Autor: Jochen (Seite 2 von 4)

Auf in die Kanäle Chile’s

Da wir schon gemerkt haben, daß die Bemerkung „Kanäle“ etwas für Verwirrung sorgen: hierbei handelt es sich nicht um künstliche und zum Teil kostenpflichtige Wasserwege wie bei uns. Vielmehr handelt es sich um die natürlichen Wasserwege in Süden und Westen Chiles, ähnlich den Fjorden Norwegens. Der Süden und Westen Chiles besteht aus unzähligen Inseln und Inselchen, die alle durch eben „Kanäle“ verbunden sind und entsprechend kreuz und quer befahren werden können. Jeder Kanal hat hier auch einen Namen und wir haben für das Befahren auch eine Genehmigung, der sogenannten Zarpe, in der aufgeführt ist, welche Kanäle wir befahren dürfen. Die bekanntesten sind die Magellan-Straße, die quer von Ost nach West das Festland von der großen Insel Tierra del Fuego (Feuerland) trennt. Weiter südlich verläuft ebenfalls von Ost nach West der Beagle-Kanal, in dem wir uns die ganze Zeit aufgehalten haben und den wir jetzt dann so langsam verlassen werden, wenn wir die nördliche Richtung einschlagen werden.

Die Ankerbuchten heißen hier „Caleta“ oder „Puerto“, von denen es unzählige gibt, eine schöner als die andere. Und über eben diese werden wohl die zukünftigen Beiträge handeln; mit den dazugehörigen Gletschern und Besonderheiten natürlich.

Wir sind nun endlich aus Puerto Williams losgekommen und haben nochmals Abschied von allen genommen, die uns in kurzer Zeit so an’s Herz gewachsen sind: unser Brite Steve, der schon sehr lange auf die Lieferung seines Ankers wartet und mit uns den ein oder anderen Kaffee getrunken hat (und auch mehr). Hacko und Nora von der Anixi, die bereits die patagonischen Kanäle hinter sich gebracht haben und nun Richtung Falklands starten. Heinz, der mit seinen nun 84 Jahren und über 40 Jahren Segelei durch die Welt, auch Richtung Europa starten will und noch über die Nordwestpassage nachdenkt (Nordamerika obenrum durch’s Eis) 😊. Und all die anderen, die wir hier kennenlernen durften. Den ein oder anderen werden wir unterwegs sicherlich noch einmal treffen. Mit uns fährt Ulf auf seiner Farvel, für den es als Einhandsegler hilfreich ist, sich mit anderen zusammenzuschließen. So werden wir immer mit zwei Booten unterwegs sein und können uns gegenseitig unterstützen.

Zum Abschied gibt es weiße Gipfel bei Porto Williams

Unser erstes Ziel sollte eine der Ankerbuchten sein, die wir nach dem Passieren von Ushuaia und dem Verlassen der argentinischen Grenzregion auffinden. In welche Caleta wir gehen, wollten wir spontan entscheiden – je nachdem wie weit wir kommen. Es war nur klar, es muß eine Caleta sein, in der wir die nächsten 3 Tage verbringen werden, da ein Starkwind angekündigt wurde, den wir sicher „aussitzen“ wollten. Wir hatten keinerlei Wind und auch keine Welle und sind daher nur unter Maschine gefahren. Wir hatten zwar einmal versucht, unsere Genua dazu zunehmen, aber das war nix. Wenigstens hatten wir keinen Gegenwind und keine Welle, die uns großartig ausgebremst hätte. Lediglich als wir Ushuaia passiert haben, wurde es neblig und feucht, aber es war erträglich. (für uns sowieso, da wir ja trocken in unserer Kuchenbude sitzen können – lediglich Ulf muß auf seiner Farvel die Zeit im Freien am Ruder verbringen).

Wir haben uns dann für die Caleta Boracho (Betrunkenenbucht) entschieden und just, als wir den Kurs hierauf absetzen, ruft uns Jeanette von der Santa Maria Australis an. Sie sehen uns auf AIS und sie wären ja in der Caleta Ferrari, ob wir denn auch da hinkommen. Kurzer Ratschlag mit Ulf, wir ändern den Kurs wieder in die Ferrari – Ulf wollte sowieso lieber hierhin. So haben wir nochmals die Chance, einen Abend mit den beiden zu verbringen und auch hier Lebewohl zu sagen.

Die Caleta Ferrari liegt in einer großen Bucht, der Bahia Yendegaia, in die ein Fluß mündet. Der Ankerplatz befindet sich vor einer ehemaligen Estanzia und bietet die Möglichkeit, das Land leicht zu betreten und zu erwandern. Das haben wir natürlich auch gleich ausgenutzt. Wir hatten tolles Wetter mit Sonnenschein bei unserem Landgang. Der Weg führte uns natürlich über die Estanzia, in der noch einiges an Inventar herumliegt. Leider verfallen die Gebäude sehr stark. Auch der ehemalige Garten ist noch zu sehen mit unzähligen Himbeersträuchern, an denen auch etliche reife Früchte hingen. Voller Freude habe ich das Pflücken angefangen; leider sind die Beeren so fest an ihrem „Kerngehäuse“, daß diese nur als Matsche an den Fingern kleben – doch kein Himbeernachtisch.

Weiter ging es am Fluß entlang, durch etliche Feuchtgebiete – die Biber leisten hier wirklich volle Arbeit. Etliche ehemalige Viehweiden sind total unter Wasser gesetzt und das Vorankommen ist sehr feucht und schwer. Ehemals genutzte Holzwege und Brücken sind noch vorzufinden, während wir uns Richtung ehemaliges Flugfeld bewegen. Überall grasen Pferdeherden und viele Vögel sind zu hören und zu sehen. Außerdem muss es sehr viele Hasen geben, nach den Hinterlassenschaften zu urteilen, gesehen haben wir nur einen Einzigen. Und natürlich wieder viele tolle Pflanzen und Blüten – Sommer halt. Man hält es nicht für möglich, daß diese Pflanzen hier gedeihen bei dieser Durchschnittstemperatur. Undenkbar für uns, daß bei uns Himbeeren an den Sträuchern hängen, wenn es nur 10 bis 14 Grad warm ist und des öfteren regnet.

Wir haben schließlich den starken Wind hier gut ausgesessen und sind dann 3 Tage später weitergezogen in die Caleta Olla. Hier werden wir unseren ersten Gletscher, den Glacier Holanda vom Boot aus sehen können. Die ersten Seemeilen können wir auch noch gut segeln, bis der Wind wieder auf eine Richtung dreht, in der wir unmöglich segeln können. Aber wir kommen auch so wieder gut vorwärts. Uns war im Vorfeld klar, daß wir in den Kanälen kaum segelbaren Wind haben werden. Daher ist es für unsere Planung und Weiterfahrt einfach nur wichtig: möglichst wenig Wind von vorne und nicht gegen Wind und Strömung ankämpfen müssen. Das würde uns nur unnötig Zeit und vor allem Diesel kosten. Und dieser ist hier seeeeehr wichtig. Die nächste Tankmöglichkeit besteht erst in Puerto Eden in Luftlinie 400 Seemeilen; in gefahrenen Seemeilen durch die Kanäle deutlich mehr. Bis dahin will unser Motor und auch unser Diesel-Ofen gefüttert werden.

Auch die Caleta Olla fanden wir wunderschön. Der erste Landgang ging auf den Hügel und am Strand entlang bis zum Fluß und dann ab zu einem Wasserfall. Natürlich wieder sehr feucht, sehr üppig und wunderschön. Die Männer sind dann am nächsten Tag mal alleine losgezogen in Richtung Gletscher da es mir nicht so gut ging. Nach mehreren schweißtreibenden Stunden kamen sie wieder erschöpft und zufrieden zurück und durften sich dafür bei frischem Apfelplootz stärken, ehe es hieß: „Fasnacht in Franken“, musste geschaut werden. Zum Aussichtspunkt auf den Gletscher und den Gletschersee gibt es einen kleinen Trampelpfad, der am Eingang markiert ist. Da man aber nicht Hin- und Rückweg auf dem selben Weg machen will – „man will ja was sehen“ – sind die beiden dann auf eigenen Wegen den Berg herunter. Das war wohl sehr anstrengend 😉. Außerdem war für den nächsten Tag eine Wanderung am Flußlauf entlang angedacht, der so beschrieben ist und bis zum Gletschersee führen sollte. Denkste, die eine Seite war durch den Biber unpassierbar geworden, die Andere zu dicht bewachsen und immer wieder mit kleinen Wasserläufe durchzogen. Am letzten Tag noch eine kleine Abschlusswanderung am Strand entlang bis zu einem Seezeichen und zurück, wer weiter will hat es wiederum sehr schwer.

Auch in dieser Caleta sind wir 4 Nächte geblieben wegen der Wettervorhersagen und am Montag zeitig losgezogen in den Seno Pia. Dies ist ein zweiarmiger Fjord, in dem an beiden Enden der Gletscher bis ins Wasser reich – und ein „must-do“, wenn man hier vorbeifährt. Wir sind bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein losgefahren und vorbei an tollen Gletschern, dem Italia, Francia, Alemania und dem Romanche. Leider haben wir schon gesehen, daß sich der Himmel langsam zuzieht. Für die nächsten Tage ist leider auch deutlich kühlere Temperatur mit Schneeregen angesagt. So sind wir direkt bis zum Pia-Gletscher im rechten Arm hineingefahren und haben unseren ersten Gletscher direkt am Boot erleben dürfen mit seiner Abbruchkante und den kleinen Eisbrocken im Wasser. Ein beeindruckendes Erlebnis. Ebenso beeindruckend: wir hatten leider massive Grundberührung bei der Zufahrt. Die elektronischen Seekarten sind hier leider nicht ganz genau und wir haben es geschafft, einen Felsen unter Wasser zu touchieren, der nicht eingezeichnet war.

Es hat einen abrupten Stopp gegeben und das ganze Schiff ist kurz nach Steuerbord gekippt und zurück. Ein erster Augenschein aller relevanten Teile hat keine ersichtlichen Schäden erkennen lassen. Der Skipper wird in den nächsten Tagen noch einmal das Unterwasserschiff abtauchen und schauen, wo unser dicker Kiel eine Beule hat. Sind wir mal froh, daß wir so eine „Fat-Lady“ aus dickem Aluminium und massiven Kiel haben. Lediglich später haben wir dann bemerkt, daß unser Haltebrett für den Außenbordmotor durch diese Wucht gebrochen ist und der Außenborder nur noch am seidenen Faden hängt. Also bastelt uns Jochen ein neues Brett, damit wir den Außenborder wieder an seinen Stammplatz hängen können.

Es fing dann natürlich auch pünktlich zum Ankern mit dem Regen an. Unser Schiff hat schnell seinen Platz gefunden und der Anker hält gut, die Leinen zum Land sind schnell gelegt. Nur Ulf hat mit seinem Boot etwas Probleme, sein Anker hält nicht richtig und er muß zweimal einen neuen Anlauf nehmen um zu ankern. Da wir ihm beim Landleinenausbringen natürlich helfen, sind wir alle drei durchgeweicht. Zur Belohnung gibt es erst mal einen Kaffee und einen warmen Schokopudding – für Leib und Seele. Das war dann auch genug Aufregung für heute – sowohl positiv als auch negativ. Als wir ins Bett gehen, sehen wir Ulf auf seinem Boot werkeln. Ein kurzer Ruf rüber, ob alles klar ist: Ja, er hat noch etwas Kette gegeben, da er seinen Anker über Grund rumpeln hörte.

Das musste sein:“ Whiskey on the rocks“, mit frischen Gletschereis. Nach der ganzen Aufregung haben wir uns das doppelt verdient.

Am nächsten Morgen, wir schauen aus dem Fenster. Jetzt hängt Ulf aber sehr nah am Ufer. Schneller Funkruf rüber, ob er es schon gesehen hat. Nein, noch nicht gesehen und ja, er hat immer noch Probleme mit dem Anker, die Aufzeichnung seiner Bewegung lässt naheliegen, daß der Anker nicht hält und er sich bewegt. Also zieht Jochen sich wieder Regenfest an und die beiden ankern nun nochmals komplett um und verlegen sein Schiff auf einen ganz anderen Platz, bis sicher ist, daß der Anker nun auch wirklich hält.

Hier (nochmals?) für die Laien eine kleine Erklärung, wie das mit dem Ankern so läuft bzw. wie wir es handhaben:

Jochen fährt langsam die Stelle ab, an der wir ankern möchten und beobachtet dabei den Tiefenmesser. Wir brauchen einen gewissen Radius um das Schiff mit genügend Tiefe, da sich das Schiff ja im Regelfall mit dem Wind um den Anker herum bewegt („schwojen“). Hat er eine Stelle gefunden, die ihm zusagt, ruft er mir zu „Anker ab“. Wir ankern gerne in einer Tiefe von 5 – 10 Metern, was leider nicht immer möglich ist. Ich lasse den Anker dann fallen und gebe entsprechend der Bedingungen Kette aus. (alle 10 Meter ist eine farbliche Markierung an der Kette, damit man weiß, wieviele Meter draußen sind). Ist unsere Wunschlänge ausgebracht, fährt Jochen langsam rückwarts, bis die Kette auf Zug kommt. Dies beobachte ich bzw. lege meine Hand auf die Kette. So kann ich auch fühlen, ob der Anker über den Grund „ruckelt“ oder greift. Kommt die Kette auf Zug, gebe ich Jochen die Info und er gibt dann rückwärts mehr Gas. Bleibt die Kette auf Zug und nichts ruckelt – das sehe ich, indem die Kette aus dem Wasser in flacherem Winkel kommt – hält der Anker. Wir hängen dann noch eine sogenannte Ankerkralle ein, damit nicht die ganze Kraft der Kette auf der elektrischen Ankerwinsch und dem Bugbeschlag hängt um diese evtl. zu beschädigt. Die Ankerkralle hängen wir in die Kette ein und belegen die Leinen, an die jene hängt, auf den starken Klampen, so nehmen diese den Zug auf.

Hier in den Caletas machen wir das auch so, aber nach dem Ankern werden noch zusätzliche Leinen an Land, an Bäumen oder Felsen ausgebracht, da hier meistens kein Platz zum schwojen ist und das Boot in seiner Lage fixiert sein muß.

So nun sind wir beide sicher vor Anker und verbringen unsere Zeit im warmen Schiff, da es jetzt sehr ungemütlich kalt mit Schneeregen ist. Die Schneefallgrenze ist nur noch wenige Meter über dem Meeresniveau, wahrscheinlich könnten wir auf unserer Mastspitze schon einen Schneemann bauen 😊. Jochen fängt das reparieren an und ich kümmere mich um andere Kleinigkeiten.

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Feuerland, wir kommen

Nachdem die Salto auch vor Ort war, hatten wir zusammen ja erst einmal drei Tage am Südufer vor Anker verbracht. Der erste und schließlich auch der einzige Tag, der zu einem Landgang einlud, war dann auch vollgepackt mit der To-Do-Liste. So sind wir dann am Dienstag zusammen mit der Salto an unseren „alten Bojenplatz“ verlegt, während unsere Gute alleine am Ankerplatz zurück blieb. Wir haben uns dann auch gleich aufgeteilt, Mike und Sabine zur Wäscherei, Kerstin und ich zur Prefectura. Die Salto musste ja erst einmal einchecken, ich wollte auch gleich das auschecken abschließen. Mit der geplanten Abfahrt am Donnerstag wurde mir aber das verwehrt: geht nur maximal 24 Stunden zuvor, ich solle doch morgen nochmal kommen. Der Hinweis, daß es morgen wegen dem wieder aufkommenden Windes uns nicht möglich ist, an Land zu kommen, hat auch nicht geholfen, sie würden dann halt mit dem eigenem Boot zu uns kommen. Ok, auch eine Möglichkeit. Als wir unser Schreibkram bei der Behörde erledigt hatten, ging es zu unserem Treffpunkt, dem Museumscafe, Mike wollte sich unbedingt den alten Chevrolet anschauen. Die Zeit wurde ebenfalls genutzt, um unsere weiteren Pläne zu besprechen. Nach nochmaligen studieren der Wetteraussichten und mit dem für und wider, haben wir uns dann für eine Abfahrt am Mittwoch Nachmittag entschieden. Da die Zeit wieder wie im Fluge vergeht, war die Frage, was wir zum Mittag machen. Das einzige Restaurant das wir kannten, das offen hatte und eine Sitzgelegenheit bietet, war gleich an der nächsten Straßenkreuzung. So viel die Wahl recht schnell zu einem Besuch. Nach der gemeinsamen Stärkung ging es auch gleich zum nächsten Tagespunkt, Teile besorgen. Wieder aufgeteilt, waren dann die beiden Frauen und Männer jeweils zusammen unterwegs. Die Frauen machten sich auf zum Supermarkt, um unsere Vorräte aufzufüllen, wobei sich das ja bei uns nur auf die Frischwaren einschränkte, die Salto benötigte da schon etwas mehr. Wir Männer machten uns inzwischen auf Ersatzteilsuche, wir wurden aber nur zum Teil fündig, war ja auch fast nicht anders zu erwarten. Anschließend sind wir noch an der Wäscherei vorbei, Punktlandung, unsere Wäsche war gerade fertig geworden. So sind wir dann alle Vier mehr oder weniger bepackt zurück zu unserem Fred gekommen, wo wir dann gemeinsam zur Salto übersetzten, um unsere Vorräte an Bord zu bringen. Da wir ja unsere Abfahrt etwas nach vorne verschoben haben, konnten wir auch doch heute noch auschecken. Während Mike am Boot blieb, sind wir im Dreierpack nochmals zur Prefectura und haben alle Formalitäten erledigt. Anschließend wieder zurück zum Boot und zum Ankerplatz, der Südwind sollte am Abend wieder kommen. Nach einen gemeinsamen „Anlegergetränk“ heißt es dann auch für uns, zurück auf die Josa. Der windige Abend und der darauffolgende Vormittag wurden dann noch genutzt um alles zu verstauen und seefest zu machen.

