Grau, wohl auch durch den Tsunami 2009 verursacht – ich weiß nicht, ob unsere Ansprüche hier zu hoch sind?

Und noch etwas Seglerlatein, oder wieso wir hier nicht nur Urlaub machen 😉. Die oben angesprochenen Biosicherheit Neuseeland´s nimmt es da sehr genau. Im Vorfeld muss man dokumentieren wann, wo, wie oft das Schiff gereinigt wird, insbesondere das Unterwasserschiff. Dazu muss man schon etwas weiter ausholen, denn es müssen die letzten Jahre dokumentiert werden, z.B. welche Art von Antifouling aufgebracht worden ist. Mit den weltweiten Regularien ist dieser besondere Anstrich, der den Bewuchs eindämmen soll in meinen Augen sowieso nur noch eine sündhaft teure Farbe, die in ihrer Wirkung, so sage ich mal, bescheiden ist. Noch dazu haben wir Aluminium als Baumaterial, welches die Auswahl weiter einschränkt. Wir hatten ja den Anstrich in Uruguay erneuert und den wohl kühlen Wassertemperaturen sei Dank, bis zum nächsten Anstrich in Puerto Montt keinerlei Bewuchs. Puerto Montt war da eher dazu da, nochmals Farbe aufzutragen, damit es auch ja genug ist bis zur nächsten Möglichkeit der kompletten Erneuerung. Dazu muss man wissen, daß sich das Material langsam abträgt, sowohl bei der Fahrt als auch beim Reinigen von Hand. So war auch bis zu den Gambier Inseln noch alles schön sauber. Mit der steigenden Wassertemperatur ändert sich das aber schlagartig, der erste grüne algenartigen Bewuchs kommt an der Wasserlinie zum Vorschein. Genauso haften sich Muscheln und Seepocken an, die wollen dann regelmäßig beseitigt werden. So wird es zur Routine, daß zu jedem Schnorchelausflug noch eine Runde ums Boot geschwommen wird. Wenn ich dann etwas erspähe, wird auch gleich Hand angelegt. Bei Fahrten die länger als einen Tag dauern, gibt es noch eine extra Reinigung der Algen, da der Bewuchs auch einiges an Geschwindigkeit kostet. So bin ich regelmäßig mit Spachtel und Co im Wasser, um alles halbwegs sauber zu halten. Besondere Pflege braucht unsere Antriebswelle und der Propeller, beides haben keinen Anstrich, denn den wir hatten, hat leider nicht gehalten. Der Höhepunkt an Tierchen war ja in Hiva Oa/ Marquesas. In dem braunen Brackwasser (Süß-/Salzwassergemisch) der Hafenbucht dachten wir zuerst juhu, alle grünen Algen an der Wasserlinie wurden braun. Wir dachten alles stirbt in der Brühe ab. Bei der Abfahrt stellten wir aber fest, daß wir sehr langsam unterwegs waren. Der Blick in der nächsten Ankerbucht lehrte uns beim Blick unter Wasser etwas anderes: das ganze Schiff war übersät mit Seepocken, denen man nur mit der Spachtel zu Leibe rücken kann. Das Ganze mache ich alles nur mit Maske plus Schnorchel und wer schon einmal zwei Stunden lang ständig auf- und abtaucht, um dabei das Schiff zu schrubben, weiß, wie anstrengend das ist. Algen werden meist nur notdürftig mit der Spachtel abgekratzt, mit der Bürste kostet es zu viel der Farbe und der Propeller muss regelrecht mit einem feinen Schleifflies poliert werden. Bis zum Ende Französisch Polynesiens haben wir trotz aller Bemühungen ein grünes Unterwasserschiff statt schwarz, dem gilt es hier wieder Herr zu werden. Unsere beiden Tauchflaschen, die wir an Bord haben kommen letztendlich zum Einsatz, aber nachdem beide leer gesaugt sind, bin ich aber immer noch nicht fertig. Ein Nachbarboot mit Tauchkompressor füllt sie uns freundlicherweise wieder auf, um die restliche Arbeit zu erledigen. So, und jetzt ist wieder Schluss mit Arbeit, Zeit für Urlaub 😊

Schließlich sind wir ja auf Kurs Süd Richtung Neuseeland unterwegs. Nach 24 Stunden legt sich der kräftige Wind, mit ihm werden die Wellen auch wieder etwas flacher und alles angenehmer. Unseren ursprünglichen Plan am Minerva-Riff zu stoppen, verwerfen wir. Die Bedingungen sind zu verlockend, um die Strecke nach Neuseeland in einem Rutsch zu machen. Das Minerva-Riff ist auch ein Atoll mitten im Nirgendwo ähnlich dem Berveridge-Riff, das wir besucht hatten. Nur bietet es besseren Schutz, da man bei Ebbe auch den Riffgürtel sieht und kein Wasser über das Riff gespült wird. Diesen willkommenen Zwischenstopp unter Seglern wollen wir uns für die Rückfahrt von Neuseeland nach Norden aufheben. Jetzt gilt es die „guten“ Bedingungen zu nutzen. Dazu muss man wissen, daß die Strecke eigentlich in drei Teilen aufgeteilt wird. Der erste Teil kann man ja gut planen anhand der Wettervorhersage. Der zweite Teil besticht durch Motorfahrt, da man meist durch ein Flautengebiet muss. Ja und der dritte Teil steht bei der Abfahrt noch in den Sternen, die Vorhersagen kann man nur grob einschätzen. Mit dem was nach Teil eins und zwei dann wirklich vorhanden ist, muss reagiert werden. Im Vorfeld schon entsprechend Kurs ändern, um nicht gegen den Wind kämpfen zu müssen; oder sich gar treiben lassen, damit erst irgendwelche Fronten im Süden durchziehen können.

Jetzt im ersten Teil beschließe ich, uns erst einmal auf Südkurs zu halten, keinen direkten Weg. So könnten wir noch etwas den Wind am Rand des Flautenloch´s nutzen und als kleines Extra bekommen wir noch bis zu einem Knoten Strom, der uns anschiebt. Um es vorweg zu nehmen, meine Strategie geht voll auf. Andere Segler, die direkten Kurs genommen haben, sind schon längst unter Maschine unterwegs, während wir noch segeln. Nach zwei Tagen bildet sich ein kleiner Trog in unserer Richtung voraus. Dank Internet auf dem Wasser und der Vorhersagen, die ja zumindest die nächsten 24 Stunden ziemlich genau sind, kann ich den Zeitpunkt zum Kurswechsel genau bestimmen, ohne daß wir stärkere Winde abbekommen. Aber nach 4 Tagen muss dann doch die Maschine herhalten, zumindest für 12 Stunden. Dann taucht im Flautengebiet unerwartet am Vormittag etwas Wind auf. Bei ruhiger See können wir mit 8 kn hoch am Wind schön gemütlich dahin gleiten; Segeln vom Feinsten mitten im Südpazifik. Leider legt der sich mit Einbruch der Dunkelheit wieder, das heißt Segel runter, Motor an. Das bleibt dann auch noch die nächsten 60 Stunden so, leider. Aber damit war ja zu rechnen und auch so eingeplant, genug Diesel haben wir jedenfalls dabei. Die Kurslinie der Tage bestimmt so weit möglich die Strömungsvorhersage um noch etwas angeschoben zu werden oder zumindest diese nicht direkt von vorne zu haben.

Und dann passiert es. Wir haben springende Wale direkt am Boot! Zunächst entdeckt Sabine, als ich gerade aus dem Bett gekrabbelt komme, daß das Wasser an einer Stelle „aber ganz anders“ ist. (Bei flacher See erkennt man sehr gut Blasen, Gischt oder „unübliches Gekräusel“). Da muß was sein! Und dann taucht auch schon der erste Wal aus dem Wasser auf. Wir können eine halbe Stunde die sanften Riesen beobachten, wie sie mit der Fluke auf das Wasser schlagen und spielerisch aus dem Wasser springen, was für ein Erlebnis. Anmerkung von Sabinchen: Der Skipper hat während ich filme und fotografiere beschlossen, jetzt seine Chance zu nutzen, um mit den Walen zu schwimmen. Als ich ins Cockpit komme, steht er schon im Neoprenanzug mit seinen Flossen in den Händen da „ich geh in’s Wasser“. OK, also steuere ich unsere Dicke näher an die Wale heran und Jochen geht in das Wasser. Ich bin dann eigentlich nur beschäftigt, Jochen im Auge zu behalten und mit dem Boot zu verfolgen. Wir haben nur eine kleine Welle, aber das ist wirklich trotzdem nicht zu locker zu nehmen. Schnell verschwindet da jemand aus dem Blickfeld. Das kann man wirklich nur bei ganz einfachen Bedingungen machen. Leider konnte er die Wale unter Wasser nicht ausmachen, zu viele Seepocken, Muscheln etc., die von den Walen durch ihr Springen und Schlagen von ihrem Körper entfernt werden, trüben die Sicht. Auch war das Wasser hier, mitten im Nichts, recht trübe mit Schwebteilchen.

Die letzten 24 Stunden der Überfahrt brechen an. An diesem Samstag kommt dann am späten Nachmittag wieder Wind auf, leider genau von hinten, wir müssten vor dem Wind kreuzen. Leider kommt mit dem Wind auch die Welle zurück, zwar nicht hoch, aber sehr kurz und unangenehm. Das Schiff rollt wieder, was das Zeug hält. Wir entscheiden uns gegen das Segeln und Motoren weiter. Die Segel würden bei diesen Bedingungen ohne Unterlass schlagen, geht nicht nur auf´s Material, sondern auch auf´s Gemüt. Zum anderen müssen wir uns in Neuseeland auch wieder nach den Gezeiten richten, um nicht bei ungünstigsten Bedingungen einzulaufen. So kommen weitere Motorstunden zusammen, aber egal. In der stockfinsteren Nacht ist dann gegen 2 Uhr das Erste, was wir von Neuseeland zu sehen bekommen, eines der Leuchtfeuer auf der vorgelagerten Insel. Wir können in den letzten Stunden auch unsere Geschwindigkeit anpassen und kommen schließlich genau mit dem ersten Tageslicht an der Ansteuerungstonne der Einfahrt an, das nennt man Timing. Es ist gerade Flut und wir lassen uns von der Strömung bei der Fahrt durch das Fahrwasser unterstützen. Doch dann plötzlich fängt der Motor das Stottern an. Sofort lasse ich von Sabine den Anker klar machen, hier in der Strömung ohne Antrieb, das ist fatal. Zeitgleich schießt es mir auch in den Kopf, woran das Problem liegt. Ich hatte unterwegs schon den Diesel von Tank 2 in den Haupttank laufen lassen, so daß es reichen sollte. Aber scheinbar dann doch nicht. Ein kurzer Check, ja der Tank ist leer. Ich lasse wieder Diesel überströmen und nach kurzem orgeln springt die Maschine auch wieder an, der Anker wird nicht gebraucht. Puh, Glück gehabt. Die Unachtsamkeit hätte auch noch an einer ungünstigeren Stelle passieren können. Nach dem kleinen Morgenschreck geht es dann weiter bis zur Marsden Cove Marina, der Ort an dem wir einchecken müssen. Die Einfahrt selbst ist dann recht schmal, an den Ufern stehen links und rechts schicke Häuser. Jedes mit seinem Bootssteg, an dem auch die ein oder andere Yacht steht. Wir machen schließlich am Quarantänesteg der Marina um 7:30 Uhr ohne weiter Vorkommnisse fest. Wir klaren gleich noch das Schiff auf, bevor es Frühstück gibt und für 9 Uhr hat sich schon der Zoll angekündigt. Die Jungs sind pünktlich, Schiff und Crew sind auch zügig und unkompliziert offiziell in Neuseeland. Wir erfahren von den Beamten, daß wir hier das einzige Schiff für heute sind. Sie sind extra, heute am Sonntag, von Auckland (2 Std. einfache Fahrt) hierher gefahren für uns. Was für ein Service, für den wir noch nicht einmal bezahlen müssen! Jetzt fehlt nur noch der Beamte von der Bioisicherheit, der kommt auch extra aus Opua angefahren und soll dann in einer Stunde da sein. Noch eine weiter Stunde wo uns alles Mögliche durch den Kopf geht, ich sag nur Unterwasserschiff. Wir mussten ja im Vorfeld Bilder und Video vom Unterwasserschiff anfertigen und einschicken. Die wurden dann zum Teil bemängelt, gut die Qualität war ja auch nicht die Beste. Bei unserem Walbesuch war ich auch noch einmal im Wasser, um alles zu inspizieren und hatte hier aber einen guten Eindruck. Nichts ist dazu gekommen, eher weniger geworden, aber man weiß ja nie und die Storys die wir schon gehört hatten… Wir hatten dann ja schon einen Krantermin mit der Marina ausgemacht, daß wenn etwas bemängelt wird, wir gleich aus dem Wasser kommen. Das muss dann nämlich auf schnellsten Weg erfolgen und kann nur an zertifizierten Plätzen erfolgen. Dann taucht auch der Beamte auf, nach kurzen Hallo beginnt er auch gleich seine Unterwasserkamera aufzubauen. Er inspiziert das Unterwasserschiff inklusive der bemängelten Stellen und teilt uns mit, daß alles Bestens ist und uns für das saubere Schiff lobt. Uns fällt ein Stein vom Herzen und die Anspannung fällt sofort ab, da hat sich die Arbeit doch gelohnt. Anschließend kommen noch die Lebensmittel dran. Alles was nicht erlaubt war einzuführen, hatten wir schon aufgebraucht beziehungsweise entsorgt, alles was unklar war, liegt auf dem Tisch. Bei seinem Durchblick in den Fächern entdeckt er noch eine Tüte Mais, der nicht erlaubt ist und unsere Kokusnussschalen von den Marquesas, aus den wir gegessen hatten. Der Mais kommt in den Müll, die Schalen werden auf Insekten überprüft und wir dürfen sie behalten. Alles ist aber entspannt und freundlich und letztendlich auch dieser Punkt zur Zufriedenheit des Beamten abgehakt. Willkommen in Neuseeland. So können wir auch gleich unseren Krantermin wieder stornieren, auch schön. Von dem Beamten erfahren wir auch, daß sich für morgen an die 10 Boote angemeldet haben und von Bekannten, der noch unterwegs ist, daß sie in der Nacht hier ankommen werden. Dann wird es ganz schön voll hier am kleinen Steg. So beschließen wir nach einem Mittagssnack, gleich weiter zu fahren zu unserer eigentlichen Marina, in der wir einen Platz gebucht haben. So geht es noch etwa 2 Stunden den Fluss hinauf, teilweise unter Maschine, teilweise unter Segel. Am Dockland 5 angekommen unterstützen uns Wiebke und Ralf von der Flora beim Anlegen. Die beiden kennen wir auch schon sehr lang, aber nur online, und freuen uns auch sie endlich persönlich kennen zu lernen. Jetzt fest an unserem Steg heißt es auch für uns endgültig in Neuseeland angekommen zu sein.

Als Fazit für die Überfahrt, nach 1150 sm und 82 Motorstunden, muss ich sagen, daß es eine der entspanntesten Passagen im ganzen Pazifik war. Die Gedanken, die wir uns im Vorfeld für die berüchtigte Strecke gemacht haben, sind zu keinem Zeitpunkt eingetreten. Schließlich nähern wir uns ja wieder den berüchtigten „Roaring Forties“ …. Da etwas mehr unter Motor unterwegs zu sein, ist da das geringste Übel, der Südpazifik hat auch ganz andere Seiten. Als Beispiel kann man da erwähnen, daß vor wenigen Tagen kurz vor dem Ziel eine Yacht entmastet worden ist; verursacht durch ein örtliches Wetterereignis (alle Crewmitglieder sind wohlauf und konnten den Hafen unter Maschine erreichen). Somit muss ich sagen, daß die Strategie, die wir fahren „nutze das Wetterfenster, wenn es da ist“, wieder voll aufgegangen ist.

Blick von Dockland 5 auf die Brücke die an die alten Boote der Maori erinnern soll

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Tonga ruft – und die Inselnamen werden immer unaussprechlicher

Um nach Tonga zu kommen beobachten wir wie immer das Wetter und suchen uns ein entsprechendes Fenster aus. So sehen wir am Freitag, daß wir am Montag starten können. Dazu muss man wissen, das am Wochenende die Behörden nicht offen haben und an den Wochentagen erst um 9 Uhr öffnen. Wir benötigen für die nächsten 185 Seemeilen entsprechenden Wind, um bei Tageslicht anzukommen – wenn wir erst relativ spät am Tag starten können, werden wir definitiv in der Nacht ankommen. So beschließen wir am Freitagnachmittag noch bei der Immigration vorbei zu schauen, um einmal anzufragen, ob wir nicht schon heute unsere Stempel in den Pass bekommen könnten, das würde uns am Montag einiges an Zeit einsparen. Wir kommen in das Büro und es herrscht reger Andrang. Wie wir unsere Pässe bei der Ankunft abholten, waren wir alleine und nach 2 Minuten wieder draußen. Heute heißt es anstellen und nach einer guten halben Stunde sind wir dran. Wir tragen dem Beamten hinter dem Tresen unser Anliegen vor, nur kann er das nicht entscheiden und der Vorgesetzte ist gerade nicht da. Das heißt dann weiter warten, wir haben ja zum Glück nichts weiter vor. Nach einer Stunde stelle ich mich mal wieder in die Schlange, um mal höflich nachzufragen, ob die entsprechende Person mittlerweile da ist. Als ich fast dran bin werden ich von einer weiteren Person zu Seite gewunken und wir werden zur Tür gelotst. Wir dürfen an einem Schreibtisch Platz nehmen; der Dame, die jetzt kommt tragen wir wieder unser Anliegen vor. Nach etwas hin und her kommt die Aussage wir sollen am Montag wieder kommen. Wir drücken nochmal etwas auf die Tränendrüse mit Wetter und Zeit, bis die Dame ein Einsehen hat und wir unsere Stempel in dem Pass bekommen mit Datum vom Montag, geht doch. Jetzt noch zur Hafenbehörde und unseren Ankerplatz bezahlen. Von der Costums (Zoll) wissen wir, daß dies auf keinen Fall geht, die wollen, daß wir nach deren Besuch innerhalb von einer Stunde ablegen sollen. Am Sonntag wird das Wetter nochmal gecheckt, leider haben sich die Bedingungen etwas verschlechtert. Wir wollen aber auch nicht die Immigration nochmal belästigen, wir finden es macht keinen guten Eindruck und die Lage für nach uns kommende Segler nicht einfacher. So beschließen wir trotzdem am Montag abzureisen, es wird wohl etwas ungemütlich, aber nichts Unmögliches und für geplante 30 Stunden geht das schon. So warten wir am Montag früh noch auf die Marina-Angestellte, um unsere Schulden zu begleichen. Ausgemacht war 8:30, wer war nicht da? Wir warten noch ein paar Minuten bis wir mal anrufen und nachfragen. Sie weiß von nichts, dabei haben wir am Freitag geschrieben und persönlich gesprochen, naja hilft ja nix. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung ist auch das erledigt und wir haben die Bezahlquittungen in der Hand, die bei der Custom‘s kontrolliert wird. Auf geht´s in die Nachbarschaft, der Zoll ist gleich um die Ecke. Hier kommen wir gleich dran, unsere Pässe und die Bezahlbelege von Hafen plus Marina werden kontrolliert. Noch ein Gang mit der verantwortlichen Dame über den Hof in ihr Büro und wir werden mit den benötigten Papieren verabschiedet. So jetzt nichts wie los. Wir verabschieden uns noch von unseren Freunden ein letztes Mal im Vorbeigehen und machen uns startklar. Dazu muss der Außenborder und Fred für die Reise verstaut werden, der Rest ist soweit fertig. Um 11 Uhr heißt es dann endlich Anker auf. Wir segeln auf der geschützteren Seite der Insel zügig entlang. Wir müssen dann zwischen den Inseln Upolu und Savai‘i durch, hier herrscht durch die Abdeckung Windstille und wir müssen nochmal den Motor begnügen. Wenn der Wind wieder einsetzt, setzen wir stark gerefft die Segel. Samoa hat im Gegensatz zu den letzten Inseln ein Unterwasser-Plateau, das mit einer Tiefe unter 100 m weit um die Insel ragt. Der Wellengang der durch die Dünung verursacht wird verstärkt sich hier halt und die ersten Seemeilen sind ganz schön bockig; wir hoffen, daß es sich bessert, wenn wir tiefes Gewässer erreichen. Plan B wäre wieder umzudrehen, vor Anker zu gehen und einen Defekt vorzutäuschen. Offiziell dürften wir nicht ankern, aber in der Not. Aber es beruhigt sich, zumindest von der Welle. Der Wind steigt schnell auf 20 kn an, in Böen bis 25 kn. Alles kein Problem, damit haben wir ja gerechnet und mit Halbwindkurs kommen wir zügig voran. Die Welle kommt auch von der Seite und ist mit einer Höhe von ca. 2m ok, so kann es weiter gehen. Gegen 23 Uhr werden dann aus den 25 kn Böen aber Dauerzustand und die Böen erreichen an die 30 kn. Das ist mit unserer Segelgarderobe auch gut zu bewerkstelligen, nur werden jetzt die Wellen auch höher. Aus dem wilden Ritt wird jetzt ein Rodeo. Wir bekommen so viel Wasser über das Schiff, soviel hatten wir auf unserer ganzen Reise noch nicht. Bis hierher dachte ich auch, daß unser Cockpit weitestgehend vor Wasser geschützt ist, weit gefehlt. Es kommen immer wieder Brecher über das Schiff, die auch den Weg ins Cockpit finden. Gut, daß wir nicht selbst am Steuerrad stehen müssen und unsere Moni ihr Bestes gibt. Wir sitzen weitestgehend geschützt unter der Sprayhood. Unsere Dicke zeigt uns beeindruckend, für was sie gebaut ist und die Windsteueranlage läuft unter diesen Bedingungen grandios, beide können weit mehr ab als wir. So geht es zügig durch die Nacht und den Tag. Gegen Mittag ist dann Land in Sicht, wir werden wie geplant bei Tageslicht ankommen und unsere Entscheidung belohnt. Kurz vor unserem Ziel kommt dann der finale Brecher noch über das Schiff, in einem Bruchteil einer Sekunde kommen über 150 Liter ins Cockpit, zumindest wird der Dreck damit auch rausgespült. Jetzt heißt es auch schon Segel bergen und unter Maschine durch die Riffdurchfahrt zum Ankerplatz. Gegen 15 Uhr fällt der Anker auf Niuatoputapu (oder wie die Segler sagen: new potatoe) und wir können das Schiff aufklaren und zumindest unser Cockpit mit einer Süßwasserspülung vom Salz befreien. Wir machen noch einen Termin für morgen früh aus, um einzuchecken und lassen den Tag ausklingen. Jetzt haben wir Tonga erreicht!

