Autor: Sabine (Seite 1 von 12)

Hiva Oa und Tahuata

Nach Hiva Oa wollten wir ja auf alle Fälle noch einmal zurückkommen, da wir hier bisher ja nur eine Nacht verbracht haben, bevor wir auf das Festival nach Ua Huka gefahren sind. Darüber hinaus haben wir auf dem Festival auch Tattoo-Künstler kennengelernt, von denen wir ein Tattoo als Erinnerung wollten – und diese waren eben auch zufällig in Hiva Oa ansässig. Auf dem Festival wollten wir uns kein Tattoo zulegen, das wollten wir in Ruhe im Studio machen – mit Aircondition inklusive.

Und so war unser erster wichtiger Gang natürlich zum Tattoo-Studio, um einen zeitnahen Termin zu bekommen. Soll man doch nach dem Stechen etwa 3 Wochen Sonne und Salzwasser meiden – diese Zeit wollen wir in Hiva Oa verbringen, um bei evtl. auftretenden Problemen ebenfalls in der Nähe eine medizinische Versorgung in Anspruch nehmen zu können.

So kam es, daß wir bereits 3 Tage später bei Kaha unter der Nadel lagen. Nach einer kurzen Besprechnung, was wir uns jeweils vorstellen, ging es schon los mit dem direkten Aufzeichnen auf der Haut – von wegen einer Papierschablone. Hier wird noch schön gleich freihand auf der Haut gezeichnet. Nach schnellen 3,5 Stunden waren beide Tattoos gestochen und wir sind glücklich wieder abgezogen. Danke Kaha!

Zu diesen Tattoos möchte ich noch anmerken bzw. habe ich ja schon erwähnt, daß jedes Symbol auch eine Bedeutung hat. So steht z.B. die Schildkröte auf der einen Seite für die Familie, da sie ja viele Nachkommen zeugt aber ebenso auch für eine sichere Navigation – da sie immer wieder an den Strand ihrer Geburt zurückkommt, um dort selbst ihre Eier abzulegen. So haben wir auch uns bewußt unsere Symbole im Vorfeld ausgesucht, die wir haben möchten und Kaha hat dann „drumherumgebaut“ mit den dazu passenden Symbole wie Sonne, Wind, Wellen… So hat Jochen in seinem Manta sämtliche großen Meerestiere wie den Buckelwal, den Hammerhai, den Delfin, die Schildkröte aber auch den Albatros und den Gecko versteckt sowie einen Tiki. Als auch das Kreuz der Marquesas, es steht für das Gleichgewicht der vier Elemente: Feuer, Erde, Wasser, Luft. Wer findet und erkennt alle Symbole?

So haben wir uns auch wieder einmal ein Auto für zwei Tage gemietet und sind alle Möglichkeiten auf der Insel abgefahren – vom lachenden Tiki über die archäologische Anlage Ma’ae Lipona, in der das größte Tiki steht, zu den Petroglyphen, dem alten Friedhof von Teivitete und dem Zeremonienplatz von Upeke. Zu Upeke muss man noch sagen, daß nach einer Sage hier der Baum des Lebens gestanden hat in dem alle Vögel brüteten. Als der Baum umgefallen ist, sind die Äste auf die anderen Inseln der Marquesas gefallen, auf denen sich schließlich die Vögel verteilt haben. Anhand dieser Sage kann man erahnen, wie wichtig dieser Ort für die Ureinwohner war, entsprechend groß auch die Anlage, die nur zum Teil freigelegt ist. Ein Großteil befindet sich im Wald und will entdeckt werden. Natürlich haben wir mit dem Auto auch noch unsere Besorgungen erledigt, vor allem die schweren Getränkedosen sind doch einfacher zu transportieren, wenn man einen fahrbaren Untersatz hat und nicht 4 km hin und 4 km zurück laufen muß, da der Hafen/Ankerplatz doch etwas von der Stadt entfernt ist.

Wir haben die Zeit in Hiva Oa genossen, haben wir doch dort auch wieder unsere neuseeländischen Freunde Gordi und Juliet getroffen, haben Kevin aus Südafrika kennengelernt und…… wieder einmal ein deutsches Boot begrüßen dürfen. Michael und Andrea von der Gleda sind aus Panama angekommen. Ach…und unsere französischen Freunde von der Lazarina sind wieder aus ihrem Heimaturlaub zurückgekommen und haben ihr Schiff wieder fit gemacht und zu Wasser gelassen. So war das Patagonien-Dream-Team wieder beieinander. Schließlich haben wir einige gesellige Abende gemeinsam verbracht, sei es zum Sundowner oder auch zum gemeinschaftlichen Essen.

hier noch etwas andere Kunst, die überall zu finden ist: geht nicht mehr – wird abgestellt und bleibt da

Und täglich grüßt das Murmeltier – die Shopbetreiber der Tankstelle kannten uns dann auch schon. Denn fast täglich nach der Mittagszeit sind wir dort aufgeschlagen, haben unseren Eisbecher aus der Tiefkühlung genommen und ein Eis gelöffelt, während wir zum Kontrollgang in den Yardbereich gegangen sind, um zu sehen, wie die Arbeiten an den Booten unserer Freunde vorwärts gehen. Denn sehr viele, die wir bisher in FP kennengelernt haben, haben ihr Boot dort aus dem Wasser geholt, um einige Arbeiten, vor allem den Unterwasseranstrich, zu erledigen. Da muß man schon mal schauen, ob das allen ordnungsgemäß vorwärts geht! Als dann einmal kein Eis an der üblichen Stelle zu finden war und wir nachfragten, wußte die Dame gleich, was sie uns aus dem Lager zu holen hat 😊

Wir hatten das Glück, daß wir einen einigermaßen guten Ankerplatz im kleinen Hafenbecken erwischt haben. Ziemlich hinten drin, weit weg vom täglichen Schiffsverkehr. Der ein oder andere mußte schon mal verlegen, als das Versorgungsschiff ankam und manövrieren mußte. Auch war unser Platz noch relativ gut geschützt vom Schwell, so daß unser „Gewackel“ nicht ganz so groß war wie von manch anderen. Wir haben dann auch einen Tag genutzt, um kurz an den Pier zu verlegen, dort festzumachen, wo normalerweise die kleine Fähre liegt und unser Ankergeschirr auf der Pier aufzulegen, zu reinigen, zu drehen und die Farbmarkierungen für die Tiefenangaben neu aufzutragen (mit der Sprühdose farbliche Streifen sprühen). Dabei konnten wir feststellen, daß das Wasser in diesem Hafenbecken ganz schön aggressiv sein muß. Unser schöner Edelstahlanker strahlt plötzlich in einem Orangeton.

Aber egal, funktionieren muß er und nicht schön ausschauen. Kaum liegen wir wieder an unserem Ankerplatz, kommt die Fähre auch schon wieder zurück – das nennt man Timing.

Und schon naht der Abschied – wir wollen noch einige Tage auf die Nachbarinsel Tahuata in die Hanamoenoa-Bucht mit ihrem weißen Sandstrand und den täglichen Mantabegegnungen. Auch einige der hier liegenden Boote wechseln in diese Bucht, so daß unser Grüppchen doch noch nicht ganz auseinandergerissen wird. Bei der kurzen Überfahrt stellt wir auch fest das uns einiges an Geschwindigkeit fehlt. Eigentlich dachten wir, daß sich bei dem dreckigen Brackwasser im Hafenbecken der Unterwasserbewuchs in Grenzen hält, falsch gedacht.

So war die erste Amtshandlung in der sauberen Bucht Hanamoenoa: Unterwasserschiff sauber machen. Das Ganze hat sich über zwei Tage gezogen, bis die ganzen Seepocken wieder ab waren. Leider sind bei dieser Aktion ein paar Quallen zu nah an die Wade von Jochen gekommen. Im Wasser noch nichts bemerkt, fühlte es sich an Deck wie ein Sonnenbrand an, nur die Röte dazu hat gefehlt. Am nächsten Morgen dann die Überraschung, alles mit kleinen Bläschen übersät. So könne und wollen wir nicht zu unserem nächsten Ziel starten. Erst einmal auskurieren. Schließlich verbringen wir hier auch noch einige schöne Tage, haben zusammen mit Gordi und Juliet und den Dänen von der Sommerwind, Silvia und Frank, ein Lagerfeuer am Strand mit Stockbrot, verbringen zwei Spielabende mit der Crew der Carosy und der Penny Lane und lernen hier dann den nächsten deutschen Neuankömmling kennen – Dirk von der Manus 2. So liegen wir hier kurzzeitig mit 3 deutschen Booten – Gott, wie lange hatten wir das denn nicht mehr – Unterhaltung nur in der Heimatsprache.

ein traumhafter Strand, nur die Welle kann einen manchmal ganz schön von den Füßen hauen…

Auch das Schnorcheln mit den Mantas konnten wir noch einige Male genießen. Und schon hieß es wieder – Wetter beobachten, wir wollen dann doch einmal von den Marquesas wegkommen in die Tuamotus. Hierfür haben wir uns als erste Anlaufstelle das Atoll Amanu ausgesucht, das ziemlich genau 480 Seemeilen südlich liegt; also wieder einmal 4 Tage auf See.

immer wieder ein Erlebniss

So hieß es dann auch, das Boot klarzumachen: die Windsteueranlage wieder montieren, unseren Fred verräumen und alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in die Schaps wegräumen oder verzurren.

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Ua Pou – „Zwei Säulen“

Ua Pou ist die drittgrößte Insel der Marquesas und für mich mit die eindrucksvollste. Sie hat steile, an Zuckerhüte erinnernde Berge, die der Insel den Namen Ua Pou „Zwei Säulen“ gab.

Blick über den Hafen auf die Basaltfelsen

Zunächst ging es für uns in den Hauptort Hakahau auf der Nordseite der Insel. Hier soll man sich etwas hinter den Wellenbrecher legen, um vor der heranrollenden Dünung geschützter zu liegen. Tja – leider voll. So liegen wir also voll in der Dünung und wackeln so vor uns hin. Zum Glück kommt der Wind stabil und die Dünung aus derselben Richtung, so daß das Boot mit dem Bug im Wind und der Dünung liegt und wir nur schaukeln und nicht von links nach rechts rollen. Immerhin!

Das Örtchen selbst ist wieder ganz nett mit 2 Supermärkten und mehreren Möglichkeiten, ein Restaurant aufzusuchen. So sind wir beim ersten Landgang auch in den Genuss von handgemachter Eiscreme in der Bauernkooperative gekommen. Sehr lecker! Und auch die beiden anderen Restaurants haben wir einmal ausprobiert. Man muß seine Chancen nutzen, bald wird das nicht mehr möglich sein, wenn wir einmal in die Tuamotus aufgebrochen sind.

Eine kleine Wanderung zum Gipfelkreuz haben wir noch unternommen und sind auch so mehrfach durch das Örtchen gebummelt. Hier liegt eindrucksvoll ein Segelboot gestrandet am Strand, gut vertäut, damit es nicht wieder rückwärts in die See gezogen wird. Da blutet einem das Herz, wenn man sieht, wie so ein stolzer Kahn auf der Seite liegt und vor sich hin verkümmert. Das Schiff schaut eigentlich noch ziemlich gut aus und auch sämtliche Anbauteile wie Radarschüssel etc. sind noch vorhanden und nicht abmontiert. Vielleicht will der Eigner doch noch versuchen, es wieder ins Wasser zu ziehen?

Nachdem das Versorgungsschiff da war, haben wir uns nochmals mit etwas Lebensmitteln eingedeckt und sind „um die Ecke“ nach Hakahetau verlegt. Von hier aus soll es eine schöne Wanderung zu den Bergen geben und auch Schoko-Manfred will besucht werden. Ein deutscher Auswanderer, der hier lebt und seine eigene Schokolade herstellt, nebst allen Zutaten hierfür, die im eigenen Garten im Wald angebaut werden.

beim Umzug des Ankerplatzes vorbei am Inselflugplatz – spannende Landebahn

Dieses Örtchen fand ich wirklich wunderschön. Total ruhig, nette Anwesen, unwahrscheinlich freundliche Menschen. Das wäre jetzt so das erste Örtchen hier auf den Marquesas, wo ich sagen könnte: ja, da ein klein Häuschen mit Garten. Obwohl… viel zu warm auf Dauer.

Das Anlanden mit dem Dinghi ist etwas spannend; es gibt hier zwar eine kleine Hafenmole, aber die Dünung rollt hier rein und der Betonsteg ist bei Niedrigwasser schon schwer zu bezwingen vom Dinghi aus (für Kurzbeiner). Auch ist der Zugang oft überspült und die Oberfläche entsprechend schon sehr glatt von den Algen und sonstigem Bewuchs. Also: vorsichtig laufen hier. Die Kinder finden das natürlich klasse und haben eine ebene Rutschbahn.

unser Dinghiplatz: links toll ausgespülter Fels, rechts die Hafenmole – a bisserl überspült

Im Örtchen selbst gab es auch einen ganz kleinen Laden für das nötigste und auch ein Restaurant soll vorhanden sein, aber nur auf Vorbestellung. Am Nachmittag treffen sich die Dorfbewohner und spielen Volleyball in der Nähe des Piers. Und das gar nicht mal schlecht.

Jochen hat sich dann auch aufgemacht, „die Gipfel zu bezwingen“. Hierbei handelt es sich um einen Rundweg um den Mount Poumaka, der mitunter sehr steil ist und den man nicht machen sollte, wenn es kürzlich oder aktuell regnet, da es dann sehr schlüpfrig wird. Ich habe mich von dieser Wanderung gleich ausgeklinkt, weil ich so schon mit der Hitze hier zu kämpfen habe und definitiv nicht die Kondition und den Willen habe, hier 4 bis 5 Stunden in der Hitze steile Berghänge zu bezwingen. Noch dazu mag ich ja auch ausgesetzte Stellen am Berg nicht, da bleib ich lieber am Boot und beschäftige mich hier.