Am Nachmittag, mit Hochwasser, war es dann auch an die Zeit gekommen und Anker-auf zu sagen, Ziel war eine Ankerbucht bei der vorgelagerten Isla Pinguines. Bei der Bucht wurden wir dann von einer Kolonie Seelöwen und Pinguine begrüßt. Für einen Besuch der Insel war es dann aber leider schon etwas zu spät, außerdem war bei dem aktuellen Niedrigwasser ein anlanden mit dem Dinghy schwierig, dann halt nicht. Am nächsten Morgen war dann um 7 Uhr Anker-auf verabredet, so war der Abend kurz, damit wir morgen ausgeschlafen sind. Schließlich sind dann einige Seetage geplant. Leider hat der rollige Ankerplatz etwas dagegen gehabt, so sind wir dann am Morgen etwas schlaftrunken aus unserem Bett gekrochen, um uns fertig zu machen. Zum richtig wach werden war dann aber auch gleich nicht viel Zeit, beim Ausfahren aus der Bucht wurden wir mit einer heftigen See, die sich rund um das Eiland aufbaut, begrüßt worden. Schnell etwas Abstand gewinnen war die Devise, nach der ersten Seemeile wurde es dann zwar etwas besser, aber gut ist etwas anderes, der Südatlantik hat uns wieder. Gefühlt treffen hier mindestens zwei unterschiedliche Dünungen, drei verschiedene Windseen und natürlich noch der Gezeitenstrom aufeinander. Dafür, daß die Welle nicht allzu hoch ist, ist sie ganz schön wild. Auch wenn sich unsere Gute in gewohnter Manier durch die Wellen schneidet, schlagen im 5 Sekundentakt die Wellen seitlich, mit lautem Krawums, gegen die Bordwand.

Vor uns liegt, in meinen Augen, unsere Königsetappe der Reise. Rund 500 Seemeilen lang, 4 bis 5 Tage sollte diese dauern, wenn kein weiterer Zwischenstopp von Nöten ist. Hier zum Südatlantik gibt es viele Geschichten. Nicht umsonst wird in der Seefahrt von den Roaring Forties, Furious Fifties und den Screaming Sixties gesprochen, zu Deutsch: brüllenden Vierzigern, wütenden Fünfzigern und schreienden Sechzigern. Das Ganze bezieht sich auf die Breitengrade in unserem Koordinatensystem. Gut, bis zu den Sechzigern wollen wir dann doch nicht runter. Aber andere Seemannsweisheiten sprechen auch von „unterhalb des 40. Breitengrades gibt es kein Gesetz, unterhalb des 50. Breitengrades gibt es keinen Gott“. Auch den 40sten haben wir schon seit San Blas hinter uns gelassen, den 50ten queren wir auf dieser Etappe. Das mit dem Gesetz können wir so auf jeden Fall beim Wetter bestätigen: Aussichten, die länger wie 24 Stunden sind, stimmen nur selten, über 48 Stunden sind es wilde Spekulationen. Ansonsten segeln wir nach dem Motto, “ein guter Segler hat immer guten Wind“, soll heißen: Das man immer auf ein passendes Wetterfenster wartet und nicht bei schlechten Bedingungen/ Aussichten rausfährt. Auch wenn es hier schwierig ist, über so einen Zeitraum das Wetter vorher zu sehen, kann man doch schon eine Tendenz erkennen. Unterwegs sollte man einen Plan B parat haben, was aber in dieser Gegend wiederum schwierig ist, da es sehr wenige Plätze gibt, an den wir uns eventuell Schutz suchen können. Nichts destotrotz haben wir uns für das aktuelle Fenster entschieden, wer weiß, wann das nächste kommt und ob dies besser wird. Auch das haben wir in der Zwischenzeit hier gelernt, wenn sich eines auftut, nutze es. Ein Starkwindfeld das auf halber Strecke uns treffen könnte, hat sich mit jeder Wetteraussicht der letzen Tage etwas abgeschwächt, sollte es sich halten, gibt es einen Ankerplatz, den wir noch rechtzeitig erreichen können, Planung ist alles. Bei den herrschenden Windbedingungen kommen wir dann auch gut vorwärts, auch wenn die Welle uns das Leben auf dem Boot schwer macht. Jeder Handgriff muss gut gewählt sein, nichts darf mal eben ungesichert irgendwo rumliegen. Die Bedingungen sind aber, für den Ort an dem wir uns befinden, in meinen Augen gut und erträglich. So gehen die Tage vorüber, dank der modernen Technik können wir uns täglich mit neuen Wetterdaten versorgen, was die weiteren Vorgehensweisen natürlich stark vereinfacht. Ich denke mir des Öfteren, wie das die ersten Segler gemeistert haben, ohne den ganzen Schnickschnack. Da haben wir in der heutigen Zeit doch schon einen großen Vorteil. Das starke Windfeld, das uns zur Mitte treffen sollte, hat sich dann doch komplett abgeschwächt, ein durchsegeln bis zu unserem Ziel steht damit nichts mehr im Wege. Das Ziel heißt Isla de los Estados oder auch Staten Island, auf dem 54sten Breitengrad gelegen, eine große Insel mit gut geschützten Buchten vor der Einfahrt zum Beagle Channel, in dem die südlichste Stadt von Argentinien ist: Ushuaia. Luftlinie 120 Seemeilen von Kap Horn entfernt, um dem sich ja bekanntlich viele Sagen und Mythen ranken, allein bei dem Aussprechen dieses Ortes fährt es so manchem Segler kalt dem Rücken runter. Ob vor Angst, Respekt, nur aus Ehrfurcht oder gar Traumziel sei mal dahingestellt.

So kommen wir gut vorwärts, auch wenn das Schlafen und Erholen wieder sehr schwierig ist. Wie erwartet haben wir dann auch noch ein angekündigtes Flautenloch erwischt, durch das wir etliche Stunden durchmotort sind. Aber: hier in den wütenden 50ern lieber eine Flaute als zu viel Wind. Wir sind mit dem Motor zwar langsamer als unter Segeln bei guten Winden, aber der Vorteil bringt so ein langes Flautenloch auch mit sich: die See beruhigt sich und ist fast spiegelglatt. Somit haben wir, mit dem danach aufkommenden Winden, ein angenehmeres Segeln, da wir uns nicht durch wilde Wellenberge kämpfen müssen. Da der Wind wieder einmal mitten in der Nacht aufkommen sollte, habe ich in meiner langen Nachtwache fleißig den Windverlauf im Auge behalten. So konnten wir rechtzeitig unser Großsegel komplett herunterholen und haben nur die Genua gesetzt, mit der wir auch alleine genug Vortrieb haben bei raumen Wind (von hinten). Unser Ziel war, die Isla de los Estados bis zum Mittag zu erreichen, da danach der Wind wieder ordentlich zulegen sollte. Bis dahin wollten wir es geschafft haben.

Und wir haben es geschafft. Am frühen Morgen tauchen die in Wolken gehüllte Gipfel der Insel auf und wir fahren schön darauf zu. Unser gewählter Ankerplatz heißt „Puerto Hoppner“ und soll wunderschön und super geschützt gegen alle Windrichtungen sein. Jeder, der hier war, hat nur geschwärmt. Zunächst war der Plan, gleich nach der Einfahrt in die Bucht auf einen Ankerplatz in der sogenannten „Outer-Bay“ zu nehmen, um dann mit dem Höchststand der Tide gegen 12:30 Uhr in die „Inner-Bay“ einzufahren. Das deshalb, da die innere Bucht nur durch eine etwa 10 Meter breite Durchfahrt zwischen Felsen zu passieren ist und entsprechend bei Ebbe oder Flut hier eine Menge an Wasser durchgepresst wird, was zu entsprechenden Strömungsgeschwindigkeiten führt. Dies ist sehr gefährlich zu solch einem Zeitpunkt durchzufahren – eine Segelyacht mit ihrem relativ schwachen Motor und der Windanfälligkeit ist da schnell auf den Felsen versetzt.

Kaum waren wir in der äußeren Bucht, war das Wasser ruhig und von dem Wind außerhalb nur noch ein Hauch zu spüren. Also klar machen zum Anker setzen. Beim Ablassen des Ankers bemerkt Sabine, daß die Ankerwinsch aber sehr „ruckt“ und stellt voller Entsetzen fest, daß die Ankerwinsch nicht mehr richtig fixiert ist. Also schnell Ankermanöver abbrechen und Stellungswechsel. Sabine ans Ruder und Kreise drehen und der Herr Mechaniker an die Winsch um das Übel zu begutachten. Von den 4 Befestigungsbolzen sind zwei nicht mehr vorhanden und die Winsch kippt nach vorne weg.

Ich habe dann die Winsch mithilfe einer Leine erst einmal wieder an Ort und Stelle fixiert und wir haben das Ankermanöver durchführen können, so daß wir erst einmal fest und sicher waren. Mit meiner geplanten Schlafnachholung war es dann natürlich nichts, ich hatte die komplette Nacht Wache geschoben. Jetzt hieß es erst einmal, Winsch reparieren, damit wir den Anker auch wieder einholen können. Es waren aus dem Gehäuse zwei Stehbolzen komplett ausgerissen, hier mussten zwei Neue mit größerem Gewinde rein. Die anderen Beiden – stark verbogen – wollten auch ersetzt werden. So habe ich dann aus Gewindestangen, die ich zum Glück an Bord habe, 4 neue Bolzen angefertigt und zwei neue Gewinde ins Gehäuse geschnitten, um diese wieder montieren zu können. Natürlich haben die Löcher in der Befestigungsplatte überhaupt nicht mehr gepasst, da die alten Stehbolzen ja etwas kleiner waren. Auch hier wieder Nacharbeiten mit Bohrmaschine und Rundschleifer. Nach etwa zwei Stunden war aber auch das geschafft.

Die Salto, die in der Zwischenzeit auch gerade angekommen war, hat sich dann sofort in die innere Bucht verlegt und durchgefunkt, daß es jetzt gerade total problemlos geht, da durchzukommen. Gut, es war ja nur noch eine Stunde bis Scheitelpunkt. Also haben wir noch geschwind aufgeräumt und haben ebenfalls die Durchfahrt in Angriff genommen. Ja – es war spannend. Es sieht nicht nur eng aus, es ist auch eng. Vor allem, wenn man weiß, daß überall unter dem Kelp sich weiterer Felsen versteckt.

Einfahrt in die Inner-Bay

Auch das Festmachen des Schiffes war wieder eine spannende Angelegenheit. Die Salto lag schon mit zwei Leinen verspannt hinter der kleinen Insel in der Bucht. Wir sind dann längsseits an die Salto herangefahren, haben unseren Anker gesetzt und Kerstin hat Sabine mit ihrem Dinghy aufgenommen, um unsere erste Landleine zu befestigen. Dies ging auch ruck-zuck und wir waren schnell mit allen 4 Leinen verspannt; ebenso die Salto. Mit zwei Personen im Beiboot geht das wirklich fix, wenn einer sich aufs Fahren und der andere auf die Leinenarbeit konzentrieren kann.

Nun liegen wir hier einträchtig nebeneinander und harren der Winde, die da kommen sollen. Mike hat dann noch eine kleine Ruderrunde gedreht und hat sich die gesamte innere Bucht einmal angesehen; hier soll man doch gut laufen können zu einem See und einem Wasserfall. Nur, wo kommen wir an Land? Dabei ist er auch nochmals an der Durchfahrt vorbeigefahren und hat festgestellt: „wir hier am Liegeplatz haben null Wind und da vorne geht die Post ab und in der Durchfahrt ist eine üble Brandung“. Wir werden die nächsten Tage hier auf alle Fälle einiges erkunden und berichten.

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Immer weiter Kurs Süd

Nachdem wir San Blas mit dem nächsten Wetterfenster verlassen haben, heißt unser nächstes Ziel Golfo Nuevo bei Puerto Madryn. Eine kleine beschauliche Bucht von 50 bis 60 km Durchmessern und einer Einfahrtsbreite von ca. 10 km und einer Wassertiefe um die 30 m, während die Bucht so um die 150 m Tiefe hat. Wieso ich das Euch erzähle? Bei einem Tidenhub von 5 m kann man sich schnell mal ausrechnen, welche Wassermassen da viermal täglich durch das kleine Nadelöhr fließen, um den Wasserstand auszugleichen. Die zu erwartende Gezeitenströmung in der Einfahrt soll hier beachtet werden, sonst kann das Ganze schon etwas länger dauern, bis man drin ist. Auch der wesentlich größere Golfo San Matias, an dem wir vorbeifahren, verheißt auf der Strömungskarte nichts Gutes. Die aktuelle Vollmondphase verstärkt das alles noch. Die starken Strömungen, die auch gleich mit der Ausfahrt von San Blas zu spüren sind, können wir planen und zu unserem Gunsten nutzen, der Rest wird sich zeigen, wie wir vorwärts kommen.

Die Ausfahrt aus dem Kanal zeigt sich auf jeden Fall schon etwas angenehmer als die Tage zuvor die Einfahrt. Bei strahlend blauem Himmel kommen wir trotz des schwachen Windes gut voran. Die Aussichten für die Strecke sollen auch so bleiben. Was wir aber Schlussendlich hier erleben, ist eine Fortsetzung von der letzten Fahrt. Kaum ein Logbucheintrag ohne daß sich die Windrichtung nicht mindestens um neunzig Grad geändert hat; das hält uns ganz schön auf Trab. Dazu muss man sagen, daß wir spätestens nach 4 Stunden einen Eintrag machen, wenn sich in der Zwischenzeit nicht etwas ändert. Nach viel Gejammer und Gefluche auf die Windküche, die uns hier auf dem Wegstück widerfahren ist und den halbwegs zu unseren Gunsten ausgenutzten Strömungsbedingungen, sind wir dann 2 Stunden vor dem nächsten vorhergesagten Starkwindfeld vor Anker gegangen. Alles nach Plan gelaufen. Trotz der großen Tiefenunterschieden in der Bucht hält der Ankerplatz für uns eine flach ansteigende Küste mit gutem Ankergrund bereit. Perfekt also auch hier, und für den angekündigten Westwind ausreichend Schutz. Nachdem wir am Boot soweit alles aufklariert haben, bleibt noch genug Zeit um sich nochmal aufs Ohr zu legen um etwas von dem fehlenden Schlaf nachzuholen, bevor es los geht. Als wir dann vom aufkommenden Wind geweckt werden, kontrollieren wir unsere Ankerposition nochmals. Bei Windstärken bis 35 kn hält unser Anker gut und zuverlässig. Bis zu Nachtruhe beruhig sich der Wind wieder so allmählich und wir können getrost unseren verdienten Schlaf antreten.

Zu dem Golfo Nuevo sei noch erklärt, daß es sich um eine „Walbucht“ handelt. So sollen sich hier um diese Jahreszeit etliche der majestätischen Tiere aufhalten, in einem Bereich im Norden der Bucht. Boote sind hier natürlich nicht gerne gesehen, es sei denn, es sind die, die diese Waltouren kommerziell anbieten. Wir dürften hier nur hin, wenn es die Wettersituation es nicht anders zulässt, also bei starken Nordwinden; verkehrte Welt. Aber da wir die Einstellung haben, daß wir das Ganze, wenn dann, von unserem Boot aus erleben wollen, werden wir diesem Kommerz nichts beitragen.

Abendstimmung im Golfo Nuevo

Mit dieser Einstellung und dem Betrachten der weiteren Vorhersagen, sehen wir schon für den nächsten Tag ein Wetterfenster, das wir nutzen wollen, nichts was uns hier zum längeren Verweilen veranlassen würde. Die entsprechenden Fenster wollen gut genutzt sein, auch wenn sie nicht immer Ideal sind, bei der hier vorherrschenden Windrichtung aus Süd. Wer weiß, wann sich das nächste auftut. Bei der routinemäßigen Kontrolle im Motorraum entdecke ich eine nicht unerhebliche Menge an Wasser in der Bilge, oh Schreck, was ist jetzt los, müssen wir den Aufenthalt doch verlängern und eventuell ans Ende der Bucht in der Stadt verlegen? Nach einem gründlichen Check aller Verbindungen am Abend und weiter Ursachenforschung am Morgen, ist die Ursache in unserer Stopfbuchse zu finden. Das Bauteil dichtet unsere Antriebswelle, die zum Propeller führt ab. Die hatte ich erst bei unserem Werftaufenthalt in Juan Lacaze komplett ausgebaut und gewartet. Vermutlich hat sich erst jetzt gezeigt, bei der etwas längeren Belastung bei der Einfahrt in die Bucht, daß das Dichtungspaket noch etwas nachgestellt werden muss. Soweit erst einmal Entwarnung, der Fehler schnell behoben. Weitere, intensive, Beobachtungen werden folgen, der Weiterfahrt sollte somit nichts im Wege stehen. Gegen 12 Uhr heißt es dann Anker auf.

Nachdem wir die Ausfahrt der Bucht passiert haben, wird es sehr ungemütlich, ein wilder Ritt über die Wellen; ja wenn in den Seekarten schon entsprechendes verzeichnet ist – wir sind vorbereitet. Bei den eher schwachen Windverhältnissen, die bei ruhiger See ein entspanntes Segeln versprechen würden, ist jetzt nicht zu denken, die Segel würden ohne Unterlass schlagen. So sind die ersten Stunden nur unter Maschine zurück zu legen, bis sich das Wellenbild beruhigt. Die Wellen sind zwar nicht all zu hoch, aber die Abstände von jener recht kurz. Wenn man sich so Vorhersagen anschaut, schauen wir uns auch immer die vorhergesagten Wellen mit an, bei einem Verhältniss unter 3 zu 1 (Periode/Zeit zu Wellenhöhe) wird es richtig unangenehm, so wie gerade eben halt. Nichts destotrotz ist auch das bald überstanden und als kleiner Nebeneffekt gleich ein Test ob im Maschinenraum jetzt alles dicht ist. Nach mehrmaliger Kontrolle kann ich auch hier wieder einen Haken setzten, der Verdacht der Stopfbuchse hat sich bestätigt und alles ist wieder in Ordnung.