Tonga begrüßt uns mit einem schönen Sonnenuntergang

Am nächsten Tag holen wir die Damen mit unserem Fred vom Steg ab. Zur Begrüßung an Bord reichen wir Cookies und Kaffee und die Einreiseformalitäten sind recht schnell erledigt, noch ein kurzer Blick durch unsere Vorräte. Alles bleibt an Bord, nichts wird konfisziert und wir bekommen gleich noch eine Einladung zum Kirchenfest am Samstag. Nachdem die Behördenvertreter wieder sicher an Land gebracht sind, machen wir uns auch gleich fertig, um der Insel einen Besuch abzustatten. Als erstes fallen uns sehr viele Schweine auf, die hier frei umherlaufen – das haben wir in so einer großen Menge auch noch nicht erlebt. Unser erster Weg führt uns zu einem Privathaus, in dem wir Geld tauschen können. Geldautomaten sind hier Fehlanzeige und die Behörden wollen noch ihre Gebühren bezahlt bekommen. Wir könnten zwar mit US-Dollar bezahlen, aber zu einem schlechten Kurs. Wir hoffen bei der Familie mit unseren NZ-Dollar, von denen wir noch einiges haben, tauschen zu können. Die Umtauschaktion wird schließlich von Erfolg gekrönt. Im Gegenzug werden wir die Kinder mal zu unserem Boot bringen, sie waren noch nie auf einem Segelboot und wollen sich das gerne einmal anschauen, aber nicht heute. Im Anschluss geht´s noch den kurzen Weg auf die andere Seite der Insel. Wir finden einen „eigentlich“ traumhaften Sandstrand, nur leider halt Müll, soweit das Auge reicht. Selbst auf dem Weg dahin, links und rechts des Weges, immer wieder Müllhalden. Zur Wiedergutmachung werden wir in der Ferne noch mit springenden Buckelwalen belohnt bevor es wieder zurück geht.

Am Samstag schmeißen wir uns in Schale für das Kirchenfest; es soll im Anschluss noch etwas zu essen geben, wurde uns mitgeteilt. Wir gehen bei Fehia vorbei, die uns auch angeschrieben hatte, um gemeinsam zum Fest zu gehen. Bis wir ankommen ist der Gottesdienst auch schon im vollen Gang – aber wir sind nicht die Letzten; es scheint hier wohl nicht so eng gesehen zu werden mit den Gottesdienstzeiten. Nach einer Rede vom Pfarrer kommen noch ein paar Zeilen von einem der Unterpfarrer (wir haben uns das System mal hinterher erklären lassen und es gibt fünf Stufen bis zum Oberhaupt), bis dann der Gesang einsetzt. Einer der Messdiener geht herum und sammelt die Spenden ein, auch wir geben einen Obolus dazu. Nur was dann folgt, war uns irgendwann auch zu viel. Der Gesang hörte gar nicht mehr auf und zu jedem Lied machte der Messdiener wieder seine Runde um zu sammeln, wir gaben aber nichts mehr. Das Ganze ging dann insgesamt drei Stunden lang so. Das Kirchenfest gibt es so von jeder Kirche (es gibt sechs auf der kleinen Insel) einmal im Jahr um Spenden zu sammeln, von dem das ganze Jahr dann alles instandgehalten wird. Wie wir erfahren, kommen heute 80.000 Top zusammen, das sind fast 30.000 Euro. Eine unglaubliche Zahl von den wenigen Leuten, die ja eigentlich selbst nicht viel haben. Der Oberhammer kommt aber nach der Kirche. Im Gebäude nebenan ist das Essen wortwörtlich aufgebaut, jede Familie der Kirchengemeinde füllt einen Tisch. Und es sind Unmengen an Essen, das auf den Tischen gestapelt ist. Vom ganzen Spanferkel über Hummer und vielen anderen Köstlichkeiten ist alles angerichtet. Dazu gibt es noch Kuchen, Getränke (alles außer Wasser und Alkohol), Süßigkeiten und Obst, das importiert worden ist und das wir hier so gar nicht zu kaufen bekommen haben. Der Tisch für die verschiedenen Pfarrer ist nochmal besonders kredenzt und hier hat auch jeder eine Flasche Wein stehen. Das große Essen beginnt und endet auch schon wieder nach einer halben Stunde, wir sind verdutzt. Jeder ist am Tüten verteilen und alle packen sich Essen ein soviel sie nur tragen können. Nach einer Stunde sind die Tische leergefegt und die Versammlung löst sich langsam auf. Auch wir haben ein paar Leckereien für uns eingepackt. Essen für den Abend, Obst und Knabbereien. Wir sollten noch mehr mitnehmen, unter anderem ein ganzes Spanferkel, was wir aber dankend abgelehnt haben. Uns ist aufgefallen, daß eigentlich nur Frauen und Kinder bei dem Essen waren. Die Männer waren draußen in einer separaten Runde gesessen und haben nur Kava getrunken, ab einer bestimmten Menge braucht man da wohl auch nichts mehr zu Essen😉. Letztendlich machen wir uns mit vollem Bauch und Taschen auf dem Rückweg zu unseren Booten mit den anderen Seglern.

  • alle sind festlich Gekleidet

Am Tag darauf umrunden wir den kleinen Berg der Insel mit einem kleinen Abstecher auf den Aussichtspunkt auf einer Anhöhe. Die letzten Meter dorthin waren dann auch etwas schwierig, der Weg kaum zu erkennen. Auf dem Weg zurück, der durch die kleinen Ortschaften führt, sind wieder kaum Leute zu sehen. Ist halt wieder Tag des Herrn und alle sind in ihren Häusern, um zu „entspannen“.

Für Montag haben wir auch leider schon wieder unsere Weiterfahrt geplant, das Wetter gibt auch hier wieder den Takt vor. Wir gehen am frühen Morgen mit den ersten Lichtstrahlen Anker auf. Wir müssen das erste Stück bis zur Nordspitze der Insel noch gegen den Wind motoren, bis wir die Segel setzen können. Auch ist es in Inselnähe noch etwas unruhig; die Wassermassen, die hier auf Land treffen erzeugen doch einiges an Wellengang. Aber was danach kommt ist mal wieder Segeln vom Feinsten, zumindest hier für pazifische Verhältnisse. Wenig Welle, ein leichter aber konstanter Wind, der uns gemächlich über das Wasser gleiten lässt. Nach etwa 30 Stunden heißt es dann: „Land in Sicht“. Wenn es so weiter geht, sollten wir gerade noch im Hellen ankommen, geht es aber natürlich nicht. Zuerst frischt der Wind auf, was ja eigentlich nicht verkehrt ist. Aber im nächsten Moment dreht er auch noch auf Süd, genau da wo wir hinwollen. Wir müssen das Kreuzen anfangen, das ist quasi die doppelte Strecke und kostet auch noch entsprechend Zeit. Zum anderen ist unser Genuaschlitten blockiert, das haben wir kurz nach der Abfahrt festgestellt. Bei den leichten Winden und von der Seite war das kein Problem, aber jetzt müssen wir die Segel nach dem Schlitten fahren und nicht umgekehrt. Wir beschließen dennoch bis nach Neiafu, der Hauptstadt der Vava’u-Inselgruppe zu fahren. Morgen soll der Wind noch kräftiger werden, mit dem auch die Wellen. Vom geschützten Ankerplatz auf der Nordseite der Insel bis dahin wäre es dann noch schwieriger zu Segeln oder zu Motoren. Die Zufahrt ist auch im Dunkeln gut zu machen, es gibt viel Platz und eine Engstelle ist betonnt. Bis wir zu der Einfahrt zwischen den ersten Inseln kommen ist es dann auch schon dunkel, bis wir die Segel bergen. Die restlichen zwei Stunden sind wir dann noch in ruhigen Gewässern unter Motor unterwegs, bis wir schließlich um 21 Uhr unseren Anker gegenüber von der Stadt in dessen Bucht fallen lassen. Direkt vor der Stadt gibt es nur Bojenplätze für die Boote. Hier in der Nacht eine Boje zu finden und aufzunehmen ist uns zu riskant. Schnell hat man in der Lichterspiegelung eine übersehen und die Leine in der Schraube, das will keiner. Wir nehmen noch Kontakt zu unseren Freunden von der Ounte Vas auf, die hier schon länger liegen. Sie teilen uns mit, daß zur Zeit alle Bojen belegt sind, naja alles richtig gemacht. Aber morgen früh wollen zwei Boote abfahren, das passt ja auch gut. So essen wir noch etwas und sind recht schnell im Bett.

Am nächsten Morgen sitzen wir beim Frühstück, als die Nachricht kommt, daß eine Boje frei ist. Schnell lassen wir alles stehen und liegen und lichten den Anker. Wir fahren über die Bucht zum Bojenfeld, an dem uns Jeff schon mit dem Dinghy erwartet, um uns beim Festmachen an der Boje zu unterstützen. Ein kurzes Hallo und wir frühstücken erst einmal fertig, bevor wir Fred klar machen und einen Besuch abstatten. Die beiden haben leider ein Motorenproblem und liegen hier schon seit 4 Wochen an der Boje und warten täglich wieder auf den Monteur. Wir verabreden uns für später und fahren erst einmal an Land, um uns bei der Behörde anzumelden. Hier in Tonga müssen wir uns bei jedem Wechsel der Inselgruppe an- und wieder abmelden. Daher war es auch erst einmal wichtig, einen Plan im Internet zu finden, welche Inselgruppen es eigentlich gibt und welche Insel wozu gehört….

Beim ersten Gang durch das „Städtchen“ finden wir einen Markt, der viel frisches Obst und Gemüse in reichlich Auswahl anbietet. Juhu!!!! Darüber hinaus gibt es sehr gute Restaurants und viele kleine Geschäfte. Die meisten jedoch fest in chinesischer Hand. So genießen wir hier die Zeit mit unseren ganzen befreundeten Booten, die sich hier versammelt haben. (Ein jeder kommt jetzt irgendwie hier an, um sich für die bevorstehende Zyklonsaison Richtung Neuseeland, Australien oder den Norden absprungbereit zu machen). Wir genießen es, in wirklich guten Restaurants gemeinsam zu Abend zu essen und nehmen an einem dieser Essen auch an einem Quizduell teil. Wir wurden nur vorletzter, aber es war dennoch ein lustiger Abend. Der Liegeplatz hier ist wirklich angenehm und sehr geschützt. Keinerlei Wasserbewegung, kaum ein Windchen zu spüren. Lediglich ein ständiges Kommen und Gehen anderer Boote an den Mooringbojen. Ja – hier kann man es definitiv aushalten, die Menschen sind superfreundlich und das Preisverhältnis moderat.

Dennoch zieht es uns doch mal weg, wir wollen schließlich auch die umliegenden Inseln und Riffe erkunden. Wir müssen ja auch nochmal zurückkommen, bevor wir die Inselgruppe verlassen, der Papiere wegen. Zunächst besuchen wir aber noch ein anderes deutsches Schiff. Dieser hatte in einer der hiesigen WhatsApp-Gruppe ein Inserat aufgegeben, daß er seine Drohne verkaufen möchte. Ich liebäugele ja schon lange mit solch einem „Spielzeug“. Kurzum: wir können nun selber tolle Bilder und Filme unseres schwimmenden Zuhauses von Oben machen. Das nächste deutsche Schiff treffen wir dann an unserem ersten Ankerplatz hier. Elke und Dietrich von der Macarena hatten wir schon lange „im Auge“. Die beiden haben auch den Heimathafen Kiel und sind ein Jahr vor uns gestartet; wir hatten sie mehrfach kontaktiert, wenn wir zu einem Ort, an dem sie bereits waren, eine Frage hatten. Und nun lernen wir uns endlich persönlich kennen.

Leider ist das Wetter hier eher so naja: viele Wolken, windig und häufiger Regenschauer. Nichts, wo ich spontan unbedingt ins Wasser hüpfen möchte: ohne Sonne ist die Sicht nicht so gut, im Wind wird es schnell recht kühl – somit nutzen wir hier die Zeit, uns intensiv mit dem Papierkram für Neuseeland und allen dazugehörigen Nebenarbeiten zu beschäftigen. Das heißt zum Beispiel im Einzelnen: Visum beantragen, Zollnummer für das Boot beantragen, eine Biosicherheitsplan aufstellen, das Boot gründlich sauber machen, Lebensmittel nach Insektenbefall untersuchen, usw., usw. Neuseeland schützt seine Biodiversität und das spüren gerade wir Yachties extrem. So sind wir froh, daß wir uns für den letzten Reiseabschnitt von Tonga nach NZ der Pacific Rally angeschlossen haben. Hierüber haben wir Zugang zu wirklich allen nötigen Formularen und Hilfsmitteln. Und wenn etwas unklar ist, können wir jederzeit nachfragen und bekommen eine Hilfe. Alleine schon die vielen Informationsmaterialien sind Gold wert. Hier bekommen wir auch ein Gefühl für einen Zeitplan, was wir bis wann erledigt haben müssen und können uns gut vorbereiten. Bei manch anderem Yachtie bemerken wir, daß diese eher blauäugig an die Sache gehen. Man sollte gut vorbereitet in NZ ankommen, dann ist das Einreiseprozedere nicht so langwierig und die Behörden können genauso gut vorbereitet (diese bekommen im Vorfeld alles elektronisch von uns übermittelt) auf unser Boot kommen und die Inspektion rasch durchführen.

So wechseln wir hier den ein oder anderen Ankerplatz und orientieren uns gerne an den Informationen aus unserer Segler-App. Wir müssen leider feststellen, daß wir mit anderen Maßstäben einen Schnorchelplatz betrachten. Durch unsere langjährige Taucherei haben wir doch schon viel gesehen und finden dann die „hier ach so grandiosen Tauchplätze“ eher als trostlos oder ärmliches Korallenfeld mit viel Fisch vor. Wir sind da eher von der Überwasserlandschaft angetan als von der Unterwasserlandschaft.

An einem Ankerplatz nehmen wir an einem tongaischen Feast teil. Die Bewohnerfamilie dieser kleinen Insel veranstaltet zweimal wöchentlich ein Feast: es gibt ein frisches Spanferkel vom offenen Feuer und ganz viele einheimische Leckereien. Fisch, Huhn, Kochbanane, eine Art Spinat, diverse Salate und, und, und. Nach dem Essen führen die Töchter von David den tongaischen Tanz vor – dies sind eher ruhige Bewegungen, ganz viel wird über die Hände ausgedrückt. So hat jede Bewegung ihre eigene Bedeutung. Während die Töchter die ruhigen Bewegungen vorführen, hüpft ihr Vater oder die Mutter im Hintergrund fleißig mit und feuert an. Nach dieser Vorführung ist Disco-Time. Ab jetzt läuft westliche Musik und rumhopsen ist angesagt. Und was läuft vornehmlich bei jeder dieser Veranstaltungen für Musik??? Auf keinen Fall darf ABBA oder YMCA fehlen 😊 Es war ein sehr netter und geselliger Abend mit den Nachbarbooten bei einer sehr gastfreundlichen Familie. Im Gegensatz zu Französisch Polynesien wissen die Menschen hier, wie man Geld verdienen kann und wollen dies auch tun. So hilft die ganze Familie an diesen beiden Tagen in der Woche zusammen, um solch einen Grillabend zu veranstalten und nebenbei verkaufen sie ihre Produkte wie Bananen oder Tomaten, die sie auf dieser Insel erzeugen.

Am nächsten Tag machen wir noch einen Spaziergang über die Insel auf die andere Seite. Dort gibt es einen tollen Sandstrand, der Weg führt durch die Bananenplantage, vorbei an der neu angelegten Maniokplantage von David und durch das dichte Grün. Die Familie hat hier einen Pfad angelegt und diesen auch gut mit Bändern an den Bäumen gekennzeichnet. Ja – gewußt wie man die Segler bei Laune hält.

Und wieder wechseln wir den Ankerplatz und treffen die Macarena wieder. Leider haben wir bisher in Tonga noch keinen einzigen Wal zu Gesicht bekommen, obwohl sich hier gerade die Mütter mit ihren Kälbern aufhalten. Aber das wird vielleicht ja noch…. 