  • Die Wanderung war, um es kurz zu sagen, ein Genuss der Extraklasse. Es sollte zu den markanten Basaltfelsen gehen, für die die Insel bekannt ist und auch schon von Weitem zu sehen sind, wenn sie nicht gerade in den Wolken verschwinden.  Zuerst ging es ein Stück auf der Straße entlang, bevor der Abzweig auf den Schotterweg gekommen ist. Hier entlang an dem ein oder anderen Anwesen vorbei; immer weiter hinein in die fantastische Natur. Schließlich gab es keine Bebauung mehr, der Weg wurde schmaler und steiler. Schließlich wurde er nur noch zu einem Pfad, extrem steil. Keine Stufen oder dergleichen und nur noch blanker Boden unter den Füßen. Links und rechts etwas kräftigeres Gras, an dem man sich etwas festhalten konnte, mehr nicht. Jetzt war ich an der Stelle angekommen, den andere so beschrieben haben: „nur mit gutem Schuhwerk zu gehen“; ich hatte meine abgelaufenen Treckingsandalen an, lach. Ich hatte aber soweit Glück bzw. hatte ich so geplant (wieder lach), daß es zuletzt trocken war und der Boden dann auch entsprechend gehalten hat. Je weiter es nach oben ging, desto feuchter wurde es dann doch – den tiefhängenden Wolken geschuldet. Aber alles noch gut machbar. Fast oben angekommen, öffnen sich die Baumkronen und ein fantastischer Blick über das Tal in die Ankerbucht ist zu erblicken. Ich mache die erste kleine Pause und genieße erst einmal den Ausblick. Nur noch ein kleiner Endspurt und ich stehe am Fuße einer dieser unglaublichen Basaltsäulen. In diesem Moment lichtet sich auch etwas die Wolkendecke und ich kann das obere Ende sehen, welch ein Zufall. Ich genieße den Augenblick und mach noch das ein oder andere Bild, bevor ich den Abstieg angehe. Zulange warte ich damit aber nicht, hier oben pfeift der Wind ordentlich. Im ersten Moment eine willkommene Abkühlung, was zu viel ist, ist aber zu viel. Der Abstieg ist genauso steil wie es rauf ging, nur geht es hier zwischen Bäumen und Sträuchern runter. Zwischen Wurzeln und Steinen haben sich auch Stufen gebildet, die es etwas erleichtern nach unten zu kommen. Dafür ist der Abstieg um einiges länger, in dem es so steil bergab geht, an einigen Stellen sind jetzt sogar mal Seile angebracht. Kaum ist das Steile geschafft, steht man auch schon bei Schoko-Manfred mitten im Garten, der Weg führt durch sein Grundstück hindurch. Ich werde von den Hunden lautstark begrüßt, kurz darauf kommt mir seine Frau entgegen und lädt mich direkt ein. Manfred war gerade noch etwas an seinem selbstgebauten Wasserrad am Richten. Er nutzt es neben Solar zu Stromerzeugung. Kurz darauf steht ein Teller mit Proben seiner selbst gemachten Schokolade auf dem Tresen und wir erzählen unsere Geschichten, meist ist es aber nur Manfred, der erzählt. Er hat vor 40 Jahren einen Fernsehbeitrag über Französisch Polynesien gesehen, eine Woche später war er mit seinem Hab und Gut im Flieger nach Tahiti gesessen – ohne jegliche Sprachkenntnisse. Seit 26 Jahren lebt er jetzt auf Ua Pou und hat sich sein eigenes Reich geschaffen. Ich wollte morgen mit Sabine nochmal kommen, hatte ja dummerweise auch mein Geld vergessen, um etwas mitzunehmen. Nachdem die Schoki leer war, machte ich mich dann aber mal auf dem Weg, war ja noch ein Stück und ein Highlight sollte ja noch kommen. Auf halben Weg von hier zum Boot war da noch ein Abzweig zum Wasserfall. Der kurze Abstecher hat sich voll gelohnt. Zwar ist es ein relativ kleiner Wasserfall, aber die Kulisse traumhaft und die Möglichkeit, den Schweiß in dem Schwimmbecken abzuspülen, genial. Einzig musste man sich zügig ausziehen und schauen ins Wasser zu kommen. Den kleinen Biestern, Nonos genannt (eine Kriebelmückenart), sei Dank. Winzig klein und nicht zu sehen, sind die Hinterlassenschaften deutlich. Kleine rote Bissstellen, die fürchterlich über Tage jucken. Genauso schnell natürlich wieder raus aus dem Wasser, rein in die Klamotten. Was nicht abgedeckt ist gleich wieder mit Mückenabwehr einsprühen – und das reichlich. Frisch abgekühlt und gereinigt sind die letzten 2 km bis zum Boot nur noch ein leichter Spaziergang, der bergab geht.

Als Jochen dann wieder zurück war, erzählte er mir, daß er Schoko-Manfred besucht hat (das liegt auf dem Weg) und wir da morgen noch mal hingehen können.

Das haben wir dann auch gemacht, dieses Unikat möchte ich auch kennenlernen. Und wirklich mitten im Wald am Berghang hat sich Manfred da sein kleines Paradies geschaffen. Er hat dort sein Haus gebaut und seinen Garten / Plantage angelegt nachdem er 120 Kokospalmen gefällt hat. Zunächst haben wir an seiner Theke Platz genommen und bekamen auch seine Schokolade zum Probieren hingestellt. Dann hat er sein Fotoalbum herausgeholt und uns seine Lebensgeschichte erzählt. In unserer Segler-App wurde unter anderem von anderen Leuten moniert, daß Manfred so viele sexistische Witze machen würde und sich die jungen Mädels da unwohl fühlen und niemals alleine hingehen würden. Mein Gott!! Ihr kennt meine Familie nicht. Da werden auch ständig sexistische Witze erzählt und Verbalerotik betrieben. Stellt Euch mal alle nicht so an – ich konnte gut mit ihm lachen. Aber das liegt wohl auch an der heutigen Zeit, wo sich jeder über alles nur noch aufregt und alles gleich in entsprechende Schubladen gelegt wird. Ganz wichtig: nicht vergessen zu Gendern!!!

Wir haben dann natürlich auch Schokolade in verschiedenen Geschmacksrichtungen gekauft. Sehr lecker. Schokolade ohne irgendwelche Zusatzstoffe wie Palmfett oder Zucker. Wirklich Kakao, Kakaofett und die Geschmackszutat wie Orange, Nüsse, Cashew, usw. Lecker. Er hat an die 15 verschiedene Geschmacksrichtungen, die erworben werden können.

Dann bekamen wir noch eine Führung durch seinen Garten, weil uns das doch interessierte. Stolz führte er uns seine Kakaopflanzen vor, die von der ersten Miniblüte bis zur erntereifen Frucht 6 Monate benötigt. Ganz stolz war er auch, daß er eigene Erdbeerpflanzen hat – die haben wir bisher in den Marquesas noch nicht entdecken können.

Nachdem wir Manfred besuchten, sind wir auf dem Rückweg noch am Wasserfall vorbeigegangen. Auch wieder eine sehr nette Cascade mit einem kleinen Becken, das zum Schwimmen und abkühlen einlädt. Nur leider diese unleidlichen Nonos und Mücken. Das war ein schnelles abkühlen und noch schnelleres abtrocknen und wieder anziehen und mit Mückenspray besprühen.

Da aber auch hier der Ankerplatz sehr bewegt ist, haben wir dann zeitnah unseren Anker aufgeholt und sind auf der Westseite in die Hakaotu Bucht verlegt. Eine kleine, sehr gut geschützte Bucht, an der das Anlanden mit dem Dinghi aber irgendwie nicht möglich schien und wir es erst gar nicht versucht haben. Jochen hat sich wieder einmal am Schnorcheln versucht, aber leider ist auch hier das Wasser sehr trübe. Da hoffen wir jetzt wirklich auf die Tuamotus mit ihrem glasklaren Wasser – Zeit wird es, daß man wirklich mal was zu sehen bekommt, unter Wasser.

Und dann ging es schon wieder los mit dem Beobachten des Wetters, damit wir nach Hiva Oa übersetzen können. Hierfür müssen wir wieder nach Südosten fahren, was bedeutet, daß wir nahe an der vorherrschenden Windrichtung fahren müssen. Achje.

Eine Strecke von gut 70 Seemeilen, die wir wieder über Nacht fahren wollen. Um schon einmal die ersten 5 Seemeilen hinter uns zu bringen, beschließen wir, daß wir zunächst in die südlichste Bucht von Ua Pou zu verlegen. Was wir haben, haben wir. Also raus aus unserer geschützten Bucht, in der wir so gar nichts von Wind und Welle mitkriegen. Und dann ging es auch schon los. Wellengang und ordentlich Wind, natürlich voll auf die Nase. Also mit Motor durchkämpfen. Als wir am geplanten Zielort ankommen: Nee, da ist nichts mit Ankern. Da steht voll die Welle drauf, da können wir nicht bleiben. Also wieder umdrehen und ein Stück zurückfahren in die etwas geschütztere Nachbarbucht, die Baie Hikeu, aber immerhin 4 Seemeilen abgekürzt von der Gesamtstrecke.

Dann wie geplant Anker auf für die Nachtfahrt nach Hiva Oa. Der Wind soll angeblich aus Nordost kommen, das sollte uns einen schöne Halbwindkurs bei Windstärken 4 – 5 bft bescheren. Aber zunächst müssen wir ja erst mal die Westseite von Ua Pou hinter uns lassen, um etwas nach Südost schwenken zu können. Der Wind war auch gleich mit der Windstärke da, natürlich aus Ost und ordentlich Wellen. Vorsichtshalber haben wir unser Großsegel schon gleich nur im 2. Reff gesetzt.

Tschüss Ua Pou

Vor Ua Pou im Süden liegt noch eine vorgelagerte Insel und zwischen diesen beiden Inseln ist eine ordentliche Kanalwirkung. Wir schaukeln so wild unter Motor voran mit einer Geschwindigkeit, die dir auf die Tränendrüse drückt. Wenn wir jetzt noch ordentlich Strömung gegenan kriegen, fahren wir ja rückwärts. Von Jochen kam dann irgendwann: „wenn das nach der Insel nicht besser wird, drehen wir um“. Es wurde dann von der Welle her etwas besser, aber der Wind bzw. die Windrichtung hat uns wieder mal nicht so unterstützt, wie sie sollte. Es war ein harter Kampf Hoch am Wind zu fahren und mit etwas kreuzen. Irgendwann meinte der Skipper dann, ich steuere jetzt Ua Huka im Norden an und wir fahren dann von dort aus in einem besseren Winkel direkt nach Süden nach Hiva Oa.  Kurs geändert, Richtung Ua Huka. Skipper legt sich etwas hin, Wind dreht und ich stelle fest, daß wir mit diesem Kurs jetzt eine Ua Pou-Umrundung fahren. Also doch wieder Kursänderung auf Hiva Oa. Es war ein Hin und Her und die Nacht nicht langweilig.

Schlußendlich haben wir Hiva Oa wirklich erreicht, hatten aber dann 94 Seemeilen ins Logbuch eintragen dürfen. Direkter Kurs wären etwa 74 Seemeilen gewesen. Happy, to be hier, Anker zu werfen und etwas zu schlafen.

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Ua Huka und Nuku Hiva

Von Ua Huka habe ich ja außer vom Festival bisher noch gar nichts erzählt. Hmmm – viel können wir auch nicht erzählen, da wir nicht wirklich mehr gesehen haben, als das kleine Örtchen, vor dem wir vor Anker gelegen haben und dem Festivalgelände.

Von der gesamten Insel haben wir sonst nichts besucht, eine kleine Wanderung zu einem ehemaligen Zeremonienplatz, das war es – gibt wohl auch nicht wirklich viele Möglichkeiten. Wir (also ich) waren dann auch froh, den Ankerplatz zu wechseln. Rollig sind hier ja alle Ankerplätze, aber speziell hier sind doch immer ordentliche Fallböen von den Berghängen heruntergekommen – was sich auch gerade nachts beim Schlafen nicht besonders beruhigend anhört…

So sind wir dann wenigstens noch auf einen Ankerplatz auf der Westseite von Ua Huka gewechselt. Als wir dort angekommen sind, war das Wasser glatt und wir lagen sehr ruhig. So sind wir dann auch gleich noch in unser Dinghi gestiegen und an Land gefahren. Soll es hier doch eine schöne Höhle geben.

Das Anlanden am Strand war dann doch etwas schwieriger, als vom Wasser aus zu erkennen. Es hat sich doch eine kleine Welle dort aufgebaut und gebrochen, so daß wir schnell sein mussten, um das Dinghi auf den Strand zu ziehen. Am Strand gab es in den Felsen dann gleich ein paar Petroglyphen zu entdecken, bevor wir auf den Hügel hinaufgestiegen sind. Von oben ging es dann in eine leicht zugängliche Grotte und wir konnten von oben auf das strahlende Blau des Wassers über dem Sandgrund blicken. Das Wasser wurde mit jeder Welle ordentlich hereingedrückt und hat ein lautes Grollen von sich gegeben. Das sind schon gewaltige Kräfte, obwohl es keine großartigen Wellen draußen auf dem Meer gab. Aber wenn das Wasser mit der Dünung durch ein kleines Loch gepresst wird, entsteht doch ordentlich Druck. In der Nähe der Grotte fanden wir auch sehr viele Hinterlassenschaften der hiesigen freilaufenden Ziegen – scheint es sich hier doch auch für sie um ein schattiges „Heim“ zu handeln, das Sicherheit bietet.

Zurück zum Strand und mal sehen, wie wir von diesem wieder wegkommen. Vorsichthalber habe ich schon mal meinen Rock ausgezogen.  Das hätte ich mit dem T-Shirt auch mal machen sollen, denn wie vorhergesehen, war ich komplett naß, bis das Dinghi im Wasser und über den brechenden Wellen war. Aber zum Glück ist es ja warm und das Wasser auch nicht kalt.

Leider mußten wir dann am Boot feststellen, daß es nun auch hier rollig war – kein Wind und das Boot steht quer zu Welle – also eine weitere Nacht mit unruhigem Boot. So sind wir dann auch gleich am nächsten Morgen frühzeitig losgefahren, um nach Nuku Hiva überzusetzen. Eine Strecke von etwa 30 Seemeilen, was gut in einer Tagesetappe zu schaffen ist.

Auf Nuku Hiva wollen wir einige Zeit verbringen, da doch rund um die Insel wunderschöne Ankerplätze sein sollen. Dies ist die zweitgrößte Insel Polynesiens und bietet in seiner Hauptstadt (was man als Hauptstadt bezeichnen möchte) gute Versorgungsmöglichkeiten und auch die Chance, wieder einmal ein Restaurant zu besuchen.