Ausfahrt aus dem Golfo Nuevo, schon in einer ruhigeren Phase 😉

Unser nächstes Ziel heißt Caleta Hornos, ein kleiner „Flusslauf“ in der Küstenlinie, nichts außer Natur drum rum und unser erster Stopp, an dem wir mit Landleinen arbeiten müssen, dazu später mehr. Unterwegs merken wir, daß unser Speed doch etwas langsamer ist, wie veranschlagt und entscheiden uns, noch einen Zwischenstopp in einer Bucht auf dem Weg einzulegen, ansonsten würden wir erst in der Nacht ankommen, das wollten wir tunlichst vermeiden. So haben wir unseren Kurs Richtung Küste geändert und haben den neuen Ankerplatz direkt angesteuert. Auch hier wieder an der Küste sind in den Seekarten etwas unruhige See eingetragen, das sich trotz der ruhigen Bedingungen bewahrheitet. Kaum am Eingang der Bucht und schon ist wieder Ruhe im Schiff und wir können in aller Gemütlichkeit unsere Segel bergen. Der Anker ist schnell geschmissen und hält auch zuverlässig. Das Windfeld, das für die Nacht gemeldet war, war dann auch nicht so stark wie gemeldet, wir hatten eine erholsame Nacht. Am nächsten Tag dann der Start zur Caleta Hornos; auf die wir uns ja schon eine Zeitlang freuen. Wieder etwas unruhige See bei der Ausfahrt, aber dann ein schöner Segeltag hoch am Wind. Am Cabo dos Bahias, ca. 10 sm vor unserem Ziel, heißt es dann WAL IN SICHT. Unser erster Wal an der argentinischen Küste zeigt sich gleich bilderbuchmäßig. Erst ein großer Walblas, dann sein großer runder Rücken und schlussendlich hebt er seine Schwanzflosse aus dem Wasser als er vor unseren Augen abtaucht. Ein grandioser Anblick, leider ohne Fotobeweis. Der weitere Ausblick lässt aber weiter nichts mehr erspähen, die können halt auch verdammt lange unter Wasser bleiben 😉. Eine halbe Stunde später dann die nächste Sichtung. Zwei dieser Giganten schwimmen querab von uns in entgegengesetzter Richtung vorbei, wir sehen mehrfach ihren Blas und einen kleinen Teil von deren Rücken. Nach dem Schauspiel heißt es dann auch, vorbereiten für die Einfahrt in die Caleta. Da die Bedingungen entspannt ruhig sind, beschließen wir unser Dinghy erst in der Caleta zu Wasser zu lassen, Leinen sind soweit schon alle griffbereit. Die Einfahrt alleine ist schon beeindruckend, sieht man doch erst im letzten Augenblick wenn man ums Eck kommt, daß da noch ein Einschnitt in der Küste ist. Wir tasten uns langsam unter Maschine voran, da das Kartenmaterial nicht ganz so Präzise sein soll. Schließlich haben wir eine leichte Grundberührung am Ende im weichen Untergrund, wir fahren uns wieder frei, war wohl etwas zu weit rein. Ein Stück retour und der Anker fällt. Schnell das Dinghy zu Wasser und Sabine macht sich auf den Weg, die Landleinen am Ufer zu befestigen, zieht sich natürlich alles ein wenig. Mit dem Dinghy ans Ufer paddeln, Ausstieg an den schroffen Felsen, Fred sichern und dann noch eine Stelle suchen, um die Leine sicher zu befestigen. Während ich versuche das Schiff auf Position zu halten und ich die erste Leine dichtholen kann, sind wir zwar schon ein wenig abgetrieben, aber jetzt sind wir dann mal sicher soweit. Drei weitere Leinen wollen jetzt noch ausgebracht werden und der Wind frischt auch langsam auf, gutes Timing.

>Landleinen: In Patagonien ist es üblich das Schiff zusätzlich zum Anker mit eben solchen noch zu verspannen. Die Caletas, Buchten oder die Unterwasserlandschaft lassen oft kein Raum zum schwojen (Drehkreis um den Anker wenn sich Wind oder Strömung ändern) um den Anker, weshalb man das Schiff eben fest fixiert um dies zu verhindern<

Nachdem das geschafft ist, gibt es erst einmal das wohlverdiente Anlegegetränk, alles hat soweit funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben. Das ein oder andere hat noch etwas Verbesserungspotenzial, aber Möglichkeiten zum Üben kommen jetzt noch genug. So haben wir die Nachmittagsstunden noch im Cockpit genossen bis hin zum Abendessen. Währenddessen war dann auch der höchste Stand der Flut, die Tide beträgt hier in etwa 5m. Ich fange an zu recherchieren und zu rechnen, komme aber zu dem Ergebnis, daß uns etwas Wasser unter dem Schiff fehlt, wenn wir Ebbe haben. Um kein Risiko einzugehen, beschließen wir nach kurzer Beratschlagung, uns wieder aus der Caleta zu manövrieren und am Eingang von dieser, an der Küste vor Anker zu gehen. Bei den mittlerweile kräftigen Wind wäre die Gefahr zu groß in der schmalen Caleta zu manövrieren und einen geeigneteren Platz zu finden. Natürlich ist es jetzt schon fast dunkel. Wir befestigen noch unseren Außenbordmotor an Fred und los geht´s. Ich in Fred und in passender Reihenfolge alle Leinen von Land wieder einholen, bis wir nur noch am Anker hängen, gut das wir dessen Position so gewählt haben das wir bei dem angesagtem Wind auch frei an diesem hängen und nirgends anschlagen. Zuletzt noch Anker auf und im Stockdunkeln raus an die Küste, hier schmeißen wir unser Eisen dann in ausreichender Tiefe ins Wasser. Jetzt liegen wir erst einmal sicher hier, die Anspannung fällt langsam wieder ab. Am nächsten Morgen heißt es dann nochmal alles bei Tageslicht zu beurteilen, aber auch hier gibt es grünes Licht und der Starkwind der die nächsten 24 Stunden über uns wegzieht, kann kommen.

Fazit: 1. Angelerfolg hatten wir gleich zu Anfang: 2 Fische und im weiteren Verlauf noch 3 Möwen in unterschiedlicher Größe. 2. Die Wetterfenster in dem Bereich, in dem wir uns aktuell bewegen, wollen gut genutzt werden, auch wenn sie nicht optimal sind. Wir bewegen uns schließlich entgegen der hauptsächlichen Windrichtung. 3. Ja – und die Lernkurve in den letzten Wochen steigt wieder steil nach oben.

so langsam kommt auch hier Routine auf, befreien von Möwen

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Argentinien von Land aus

Wer sich mit Reisezielen in Südamerika beschäftigt, wird früher oder später auf die Wasserfälle von Iguazu stoßen, so auch wir. Einmal davon gelesen, war es ein „must see“ auf unserer Liste. Waren wir zwar in Uruguay schon mal näher dran, wurde uns aber von diversen Leuten mitgeteilt, daß man dies von der argentinischen Seite machen sollte. Zum anderen war es auch mit dem Leihwagen in Uruguay nicht erlaubt, das Land zu verlassen.

So war es jetzt an der Zeit das Ganze zu planen. Zuerst galt es abzuklären, wie wir diesen Trip durchführen wollen – mit Flugzeug, Bus oder Auto. Preislich geben sich alle Möglichkeiten nicht viel. Zu fliegen wäre schnell und einfach, sehen vom Land tut man halt nichts. Mit dem Bus würde man was sehen, wäre auch einfach zu bewerkstelligen, und mit den hier üblichen Überlandbussen, die Liegesitze oder aber auch Schlafabteile haben, auch recht komfortabel. Letztendlich haben wir uns dann doch für das Auto entschieden, Hauptgrund ist und bleibt die Flexibilität, die wir dabei haben, sowohl in der Zeit als auch der Route. So haben wir ein paar Preise verglichen und sind wieder bei dem Anbieter Localiza gelandet, auch wegen der guten Erfahrungen bisher. Gesagt, getan haben wir nach unser Stadtbesichtigung, sofern wir jetzt erst einmal genug gesehen hatten, uns ein Auto gemietet. So sind wir dann am Donnerstag gestartet. Geplant für die Anreise haben wir gleich mal 2 Tage, am ersten Tag war ja Auto abholen und auch noch beladen angesagt, und bei 1300 km Strecke ist das bei den hiesigen Verhältnissen nicht zu schaffen. Im Vorfeld gleich noch auf halber Strecke ein Hotel vorgemerkt und los, mal schauen ob wir das heute schaffen. Wie wir dann unterwegs feststellten, sind die Straßenverhältnisse nicht schlecht und die Geschwindigkeitsbegrenzungen, mit 110 bis 130, erstaunlich hoch; unser anvisiertes Ziel konnten wir so erreichen. Die Unterkunft wurde dann unterwegs noch online gebucht und bis 18:30 Uhr waren wir vor Ort. Wie sich herausgestellt hat, war dieses Appartement leider direkt an einer viel befahrenen Straße, Schlafzimmer natürlich auch dorthin ausgerichtet. Aber für einen Nacht sollte es ja gehen. So sind wir dann am nächsten Morgen, nach einer nicht ganz so erholsamen Nacht (der Nachbar hat dann auch noch, zu allem Überfluss, ab 4 Uhr mal laut Musik angemacht), zum nächsten Bäcker, um uns dort ein Frühstück zu gönnen. Der weitere Weg war dann auch genauso gut zu fahren, vorbei an kleinen Ortschaften und auch vereinzelt etwas Größere. Am späten Nachmittag sind wir dann in Port Iguazu angekommen, mit der Erfahrung der letzten Übernachtung wollten wir uns erst mal ein Bild von der gewählten Übernachtung machen, bevor wir hier für 3 Nächte bleiben wollen. Die Erwählte war dann auch in einer Seitenstraße gelegen, ohne viel Verkehr und auch gleich mit Frühstück. Das positive, was es auch mit jedem Kilometer weiter in den Norden mit sich gebracht hat, es wurde wärmer, wir hatten bei Ankunft 28°. Was für eine Wohltat wieder mal am Abend nur mit Shirt und kurzer Hose unterwegs zu sein. Was wir natürlich wieder vergessen hatten: es ist Wochenende. Irgendetwas ist ja immer, das man bei der Planung vergisst. So sind wir dann schon recht bald los, um wenigstens dem größten Rummel am Anfang aus dem Weg zu gehen, gedauert hat es dann trotzdem bis wir im Nationalpark waren, wir mussten 3x mal anstehen. Zuerst, klar, an der Kasse, dann nochmal am Einlass und schlussendlich an der kleinen Eisenbahn, die uns die ersten Kilometer in den Park gebracht hat. Von hier war dann alles gut zu Fuß zu erreichen. Die Hauptattraktion, der GROSSE Wasserfall, war dann über eine weitläufige Steganlage zu erreichen. Geht es zuerst noch über den ruhigen Teil vom Flusslauf, wird das Getose immer lauter, bis diese zu einer Plattform reicht, an der man den Eindruck hat, man steht mitten in den sich hinabstürzenden Wassermassen, ein unbeschreibliches Erlebnis. Die Gischt die dabei entsteht, versperrt einen die meiste Zeit den Blick bis hinunter, wo sich das Wasser wieder zu einem Fluss zusammenschließt. In den Winden, die sich hier bilden sind unzählige Vögel unterwegs, die man ebenfalls bei ihren flugakrobatischen Einlagen bestaunen kann. Ihre Nester befinden sich wohl in dem Grün, das sich erstaunlicherweise an einigen Stellen der Felswand festkrallt, ich könnte dem ganzen Spektakel noch Stunden zuschauen. Aber schließlich ziehen wir dann irgendwann weiter, es gibt ja noch so einiges andere zu entdecken hier.

Nach dem großen Wasserfall sind wir dann noch zu den kleineren gelaufen. Eigentlich ist es ja in Summe nur „ein“ Wasserfall, da es sich um einen Fluß handelt. Aber durch die vielen Einbuchtungen und die Breite des Wasserlaufes sind es halt viele einzelne, kleinere Fälle, die zu bestaunen sind.

Hier auf argentinischer Seite kann man viele verschiedene Strecken ablaufen und sieht dabei auch sehr viel Flora und Fauna, da alles von dichtem Wald umgeben ist. Unwahrscheinlich viele Schmetterlinge tummeln sich hier, die sich auch gerne auf uns niederlassen. Wir haben hier auch Fische, Schildkröten, viele Vögel – einen Tukan!, blühende Bromelien und viele andere schöne Pflanzen und Blüten entdecken können. Einfach eine atemberaubende Gegend.

So konnten wir hier auf argentinischer Seite den kompletten Tag verbringen, ohne alles gesehen zu haben. Leider ist die Ausschilderung etwas sparsam, so daß wir mehrfach falsch abgebogen sind um einen der letzten zu bestaunenden Fälle zu sehen. Bis wir den richtigen Weg hatten, war dieser schon geschlossen.

Am nächsten Tag stand für uns die brasilianische Seite auf dem Programm. Hier sind wir nicht mit dem Auto gefahren, da wir a) keine Erlaubnis zum Grenzübertritt mit dem Leihwagen haben (bzw. die entsprechenden Autopapiere auch nicht hatten und b) es wohl auch ein Autochaos wäre. So sind wir mit dem Bus gefahren, der alle Stunde nach Brasilien rüber fährt. Im Vorfeld hatte sich Sabine noch Gedanken gemacht wegen unseres Visa im Reisepass. Da wir ja unsere „erlaubte“ Zeit in Brasilien schon voll hatten. Lassen die uns nochmal rein? Aber alles easy hier. Es gab nur eine Passkontrolle auf argentinischer Seite und das war es dann.

Auch hier auf brasilianischer Seite wieder Menschenmassen. Die Beschilderung hier ist definitiv schon einmal besser wie auf der „anderen“ Seite und auch das Personal ist hier auf Zack und spricht einen gleich an und hilft. Auch hier hieß es, erst mal in den Bus steigen und bis zum Einstieg zu den Wasserfällen fahren. Und wie uns schon angekündigt wurde, sind die Fälle auf brasilianischer Seite ganz anders zu bestaunen. Nun sehen wir das Ausmaß in voller Breite, standen wir doch in Argentinien eher über den Fällen, sind wir hier drüben auch am Grund bzw. auf halber Höhe. Und wir stehen direkt davor und werden entsprechend nass durch die Gischt und den Wind.

Hier haben wir dann auch das erste Mal Nasenbären gesehen. Diese sind hier leider angefüttert und waren untereinander entsprechend agressiv (Futterneid). Auf argentinischer Seite wurde überall darauf hingewiesen, die Tiere nicht zu füttern und an den Restaurants waren Gitter angebracht, so daß die Tiere nicht an die Tische konnten. Dort hat man diese Tiere dann auch nicht zu Gesicht bekommen. Anders in Brasilien. Da steht man keinen Meter weg von diesen Tieren. Auch hier wieder massenhaft Schmetterlinge, Eidechsen und Vögel.

Hier gibt es nicht so viele Möglichkeiten, noch andere Wege zu laufen, so daß wir nur noch einen kurzen Abstecher in einen Wald gemacht haben, um dann wieder den Heimweg anzutreten.

Auf beiden Seiten der Wasserfälle kann man sein Geld leicht loswerden. Es werden alle mögliche Aktivitäten angeboten: mit dem Boot an die Fälle fahren und richtig nass werden, Kajak fahren, Schlauchboot oberhalb der Fälle fahren, mit dem Truck durch den Wald fahren (nennt sich Expedition) uva. So haben zwei Länder aus einer unwahrscheinlich tollen Landschaft eine Gelddruckmaschine erschaffen – aber es ist einfach imposant und wunderschön und auf alle Fälle einen Besuch wert.

Bei der Rückfahrt mit dem Bus ging es wieder durch die Zollkontrolle – wieder ohne Probleme.

So sind unsere beiden Tage in Iguazu mit vielen Eindrücken und noch tolleren Fotos schon vorbei.

Am Tag darauf sind wir wieder gen Süden gestartet, aber auf einer anderen Route, mit unserem nächsten Ziel, dem Ibera Nationalpark. Auf dem Weg dahin haben wir die Ruinen von San Ignacio Mini besucht. Dieses UNESCO Weltkulturerbe haben wir durch Zufall auf der Karte entdeckt. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Jesuiten-Anlage, die die einheimische Bevölkerung, die Guarani missionieren wollte. Diese wurde 1696 errichtet und 1767 wieder verlassen, als die Jesuiten von den Spaniern aus Südamerika vertrieben wurden.

In der Blütezeit lebten hier 4000 Menschen, es gab Wohnbereiche, Werkstätten, Gartenanlagen und natürlich eine große Kirche.

Früher gab es hier wohl Ton-, Bild- und Lichtshows in der Anlage, denn überall stehen noch Projektoren und Beleuchtungsanlagen herum. Vielleich muss man das Areal auch nur mal nachts besuchen und die Technik funktioniert noch, auch wenn sie nicht den Eindruck gemacht hat.

Eine beeindruckende Anlage, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln hier gebaut worden sein muß. In einem kleinen angeschlossenen Museum sieht man auf Bildern, wie die Anlage bei der „Wiederbelebung“ um 1940 von der Natur in Beschlag genommen war, da war viel Arbeit von Nöten, um jene wieder frei zu legen.