14

Bergfest in Samoa

Irgendwo auf dem Weg von Niue nach Samoa haben wir den Längengrad 170° West überschritten. Da Hamburg bei ca. 10° Ost liegt, haben wir 180° voll und somit den halben Globus umrundet. Von den Längengraden aus gesehen kommen wir so jetzt wieder näher und entfernen uns nicht mehr. Noch dazu kommt, daß Samoa über der Datumsgrenze liegt. Wir sind jetzt nicht mehr im Tag zurück, sondern voraus, wenn man es von der Heimat aus betrachtet. Den 05.08.2026 gibt es bei uns nicht, den haben wir einfach übersprungen. Und als Sahnehäubchen jährt sich unsere Abreise am 11. August zum dritten Mal, während wir hier in Samoa vor Anker liegen mit etwa 22.000 Seemeilen auf dem Buckel.

Die Überfahrt von Niue nach Samoa war wohl die bisher angenehmste ihrer Art im Pazifik. Hatten wir bei der Abfahrt in Niue am Bojenfeld ordentlich Dünung und es war entsprechendes rollig, wurde dies auf offener See deutlich besser. Lediglich kurz nach dem Start zogen einige Wolkenfelder durch, die ordentlich Wind und etwas Regen in sich hatten. So war der Anfang etwas ruppig, da wir hoch am Wind unterwegs waren. Aber nach und nach beruhigte sich alles und wir konnten mit einem Westwind – jetzt auf Halbwindkurs – relativ gut Kurs auf Samoa anlegen und haben zu Beginn auch vernünftig Fahrt gemacht. Wir wussten im Vorfeld, daß der Wind auf Süd drehen wird, was für uns wieder etwas kreuzen vor dem Wind bedeutet, aber dafür haben wir die verhältnismäßig kleine Welle dann schön von hinten. Kein großartiges schlagen der Segel und wir werden schön geschoben. Bei diesem „Windwechsel“ schlief dieser auch etwas ein, so daß wir dann wieder etwas Strecke eingebüßt haben – das ist halt so: mal schneller, mal langsamer. Im Schnitt kommen wir doch immer wieder auf unseren Speed von 5 Knoten 😊

Am 2. Tag bei relativ gemütlicher Fahrt stellt Sabine dann fest „irgendwas passt da nicht!“, da das Boot plötzlich außer Kurs fährt und das Segel Geräusche von sich gibt. Es ist uns eine Steuerleine der Windfahnensteuerung gerissen und daher wurde nicht mehr korrekt gesteuert. Daher halt mal kurzzeitig ein Steuern per Hand (ja, wir sind echt faul geworden) und der Skipper repariert das Ganze mal eben unter beigedrehtem Boot. Und schon steuert unsere Moni wieder von alleine dahin, wo wir hinwollen. Zwischenzeitlich mußten wir auch unser Großsegel herunternehmen, da so wenig Wind war, daß nur noch schlagen angesagt war. Ohne Großsegel steht bei wenig Wind auch unsere Genua besser und zieht uns dahin.

Nach der 3. Nacht auf See kommen wir unserem Ziel näher und auch der Wind legt jetzt wieder zu, da das angekündigte Hoch ankommt und entsprechende Winde mitbringt. So machen wir wieder ordentlich Fahrt, aber auch die Dünung legt natürlich zu, auch geschuldet der Nähe zur Insel, und es wird wieder etwas ruppiger. Wir müssen Samoa halb umrunden, um unserem Ankerplatz in der Hauptstadt Apia anzusteuern. Auf Samoa ist nur hier ein Ankern erlaubt. So fahren wir auf der Nordseite bei einer Windstärke von 6 bft in Böen an Samoa’s Küste entlang, bis der Wind dann in der Abdeckung der großen Vulkanberge plötzlich weg ist (ebenso die Dünung) und wir den Motor anwerfen müssen.

Die Küste Samoa´s empfängt uns mit vielen Wolken

So können wir noch auf See unsere Segel herunternehmen und das Boot schon einmal soweit aufklaren. Denn, wenn wir vor Anker sind, kommen normalerweise die Behörden recht zügig ans Boot bzw. wollen mit dem Dinghy abgeholt werden. So werfen wir um cirka 14 Uhr unseren Anker im Hafen von Apia neben all unseren bereits wartenden Freunden aus den diversen WhatsApp-Gruppen, die schon für den heutigen Tag ein Sundowner-Treffen vereinbart haben.

Leider kommt an diesem Tag nur die Hafenbehörde an Bord und checkt uns ein. Da wir noch nicht offiziell eingereist sind, dürfen wir das Boot nicht verlassen und können nicht an diesem Sundowner teilnehmen. Dafür bekommen wir Besuch von einem Deutschen, der unsere TO-Flagge erkannt hat und seine Clubkollegen begrüßen will. Dirk aus Hamburg hat aus der Entfernung unseren Fetzen an Flagge erkannt ( große Leistung!!!!) und will Hallo sagen.

Von der Hafenbehörde bekommen wir auf nochmalige Nachfrage mitgeteilt, daß die anderen Behörden am nächsten Tag kommen würden und wir über Funk eine Mitteilung erhalten würden. So sitzen wir am nächsten Morgen im Cockpit beim Frühstück, als wir sehen, daß sich uns ein Boot nähert. Keine Info, aber plötzlich 4 Mann auf dem Boot. Auch wenn man alle Formulare die man schon im Vorfeld per Mail geschickt hat, nochmal von Hand ausfüllen muss, geht alles schnell und entspannt von statten. Die Einwanderungsbehörde nimmt noch unsere Ausweise mit, die wir später im Büro wieder abholen sollen. Nachdem wir unser Frühstück dann final beendet hatten, machten wir uns auch gleich auf dem Weg, um unsere Dokumente wieder abzuholen und die Stadt etwas zu erkunden.

  • Die Kathedrale sehen wir direkt vom Ankerplatz
  • Beeindruckendes Innere
  • und die Kuppel
  • Markthalle von Apia
  • alle anwesenden Boote beim gemeinsamen Abendessen

So fanden wir auch gleich einen Laden, der Sabines Handy wieder zum Leben erwecken kann – das Batterielademodul hatte sich verabschiedet. Anschließend gibt es noch die obligatorische Runde mit dem Dinghy zu unseren Nachbarliegern. Altbekannte treffen wir wieder sowie neue Crews. So vereinbaren wir auch gleich mit der Matatoa zusammen einen Leihwagen zu nehmen, um Besorgungen zu erledigen sowie die Insel zu erkunden. Nachdem ich ja schon erste Erfahrungen mit dem Roller und Linksverkehr in Aitutaki hatte, kommt jetzt das mit dem Auto dran. Der Verkehr klappt ganz gut, nur mit der Bedienung tue ich mir etwas schwer. Blinker- und Scheibenwischhebel sind ebenfalls vertauscht und der Wischer ist mehr in Aktion als bei den Verhältnissen nötig 😉. Die ersten beiden Tage gehen für die besagten Besorgungen drauf, danach machen wir zwei Tage Inselrundfahrt. Der Tag beginnt mit dem Besuch des Robert-Louis-Stevenson-Museum, der Schriftsteller (er hat unter anderem „Die Schatzinsel“ geschrieben) hat die letzten Jahre seines kurzen Lebens hier gelebt. Sein altes Anwesen, das auch mal Gouverneursunterkunft war, ist sauber gepflegt und in dem Haus gibt es viele der alten Gegenstände und sehr viele Fotos zu sehen. Danach gibt es noch eine Wanderung zu seinem Grab, das auf dem nahegelegenen Berg liegt. Die schöne Wanderung geht durch den Wald und oben gibt es noch eine schöne Aussicht zu genießen. Da hier auch viele der Sehenswürdigkeiten auf privaten Grund sind, wird natürlich auch Eintritt verlangt. Wir finden einen Wasserfall mit Bademöglichkeit, der frei zugänglich ist. Die Erfrischung in dem Süßwasserpool ist nach einem langen Tag sehr erholsam und zu genießen.

An Tag zwei starten wir mit einer Erfrischung. Auf dem Gelände einer Kircheneinrichtung sind die Preise mit 5 Tala pro Person und 10 für das Auto noch erträglich (3Tala entsprechen einem Euro). Der Süßwasserpool speist sich hier aus einer kleinen Grotte. Auf der Weiterfahrt halten wir noch hier und da an, um die Schönheit der Insel zu genießen. Am Nachmittag noch ein kurzer Spaziergang zum MA-Tree. Der beworbene Baum stellt sich als schon abgestorben heraus, die Abmessungen der Reste aber nicht minder beeindruckend. Auch die Nachkommen in der Umgebung geben sich alle Mühe dem Vorbild nachzukommen und haben schon eine entsprechende Größe. Der Schlusspunkt an diesem Tag ist der Baha’i-Tempel, einer von 8 kontinentalen „Muttertempeln“ mit ihren beeindruckendem Kuppeldesign. Die Baha’i-Religion glaubt an einen einzigen Gott, an den alle großen Religionen nach ihrer Überzeugung glauben. Die Tempel haben üblicherweise neun Seiten und neun Eingänge, die die Offenheit für alle Menschen und Religionen symbolisiert. Es gibt keine Predigten, sondern es wird aus allen (!!) heiligen Schriften der Weltreligionen gelesen. Es gibt keine Vorurteile hinsichtlich Rasse, Nation, Geschlecht oder dergleichen. Wir fanden im dortigen Tempel die Bibel, die Thora und auch den Koran ausliegen. Apropos Kirche, die Kirchendichte hier auf Samoa ist enorm, noch nie habe ich so viele Kirchen wie hier gesehen.

Juliet und Gordi machen Tags darauf eine Pause, wir entschließen uns eine Wanderung zum Lake Lanotoó zu machen. Der Kratersee liegt in einem Naturschutzgebiet und ist über einen, ich sage mal, vor langer Zeit angelegten Weg zu erreichen. Die Stufen und Geländer, die mal angebracht worden sind, sind schon sehr in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie überhaupt noch vorhanden sind. Der Steg, der am See installiert wurde, ist entsprechend verfallen – leider. Schön war die Tour trotzdem. Zur Abkühlung und Reinigung unserer Füße und Beine fahren wir nochmal zum Wasserfall vom ersten Tag weiter, der nicht allzu weit weg ist.

Für die darauffolgenden Tage haben wir den Besuch der Nachbarinsel Savai‘i auf den Plan. Hierfür hat Juliet eine Unterkunft ausgesucht, Fale`s direkt am Strand. Es sind einfache Hütten inclusive Frühstück und Abendessen, die zu einem kleinen Preis zu bekommen sind. Wir starten am Morgen mit der Fahrt zur Fähre, die dann auch mit uns pünktlich ablegt. Mit dabei sind noch Rob und Margie von der Silverwind, sie haben sich einen Leihwagen auf Savai‘i gemietet. Zur Fähre hatten sie sich ein Taxi genommen, die Preise hierfür erschwinglich. Drüben angekommen, lassen wir es entspannt angehen, gehen erst einmal einen Mittagssnack zu uns nehmen, bevor es zur nächsten Süßwasserquelle geht. Mit dem vielen Salzwasser um uns herum ist so etwas eine beliebte Angelegenheit bei Seglern😊. Die Verhandlungen über den Eintrittspreis sind dann etwas amüsierend. Sie beginnen bei 10 Tala, gehen dann auf 25 Tala (pro Person versteht sich) und letztendlich bezahlen wir 5 Tala. Über einen Fußweg geht es zur Quelle, von der wir dann den Rückweg schwimmend zurücklegen. Ein kleiner Fluss, der quasi durch eine Art Mangrovenwald führt. Weiter geht es anschließend zu unserer Unterkunft und wir beziehen Quartier. Jede Crew bezieht ihr eigenes Fale, einfache Holzhütten die an den Seiten Jalousien aus Bambus oder anderen Naturmaterialien zum runterlassen haben, ausgestattet mit Matratze, Moskitonetz und direktem Blick auf´s Meer. Neben den Badhäusern die mit Toilette und Dusche glänzen können, gibt es noch ein Gemeinschafts-Fale, in dem das Essen gemeinsam eingenommen wird. Pünktlich um 19 Uhr schlägt die Glocke, die alle Besucher zum Essen ruft. Das Essen wird auf dem Teller serviert und beinhaltet verschiedene lokale Köstlichkeiten, die sehr lecker sind. Da wir alle ziemlich müde sind fallen wir recht bald ins Bett, den um 8 Uhr kommt der nächste Glockenschlag für das Frühstück. Auch hier wieder „Regional“, wir beide als Süß-Frühstücker müssen uns etwas umstellen, aber lecker ist es trotzdem, ausreichend sowieso. Da Juliet und Gordie einen Strandtag einlegen wollen trennen sich unsere Wege, Strand und schnorcheln können wir ja quasi überall, wir wollen uns die Insel anschauen.

So ziehen wir los und machen den ersten Stop bei den „Blow Holes“. Eigentlich nur ein paar Löcher im vulkanischen Ufergestein, die von der Dünung gespeist werden und hohe Wasserfontänen in die Höhe schießen lassen, aber schön anzusehen, was uns Mutter Natur da wieder mal gebastelt hat. Nach dem obligatorischen Halt an einem Strandrestaurant für einen Mittagssnack geht es weiter zu einer Ruine der Missionarskirche, die durch die massiven Wellen von Hurrikan Ofa im Februar 1990 zerstört wurde. Bei der Abfahrt werden wir noch aufgehalten und sollen 10 Tala pro Person für den Besuch bezahlen, zum Glück war Sabine im Auto sitzen geblieben 😉. Weiter geht´s zu einer Lavahöhle die auf privaten Grund ist, auch hier wieder 20 Tala p.P. Aber die sind wenigstens gerechtfertigt. Ein schön angelegter Weg führt durch den Garten zur Höhle. Die Höhle selbst ist ca. 5 km lang. Man darf ohne Führer nur die ersten 500 m betreten, leider ist heute kein Führer da, wahrscheinlich muss man vorher buchen oder es hatte gerade keiner Zeit/ Lust, wir wissen es nicht. Unsere Stirnlampen, die wir dabei haben sind fast etwas zu schwach, die Lava schluckt viel von dem Licht, das zur Verfügung gestellt wird. Wenn man die Höhle betritt, vernimmt man ein permanentes Klicken, was – nicht wie zu vermuten lässt von Fledermäusen stammt; nein es sind schwalbenartige Vögel, die hier ihre Nester haben und sich so orientieren. Es scheint aber nicht so gut wie bei den Fledermäusen zu funktionieren, wir werden einige mal angerempelt. Nach den 500 m kehrt man freiwillig um, die Höhle teilt sich und zwei Schlunde führen in die Tiefe, während ein Großer auf gleicher Höhe weiter geht, aber nur auf einen schmalen abschüssigen Streifen, den selbst ich ohne Sicherung nicht weiter gehen würde. So geht es auf gleichem Weg zurück und mit dem Auto zu unserer Unterkunft. Jetzt nehmen auch wir noch ein kurzes Bad im Meer, um unseren Schweiß vom Tag abzuwaschen und lassen den Tag Revue passieren. Nach dem Abendessen kommt noch eine Tanz- und Feuervorführung einer Gruppe aus dem Ort, immer wieder unterschiedlich aber schön anzusehen.

Unseren letzten Tag lassen wir dann entspannt beginnen. Wir verabschieden uns noch bei allen, die wir hier kennengelernt haben bevor wir zu einem Wasserfall aufbrechen, bei dem man auch schön baden kann. Auch hier wieder Privatgrund und diesmal 10 Tala zu berappen. Ein schönes Schwimmbecken mit einem ordentlichen Fall erwartet uns, die umgebene Natur gibt ihr Bestes dazu. In dem Wasser entdecke ich zahlreiche Süßwassergarnelen, die sich hier zwischen den Füßen der Gäste tummeln. An dem Wasserfall kann man auch über die Felsen auf die Rückseite dessen gelangen und in die Fluten springen. Bis wir uns wieder aus dem Wasser begeben ist auch schon wieder Mittag. So halten wir auf dem Rückweg zur Fähre noch bei einem Imbiss an bevor wir Abschied von Savaii nehmen.

Ansonsten haben wir am nächsten Tag noch bis zum Mittag den Wagen um letzte Besorgungen zu machen, die Abfahrt zum nächsten Inselstaat steht schon bevor. Gemeinsam mit den anderen Booten genehmigen wir uns einen letzten Sundowner in der naheliegenden Bar und gönnen uns beiden ein letztes Abendessen in einem Restauraunt, dem „Paddles“ – echte italienische Küche in Samoa! Und es hat auch nach Italien geschmeckt!

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Berveridge Reef und Niue

Die Überfahrt von Palmerston zum Beveridge Riff war, so sage ich mal, sehr wechselhaft. Zuerst hatten wir ordentlichen Wind mit einer nicht allzu hohen Welle. Leider waren die Wellenabstände wieder verhältnismäßig kurz, was es etwas unangenehm werden lies. Aber wieder war es ok und wir kommen gut vorwärts. Vor Einbruch der Dunkelheit, nach 30 Stunden unterwegs, kommt dann wie angekündigt das erste Flautenloch. Die Genua wird eingerollt und unser Motor treibt uns für die nächsten 6 Stunden an, bevor zum Wachwechsel der Wind wieder zurückkommt. Sabine hat dann aber bei ihrer Wache einiges zu tun mit Segel rauf und runter, Wind von hier und da, hoch und niedrig, Maschine aus und an. In den Morgenstunden zu meinem Wachbeginn beruhigt es sich und wir kommen wieder mit der Kraft des Windes voran. Nur leider dreht er noch zu unseren Ungunsten und kommt jetzt fast von da, wo wir hinwollen. Geht halt mit einem Segelboot nicht, wir fangen an zu kreuzen. Nach zwei Schlägen entscheide ich, mit der Maschine weiter zu fahren, zu schwach ist der Wind und die Welle noch zu groß. Wir machen kaum Strecke gut. Mit der Situation von den letzten Stunden muss die nächste Entscheidung fallen. Zwar dreht der Wind weiter und wir können später wieder mit genug Wind segeln, doch leider wird die Ankunft am Riff am sehr späten Nachmittag sein.

Eine Einfahrt durch den Pass wollen wir in der Dunkelheit nicht wagen, auch wenn dieser als einfach beschrieben ist, aber da wollen wir unser Glück mal nicht herausfordern. Ansonsten müssten wir uns dann die ganze Nacht treiben lassen, auch blöd bei den Bedingungen. So beschließe ich mal kräftig auf die Bremse zu treten, das Großsegel kommt runter und die Genua wird gerefft. Schließlich geht es dadurch bei mittlerweile guten Winden doch langsam voran. In der Nacht nimmt der Wind dann auch wieder ab, das hilft zusätzlich. Letztendlich sind wir im Morgenlicht noch ca. 5 sm vom Atoll entfernt. Genau jetzt lässt uns der Wind ganz im Stich, unserer Eisengenua (der Motor 😊) muss wieder ran.  Wenn man sich dieses Gebilde auf der Seekarte anschaut ist es schon unglaublich. Dieses Atoll, mitten im Nirgendwo, hat eine Größe von etwa 4 auf 6 Kilometern und steigt aus einer Tiefe von 5000 m auf kürzester Strecke auf. Würde man das mit etwas Bildlichem vergleichen, wäre es einer der alten Industrieschornsteine, die der ein oder andere noch kennt, nur halt im Format Super XXL. Schaut man sich Deutschlands höchsten Berg an, die Zugspitze, die nicht einmal 3000 m hoch ist und dann noch Garmisch das auf 700 m liegt, sieht man letztendlich 2300 m Berg. Dieser Unterwasserberg ist mehr als doppelt so hoch und so steil, daß sich wohl jeder Bergsteiger die Zähne daran ausbeißen würde.