So sind wir zunächst in die nächstgelegene Ankerbucht, die Controllers Bay eingelaufen und haben unseren Anker geworfen. In dem kleinen Örtchen dieser Bucht gibt es zu unserer Freude eine Boulangerie, in der wir neben dem obligatorischen Baguette auch köstliche Croissants und Schokoteile erwerben können. Was ein Genuss! Da es hier einen Wasserfall geben soll, haben wir uns am nächsten Morgen natürlich auf den Weg gemacht, ohne genau zu Wissen, wie weit wir eigentlich laufen müssen. Netterweise hat uns ein Herr des hiesigen Wasser-/Energieversorgung in seinem Pickup mitgenommen, so daß wir uns einen mühsamen Marsch erspart haben. Der Weg war einfach doch etwa 7 km, was bei dieser Hitze echt unangenehm ist. An den Wasserfall selbst sind wir leider nicht herangekommen. An dem kleinen Flußlauf sind wir ausgestiegen, der Mann ist seiner Arbeit nachgegangen: den Rechen vom Laub befreien und die Anlage prüfen.

Wir haben dann versucht, in dem Flußlauf voran zu kommen, um an den Wasserfall heranzukommen. Ein unleidiges Unterfangen. Kaum am Wasser wurden wir schon von den Heerscharen an Moskitos überfallen. Unser Mückenspray hat diese nicht wirklich abgehalten. Da mir die Steine dann irgendwann zu hoch wurden, bin ich dann umgedreht und Jochen hat dann noch versucht, etwas weiterzukommen. Aber er hat dann auch irgendwann vor den Mücken kapituliert. So sind wir dann den Weg wieder zurückmarschiert, um an der Boulangerie als Belohnung nochmals ein kühles Getränk zu uns zu nehmen.

So war der Ankerplatz vor der Stadt auch unser nächstes Ziel für den nächsten Morgen, um hier auf alle Fälle Weihnachten zu verbringen. Dies bedeutete lediglich eine Fahrtzeit von etwa 1,5 Stunden. Bei unserer Ankunft wurde uns gleich von einem anderen Boot mitgeteilt, daß am Abend ein Festival mit öffentlichem Essen (wie in Ua Huka) stattfindet. Da gehen wir natürlich hin. Was ein Kulturschock 😊 Der Festplatz quillt über von Schneemännern aus Fässern und Reifen, aus blinkenden und blitzenden Lichtern, ein Kaminzimmer wurde nachgestellt – mehr Kitsch, als deutsche Weihnachtsmärkte zu bieten haben. Und alle haben etwas auf dem Kopf – sei es ein Haarreif als Elch, blinkende Mützen, und, und, und. Das Essen war dann auch sehr lecker und die Vorführung war quasi nochmals das, was wir in Ua Huka gesehen hatten. Hinzu noch eine reine Kindergruppe im Vorfeld. Sehr schön, aber irgendwie merkwürdig in dieser Weihnachtsumgebung.

Nuku Hiva ist eine tolle Insel. Die Küste wirkt bei der Anfahrt rauh und felsig zerklüftet. Im Inneren ist diese jedoch grün und dicht bewachsen. Hier gibt es auch alle Arten von Früchten: Brotfrucht, Papaya, Mango, Sternfrucht, Bananen, Pampelmuse….

Fast alle Boote, die vorher in Ua Huka waren, haben sich über die Feiertage hier versammelt. So haben wir den Weihnachts- und Silvesterabend zusammen mit einigen anderen englischsprachigen Booten (wir nennen es die No-Francais-Conection) verbracht. Hierfür durften wir die Tische und Bänke eines Imbisses direkt am Pier benutzen. Jeder hat etwas zu Essen und Trinken mitgebracht und wir haben dann zusammengesessen, alles geteilt und eine schöne Zeit gemeinsam verbracht.

Jochen, Henk (NL), Ann (IR), Roy (GB), Sabine, Carolyn (NL), Mary-Ann und Gary (US) – die Non-Francaise-Connection beim geselligen Abend auf Roy’s Boot

Wir haben zusammen mit eben diese 3 anderen Booten 2 Autos geliehen und sind einen Tag lang über die asphaltierten Straßen in andere Buchten gefahren. Die Insel hat auch recht hohe Berge, so daß sich auch die Vegetation ziemlich ändert. In den Bergen sind wir in den Wolken gefahren und hier oben sah es fast so aus wie zu Hause im Allgäu oder Oberbayern: Nadelbäume und Tierweiden. Nur, daß hier die freilebenden Pferde dann einfach so auf oder direkt neben der Straße stehen und man beim Fahren um eine Kurve aufpassen muß, daß nicht plötzlich ein Tier vor dem Kühler steht. Auf der Nordseite der Insel haben wir dann unter Mittag in einem sehr leckeren Restaurant Halt gemacht und köstlich gegessen. Zum ersten Mal haben wir Brotfrucht gekostet – diese wird wie Kartoffel gekocht und hier dann zusätzlich frittiert. Wir haben noch nirgend so viele neue Dinge kennengelernt wie in Polynesien (gut, wir waren ja auch nie in der Karibik – da gibt es das wohl auch alles). In der Nähe der kleinen Ortschaft war dann noch eine Ruinenstätte der Ureinwohner. Die Stätte wurde vor einiger Zeit freigelegt und die Gebäude nachgebildet. Auch hier wieder beeindruckend wie vor langer Zeit riesige Steinblöcke passgenau bewegt und gesetzt wurden. Bis wir dann die beiden asphaltierten Straßen abgefahren hatten war es dann schon dunkel als wir zurück waren. Leider hatte wir kein Allradfahrzeug, sonst hätten wir eine Rundstrecke fahren können. Bei Ankunft im Ort entdeckten wir dann eine hell beleuchtete Sitzgruppe, wir stoppten und wurden auch gleich Begrüßt. Es war ein offenes Restaurant und der Abendsnack war gesichert. Es stellte sich dann noch heraus das sich hier die Einheimischen zum Bingo spielen treffen.

Wir haben dann noch einen Ankerplatz im Norden der Insel besucht, die Anaho-Bay. Eine schöne Bucht ohne Anbindung an eine Straße, in der sich wieder etliche bekannte Boote versammelt hatten. Von hier aus konnten wir eine Wanderung machen, Richtung Osten zu einer großen Bucht mit sehr langem Sandstrand. Diese riesige Bucht ist leider nicht zum Ankern geeignet, da sie komplett nach Osten, also der vorherrschenden Wind- und Wellenrichtung offen ist. Auf dem Weg dorthin (ein reiner Fußpfad) kamen wir bei einem „Bauern“ vorbei, der hier auf 10 Hektar Fläche Gemüse und Obst anbaut. Alles von Hand, ohne Hilfe eines Traktors oder anderen schweren Gerätes. Lediglich 5 Pferde dienen ihm zum Transport des Gemüses in die Anaho-Bay, wo es dann auf Boote verladen wird zum Verkauf in der Stadt. Diese 10 Hektar bewirtschaftet er mit seiner Frau und seinem Sohn – eine enorme Leistung, wenn man bedenkt, wie üppig hier alles wuchert. Da bedarf es schon ordentlicher Pflege, alles in Schuss zu halten, damit nur das wächst, was man auch haben möchte. Wir haben uns bei ihm dann auch mit Gemüse und Obst eingedeckt.

In Richtung Westen konnten wir dann von dieser Bucht noch in die Nachbarbucht (in der wir zuvor schon mit dem Auto waren) laufen, die dann wieder Anbindung an den Straßenverkehr hat. Der Weg dorthin geht über den Bergrücken und war wohl früher auch einmal ein befahrbarer Weg. Aber die Einwohner der Bucht wollten das nicht und haben den Weg nicht gepflegt, so daß man wirklich nur zu Fuß oder Pferd (evtl. auch mit einem passendem Motorrad) hierher kommt. In der Bucht hat man dann die Möglichkeit, ein Restaurant zu besuchen oder ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Aber: der Weg ist das Ziel und es war eine schöne Wanderung bergauf- und -ab.

Weiter ging es bei unserer Inselumrundung dann noch auf die Westseite der Insel. Der Weg dorthin war wieder einmal sehr spannend. Auf der Nordseite der Insel hatten wir ja den Wind von hinten, ebenso die Wellen, die nicht gerade klein waren. Dann ging es „um’s Eck“, war der Wind dann natürlich aufgrund der Berge weg und die Dünung ebenso. So ist das halt, wenn man in einen Inselschatten fährt, ähnlich wenn man um ein Häusereck geht und sich in den Windschatten stellt. So ging es von viel Wind auf ziemlich null Wind.

Auf der Westseite der Insel haben wir noch zwei weitere Buchten besucht. In der Anse Tapueahu konnten wir eine Wanderung im trockenen Flussbett machen hinein in den „Grand Canyon“. Diesen hatten wir bei unserer Inselrundfahrt schon von einem Aussichtspunkt gesehen. Wieder eine spektakuläre Landschaft! Das Flußbett alleine war schon gigantisch – was hier an Felsen drin war. Wie gerne würde ich das mal sehen, wenn hier Regenzeit ist und der Fluß sich füllt. Momentan ist hier ja alles trocken. Hohe Felswände zu beiden Seiten und dann die vielen Vögel, die hier an den Felsen nisten. Überall an den Hängen sieht und hört man die Ziegen. Bilder können dies überhaupt nicht wiedergeben. Wir versuchen es jedoch immer wieder entsprechend einzufangen.

Danach ging es wieder auf die Südseite der Insel, in die wohl geschützteste Bucht – der Daniel’s Bay. Sind wir auf der Westseite mit wenig Wind und Welle gestartet (der Wind kam zu unserer Überraschung aus Südwest!), wurde es am Südkap wieder ordentlich ruppig. Hier traf uns dann wieder die Welle aus Ost und der Wind setzte auch wieder kräftig aus dieser Richtung, als wir aus dem Inselschatten herauskamen. Aber wir konnten alles gut segeln, mußten jedoch ordentlich gen Süden ziehen, um die Daniel’s Bay dann unter Segel anlaufen zu können. Und wirklich: da kommst Du mit ordentlich Wellengang in die Bucht angeschaukelt und kaum geht es etwas um das Eck, wird es total ruhig. (Naja: für die hiesigen Verhältnisse total ruhig 😊)

Hier kann man ebenso in ein kleines Örtchen und zu einem Wasserfall laufen, was wir natürlich auch gemacht haben. Der Wasserfall selbst ist jetzt nicht gigantisch: es hat ja grad wenig Wasser. Aber der Weg dahin war wieder einmal toll und der Wasserfall befindet sich am Ende eines langen, schmalen Canyons. Rundherum steil aufragender Fels mit einem kleinen Flußlauf und üppigem Grün. Aufgrund der Mücken haben wir es uns verkniffen, uns auszuziehen und in das Wasser zu hüpfen.

Jochen ist dann auch nochmal alleine losgezogen, um einen der umliegenden Gipfel zu besteigen. Mir ist das in dieser Hitze einfach zu anstrengend und zu steil. Ich begnüge mich dann auch mit seinen Fotos.

Nach der Daniel’s Bay ging es noch einmal zurück in die „Hauptstadt“ Taiohae. Ein letzter gemeinsamer Abend in der Pizzeria mit Roy und den Neuseeländern, noch einmal Shopping und dann verlassen wir Nuku Hiva in Richtung Ua Pou. Wir wollen ja doch mal weiterkommen.

Wir hoffen, daß unsere Fotos einigermaßen ausdrücken, was wir hier an Natur vorfinden und bei Euch das Reisefieber wecken 😊

die Fischer nehmen am Pier (Dinghi-Dock) ihre Fische aus und werfen die Abfälle ins Wasser

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Ua Huka: das Festival der Marquesas

Am Nachmittag haben wir in Hiva Oa den Anker gelichtet und sind Richtung Norden gestartet. Wir konnten auch gleich die Segel setzen und kamen ganz gut voran.

In der Nacht schwächte der Wind dann wieder ab und drehte hin und her, so daß ich dann letztendlich die Maschine angeworfen habe, nachdem auch die Genua angefangen hatte zu schlagen. Ich bin da immer sehr darauf bedacht, das Material zu schonen. Der Skipper hätte das wahrscheinlich durchgezogen – ich bin da wesentlich früher genervt….

Der Skipper hat dann in den Nachtstunden in seiner Schicht dann wieder Segel gesetzt und wir konnten mit einem Wind von 3 bft gemächlich dahinsegeln. Im Morgengrauen ist dann die Insel aus dem Dunst aufgetaucht und wir konnten gegen 8 Uhr am Morgen unseren Anker werfen. Bei der Zählung der bereits vorhandenen Segelboote waren wir Nummer 15, die angekommen ist. Bis zum Höhepunkt des Festivals haben sich schließlich 32 Segelboote in der Bucht zusammengedrängt.

Wie bereits vorherzusehen war, ist der Ankerplatz hier leider etwas rollig – aber das ist überall in den Marquesas so, da keine vorgelagerten Saumriffe die auflaufende Dünung abbremsen. Aber wir haben schlimmeres erwartet.

Wir sind vor einem kleinen Örtchen namens Hane vor Anker. Hier gibt es eine kleine Kirche, einen Laden sowie ein Minimuseum. Wieder ein sehr netter Ort mit freundlichen Menschen. Seit etwa 2 Monaten ist hier auch ein Pier fertiggestellt. Hier können wir mit dem Dinghi festmachen, solange kein Schiff oder Fähre ankommt; d. h. während des Festivals müssen wir leider am Strand anlanden, was bei Ebbe etwas unschön ist, da das Wasser dann sehr flach und voller Steine ist. Das Örtchen wurde von uns dann einmal erkundet und wir haben das Minimuseum besucht – seht nett. Von unserem Bootsnachbarn Gäel haben wir dann erfahren, daß hier eine Funkrunde besteht, wenn mal also etwas benötigt oder absprechen möchte, auf Kanal 06 ist das zu erledigen. Ebenso erklärte er uns, daß um 18 Uhr Yoga am Pier ist – täglich. Das mach ein anderer Segler und auch wir haben an einem Abend teilgenommen. Das erste Mal Yoga in unserem Leben!