Von hier aus sind wir dann zu unserer Unterkunft für die Nacht gestartet, diese war dann auch schon am Rand des Nationalparks gelegen. Von hier aus hatten wir zu unserem Ausflugsziel, einer gebuchten Bootstour, nur noch 1,5 Stunden zu fahren, die wir dann auch frisch ausgeruht und gestärkt am späten Morgen in Angriff genommen hatten. Auch hier hatten wir von unterwegs online gebucht. So sind wir dann noch an dem kleinen Büro in der Stadt vorbei gefahren, um unsere Schuld zu begleichen und letzte Informationen einzuholen – wo genau die Tour denn startet. Mit Hilfe der netten Dame haben wir uns aus gleich eine Unterkunft am Ort gebucht, bis wir von der Tour zurück sind, könnte es spät werden, die Tour war von 16 bis 18 Uhr angesetzt. Mit der Info sind wir dann noch über 25 Pistenkilometer zu unserem Bootsanleger mitten durch den Nationalpark gefahren, nicht aber uns vorher in einer kleinen Imbissbude für den Rest des Tages zu stärken. So sind wir dann gegen 15 Uhr am vereinbarten Treffpunkt gewesen, noch nicht ausgestiegen ist auch schon unser Tourguide angekommen. „Ja wenn ihr schon da seid, können wir auch gleich starten, ihr seid die einzigen Gäste heute“. Gesagt, getan. Nach der kurzen Vorbereitung, um das Boot startklar zu machen, ging es dann auch schon los. Während wir eben auf das Boot gewartet haben, haben wir uns natürlich im Umfeld schon etwas umgesehen. Plötzlich entdecken wir einen Kaiman direkt im Grünteppich, wo die ganzen Boote liegen, keine 5 m weg von uns. Wir Rätseln noch ob es sich nicht um eine Plastikattrappe handelt, für die Touris halt, „schaut aber echt gut aus, die Attrappe“, als sich das Tier bewegt. Upps, nichts Attrappe, wir haben unseren ersten Kaiman in freier Wildbahn gesehen. Wie wir dann im Laufe der Tour feststellen, sollte es nicht der Letzte gewesen sein, es sind noch unzählige gekommen. Wir haben bei einem Veranstalter gebucht der hier „Pionierarbeit“ leistet, der Einzige der mit Elektroantrieb unterwegs ist. Wir wissen natürlich nicht, ob es daran gelegen war, daß wir so nah an die Tiere herangekommen sind, aber es war schon beeindruckend, zum Teil bis auf ein, zwei Meter heran zu kommen. Genauso viele Kaimane wie es hier gibt, leben diese Seite an Seite mit den Wasserschweinen, von den es ebenso zahlreiche hier gibt. Daß diese tiefenentspannt sind, hatten wir ja schon im Hafen von Itajai feststellen können, wo wir direkt an den Mitbewohnern vorbeigelaufen sind. Ricardo, unser Guide, hat uns auch sehr viel über die Natur hier erzählt und gezeigt. So waren auch neben dem einen oder anderen Vertretern der Vogelwelt, auch noch Sumpfhirsche zu bestaunen. Leider hatten weder wir, noch Ricardo, ein Fernglas dabei, um diese sehr scheuen Tier aus der „Nähe“ zu sehen. So verging die Zeit wie im Fluge, aus den zwei, waren dann auch zweieinhalb Stunden geworden. Er hat wohl auch gemerkt, daß wir uns für die Natur wirklich interessieren und nicht nur ein paar Schnappschüsse machen wollten. So sind wir dann mit vielen neuen Eindrücken unseren Rückweg gestartet, auf dem wir dann noch einen örtlichen Fuchs zu Gesicht bekommen haben.

Bis wir zurück im dem kleinen Ort waren, war es natürlich finstere Nacht, gut das wir schon die Unterkunft hatten. Kurz einchecken und das Zimmer beziehen, noch ein kleiner Plausch mit der Besitzerin, die für uns auch einen Tipp zum Abendessen bereit gestellt hat und dort auch mal anrief. Mit dem Ergebnis, heute geschlossen, die Wirtin macht heute keine Küche auf. Auch das ist normal hier, so die Gastgeberin. So bleibt uns, in diesem kleinen Ort, nur der Imbiss von heute Mittag, den wir besucht hatten übrig. Das Essen dort war ja auch nicht schlecht, und die Speisekarte mit Auswahloptionen. Bevor es dann später zur verdienten Nachtruhe gekommen ist, war aber erstmal Arbeit angesagt. In unserem Schlafgemach war eine Heerschar von Moskitos vertreten, die sich scheinbar wieder mal auf ein Festmahl gefreut hat, nicht mit mir. Es waren so an die dreißig der kleinen Bewohner, denen ich dann mal auf den Pelz gerückt bin. Ich hatte wohl alle erwischt, die Nacht war ruhig und erholsam. Für den nächsten Tag war dann auch die Königsetappe auf dem Plan gestanden, 800 km bis zurück zum Boot. Es war klar, daß es auch hier wieder Nacht ist, bis wir zurück sind, aber um etwas auf die Kostenbremse zu drücken, war dies bei den guten Straßenverhältnissen eine gute Option. Als kleiner Nebeneffekt, in Buenos Aires sind abends die Straßen leerer und man steht nicht im Stau.

Auch wenn wir jetzt wieder am Boot zurück sind, war unser Tour noch nicht zu Ende. Wenn auch keine Besichtigung anstand, so war noch Shopping angesagt. Für unsere Weiterreise nach Patagonien benötigt es noch ein paar lange Leinen, um sich damit an Land zu verspannen. Hierfür gibt es laut unseren Informationen eine gute Anlaufstelle in Mar del Plata, ein Küstenort ca. 450 km südlich von unserem Aktuellen. Die Überlegung war im Vorfeld, das Material bei einem Zwischenstopp mit dem Boot dort zu kaufen, oder aber jetzt wo wir den Leihwagen haben. Mit der Erkenntnis der letzten Besorgungen fiel die Entscheidung auf, „was wir haben, haben wir“, und falls wir es dort nicht bekommen, bleibt noch Zeit es vielleicht woanders zu organisieren. So haben wir dann uns erstmal in unserem Zuhause ausgeschlafen und bei einem der Bäckereien in der Stadt gemütlich gefrühstückt, die Vorräte am Boot waren ja erstmal nicht dafür aufgestockt. Start war dann schon gegen Mittag bis wir wieder zurück aus der Stadt waren, ein paar kleine Besorgungen inclusive, die auf dem Weg waren. Wieder der Vorteil von leeren Straßen, sind wir doch zügig aus der Stadt gekommen. Wir hatten für die Shoppingtour sowieso eine Übernachtung geplant, wir wissen ja mittlerweile wie es hier läuft. So sind wir dann noch vor Ladenschluss in Mar del Plata angekommen, „naja wir schauen halt mal gleich vorbei“, war unser Intension. Keine halbe Stunde später war der Einkauf schon erledigt, oh Wunder. Eine paar Kanister, die wir noch wollten, hatte dieser Laden zwar nicht, aber ein anderer gleich 100 m weiter, hätte diese, so deren Info. So sind wir dann noch gleich rüber gelaufen, der Laden hatte sogar noch offen. Wir erspähten auch gleich unser Objekt der Begierde, genau das, was ich gesucht hatte. Zwar nicht ganz billig, aber es waren halt genau die Dieselkanister, die ich mir vorgestellt habe. Drei Stück standen im Regal, ich wollte eigentlich vier. Einen Vierten hat er nicht und Besorgen kann er wohl auch keinen mehr – auch nicht bis Oktober, bis wir evtl. hier wieder mit dem Boot vorbeikommen. Dann packen wir halt die Drei mit ein, bezahlen und sind unter einer Stunde mit den Einkäufen durch, das ist Rekordverdächtig 😊. Es bewahrheitet aber wieder, was alle hier sagen, „Du bekommst hier alles, was vor Ort ist, nachbestellen ist nicht“. So sind wir froh, den Einkauf jetzt erledigt zu haben und nicht erst bei Ankunft mit dem Boot, wer weiß was oder eher was es nicht mehr bis dahin zu kaufen gibt. So haben wir dann beschlossen, die Übernachtung hier bleiben zu lassen und uns gleich wieder auf den Rückweg zu machen, gegessen wird dann Unterwegs irgendwo. Ankunft zurück an unserem Boot war dann gegen 23 Uhr. Mit unserer neuen Errungenschaft, den Kanistern, haben dann am nächsten Tag noch einen kleinen Pendelverkehr zwischen Tankstelle und Boot eingerichtet und unsere Dicke mit 600 Liter frischen Diesel befüllt. Mit drei Kanistern á 20 Liter, eine tagesfüllende Aufgabe. Für jede Fahrt zur Tanke bis zum Umfüllen in den Tank ist etwa eine Stunde vergangen.  Am Abend (und am nächsten Tag) wußten wir (bzw. der Rücken) aber, was wir geleistet haben. Tags darauf mussten wir dann auch den Leihwagen zurück bringen, mit 3900 km mehr auf der Uhr.

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Und schon ist ein Jahr rum

Dieser Betrag war schon immer auf der Liste gestanden, um ihn zu schreiben – nur was schreibt man jetzt?

Zuerst möchten wir uns mal bei allen bedanken, die uns folgen und darin bestätigen, daß wir das richtige machen. Familie, Freunde, Bekannte und natürlich auch die Nachbarschaft😉, man denkt immer wieder mal an alle; wie es euch so gerade geht, was ihr macht, sich wieder einmal gegenübersitzen und zu plaudern, ja das wäre schön, zumal ja auch gerade das Festhighlight des Jahres in unserem Dorf stattfindet. So ein bisschen vermissen wir unser „festes“ Zuhause auch. Aber das wussten wir ja auch schon zuvor. Dafür kommen neue Bekanntschaften hinzu, auch müssen wir diesen meistens kurze Zeit später wieder Lebewohl sagen, die Wege sind dann doch zu unterschiedlich. Mit einigen bleibt man, dank der neuen Medien, in Kontakt, andere verlaufen sich im Sand. So spielt das Leben, speziell das eines Seglers auf so einer Reise.

Die Schleuse in Hamburg öffnet sich, unsere Reise beginnt. Wer erinnert sich noch 😉

So sind wir am 11.08.23 final in Hamburg gestartet, 3 Monate zuvor war ich, kurz darauf auch Sabine, schon auf unsere Dicke umgezogen. Die letzten Vorbereitungen haben sich dann doch etwas gezogen, der treue Leser weiß ja hier Bescheid, die Anderen können nochmal nachlesen 😉. Die ersten Etappen waren dann auch geprägt von der „verlorenen“ Zeit, wieder etwas aufzuholen; wir waren auch hier sehr viel unter Maschine unterwegs. Das ging dann so bis auf die Kanaren, wo wir dann feststellten, daß wir so eigentlich nicht unterwegs sein wollten. Die Entscheidung auf die Bremse zu treten war das Beste, was wir machen konnten. Von nun an waren wir angekommen, in unserem Traum. Auch heute noch können wir Andrea und Dirk für die Gespräche danken, die damals den Ausschlag zu dieser Entscheidung gegeben haben. Das Thema Südamerika war bis dahin (bis auf Patagonien) eigentlich nur ein Posten der Durchreise, den wir aber im Augenblick ja voll auskosten.

Waren es bis zu den Kap Verden überwiegend Bekanntschaften durch unseren Seglerverein, dem Trans Ocean, sind es jetzt meist Zufälle, durch die wir neue Menschen, ja Freunde kennen lernen. Sei es, weil wir mal an Nachbarbooten anklopfen, um uns vorzustellen oder weil jemand im Hafen vor dem Boot steht und dieses anschaut oder eben zu uns Hallo sagt. Die meisten unserer Vereinskollegen und Segler allgemein, fahren halt doch entlang des Äquators, um Wärme und günstigere Winde zu haben, oder haben ganz andere Pläne. Egal, jede der Bekanntschaften war und ist eine Bereicherung, für die wir an dieser Stelle mal DANKE sagen. Unser Traum von Patagonien bleibt – trotz einiger Gespräche, wie schön es hier und dort ist – standhaft und so sind es dann doch nur wenige Schiffe die Rund Südamerika fahren und die wir wieder sehen werden.

Rein seglerisch gesehen war Poseidon gut gesinnt mit uns, wir hatten unterwegs noch kein wirklich schlechtes Wetter. Auch wenn der Wind mal auffrischte, war es immer gut zu kontrollieren, unsere JOSA hat ihr Übriges dazu beigesteuert, wir sind froh mit ihr unterwegs zu sein. Auch planerisch scheinen wir hier bisher alles soweit richtig gemacht und das Wetter korrekt eingeschätzt zu haben. Der hohe Aufwand der Instandsetzung und Investitionen im Vorfeld hat sich bis heute bezahlt gemacht, größere Reparaturen sind bis jetzt (im Gegensatz zu einigen Bekannten von uns) ausgeblieben. Apropos, wir dachten nicht im Traum daran, daß die Besorgungen, egal welcher Art, so viel Zeit in Anspruch nehmen. Sei es der Einkauf von Lebensmitteln, den wir natürlich größtenteils zu Fuß erledigen und dementsprechend auch tragen müssen. Oder eben auch das ein oder andere Ersatzteil für Reparatur und Wartung. Wenn man deutsche Verhältnisse gewohnt ist, kann das schon mal in Verzweiflung umschlagen. Zum Beispiel haben wir gerade eine Liste mit ca. 10 Positionen. Nach 3 Tagen intensiven Geschäfte abklappern, haben wir es geschafft, gerade einmal 2 Positionen zu streichen. Der Rest ist vor Ort nicht zu bekommen, und das wird auf dem weiteren Weg nicht besser werden.

Und wie geht es uns? Das 24/7 zusammen zu sein funktioniert; zwar raucht es auch mal, aber der Wind bläst den Rauch auch wieder weg. Schließlich waren wir ja auch schon 25 Jahre zusammen, bevor die Reise gestartet ist, auch wenn es natürlich eine andere Hausnummer ist, auf so kleinem Raum permanent zusammen zu leben. Das waren wir so bisher ja gar nicht gewohnt, hatten wir doch eher eine Wochenendbeziehung. Was fehlt sind wirklich die zuhause Gebliebenen. Wir sind nicht aus der Welt und Dank der modernen Technik kann man mit uns auch telefonieren oder Video-Telefonie machen. Dies benötigt zwar immer etwas Planung wegen der Zeitverschiebung und der entsprechenden Einschaltung unserer Technik, funktioniert aber einwandfrei. Es ist aber doch etwas anderes, einmal mit jemanden mehrere Stunden zusammenzusitzen, über Gott und die Welt zu reden und die ein oder andere Umarmung abzuholen. Die bekommen wir hier zwar, da vor allem der Argentinier grundsätzlich jeden mit einer Umarmung begrüßt. Aber Ihr wisst sicherlich, was wir meinen. Und falls das alles noch nicht langt, kommt MEIN Abschiedssong auf´s Ohr, „An Tagen wie diesen“.

Aktueller Liegeplatz Argentinien, Buenos Aires

So bleibt uns nichts anderes, als Euch weiterhin mit schönen Bildern und Geschichten zu unterhalten und hoffentlich das Fernweh anzufeuern. Wir freuen uns weiterhin über Euer Feedback mit dem Wissen, daß Ihr uns nicht vergesst.

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Uruguay wir kommen

Wie Sabine schon in ihrem letzten Blogeintrag berichtet hat, sind wir ja mehr oder weniger Hals über Kopf aus Itajai aufgebrochen, gerne hätten wir ja noch das Ein oder Andere angeschaut, unter anderem Blumenau. Aber auch das gehört zu so einer Reise dazu. Mit der Info, daß der Juni und Juli die schlechtesten Monate sind, um in den Süden zu gelangen und daß der Seglerkontakt schon seit 5 Wochen auf ein Wetterfenster wartet, lässt auch so eine Entscheidung nicht auf sich warten. So brauchen wir auch ein Wetterfenster von mindestens 5 Tagen! Wieso so lange? Waren wir doch zuletzt immer nur 1- 2 Tage am Stück unterwegs, so steht jetzt ein langer Schlag von ca. 500 sm vor uns. Der Küstenabschnitt im Süden von Brasilien bietet so gut wie keine Möglichkeiten (eigentlich gar keine), sich vor einem Wetter zu verstecken, der nächste Hafen ist Rio Grande de Sul in ca. 300 sm Entfernung. Dieser ist aber immer noch von den starken Unwettern betroffen und somit fällt er als Anlaufstation raus, bzw. wir wollen ihn nicht anlaufen, die haben im Moment wohl andere Sorgen. Außerdem haben wir eine Info, daß in der flussähnlichen Einfahrt 7 kn Strom laufen, das ganze Wasser läuft halt hier raus und von dem Treibgut, das hier mitkommt muss ich wohl auch nichts erwähnen. Die 7 kn gegenan sind für uns nicht zu schaffen, das Risiko mit Treibgut zu kollidieren nochmal ein anderes. Hatten wir das Thema schon bei der Anfahrt zu Itajai, wo wir die letzten Seemeilen zur Einfahrt im Slalom über das Meer gefahren sind. Ich am Bug Ausschau haltend und Sabine am Ruder, nach Anweisung ausweichend. Somit ist der nächste Hafen erst in Uruguay, La Paloma.