Dann heißt es auch Land in Sicht, oder auch nicht. Lange sieht man gar nichts, nur auf dem Plotter ist da etwas zu sehen. Bei der Annäherung erkennt man dann nur die brechende Brandung an der Außenseite. Landmasse sucht man hier vergeblich, alles ist knapp unter der Wasseroberfläche. Einzig, es soll bei Ebbe eine kleine Sandbank in der Nordwestecke geben. Als wir uns von der Nordseite nähern, sehen wir auch, daß die von Süd kommende Dünungswelle aufhört. Dafür fängt das Wasser regelrecht das Kochen an und Strömungswirbel sind zu erkennen, wieder unglaublich wenn man bedenkt, welche Wassermassen sich hier um diesen Schornstein bewegen. Wir biegen auf die Westseite ab, als sich unsere Angel meldet und die Schnur schnell ausrauscht. Ach ja, da war ja was. Als ich den Motor angeworfen habe, dachte ich mir noch wir könnten es wieder einmal versuchen, hier was zu fangen, die Bedingungen sind ruhig, wenn nicht hier, wo dann und habe den Köder ausgebracht. Leider hatten wir unseren beiden letzten Fische verloren, ob es heute klappt?

Ich merke, daß der Fisch wieder nur in die Tiefe zieht, das hatten wir zuletzt in den Marquesas mit einem Gelbflossenthun. Wir reduzieren etwas die Geschwindigkeit und nach etwa einer halben Stunde können wir ihn das erste Mal erblicken. Es ist wieder ein Gelbflossenthunfisch und was für einer. Jetzt kämpfen wir zu zweit, um ihn an Bord zu bringen. Nach weiteren 20 Minuten ist auch das geschafft, unsere Bordküche hat wieder eine Bereicherung. Wir sichern den Fisch erst einmal an Deck, wir stehen mittlerweile direkt vor der Passeinfahrt.

unser Fang des Tages
unser Fang des Tages

Auch hier steht wieder eine kurze, steile Welle in der Einfahrt, die durch das ausströmende Wasser verursacht wird. Schaut letztendlich schlimmer aus als es ist und wir kommen mit 3 Knoten Gegenstrom durch den Pass, der hier verhältnismäßig breit ist. Im Inneren haben wir eine fast durchgängige Tiefe von 10 m und man erkennt schon wären der Fahrt den Grund sehr klar. Wir werfen unseren Anker dann an der Südostecke in 8 m Tiefe, klaren soweit das Boot auf, um gleich mit dem Zerlegen unseres Fanges zu beginnen. Zuvor muss aber noch schnell ein Bad in dem Wasser sein, das Klarste was wir bisher auf der Reise hatten. Nur der Einstieg ins Wasser gestaltet sich schwierig. Zur Begrüßung kreisen gleich mal drei Grauhaie um unser Boot. Die sind aber so neugierig, daß man aufpassen muss, ihnen nicht auf den Kopf zu treten, ein etwas mulmiges Gefühl. Ich taste mich langsam die Leiter hinunter, Flossen voraus. Sie kommen nah, sehr nah. Ich warte einen Augenblick, bis sie wieder etwas Abstand nehmen bevor der nächste Schritt kommt. Im Wasser muss ich sie noch mit den Flossen auf Abstand halten bis der Abstand wieder größer wird, jetzt traut sich auch Sabine ins Wasser. Wir kontrollieren noch den Anker, immer mit Blick zu den Haien. Aber weit muss man da nicht schwimmen. Das Wasser ist so unglaublich klar, das wir den Anker in 40 m Entfernung schon vom Boot aus gut sehen. Ich schwimme noch das Umfeld ab, um zu sehen ob es Problem beim schwojen geben könnte. Aber die Bommis, die wir vom Boot aus gesehen haben, sind alle sehr tief, das klare Wasser täuscht hier ungemein.

Zurück am Schiff fangen wir dann wirklich an, den Fisch zu verarbeiten. Die Reste gehen natürlich ins Wasser und sind sehr schnell entsorgt, in das Wasser sollte jetzt erstmal keiner zum Schwimmen😊. Während Sabine sich mit dem erstmaligen Einkochen von Fisch widmet (es ist zu viel, um alles gleich zu essen) klare ich final das Boot auf. So verbringen wir hier noch entspannte Tage in der Einsamkeit, wobei am nächsten Tag noch Pat auftaucht, den wir seit Morea kennen. Er ist auf direktem Weg von Aitutaki gekommen. Viel kann man hier nicht anstellen. Landmasse ist absolute Fehlanzeige, da bleibt nur noch schnorcheln übrig. Wir sind zweimal mit Fred unterwegs, um am Pass zu schnorcheln und statten dem kleinen Wrack des ehemaligen Fischerbootes einen Besuch ab. Im Pass sehen wir zahlreiche Haie, die wie schon gewohnt alle sehr nah kommen, um mal zu schauen und dann wieder abdrehen. Als gleich mal 15 Stück auf einmal auftauchen, wird es Sabine zu viel, sie war dann schnell im Dinghy verschwunden. Ansonsten war da noch ein großer Schwarm an nicht kleinen Barracudas zu bewundern neben den üblich verdächtigen Fischen, die zum Teil im großen Schwarm auftauchten.

schnelle Resteverwertung am Riff

Bei den vielen dunklen Flecken, die wir bei der Einfahrt beobachtet haben, stellte sich heraus, daß es meist nur ein dunkler Untergrund war. Korallenbommis wie wir sie kennen gab es nur wenige und dann auch sehr klein, schade. Ein Tag war auch komplett verregnet, an dem wir einige kleine Arbeiten ab Boot erledigt haben. Ansonsten war dann nach vier Tagen die Abreise geplant, weiter geht’s nach Niue.

Der kleine Inselstaat gehört zu Neuseeland, ist aber eigenständig. Für uns ist es der letzte Stopp bevor es über die Datumsgrenze geht. Die Überfahrt ist mal wieder bescheiden. Die Winde sind so wechselhaft, daß wir kein Setup für unsere Windsteueranlage finden, unsere Kurslinie schaut schlagenförmig aus. Man könnte meinen, da wäre jemand volltrunken unterwegs gewesen. Es beruhigt uns etwas, daß es Pat, der zusammen mit uns gestartet ist und das gleiche Ziel vor Augen hat, auch nicht besser ergangen ist. Angekommen sind wir aber beide und liegen nun an einer der Bojen, die vor der kleinen Inselhauptstadt Alofi angebracht sind und die wir im Vorfeld gebucht haben. Zur Begrüßung haben wir noch bei der Anfahrt springende Buckelwale gesehen und nahe ans Bojenfeld kommen sie auch um hallo zu sagen. >Niue ist die Spitze eines erloschenen Vulkans und mit 261,46 km² Fläche eines der größten gehobenen Atolle der Welt. Es erhebt sich etwa zwischen 4000 und 5000 Meter über den Meeresgrund (Wikipedia)<, alles andere könnt ihr selbst dort nachlesen😉. Wir melden uns über Funk an und sollen dann am nächsten Tag mit dem Dinghy an Land kommen für den Papierkram, es ist halt schon wieder Nachmittag. So bleiben wir an Bord und checken die Lage vom Schiff aus. Wie wir feststellen, haben wir wieder den Jackpot gezogen, es ist Hauptsaison auf der Insel und kein Leihwagen verfügbar, alles ausgebucht. Die Insel lebt vom Tourismus und jetzt, wo die Wale da sind, ist zur Walbeobachtung halt alles voll. Das Wetter ist noch für ein paar Tage stabil, danach kommt kräftiger Wind für eine lange Zeit, so die Vorhersage. Wir wollen gleich unsere Boje noch für ein paar Tage verlängern, geht auch nicht, auch alles ausgebucht, scheiße sag ich da nur. Eigentlich wollten wir hier etwas länger verweilen, schmeißen aber alles über den Haufen und planen um. Schließlich machen wir am Morgen zur vereinbarten Zeit Fred startklar und begeben uns Richtung Pier, an dem uns die nächste Herausforderung erwartet. Hier in Niue werden jedes Mal und alle (!) Boote mit einem Kran an Land gehoben. Während der Zufahrt können wir uns die Handhabung schon bei einem der Ausflugsboote für die Walbeobachtungen anschauen, der vor uns an der Reihe ist. Wieder eine neue Erfahrung und erstmal spannend, einmal gemacht, aber ganz easy zu bewerkstelligen.

Begrüßung am Bojenfeld

Alle Offiziellen stehen bereit und alles geht entspannt und zügig von statten. Mit den neuen Gegebenheiten wollen wir uns schon wieder am Sonntagabend verabschieden. Da es Donnerstag ist, Freitag ein Flieger kommt, so daß die Immigration keine Zeit für uns hat und Samstag/ Sonntag nicht gearbeitet wird, vereinbaren wir auch gleich wieder einen Termin für die Ausreise. Dazu sollen wir später noch ins Büro kommen, was wir dann auch erledigen. So schlendern wir noch etwas durch den Ort, bevor wir uns am Abend zum Essen begeben in dem Yachtclub hier, ein Yachtclub ohne Boote und Hafen. Heute gibt es dann noch zufällig etwas Livemusik zum Essen. Nach einem kleinen Regenschauer sitzen wir dann mit einigen Einheimischen am Tisch und unterhalten uns etwas. Wie üblich das woher und wohin und wie uns die Insel gefällt und was wir uns alles noch ansehen. Wir erklären unsere Situation, daß es keine Autos zum Ausleihen gibt und wir so nichts weiter anschauen können. Da kommt der Vorschlag, wir könnten doch am Samstag ihren Wagen nehmen. Das ist ja mal eine Ansage, wir freuen uns wie Schneekönige. Sie müsse nur abklären ob jemand anderes aus der Familie den Wagen braucht, wir tauschen Kontakte aus. Leider bekommen wir weder eine positive noch eine negative Rückmeldung, wie schade. So unternehmen wir noch an den folgenden Tagen zwei Wanderungen im Umfeld zum Hafen und genießen das, was geht. Vom Boot aus schnorchel ich noch die Küste ab, das klare Wasser lädt dazu ein. So kann ich auch die endemische Seeschlange beobachten. Außerdem noch Adlerrochen und sehr viele der Rifffische die hier ansässig sind. Leider sehen wir keine der Wale mehr im Umfeld vom Boot, einzig am Abend als wir vom Landausflug zurück waren, hören wir den lauten Walblas eines Kollegen, der zwischen unserem Boot und der Küste entlang schwimmt. Sehen tun wir ihn nicht, da es schon zu Dunkel ist.

Wie gesagt planen wir die Abfahrt für Sonntagabend und eigentlich müssten wir die Boje um 10 Uhr verlassen. Wir fragen im Büro nach und bekommen den Kontakt von dem Boot, das unsere Boje übernimmt, zum Glück plant er erst spät anzukommen. Wir vereinbaren in Kontakt zu bleiben und er meldet sich, wenn er in der Nähe ist – solange können wir bleiben. An unserem Abreisetag hat dann der Wind auf West gedreht, es ist wie vorhergesagt nur schwachwindig, aber das Bojenfeld ist sehr rollig, da es nach Westen komplett offen ist. Wir wollen am Mittag noch an einem Buffet teilnehmen, um uns nochmal für die Überfahrt zu stärken. Das wird eine spannende Angelegenheit bei diesen Bedingungen mit dem Dinghy an Land zu kommen. Aber nachdem wir ja schon einige mal am Kran üben konnten, meisterten wir auch das ohne Zwischenfälle. Zurück am Boot musste dann der Außenborder und das Dinghy an Deck gebracht werden. Unter diesen schlechten Bedingungen hatten wir das auch noch nicht, aber auch hier; Ende gut, alles gut. Jetzt kommt auch die Nachricht von dem Folgeboot unserer Boje, daß er keinen Stopp in Niue einlegt und direkt weiter fährt, das Wetter für die nächsten Tage hat seine Entscheidung geändert. Kurz darauf kommt auch die Info vom Büro, daß wir länger bleiben können, aber unser Entschluss ist gefasst und wir ziehen weiter. Zu lange müssten wir auf das nächste Wetterfenster warten und ohne Leihwagen macht es auch keinen Sinn. So heißt es um 16 Uhr: Leinen los mit Ziel Samoa.

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Willkommen in den Cookinseln

Die Cook´s bestehen aus 15 Inseln, die über ein recht weites Gebiet verstreut sind (236,7 km² Landfläche und insgesamt 1.969.553 km² Wirtschaftszone lt. Wikipedia). Es gibt insgesamt nur 3 Einreisehäfen, wir entscheiden uns für Aitutaki, da dies am ehesten auf unserer Route liegt. Die Cookinseln sind ein unabhängiger Staat, aber eng an Neuseeland verknüpft und alle Bürger sind Neuseeländische Staatsangehörige. Auch die Währung ist der neuseeländische Dollar, wobei es aber eigene Münzen und Scheine der Cooks gibt, die nur hier anerkannt sind. Dabei handelt es sich bei den Münzen auch um begehrte Sammlerstücke, da z.B. die 2-Dollar-Münze dreieckig ist. Wir sind jetzt definitiv auch in „Rugby“ angekommen – ab hier wird dies wohl der Nationalsport sein.

Soviel zum Thema Cookinseln. Wer interessiert ist, kann gerne selbst nachlesen. Daher nun zu Aitutaki. Diese Insel ist ein Urlaubsgebiet der Neuseeländer und Australier mit einigen schönen Hotelanlagen. Hier wird viel Wassersport angeboten: Schnorcheln, Tauchen, Surfen, Kiten, Wingfoilen…. Wir selbst dürfen mit unserem Fred leider nicht in der Lagune umherfahren und selbst erkunden. Dies ist hier verboten. Angeblich zum Schutz des Riffes, aber doch hauptsächlich, um den Einheimischen einen Verdienst zu ermöglichen. Eine einzelne Taxifahrt zur „Honeymooninsel“ schlägt gleich mal mit 30 € einfach pro Person zu. Wir verstehen natürlich das Interesse, den Einheimischen eine Verdienstmöglichkeit zu gewähren – aber dafür sind wirklich genug Pauschaltouristen hier. Die paar Segler würden nicht weh tun, wenn die selbst herumfahren könnten.

Die Passeinfahrt ist noch gar nicht so lange für uns zu befahren. Die ursprüngliche Tiefe betrug nur knapp über einen Meter. Die Insel setzt seit einiger Zeit auch auf die Segler, so wurde die Einfahrt bereits auf 4 m Tiefe ausgegraben und der Hafen soll jetzt nach und nach auch fertig gestellt werden. Wir kommen quasi mitten in der Baustelle an, alles verändert sich täglich und man muss schauen, wo man sich ein Plätzchen ergattern kann. Die Einfahrt selbst ist unter den Seglern schon etwas berüchtigt, schmal, lang und mit viel ausgehender Strömung. Für uns heißt es da das richtige Timing zu treffen. Ist man erst einmal drin, gibt es kein zurück mehr, kein Platz für Experimente. Der Hafen selbst benötigt anlegen nach patagonischer Art (oder offiziell: römisch-katholisch wie im Mittelmeer): Anker schmeißen und dann rückwärts an den Rand und Landleinen über das Heck ausbringen. Was sind wir froh, unsere langen Leinen noch zu haben. Alles wird schon draußen vor dem Atoll vorbereitet, drinnen muss es schnell gehen. Über die örtliche WhatsApp-Gruppe gibt man Bescheid, wann die Ankunft ist – ein paar helfende Hände für die Leinen stehen dann bereit.

Aitutaki Hafenbaustelle, in der Mitte wird derzeit eine Mole für den Bagger aufgefüllt, damit alles ausgebaggert werden kann. Leider haben wir vergessen ein Bild von unserem Platz zu machen. Wir liegen links vom Bild und an den Betonblöcken, die man in der Mitte sieht werden die Landleinen befestigt.

Wir kommen so langsam zur Passeinfahrt, wo soll die bitte wieder sein, wir verlassen uns wieder blind auf die Seekarten. Und siehe da, da taucht sie auf. Verdammt schmal und im Außenbereich brodelt das Wasser von der ausgehenden Strömung. Wir bergen noch unsere Genua, das Großsegel war schon weiter draußen runtergekommen, drinnen ist einfach kein Platz und keine Zeit, um es zur Unterstützung gegen die Strömung oben zu lassen. Die Maschine muss genügen. Die Anspannung steigt, je näher unser Zuhause dem Pass kommt. Die waschbrettartigen Wellen sind erreicht und wir werden auch gleich von der Strömung gebremst, da muss noch mehr Gas gegeben werden. Sobald das Außenriff erreicht ist beruhigt sich gleich das Wellenbild, aber die Strömung steigt und steigt. Jetzt gebe ich schon fast Vollgas und wir kommen gerade mal so auf 1 kn Fahrt über Grund vorwärts. Die ein oder andere Kurskorrektur in der schmalen Spur muss auch noch sein, bevor nach 100 m die Strömung so langsam wieder abnimmt und das Gas so langsam wieder reduziert werden kann. An der Seite stehen einzelne Stangen, nach denen man sich richten kann, die Riffkante ist aber auch so gut zu erkennen. Nach 500 m ist dann auch der erste Spuk vorbei und die Anspannung fällt etwas ab. Jetzt kommt noch das Anlegen. Im Vorfeld hatten ich schon abgestimmt, wo ich mich hinlege, ein paar aktuelle Drohnenaufnahmen von anderen Seglern erleichtern die Orientierung. Die helfenden Hände stehen am Ufer auch schon bereit, wir lassen den Anker fallen und ich ziehe zurück, während Sabine noch entsprechende Ankerkette auslässt. Der Anker scheint auch gleich gut zu halten, jetzt noch schnell den Steuerstand verlassen und die vorbereiteten Landleien zum Ufer werfen. Die erste Leine ist an einem der Betonblöcke fest, das war es. Für den Rest haben wir dann etwas Zeit, die Anspannung fällt ab. Gut das wir das schon einige Male in Patagonien geübt haben, alles läuft perfekt. Wir bringen noch die zweite Landleine aus und richten das Boot aus. Während wir das Boot aufklaren, steht schon der erste Beamte von der Biosecurity in den Startlöchern. Wir hatten uns draußen über Funk bei der Port Control angemeldet und die freundliche Dame am anderen Ende hat schon alle Behörden organisiert, so soll es sein. Für den Beamten müssen wir aber erst einmal unser Dinghy Fred zu Wasser lassen, damit er zu uns an Bord kommen kann, wird sind halt noch nicht so weit. Kein Problem kommt es vom Ufer, dann komme ich später nochmal vorbei, sehr freundlich. Eine halbe Stunde später sind wir dann soweit und der Beamte steht auch wieder da. Er setzt über und kommt an Bord. Wir werden aufgeklärt das keine mitgebrachten Lebensmittel an Land gebracht werden darf, genauso wie auch der Müll. Einzig hier gekaufte Gegenstände dürfen in den Müll kommen. Er macht noch einen Rundumblick durch das Boot, das war`s auch schon. Er nimmt noch den aktuellen Müll den wir an Bord haben mit und verabschiedet sich. Kurz darauf kommt noch Bob vom Zoll und die Dame von der Gesundheitsbehörde vorbei. Alle sehr freundlich und entspannt. Was es heißt hier krank anzukommen, erfahren wir einige Tage später. Ein kleines Kreuzfahrtschiff legt sich draußen vor Anker und fährt einige Stunden später wieder ab. Wie wir erfahren haben, gab es wohl 6 kranke Personen an Bord, so wurde dem ganzen Schiff die Anlandung verweigert, konsequent kann man da nur sagen. Nach den ganzen Formalitäten dürfen wir auch offiziell das Land betreten, was wir dann auch nutzen. Aber erstmal um unseren Freunden Isabell und Jeff von der „Ouante Vas“ beim Festmachen zu helfen. Sie kommen etwa 3 Stunden später nach uns an. Ich hatte sie schon benachrichtigt über die Örtlichkeiten hier. Auch sie schmeißen den Anker, der aber nicht hält. Erst beim zweiten Versuch scheint er zu greifen. Die Leinen werden versucht an Land zu schmeißen, aber leider ein einziges Leinenchaos, ich komme an Bord um zu helfen. Wir schaffen es gerade so das Schiff in Position zu halten bis das Chaos entwirrt ist und das Schiff sicher vertäut ist. In dem Moment, als die Beiden ihr Dinghy zu Wasser lassen, löst sich ihr Anker erneut. Ich gebe Isabell Anweisungen wie sie das Boot in Position halten kann. Wir machen ihr Dinghy mit dem Außenborder startklar und sichern das Schiff nach vorne mit einem unserer langen Landleinen quer hinüber zu den großen Schiffscontainern und blockieren damit den ganzen Hafen. Die Einheimischen, die gerade aus- oder einfahren wollen haben Verständnis und nehmen es gelassen. Wir nehmen den Anker samt Kette ins Dinghy auf und bringen diesen dann wieder aus. Bei dem Versuch die Kette auf Zug zu bekommen reisst der Anker wieder aus, welch ein Drama. Wieder kommt der Anker mit Kette ins Dinghy und das Spiel wiederholt sich noch einmal. Bei diesem 4. Versuch scheinen wir dann Glück zu haben. So langsam fällt die Anspannung auch bei Ihnen. Ich bin gerade auf unserem Boot zurück, als sich deren Anker ein weiters mal selbstständig macht. Schnell eilen wir wieder zur Hilfe und das Spiel beginnt von vorne. Dieser Versuch sollte jetzt aber wirklich der letzte sein. Wie das Beispiel zeigt, so kann es auch gehen, da haben wir ja Glück gehabt. Für Isabell und Jeff war es das erste Anlegemanöver dieser Art, ich denke das nächste Mal sind sie besser vorbereitet und wissen, was zu tun ist.