So, und nun zum Grund unseres Besuches: das „Marquesas Islands Kunst- und Kulturfestival“ oder unter der einheimischen Sprache „Matava a o te Henua énana“

Dieses Festival wurde 1986 eingeführt, um die Traditionen zu bewahren und weiterzugeben. Dies ist ein Festival der Marquesas und jede Insel schickt eine Delegation, die hier einen „Tanz“ aufführt. Ebenso sind von den einzelnen Inseln die diversen Kunsthandwerker vor Ort und verkaufen ihre Waren. So sind hier Tiki’s (Skulpturen aus Holz oder Stein), Tapa’s (gemalte Bilder auf Rinde), Schmuck, Vanille, Hüte, Taschen und vieles mehr zu bekommen. Ebenso sind Tattookünstler vor Ort und arbeiten an der tollen polynesischen Körperkunst. Kleine Info am Rande, die Marquesas sind seit kurzeml auch in der Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Ich möchte jetzt einmal Eure Vorstellung von Polynesien etwas ernüchtern: wir sind hier nicht am Ende der Welt, Polynesien gehört zu Frankreich und entsprechend gut ist es auch von französischen Touristen besucht, die hier auch arbeiten dürfen. Man trifft extrem viele junge Franzosen. Geht weg von dem Bild, daß wir uns hier auf einer einsamen Insel mit einem Häuptling befinden, die noch im Lendenschurz rumlaufen, so wie es die Fernsehbilder oder jetzt unsere Fotos vielleicht zeigen. Hier läuft auch jeder mit einem Smartphone in der Hand rum – nur man lässt es halt viel gemächlicher angehen – no stress. Dieses Festival soll eben an jene Zeiten erinnern und die Traditionen werden hin und wieder gepflegt.

Das Festival geht über die gesamte Woche und beginnt am Montag morgen mit einer Messe in der Kirche in unserem Ort – die Menschen hier sind sehr gläubige Christen. Das eigentliche Festgelände liegt dann etwa 5,5 km entfernt. Leider gibt es hier keinen regelmäßigen Busverkehr bzw. haben wir das nicht rausfinden können. Die Messe am Montagmorgen haben wir uns verkniffen – jeder weiß, daß ich kein Morgenmensch bin und für die Kirche extra um 7 Uhr aus dem Bett krabbeln – nein, lasst mal gut sein.

Während dieses Festivals wird auch der traditionelle Erdofen betrieben. So wurde früher (und teilweise auch heute noch) für größere Anlässe gekocht. Hierzu wird ein Loch ausgehoben, ein Feuer darin geschürt und Lavasteine obenauf gelegt, die dann die Hitze speichern. Wenn das Feuer soweit heruntergebrannt ist, werden auf die Steine frische Bananenblätter und aufgespaltene Stauden (die viel Wasser beinhalten!) gelegt und darauf dann das in Palmblätter eingewickelte oder in Taschen gepacktes Essen aufgelegt. Das Ganze dann wieder mit Bananenblätter abdecken und mit feuchten Säcken und Folie abdecken. Letztendlich wird noch alles mit Erde abgedeckt. Dieser Ofen wird am Abend angelegt und gefüllt und dann am nächsten Mittag wieder aufgemacht. Hier auf dem Festival wird dann das so gegarte Essen an alle verteilt. Hierzu wurde uns mitgeteilt, daß wir unser „Geschirr“ mitbringen müssen, das dürfe aber kein Plastik sein, sondern sollte aus Kokosschalen bestehen. Und wir sollten vorzugsweise je 2 Kokosnüsse für jeden haben, damit auch etwas reinpasst.

Also war ein To-Do für Ua Huka: in den Wald gehen und Geschirr herstellen. So sind wir dann mit kleiner Axt und Machete in den Wald gezogen, haben uns ein paar schöne große Kokosnüsse ausgesucht die hier ja überall rumliegen. Jochen hat diese dann mit der Axt in mühsamer Arbeit aufgespalten und geschält, die schwierigste Aufgabe dabei. Die innenliegende Nuss dann mit der Machetenrückseite „anklopfen“, so daß diese rundherum springt. Das Kokoswasser dann getrunken bzw. ablaufen lassen, war dann doch zuviel für mich und das Kokosfleisch ausschaben. Zum Schluß die Schale außenrum noch etwas „enthaart“ und etwas ansehnlicher gemacht und fertig ist die Schüssel. Man kann jedoch nur eine Hälfte der Nuss benutzen, da die andere Hälfte ja die Augen für die Triebe hat und daher Löcher. Letztendlich haben wir 6 oder 7 Nüsse bearbeitet, um ein paar schöne Schalen zu bekommen. Das Essen kann kommen!!!

und hier nun mal die Abfolge eines Erdofens in Bildern:

Wie sind wir nun zum Veranstaltungsplatz gekommen? Es gibt die Möglichkeit, mit einem „Taxi“ zu fahren, diese verlangen für die einfache Fahrt pro Person etwa 8 Euro. Ein stolzer Preis finden wir. Dies haben wir einmal gemacht, uns aber entschieden, daß wir einfach mal loslaufen und versuchen, ein Auto anzuhalten. Und das hat immer geklappt, es haben immer Einheimische gehalten, die uns mitgenommen haben. Das Weiteste, was wir einmal laufen mussten, war etwas mehr als 1 Kilometer. Wir wären aber auch die vollen km gelaufen. Spannend ist nur: hier fahren ja alle Pickup’s. Das Mitfahren auf der Ladefläche ist offiziell verboten. Jedoch wurden wir hier häufig mitgenommen. Wir wurden halt in der letzten Kurve vor dem Festivalgelände aufgeladen oder herausgeworfen, damit die Gendarmerie das nicht sieht. Und so haben wir bei einer nächtlichen Pickup-Fahrt ganz nette Menschen auf der Ladefläche kennengelernt – neu angekommene Segler.

Jeden Tag auf dem Festival haben immer 2 Inseln ihren Tanz aufgeführt. Das war schon sehr eindrucksvoll. Zu einem diese wahnsinnig großen Trommeln, die einen richtig mitnehmen; die teils ganz toll tätowierten Männer, die wirklich sehr martialisch wirken, wenn sie vor einem in ihrer traditionellen „Bekleidung“ (was man Bekleidung nennt) stehen und der Gesang der Frauen ist einfach klasse. Pro Vorführung dauert das Spektakel ca. 1 Stunde und die unterschiedlichen Darbietungen gehen zum Teil durch Mark und Bein.

Wir sind in der Regel immer gegen Mittag auf das Festival gegangen, die Vorführungen am Morgen ab 10 Uhr war uns einfach zu bald. Erstens müssen wir ja damit rechnen, eventuell etwas mehr als eine Stunde zu laufen, zum anderen wird es ja abends recht lang bis die letzte Vorführung beendet und wir wieder auf dem Boot sind. Leider stimmte das heruntergeladene Programm nicht ganz. Die aufgedruckten Nachmittagsvorführungen fanden nicht statt – ich denke, es war einfach zu heiß dafür. So haben wir viel Zeit mit rumhängen auf dem Festgelände in großer Hitze verbracht und waren am Abend entsprechend geschafft. Aber es hat sich definitiv gelohnt.

Nun noch ein Wort zu den Tattoo’s:

Nein, die Tätowierer hier benutzen nicht mehr die traditionellen Werkzeuge wie Hammer und „Kamm“, sondern arbeiten genauso elektrisch und professionell wie die Tätowierer bei uns zu Hause. Nur mit dem Unterschied, daß hier halt die Motive ganz anders sind und wenn man ganz korrekte Körperkunst tragen will: für jeden Körperteil gibt es ein bestimmtes Motiv, je nach Insel oder Archipel. So hat auch jedes Zeichen seine Bedeutung und manche sind wirklich nur den Einheimischen vorbehalten und man würde die als Tourist wohl nicht bekommen. Und es sind großflächige schwarze Flächen vorhanden, auch im Gesicht. Mehrfach wurde wir, als wir sagten, daß wir aus Deutschland sind, gefragt, ob wir einen Jo Steiner kennen würden. Dieser Deutsche hat wohl vor langer Zeit als Erster die polynesischen Zeichen und Malereien “übersetzt“ und in einem Buch zusammengetragen. Dieses Buch bzw. seine Erkenntnisse werden hier von allen Tätowierern und anderen Künstlern als Nachschlagewerk benutzt. Leider habe ich hierzu bei Onkel Google nichts gefunden. Wir haben jedoch auf Fatu Hiva so ein Originalbuch ansehen dürfen, das schon sehr zerfleddert war.  Falls hier irgendjemand etwas dazu finden sollte, bitte gebt mir diese Info weiter.

Und ich muß Euch sagen: solche Ganzkörpertattoos sehen schon toll aus!

So, jetzt habe ich genug gelabert. Lasst einfach die Bilder auf Euch wirken und schaltet den Ton an!

und hier das kleine, aber feine Museum

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Von Gambier’s zu den Marquesas

Nachdem der Wetterbericht ja täglich anders ausschaut, haben wir in Abstimmung mit der Lazarina 2 schließlich beschlossen, das Mini-Wetterfensterchen von 3 Tagen zu nutzen, um abzureisen. Wir wollen uns gemeinsam auf die Fahrt nach Fatu Hiva begeben. (dies erleichtert es uns, da Stephane hier schon insgesamt 8 Jahre lebte und viele Leute kennt. Außerdem spricht er als Franzose natürlich die Landessprache 😊). Nach diesen 3 Tagen sollte uns ein Flautenloch erwischen, aber ein Fenster von 7 Tagen ist hier irgendwie nicht in Aussicht.

Am Freitagnachmittag sollte der Wind kommen – Stephane war aber irgendwie nicht zu bremsen und so rief er uns gegen 11 Uhr am morgen zu, daß sie jetzt losfahren würden. Gut, wir kommen nach, wir sind noch nicht soweit… außerdem war noch gar kein Wind da…

So haben wir schließlich auch gegen 15.30 Uhr den Anker gehoben und einen letzten Blick auf Rikitea und die anderen Boote geworfen. Wir konnten auch gleich die Segel setzen und unsere Fahrt aufnehmen. Solange wir in der Abdeckung des Atolls waren, war der Seegang auch total super angenehm – nämlich quasi nicht vorhanden. Aus der Abdeckung raus, fing natürlich der südpazifische Schwell an….

Wir kamen aber gut vorwärts und konnten mit guter Fahrt durch die Nacht und den Samstag fahren. Am Sonntag frischte der Wind dann auf und wir hatten teilweise bis zu 6 bft Wind und eine dazugehörige Welle. Aber dies war alles gut zu händeln, kam der Wind doch aus der richtigen Richtung von Südost über Ost. Am Montag war dann wie erwartet das „Flautenloch“, wobei totale Flaute nicht richtig ist. Wir hatten immer etwas Wind (haha, 1 bft). Da dieser dann aus Nordost bzw. Nord kam, hätten wir noch am Wind segeln können – hier langt uns auch weniger Wind. Mit der stehenden Welle ist dies aber wieder so nervenzehrend, daß wir schließlich den Motor dazu angeworfen haben und letztendlich die Segel heruntergeholt haben.

Das Fahren unter Motor bei Welle ist nicht sehr angenehm – ein Schwanken von links nach rechts mit jeder eintreffenden Dünungswelle. Mit Segeln fährt das Schiff viel stabiler und ruhiger. Am Abend aber kam doch wieder Wind (juhu – die Vorhersage passt nicht so mit der Flaute) und wir konnten wieder Segel setzen. Nachdem dann die Welle etwas weniger wurde und der Wind gleichbleibend mit 3 bft wehte, haben wir uns entschieden, unser Leichtwindsegel zu setzen.

Und wenn keine großartige Welle steht und das Schiff stark schwankt, sind wir inzwischen sogar sehr schnell im Setzen dieses Segels – nach 30 Minuten stand der Lappen am Himmel. Zu Erläuterung: um dieses Segel zu setzen, müssen wir auch alle dazugehörigen Schoten verlegen und das Segel aus dem Schiffsinneren nach oben befördern, alle Schoten und Umlenkrollen am Schiff befestigen und schließlich das Segel am Mast hochziehen. Und wenn man sich da nicht ständig irgendwo festhalten muß, geht das Ratz-Fatz.

Bevor wir am Dienstag in die Nacht gefahren sind, haben wir den Blister wieder eingeholt und mussten den Motor anwerfen. Zu wenig Wind und in der Nacht wollen wir ihn nicht bergen müssen. Zudem drehte der Wind dann auch noch über NNO auf N, so daß wir ihn jetzt genau auf die Nase hatten. Also mußte unser Dieselross wieder seinen Dienst tun.

Insgesamt war diese Überfahrt wieder genauso ereignislos, wie viele andere vorher schon auch – keine Schiffsbegegnungen (stopp: ein Frachter kam vorbei), kein Wal, kein Delfin – nix. Aber dafür hatten wir wieder einmal Angelerfolg. Gerade mit dem Abendessen fertig, spult unsere Angelschnur ordentlich aus. Ui – das muss was Größeres sein, so wie das rauscht. Während der Skipper an der Angel kämpft, entscheiden wir uns, das Schiff erst einmal „beizudrehen“. Wir waren unter Segel mit etwa 5 Knoten Fahrt unterwegs. Und dabei dann am Heck einen großen Fisch aus dem Wasser zu ziehen, ist sehr anstrengend und auch nicht ganz ungefährlich. So drehen wir bei, nehmen die Fahrt aus dem Schiff und können uns auf den Fisch konzentrieren.

Ein kurzes Stoßgebet an den Himmel, daß der Haken hält und uns der Fisch nicht vom Haken rutscht, wenn wir ihn an unserem steilen Heck hochziehen müssen. Aber alles gutgegangen und er liegt auf unserem Deck. Es handelte sich um einen „echten Bonito“. Jochen hat ihn dann ausgenommen und Steaks daraus geschnitten – am Ende mußten wir unsere Kühlbox in eine Gefrierbox verwandeln, da nun 7 kg Fisch darin verschwinden werden. Diesen werden wir dann so nach und nach in diverse Gerichte verzaubern.

Unsere Freunde von der Lazarina 2 haben wir unterwegs nur einmal kurz am Horizont gesehen. Sie kamen am Mittwoch abend mit dem letzten Sonnenlicht in der Ankerbucht Hanavave auf Fatu Hiva an und teilten uns mit, daß sie mit dem Ankergetränk auf uns warten würden und wir am nächsten Abend bei Ihnen an Bord zum Essen eingeladen wären. Wir haben es dann auch am Donnerstag morgen geschafft, unseren Anker in dieser traumhaften Bucht zu werfen. Was für ein Anblick!

Fatu Hiva ist ein Traum, man kann es nicht anders sagen. Eine aus dem Meer steil aufragender Bergipfel vulkanischen Ursprungs. Grün in allen möglichen Schattierungen, zerklüftete Berge und Täler.