Porto Belo

So sind wir dann ja am Samstag nachmittag noch unter Maschine in die Bucht von Porto Belo gefahren und haben da vor Anker die Nacht verbracht. Am nächsten Morgen sind wir dann auch mit entsprechendem Wind weiter Richtung Florianopolis aufgebrochen, das auf der Ilha de Santa Catarina gelegen ist; an deren Nordseite ist eine Bucht, in der wir dann den aufkommenden Südwind abwettern wollten. Da wir dann aber so gut vorwärts gekommen sind, haben wir unterwegs den Entschluss gefasst, bis an die Südseite der Insel zu segeln. Hier gibt es auch eine weitläufige Bucht die vor Nord- und Südwind gut geschützt ist, man muss nur entsprechen innerhalb der Bucht verlegen und – die Salto war auch schon dort. So ist dann gegen 20 Uhr nicht unweit der Salto, an der Nordseite jener Bucht, der Anker gefallen. So waren wir auch bei 20- 25 kn Wind aus Nord schön ruhig gelegen, haben zu Abend gegessen und noch einen kleinen Schwatz über Funk mit der Salto gehalten, bei dem wir uns für den nächsten Morgen um 6 Uhr zum Aufbruch verabredet haben, um auf die andere Seite der Bucht zu verlegen, bevor der Südwind einsetzt.

schon auf der Südseite der Bucht

 Um 6 Uhr dann die Ernüchterung, daß der Wind immer noch aus Nord und in gleicher Stärke weht, kurz gefunkt, wir warten noch. Macht ja keinen Sinn sich bei der Windstärke auf Legerwall zu legen. Legerwall bedeutet in dem Fall, falls der Anker nicht hält, daß man gleich auf die Küste getrieben wird. So haben wir uns nochmal in die Bettdecke gekuschelt, um das Zeitfenster abzuwarten, in dem sich der Wind dreht. Um kurz nach Sieben dann der Funkspruch, der Wind hat gedreht. Häää, wie das? Normalerweise flaut der Wind ab und es dauert dann eine Weile bis der dann gedreht hat. Nicht so Heute. Ist er doch innerhalb von Minuten gedreht und weht auch gleich mit 25 kn aus Süd, jetzt liegen wir Legerwall, aber unser Anker hält. So sind wir dann ziemlich schnell aus der Koje gesprungen und haben uns auf die andere Seite der Bucht verlegt. Jetzt liegen wir wieder ruhig und sicher, wir bleiben auch den ganzen Tag auf dem Schiff, da uns das Anlanden mit dem Dinghi bei den permanenten 25- 30 kn, die es den ganzen Tag geblasen hat zu mühselig gewesen wäre. So sind wir dann erst am Dienstag, zusammen mit der Salto, an Land gerudert um dort eine Wanderung zu unternehmen. Um es vorweg zu nehmen, eine sehr schöne Wanderung mit der Erkenntnis, hier könnte wir es noch ein paar Tage länger aushalten.

Aber für den Abend war dann der gewünschte Nordwind wieder vorhergesagt, der einen Aufbruch zur Folge hat. So sind wir dann am späten Nachmittag auf unsere Boote zurückgekehrt und haben alles soweit startklar gemacht. Der Wind sollte gegen 22 Uhr kommen, wir sind dann aber schon um 19 Uhr los. Was sollen wir hier noch Zeit absitzen, dann halt erst einmal unter Maschine. So ging es dann in die erste Nacht hinein, der Wind kam wie angesagt, wir konnten die Segel setzten und die Maschine verstummte. Zu anfangs noch mit 2kn Gegenstrom, aber bis zum Morgen war auch dieser dann milde gestimmt und hat dann bis auf 0,5kn abgenommen. Mit zunehmendem Wind hat natürlich auch die Welle wieder zugenommen, aber wir sind gut vorangekommen. Am späten Abend, Sabine war schon ins Bett gegangen, habe ich in weiter Ferne dann Wetterleuchten gesehen, mmmh ob da was kommt? Gemeldet war auf jeden Fall nichts. Kurze Zeit später hat sich die Nacht dermaßen verfinstert, daß man sprichwörtlich die Hand vor Augen nicht gesehen hat, wirklich spuki wenn man auf dem Schiff nicht mal mehr die Aufbauten erkennen kann. Kurz darauf wird der Wind weniger und die Segel fangen an zu schlagen. Da Sabine sowieso gerade auf Toilette war, haben wir zusammen mal das Großsegel runter genommen, mit diesen Anzeichen war es mir dann doch etwas zu heiß, unter „Vollzeug“ weiter zu segeln. Sabine hat sich dann auch wieder hingelegt, mit dem Rest komme ich dann auch alleine klar. Nach einer halben Stunde wird der Wind noch weniger und dreht von einer zu anderen Minute um 180 Grad und es fängt das regnen an. So habe ich dann die Genua auch noch geborgen und unsere Maschine wieder bemüht. Wieder eine halbe Stunde später und der Wind kommt wieder aus der Alten Richtung und mit einer Stärke von 15- 20 kn. Also Genua raus und Maschine wieder aus, da soll mal jemand sagen, daß es Langweilig ist, und das ganze natürlich wieder alles in der Nacht. Das sollte es aber für den Rest der Nacht gewesen sein, der Regen hat sich verzogen und der Wind bleibt wieder stabil. Hatten wir bisher bei einsetzendem Regen immer wieder mit Starkwind zu kämpfen, war es jetzt auch mal Schwachwind. Der nächste Tag war dann eigentlich recht entspannt, der Wind hat etwas nachgelassen, die Welle entsprechend auch. Wir holten auch wieder mal unseren Kraki raus, aber leider war uns kein Angelerfolg gegönnt. Einzig ein Albatros hat sich an dem Köder bedienen wollen, den wir aber wieder von diesem wohlbehalten befreien konnten. Größer dürfen die Vögel aber auch nicht mehr werden, sonst bekommen wir sie nicht mehr an Bord, um sie zu befreien – war schon ein Kampf mit dem. Ein weiterer Versuch mit einem anderen Köder, der unter die Wasseroberfläche geht, wurde schnell abgebrochen, auch hier haben sich die ersten Albatrosse schon wieder in Ihn verschaut. Wir konnten den Köder dann aber noch ohne weiteren Zwischenfall bergen. Ab der Mittagszeit war dann gemeldet, daß eine lange Flautenzeit beginnt, diese hat sich dann aber bis in den Abend hinein Zeit gelassen, bevor wieder unsere Maschine zum Einsatz gekommen ist, mal schauen wie lange diese anhält.

Am heutigen Freitag war dann auch nur unter Mithilfe der Maschine vorwärts zu kommen, heul, der Südatlantik fast so glatt wie jeder Dorfweiher. Erst am Nachmittag haben sich die ersten Windfelder wieder bemerkbar gemacht, wir konnten uns auch mal eine Stunde unter Segel fortbewegen, was für eine Ruhe. Leider war dies kein Dauerzustand, am Abend nochmals eine Stunde, ansonsten war immer das monotone Geräusch unseres Diesels unser ständiger Begleiter. ABER der Höhepunkt des heutigen Tages war, wir haben unseren ersten Pinguin in freier Wildbahn gesehen und das noch an Bord! Jetzt werden sich einige Denken, der will uns einen Bären aufbinden, aber weit gefehlt. Der Nachteil an der Geschichte ist, er hat sich an unserem Angelköder vergriffen. Auf jeden Fall machte sich unsere Angel wieder mal bemerkbar, der erste Blick und Gedanke war, da hat sich wieder so ein „blöder“ Vogel über einen vermeintlichen Leckerbissen her gemacht. Wir staunten nicht schlecht, als wir den wahren Übeltäter ausmachten. Sind wir jetzt schon so weit im Süden, daß es Pinguine gibt?! Wir holten die Angel ein und haben mit dem Kescher den „Kleinen“ an Bord befördert, durch die diversen Vögel haben wir ja schon fast Routine bekommen. Mit Handschuh und Spitzzange bewaffnet haben wir dann den Angelhaken aus dem Maul entfernt und ihn erst einmal auf seine Füße gestellt. Dann hat sich unser Gast mal kurz umgeschaut, geschnattert, eben nochmal geschüttelt und ist mit einem kleinen Satz von selbst wieder ins Wasser gesprungen. Happy End, wir hoffen natürlich wie bei allen, die wir wieder frei gelassen haben, daß außer dem Schreck keine Wunden zurück bleiben. Wie immer keine Zeit für ein Foto gehabt, man ist ja auch selbst immer wieder aufgeregt und will möglichst schnell das Tier befreien. Jetzt trauen wir uns schon fast gar nicht mehr unsere Angel zu benutzen, wenn etwas beißt, dann leider kein Fisch. So müssen weiter die an Bord befindlichen Vorräte dezimiert werden und der frische Fisch lässt weiter auf sich warten.

Samstagmorgen, es ist hell geworden, Stille. Der Wind ist zurück und wir bewegen uns mit unseren „Dicken“ wieder fort, für das sie ja gebaut ist, unter Segel. Anfangs noch etwas unbeständig in Stärke und Richtung, aber nach 2 Stunden stabilisiert er sich und es ist ein entspanntes Segeln, da kaum Welle da ist. Es ist sehr diesig heute und die Sichtweite beträgt maximal 2 sm, nicht wirklich viel auf dem offenen Ozean. Unser Radargerät, das wir eigentlich soweit nur in der Nacht nutzen, um evtl. die unbeleuchteten Fischer rechtzeitig zu sehen, bleibt auch jetzt am Tag unser einziges Auge in die Ferne. Die Großschifffahrt sehen wir ja zum Glück mit dem AIS-System immer schon von weiten. Die Empfangsreichweite ist zwar auch hier unterschiedlich, aber es sind immer mindestes 20 sm, wenn wir deren Signal empfangen. Zur Vorstellung, wie weit so etwas auf dem Ozean ist, kann ich nur sagen, bei guter Sicht sehen wie die Pötte am Horizont erst auf ca. 10 sm Distanz. So gesehen sehen wir diese schon, bevor sie mit bloßem Auge sichtbar sind. Hier im Süden muss man auch den Fischern mal ein gutes Wort zukommen lassen, einige benutzen auch ein AIS, aber eben nicht alle. Über den Tag werden die Sichtweiten langsam immer weniger, bis es dunkel wird, sind es nur noch 100 m Sicht. Alles fühlt sich nass und klamm an Deck an, die Feuchte lässt die Kälte in alle Glieder ziehen. Die Schotten haben wir schon lange dicht gemacht, damit es unter Deck einigermaßen angenehm bleibt. Unter Tags hatten wir noch unseren Angelköder ein Bad im mittlerweile 16° Grad kühlen Wasser gegönnt. Bei dem Nebel sollten wir doch Glück vor den Möwen haben, weit gefehlt. Nach einer halben Stunde hat sich der Erste wieder in den Köder verbissen. Ich befreie den Guten das erste mal alleine, Sabine war gerade am Schlafen und ich wollte sie deshalb nicht wecken. Hat auch gut geklappt und die Angel ist ab sofort arbeitslos, ich gebe auf. Dann gibt es halt keinen frischen Fisch auf der Überfahrt. Mit dem letzten Büchsenlicht frischt der Wind auch endlich auf, so kommen wir auch etwas zügiger voran. Der Plan, bis spätestens Sonntagmittag in La Paloma anzukommen, scheint aufzugehen. Der Wind soll laut Wetterbericht jetzt stabil bleiben. Gegen 2 Uhr in der Früh schläft der Wind dann doch wieder ein, Sabine musste das Segel bergen, weil es nur noch geschlagen hat und unser Motor wieder mal begnügt. Der Spuk dauerte aber zum Glück nur eine Stunde, bevor wieder Ruhe ist Schiff einkehrt. Bei mir hat es das gleiche Spiel nochmal am frühen Morgen gegeben, ich war schon im Begriff den Motor anzuschmeißen, zumindest zur Unterstützung. Ich warte noch mal 10 Minuten, und siehe da, das Warten hat sich gelohnt. Wind kommt wieder auf und der Motor bleibt aus. So geht es dann entspannt dahin bis kurz vor dem Ziel, der Wind lässt wieder nach. Wir sind beide an Deck und sagen zu uns, daß uns auf der Zielgeraden wohl wieder mal die Luft ausgeht. Da es schon Mittagszeit ist, wärmt Sabine die Essensreste von gestern auf, um uns nochmal zu Stärken bevor es wieder zu spät wird, bis wir im Hafen fest sind und alles aufgeklart haben. Kaum ist das Essen im Teller legt der Wind auch schon wieder zu, ich stelle die Moni (Windsteueranlage) noch ein und unsere Gerda (elektrischen Autopiloten) aus. Bei Schwachwind tut sich unsere Moni etwas schwer, den Kurs sauber zu halten und da muss Gerda immer wieder mal übernehmen. Ansonsten schauen wir halt immer, daß Moni ihr Werk verrichtet; die braucht halt keinen Strom. Jedenfalls können wir anschließend so unser Essen genießen. Die Teller sind zurück in der Pantry und der Wind nimmt weiter zu und zu, „von wegen mir geht die Luft aus, jetzt zeige ich euch was in mir steckt“. So wird es wirklich noch ein Endspurt mit Windstärke 6, zum Glück waren wir die ganze Zeit nur mit unserer Genua unterwegs, die ist leichter händelbar als das Großsegel und kann einfacher gerefft werden, was wir dann auch gemacht haben. Jetzt kommen schon Gedanken auf, wie wir bei dem Wind im Hafen zu Recht kommen, oder sollen wir uns vor der Hafeneinfahrt vor Anker legen?! Da wir uns sowieso bei der Port Control anmelden müssen, fragen wir gleich nach, ob den jemand im Hafen uns beim Anlegen unterstützen kann. Es dauert einen Moment, bis die Dame am Funk uns die Rückmeldung gibt, daß gleich ein Boot zu uns kommt und uns unterstützt. Naja, Boot hätten sie nicht gleich schicken müssen, aber wenn sie schon den Service anbieten 😊. So kommen 2 Jungs mit dem Schlauchboot angefahren und begleiten uns durch die Hafeneinfahrt und zeigen uns den Liegeplatz.  Am Steg stehen auch schon 2 tatkräftige Helfer und so liegen wir, mit etwas Anweisungen von uns, schnell und sicher am Steg. Noch kurz das Boot aufklaren, Anlegegetränk zu uns nehmen, und wir setzten das erste Mal unsere Füße auf uruguayanischen Boden.

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Von Bahia Ilha Grande nach Itajai

Nachdem wir ja jetzt wieder ordentlich Material eingelagert haben, wollten wir schnellstens aus Angra dos Reis weg, auch wenn wir hier wieder viele nette Leute kennengelernt haben. Doch der Liegeplatz mitten in der Bucht war nicht so malerisch. Zu einem haben wir wirklich jede Welle abbekommen von den Booten, die hier vorbeifahren (hatten wir erwähnt, daß die Brasilianer nur mit voll Speed an einem vorbeifahren ohne jegliche Rücksicht?); zum anderem ist hier in dieser Bucht ganz viel Dreck auf dem Wasser (wobei Wagner, ein einheimischer Segler uns erklärte, daß das Algen wären wegen der Hitze). Nicht sehr einladend auf alle Fälle.

so sieht Einkaufen bei Yachties aus

Unser nächstes Ziel war dann eine kleine Insel, die uns ein Seglerfreund empfohlen hatte. Nicht weit von Angra weg, nur quasi „um’s Eck“, die Ilha Itanhanga. Das war jetzt aber auch nicht so tolle, daß wir hier länger verweilen wollten und wir haben hier nur eine Nacht verbracht. Ebenso unser nächster Ankerplatz, wieder Festland. So langsam wollen wir uns Richtung Paraty vorhangeln. Zu diesem Ort sagt jeder, daß man da hinmüsse. Eine der ältesten Städte Brasiliens mit einem historischen Zentrum im Kolonialstil. Diese Stadt liegt an der westlichsten Ecke des Bahia.

Auf dem Weg dorthin haben wir dann noch einen weiteren Zwischenstop an der Ilha do Cedro gemacht. Auch wieder ein netter Ankerplatz mit guten Schnorchelmöglichkeiten. Von hier aus ging es dann in die Bucht von Paraty, wobei wir an einem ruhigen Strand gegenüber der quirligen Stadt und weitab von den Marinas geankert haben. In dieser Bucht waren wir so was von ruhig gelegen und konnten aber mit dem Dinghi auch die Stadt aufsuchen, was wir natürlich zusammen mit der Crew der Salto auch gemacht haben.

ab und zu haben wir auch Besuch an Bord

Und Paraty ist wirklich ein schönes Örtchen, natürlich wieder sehr touristisch. Die historische Altstadt ist in tadellosem Zustand, in den alten Gebäuden sind überall kleine Läden mit Souvenirs aller Art, Bars, natürlich Eisdielen etc. untergebracht.

Zum Sonnenuntergang konnten wir in unserer Bucht einen kleinen Hügel hinaufsteigen, auf dem die Reste eines Forts zu finden waren. Hier hatte man einen tollen Blick über die Bucht und konnte den Sonnenuntergang genießen.

Nach ein paar Tagen haben wir uns dann aufgemacht, um die letzten beiden Ankerplätze in der Bahia Ilha Grande aufzusuchen. Der vorletzte Stop war im einzigen Fjord Brasiliens, dem Saco de Mamangua, nicht zu vergleichen mit den norwegischen Fjorden, die steil und kahl sind. Hier haben wir dann auch eine Erhebung bestiegen, die auch „Zuckerhut“ heißt, da er Ähnlichkeit mit dem großen hat. Ein toller Rundumblick über den Fjord und die Bucht. Der Anstieg war zwar sehr anstrengend, hat sich aber wirklich gelohnt. Steil nach oben auf engen Waldwegen, über Steine und Wurzelwerk.

Und dann haben wir die Bahia verlassen, irgendwann müssen wir ja mal im Süden ankommen. Das Wetter soll sich ja zu unseren Ungunsten wenden und wenn wir jetzt nicht langsam hier wegkommen, dann müssen wir hier noch eine weitere Woche verbringen, was uns hintenraus wieder fehlen wird.

Also sind wir weitergezogen in eine Bucht kurz vor dem Ausgang der großen Bahia, um am nächsten Tag gleich wieder raus auf den Atlantik zu fahren. Jochen ist am Morgen nochmals zu einem Wasserfall gelaufen, bevor wir uns startklar gemacht haben. Für diesen Dienstag war gemeldet, daß wir etwas Welle haben und einen Wind von 3 – 4 bft, was ja ein schöner Segelwind ist. So haben wir uns ausgemalt, daß wir das Etappenziel, eine Insel vor Ubatuba in ca. 40 sm am Abend erreichen würden, wenn wir bis Mittag starten. Ja, so war der Plan.