Anschließend ist es Zeit für die erste Erkundungstour in dem kleinen Städtchen. Für den nächsten Tag ist dann ein kräftiger Wind vorhergesagt. Ich plane am Morgen noch einen Landleine an den Bug anzubringen, um den Anker etwas zu entlasten. Gesagt getan. Aber genau in diesem Moment bricht der Anker von Jean-Luc, dem Nachbarboot, das vor uns schon da war, aus. Ich sichere sein Boot über eine Bugleine von uns aus. Das mit dem Anker ins Dinghy aufnehmen und wieder ausbringen kennen jetzt ja schon alle zu genüge, alles geht gut koordiniert und schnell von der Bühne, der erste Versuch ist auch gleich von Erfolg gekrönt. Ein Wunder das unser Anker hält, bei 4 m Wassertiefe und nur 10m Kette draußen. Zur Sicherheit holen wir unser Eisen auch noch einmal hoch, er hat verdammt gut gehalten. Aber sicher ist sicher, der Wind wird nicht weniger. So haben wir dann 30 m Kette draußen, beruhigt das Gewissen und lässt einen ruhiger schlafen. Dieser Hafen ist halt derzeit in Bearbeitung und die „Mono-Alley“, wo Einrumpfboote mit Tiefgang wie wir ankern können, ist sehr begrenzt. Da ist zwischen Bug und gegenüberliegender Mole nur etwa 10 Meter Platz. Wir haben uns schließlich etwas schräg ausgerichtet, um die 30 m Kette ausbringen zu können.

Nach der Anfangsaufregung haben wir dann ein paar entspannte Tage auf der schönen Insel. Wir können unseren Berg Wäsche wieder mal zu vernünftigen Preisen waschen lassen und der Hol- und Bringservice für kleines Geld macht es auch noch einfach. So leihen wir uns Tags darauf mit Isabell und Jeff zusammen Scooter aus, um eine Inselrundfahrt zu unternehmen, bei der wir alle Sehenswürdigkeiten abklappern. Zuerst erklimmen wir zu Fuß den höchsten Punkt, um die Aussicht über das Atoll zu genießen auf 124 m Höhe. Anschließend geht’s vorbei an dem kleinen Flughafen und Golfplatz (!) zur blauen Lagune mit einem Mittagssnack in dem dortigen Restaurant. Dieses war sehr liebevoll dekoriert mit altem Schiffszubehör. Weiter auf unserer Inselrunde geht es zum Crazy-Tree, einem riesigen Baum, der quer über die Straße wächst und man quasi „im Tunnel“ durchfährt. Schnell noch eine alte Versammlungsstätte gesucht, bevor wir jetzt aber einen Kaffee haben wollen. So fahren wir zu einem kleinen Cafe, dem Avatea-Cafe, das sehr gute Kritiken hat. Leider ist es bereits 15 Uhr und sie haben geschlossen. Ähnlich wie überall im Pazifik bisher sind hier die Restaurants, Cafes etc. von 10 – 14 Uhr und dann wieder ab 17 Uhr geöffnet. Das können wir Europäer mit unserem 15-Uhr-Kaffee-trinken-gehen-wollen nicht verstehen….

Aber: es gibt ja ein Restaurant, das durchgängig den ganzen Tag offen hat!!! Also gehen wir halt da hin. Ach ja: der Tag fing ja super an mit den Scootern. Wir bekamen diese an die Boote geliefert. Sabine und ich wollten dann noch schnell unsere Gasflasche zum Füllen bringen und sind schon mal vorausgefahren. Weit sind wir nicht gekommen. Bereits nach 300 Metern mussten wir anhalten, da der Vorderreifen platt war. So standen wir vor der Touristinfo, die natürlich geschlossen war, da Samstag ist. Aber eine nette Dame hielt an, fragte ober wir Hilfe gebrauchen könnten und rief für uns beim Verleiher an, der dann auch kam und einen neuen Vorderreifen brachte. Bis dieser da war, haben uns auch Jeff und Isabell eingeholt 😊

Wir haben dann auch noch zu Fuß eine kleine Farm besucht, wo man diverse Gemüse, Salate und Kräuter kaufen kann. Leider gab es derzeit noch nicht so viel – ist ja Winter. Aber immerhin haben wir wieder einmal einen frischen Salat, der sogar schon geputzt ist und das noch zu einem recht fairen Preis. Und obendrein bekamen wir dann auch noch 4 Papaya geschenkt. Wir haben es wieder einmal genossen, lecker Essen zu gehen – nicht nur Steak oder Burger, was hier überall so üblich ist. Auch wollten wir die Happy Hour in einem Hotel nutzen. Die Stunde stimmte, aber das mit dem Happy müssen wir noch mal üben. Es gab eine spezielle Happy-Hour-Karte mit 4 alkoholischen Cocktails, die jeweils etwa 1,50 € günstiger waren, als auf der normalen Karte. Da waren wir von Happy ganz weit weg….

Wir haben am Abend dann in besagtem Hotel noch eine Tanzvorführung angeschaut. Diese wird 2 mal wöchentlich dargeboten und die Gäste können vorher an einem Buffet teilnehmen. Dieses Geld sparen wir uns und kommen einfach direkt als Zaungäste zur Vorstellung. Das ist gar kein Problem und machen einige hier.

Alles in allem muß man sagen, daß es uns hier schon sehr gugt gefallen hat. Die Menschen sind unwahrscheinlich freundlich und suchen das Gespräch. Kaum stehst Du irgendwo und guckst etwas dumm in der Gegend rum, schon wird Dir Hilfe oder eine Autofahrt angeboten, wenn man die Straße langläuft. Die Häuser und Gärten sind gepflegt und alles sieht sehr ordentlich aus. Es gab leckeren Kaffee und Smoothies und auch eine kleine „Dorfdisco“ war vorhanden.

Von Aitutaki aus wollen wir weiter nach Palmerston. Diese Insel gehört auch zu den Cook’s, man benötigt jedoch eine Genehmigung (Permit) hierfür und muß diese per E-Mail beantragen. Dies haben wir bereits gemacht, als wir angekommen sind. Eigentlich wollten wir auch eine Einwohnerin von Palmerston aus Aitutaki mitnehmen, die über die WhatsApp-Gruppe eine Mitfahrgelegenheit gesucht hatte. Denn es gibt dort keinen Flughafen und auch keine Fährverbindung. Jedoch hat sie uns 2 Tage vor der geplanten Abfahrt mitgeteilt, daß sich bei ihr etwas verzögert und sie in der kommenden Woche mit einem anderen Boot mitfährt. So haben wir entschieden, nicht bis Samstag mit der Abfahrt zu warten und schon am Freitag loszufahren. So haben wir definitiv auch bessere Bedingungen.

Also wieder zu unserem Zoll und ausklarieren und alle Schulden bezahlen. Hier gibt es eine Gebühr für die Biosicherheit, für die Gesundheitsbehörde, eine Hafengebühr für das Ankern sowie eine Abreisegebühr. Alles in allem kommt da schon ein schönes Sümmchen zusammen, dafür daß wir in so einer Baustelle ankern. Aber: wir sind am Ende der Welt!

Das schöne hier ist, daß in den WhatsApp-Gruppen auch Einheimische aktiv sind und vor allem auch die, die für etwas zuständig sind. Diese kümmern sich und helfen, wo sie können. So hatten wir im Vorfeld bereits Kontakte nach Palmerston geknüpft und nachgefragt, ob noch etwas benötigt wird, was wir mitbringen können. Da wir aber ja eigentlich eine Dame mitnehmen wollten, hat niemand mehr sonst noch etwas beauftragt – ging man doch davon aus, daß unser Boot schon voll wird.

So sind wir dann am Freitagmorgen mit dem ersten Tageslicht gegen 7.30 Uhr aufgebrochen und haben unsere Leinen gelöst und den Anker gelichtet. Alles lief reibungslos. Der Hafen war inzwischen leer – nur noch Pat und wir waren da. So hatten wir Platz zum hantieren und mussten nicht auf andere Schiffe aufpassen; wir konnten mit Ruhe unsere langen Landleinen aufrollen und gleich wieder verräumen (3x 100 Meter Leine wollen erst mal aufgerollt werden), während wir noch am Anker hingen und den Platz in der schmalen Gasse für uns hatten.

Fahrt in den Sonnenuntergang

Die Passausfahrt war total entspannt und noch war das Meer ruhig im Inselschatten. Wir setzten die Segel und setzen Kurs auf Palmerston. Nach kurzer Zeit setzt dann die Dünung und Windsee ein, auch wenn die Wellen nicht all zu hoch sind, sind deren Abstände recht kurz und die Fahrt etwas ruppig. Aber alles nicht so schlimm, die 210 sm schaffen wir bis zum späten Samstagnachmittag. Gerade noch rechtzeitig, daß uns Edward und Julianna besuchen kommen und den Check-in erledigen. Wir werden noch schnell über die Gepflogenheiten der Insel aufgeklärt und das war es. Hier liegen wir im Außenbereich des Atoll´s an einer Boje. Edward hat hier einige Bojen mithilfe von anderen Seglern installiert, um das Korallenriff zu schützen. Einen Pass in das Atoll für Schiffe gibt es nicht. Die Öffnung durch das Riffdach ist so klein und flach, das man es nur mit kleinen Booten befahren kann. Es wird auch empfohlen, nicht mit dem eigenen Dinghy zu fahren, zu schwierig ist der Zugang. So kommt es, daß wir gleich mit Edward einen Shuttle für Sonntagfrüh um 9 Uhr verabreden, denn um 10 ist Kirche, da muss er zurück sein. Fast pünktlich kommt er dann am nächsten Morgen an, um uns abzuholen, wir erleben so live die Durchfahrt. Aber als wir auf ihn warteten, tauchten 50 m neben unserem Boot zwei Buckelwale auf, welch ein Erlebnis die Giganten der Meere zu beobachten, immer wieder. Ich überlege noch kurz, ob ich mich schnell ins Wasser begebe, ein Traum von mir ist es, diese Tiere auch mal Unterwasser zu sehen, aber ich verkneife es mir, es kommt bestimmt noch eine Gelegenheit. Edward kennt natürlich die Örtlichkeiten hier im Schlaf und zirkelt das Boot, nachdem wir eingestiegen sind, durch Strömung und Untiefen. Wir werden dann herzlich von der Familie empfangen und werden zum Mittagessen eingeladen. Zuvor geht es aber noch in die Kirche, wir gehen da auch mit. Aber Sabine hat nur kurze Hose und Shirt an, das geht gar nicht. So bekommt sie von Meli, Edwards Schwiegertochter, noch ein passendes Outfit, Kleid und Hut verpasst. Ich hatte mir schon vorsorglich eine lange Hose mitgebracht. So haben wir von den 37 Inselbewohnern schon einmal 21 gesehen. Was die paar Leute für eine Lautstärke beim Gesang an den Tag legen war auch schon sehr beeindruckend, wobei noch Mann und Frau mehrstimmig das ganze gestalteten. Zurück am Haus gab es dann leckeres Essen und das ein oder andere wurde ausgetauscht. Der Nachmittag ist hier, am Tag des Herrn, ganz der Entspannung gewidmet, alle legen sich zum Schlafen hin. Wir machen uns da auf die Socken und erkunden das kleine Eiland. So staunen wir, als wir die Schule besichtigen: nicht schlecht für die 11 Kinder, die hier leben. Daneben gibt es gleich noch einen Lerngarten, in dem Gemüse angebaut wird. Ob das einmal Früchte trägt und die Bewohner ihr eigenes Gemüse anbauen ist aber eine andere Frage. Es ist natürlich sehr mühselig hier etwas anzubauen, aber Zeit hätten sie ja. Gleich neben der Schule steht die relativ neue Energiezentrale der Insel, ein kleiner Solarpark mit Batteriespeicher und falls es nicht ausreicht ein Dieselgenerator. So ist es auch nicht verwunderlich, daß auf den kleinen Wegen überall Straßenlaternen angebracht sind, ein Kuriosum das wir so nicht erwartet hätten. Leute sind um diese Uhrzeit sonst keine zu sehen, mit denen man sich unterhalten könnte, so sind wir dann am Strand entlang noch einmal rundherum gelaufen. Zum Teil sind auch noch schwere Baumaschinen zu sehen, wo man sich fragt, wie sie die auf die Insel gebracht haben, leider werden diese nicht gepflegt und werden einfach der Natur überlassen. So steht ein Bagger am Strand, der Fahrerstand ist noch in einem neuwertigen Zustand, nur das Fahrgestell und die Ketten sind schon so von der Salzluft zerfressen, so daß er keine 5 m mehr fahren würde. Wie auf allen bisherigen Inseln fehlt es an Wissen und/oder Ersatzteilen, um alles am Laufen zu halten. So verabreden wir uns noch vor der Abfahrt zurück zu unserem Boot mit Edward für den nächsten Tag, um einen seiner Außenbordmotoren zu reparieren. Für seine Taxidienste übergebe ich ihm noch 10 Liter von dem kostbaren Sprit den wir dabeihaben, wir bekommen wenigsten wieder welchen, wenn wir an einer der größeren Inseln vorbeikommen. Obenauf lege ich noch eine unserer Landleinen von Patagonien, die dankbar angenommen wird. Hier ist alles sehr rar, das Versorgungsschiff kommt nur alle 3- 4 Monate!!!

Am Abend als wir uns ins Bett legen hören wir ein, ich sage mal, rhythmisches Geräusch. Zuerst denke ich wieder mal eine neue Geräuschkulisse am Boot, die ich noch nicht kenne. Was könnte das wieder sein? Nur passt es so gar nicht zu den Bewegungen die das Boot an der Boje macht, was eigentlich der Fall ist. Wir hören beide gespannt und überlegen. Plötzlich ändert sich das Klangbild, es sind Wale, die sich unterhalten. Auch so ein Traum den ich mal erleben wollte, erfüllt, hoffentlich erleben wir noch mehr davon. Da ist unser Aluminiumdampfer ein guter Resonanzkörper und wir hören im Schiff mehr als außerhalb. Ein wirklich krönender Abschluss für einen fantastischen Tag. So sind wir am Montag wieder abgeholt worden. Nach der obligatorischen Begrüßung, Sabine hatte einen Kuchen mitgebracht, der gleich getestet wurde, wollte Edward das wir erst einmal noch die Insel erkunden und nach dem Mittagessen könne wir uns ja mal den Motor anschauen. Da hat er aber die Rechnung ohne mich gemacht. Ich mache im deutlich, daß ich gleich mit dem Motor anfange, das hat ihn dann, so glaube ich, ganz schön gestresst 😊. So hat er mir dann doch das Problem gezeigt und ich habe mich über den Motor her gemacht. Schnell war klar, daß es nichts Großes ist, das eigentliche Problem, ein hängender Schwimmer im Vergaser, schnell behoben. Laufen tut er leider doch nicht so rund. Ich probiere die Verunreinigungen im Vergaser zu beseitigen, leider sind die so stark, daß mir hier die richtige Ausrüstung fehlt. Ich zeige im am Handy einen Ultraschallreiniger, der hier helfen würde, vielleicht hat einer der nächsten Segler einen dabei oder er bestellt einen und lässt ihn mit dem nächsten Versorgungsschiff kommen. Wie der Zufall so will, soll nächste Woche das Schiff kommen, nur leider ist das zu spät für eine Bestellung, dann halt erst in ca. 3-4 Monaten. Es läuft ja nicht davon, die Uhren ticken hier halt etwas anders. Leider zwingt uns das Wetter schon für den nächsten Tag wieder zur Weiterfahrt. Die einzige Chance noch Wind bis zu unserem nächsten Ziel zu haben. Da wir uns in dem Bereich der Interkonvergenzzone befinden, das viel Windstille und Turbulenzen beinhaltet, das will genutzt werden. Wenn wir nicht abfahren, müssen wir hier für mindesten die nächsten 10 Tage bleiben, das ist uns dann doch etwas zu lange. So verabschieden wir uns nach getaner Arbeit von der Familie und Edward bringt uns am Nachmittag zurück zum Boot. Dort beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Fahrt zum Beveridge Riff, die wir am nächsten Morgen starten werden. Früh lösen wir unsere Leine dann von der Boje und blicken ein letztes mal zurück zu dem kleine Eiland auf dem Atoll.

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Tuamotus, zweiter Teil

Wir gehen um 2 Uhr in der Früh Anker auf und verlassen Tahanea, die Passausfahrt ist einfach und eine ruhige, entspannte Nachtfahrt nach Fakarava liegt vor uns. Wir erreichen den Südpass gegen 11 Uhr, das Timing stimmt. Wir fahren mit leichter Gegenströmung in den anfangs breiten Pass. Die Wassertiefe steigt von 30 m bis auf knapp über 4 m an und wir müssen etwas Schlangenlinien fahren, um in der Einfahrt den Untiefen auszuweichen. Kurz darauf fällt der Anker in einem Minenfeld aus Bommis, einen kleinen Sandfleck für unseren Anker zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach, wird aber gemeistert und wir lassen unsere Kette mit den Bojen schwimmen, um die Korallenblöcke nicht zu beschädigen. Diese Ankertechnik wenden wir zu Zeit eigentlich immer an, um auf Nummer sicher zu gehen. Es erleichtert auch das Aufholen des Ankers/ Kette. Bei Winddrehern schwebt die Kette eben über die Korallen und verhängt sich nicht in diesen, oder wickelt sich gar drumherum. Der Südpass von Fakarava hat auch einen sehr bekannten Tauchplatz, die „Wall of Shark“, den wir auch besuchen wollen. Kurz nach unserer Ankunft sehe ich die ersten Tauchboote zum Pass fahren, das richtige Indiz für die richtige Zeit. Denn auch hier zählt, das richtige Timing zu beachten, daß man mit der beginnenden einlaufenden Strömung den Tauchgang startet. Zu früh hat man noch Gegenströmung und auch eine schlechtere Sicht, zu spät wird die Strömung zu stark für einen entspannten Tauchgang. Ich beschließe mit Fred zum Pass zu fahren und einen Schnorchelausflug zu unternehmen, Sabine hat keine Lust. So habe ich, mit Fred im Schlepptau, einen wirklich schönen Schnorchelgang, ich sehe wie die Taucher sich treiben lassen und natürlich jede Menge an Haien. Außerdem noch einige große Napoleonfische und Fischschwärme, die sich mir präsentieren.