Am Nachmittag sind wir dann auch gleich gemeinsam mit der Lazarina in den kleinen Ort zur ersten Übersicht marschiert und bekamen von Stephane viel erklärt. Auch ein erster Besuch bei seinen Freunden hier im Ort stand auf dem Plan. So konnten wir gleich einmal auch die hießige Kunst der Tiki’s sehen. Fatu Hiva ist berühmt für seine Skulpturen aus Holz und Stein. (jeder Teil in französisch Polynesien ist für etwas anderes bekannt, die Gambiers ja für die schwarzen Perlen und Fatu Hiva für die Tiki’s).

Der Abend endete dann mit einem leckeren Abendessen bei Stephane und Michele: auch sie hatten den gleichen dicken Fisch gefangen wie wir, vielleicht haben wir zwei Brüder erwischt 😉. So gab es als Vorspeise rohen Thunfisch mit Sashimi und als Hauptgericht Thuna-Steaks mit Reis. Sehr lecker!

Hier auf Fatu Hiva besteht endlich die Möglichkeit, wieder einmal zu wandern – was in dieser Hitze aber wirklich sehr mühsam ist. So sind wir auch gleich einmal zu einem Wasserfall marschiert. Gerade einmal 4 km einfache Strecke…aber was war ich froh, dort ins kühle Nass zu hüpfen. Hier ist es doch wesentlich wärmer als auf den Gambiers. Das Klima am Wasserfall war sehr angenehm aufgrund des kühlen Wassers. Erst beim Verlassen und dem Austritt aus dem Wald traf uns der Hitzeblitz wieder.

Die Menschen hier sind auch sehr freundlich, jeder fragt, wo man herkommt und jeder will einem sein Kunsthandwerk zeigen und natürlich auch verkaufen. Wir haben uns dann auch unseren „Wilson“ – einen kleinen Tiki bestellt (einen weiblichen).

Zusammen mit der Lazarina 2 und etlichen anderen französischen Segelbooten waren wir bei einem Barbecue bei Jaques und Desire eingeladen. Dies sind die Freunde der Lazarina – und da wir das Glück haben, mit ihnen hier zu sein, wurden wir mit eingeladen. Für dieses Barbecue sind einige Männer am Morgen mit Jaques zum Angeln hinausgefahren und haben den Fisch „besorgt“. Dazu gab es noch Hühnchen (beides auf dem offenen Grill am Boden gegrillt) und diverse Salate und Beilagen, die von den einzelnen Crews mitgebracht wurden. Auch einige Nachspeisen durften nicht fehlen – also kochen und genießen können die Franzosen schon!!! Es war ein sehr netter Nachmittag, auch wenn die Verständigung manchmal etwas holprig war oder über Dritte gehen musste.

Jochen hat sich dann an einem Tag auch noch aufgemacht, das hiesige Gipfelkreuz zu besuchen – mir war das zu mühsam, nachdem wir am Tag vorher nochmals zum Wasserfall marschiert sind. Der Weg hinauf ist wohl recht einfach, da er meist auf der Straße entlang geht, aber halt sehr steil. Da bleib ich lieber am Boot und erledige einige Dinge von meiner To-Do-Liste.

An diesem Abend waren wir dann auf dem Nachbarboot zum Sundowner eingeladen. Wow! Bei diesem Boot handelt es sich um einen 50-Fuß-Katamaran der Luxusklasse. Was ein Unterschied zu unserer einfachen Behausung!!!! Der Eigner war sehr nett und wir haben uns gut unterhalten.

Waren wir bei unser Ankunft in der Bucht gerade einmal 6 Boote, sind es zwischenzeitlich 13 Boote gewesen. Hier sind eindeutig die Katamarane in der Überzahl! Kaum vorstellbar für uns Deutsche, einen Katamaran sieht man in Nord- und Ostsee eher nicht. Hier in Polynesien (und wohl auch in der Karibik) sind sie das übliche Bild eines Segelbootes.

Abschließend gab es nochmals ein Barbecue, zu dem Stephane eingeladen hatte, da er hier seinen 68. Geburtstag feiert. An diesem Barbecue wurde ordentlich aufgetischt, Desire hatte gekocht und gegrillt. So gab es frische Langusten, gekochtes Schweinefleisch, Rindfleisch, Nudeln…. Es war abschließend noch einmal sehr lecker und hat uns den Abschied versüsst. Am nächsten Tag sind wir dann aufgebrochen, um langsam Richtung Norden zu unserem Festival in Ua Huka zu kommen. Das Ziel war die nächste Insel Tahuata, auch hierhin sind wir gemeinsam mit der Lazarina gefahren.

Wir konnten die gesamte Strecke bei ordentlichem Wind segeln und wir haben wieder unser Angelglück versucht. Wir hatten auch etliche Male etwas an der Leine, aber leider jedes Mal wieder verloren…. Dann gibt es halt keinen frischen Fisch sondern noch den Tuna aus dem Gefrierer.

Nachdem wir dann um die Inselspitze gefahren sind, war dann auch der Wind weg und unser Motor musste wieder seinen Dienst verrichten. Kurz vor dem Ankerplatz dann der Schreck: oh, Gott – die Temperaturanzeige vom Motor dreht gleich durch – viel zu heiß. So sind wir mit ganz kleiner Drehzahl unser Ankermanöver gefahren und der Skipper hat sich dann auch gleich auf Fehlersuche begeben.

Unser Kühlwasser war komplett weg! Er hat dann wieder einige Stunden herumgetestet und am Wärmetauscher die Dichtungen gewechselt. Glücklicherweise hatten wir hier noch ein paar neue Ersatzteile. Und wie es ausschaut, ist der Fehler jetzt behoben.

Tahuata ist auch eine reizende Insel. Wir haben im kleinen Örtchen Hapatoni dann den hießigen „Chef-Tänzer“ und Choreographen Cyrill besucht, der auch wunderschönen Schmuck und anderes aus sämtlichen Materialien wie Holz, Knochen, Muscheln etc. herstellt und der selbst ein einziges Kunstwerk ist. Sein Körper ist komplett mit traditionellen Tattoos bedeckt. Selbst das Gesicht und die Lippen sind schwarz. Das muß man echt mal live gesehen haben – das macht schon was her.

Cyrill – ein netter Zeitgenosse, der martialisch aussieht

Bei diesem Miniausflug sind wir dann mit einem Pick-up in den nächsten Ort zum Mittagessen gefahren. Auch das: ein Erlebnis. Die Straßen sind Offroad-Pisten steil bergauf und bergab und das Fahrzeug wird maximal im 2. Gang bewegt. Auch dieser Ort sehr nett mit einer luftigen und wunderschönen Kirche.

Wir haben uns dann für den nächsten Tag entschieden, daß wir auf den Berg hinauflaufen wollen, die Beine müssen doch mal langsam wieder an das Wandern gewöhnt werden. Das Laufen ging gut, ging es doch nur die „Straße“ entlang, aber die Höhenmeter haben es bei dieser Hitze doch schon in sich. Auf dem Bergkamm dann wieder tolle Ausblicke, auch auf unsere Ankerbucht. Bei Zurücklaufen haben wir dann ein paar Einheimische beobachten können, die gerade Schweine geschlachtet haben und die Innereien (Darm, Magen) dann direkt am Pier im Salzwasser ausgewaschen haben. Hängt bei uns mal ein Schweinchen einfach so im Hof offen auf und zerlegt es!!! Hier gibt es noch die Hausschlachtung wie bei uns früher.

In dieser Bucht haben wir dann nochmals einen geselligen Abend auf der Lazarina mit 4 anderen französischen Booten verbracht. Wir haben zwar fast kein Wort verstanden, aber es war trotzdem wieder nett! Von dieser Bucht haben wir uns am nächsten Morgen verabschiedet, nachdem Jochen noch vor dem Frühstück mit Delfinen geschnorchelt ist, die in dieser Bucht regelmäßig vorbeikommen. Wir sind weiter nördlich in eine Ankerbucht, die mit den Nachbarbuchten zusammen, die einzigen weißen Sandstrände der Marquesas haben. Was ein Anblick: eine große halbrunde Bucht mit Sandstrand, gesäumt von Palmen und hintendran die saftig grünen Hügel.

Am Spätnachmittag kommt dann die Info, daß die Mantas in der Bucht sind! Nix wie rein in den Schnorchelanzug und ab auf‘s Dinghi. Was ein Gebrodel, wenn sich diese imposanten Tiere an der Wasseroberfläche bewegen. So schnell wie hier war ich noch nie im Wasser. Und schon waren wir mittendrin. Das Wasser war leider nicht sehr klar, aber logisch, wenn die sich hier den Bauch mit Plankton vollschlagen, dürfen wir kein klares Wasser erwarten. Wenn dann aus dem Blau ein Schatten auf Dich zukommt mit einer „Flügelbreite“ von 4 Metern, aufgerissenem Maul und elegant einen Purzelbaum schlägt, das ist schon der Hammer. Und sie drehen erst kurz vor dir ab, so daß du denkst „jetzt rempelt er mich um“ – ich habe da schon großen Respekt, obwohl ich ja weiß, daß das absolut friedliche Giganten sind. Und vor allem: es ist ja nicht ein einzelner Manta, das war ja eine ganze Schule. Man wusste gar nicht, wo man hinschauen sollte. Zum Sonnenuntergang haben wir dann diese Schnorchelei beendet, denn wir sind zum Abendessen auf der Lazarina eingeladen, diese müssen ihre Lebensmittel aufbrauchen, da sie in wenigen Tagen ihr Boot aus dem Wasser holen und nach Frankreich in den „Urlaub“ fliegen.

Hier bleiben wir nur für eine Nacht, da wir bald mal in Ua Huka ankommen müssen, wenn wir noch die Chance auf einen Ankerplatz auf dieser Insel haben wollen. Aber hierher kommen wir bestimmt noch mal zurück! Garantiert!

Nächster Morgen ab nach Hiva Oa, einer größeren Insel mit guter Versorgung. Von hier aus fliegen die Lazarina’s nach Hause und stellen Ihr Boot dafür an Land. Wir nutzen hier die Chance, um unsere Gas- und Benzinvorräte aufzufüllen und noch etwas frische Lebensmittel nachzukaufen. Das machen derzeit wohl sehr viele Segler, denn es ist ein ständiger Bootswechsel vor Atuona. Da wir recht flott alles erledigen können, verbringen wir auch hier nur eine Nacht und am Abend starten wir dann nach Ua Huka. Dies ist eine Strecke von 70 bis 80 Seemeilen, so daß wir gemütlich über Nacht fahren können und dann morgen vormittag mit Licht vor Anker gehen können. Auch nach Hiva Oa werden wir nochmals zurückkommen und etwas längere Zeit verbringen, aber jetzt heißt es erst einmal Ankerplatz in Ua Huka sichern, solange es noch Platz gibt…..

Hiva Oa, Ankerplatz im „Hafenbecken“ vor der „Hauptstadt“ Atuona

Über Ua Huka dann mehr in unserem nächsten Blog, in dem wir dann hoffentlich von einem faszinierenden Festival berichten können.

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angekommen am Traumziel, Südsee

nun sind wir da – in Französisch Polynesien. Nein, nicht in Tahiti oder Bora Bora – es gibt noch so unendlich viel mehr, als diese beiden bekannten Inseln. Aber bei uns zu Hause in Deutschland kennt man als Nichtsegler die vielen anderen Möglichkeiten überhaupt nicht. Und sogar als Segler, der sich nicht explizit mit der Südsee beschäftigt, kennt man Namen wie Tuvalu, Kiribati oder Vanuatu nicht und wüsste nicht, wo man die suchen sollte und das sind noch nicht einmal die Namen von einzelnen Inseln.

Daher möchte ich Euch erst einmal einen kleinen Überblick verschaffen. Wir sind jetzt in der „Südsee“ ganz im Südosten, noch weit, weit weg von Neuseeland oder Australien. Hier mal eine Übersichtskarte – oben links seht ihr mal den Gesamtüberblick. Wir sind wie eben erwähnt ganz unten rechts angekommen, in den Gambiers mit der Hauptinsel Mangareva. Die Segler, die über die übliche Route durch den Panama-Kanal hierher fahren, kommen normalerweise auf den Marquesas-Inseln an.

Französisch Polynesien (FP) besteht aus 5 Inselgruppen wie Ihr seht und wir werden – so der Plan – uns von unten rechts nach oben rechts über die Mitte nach links vorarbeiten. Und danach geht es immer weiter nach links – also Westen. Die Inselgruppen sind auch sehr unterschiedlich in Ihrer Erscheinung. Momentan befinden wir uns in einem Atoll, das sich aus einem Zentralvulkan gebildet hat und vulkanisches Gestein hat. (sehr scharfkantig!!) Die Tuamotus sind total flach und sind insgesamt 78 Korallen-Atolle. Die Marquesas im Norden sind Gipfel einer aus der Tiefsee aufragenden Gebirgskette vulkanischen Ursprungs. Hier gibt es keine umlaufenden Saumriffe wie bei den flachen Atollen.

Wir werden also total unterschiedliche Inseln zu sehen bekommen. Momentan sind wir im kleinsten Archipel. Die Gambier sind insgesamt 43 Inseln oder Inselchen, hier Motu genannt. Dies ist zum Teil nur eine kleine Sanderhebung auf dem Saumriff. Unsere Lagune hat einen Durchmesser von etwa 25 km, so daß wir recht schnell wechseln können, um an einem anderen Motu unseren Anker fallen zu lassen. Hier gibt es auch einen kleinen Flugplatz und zweimal in der Woche kommt auch ein Flieger aus Tahiti.

Soviel hierzu, wer mehr wissen will, kann das alles in Wikipedia nachlesen – ich lese auch immer nach und vergesse ganz schnell wieder ganz viel… (ja, auch ich werde älter und das sind halt keine Zahlen…)

Nach unserer Ankunft haben wir unseren Anker ja vor der „Hauptstadt“ Rikitea geworfen und haben uns ordnungsgemäß bei der hiesigen Gendarmerie angemeldet. Noch nie war einklarieren so einfach! Wir sind ja jetzt in Frankreich und mussten hier nur vorher Online ein Formular ausfüllen, das wir auch weiterhin pflegen müssen. Hier werden alle angelaufenen Ziele eingetragen und wenn wir FP verlassen, müssen wir das dann auch eintragen. Dem Gendarmen haben wir einfach unsere zugewiesene Registrierungsnummer mitgeteilt, er hat irgendwas im System eingegeben und das wars. Einen Stempel in den Pass haben wir nur bekommen, weil wir ihn wollten. Als Europäer wäre das nicht nötig. Wir dürfen jetzt hierbleiben, aber unser Boot hat keinen unbegrenzten Aufenthalt. Nach 2 Jahren müssten wir dieses „importieren“ und dafür Zoll bezahlen. Also heißt es aufpassen und vorher mal ausreisen.