Was wir leider nicht angeschaut haben, war die Strömung. Eigentlich geht hier an der Küste der Brasilstrom Richtung Süden mit bis zu 2 Knoten. Nicht so heute! Sind wir beim rausfahren aus der Bucht noch mit 5 – 7 Knoten Fahrt gefahren (da haben wir uns schon gefreut: wir sind ja schneller da als geplant), traf uns an der Ecke der unübliche Gegenstrom mit voller Wucht. Wir hatten bis zu 3 Knoten aus Süden und haben uns wirklich gequält, vorwärts zu kommen. Wir wussten, daß wir würden eventuell kreuzen müssen. Aber daß wir dann kreuzen und der Strom uns so versetzt, daß wir überhaupt nicht vorwärts kommen, hat uns ganz schön zu schaffen gemacht.  Wir haben dann wirklich überlegt, nachdem wir 3 Stunden vor derselben Stelle von einer Länge von 3 Seemeilen gekämpft haben, umzudrehen und wieder rein zu fahren. Nein, wir versuchen jetzt irgendwie bis an das Kap da vorne zu kommen, vielleicht wird es da dann besser. Wir haben dann den Motor zu Hilfe genommen, um dieses Ziel zu schaffen. Und dann wurde es auch wirklich etwas besser. Wir waren zwar langsam aufgrund des Gegenstroms, konnten aber den Kurs soweit halten und es ging vorwärts. Da wir wußten, jetzt kommen wir aber in die Nacht und nicht nur in den Spätabend, haben wir dann schon überlegt, ob wir gleich bis Sao Sebastio durchfahren, weil das ja auch nur noch ca. 25 sm mehr sind. Kommt auf den Wind und die Welle an, wie das heute Nacht so läuft.

Ja, leider fiel dann der Wind irgendwann zusammen und wir hatten kaum noch Fahrt. Dazu die stehende Welle und somit fing das Geschlage der Segel wieder an. Jetzt langts, Schnauze voll – das tuen wir uns nicht die ganze Nacht an. Also, Segel runter und Motor an. Und der Entschluss: wir motoren jetzt so bis zur Ilha Anchieta (vor Ubatuba), schlafen da und morgen früh geht’s gleich weiter. Jochen hat sich dann gegen 21.30 Uhr mal schlafen gelegt mit dem Auftrag, ich soll ihn halt wecken, wenn ich mal schlummern möchte. Da ich fit war und bei dem Gewackel eh nicht schlafen kann, hab ich denn Skipper dann geweckt, als wir noch 1,5 sm zur Ankerbucht hatten. Um 2 Uhr in der Früh fiel dann der Anker und wir sind beide ins Bett gekrabbelt.

Jochen hat dann mal nachgeschaut, was denn so an Strom gemeldet war, denn den haben wir ja komplett außen vor gelassen – geht ja immer gen Süden hier. Es war wirklich Strömung aus Süd nach Nord gemeldet, jedoch mit 1 Knoten, nicht mit 3 Knoten. Wieder was gelernt!

Für den Mittwoch war die Wettermeldung eigentlich eher gemütlich. Wir rechnen ja immer schon mal 5 Knoten auf den gemeldeten Wind obendrauf – ist ja super, passt. Da kommen wir gut vorwärts und können die Segel voll rausholen. Gut, nass werden wir halt werden, weil es regnen soll.

Kaum sind wir aus der Ankerbucht raus und hangeln uns durch die Inseln, pfeift es auch schon los. Plötzlich sind das 2 Windstärken mehr als vorhergesagt. Da passt halt einfach nix mit diesen Vorhersagen – egal, wie viele verschiedene Du anschaust. OK, warten wir mal ab, ob das hier vielleicht nur am Düseneffekt zwischen den Inseln liegt. Stimmt, etwas weiter draußen flaut der Wind etwas ab und die Vorhersage passt. Aber nur für ca. 15 Minuten. Dann nimmt er wieder zu. Dann halt wieder das Großsegel ins 1. Reff nehmen, damit etwas Druck raus ist. Das Gute daran – so kommen wir gut vorwärts und erreichen unser Ziel Ilhabela vor Sao Sebastio (auch Ilha Sao Sebastio genannt).

Als wir dann dort in die Landabdeckung kommen (Juhu, Welle ist weg), bricht halt auch der Wind ab. Also Segel einpacken, Motor anschmeißen. Wir müssen auf die Westseite der Insel, die ist gleichzeitig der „Kanal“ zum Festland. Und da ist er wieder, der Gegenstrom mit über 2 Knoten in dieser Düse. Somit brauchen wir für die letzten 6 Seemeilen auch wieder 2 Stunden!!! Die Zeit, die wir vorher gut gemacht haben, war somit wieder verbraucht. Jetzt ist uns wieder klar geworden, daß das Segeln nicht daraus besteht, beständig in eine bequeme Richtung zu fahren und den Wind immer schön von hinten zu bekommen. Wir kommen so langsam in die Gegend, wo wir beim Segeln wieder etwas zu tun haben.

Aber, Ziel erreicht. Wir sind in Sao Sebastio und können hier jetzt das schlechte Wetter abwarten, um die nächsten Tage unser nächstes großes Ziel, Itajai anzuvisieren. Hierfür benötigen wir ein Wetterfenster von 3 Tagen, die wir dorthin brauchen werden.

Die Wartezeit haben wir uns dann damit vertrieben, um das historische Zentrum von Ilhabela (Vila) zu besuchen. Nicht wirklich groß, aber sehr nett und gepflegt, außerdem sind alle Möglichkeiten gegeben, um das Geld unter die Leute zu bringen. So haben wir dann unsere Vorräte an Obst und Gemüse aufgefüllt und waren auch in einer der vielen Restaurants zum Essen. Da auch das Pfingstwochenende vor der Tür stand, machten wir uns mal schlau, ob es hier Feierlichkeiten gibt. Die Erkundungen diesbezüglich konnten positiv abgeschlossen werden. So sind wir dann, zusammen mit der Saltocrew, die zwischenzeitlich auch eingetroffen war, am Samstag losgezogen und haben einen sehr schönen Abend mit Livemusik und bunten Treiben verbracht. Am Sonntag fand dann noch ein Umzug statt. Die Vorführung, die dazu stattgefunden hat, war dann für uns nicht so berauschend – zumal wir den Hintergrund der Darbietung nicht kannten und wir auch die Texte nicht verstanden hatten, die Einheimischen waren auf jeden Fall begeistert.

Am Montag waren wir dann nochmal beim Impfzentrum, das wir bei einem Spaziergang entdeckt hatten um. Wir sind auf der verzweifelten Suche, um unsere zweite Dengueimpfung zu erhalten, aber auch hier bekamen wir leider eine Absage. Der Impfstoff wird aktuell wohl nur an Kindern geben, da der Vorrat knapp ist, wir werden weiter suchen, vielleicht haben wir in einer größeren Stadt ja Glück.

Die Abfahrt war dann für Dienstag angesagt. Nach langem hin- und herüberlegen mit der Saltocrew, welches die bessere Abfahrtszeit sei (wegen Strömung, Wind, Welle…) sind diese dann am Montag abend gestartet und wir haben uns auf Dienstag vormittag festgelegt. Wir hatten das Glück mit unserem Abfahrtstermin, daß wir noch eine ruhige Nacht vor Anker hatten und wirklich am nächsten morgen die Strömung im Kanal sehr moderat war. Leider stand noch eine Welle von ca. 2 Metern und dazu kein Wind, so daß wir bis zum Abend unter Maschine gefahren sind und die Genua nur zur Unterstüztung rausgenommen haben. (Da ist das Gewackel auf der Welle nicht ganz so schlimm, wenn ein Stützsegel draußen ist). Hatten wir bisher ja immer noch mal 5 Knoten auf die Vorhersage draufpacken dürfen (was bei dieser Tour schön gewesen wäre, weil nur Schwachwind angesagt war), so war es diesmal nicht so. Also haben wir uns durch den Tag und die Nacht im Langsammodus mit nur leichtem Wind gequält. Jochen hat dann überlegt, ob wir nicht unser Leichtwindsegel auspacken. Dies wollte ich aber dann nicht, weil ich partout nicht in die Nacht damit fahren wollte – wie oft hatten wir in der Nacht plötzlich auftretende, nicht gemeldete starke Winde, noch dazu in meiner Schicht. Ich wollte diesmal kein Risiko eingehen, mitten in der Nacht wieder Segel zu wechseln. Vor allem, da wir ja jetzt in die Gegend kommen, wo die Fronten aus Süden ranrauschen und ganz gemein sind.

Am morgen dann konnten wir die Salto über Funk erreichen, wir hatten zu Ihnen aufgeschlossen. Sie hatten durch die wesentlich frühere Abfahrt keinen Boden gut gemacht, sondern eher gegen Welle und Strömung kämpfen müssen.

Nachdem an diesem Morgen der Wind aber immer noch genauso stetig hauchte, haben wir dann doch unser großes, buntes Tuch ausgepackt und gleiten nun dahin bei wenig Wind, mittlerweile wenig Welle und wenig Geschaukel. Bis nach Itajay ist geplant bis Donnerstag noch im hellen anzukommen, wir hoffen ja noch. Bis Freitagmittag müssen wir ankommen, dann kommt ein Sturmtief aus dem Süden angerauscht, das viel Wind auf die Nase bringt, was wir tunlichst vermeiden wollen. So sind wir dann noch mit unserem Leichtwindsegel in die Nacht gefahren, die Vorhersagen waren auch entsprechend mit wenig Wind mit moderaten Böen. So gegen 22 Uhr dann ein kurzes ratsch und unser Segel war im Wasser gelegen. Eine erste Befürchtung, daß das Fall gerissen ist, hat sich leider nicht bestätigt. Bei genauerem Hinsehen, was durch den Vollmond auch möglich war, stehlte sich heraus, daß noch ein Teil vom Segel oben hing. Da ist wohl das Tuch gerissen, so ein Mist/ …Kotz. Vermutlich entstanden aus einer Kombination Windböe, Welle und Segel ausbreiten nachdem es zusammengefallen war, der Wind war eigentlich nicht zu stark. So haben wir das Tuch aus dem Atlantik gefischt, verstaut und unsere Genua rausgeholt, mit der wir dann durch die restliche Nacht gefahren sind.

Abpropo fischen. Unser Angelerfolg auf der Überfahrt beschränkte sich auf einen kleinen Fisch der sich kurz vor dem Schiff wieder losreißen konnte und zwei Möwen, die unseren Köder so appetitlich fanden, daß sie daran kosten wollten. Diese konnten dann aber von jenem erfolgreich befreit werden und sind, wohl mit einem kleinen Schreck, wieder über das Wasser gegleitet. Wir können nur sagen, das Gefieder dieser Vögel ist total schön fluffig weich.

Am nächsten Morgen haben wir dann unser Großsegel noch dazu genommen, um unsere letzte Trumpfkarte zu ziehen, was die Geschwindigkeit angeht, da der Wind etwas gedreht hatte. Leider hat der Wind später wieder nachgelassen und auch wieder zurückgedreht, so daß er direkt von hinten gekommen ist. Bei dem Tempo würden wir erst am Freitag in der Früh ankommen. Eine Entscheidung musste her, entweder unter Segel mit entsprechender später Ankunft und dem Risiko in den gemeldeten Starkwind zu kommen, oder Maschine anschmeißen. Die Entscheidung fiel auf Maschine an. Anfangs hatten wir noch das Großsegel zur Unterstützung stehen gelassen, später nachdem der Wind fast gänzlich weg war, haben auch noch dieses geborgen. So sind wir dann gegen 21 Uhr in Itajai angekommen, zu spät für die Hafeneinfahrt, die recht schwierig sein soll und wir diese nur bei Tageslicht in Angriff nehmen wollten. Der angedachte Ankerplatz vor der Hafeneinfahrt war dann aber so wellig, daß wir noch in die nächste Bucht weiter gefahren sind, wo unser Anker dann gefallen ist. So hieß es dann am nächsten Morgen, Anker auf. Die Hafeneinfahrt war dann entsprechend unruhig. Dazu muss man erklären, daß die Einfahrt eigentlich ein Fluß ist, in den man hineinfährt, die Einfahrt aber so eng gehalten ist, daß bei auftretendem Sturm alles dahinter geschützt ist. So stehen 3 Knoten Strom vom Fluß gegen die Welle aus dem Atlantik. Die Wellen die dabei entstehen, sind sehr konfus und unangenehm, ein entsprechendes Versetzen des Bootes inclusive. Dazu kommt dann noch die Großschifffahrt, auf die geachtet werden muss, am besten so abpassen das sich keiner der „Großen“ in der Einfahrt befindet, während man selbst darin ist. So sind wir dann langsam aber stetig zu unserem Hafen gelangt, von Strom und Welle hier keine Spur mehr, alles sehr ruhig und sicher. Noch kurz zuvor die Marina angefunkt, um uns anzukündigen und einen Platz zugewiesen zu bekommen, aber was heißt hier kurz. Wir sind dann im kleinen Hafenbecken Kreise gefahren und haben immer wieder angefunkt (bestimmt 10mal), bis dann endlich die Info gekommen ist, daß jemand vorbeikommt und uns beim Festmachen unterstützt. Dies wurde dann auch von den Mitarbeitern sehr professionell durchgeführt. So liegen wir wie in einem Ententeich ruhig und sicher am Steg. Einzig das dreckige Flusswasser, in dem wir jetzt liegen, mit viel Treibgut aus dem letzten Starkregen, trübt den sehr guten Eindruck.

Unser Fazit aus der Überfahrt, anfangs blöde Wellen, viel motort, wenig Wind, kein Angelerfolg und ein kaputtes Segel. Noch Fragen?

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Ilha Grande

Unser nächstes Ziel heißt Ilha Grande. Dies ist eine große Insel direkt vor der Küste, ca. 100 km südlich von Rio. Dies soll „die“ Seglerecke Brasiliens sein mit vielen schönen Ankerbuchten und den Topp-Stränden. OK, der Wind soll hier nicht immer so sein, wie wir Segler es uns wünschen – aber man kann ja nicht alles haben. Wir wollen hier ja nicht rumsegeln, sondern eher „rumankern“.

Für die eigentliche Strecke von 65 sm haben wir schon mal vorsichtig mit 70 sm gerechnet und sind so bei einer Fahrtzeit von ca. 14 Stunden herausgekommen, wir rechnen immer mit 5 Knoten Fahrt, was auch normalerweise problemlos zu schaffen ist. Wenn wenig Wind ist, halt ein bisschen mehr. Oh je – falsch gerechnet. Leider ist hier die Ecke ja sehr berüchtigt mit Winden. Wir kommen ja jetzt aus der  Passatzone raus und müssen jetzt häufiger mit Fronten aus dem Süden kommend rechnen, was Wind und Welle bringen kann…oder eben auch nicht.

Wir sind frühmorgens um ca. 9 Uhr aus unserer Marina herausgefahren, da gegen 10 Uhr der Wind vor der Bucht kommen sollte. Da wollten wir pünktlich draußen sein. Wir waren da, nur der Wind nicht. Es ging also schon mal mit Flaute los. So haben wir bis zu den vor Rio vorgelagerten Insel motort, was schon gedauert hat und haben uns dort vor Anker gelegt und wollten auf den Wind warten. Aber auch da war es nicht schön liegen, da halt schon etwas Welle gestanden war. Also wieder Anker auf, das geht schon. So haben wir uns weiter gequält, aber irgendwann unser Vorsegel wieder eingerollt, da es nur geschlagen hat. Also treiben wir ohne Segel in unsere Richtung, denn zum Glück hatten wir Strom mit, der uns mit 1 Knoten vorangetrieben hat. Irgendwann gegen 9 Uhr abends kam dann etwas Wind auf und wir konnten unser Vorsegel setzen. Ich hatte mich zwischenzeitlich noch etwas hingelegt, konnte aber wegen der Welle und dem Gerolle des Schiffes nicht wirklich schlafen. Ich kam dann gegen 10 Uhr aus der Koje und der Wind wurde mehr. Wir beratschlagten dann und kamen überein, das Großsegel wird nicht gesetzt. Es sollte ja noch ein Wetterchen kommen. Und so war es auch. Zum ersten Mal seit langem wurde wieder einmal eine lange Hose und Jacke (Plus unser „Ölzeug“) angezogen. Ich wurde dann auch mal richtig naß. Wie immer: mitten in der Nacht gegen 4 Uhr kam dann die Kaltfront durch mit entsprechenden Wind. Gut, daß wir das Groß nicht gesetzt haben, das wäre jetzt wieder ein hartes Stück Arbeit gewesen, dieses zu reffen.

Nach einer Stunde war der Spuk wieder vorbei… und der Wind brach wieder fast komplett weg. Nur eine sehr unangenehme Welle stand jetzt. Ein wildes Geschaukel mit Wind direkt von vorne, also sowieso kreuzen angesagt. Bei fast keinem Wind und viel Welle nicht schön. Wir sind dann in wildem Gewackel mit ganzen 2,5 Knoten Fahrt gesegelt, wir hatten ja auch Zwischenzeitlich 1 Knoten Gegenstrom. Irgendwann hatten wir die Schnauze so voll, daß wir das Segel eingerollt haben und den Motor angeworfen haben. Wackelt genauso, geht aber schneller vorwärts, da das Gekreuze wegfällt und wir unser Ziel direkt ansteuern können – und als weiterer Nebeneffekt: wir können so noch etwas Trinkwasser produzieren.

Nach ganzen 30 Stunden sind wir endlich am Nachmittag in Ilha Grande angekommen und konnten unseren Anker werfen. In der großzügigen Bucht „Praia do Pouso“ war genug Platz, um sich ein schönes Plätzchen auszusuchen, wir entschieden uns für die rechte Seite vom Strandabschnitt. Wie sich am nächsten Tag rausgestellt hatte, die richtige Wahl. An der linken Seite legen die ganzen Taxiboote an, die ihre zahlreiche Kundschaft hier absetzt. Von hier aus sind diese dann in einem ca. 30minütigen Fußmarsch zu der Atlantikseite der Insel marschiert, zum Strand der Strände, Lopes Mendes. Dies ist ein 2 km langer Strand mit ordentlich Atlantikdünung, an dem sich auch Wellensurfer probiert haben. Deswegen haben die ganzen Boote auch bei uns in der ruhigen Bucht angelegt und ihre „Fracht“ abgeladen. So war es trotz der vielen Boote auch tagsüber recht ruhig, außer eben der von den Booten verursachte Lärm und Wellen. Am Nachmittag, wenn die Boote ihren Rückweg wieder angetreten hatten, hatten wir die Bucht auch mit ein paar anderen Seglern wieder für uns. Von hier aus haben wir dann ein paar Wanderungen unternommen.