Leider ändert sich die Wetterlage und ein Nordwind soll sich für die nächsten Tage einstellen. Wir beschließen uns in die südöstliche Ecke vom Atoll zu verstecken. Bei einem 30 sm langen Atoll wird sich da einiges an Welle aufbauen, die sehr ungemütlich werden kann, außerdem liegen wir dann Legerwall, sprich wir werden auf die Küste gedrückt. Sollte hier ein Problem mit dem Anker auftreten kann es schnell kritisch werden. Das Umfeld vom Südpass ist natürlich auch stark frequentiert, hier in der Ecke ist dagegen wieder entspannte Ruhe. Wir sind in Kontakt mit Dirk von der Manus 2, er hatte ja den direkten Weg zum Nordende vom Atoll genommen, um seinen Besuch am Flughafen abzuholen, er will schließlich am Tag darauf zu uns stoßen. Wir machen aus, daß wir uns auf dem Weg zum Südpass machen um, nachdem sich der Wind etwas abgeschwächt hatte, zu schauen wie die Bedingungen sind. Vor Ort stellt sich heraus, daß die Wellen doch noch sehr ungemütlich sind, wir drehen kurzerhand wieder um, geben Dirk Bescheid, und treffen uns dann in der Südostecke. Schließlich lernen wir Peter kennen, sein Freund der auf Besuch gekommen ist. Wir unternehmen noch einen Landgang und Schnorchelausflug zusammen und genießen die gemeinsamen Sundowner auf einem unserer Boote, inclusive der Geburtstage der beiden, die aufeinander folgen.

Danach ist es endlich soweit, wir verlegen uns zurück zum Südpass. So unternehmen wir gemeinsam Landgang, Restaurantbesuch, schnorcheln und natürlich einen Tauchgang im Südpass. Dazu fahren wir gemeinsam mit Fred zum Pass, Sabine und ich machen den Anfang, während uns die Manus-Crew schnorchelnd mit Fred im Schlepptau folgt und uns am Ende des Tauchgangs schließlich wieder aufnimmt. Das ganze wieder zurück und auf Anfang, nur mit umgekehrter Besatzung. Um es kurz zu machen, es war ein fantastisches Erlebnis nach über 12 Jahren wieder mal mit der Pressluftflasche Unterwasser zu gehen und das noch an einem solchen Platz. Wir sehen eine Unmenge an Haien an uns vorbeiziehen, es sollen bis zu siebenhundert Stück hier leben. Des Weiteren gibt es große Napoleonfische und diverse Fischschwärme, die sich am Riff präsentieren.

Wieder treiben uns die Wetteraussichten zwei Tage später voran, es ist der einzige Tag wo wir unter Segel in den Norden kommen, bevor sich erstmal Flaute einstellt. Wir wollen nach Rotoava, dem Ort von Fakarava, schließlich kommt das Versorgungsschiff dort morgen an. Unsere Frischevorräte sind leer und wollen aufgefüllt werden, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Auch ist es hier Zeit Abschied zu nehmen von Dirk und Peter, die beiden müssen nach Tahiti weiter, um rechtzeitig zum Flieger zu kommen. Für Peter ist der Urlaub zu Ende, kurz darauf fliegt auch Dirk für einen Heimaturlaub nach Hause. Eine schöne Zeit ist vorbei, vielleicht treffen sich unsere Wege wieder im weiteren Verlauf. Wir gehen dann 2 Tage später Anker auf und wollen dem Nordpass einen Besuch abstatten, konnten aber in der Zwischenzeit mit Stephane von der Lazarina 2 ein kleines Wiedersehen feiern.

Am Nordpass waren dann die Bedingungen alles andere als schön, unsere Josa veranstaltete einen kleinen Rodeoritt vor Anker. Wir beschlossen den Pass nicht zu besuchen: alleine das zu-Wasser-lassen von Fred und wieder retour wäre eine Herausforderung geworden. So bleiben wir nur über Nacht und vollbrachten am nächsten Tag das kurze Stück von 20 sm nach Toau. Wir bleiben ein paar Tage in dem nahezu unbewohnten Atoll, vertreiben uns die Zeit mit ausgiebigen Schnorchelausflügen in den beiden Pässen, die in unmittelbarer Nähe liegen und selbstverständlich auch an den kleinen Riffen, die auf dem Weg dorthin sind. Ja und die kleinen Arbeiten die da wieder mal zu erledigen sind, wollen auch abgearbeitet werden. In einem Atoll wo es sonst nichts weiter gibt eine gute Möglichkeit, diese von der ToDo-Liste streichen zu können. Nach 5 Tagen geht es dann ans Nordende von Toau: in den Blindpass. Das ist ein Pass, der nur von der Außenseite zugänglich ist und quasi eine Sackgasse ist. Es ist auch der erste Ort, an der es wirklich Festmacherbojen gibt, an denen wir uns festmachen können. Eigentlich eine perfekte Sache, so werden die Korallen durch die vielen Anker und Ketten verschont. An vielen Orten markiert, aber nur an wenigen vorhanden, leider. Es wurden schon einige Bojen gesetzt, leider fehlt es an deren Pflege und sie sind wieder verschwunden. Wenn ich als Yachti mich an so einer Boje befestige, möchte ich auch die Gewissheit haben, daß sie hält und nicht mein Boot bei aufkommenden Winden auf Drift geht, wenn die Befestigung reißt. Hier ist alles gut, die Bojen gehören wohl einem der beiden Familien, die hier leben und werden regelmäßig kontrolliert. Dafür muss man auch einen kleinen Obolus bezahlen, was auch völlig ok ist. Trotzdem haben wir Glück und liegen umsonst hier, der Besitzer ist aktuell nicht da, den anderen interessiert es nicht. Auch hier wieder schnorcheln vom Feinsten, es gibt jede Menge an Haien, die um das Boot und beim schnorcheln zu sehen sind.

Von hier aus geht es dann zum 100 sm entfernten Atoll Rangiroa, was wir wieder einmal mit einer Nachtfahrt bewerkstelligen wollen. Die Überfahrt gestaltet sich dann alles andere als einfach. Es zieht ein ausgewachsenes Regenband über uns, das von Flaute bis Starkwind alles im Gepäck hat, Winddreher von weit über 90 Grad inclusive. Ich schaffe es irgendwie auf 2 Stunden Schlaf in der Nacht zu kommen, aber was soll es, ist ja nur eine Nacht. Am Vormittag fällt der Anker vor Tiputa, der Stadt des Atolls. Rangiroa empfinden wir als das touristischste Atoll der Tuamotus, täglich starten und landen mehrere Flugzeuge, die die Gäste anbringen/ abholen. Die örtlichen Tauchschulen fahren ihre Kundschaft fleißig zu den Tauchspots, die wir nur schnorchelnd erkunden. Ein wohl sehr lohnenswerter Tauchgang soll am Außenriff der Passeinfahrt sein, wir entscheiden uns dagegen, zu schlecht sind die aktuellen Sichtbedingungen aufgrund der Wind- und Wetterbedingungen. Der Schnorchelgang an der kleinen Insel an der Innenseite vom Pass entschädigt für so einiges, wenn auch hier die Sicht eingeschränkt ist. In der Zwischenzeit habe ich Kontakt mit einem anderen Boot aufgenommen, das Motorenprobleme hat; sie kommen zu uns gesegelt und ich schaue mal, ob ich da weiterhelfen kann. Sie kommen am späten Abend an und am nächsten Morgen wird schließlich Hand angelegt. Nach einigen Stunden ist das Problem gelöst und der Motor schnurrt wieder, wie er soll, alle sind Glücklich.

In der Zwischenzeit haben wir uns auch festgelegt, daß es am Ende vom Jahr nach Neuseeland gehen soll. Die ganze Zeit war es noch völlig offen, was wir machen. Neuseeland, Australien oder gleich nach Indonesien, wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber wenn wir schon einmal so „Nah“ dran sind, sollten wir das auch ausnutzen. So ist natürlich auch einiges zu Planen und zu Organisieren, langweilig wird es bestimmt nicht.

Nach der getätigten Arbeit geht es dann auch schon weiter zu unserem letzten Stopp in den Tuamotus, auf nach Tikehau. Die 45 sm sollten gut in einer Tagesetappe zu schaffen sein, ja wäre nicht die zeitliche Abstimmung mit der Passausfahrt. Bei Tagesanbruch ist eigentlich die ungünstigste Zeit, die man sich aussuchen kann, ich beschließe 2 Stunden später zu starten. Die entscheidenden 300 m durch den Pass werden trotzdem wild, das Wasser wird mehrfach über das Deck gespült, aber unser Dickschiff meistert die Passage in gewohnter Souveränität. Leider lässt uns ausgerechnet auf dieser Passage die Wind- und Strömungsverhältnisse im Stich. Um noch vor Einbruch der Dunkelheit und natürlich auch zur rechten Zeit am Pass zu sein, entscheiden wir uns, unseren Motor mitlaufen zu lassen, wir Motorsegeln die Strecke. Wir kommen wie geplant an, die Passeinfahrt passt wieder und der auserkorene Ankerplatz ist gleich um die Ecke. Am nächsten Tag geht es noch zum schnorcheln in den Pass, die Zeit am Vormittag sollte passen, am Nachmittag wollen wir noch innerhalb des Atolls verlegen. Leider gibt es aktuell kein einlaufendes Wasser in den Pass, es gibt nur einen kurzes Zeitfenster, in der das Wasser zum Stillstand kommt, die Sicht ist entsprechend schlecht. Zu diesem Ereignis kommt es durch die aktuellen starken Ostwinde die auf der anderen Seite vom Atoll jede Menge Wasser durch die Öffnungen drückt und dann an der Westseite, an der wir uns befinden, nur noch abfließen. Nach dem schnorcheln geht es Anker auf und wir verlegen auf die Ostseite vom Atoll. Der Wind kommt genau von Vorne, ein kreuzen durch das Atoll möchten wir nicht, zu viele Untiefen sind auf dem Weg, denen ausgewichen werden muss. So kommt wieder der Motor zum Einsatz und bringt uns auf die andere Seite. Hier liegen wir jetzt wie im Abrahams Schoss, absolut ruhig und geschützt. Der Anker liegt vor dem „Garden Eden“, zwei Familien die hier noch Obst und Gemüse anbauen, in den Tuamotus absolut einmalig. Sie stellen aus Kompost Erde her, auf denen sie alles anpflanzen. Leider ist zur Zeit nur Pok Choy fertig und die letzten Eier hat die Yacht vor uns mitgenommen, Pech gehabt. Wir bekommen vom Besitzer noch einen Rundgang durch die Anlage, in der er uns alles erklärt und zeigt, leider habe ich keine Kamera, dabei um es euch hier zu zeigen. Die Familien bauen alle möglichen Gemüsesorten an, die sie aus Samen selbst kultivieren, haben diverse Früchte wie Papaya und Banane, ebenso Vanille und stellen sogar eigenes Meersalz her. Ebenso besteht noch eine kleine Perlzucht.

Da uns die Abfahrt nach Tahiti bevorsteht, haben wir hier noch ein strammes Programm. Das Wetter gibt uns wieder den Takt vor. Im Moment zeichnet sich eine stabile Wetterlage ab und für drei Tage sollten die Wellen auch sehr moderat sein, das wollen wie ausnutzen. Wir könnten es auch etwas entspannter Angehen, aber dann wird es wahrscheinlich eine Woche später. Hier eine Woche und da eine Woche, wir wollen weiterkommen. Um nach Neuseeland zu kommen, muss es auch zeitlich passen, die Zyklonsaison fängt im November an. Lieber geben wir jetzt etwas Gas, wenn sich die Möglichkeit ergibt, als es uns am Ende fehlt.

So bleiben wir auch nur zwei Nächte hier um noch an den Mantapoint zu verlegen, ein Ort an dem es eine Putzerstation für die sanften Riesen geben soll, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zuvor machen wir aber noch einen Ausflug mit Fred zur Vogelinsel, die vor dem Garten Eden liegt. Auf diesem kleinen, unbewohnten Eiland brüten tausende von Seevögeln unterschiedlicher Art. Auf der Insel ist ein kleiner Rundweg angelegt, der mit Leinen markiert ist. Bei dem ständigen Vogelgezwitscher können wir Weißkopfnoddys, Braunnoddys, Feenseeschwalben und Rotfußtölpel identifizieren. Letztere sind gerade mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Die Vögel haben auch keine Angst vor uns, wir kommen sehr nah an die Vögel ran. Einfach ein paradiesischer Ort hier. Weiter geht es dann zum Ankerplatz Mantapoint, es ist schwachwindig. Es ist ein schöner Tag und keine Welle, so segeln wir gemächlich unserem Ziel entgegen, für die 10 sm braucht es über 4 Stunden bis der Anker wieder fällt. Beim ersten Schnorchelausflug gibt es auch gleich einen der sanften Riesen zu sehen, wie er gemütlich um den Bommie kreist und sich dabei von den Putzerfischen verwöhnen lässt. Es ist so Windstill das wir am Platz bleiben können und nochmal ins Wasser absteigen, auf der Suche nach den Riesen. Leider ist das Wasser sehr trüb und die Sicht sehr begrenzt. Nach drei Nächten heißt es jetzt, Tahiti wir kommen.

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1000 Tage Wochenende

Ja es steht ein kleines Jubiläum im Raum, am 7. Mai sind wir seit unserem Start in Hamburg, nun schon so lange unterwegs. Es gibt ein Buch von einem Segler der in drei Jahren um die Welt ist, der Titel: „1200 Tage Sonntag“. Dem kann ich so nicht zustimmen, Wochenende passt da wohl besser. Sonntag ist für mich so ein Tag an dem es heißt, Füße hochlegen. Der Samstag ist dann so der Arbeitstag an dem das ein oder andere zu erledigen ist, typisch Deutsch halt. Wobei sich das mit den Wochentagen ja schon lange erledigt hat. Was für ein Tag ist heute? Keine Ahnung, ich müsste nachschauen. Da sind mit Sicherheit arbeitsreiche Sonntage dabei gewesen, dafür „unter der Woche“ Füße hoch angesagt.

Es nun schon eine lange Zeit her seit dem Beginn, aber Erinnerungen, Erlebnisse oder Begegnungen haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Wie es der Zufall will, ist auch der Tag, an dem ich mein Zuhause verlassen habe nur wenige Tage entfernt, es war der 11. Mai. Wenige Tage zuvor wurde unser Schiff für den Transport auf der Straße verladen. Der Aufruf in der Whatsapp-Gruppe von Willanzheim zu sehr später Stunde für ein paar helfende Hände. Bei der Abfahrt vom LKW stellte sich heraus, daß der Mast falsch liegt und mal eben um 1 m verschoben werden muss. 30 Minuten später waren genügend Helfer da, um das Ganze per Muskelkraft zu korrigieren, Dorfgemeinschaft sei Dank. Ja und dann kam die sehr emotionale Abfahrt von zu Hause, mitten in der Nacht, durch die leeren Straßen. Wenn ich heute diese Zeilen schreibe und zurück denke, wird es wieder emotional. Letzter Besuch beim Arbeitgeber, um Tschüß zu sagen und alles abzugeben. Ankunft in Kappeln: Wo ist unser Boot? Die letzten Stationen der Vorbereitungen, um das Boot fertig zu bekommen waren in Kappeln, Flensburg, Kiel und Hamburg. In der Zwischenzeit Besuch von Freunden, die sich verabschiedeten. Und ganz wichtig: der Besuch von meiner Familie, die sich auch nochmals verabschiedet hat, emotional wieder. In Hamburg letztendlich Besuch von Arbeitskollegen und schließlich Chris, der uns die erste Etappe die Elbe hoch bis nach Cuxhafen begleitet hat.

Erste nervenaufreibende Motorenprobleme in Belgien, nach deren Lösung es den dann aber weitestgehend problemlos weiter geht. Es folgte die Biskaya, weiter die Küste runter bis Lissabon und schließlich auf die Kanaren. Heute muss ich sagen, daß wir hier eine einschneidende Begegnung hatten. Wir trafen Andrea und Dirk von der Southeast, ausgesprochene Südamerikaliebhaber, die die weitere Reiseplanung quasi auf den Kopf gestellt haben, sehr zum positiven! Genauso haben unsere Erlebnisse sie inspiriert und sie sind mittlerweile mit dem eigenen Boot in Brasilien angekommen, sehr zu unserer Freude.

Es folgen die Kap Verden und der Sprung über den Atlantik nach Brasilien mit der Äquatorüberquerung. In Jacare lernen wir Kerstin und Mike von der Salto kennen, die wir immer wieder auf den Weg in den Süden treffen, auf der Isla Los Estados unsere erste gemeinsame Woche im tiefen Süden verbringen, bis wir gemeinsam in Ushuaia ankommen. Leider haben sich durch unsere erneuten Motorenprobleme die Wege in Puerto Williams getrennt. Erst in Puerto Montt gab es ein Wiedersehen. Immer wieder sind es auch diese zufälligen Begegnungen, die es so Besonders machen. Freundliche Menschen die, auch wenn sie wenig haben, teilen und helfen wo sie können, überall auf unserer Reise.

Dann sind wir ja auch so völlig untypische Segler, man muss inzwischen „leider“ dazu sagen. Wenn wir irgendwo vor Anker gehen, setzten wir uns ins Dinghy, fahren eine Begrüßungsrunde zu den Nachbarliegern und stellen uns vor. Wenn jemand keine Lust auf Kommunikation hat, stellt man das innerhalb von Sekunden fest. Mit der ein oder anderen Besatzung hat man dann auch vielleicht das ein oder andere Treffen und eine schöne gemeinsame Zeit. Und dann gibt es noch die Anderen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt. So bei Andres und Guillermo, Argentinier die wir in Brasilien kennengelernt haben und später eine wunderbare Zeit zusammen in ihrer Heimat verbracht haben. In Uruguay war es dann einmal anders herum, wir liegen fest im Hafen als plötzlich an unserem Boot ein deutsches Hallo ertönt. Wir lernen dadurch Daniel und Mechtild kennen, ein uruguayisch-deutsches Ehepaar, die uns dazu verleiteten, doch ein paar Tage länger in dem dortigen Hafen zu verweilen, bis Daniel schließlich eine Etappe mit uns gesegelt ist.

Bei einem weiteren Zwischenstopp haben wir dann auch unseren ersten Kontakt mit Ulf von der Farvel, einem Solosegler, mit dem wir später gemeinsam Patagonien bereisen und am Kap Horn waren. Nora und Hacko von der Anixi, die wir endlich in Pueto Williams persönlich kennenlernen, wir hatten schon lange zuvor Kontakt über Handy. Sie haben Patagonien von Nord nach Süd durchquert und sind uns quasi entgegen gekommen. Man könnte die Liste unendlich weiterführen. Hier in Französisch Polynesien treffen wir viele, die eine ähnliche Route wie wir fahren, man trifft sich immer mal wieder und hat eine schöne Zeit zusammen, lernt immer wieder neue Segler aus unterschiedlichen Ländern kennen, die gemeinsam mit uns den Südseetraum leben.