Hier auf den Gambier ist alles noch sehr idyllisch, weil abgelegen von den Hauptrouten. Es gibt keine Restaurants, Cafes oder große Supermärkte oder dergleichen. Cirka alle 3 – 4 Wochen kommt das Versorgungsschiff vorbei und dann gibt es wieder Frischware in den kleinen Läden vor Ort. Es gibt mehrere kleine „Imbiss“ Möglichkeiten. Und alles hat hier halt seinen Preis, weit abgelegen von allem. So kostet z.B. ein 6er-Pack Dosenbier (á 0,5 ltr) stolze 2400 CFP. Das sind umgerechnet 20 €. Ja gut, daß Jochen kein Bier trinkt 😊

Hier auf Mangareva kann man einige Wanderungen machen. Zur Eingewöhnung sind wir zunächst auf dem Bergkamm direkt am Ort entlanggelaufen. Die höchste Erhebung ist der Mont Duff, 441m hoch. Diesen haben wir natürlich auch schon bestiegen, vor allem auch, weil gerade Himbeersaison ist und der gesamte Berg voll mit Himbeersträuchern ist.  Das war schon ganz schön anstrengend. Es ging ordentlich nach oben und das mit unserem ungeübten Seglerbeinen. Aber die Mühe hat sich gelohnt, die Schüssel war voll und der Ausblick natürlich atemberaubend.

Die Natur hier ist wirklich unglaublich! Sämtliche Pflanzen, die wir von zu Hause als Zierpflanzen im Topf für’s Wohnzimmer kennen, stehen hier in voller Pracht in riesig!!! Habt Ihr schon mal einen Weihnachtsstern als Baum gesehen?!?!? Aber seht selbst in meiner kleinen Pflanze- und Früchtegalerie:

Wir haben natürlich auch schon andere Ankerplätze hier im Atoll besucht. Der erste Platz war am Motu Totegegie, der Flugplatzinsel. Dort ist ein Pass raus in den Pazifik, wo man toll schnorcheln kann. Man muß nur auf die Gezeiten achten, denn hier zieht es schon ordentlich rein und raus. Wir haben dann gleich bei der ersten Erkundung 12 kleine Schwarzspitzen-Riffhaie direkt am Strand gezählt. Jochen hat sich dann auch die Flossen angezogen und ist mal kurz ins Wasser; um festzustellen, daß selbst ihm die Strömung dann doch zu arg ist. Ich hatte gleich abgewunken. Wir sind dann auch die komplette Insel abmarschiert, nur leider wurde uns am Flughafen verwehrt, hier weiter zu gehen. Haben wir es wirklich geschafft, am Flughafen vorbeizukommen, wenn außerplanmäßig ein Flieger da war. Somit war auch Personal vor Ort und jenes teilte uns mit „nicht erlaubt“.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie auf die Außenseite das Atolls die Wellen aufschlagen. Entsprechend sind diese auch voll mit toten, aufgeworfenen Korallen und vielen anderem, auch Müll. Man kann hier noch total gut die Strukturen der einzelnen Korallenarten erkennen. Die Inseln sind voll mit Seevögeln, die hier brüten. Auch unter Wasser brummt das Leben an den hier „Bommies“ genannten Korallenblöcken. Sind diese für uns beim Ankern eher ein Problem, weil wir diese ja nicht in unserer Kette haben wollen a) wollen wir uns nicht festfahren und b) wollen wir ja auch nichts kaputtmachen.

So ist beim ankern Voraussicht wichtig: man sucht sich einen hellen Fleck, der für Sandgrund steht und prüft, ob dieser groß genug ist, um darin zu schwojen. Sind in der Nähe doch einige Bommies, so werden nochmals Ankerbälle in die Kette eingehängt, so daß die Ankerkette nicht komplett auf dem Grund liegt sondern eher im Wasser schwebt. Und somit über den Bommies. Jochen prüft beim ersten Schnorcheln dann immer, ob das so passt und evtl. verlegen wir nochmals oder schleppen den Anker mithilfe einer Leine ein paar Meter weiter. Save the nature! Bis jetzt hat es geklappt.

Unser nächster Ankerplatz war ganz im Norden des Atolls am Motu Puaumu. Ein toller Ort. Wirklich flach, die Insel voller Vögel und Pflanzen und ein toller Schnorchelspot. Und keine Menschenseele. Ab 18 Uhr ist es hier ja dunkel – und ich meine dunkel. Nur die Sterne, der Mond und sonst nix.

Wir wechseln jetzt hier also die Ankerplätze so durch und zwischendurch fahren wir immer wieder mal nach Rikitea zum ankern. Hier sind nun mal die Wanderwege, die Einkaufsmöglichkeiten und die Chance, am Wochenende auch mal zum Essen zu gehen. So haben wir hier endlich wieder einmal gute Pommes gefunden. Nach einem Jahr Chile mit „Latschepommes“ ein Genuss. Am Sonntag treffen sich die Einwohner zum Boule-Spielen hinter dem Rathaus, leider können wir uns kaum unterhalten, da wir ja so gar kein Französisch können und die Menschen hier halt nur etwas Englisch. So ist ein kleiner Plausch eher schwierig. Die Leute sind jedoch alle sehr freundlich und heißen uns immer Willkommen. Vor allem, da wir mal keine Franzosen sind 😊 Diese sind hier natürlich in der Überzahl. Momentan sind wir hier 8 Segelboote, davon eines von Schweizern, die hier leben, wir und der Rest Franzosen – und diese fahren meist Katamarane. Für diese Landsleute ist es natürlich auch einfach – sie dürfen hier auch arbeiten gehen ohne Probleme. So haben wir einen jungen Franzosen kennengelernt, der über die Karibik und den Panama-Kanal hierher gekommen ist. Er hatte zwischendurch in der Karibik einmal gearbeitet und plant dies dann wieder für Neu-Kaledonien. Das ist der Vorteil, wenn sein Land noch „Kolonien“ hat.

Ich werde jetzt nicht viel mehr erzählen, lasst einfach die Bilder auf Euch wirken – ich sage Euch: in Natura ist das noch viel besser als auf diesen winzigen Fotos.

Eines noch: zwischenzeitlich ist hier am Strand auch ein Seeleopard aufgetaucht. Was ist das denn jetzt wieder? Ein Seeleopard ist eine Robbenart, die eigentlich in der Antarktis heimisch ist und wandert höchstens bis Australien. Der hier angekommene Kollege hat leider etliche Verletzungen und liegt nun am Strand. Zu Anfang hat sich noch die Gemeinde darum gekümmert und sogar auf Ihrer Facebook-Seite berichtet, aber nun liegt der arme Geselle da am Strand und wird wohl über kurz oder lang hier verenden. Wie er hierher kam? Tja, da kann man nur spekulieren. Ich tippe auf Beifang in einem Netz der großen Fischfangflotten, der dann „entsorgt“ wurde. Das ist leider auch Natur. Ein paar Tage später war er dann weg… Vielleicht hat er sich ja auch nur erholen müssen und zieht jetzt wieder munter Richtung Antarktis.

Seeleopard am Strand von Rikitea

So, das war’s jetzt erst mal für das Erste. Ihr habt jetzt genug Bilder zum angucken und neidisch werden.

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Rapa Nui

Nun sind wir angekommen – die Osterinsel. Gefühlt am Ende der Welt, und doch noch immer in Chile. Unser erster Ankerplatz liegt im Südosten der Insel, da in den nächsten Tagen ein starker Nordwind kommen soll und wir dann vor Hanga Roa, der Stadt auf der Insel, nicht gut liegen würden. Dies scheint uns windtechnisch momentan die beste Option. Leider steht bei unserer Ankunft hier aber noch die Welle vom starken Wind aus Süd, mit dem wir hierher gefahren sind. Das ist ein ordentliches Rollen vor Anker. Über Funk haben wir uns angemeldet und mitgeteilt, daß wir hier vor Anker gehen und erst einmal bleiben. Irgendwann kommt dann der Anruf, daß die Offiziellen am Strand stehen würden, um den Papierkram zu machen. Nein – tut uns leid. Wir können bei dieser Welle unser Dinghi nicht sicher von Bord lassen, vor allem da wir auch unseren schweren Motor mit über 30 kg runterwuchten müssten. Das ist uns viel zu gefährlich im Moment. Ok, das verstehen sie. Wir sollen halt Bescheid geben, wenn für uns die Bedingungen passen, dann würden sie nochmals kommen.

Am nächsten Tag haben wir dann wieder Kontakt aufgenommen. Da leider am Funk immer niemand zu erwischen ist, der Englisch kann und ich diesen spanischen Kauderwelsch nicht klar verstehe, dauert es etwas und irgendwann kann ich dann mit einem jungen Mann von der Armada via WhatsApp kommunizieren. Er kann Englisch, aber schriftlich kann ich mithilfe von Google Translator auch ordentliches spanisch rüberbringen. Er wollte dann erst, daß wir zur Armada in Hanga Roa kommen. Nein sorry, wir sind in Hanga Hotuiti und das sind 12 Seemeilen. Das können wir nicht, die Behörden wollten doch wieder zu uns kommen. Ach so, er klärt ab und teilt mit, daß die Behörden kommen würden, aber erst am Nachmittag so zwischen 14 und 15 Uhr. Er gibt mir nochmals Bescheid, wann genau. Nachdem wir um 16 Uhr immer noch nichts gehört hatten, habe ich dann versucht, ihn anzuschreiben und auch anzurufen. Auf den Anruf hin hat er dann reagiert und schriftlich mitgeteilt, daß er jetzt kommt und wir in 30 Minuten an Land stehen sollen. Schließlich war er dann gegen 17 Uhr da (ganz alleine) und hat unsere Ankunft dokumentiert. Auf meine Frage nach der PDI (Immigration) und der SAG (Landwirtschaftsbehörde) teilt er mir mit, daß ich die beiden nicht brauchen würde. Erst bei Abreise…. Häh???? Wir müssen doch offiziell einreisen und die SAG prüft, ob wir unerlaubte Lebensmittel einführen…. Naja, klären wir morgen, wenn wir nach Hanga Roa verlegt haben.

Da wir schon mal an Land waren, haben wir uns dann gleich die Moai angesehen, die hier in dieser Bucht stehen. 15 Stück an der Zahl in der Reihe – die größte Ansammlung (Ahu Tongariki) auf der Insel. Jochen hat sich dann gleich noch mit zwei Männern unterhalten, die vor diesem Ahu im Auto saßen, ihren Joint rauchten und Bierchen getrunken haben. Diese haben ihm dann spontan eine Kiste aus dem Kofferraum geholt und geschenkt – voll mit Süßkartoffeln, Maniok und etwas getrocknetem Fleisch. Als wir dann in das Ahu gehen wollten, hielt uns ein Guide von einer Reisegruppe auf, wo denn unser Guide sei – wir dürften hier nur mit Guide rein. Es war kurz vor Torschluss. Ja einen Guide haben wir nicht, wir sind gerade von dem Boot da an Land gegangen. Wir wollten doch nur mal ganz kurz gucken. Nein, das geht nicht. Da vorne im Auto sind die Ranger, die schließen jetzt ab. Ach, Jochen Kumpels?! Kurz nochmals hin und gefragt, ob wir 5 Minuten mal rein dürfen. „Ja, klar. Geht nur“

Leider ist das hier auf der Insel so, daß man um etwas anzuschauen, grundsätzlich ein Ticket für den Nationalpark kaufen muss. Dieses Ticket gilt für 10 Tage und kostet pro Nase 80 Euro. Dann darf man aber auch nicht überall hin, wie bei obigem Ahu. In die meisten Sehenswürdigkeiten darf man nur mit Guide – die machen dann so Tagestouren und klappern alle Sehenswürdigkeiten ab. Das wären nochmals 60 Euro pro Nase. Also Entschuldigung!!! Für uns beide insgesamt fast 300 Euro, um ein paar Steine anzuschauen??? Sorry, das ist es uns nicht wert. Wir wollten uns hier eigentlich die Gegend erlaufen und dabei mal das ein oder andere anschauen. So gucken wir jetzt halt immer von außen und nur die Dinge an, an die wir kostenlos kommen.

Die Welle hier in der Bucht hat sich schließlich auch beruhigt, nachdem ja jetzt der Wind aus Nord bläst und sich hier nichts mehr aufbaut und es war eigentlich ein angenehmes Liegen. Aber wir wollten ja auch mal offiziell einreisen und in Hanga Roa an Land gehen. Also haben wir am nächsten Tag nach Hanga Roa verlegt, am zugewiesenen Ankerplatz den Anker geworfen und wieder per Funk versucht zu klären, was denn jetzt mit der Einreise und der SAG ist. Es ging wieder etwas hin und her mit Spenglisch. Irgendwann wurde ich von einem Mann namens Ednson angeschrieben, der von der maritimen Verwaltung war und er hat für mich alles abgeklärt. Inzwischen hatte ich via WhatsApp auch Kontakt mit dem hiesigen Carabinero, der den Zoll hier vertritt. Ihm habe ich dann unser Zollpapier vom Boot aus Puerto Williams geschickt, somit ist das auch erledigt. (Hier hat auch Raul aus Valdivia etwas mitgeholfen, da ich das Amtsspanisch mal wieder nicht klar verstanden habe. Die reden so gerne außenrum und ich brauche einfache, kurze und klare Sätze…)

Als wir dann schon in der Stadt waren, nachdem Ednson geschrieben hatte, es wäre alles klar und wir dürften an Land, kam dann wieder eine WhatsApp von einer Dame der PDI. Sie macht unsere Einreise gerade online, sie bräuchte nur unsere Dokumente geschickt, dann wäre alles klar und wir können uns gerne frei bewegen. Von der SAG haben wir nie was gehört – stört uns aber auch nicht. Wichtig ist, daß wir offiziell eingereist sind. Wir haben diesmal zwar keinen Stempel im Pass, aber ich habe es schriftlich.

Jetzt bin ich inzwischen im Besitz von 4 WhatsApp-Nummern von Mitarbeitern der Behörden von Rapa Nui – Toll!!!