Die Erste ging auch dann eben zum Strand „Lopes Mendes“, um uns jenen mal anzuschauen. Auf halben Weg war dann noch ein Schild zum „Santo Antonio-Strand“ gestanden, diesen haben wir dann auch auf dem Rückweg besucht. Ein eher kleiner Strand schön zwischen Felsen eingebettet, der uns besser gefallen hat wie der Große, zumal wir hier nur zwei weitere Besucher angetroffen hatten; im Gegensatz zu den mindestens hundert auf dem anderen Strand. Die nächste Wanderung sollte dann zum Leuchtturm gehen, gesagt, getan. War der Weg anfangs noch recht breit, es war eine Alternative zum Strand, ging es nach dem Abzweig nur noch über einen schmalen Pfad durch den Inselwald, der auch teilweise nur erahnt werden konnte. Ich hatte mir dann zwischenzeitlich einen kleinen Stock genommen, um die ganzen Spinnenweben, die über den Weg gespannt waren, zu entfernen, um nicht selbst ein Netz um mir rum mitzuziehen. So ging es dann Meter um Meter durch das Unterholz, hier mal einer der vielen Schmetterlinge, dort mal ein Vogel, während immer mal wieder Affen über uns in den Baumkronen umhergesprungen sind, einfach traumhaft schön. Dann ein kurzer Schreckmoment, als wohl durch meinen „Putzstock“ aufgeschreckt, eine kleine Schlange wie eine Pistolenkugel schnell über den Weg gehuscht ist. Erschrocken sind wir wohl beide. Nach 3 Stunden waren wir dann am Ziel, durch ein kleines Gatter standen wir auf einmal auf einem Hubschrauberlandeplatz, der Leuchtturm wird wie wohl alle hier in Brasilien durch das Militär betrieben. Da am Eingang ein Verbotsschild stand, zögerten wir noch etwas, um uns dem Leuchtturm weiter zu nähern, aber wenn wir schon mal da sind, was wollen sie machen. Mehr wie uns wieder zurückschicken wird ja wohl nicht passieren. So sind wir dann ein paar Stufen den Berghang noch hinunter gegangen, als wir 2 Personen gesichtet haben, denen wir gleich freundlich gegrüßt haben. Sie sind dann auch gleich auf uns zu gekommen und haben uns freundlich begrüßt, geht doch. Sie erklärten uns dann gleich, daß es hier Militärgebiet ist und das Fotografieren nicht erlaubt sei, aber ein Bild vom Leuchtturm dürfen wir machen. Einer der Beiden konnte sogar recht gutes Englisch, so sind war dann auch ins Gespräch gekommen. Nach einer kurzen Kennenlernphase wurden wir dann sogar eingeladen, den Leuchtturm von innen zu besichtigen, was eine Überraschung für uns. So haben wir dann auch wieder die Aussicht exklusiv von Oben genießen dürfen. Im Anschluß durften wir unsere Wasserflaschen noch auffüllen, alles sehr entspannt und freundlich. Denke, die Beiden haben sich auch über etwas Abwechslung gefreut. So haben wir uns bedankt und verabschiedet, um den Rückweg anzutreten, es war ja noch ein ganzes Stück, und bis zur Dunkelheit wollten wir auf jeden Fall zurück sein, was wir auch problemlos geschafft hatten.

An einem Nachmittag, als wir mit dem Dinghi zurück zum Boot gefahren sind, haben wir ein „neues“ Segelboot endeckt, daß ausnahmsweise mal keine brasilianische Flagge fuhr, sondern eine Argentinische. Ach, da klopfen wir doch mal an und sagen Hallo, weil: da könnte sich Sabine ja auf spanisch verständigen, wenn es sein muß. Gesagt, getan. Und spontan wurden wir dann auch auf das Boot zu den drei Männern aus Buenos Aires eingeladen. Sabine bekam einen leckeren Kaffee und wir allerhand Tipps, wo wir unbedingt noch hinmüssten. Die Männer sind auf dem Weg nach Rio, von wo aus einer heimfliegt und dafür die Frauen der beiden anderen wieder zusteigen, um weiter herumzureisen. Am nächsten Tag, das selbe Spiel. Wir sind beim zurückpaddeln und es liegt wieder ein fremdes Boot da. Diesmal sind wir aber nicht anklopfen gefahren, sondern wurden aufgefordert, mal vorbeizukommen, als festgestellt wurde, welches Boot wir ansteuern. Auch hier wieder eine ganze Gruppe von Argentiniern, die gerade hier zu Besuch sind. Super nett und super interessiert an der ganzen Technik, die wir Langfahrtsegler so haben. Auch hier haben wir wieder viele Tipps, wo wir unbedingt noch hinmüssen. Und: Argentinier lernen in der Schule englisch, die meisten sprechen es recht gut. Im Gegensatz zu den Brasilianern, die Fremdsprachen nur auf Privatschulen lernen können. So ist eine Unterhaltung doch gleich viel leichter.

Die letzte Wanderung von der Bucht ging dann in die Nachbarbucht nach Abraao. Da wir hier zweimal über einen Bergkamm mussten, die anstrengendste Tour hier. In Abraao gibt es die einzige Einkaufsmöglichkeit auf der gesamten Insel und so wollten wir dort noch etwas frisches Obst einkaufen. Was wir dann hier vorgefunden hatten, damit haben wir dann auch nicht gerechnet. Eine Tourihochburg, ein Hostel neben dem anderen, ein schmaler überfüllter Strand und die ganze Bucht voll mit Booten der Einheimischen. Der Strand wurde nur an einigen Stellen von kleinen Bojenfeldern abgegrenzt, damit man überhaupt baden konnte, sonst eben Boot an Boot. So haben wir dann noch unseren kleinen Einkauf getätigt, uns ein Eis gegönnt, um uns anschließend wieder auf den Rückweg zu machen. Was für eine Ruhe wir doch in unserer Bucht hatten. Nach den Tagen der Bewegung folgte dann auch mal ein Tag der Erholung, um unser Seglerbeine zu erholen bevor wir uns zum nächsten Ankerplatz verlegt haben.

Dieser war dann die Lagune Azul, eine sehr kleine Sandbank zwischen zwei ebenso kleinen Inseln. Wassertiefe je nach Tide zwischen 3 und 5 Metern und als Highlight jede Menge Fisch. Das solch ein Platz auch wiederum von vielen der Boote angesteuert wird, muss ich hier wohl nicht erwähnen. So sind wir erst am späten Nachmittag aufgebrochen, um dort anzukommen, wenn die Meisten schon wieder weg sind. Ich bin dann nach Ankunft auch gleich ins Wasser, um mir das Ganze mal anzuschauen, Sabine hatte keine Lust mehr so spät. Was ich hier gesehen hatte war ja schonmal nicht schlecht. Unser Plan hier über Nacht zu bleiben um am nächsten Morgen bei Zeit die Lagune für uns zu haben, ging dann auch voll auf. So sind wir dann bestimmt über eine Stunde geschnorchelt, bis wir durchgefroren waren. So haben wir dann viel Fisch gesehen, Schildkröten, Sepias und die ersten bunten Korallen von Brasilien. Kaum auf dem Schiff zurück sind dann auch schon die ersten Ausflugsboote gekommen, das nennt man Timing. So haben wir dann in die nächste Bucht verlegt, um den ganzen Trubel aus dem Weg zu gehen. Im Laufe des Tages sind dann auch mehrere Boote in unsere Bucht gekommen, am Abend waren wir dann aber wieder alleine und konnten die Ruhe und die Geräusche aus dem Wald genießen, über den immer mal wieder ein paar klein Papageienschwärme geflogen sind.

Tags drauf ging es dann unter Segel zur nächsten Lagune, der Lagune Verde. An der Außenseite der kleinen Insel war auch ein bekannter Tauchplatz, vielversprechend also. Die ebenso kleine Lagune wie die letzte ist bei Ebbe auch trocken gefallen und war bei Flut gerade so überspült. Der Schnorchelausflug an der Außenseite war dann auch sehr schön. Wieder viel Fisch, eine Schildkröte, die sich überhaupt nicht gestört fühlte und so gemütlich vor sich hin gefressen hat und als dortiges Highlight ein kleine Gruppe von Sepias, die fröhlich ihre Form und Farbe geändert haben, je nachdem, über welchem Untergrund sie gerade waren.  Einfach schön anzuschauen, was die Unterwasserwelt zu bieten hat. Da für uns der Ankerplatz nicht ganz so sicher war, entschlossen wir uns in einer der vorherigen Bucht, an der wir vorbeigesegelt sind, einen Platz für die Nacht zu suchen.

Die erste Bucht, die wir uns ausgeguckt hatten, war leider nichts. Der Platz sah nett aus mit vielen Fischerbooten und Häuschen, nur leider war der Ankergrund nicht gut und unser Anker hat nicht gegriffen. Also haben wir nach 3 Versuchen hier abgebrochen und sind noch eine Bucht weiter, in die „Saco de Tapera“. Hier sind wir dann auch 3 Nächte geblieben, weil es hier schön ruhig war und wir auch die Chance mal nutzen wollten, noch einmal schön zum Essen zu gehen. Hier gab es für eine Floating-Bar sehr gute Bewertungen die wir dann auch angesteuert haben. So gab es unsere ersten Austern die wir bestellten, diese wurden auch frisch aus dem Wasser geholt. Es war echt lecker!!!

unsere Flotingbar

In dieser Bucht haben wir auch wieder „unsere argentinischen Nachbarn“ aus der 1. Ankerbucht kurz getroffen, als diese am Morgen abgefahren sind. Vielleicht trifft man sich in Buenos Aires noch mal. Hier haben wir auch endlich einmal unser SUP aufgeblasen und getestet. Mit Wandern war es hier leider nix. Wir wollten einen ausgeschilderten Weg gehen, der war jedoch so zugewuchert, daß wir beide nicht „durch die Hecke“ wollten. Eine Machete haben wir nämlich noch nicht. Also haben wir mal nichts gemacht, gesupt, ein bisschen am Boot rumgeputzt. Und Kuchen… Sabine hat mal wieder einen Kuchen gebacken (hab ich mir gewünscht). Mal ein bisschen Heimatgefühle bekommen.

Von hier aus sollte es dann so langsam Richtung Angra dos Reis gehen, es war die Zeit gekommen, um unsere Visa zu „verlängern“ und die Vorräte mal wieder aufzufüllen. So sind wir dann, an einem kleinen Schnorchelspot vorbei, zum Praia Dentista auf der Ilha da Gipoia gefahren, wo unser Anker wieder für ein paar Tage die Arbeit übernehmen sollte. Der Strand „Zahnarzt“ war als recht lebhafter Strand beschrieben, das sind aber unserer Meinung nach alle hier. War über das Wochenende wieder viele Motorboote hier, sollte es ja an den Wochentagen etwas ruhiger zugehen, abends war sowieso Ruhe angesagt. So war es dann auch.

Am Dienstag, wir wollten eigentlich eine Bucht weiterziehen, sind dann auch überraschend unsere argentinischen Freunde aufgetaucht, Wiedersehensfreude auf beiden Seiten. Wir wurden dann auch gleich zum Lunch am Mittag eingeladen. Zum Abendumtrunk haben wir uns schließlich auf der JOSA verabredet. Da der Mittwoch der 1. Mai war und wie in Deutschland der „Tag der Arbeit“ gefeiert wird, beschlossen wir auch erst am Donnerstag weiter zu ziehen, da hier wahrscheinlich sowieso alles geschlossen hat. Was aber dann an dem besagten Mittwoch los war, kannten wir bis dahin so noch nicht, es war wirklich voll. Waren am Wochenende ca. 20 Boote in der großzügigen Bucht, waren es jetzt über 50. Aber diese Bucht war schnorcheltechnisch wirklich schön. Wir sind extra früh beizeit wieder zum schnorcheln, noch bevor wieder die Massen da sind. Und wir hatten gute Sicht und gute Sichtungen. Viele Rochen, je einen großen Flötenfisch und Kugelfisch, Knurrhähne uvm.

Am Donnerstag sind wir schließlich bei Zeit los, um in Angra dos Reis unsere Sachen zu erledigen. Wussten wir von der Salto, daß die Visa Geschichte sich über 2 Tage gezogen hat, vielleicht haben wir ja Glück und es ist an einem Tag zu bewerkstelligen. So haben wir in einer Bucht der Stadt unseren Anker geschmissen, der Weg zu den Behörden und Geschäften ist hier recht kurz. Wir sind zuerst zur Policia Federal um unsere weitere „Duldung“ zu beantragen, eine Verlängerung in diesem Sinne gibt es nicht. Der Warteraum war auch gut schon gut gefüllt. Eine Angestellte fragte dann auch gleich nach unserem Anliegen, ein Angestellter der auch Englisch könne, würde sich gleich um uns kümmern, so die Verständigung. Es dauert auch nicht lange, bis wir aufgerufen wurden. Die Kommunikation verlief dann auch recht ordentlich, mit dem Ergebnis, daß es keine weitere Duldung gibt, wir sollen das Land schnellstmöglich verlassen. Bitten und Erklärungen, daß bei Anfragen in Rio erklärt wurde, daß dies möglich ist, hat alles nichts geholfen. So sind wir dann mit lange Gesichter aus dem Gebäude gegangen. Kurz beratschlagt wie es weiter gehen soll, die Überlegung war schon mit einem Uber zurück nach Rio zu fahren, war dann noch ein Versuch zu starten. So habe ich kurz mit der Salto Crew telefoniert, diese sollten mir bitte ihr Dokument von Ihrer Duldung mal als Foto durchschicken. Neuen Medien sei Dank, geht das ja schnell. Mit diesem Foto sind wir dann nochmals in die Policia gegangen, die nette Dame hat dann auch gleich wieder einen Kollegen organisiert. Nachdem wir dann dieses Foto mit dem Dokument vorgezeigt haben, hat er sich unsere Pässe geschnappt und ist verschwunden. Gutes oder schlechtes Zeichen, wir deuteten mal auf Gut. Nach weiteren 10 Minuten sind wir dann aufgerufen worden, sollten hier und da unterschreiben, und siehe da, wir hielten unsere Duldung in den Händen. Geht doch, wieso nicht gleich so, wir waren auf jeden Fall glücklich, diesen Zettel in der Hand zu halten. Wir befinden uns zwar illegal im Land, haben aber jetzt weitere 60 Tage Zeit, das Land zu verlassen. Ein kleine, verschmerzbare „Strafe“ mussten wir noch bezahlen, aber das wussten wir ja schon vorher. So sind wir dann nach einem kleinen Einkauf für das Nötigste zurück auf unser Boot und haben uns auf die andere Seite der Bucht verlegt. Hier gibt es ein Einkaufszentrum, bei dem man mit dem Boot direkt bis vor die Tür fahren kann, sehr schön wenn die Einkäufe nicht so weit zu tragen sind. Festgemacht haben wir hier dann an einer Boje vor der Marina, zu haben für kleines Geld.

Wir sind dann nochmals losgefahren und wollten versuchen, unsere Boosterimpfung für das Denguefieber zu bekommen. Ja, das war leider nichts. Wir bekamen mehrfach die Aussage, daß momentan nur Kinder geimpft werden, da das Vakzin knapp wäre. Wenn, müssten wir nach Rio, dort könnten wir unsere Zweitimpfung erhalten. Nach Nachfrage in unserer WhatsApp-Gruppe bei den Medizinern erhielten wir dann die beruhigende Antwort, daß man sich nicht auf die 3 Monate für die 2. Impfung versteifen muß. Jeder Booster hilft noch nach, egal wann man den kriegt. Also warten wir noch und schauen weiter im Süden, ob es da dann möglich ist.

Hab das Dingy voll geladen …

Tags drauf sind wir dann mit dem Dinghi eben zum Einkaufen gefahren, mit dem Boot war es uns etwas zu heikel, da wir die Örtlichkeiten nicht abschätzen konnten. So sind wir mit unserem voll beladenen Beiboot zurück zum Schiff und die Vorräte sollten jetzt wieder einige Zeit langen. Anschließend noch mal zu unseren argentinischen Freunden, um endgültig Tschüß zu sagen. Sie liegen in der Marina, vor der wir fest gemacht hatten. Von Ihnen hatten wir auch den Tipp mit dem Einkaufszentrum bekommen. Am Abend haben wir uns noch mit dem Boot, das direkt neben uns liegt, verabredet und schon war wieder ein schöner Tag zu Ende. Erik und Dina sind aus den USA und warten hier auf Ersatzteile für ihren Motor, viel Glück den beiden, daß alles funktioniert wie angedacht, sie stehen jetzt auch schon seit 4 Wochen hier.