Auf der bisherigen Reise war aber für mich das absolute Highlight natürlich Patagonien mit seiner fantastischen Natur. Auch wenn es viele andere schöne Orte gegeben hat, war dieser schon etwas Besonderes. Als kultureller Höhepunkt war schließlich das Marquesasfestival auf Ua Huka. So, jetzt genug von dem kleinen Rückblick. Die nächste Etappe steht vor der Tür und die Planungen für Neuseeland laufen, unserem nächsten großen Ziel, das ihr wieder alle auf der Karte findet.

Auf die nächsten 19400sm (ca.36000km) 😉
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Tuamotus – weg von Bergen hin zu flachen Atollen

So sind wir am Dienstagnachmittag aufgebrochen gen Süden. Wir haben auch gleich wieder unsere Angel ausgebracht und Kraki schwimmen lassen – und tatsächlich: direkt vor Hapatoni, noch in der Landabdeckung, haben wir Bewegung an der Angel. Jochen hat schwer gekämpft, wir haben dann die (noch) Motorfahrt unterbrochen, um es etwas leichter zu machen. Wir hatten einen kapitalen Gelbflossenthunfisch dran, der partout nicht an die Wasseroberfläche wollte. Jochen hatte ihn dann endlich in Bootsnähe und dieser Fisch wollte sich immer unter unserer Dicken verstecken. Leider hat er es dabei geschafft, die Angelschnur an der Windsteueranlage aufzureiben und diese ist dann gerissen. Weg – Fisch und Köder, heul. Das war es dann mit Angeln. Zuerst muss das Equipment wieder startklar gemacht werden, aber bei den anschließenden Bedingungen vermeiden wir es sowieso zu Angeln.

Inzwischen waren wir auch aus dem Wind- und Wellenschatten der Insel hinaus und die übliche südpazifische Welle ging wieder los. Wir hatten fast während der gesamten Überfahrt einen schönen Halbwind von 4 – 5 Beaufort, aber dazu halt leider auch die Welle direkt von der Seite auf das Boot. So hieß es denn wieder einmal 4 Tage rumrollen mit Schräglage, glücklicherweise sind wir von vorneherein nur im 2. Reff beim Großsegel losgefahren. Es war Wind von 3  – 4 bft angesagt und da wir wissen, daß wir da immer noch was draufpacken müssen, haben wir uns gleich für Reff 2 entschieden. Wir möchten nicht bei Wind und Welle noch am Mast rumturnen müssen, um die Segelfläche zu verkleinern, was ein großer Kraftakt ist, wenn Winddruck vorhanden ist. Und das war eine sehr gute Wahl. Wir sind auch so teilweise mit 7 Knoten Fahrt dahingerauscht. Und so konnten wir die Geschwindigkeit gut über die Genua kontrollieren. Nachts sicherheitshalber etwas weniger Segel und tagsüber halt etwas mehr. Noch dazu bekamen wir dann auch einmal wieder etwas Wetter ab, so daß Jochen wieder einmal klatschnass war vom Regen, währenddem er die Genua reffen musste. Nachdem zahlreiche Regenzellen uns besucht haben, beruhigte sich das wechselhafte Wetter auch wieder und nach und nach wurde die Welle auch etwas weniger.

hier kämpft der Skipper noch mit dem großen Fisch

Und so waren wir ziemlich flott, kalkulierten, daß wir wohl am Samstag morgen ankommen werden. Und Glück muß man halt auch haben – man soll in die Atolle vorzugsweise bei Slack einfahren. Slack bedeutet der Stillstand der Ein- und Ausströmung bei Wechsel von Ebbe und Flut. Und laut unseren Daten sollte Hochwasser am Samstag morgen um 5:00 Uhr sein. Je nach örtlicher Gegebenheit und Wetterlage verschieben sich dann noch die optimalen Einfahrzeiten. Die letzten Stunden vor Ankunft können wir die Geschwindigkeit sogar etwas selbst regulieren, um zur richtigen Zeit anzukommen. Und wir hatten den Sonnenaufgang direkt über dem Atoll, an dessen Westseite sich der Pass befindet, durch den wir einfahren konnten. Gegen 6 Uhr war es dann soweit, wir sind vor dem Pass angekommen, haben die Genua weggepackt, den Motor angeworfen und sind mal auf den Pass zugefahren. Das ist schon etwas ehrfurchtgebietend, wenn man die Berichte von anderen Seglern liest. Eine schmale Einfahrt, in der viele Turbulenzen und Wellen stehen können. Kommt man zur falschen Zeit, sind dann noch starke Strömungen dabei, die uns geradewegs wieder rückwärts ausspucken würden. Es gibt Atolle, bei denen Strömungen von über 12 Knoten im Pass erreicht werden. Bei den Atollen sind sehr wenige Öffnungen vorhanden, in denen das ganze Wasser ein- und wieder ausfließen muß; entsprechend groß kann daher die Strömung sein, wenn entsprechend viel Wasser aus dem Atoll heraus möchte.

Wir kommen an und sehen rein gar nichts dergleichen, wir sind zur perfekten Zeit hier angekommen, wir fahren hinein und hatten nur 0,8 Knoten Gegenströmung, quasi nix.

Im Pass angekommen, machten wir uns gleich auf den Weg ans nord-östliche Ende vom Atoll Amanu, nochmal eine Strecke von 15 sm. Ab Sonntag war kräftiger Wind aus Ost angesagt, so liegen wir gleich geschützt für die kommenden Tage. Wir ankern hinter einem großen Motu und genießen es, daß unser Boot absolut ruhig liegt, nichts bewegt sich, das hatten wir das letzte Mal in Valdivia/Chile. Wir genießen die nächsten Tage am Strand zu spazieren, im klaren Wasser zu schnorcheln und nach langer Zeit auch einfach wieder alleine am Ankerplatz zu liegen. Nach vier Tagen war dann die Vorhersage so gut, daß wir uns an den nächsten Ankerplatz verlegten, jetzt im östlichen Teil des Atolls. Hier zeigt sich das Motu in einem ganz anderen Gewand. Neben der kleinen Insel gibt es große Flächen, die trotz des geringen Tidenhubs überspült werden und dann wieder trocken fallen, ein einzigartiges Naturschauspiel. Ein großer Bommie der Nahe am Ankerplatz ist, ist ein hervorragender Schnorchelspot, Herz was willst du mehr. Auf unserem Weg zurück zum kleinen Ort an der Passeinfahrt, gibt’s es noch schließlich einen Stopp an einem Riff das mittig im Atoll liegt. Wir schmeißen unseren Anker und unternehmen gleich einen Schnorchelausflug. Auf dem Rückweg zum Schiff werfen wir noch einen Blick auf unseren Anker, ob dieser auch gut liegt, das gefällt uns aber nicht. Das heißt umankern oder gleich weiter, Zeit genug ist noch. Da uns das Riff jetzt nicht so ganz gut gefallen hat, ist die Entscheidung schnell gefallen, wir brechen auf und verlegen direkt an den Ort. Hier in Ikitake leben ca. 120 Menschen, von denen wir bei unserem Besuch am nächsten Tag, nur wenige zu Gesicht bekommen. Der Ort hat aber immerhin top betonierte Straßen, die einzigen fahrbereiten Fahrzeuge, die wir sehen, sind die der Gemeinde. So vertreten wir uns noch etwas die Beine auf den wenigen Wegen die es gibt, bevor es zurück auf´s Schiff geht.

Wir planen die Weiterfahrt zum nächsten Atoll von Hao, denn auch die Ausfahrt aus dem Pass muss soweit zeitlich stimmen. Da Hao nur 15 sm entfernt liegt, muss es auch so passen, hier wieder zur richtigen Zeit anzukommen. Ihr seht schon, es ist viel Timing nötig für die Navigation in und um die Atolle. So lassen wir uns am nächsten Morgen mit etwas ablaufenden Strom aus dem Atoll schieben, um dann zur richtigen Zeit im Hao-Pass zu sein. Alles passt perfekt und der Anker fällt zur Mittagszeit vor Otepa, dem Ort des hiesigen Atolls. Wir machen das Schiff wieder klar und bereiten Fred gleich vor, um einen Besuch beim Nachbarlieger abzustatten. Dann noch gleich weiter zum kleinen Hafen, hier liegen ein deutsches und schweizerisches Boot. Aber hier ist leider niemand zu Hause, alles ausgeflogen. So geht es wieder zurück und wir genießen den Nachmittag. Gegen Abend gehen wir in den Ort, wir wollten uns eine Pizza im Restaurant gönnen. Leider hatten wir kein Glück, die Besitzer teilten uns mit, daß sie kein Material mehr haben, sie müssen erst wieder auf das Versorgungsschiff warten. So ist das Leben auf so abgeschiedenen Flecken Erde, nix mit wir gehen mal schnell einkaufen. Wenn leer, dann leer. Auf der Straße stehend beratschlagen wir, was wir machen, als vier Leute auf uns zugelaufen kommen. Es stellt sich heraus, daß es die zwei Crews der beiden Boote im Hafen sind. Sie sind auch gerade auf dem Weg zum Essen gehen. Es gibt noch ein weiteres Restaurant, mal schauen ob die offen haben und auch noch etwas anbieten können, so die Aussage. Wir schließen uns an und haben einen schönen gemeinsamen Abend mit etwas zu essen. Die Bordküche kann kalt bleiben. Da dieses Atoll über 30 sm lang ist und nichts Außergewöhnliches zu erwarten ist, beschließen wir nur vor dem Ort zu bleiben. Ein paar Kleinigkeiten am Boot erledigen und uns den Ort anschauen. Immerhin leben hier schon über eintausend Menschen, also etwas größer das Ganze. Was man noch erwähnen sollte, Hao hat eine etwas traurige Vergangenheit. Hier war das Logistikzentrum der französischen Armee für die Atombombentests, die etwas weiter südlich auf zweien der Atolle stattgefunden haben. Entsprechend gut ist hier auch noch die Infrastruktur der Insel mit großem Flughafen in dessen Nähe eine, sagen wir einmal, provisorisch abgedeckte Fläche besteht. Hier sollen die Beobachtungsflugzeuge nach ihren Einsätzen dekontaminiert worden sein, die radioaktive Strahlung besteht wohl bis heute noch. Ansonsten war am Sonntag Bürgermeisterwahl der drei zusammengehörigen Atolle. Die läuft hier etwas anders, wie es wir gewohnt sind. Es ist ein Event an dem es den ganzen Tag Unterhaltung geboten wird, mit Essen und Trinken natürlich. Gegen Abend versammeln sich dann nochmals sehr viele der Bewohner um das Ergebnis abzuwarten und zu feiern. Es könnte durchaus sein, daß dieses „Event“ eine höhere Wahlbeteiligung garantiert. Gewonnen hat die bisherige Amtsinhaberin; mit genau 2 Stimmen mehr hatte sie die nötigen 51 %. So hatten wir heuer auch „unsere“ Gemeindewahl.

Nach diesem Ereignis haben wir uns schnell entschlossen, Hao wieder zu verlassen und weiter nach Makemo zu fahren. Dort befinden sich inzwischen schon bekannte Boote, die wir doch gerne noch mal sehen möchten. Die etwa 170 sm sollten wir in etwa 1,5 Tagen schaffen, so daß wir gegen Nachmittag von Hao losfahren möchten, um genügend Zeit bei Sonnenlicht zum dortigen Einlaufen zu haben. Und wir haben es mit der passenden Tide wieder geschafft, aus Hao gemütlich auszufahren. Bei unserer Ausfahrt auf den Pass zu haben wir dann schon unsere norwegischen Freunde von der Pele auf dem AIS gesehen, die sich kurz hinter dem Pass für die Nacht auf Anker gelegt hatten. Sie sind gerade eingefahren. Und schon hat uns Espen auch angefunkt, wir haben uns kurz abgestimmt und hoffen, daß wir uns dann in einem der nächsten Atolle nochmals treffen werden.

Da sehr wenig Wind vorhergesagt war, haben wir uns auch entschlossen, gleich unser Leichtwindsegel zu setzen und mit diesem zu arbeiten. Und es ging seeehr langsam los, die erste Zeit hatten wir gerade einmal 3 Knoten Fahrt im Schiff. Ja, wenn das so weitergeht, benötigen wir mehr als 2 Tage und kommen doch im Dunkeln an!!! Aber irgendwann war es dann soweit, daß wir zwischenzeitlich gut Fahrt gemacht haben und das wieder aufholen konnten, so daß unser Zeitplan wieder einmal aufgegangen ist. Irgendwann waren es dann in der zweiten Nacht doch auch einige starke Böen, somit entschied der Skipper den Blister herunterzuholen und mit Genua weiterzuarbeiten, um den Rest der Nacht auch noch etwas zum Schlafen zu kommen. Die Genua ist dann doch besser zu regulieren, wenn was Kräftiges ankommt.

unser Blister zieht uns wieder….

So ging es durch die Nacht mit einigen Wind-, Wolken- und Regenfelder. Es wurde nicht langweilig. Das Atoll Makemo kam dann auch am Morgen in Sicht. Das Unschöne: wir müssen etwa 15 Seemeilen am Atoll entlangfahren, um zum Pass zu kommen. Wisst Ihr, wie das ist? Das Ziel vor Augen, der Wind wird schwächer und schwächer und Du willst endlich da rein? Aber…Timing ok, der Skipper schmeißt den Motor zur Unterstützung an und wir fahren wieder entspannt durch einen Pass. Wir sehen zwar das Wasser leicht brodeln, aber wir haben weder zu viel Strömung mit uns noch gegen uns. Und so werfen wir den Anker vor dem Ort Pouheva, direkt neben einem anderen deutschen Boot.

Dieses Atoll gefällt uns schon vom ersten Eindruck sehr gut.

So verbringen wir die ersten Tage hier vor dem Ort, genießen die Landgänge mit den sehr freundlichen Leuten und haben eine schöne Zeit mit den Nachbarbooten. Dazu gehören: Paul, Kelly, Jesica von der Oops, Dirk von der Manus 2 und Jan von der Makamea. Zu guter Letzt erfahren wir noch, daß das Versorgungsschiff am Sonntag ankommen soll, das passt ja perfekt. So können wir am Montag Nachmittag noch mal unsere Vorräte mit Frischwaren ergänzen, bevor wir am Dienstag gegen Mittag unseren Anker lichten, um in den Osten des Atolls zu verlegen, Dirk folgt uns, Jan kommt noch nach. Auch hier muss wieder die Abfahrt geplant werden. Auf dem Weg dorthin sind sehr viel Bommis, denen es auszuweichen gilt. Um diese gut zu sehen, sollte man die Sonne im Rücken haben, bzw. muss diese hoch stehen – sonst wird das nichts. Auf dem Weg dahin helfen unter anderem auch Satellitenbilder von diversen Anbietern, auf denen diese gut zu erkennen sind, zumindest bei größeren Wassertiefen. Die letzten Seemeilen zum Ankerplatz gleichen einem Minenfeld, Sabine muss in den Bug, um Ausschau zu halten und wir kommen im Zick-Zack-Kurs sicher an. Ein traumhafter Ort empfängt uns, klares, türkisfarbenes Wasser inclusive. Der Platz ist bestens geschützt vor den aktuellen Winden und wir liegen wie in Abrahams Schoß. Wir machen einen Landausflug zu einem „Swimmingpool“, als hätten wir nicht genug Platz um uns herum 😊. Dieser Pool ist etwas abgetrennt von dem Inneren des Atolls und durch die Landmasse abgetrennt vom offenen Pazifik. So genießen wir eine übergroße Badewanne mit 30° Wassertemperatur und sehen die Brandung auf das Atoll treffen mit der dazugehörigen Geräuschkulisse, traumhaft. Tags darauf machen unsere 3 Boote dann noch ein schönes BBQ am Strand. Schließlich müssen die Kalorien auch mal wieder verbrannt werden: wir starten eine Schnorcheltour am Riff. Das Riff hat sehr viele blaue Korallen und hat deshalb den Spitznamen Schwedenriff. Außerdem erleben wir hier die besten Sichtweiten Unterwasser, die wir bisher haben; zu sehen gab es auch sehr viel Fisch in den unterschiedlichsten Größen und Arten. So schön es auch hier ist, so langsam zieht es uns dann auch wieder weiter. Dirk folgt uns wieder, er bekommt einen Gast der nach Fakarava geflogen kommt, da bleibt dann auch nicht mehr viel Zeit. Wir legen auf dem weiteren Weg einen Tagesstopp am Ort ein, gehen nochmal einkaufen und am Abend gönnen wir uns nochmal Pizza im Ort. Hier begleitet uns noch Richard von der Mistral, ihn kennen wir bereits von den Marquesas, auch er ist gestern hier angekommen. Da es jetzt nach Westen geht, starten wir am frühen Morgen – der Sonne wegen, ihr wisst ja… Wir wollen nochmal einen Stopp im Nordwesten vom Atoll ansteuern und dort ein paar Tage bleiben, bis die Bedingungen für eine Weiterreise nach Tahanea passen. Hier im Makemo-Atoll haben wir die Möglichkeit einen weiteren Pass im Westen zu nutzen, so können wir einmal quer durchs Atoll und müssen nicht wieder zurück, auch schön um etwas mehr zu sehen. So verbringen wir hier noch die Tage mir schnorcheln, Landspaziergang und beobachten der Wetteraussichten.

Geplant war am Mittwochnachmittag zum Westpass zu fahren und dort die Nacht vor Anker zu verbringen, um uns dann früh mit den ersten Lichtstrahlen auf den Weg zu machen nach Tahanea. Tja, Segler und ihre Planung. Am Westpass angekommen schmeißen wir den Anker unter sehr welligen Bedingungen, keine guten Voraussetzungen für die Nacht. Nach kurzer Rücksprache mit Dirk beschließen wir noch am Abend zu starten, dann eben eine Nachtfahrt zum nächsten Atoll. Hat im dem Fall auch noch eine Nachtankunft am nächsten Pass zur Folge. Wir hatten dies natürlich auch besprochen, konnten aber aus diversen Berichten erkennen, daß dieser Pass zu den einfachen gehört und wir uns das dann auch zutrauen. So heißt es um 16 Uhr Anker auf und auf uns wartet eine entspannte Nachtfahrt. Zuerst Sternenklar, gegen 21 Uhr geht dann der Mond auf und leuchtet uns den rechten Weg. Gegen 3 Uhr in der Früh kommen wir an der Einfahrt von Tahanea an, unser Timing passt mal wieder hervorragend und wir können mit 1 kn Schiebestrom durch die breite Wasserstraße hindurchfahren. Gleich um die Ecke fällt der Anker, kurz das Schiff aufklaren und ab in die Koje. Nach dem Ausschlafen geht es im nächsten Bericht weiter…….

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Gambier Inseln

Eigentlich gibt es nicht Vieles weiter zu berichten, was wir nicht schon in unserem letzten Beitrag geschrieben hätten. Wir ziehen von Ankerplatz zu Ankerplatz, gehen Wandern, wenn es hierzu Möglichkeiten gibt oder erkunden die Unterwasserwelt mit den Flossen an den Füssen. Zwischendurch kommt auch mal das Versorgungsschiff – was nicht nur ein Highlight für die Inselbewohner ist – und so zieht es uns dann nach Rikitea, um unsere Vorräte etwas aufzustocken. Wir waren auch bei Daniela und Rolf auf dem Boot, die uns dann anhand von Fotos die Produktion der Perlen erklärt haben und uns ihre eigene Stücke vorgeführt haben, wieder etwas schlauer. Bei all dem vielen Terminen 😉 hatten dann Valerie und Herve an einem Sonntag zum BBQ eingeladen. Hier treffen sich dann alle interessierten Segler zum gemeinsamen Grillen; jeder bringt etwas mit und wird schließlich geteilt. Im Anschluss sind wir in die Kunst des Boule-spielen eingewiesen worden, gegen die vielen Profis aus Frankreich hat sich Team Germany gar nicht so schlecht geschlagen. Mit der Lazarina und Topaia sind ziwschenzeitlich auch zwei Schiffe angekommen, die wir kurz in Patagonien getroffen hatten. Beim gemeinsamen Zusammensitzen werden „alte“ Erinnerungen aufgefrischt und die weiteren Pläne ausgetauscht, was den Aufenthalt hier nicht langweilig werden lässt. Aktuell warten wir eigentlich nur auf das passende Wetterfenster, um unser nächstes Ziel zu erreichen, die Marquesas. Kein leichtes unterfangen, täglich schaut der Wetterbericht komplett anders aus, mal schauen, drückt uns schonmal die Daumen. Dafür gibt`s noch ein paar Bilder zum Träumen.