Ja, unser erster Besuch in Hanga Roa war spannend. Wir wussten ja im Vorfeld, daß die Einfahrt in den Minihafen interessant werden würde, da man hier mit der Welle „reinsurfen“ muß. Als wir uns mit dem Dinghi genähert haben, haben wir erst einmal versucht, zu erkennen, wo man denn eigentlich reinfahren muß. Als wir da so rumgekringelt sind, haben wir schon Pfiffe gehört und es kam dann auch ein Fischerboot herausgefahren, das uns gewunken hat. Auch fuhr gerade ein Tauchschulboot hinein und uns wurde zugewunken, in dieser „Spur“ zu fahren. Jetzt wussten wir, wo es lang geht und wir konnten gut mit der Welle reinfahren. Rein geht ja – aber wie wird das mit raus?

Ja, das hat dann auch geklappt. Da muß man wirklich warten und dem Motor dann die Sporen geben, wenn es von der Welle her passt. Es kommen immer ein paar dicke Dinger hintereinander und dann ist etwas Luft. Dann Gas geben und schauen, daß man über die einlaufenden Wellenberge drüber “hüpft“, bevor die sich brechen und dann wieder Gas bis zum nächsten Wellenberg. Als wir das erste Mal raus gefahren sind, haben sich auch gleich wieder ein paar von den Fischern auf die Mole gestellt und uns zugerufen, wann wir starten sollten – aber das hatten wir dann schon selbst herausgefunden und Jochen hat uns da sehr gut rein- und wieder rausgebracht.

Hanga Roa ist ein nettes Örtchen – voll touristisch natürlich. Unser erster Stopp war auch direkt die Eisdiele am Hafen. Gott, war das köstlich. Sonne, warm und ein Eis. Was gibt es besseres?

Wir haben uns auch gleich mit jemanden aus der örtlichen Tauchschule unterhalten, der uns auf einige Dinge hingewiesen hat wie Essen, Supermarkt, etc. Heute ist ja das Versorgungsschiff da und wird abgeladen, was wir ja von unserem Boot aus schon beobachtet haben. Daher sind jetzt wieder alle Vorräte in den Lagern aufgefüllt und eine gute Zeit, um einkaufen zu gehen, wenn man etwas benötigt. Das Schiff kommt nur einmal im Monat vorbei.

Der Liegeplatz hier in Hanga Roa – naja. Der Anker hält super auf 20 Metern. Aber was für ein Gerolle und Geschaukel. Wir befinden uns ja jetzt auf der Westseite der Insel und da kommt halt die Pazifikwelle an, die sich über laaange Zeit aufbauen kann und hier aufläuft. Wenn dann noch der Wind aus einer anderen Richtung weht und das Schiff daher quer zur Welle steht, ist das sehr unangenehm. Ich habe da bevorzugt wieder einmal am Boden vor unserem Motorraum geschlafen – der tiefste und ruhigste Punkt im Boot.

Wir haben uns dann auch einen Tag einen Leihwagen genommen. Die Idee war eigentlich ein Motorrad, aber das kleinste Auto (4×4) war nur 5 Euro teurer, als ein Motorrad das verfügbar ist. Ja, da nehmen wir doch gleich das bequemere Vehikel; haben so unsere Wäsche in die Wäscherei gefahren und sind einmal komplett um die Insel gefahren und alle Sehenswürdigkeiten (von außen) angesehen.

Am nächsten Tag wollten wir am Morgen noch eine kleine Wanderung zum Vulkankrater in Hanga Roa unternehmen und am Nachmittag auf die Nordseite der Insel verlegen, da am Wochenende starker Südwind ansteht und der Platz hier richtig ungemütlich wird. Leider war an ein Anlanden mit dem Dinghi heute nicht zu denken. Nachdem wir es endlich ins Wasser gebracht hatten – was eine enorme Anstrengung bei den Bedingungen ist – und Richtung Zufahrt gefahren sind, war uns die Brandung dann doch zu heikel. Ich habe mich da verweigert! Reinsurfen wäre ja vielleicht noch gegangen, vielleicht!!!; aber wieder rausfahren? Keine Chance. Also zurück ans Boot, Dinghi hinten anbinden, zum Aufholen viel zu wellig, nix wie Anker hoch und losfahren, um aus diesem Wellenchaos weg zu kommen.

Ich habe dann per Funk mitgeteilt, daß wir verlegen und gerne nach Anakena mit seinem schönen Sandstrand in einer geschützten Bucht im Norden möchten. Nicht möglich! Anakena ist nicht mehr erlaubt. Es gibt neben Hanga Roa nur noch 3 weitere Buchten, in die wir dürfen. Das sind die beiden im Süden und noch La Perouse, eine kleine Fischeransammlung im Nordosten. Also fahren wir nach La Perouse und uns gefällt es hier ausgesprochen gut. Wesentlich ruhigeres Liegen als in Hanga Roa und sehr nette Menschen.

Wir sind ja gleich mal an Land gegangen und haben uns umgeschaut. Im Hafen gleich direkt einem knurrigen Fischer in die Arme gelaufen, der eigentlich sehr nett ist, wie sich später noch herausstellte. (ich verstehe ihn nur leider wieder gar nicht bei seinem Slang). An einem Garten unterhalten wir uns kurz mit Haki und Hannah, die gerade Ihr Feld mit Mais in reiner Handarbeit bestellen. Von Haki bekommen wir dann auch gleich eine kleine Staude Bananen geschenkt. Uns gefällt es hier!!

Am nächsten Tag machen wir uns morgens auf den Weg, wir wollen heute einmal auf den Vulkan im Osten hochlaufen. Zunächst geht es noch die Straße entlang und dann biegen wir ab auf einen Feldweg und querfeldein den Berg hoch. Eine atemberaubende Aussicht von dort oben über die Insel und die Buchten. Auch unsere Dicke ist noch auszumachen in der Entfernung. Rapa Nui ist ja eine sehr öde Insel mit nur wenigen Bäumen und eher niederer Vegetation. Auf dem Weg nach oben finden wir eine Baumgruppe und ich würde gerne eine kurze Rast im Schatten machen. Tja, leider belegt von einer Kuhherde, die uns argwöhnisch beäugen. Die leben hier ja eher wild und sind Menschen nicht gewohnt. Also halten wir uns nicht lange auf und der Weg geht weiter nach oben.

Als wir wieder zurück in La Perouse sind, sitzen dort ein paar Einheimische und trinken ihr Bier und Wein. Wir werden spontan dazu eingeladen und wir setzen uns dazu. Als mir Wein angeboten wird und ich sage, ich müsste erst einmal etwas essen bevor ich mit Wein anfange, kommt Juliana gleich darauf mit einem Teller mit leckerem Thuna-Ceviche, Reis und Salat. Jochen bekommt auch gleich wieder „Medizin“ angeboten, in Form eines Joints, die er dankend ablehnt. So sitzen wir mit den einheimischen Fischern, verstehen nicht viel, da Rapa-Nui-Spanisch schwer zu verstehen ist, haben aber trotzdem Spaß und einen netten Abschluß für diesen Sonntag. So nun kennen wir den knurrigen, netten Arturo auch mit Namen 😊

Inzwischen sind wir auch nicht mehr das einzige Boot hier. Auch das Kriegsschiff und das Versorgungsschiff aus Hanga Roa haben hierher verlegt. Also verkriechen die sich auch vor dem unangenehmen Wetter.

Am nächsten Tag bleiben wir mal schön auf dem Boot, harren des Südwindes, ruhen uns aus und nehmen den Wäschewechsel in Angriff. Wäschewechsel??? Ja, unsere ganzen dicken Winterklamotten können wir ja jetzt endlich aus dem Schrank schaffen und nur noch die leichten Sommersachen herausholen. Da wir die Wäsche, die wir nicht brauchen, in Vakuumbeutel verpacken, räumen wir heute um. Dicke Bekleidung rein in die Beutel, Staubsauger dran und weg in die tiefsten Ecken des Schiffes. Nun ist auch wieder etwas mehr Platz im Kleiderschrank, wenn da nicht so viele dicken Pullover drin sind. Und auch die Daunenjacken sind jetzt aus dem Salon und von den Kleiderhaken verbannt. Ich will jetzt lange, lange Zeit nichts mehr davon brauchen.

Tags darauf wollen wir zum Strand nach Anakena laufen. Einen Teil der Strecke fahren wir als Anhalter auf einem Pick-up mit und laufen dann die Küste entlang, vorbei an einem anderen kleinen Strand, hoch über die Klippen bis rüber nach Anakena. Dort auch ein kurzer Small-Talk mit einer Tauchschule, die dort ins Wasser geht. Ja, normalerweise tauchen sie ja in Hanga Roa – aber da ist jetzt so eine starke Welle, drum sind sie hier. Ach?!?! Jaja, das verstehen wir 😊

an diesen netten Strand auf dem Weg nach Anakena sind wir einen Tag später nochmals mit dem Dinghi gefahren

Der Strand ist heute gut besucht, es sind definitiv mehr Leute da als vor ein paar Tagen, als wir mit dem Auto hier waren. Aber er ist auch toll. Feinster Sand, glasklares Wasser und einem Aussichtspunkt, der den Namen „Mirador Veleros“, also Aussichtspunkt Segelboote heißt…Nur Segelboote gucken darf man hier nicht mehr, es darf ja keines mehr ankern😉

Zum Mittagessen gönnen wir uns einen Restaurantbesuch hier, das haben wir uns jetzt aber mal verdient. Nicht günstig, aber sein Geld definitiv wert. Sehr große Portionen mit sehr gutem Geschmack. Ich hatte ein Thunasteak mit Maracujasauce und rustikalem Kartoffelpüree (Püree mit Zwiebeln u.a. drin) – so was von lecker.

Danach geht es nochmals etwas an den Strand, bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen. Diesmal die Straße entlang und es dauert auch nicht lange, bis uns ein Auto mitnimmt und in La Perouse absetzt.

An der Straße nach La Perouse ist einmal eine „Anlage“, in die man ohne irgendetwas reinkommt. Wir waren aber auch die Einzigen dort. Pedroglyphen – in Fels geritzte Bilder

Die nächsten Tage verbringen wir auf dem Boot, erst ist es recht windig, dann nur den ganzen Tag bewölkt. Wir erledigen ein paar Kleinigkeiten am Schiff, ansonsten genießen wir das nichts tun. Eines Morgens klopft es am Boot, einer der Fischer ist zu uns gekommen und schenkt uns einen Teil von seinem Fang. Drei Barracudas und ein Stück vom Lachs sind jetzt unser eigen, Muchas Gracias. Wir machen uns im Anschluss darüber schlau wie es hier mit der Ciguatera aussieht. Das ist ein Gift, das die Fische in sich tragen, für jene ungefährlich, für uns kann es weitreichende Folgen haben, mit der man sehr lange zu kämpfen hat. Aber Rapa Nui ist wohl noch von dem Gift verschont. Es wird eigentlich von den Fischen über die Korallen aufgenommen und ist bei denen am Ende der Nahrungskette in konzentrierter Form enthalten, sprich der Barracuda ist da ein sehr heißer Kandidat, der das Gift enthalten kann. Ja und wenn die Einheimischen den verzehren, können wir das eigentlich auch bedenkenlos tun, ein guter Indikator. Schließlich stellt sich ein Wetterfenster in Aussicht, das uns ermöglicht weiter zu ziehen. Am Samstag fahren wir mit Fred nochmal in den kleinen Fischerhafen mit etwas Proviant im Gepäck, mal schauen ob unsere Fischer anzutreffen sind um sich von jenen zu verabschieden. Sie sitzen schon einträglich beieinander und genießen ihr Wochenende, wir setzen uns dazu und feiern etwas mit. Am späten Nachmittag kommt dann der Abschied und wir ziehen uns auf das Boot zurück. Da die letzten 2 Tage Flaute war, könne wir uns wieder nach Hanga Roa verlegen, die Welle die sich auf der Südseite aufgebaut hatte, von der wir hier überhaupt nichts merken, sollte sich wieder gelegt haben. Wir müssen die ersten Vorbereitungen treffen und die Abfahrt organisieren. So wird schließlich mit den Behörden ein Termin vereinbart, denn die wollen nochmal auf´s Boot kommen um es zu inspizieren. Bis wir dann den Anker auf unserer alten Position fallen lassen ist es Sonntag Mittag, genau richtig um das Endspiel um die Basketball- Europameisterschaft zu schauen. Wir fiebern eifrig mit und bejubeln schließlich unsere deutsche Mannschaft als neue Europameister. Im Anschluss geht es nochmal auf Landgang um den Einkauf im Supermarkt zu erledigen, was gemacht ist, ist gemacht. Am Montag früh dann nochmals an Land für den örtlichen Markt, hier versorgen wir uns dann mit Obst und Gemüse. Kaum zurück am Boot macht sich Jochen auch gleich auf, um die Behörden im Hafen abzuholen, ihr Boot funktioniert im Moment nicht. Der Papierkram wird noch an Land erledigt, bevor es mit drei weiteren Personen zurück zur Josa geht. Mit insgesamt vier erwachsenen Personen kommt Fred natürlich nicht ins Gleiten, die Überfahrt dauert dann halt etwas länger, aber da die Bedingungen ruhig sind, ist das auch kein Problem. Einem der drei ist das übersteigen wohl nicht ganz geheuer, er bleibt im Beiboot sitzen. Mit einem der anderen beiden unterhält sich Jochen im Cockpit sitzend über unsere Reise, der Dritte ist mit mir unter Deck und checkt eigentlich nur unsere Medikamente, die wir dabeihaben, das wars. Wahrscheinlich wollten sie nur mal wieder aus dem Büro raus. Dann bringt Jochen die Jungs wieder zurück an Land und holt mich anschließend ab, wir wollen nochmal an Land und uns die Beine vertreten, bevor wir wieder ans Boot gefesselt sind. Wir beschließen noch unser letztes Bargeld in ein Stück Kuchen zum Mittag und für den Nachmittag in einem Restaurant umzusetzen. Gegen 18 bis 20 Uhr soll dann der Wind einsetzen, mit dem wir dann unsere Reise fortsetzen wollen. Als wir gegen 17 Uhr unseren Tisch verlassen sind auch schon die ersten Anzeichen zu spüren – das ist Timing. Zurück am Boot muss „nur noch“ der Außenborder und Fred seefest verstaut werden, immer wieder eine aufwendige Aktion. Und so verlassen wir nun endgültig Chile!

Adios Chile, Adios Rapa Nui

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Pazifik wir kommen

Es ist definitiv Murphy’s Gesetz, daß nie etwas so läuft wie von uns so schön geplant.