18

Rio de Janeiro

Anfahrt in die Bucht, links Zuckerhut, rechts im Hintergrund Christo Redentor

In Rio wollten wir uns dann auch nicht all zulange aufhalten, einmal der Sicherheit wegen (von allen Seiten wird vor der Kriminalität gewarnt) und zum anderen wird es in unserer Marina mit den Liegegebühren ganz schön teuer. So sind wir dann am ersten Tag gestartet, um uns bei den Behörden anzumelden; geplant waren da so ca. 1 Stunde. Laut unserer Info muss man sich nur beim Hafenkapitän melden, sollte also nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Dort angekommen wurde uns aber mitgeteilt, daß wir uns auch bei der Policia Federal melden müssen. Auch nicht so schlimm, war diese doch auch in 20 min Fussweg zu erreichen. Die Abwicklung dort war nach kurzem durchfragen, wo wir uns den melden müssen, auch recht schnell erledigt. Mit diesen Papieren ging´s dann auch wieder zurück zur Capitania. Da man uns schon kannte, wurden wir auch gleich wieder bedient, alles im Allen, recht zügige Abwicklung. Nur dann fiel uns auf, das auf unseren Papieren die Ausreise nicht mit eingetragen war. Dazu muss man erklären, daß, wenn man nicht länger als 3 Tage bleibt, diese gleich mit erledigt werden kann, ansonsten muss man nochmal extra vorstellig werden, außerdem fiel unsere geplante Abreise noch auf einen Sonntag, also sowieso geschlossen. Nach Rückfrage, wieso die Ausreise nicht gleich mit eingetragen ist, wurde uns erklärt, daß in das Dokument von der Policia Federal diese Ausreise nicht mit eingetragen ist, war aber so vereinbart gewesen. Auch auf unser Bitten hin (und der Kollege hat auch direkt bei der PF angerufen) wurde uns dies nicht gewährt. Hilft alles nichts, wir müssen nochmal zurück zur PF, um den entsprechenden Eintrag zu besorgen. Wir also wieder zurück, jetzt war gerade Mittagspause, stöhn, öffnet erst wieder in einer Stunde. Die Zeit haben wir dann genutzt, um uns selbst etwas zu stärken. Das Dokument selbst war dann schnell in den Händen gehalten; damit ging es dann wieder zurück zur Capitania. Auch hier war dann die Ausreise schnell eingetragen und wir konnten den Behördengang als erledigt sehen, nach 5 Stunden. (hier muß erwähnt werden: die Salto-Crew war mit uns unterwegs und in ihren Papieren war die Ausreise gleich mit drin….die waren also wirklich schnell fertig. Es wäre so einfach gewesen 2 mal das Dokument identisch auszufüllen, ja wäre).

So sind wir dann noch ins Marinemuseum gegangen, an dem wir jetzt schon 4 mal vorbei gelaufen sind. Sehr schön anzusehen, von Fluggeräten über U-Boot und Schnellboot und div. Waffensystemen war alles dabei.

Auch wenn wir schon ziemlich platt waren, beschlossen wir, uns Rio noch etwas anzuschauen. So sind wir erst einmal frei Schnauze drauf los und so haben wir das echte Rio mal auf uns wirken lassen, sehr interessant auf jeden Fall. Anschließend noch durch einen kleinen Park in der Stadt zur neuen Kathedrale. Auf dem Weg war es schon witzig zu sehen, in der einen Straße läufst du noch an alten Häusern vorbei, bei denen du denkst, die fallen gleich ein, biegst in die nächste Straße ab, und schon stehst Du vor einem Hochhaus mit verspiegelter Fassade und Marmorverkleidung bis in das oberste Stockwerk. Arm und Reich so dich beieinander. Die neue Kathedrale war dann auch ein sehr imposantes Bauwerk, eine große freitragende Pyramide mit riesigen Buntfenstern, ansonsten aber recht düster. Einen genaueren Blick ins Innere wurde uns aber verwehrt, es war 5min vor Schließung. Naja, zumindest war sie noch nicht ganz geschlossen.

So sind wir dann auf direkten Weg zurück zur Fähre gelaufen, im Dunkeln wollten wir auf keinen Fall in Rio City noch unterwegs sein. So war es dann schon in der Abenddämmerung, als wir auf die Fähre gegangen sind, um unseren Rückweg zur Marina anzutreten. In Niteroi fühlten wir uns sicher, selbst wenn es schon dunkel war, und der 15 minütige Fußweg zur Marina war dann auch kein Problem. Unser Strand in Niteroi ist auch sehr schön!!!

Am nächsten Tag war dann der Christo Redentor und die Copacabana auf dem Programm. So sind wir wieder mit der Fähre rüber nach Rio und dann mit Uber (wir sind mittlerweile große Fans von der Taxialternative, funktioniert sehr gut in Brasilien und ist günstig) soweit als möglich zum Christo gefahren. Näher geht dann nur mit der sehr teuren Schrägbahn oder mit den örtlichen „Transportunternehmen“, die ihre Dienste anbieten. Auf Anfrage kostet die Hin- und Rückfahrt umgerechnet 12 €, da wir aber den Rückweg zu Fuß Richtung Strand erledigen wollten, fragten wir auf einfache Fahrt nach, da waren es dann noch 5 €. Auch nicht schlecht, wir hatten mit mehr als die Hälfte vom Ursprungspreis gerechnet. So sind wir dann über einen Aussichtspunkt mit Fotostopp bis zum Besucherzentrum vom Christo gefahren. Die letzten 1,5 km bis hoch übernimmt dann wieder ein anderes „Transportunternehmen“. Wir wollten sowieso das letzte Stück hochlaufen, also los und den Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist suchen. Dieser war dann auch unscheinbar hinter dem Besucherzentrum gelegen, selbst die Angestellten von hier konnten uns nicht genau sagen, wo der Weg startet. Nachdem wir diesen dann aber gefunden hatten, lag ein sehr schöner Waldweg vor uns; wenn man die Massen an Leuten sieht, die oben an der Statue sind: der Wanderweg war eigentlich leer, nur vereinzelt Leute, die wir getroffen haben. Oben angekommen, war es natürlich entsprechend voll und wir mussten dann noch 11 € Eintritt bezahlen, pro Nase! Die Aussicht hier oben ist schon einen Besuch wert, die Christo Statue für uns eigentlich nur noch Nebensache. Aber was hier oben von den Selfi-Queen´s geboten wird, ist ein Schauspiel ohnegleichen. Sind die Brasilianer sowieso ganz oben auf der Liste der Selbstverliebtheit, übertrifft hier alles je Gesehene. Ich habe mich auf der Aussichtsplattform bis nach vorne durchgerungen, was ja schon eine Weile gedauert hat. Als ich mich dann auf den Rückweg gemacht habe, waren immer noch die gleichen Leute in Pose gestanden und haben die Speicherkapazität der Handys zum bersten gebracht, unglaublich.

Nachdem wir dann genug hatten, haben wir uns auf den Weg nach unten gemacht, wieder zurück über den Waldweg. Nur haben wir den Abzweig zum Besucherzentrum rechts liegen gelassen und sind weiter nach unten, Richtung Copacabana. Ein sehr schöner Weg durch den Wald, unten angekommen verläuft dieser noch durch einen angelegten Park, ebenfalls sehenswert.

Da wir nun auch schon recht spät dran waren, und der Weg bis zum besagten Strand noch sehr weit, haben wir dann kurzentschlossen wieder einen Uber bemüht. Am berühmten Strand angekommen haben wir uns noch in einem der vielen Restaurants gestärkt, wir hatten mittlerweile schon ordentlich Hunger. Hatten aber Glück, daß es noch eine günstigere Mittagskarte zur Verfügung stand, die Preise auch hier ordentlich. Dann endlich war es soweit, der Strand der Strände wurde besucht. Um es Vorweg zu nehmen: Enttäuschung pur. Einfach nur voll und sehr dreckig, jeder lässt seinen Müll einfach liegen. Und da es schon ziemlich spät am Tag war, auch entsprechend viel Müll. So sind wir dann im Brandungsbereich am Strand entlang geschlendert, der Straßenabschnitt war genauso enttäuschend. Kennt man es doch aus den Medien, daß sich hier so alles tummelt, um zu sehen und gesehen zu werden, auch hier Fehlanzeige. Außer die normalen Strandbesucher, nichts weiter. Bei der anschließenden Uber-Fahrt zurück zur Fähre wurde uns das auch so bestätigt: die Copacabana wie man sich diese vorstellt, war einmal.

An Tag Drei ging es auf bekanntem Weg in den botanischen Garten von Rio, der Größte von Lateinamerika, und unter den wichtigsten 10 der Welt, so die Aussage. Von der Fähre zum botanischen Garten sind wir wieder mit Uber gefahren und hatten das Glück, einen Fahrer zu erwischen, der auch Englisch gesprochen hat und…der deutschsprachige Oper und Operette im Radio gehört hat. Er hat uns sehr viel erzählt über Rio, mit ihm wäre eine Stadtrundfahrt sicherlich sehr interessant gewesen.

Der botanische Garten war dann auch sehr schön, die ein oder andere Ecke könnte etwas mehr Pflege gebrauchen, aber im Großen und Ganzen wirklich sehenswert. Wer sich dafür interessiert, dem ist eigentlich ein Tag zu kurz, um alles zu sehen. Ich denke, wir haben nur gut die Hälfe der Anlage gesehen, bevor wir den Rückweg angetreten haben. Und gleich zu Beginn des Gartens haben wir unseren ersten Kolibri gesehen! In leuchtendem und schillernden blau und schwarz. Das sieht man auf dem Schattenfoto leider nicht.

Da ja heute Sonntag war und damit eigentlich unsere offizielle Abreise, hatten wir am Morgen noch unser AIS am Schiff ausgeschaltet, mit dem man uns sehen kann. Von Salvador hatten wir ja gelernt, daß auch die Behörden gerne mal nachschauen, wer denn so da ist und wie lange. Damit hatten wir dem mal vorsichtshalber entgegengewirkt, sicher ist sicher.

Da sich im Moment auch kein entsprechendes Wetterfenster für die Weiterreise ergibt, haben wir in der Marina auch noch um 2 Tage verlängert und so haben wir uns am Montag auch mal die Annehmlichkeiten vom Club gegönnt. Den Tag am Pool verbracht und so hier eine deutsche Familie kennengelernt, die zu Besuch bei Freunden sind. Die Freundschaft ist zustande gekommen, als Martin, das Familienoberhaupt, hier vor 22 Jahren als Student mit dem Segelboot wegen technischer Probleme gestrandet ist und für 3 Monate auf Ersatzteile gewartet hat. So klein ist die Seglerwelt. Am Abend haben wir dann noch ein paar Vorräte eingekauft, bevor es zurück auf die JOSA gegangen ist. Am nächsten Morgen sollte es dann für uns endlich weiter gehen nach Süden. Die Crew der Salto blieb noch etwas, für die beiden läuft das Visum in den nächsten Tagen ab und sie wollten es hier in Rio verlängern. Wir werden erfahren wie es den Beiden dabei ergangen ist.

Abfahrt aus Rio bei klarem Wetter und Sicht auf Zuckerhut und Christo – schön war es hier!!!
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Abrolhos und weiter

Nachdem wir ja wieder die Salto-Crew bei uns hatten, sind wir gemeinsam zu unserem nächsten Ziel gesegelt, Vitoria. Dort haben wir dann eine sehr schöne Woche vor Anker verbracht. Bisschen shoppen gehen, um die Vorräte aufzufüllen, am schönen Strand schlendern und den ein oder anderen Drink zu sich nehmen, schnorcheln gehen an unserm „Schildkrötenfelsen“ direkt neben dem Schiff, wo sich besagte Tierchen gerne mal zeigten.

Und schwupps – war die Woche auch schon wieder rum, und es galt, ein kleines Wetterfenster zu nutzen, um weiter zu kommen.

Es ging auch nicht sonderlich weit, nur in die nächste Bucht bei Gurapari. Auch hier waren wir nur kurz, um den nächsten Wind abzuwarten, was dann 3 Tage dauerte. Hier wurde an einem Tag der lange Strand auf der anderen Seite der Bucht erkundet, und am anderen eine kleine Wanderung durch den Park unternommen, die sehr schön war. Über die Wege der kleinen Landzunge bis zu deren Ende, um dann entlang der felsigen Küste zurück zu laufen.

So sind wir dann zusammen mit der Salto weiter gezogen, um unserem nächsten großen Ziel ein Stück näher zu kommen, es sollte so langsam nach Rio de Janeiro gehen. So haben wir dann noch einen kurzen Zwischenstopp auf einer Untiefe eingelegt, NEIN nicht das wir aufgesessen wären. Es war gerade ein Flautenloch da, als wir so ca. 10 km vor der Küste unseren Anker auf 10 m fallen gelassen haben. Hier haben wir dann den Nachmittag verbracht, um auf den nächsten Wind zu warten, der angesagt war und dann auch gekommen ist. So haben wir den Anker gelichtet und konnten schön entspannt (wie auch den ganzen Weg von den Abrolhos bis hierher), zu unserm nächsten Stopp zu kommen, der Ilha de Santana.

Auch diese Insel wird vom Militär genutzt und hat einen schönen Leuchtturm, unsere Recherchen haben auch hier ergeben, das dieser auf Nachfrage beim Militär besichtigt werden kann. So haben wir an dem Strand vor dem Militärgebäude dann geankert, um am nächsten Tag mal bei den Herren der Insel nachzufragen, leider mit dem Ergebnis, daß der Turm nicht besichtigt werden kann, ja selbst der Strand darf nicht betreten werden. Sehr schade, so waren wir quasi auf unseren Schiffen gefangen, einzig schwimmen durfte man hier, was wir dann auch ausgiebig gemacht haben. Wir sind dann auch mal zusammen mit der Salto zur Nachbarinsel gefahren, um einen öffentlichen Strand zu besuchen, dieser war dann auch nur 100 m breit und von Steilküste umgeben, so daß man auch nicht weiter auf die Insel gekommen ist, schade eigentlich. Dazu ist auch noch gekommen, daß Sonntag war, blöd wenn man als „Langzeiturlauber“ die Wochentage vergisst, so waren natürlich auch viele Brasilianer von der Küste rüber gekommen, um sich am besagten Strand zu vergnügen. Gegen Abend sind wir dann auch wieder zurück zu unserer Insel und haben vor unserem leeren Strand geankert.

Am nächsten Tag sollte es dann schließlich weiter gehen zum nächsten Etappenziel, dem Cabo Frio. Ein Kap nördlich von Rio, hier sollen die Schönen und Reichen ihr Domizil errichtet haben. Da die Windverhältnisse etwas ungünstig waren, haben wir nicht allzu viel Möglichkeiten gehabt, unseren Anker in einer geschützten Bucht fallen zu lassen. Unsere Wahl ist dann auf eine Bucht mit Strand gefallen, die als Partybucht beschrieben war. Am späten Nachmittag dort angekommen, war der Strand schon fast menschenleer und alle Verkaufsstände schon geschlossen. Kurze Zeit später war dann auch schon keiner mehr zu sehen und wir hatten die Bucht für uns alleine. Am nächsten Morgen war dann ab 9 Uhr erstes Treiben am Strand zu erkennen, es waren die Standbesitzer die ihre Stühle und Schirme für den Tag herrichteten, die ersten Strandbesucher waren auch schon dabei, bis zum Mittag war es dann auch schon voll. Zwischenzeitlich wurden wir auch von einem der vielen Taxiboote aufgefordert doch weiter weg vom Strand zu ankern; soweit wir das verstanden haben droht sogar Strafe, wenn man zu nah am Badestrand ankert. Vielleicht wollten sie auch nur mehr Platz für sich haben, um die Leute an den Strand anlanden zu können. Wer weiß, wir haben dann auch 20 m weiter draußen geankert und alle waren glücklich.

Am übernächsten Abend haben wir dann nochmal die aktuellen Wetterdaten gecheckt – passt – um in aller Herrgottsfrüh aufzubrechen nach Rio. Für die letzten 70 sm waren dann mal vorsichtige 14 Stunden gerechnet, eher etwas langsamer als sonst üblich geplant. Um dann eben bei Tageslicht anzukommen, sind wir extra um 2 Uhr nachts gestartet. Kurz nach dem Start war dann auch völlige Flaut, die Wetterdaten haben sich über Nacht komplett geändert, nachgeschaut hatten wir natürlich nicht mehr. So sind wir dann bis in die Morgenstunden eigentlich nur durch die Meeresströmung getrieben worden, die Segel hatten wir zwischenzeitlich auch komplett eingeholt, hat eh nix gebracht. Immerhin waren es so ca. 1,5 kn Strom in die richtige Richtung, nicht schnell aber immerhin. So gegen 9 Uhr ist dann auch der erste Wind aufgekommen und unsere Segel konnten ihre Arbeit wieder aufnehmen. Dies hat dann auch ganz gut funktioniert, nur war es schon Dunkel bis wir in die Bucht von Rio gekommen sind. Nach kurzer Rücksprache mit der Salto haben wir dann beschlossen die erstbeste Ankermöglichkeit in der Bucht zu nutzen, um dann bei Tageslicht an Rio vorbei zu fahren. Gesagt getan.

Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung: das Wetter spielt dann heute nicht mit, und so war erst einmal Nebel angesagt. Gut, dann erst gemütlich Frühstücken. Das Wetter wurde zwar besser aber nicht wirklich gut, so sind wir dann an einem Zuckerhut vorbeigefahren, der zum Teil in Wolken war, der Christo hat sich dann auch mal durch die Wolkendecke gezeigt, immerhin. So sind wir dann zu unserem Liegeplatz für die nächsten Tage gesteuert, die Marina im Club Naval Chariste in Niteroi. Diese liegt zwar in der großen Bucht gegenüber von Rio, soll aber im Gegensatz zu anderen Plätzen direkt bei Rio sehr sicher sein und eine gute Verkehrsanbindung haben, um eben nach Rio zu kommen.

Und so war es auch. Diese brasilianischen Marinas sind wie schon geschrieben eher Clubs, in denen man Mitglied werden kann. Einige dulden jedoch Besucher, in vielen Segel-Führer steht sogar, daß man für die ersten drei Tage kostenlos dort als Gast liegen kann. Aber diese Zeiten sind meiner Meinung nach vorbei. Auch hier wurde erkannt, daß man gutes Geld erzielen kann mit solchen Gästen. Diese Clubs sind für die Menschen, die es sich leisten können und sind auch entsprechend ausgestattet. Dieser hatte einen großen Swimmingpool mit Rutsche, Sauna, diverse Sportangebote, Restaurant und viel, viel Servicepersonal. Die Liegepreise sind nicht ganz günstig, aber für die Sicherheit bei Rio war es uns das wert. Alles Kameraüberwacht, Zugang nur mit Zugangskarte und Kontrolle und Sicherheitspersonal rund um die Uhr. Natürlich sind wir mehrfach mit der Fähre nach Rio rüber gefahren, diese kommt jedoch in einem separaten Bericht. Nur so viel: man kann nicht einfach an Rio vorbeifahren!!! Da muß man schon hin, wenn man in der Nähe ist!

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