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Überfahrt zu den Gambier Inseln

Nachdem Fred und der Außenborder schließlich verstaut sind und soweit alles vorbereitet ist, heißt es endlich gegen 19 Uhr Anker auf. Doch hier der erste Schreckmoment, unsere Ankerkette hat sich wohl irgendwo am Grund um einen Felsen verschlungen. Mit ordentlich Zug auf der Kette und dem leichten auf und ab in der Dünung vom Boot kommt sie schließlich frei, Glück gehabt. Hätte das nicht funktioniert, hätte sich die Abfahrt wohl um einen Tag verschoben. Bei 20 m Wassertiefe hätte es eine Tauchausrüstung benötigt, um die Kette wieder frei zu bekommen. Unsere ist gut um Schiff verstaut und sich an eine der örtlichen Tauchschulen zu wenden, hätte alles noch einiges an Zeit gekostet. Bis es soweit gewesen wäre, wäre es schon so dunkel, daß daran nicht mehr zu denken gewesen wäre ins Wasser zu gehen, Tauchlampen haben wir leider keine dabei. Es hätte auf den nächsten Tag verschoben werden müssen. Aber wie gesagt, Glück gehabt.

So können wir schnell die Segel setzen, bei der Behörde noch schnell unsere Abfahrt durchfunken und los geht´s. Kaum aus der Landabdeckung draußen ist der Wind auch so kräftig, daß wir die Segel gleich noch etwas weiter reffen müssen als eh schon gemacht. Dann passt alles und so geht es die nächsten 2 Tage ohne weiteres Zutun dahin. Der Wind dreht schließlich immer weiter, nimmt auch noch etwas zu und wir fahren nun hoch am Wind unserem Ziel entgegen. Eine sehr zermürbende Fahrt, sowohl für´s Gemüt als auch für´s Material.

Dazu will ich euch mal ein wenig in die Grundlagen vom Segeln entführen. Der Einfachheit werde ich die Werte etwas runden, damit es verständlicher wird, der Profi wird mir verzeihen. Zuerst mal die Windgeschwindigkeiten die bei uns oft in Beaufort, kurz Bft, angegeben sind. Hier handelt es sich um eine Windscala die besagter Herr Beaufort entwickelt hat. 1 Bft entsprechen einer Windzunahme von ca. 5 kn, das sind ca. 10km/h. So entsprechen 5 Bft um die 20 kn Wind. Beim Segeln sprechen wir noch von einem wahren Wind und dem scheinbaren Wind. Der wahre Wind ist der Wind, den ihr spürt wenn ihr an einem festen Ort steht, Richtung und Stärke entsprechen den Angaben. Der scheinbare Wind ist der Wind den ihr in Bewegung spürt. Als Beispiel nenne ich mal das Fahrradfahren. Wenn ihr bei 20 km/h Wind dem Wind genau entgegenfahrt mit einer Geschwindigkeit von 20 km/h (mit E-Bike schafft das jeder😉), so spürt ihr den Wind mit 40 km/h. Fahrt ihr mit den gleichen Werten genau mit dem Wind von hinten, so fühlt es sich an als wäre Windstille. Das ist der scheinbare Wind mit dem wir auf unserem Boot unterwegs sind. Kommt der Wind noch etwas von der Seite, ändert sich auch mit der Boots- bzw. Fahrradgeschwindigkeit der Einfallswinkel vom Wind. Auf dem Boot fahren wir auf Am-Wind-Kurs = Wind von vorne, Halb-Wind-Kurs = Wind von der Seite, Raumschot-Kurs = Wind von hinten. Jetzt fahren wir auf Am-Wind-Kurs bei besagten 5 Bft ca. mit 8 kn durch das Wasser, das fühlt sich dann schon an wie 6-7 Bft Wind, das ist schon nicht ohne. Fahren wir mit den gleichen Werten nun Raumschot, sind es nur noch 3-4 Bft Wind die wir auf dem Boot spüren und auch zur Verfügung haben, um vorwärts zu kommen. Jetzt kommt noch der Faktor Welle/ Dünung mit ins Spiel, auf dem Fahrradweg oder der Straße bleiben die Bedingungen ja gleich. Die Dünung ist in der Regel eine er langgezogene Welle die von einem weit entfernten Windsystem kommt. Hier im Südpazifik kommt jene meist aus südwestlicher Richtung und entstehen tut sie südlich des 40ten Breitengrades in den Stürmen, die da unten gang und gäbe sind. Die Welle kommt, der Einfachheit wieder gesagt, aus der Richtung, aus der der Wind kommt und wird auch von jenem erzeugt den man vor Ort hat. Fährt man nun auf Am-Wind-Kurs, kommen einem die Wellen mit ihrer etwas steileren Seite entgegen, das Schiff kämpft gegen die Wellen an. Ein ständiges Stampfen ist die Folge, viel Gischt und Wasser kommen über das Deck. Fahren wir Raumschot kommt die etwas flachere Seite der Welle von hinten, hebt das Schiff sanft an und geht mit der Welle auch wieder sanft nach unten. Wie in einen Fahrstuhl ein auf und ab, aber alles entspannt. Auf Halbwindkurs ist das Ganze eine Mischung aus den beiden, Windstärke ist wie angesagt und die Welle von der Seite. Ich hoffe es soweit verständlich geschrieben zu haben, ansonsten könnt ich über den Kommentar gerne nachfragen.

Bei der letzten Überfahrt zu der Osterinsel waren wir auf der Nordseite von einem Hochdruckgebiet, hatten somit auf der Südhalbkugel den Wind von hinten (die Wettersysteme drehen auf der Südseite entgegengesetzt wie auf der Nordseite) und die Fahrt mit 8 Bft war weitestgehend entspannt. Bei der Überfahrt die wir jetzt haben, sind wir auf der Nordseite eines Tiefdrucksystems, also Wind von vorne. Waren zuvor 8 Bft entspannt, ist es jetzt bei 6 Bft schon etwas übel. Da wir ja nicht genau gegen den Wind segeln können, kommt der Wind leicht schräg von vorne. Durch den Wind in den Segeln haben wir schon eine Grundkrängung (Krängung = Schräglage) im Schiff. Unsere Josa kämpft sich wacker durch die Wellen, nur die Wellen die dabei ständig auf die Bordwand prallen, sind lautstark und bringen das Boot immer wieder stark ins Schwanken. Kommen dann die etwas größeren Wellen an, spritzt die Gischt über das ganze Boot und etliche Kubikmeter Salzwasser werden über das Deck gespült. Die Belastungen für das Boot sind enorm und das eigene Gemüt leidet auch stark. Nach eineinhalb Tagen langt es uns, wir drehen etwas ab und sind nun mit Halbwind unterwegs, die Wellen von der Seite und etwas weniger scheinbarer Wind, lässt das Ganz schon viel erträglicher werden. Von dem Plan die Pitcairn Insel (bekannt von der Bounty, deren Meuterer sich hier niedergelassen haben und deren Nachfahren noch heute hier leben) zu besuchen, können wir uns in diesem Moment verabschieden. Was mich am meisten dabei stört: wir verpassen noch ein kleines Atoll, das auf dem Weg dahin liegt, Ducie Island. Eines der abgelegensten Atolle der Welt, kaum jemand kommt hier vorbei. Alles unberührte Natur, hier mal den Kopf Unterwasser zu stecken, mit Sicherheit traumhaft schön und interessant. Aber so ist das Seglerleben: es gibt Pläne, um sie zu ändern. So fahren wir anfangs einen Nordkurs. Später, als die Bedingungen etwas besser werden, einen Nordwestkurs um einem größeren Flautengebiet, das im Anmarsch ist, möglichst aus dem Weg zu gehen; ganz werden wir es wohl nicht schaffen. Der ursprüngliche Plan während der Flaute die Zeit am Atoll zu verbringen, hätte auch nicht funktioniert, der Weg wäre doch noch zu weit gewesen, um rechtzeitig dorthin zu kommen. Da wir am Rand von einem Tiefdruckgebiet unterwegs sind, sind die Tage und Nächte weitestgehend bewölkt, die Sonne zeigt sich nur spärlich. Nach zwei weiteren Tagen steht wieder mal der Wechsel zwischen zwei Windsystemen auf dem Programm. Wie bei der letzten Überfahrt hält mich das Ganze wieder über viele Stunden auf Trab, natürlich auch wieder in der Nacht, was sonst. An Schlaf ist so gut wie gar nicht zu denken. Als sich der Wind schließlich eingependelt hat ist es schon taghell und ich kann mich auch endlich mal auf´s Ohr legen. Den Rest vom Tag verbringe ich meist in der horizontalen, um den Schlaf nachzuholen. Mit dem neuen System sind wir jetzt auch in einem Hochdruckgebiet, die Sonne begleitet uns und ein Blick in den Mondkalender verspricht Neumond, sprich kein Mond zu sehen. Die nächste Nacht lässt somit einen fast ungetrübten Blick auf den Sternenhimmel zu, nur ein paar Wolken sind zu sehen, einfach traumhaft dieser Anblick. Letztendlich kommen wir auch in das Flautengebiet wie angekündigt, wir haben aber Glück und sind wirklich bis an den Rand gekommen. Wir haben immer gerade noch soviel Wind, daß wir unter Segel fahren können, zwar sehr langsam – aber immerhin; und ob wir ein oder zwei Tage später auf den Gambier´s ankommen ist nicht so wichtig, Zeit haben wir ja.

Vielen Dank an Ulf der uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat, wir können mit unseren Mitteln leider keine Sternenbilder fotografieren. Die Bilder zeigen den Sternenhimmel von dem ich immer so schwärme noch viel deutlicher, sie sind in der Atacamawüste aufgenommen, keine Lichtverschmutzung und noch weniger Staub in der Luft.

Als der Wind wieder einsetzt, setzen wir doch wieder Kurs auf Ducie Island, wir sind gerade mal 170 sm davon entfernt, wir wären in spätestens 30 Stunden dort. Der Wind würde gut passen, um dorthin zu kommen. Ich checke nochmals alle Für und Wider der Vorhersage, die für die weiteren Tage gemeldet sind und nochmal und nochmal. Schweren Herzens fällt doch der Entschluss, wieder direkten Kurs auf das Gambier Archipel zu nehmen. Zu einem haben wir noch mäßigen Wind, wenn wir an dem Atoll ankommen würden, die Ankerverhältnisse sind völlig unklar, im Zweifel müssten wir trotzdem weiterfahren. Auch für den weiteren Verlauf danach schaut es nicht gut aus. Das nächste Eiland ist Henderson 200 sm weiter, auch hier die Ankerverhältnisse völlig unklar. Um dorthin zu kommen müssten wir auch wieder ein Flautenloch überbrücken. Danach dann wieder kräftiger Wind, vor dem wir uns irgendwo Schutz suchen müssten. Das wäre dann die Pitcairn Insel nochmals weitere 100 sm entfernt, Ankerplatz sehr rollig und ein anlanden an Land nur bei ruhigen Verhältnissen möglich. Alles Dinge, die letztendlich entschieden haben, daß wir diese interessanten Inseln nicht anlaufen werden. Nach zwei Tagen, auf denen wir Raumschot und mit guten Windverhältnissen unterwegs sind macht sich so langsam die uns bevorstehende Flaute bemerkbar, der Wind nimmt langsam aber stetig ab. Gerade am raumen Kurs, wenn der Wind zu wenig wird, rollt das Schiff immer mehr von der einen Seite auf die andere, da der Winddruck in den Segeln fehlt. Durch diese Rollbewegung fangen die Segel immer mehr das Schlagen an. Wenn man bedenkt, daß sich die Mastspitze immer 5 Meter von der einen zur anderen Seite bewegt – und das innerhalb kürzester Zeit – erzeugt das schon beachtliche Beschleunigungen in den Segeln, die das Ganze verursachen. Die nächsten beiden Tage werden die Nerven wieder auf eine harte Probe gestellt. Wir passen den Kurs und die Segel immer wieder an, um es zumindest etwas abzumildern. Die zweite Nacht lässt die Überlegung schon aufkommen unter Maschine weiter zu fahren. Aber die nächsten drei Tage noch unter Maschine bis zum Ziel? Nein Danke, wir halten durch. Am Morgen ergibt sich dann ein ganz neues Bild, der Wind hat kräftig gedreht und die Welle sich auf ein Minimum reduziert. Ich setzte beide Segel, das Großsegel war zuletzt zur Pause verdammt worden und die Genua nur zu 80% gesetzt, alles dem Schlagen geschuldet. Nun kommen wir auf einem Amwindkurs, trotz der er schwachen Windverhältnisse, gut voran und durch die wenige Welle gleiten wir jetzt gemächlich über das weite Blau des Pazifiks. Die Sonne lacht vom Himmel und das Meer hat seine tausenden Spiegel ausgepackt, die im steten Wechsel die Wasseroberfläche in einem silbernen Glanz erscheinen lässt, Seglerherz was willst du mehr. Dieser uns wohl gesonnene Zustand hält natürlich nicht ewig an, am nächsten Tag ist es dann so weit. Das Segel hängt fast wie ein nasser Sack am Vorstag, wir bergen es. Aber bevor wir die Maschine starten gibt es noch ein erfrischendes Bad im Pazifik, welche Wohltat. Ich schwimme eine Runde um das Boot in einem unglaublichen Blau, in diesem Bereich ca. 3200 m tief. Wer kann schon von sich behaupten in so einem tiefen Gewässer mal geschwommen zu sein? Schreibt uns gerne.

Dann geht´s schließlich unter Motor weiter, zum Glück aber nur 3 Stunden lang, bevor der Wind wieder einsetzt. Kleiner Nebeneffekt, die Batterien sind auch wieder voll geladen. Wir setzten nur die Genua für die weitere Wegstrecke, aber schon schnell wird der Wind immer kräftiger, ich fang das reffen an. Kurz darauf taucht am Horizont auch noch ein Wolkenband auf, das ein Anzeichen für weitere Windzunahme ist. Als es immer Näher kommt, wird weiter gerefft, viel steht nicht mehr vom Tuch. Aber genau zur richtigen Zeit und in der richtigen Dimensionierung sind wir gut gewappnet für das, was kommt. Es ist wesentlich entspannter so etwas am Tag zu erleben, man sieht was kommt und kann entsprechend reagieren. Schließlich dreht der Wind und wir sind in unserem neuen Wettergebiet angekommen. Es ist Zeit, die ersten Berechnungen für unsere Ankunft zu tätigen. Der Wind sollte uns bis zu den Gambier´s gewogen sein. Aktuell kommt er als Halbwind daher und soll etwas auf Raumschot drehen. Perfekt, so kann ich nur unter der Genua segelnd gut die Geschwindigkeit kontrollieren, indem ich die Segelfläche anpasse. Ich rechne aus, wie schnell wir fahren müssen und dürfen, um bei Tageslicht unser Ziel zu erreichen. Zwar soll das Atoll gut betonnt sein und somit auch eine Einfahrt bei Nacht möglich sein, aber schöner und sicherer ist es doch bei Tageslicht. Mittlerweile, aber schon wieder im Dunkeln, fängt ein wilder Tanz an, keine 12 Stunden nach meiner Schwimmeinlage wird es immer heftiger. Das Ausmaß ist dann erst in der Morgendämmerung zu erkennen, Wellenberge kreuz und quer sind zu sehen. So wilde Wellenberge hatten wir auch noch nicht. Nach gut 2 Stunden übelster Schaukelei scheint der Höhepunkt erreicht zu sein, die Wellen nehmen langsam eine einheitliche Richtung an, was auch auf dem Boot deutlich zu spüren ist. Es bleibt aber weiterhin alles andere als angenehm, aber mit der Aussicht am nächsten Tag anzukommen, erträglich. So ist mit der ersten Morgendämmerung dann auch Land in Sicht. Während ich mich über das Erreichen von unserem ersten Ziel in der Südsee freue, kommt von Sabine nur, „endlich hört das Geschaukel auf“. So unterschiedlich sind die Gedanken. Wir kommen mittig in der gewünschten Zeitspanne zu unserem Wegpunkt an, bei dem wir die Ansteuerung zur Passeinfahrt starten. Die einzelnen Inseln (Motu’s), die in dem Atoll über der Wasseroberfläche zu sehen sind, werden immer deutlich in ihrem Aussehen, die höchsten Berge sind hier etwas über 400 m hoch. Unser Tiefenmesser, der bis 300 m Tiefe anzeigt, macht sich erst wenige Meter vor dem Pass das erste mal bemerkbar, so steil ist auch die Unterwasserlandschaft. Insgesamt ein steiler Berg, mitten im nirgendwo, die See ist um das Atoll herum noch 3 bis 4-tausend Meter tief. Wenn man bedenkt, daß Deutschlands höchster Berg, die Zugspitze 2962 m hat, Garmisch auf 708 Meter liegt, so hat man noch ungefähr 2200m reinen Berg. Dieser Berg hier steigt vom Meeresgrund empor und ist damit fast doppelt so hoch wie unsere Zugspitze, unglaublich. Die Durchfahrt hat dann eine maximale Tiefe von 12 m, links und rechts noch deutlich weniger, ist aber dank der genauen Seekarten leicht zu passieren. Danach fällt der Grund auch wieder auf bis zu 40 m ab, die See ist deutlich ruhiger geworden. Das Innere eines Atoll´s ist immer mit zahlreichen Untiefen bestückt, eine genau angegebene Kurslinie muss eingehalten werden, um diese Gefahrlos zu passieren. An diesem Atoll gibt es drei verschiedene Zufahrten, wir haben uns für die aus Südwest entschieden. Hier sind die ersten Seemeilen innerhalb nicht mit Fahrwassertonnen bestückt, aber durch die Beschreibung in der Seekarte ohne weitere Probleme zu meistern. Bis wir das Hauptfahrwasser erreichen, in dem dann die Tonnen das Fahrwasser markieren, sind die ersten 10 sm noch unter Segel zurückgelegt, der Wind steht dafür gut. Für die weiteren 10 sm muss dann auf die Maschine zurückgegriffen werden, bis wir den Hauptort Rikitea das erstmal sehen. Durch die große Weite vom Atoll, dem kräftigen Wind geschuldet, ist trotz alledem einiges an Wellengang. Die letzte Seemeile führt nun durch eine schmale Durchfahrt eines breiten Riffgürtels, das unseren anvisierten Ankerplatz vor dem Ort sehr gut schützt. Eine kleine Runde vor dem Ort und unser Anker fällt auf 15m Tiefe in den Sand, willkommen in der Südsee, unserem zweiten Traumziel nach Patagonien.

1653 sm nach 13 Tagen und 20 Stunden macht einen durchschnittlichen Etmal von 120 sm, insgesamt 4100 sm vom chilenischen Festland zurück gelegt.

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