Plan A: wir machen am Montagmorgen die Behördengänge, fahren am Nach-mittag noch raus in die Bucht, ankern dort, ich koche vor und wir fahren Dienstagmorgen gut ausgeruht los. Der erste Teil mit den Behörden funktionierte noch. Dann kam aber die Ansage, daß der Hafen bis 24 Uhr gesperrt ist wegen dem Wetter. Wir dürfen die Marina nicht verlassen. Außerdem käme die Armada noch auf das Boot zum Sicherheitscheck. Am Dienstag um 14 Uhr.

Plan B: gut, dann kann ich Dienstagmorgen vorkochen, und wir kommen gegen 15 Uhr raus.

Wer um 14 Uhr nicht da war, war die Armada. Dafür 2 Personen vom Zoll zum Tschüss sagen. Raul hat dann ab 15.30 Uhr das Telefonieren begonnen. Natürlich erst ewig bandansagen, bis er jemanden erreicht hat. Die wußten von nix. Die Dame im Office hat keinen Vorgang an die „Operation“ gemeldet. Aber uns eine Zarpe für Montag ausgestellt….

Bis die Truppe dann da war, war es 16 Uhr. Sehr nette, liebe Menschen. Eine neue Zarpe für Dienstag ausgestellt, weil die für Montag ja falsch ist, Eintrag ins Departure-Buch, keine Inspektion, eine Umarmung und schon fertig.

Nochmals eine dicke Umarmung für Raul und los geht es. Wir haben Ebbstrom, also schiebt uns dieser schön mit und wir kommen rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit aus der Flusslandschaft und können, etwas später, zugleich unseren ersten Sonnenuntergang bestaunen. In der ruhigen Bucht setzen wir noch das Großsegel, als es auch schon etwas ruppig wird. 3 Knoten Ebbstrom gegen auflaufende Dünung und Wind. Was gibt das? Kabbelige See, Wellenstampfen der Extraklasse. Aber das dauert nicht lange an und es beruhigt sich wieder, als der Ebbstrom seine Wirkung verliert. Wir hatten gleich mal vorsorglich ein paar Tabletten gegen Seekrankheit eingeworfen, die letzten Wellen auf dem Boot sind schon eine Weile her und sicher ist sicher. Zunächst fahren wir noch unter Motor, weil der Wind einfach zu schwach ist. In der Nacht können wir diesen aber abstellen und uns vom inzwischen eingetroffen Südwind schieben lassen. Zunächst noch sehr gemächlich mit 3- 4 Knoten Fahrt und gelegentlichem Segelschlagen, später aber dann machen wir gut Fahrt und rauschen mit 7- 8 Knoten dahin. So kann es weitergehen. Nix los auf dem Pazifik, lediglich 2 Schiffe sind in dieser ersten Nacht auszumachen. Ansonsten Sternenklar, der Mond geht erst nach Mitternacht auf, bis dahin kann man trotz der Lichtverschmutzung vom Land doch schon einiges sehen.

das letzte mal Festland im Blick für sehr lange Zeit

Tag 2 Mittwoch, 13.08.

Die Rauschefahrt geht weiter und wir reiten auf den Wellen. In den ersten 24 Stunden haben wir ein Etmal von 138 sm erreicht. Nicht schlecht, dafür daß wir mit Motor gestartet sind und mit 120 sm kalkulieren. So kann es bleiben.

Wir wackeln uns durch den Tag und durch die Nacht. Manchmal nimmt der Wind etwas ab, dann Rollen wir wieder mehr durch die Wellen und die Genua fängt das Schlagen an. Schließlich fahren wir etwas mehr in den Wind, um das zu vermeiden und ändern es wieder, wenn der Wind wieder zulegt. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir einen Biss an der Angel. Wir bereiten uns vor und Jochen fängt an, die Leine einzuholen. Da zieht etwas ordentlich oder liegt es an unserer Geschwindigkeit? Nichts desto Trotz, leider befreit sich der Fisch wieder und der frische Fisch für die Kombüse muss noch etwas warten. Sonst keinerlei Vorkommnisse oder Schiffssichtungen. Einmal kurz Starlink anwerfen, Geburtstagsgrüße nach Deutschland versenden, Wetter checken und das war es dann für heute. Die Nacht ist wieder klar, diesmal schon weitgehend ohne Lichteinfluss von der Küste und so ist der Sternenhimmel zu bestaunen, der Mond kommt erst wieder nach Mitternacht und fängt an das Wasser in eine Spiegelfläche zu verwandeln.

Ich lege mich ins Bett, löse den Skipper um 0 Uhr ab und ein neuer Tag kann kommen.

das weite Blau

Tag 3 Donnerstag , 14.08.

Nachdem Jochen mich um 6 Uhr abgelöst hat, lege ich mich nochmals auf´s Ohr. Beim Aufstehen erwartet mich schon strahlender Sonnenschein und ein Skipper, der freudig sagt, daß wir etwas arbeiten könnten??? Ach so, er will eine Halse fahren, um einen besseren Kurswinkel zu fahren. Wenn es mehr nicht ist. So sitze ich jetzt im Cockpit, fange das erste Mal seit langem das Schwitzen an, starre ins Blau während der Skipper Schlaf nachholt.

Bei der Halse stellten wir fest das die Schotwinsch sehr schwergängig geht, nach einer weiteren Halse und damit nicht mehr im Gebrauch, wird diese abgebaut und zerlegt. Durch den vielen Nichtgebrauch und etwas eindringendem Wasser waren die Gleitflächen korrodiert. Einmal gereinigt und gefettet läufts jetzt wieder. Etmal heute 139 sm

Dasselbe Prozedere wie sonst auch: nach dem Essen gehe ich ins Bettchen und löse den Skipper später wieder ab. Meine Schicht war sehr unleidlich und ich hatte gut zu tun. Der Wind schlief ein, so daß beide Segel das Schlagen anfangen. Wie üblich habe ich mir das eine Zeitlang angehört, vielleicht ist es ja nur eine Verschnaufpause. Nachdem diese aber nicht aufhörte, habe ich den Motor gestartet, die Genua eingeholt und das bislang ausgebaumte Großsegel in die Mittelstellung gebracht. Eine Stunde später das Ganze wieder zurück, der Wind ist wieder da. Genua raus, Großsegel mit Bullenstander ausbaumen, Motor aus. So, diese beiden Vorgänge wiederholen wir eine Stunde später nochmal.

dem Skipper war sowieso gerade langweilig 😉

Tag 4 Freitag, 15.08.

Als ich Jochen gegen 7.30 Uhr wecke, um ihn zum Wachwechsel zu animieren, hat sich der Wind wieder gefangen und während ich nach dem frühstücken nochmals an der Matratze horche, kann Jochen wieder mit 7 Knoten gut Fahrt machen. Doch leider schläft der Wind wieder mal ein und fängt auch noch an, sich hin und her zu drehen. Also fahren wir Halsen, holen die Genua runter, wieder hoch. Jochen überlegt dann schon, ob wir den Spibaum anbringen und die Genua damit ausbaumen – möchte ich jetzt eigentlich nicht; auf dem Vordeck bei der Welle rumturnen, um vielleicht ein besseres Ergebnis zu erzielen. Irgendwann ist uns das Geschlage zu nervig und beide Segel werden eingeholt und der Motor angeworfen. Laut Wetterbericht soll später wieder Wind kommen….

Er kam dann auch, aber auch nur gering, so daß wir jetzt nur mit Genua fahren. Die steht ohne Großsegel einigermaßen gut und wir kommen auch voran. Zwar nicht so schnell wie mit beiden Segeln, aber dafür ohne nervenaufreibenden Getose unseres Großsegels mit seinen Segellatten. Der Wind hält dann auch länger an wie gedacht und wir können bis in die Morgenstunden langsam aber stetig Strecke machen. Irgendwann in der Nacht wirft Jochen den Motor an und nutzt die Zeit zusätzlich, um nochmals Trinkwasser zu produzieren.

Etmal 123 sm, also unser üblicher Schnitt

Tag 5 Samstag 16.08.

Um 6.30 Uhr löse ich Jochen ab und er geht nochmals ins Bett. Als dann der Morgen graut, kann ich auch schon schemenhaft unter den Wolken eine Erhebung ausmachen. Land in Sicht! So langsam nähern wir uns an und aus dem Schemen werden klarere Konturen. Leider ist es sehr bewölkt und grau in grau, aber es ist trocken und nicht kalt. Anscheinend haben wir es jetzt wirklich geschafft, aus diesem Dauerregen herauszukommen. Die gesamte Überfahrt sind wir trocken geblieben und haben nicht wirklich stark gefroren. Es wird. Gegen 8 Uhr höre ich nun auch wieder Funkverkehr auf Kanal 16, die gesamte Strecke seit Valdivia war hier überhaupt nichts zu hören.

Land in Sicht

Und nun einmal eine kleine Abhandlung zur Robinson Crusoe Insel, da die so ja eigentlich kein Mensch kennt, außer aus dem Roman Robinson Crusoe:

Diese Insel gehört heute zu Chile und wurde im 16 Jahrhundert von spanischen Seefahrer Juan Fernandez entdeckt. Im 17. Jahrhundert war sie ein berüchtigter Piratenunterschlupf und wurde von den Briten besucht. Der Matrose Alexander Selkirk wurde hier auf der Insel von seinem Schiff ausgesetzt und kehrte erst nach über 4 Jahren nach London zurück. Die Erzählungen von Selkirk inspirierten den Schriftsteller Daniel Defoe zu seinem berühmten Roman.

Heute gibt es auf der Insel nur einen einzigen Ort, einen kleinen Flugplatz und nur unbefestigte Wege. Das beste Transportmittel ist heute noch das Boot, um einzelne Plätze zu erreichen. Die Insel ist touristisch erschlossen, ist sie doch ein Naturparadies, in der man tauchen, schnorcheln, wandern und reiten kann. Es gibt zahlreiche endemische Pflanzenarten, sowohl über als auch unter Wasser.

In der Bucht Cumberland liegt das deutsche Kriegsschiff „Dresden“, das der Kapitän hier während eines Gefechtes im 1. Weltkrieg mit den britischen Schiffen „Glasgow“ und „Orama“ selbst versenkt hat um es nicht in feindliche Hände zu geben. So, daß musste jetzt mal gesagt werden 🙂

Schließlich melden wir uns kurz vor Erreichen der Bucht selbst über Funk bei der Armada, um unsere Ankunft anzuzeigen. Es werden ein paar Informationen abgefragt und wir sollten auf dem Schiff bleiben bis die Kollegen der SAG (Lebensmittelbehörde) uns besucht haben; kein Problem. So fahren wir in die Bucht ein und legen an einer der freien Bojen an, da der Ankergrund sehr schlecht und tief ist. Für den kommenden auflandigen Wind in der Nacht mit Sicherheit die bessere Wahl. Es kommen auch ein paar Einheimische vorbei und begrüßen uns sogleich. Dann funkt uns die Armada erneut an, wir dürfen nicht an Land kommen. Wir hätten ja schon in Valdivia ausklariert und eine Immigration zum einklarieren gibt es hier nicht.

Wie BITTE???!!!

Wir haben von der Behörde in Valdivia eine Zarpe bekommen mit der Genehmigung für die Insel. In der Vergangenheit war es so, dass Segler, die auf der Durchreise waren, ohne Schwierigkeiten die Insel besuchen konnten, obwohl sie bereits offiziell aus Chile ausgereist waren; wieso wir wieder nicht? Die Beamten vor Ort wechseln hier jedes Quartal, und der jetzige scheint es wohl sehr genau zu nehmen. Von einem weiteren Einheimischen, der vorbeikommt, erfahren wir, daß der Beamte der Armada nur in Valdivia anfragen müsste, um uns den Zutritt an Land zu genehmigen. „Dazu hat er wohl keine Lust“, wie unser Gesprächspartner schmunzelt.

Hilft alles nix, er sitzt am längeren Hebel. So bleiben wir auf unserem Schiff sitzen und planen die Weiterreise auf die wir wohl noch wetterbedingt zwei Tage warten müssen. Jetzt habe ich Euch oben schön was von der Insel erzählt und kann das Ganze leider nicht mit den entsprechenden Fotos unterlegen. Gerne wären wir zur Höhle gewandert, in der die hier angelandeten Schiffbrüchigen etc. Unterschlupf gefunden hatten….

Nun ist Sonntag Abend und wir fahren morgen gegen Mittag los in Richtung Rapa Nui, der Osterinsel. Diese gehört auch noch zu Chile, hat aber zum Glück eine PDI zum Ein- und Ausklarieren. Wir hoffen, daß uns dort das Wetter gut gesonnen ist und wir ruhig ein paar Tage vor Anker liegen können.

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Santiago und Valparaiso

Da sich noch immer kein Wetterfenster aufgetan hatte und Raul für ein paar Tage nach Santiago musste, haben wir uns entschlossen, auch noch etwas im Land zu reisen. Jochen hatte schon Flüge recherchiert, aber wir haben uns dann Raul angeschlossen, um mit dem Nachtbus nach Santiago zu fahren. Dann wollen wir doch mal diese Busse mir ihren Schlafsitzen ausprobieren. Ja, die sind echt bequem und ich Kurzbeiner kann auch voll ausgestreckt waagerecht liegen. Wenn die Straßen etwas besser wären, hätte man auch sicherlich gut geschlafen. Es ist definitiv eine gute Art zu reisen. Man fährt um 21 Uhr ab und kommt (ausgeschlafen) um 7.30 Uhr in 1000 km Entfernung an. Vom hiesigen Busnetz kann sich Deutschland ein Scheibchen abschneiden.  Für diese Fahrt zahlt man zwischen 20 und 40 Euro, je nach Klasse, die man wählt. Die Überlandbusse fahren im Halbstundentakt und es gibt etliche Anbieter für alle Preiskategorien. Flixbus ist hier jetzt auch vertreten. Dies haben wir von Santiago nach Valparaiso ausprobiert.

so großzügig kann Busfahren sein

So sind wir also am Samstagmorgen um 7.30 in Santiago angekommen,  haben uns von Raul verabschiedet und einen Uber zu unserem Hotel mitten in der Stadt genommen. Und wir haben um diese Uhrzeit wirklich schon unsere vorab gebuchten Zimmer bekommen. So konnten wir unser Gepäck loswerden, uns nochmals frisch machen und sind losgezogen, um ein Frühstück zu erstehen. Dieser Tag war noch sehr kalt, wir sind dennoch gleich durch die Stadt marschiert und haben uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angesehen. Am Abend ging es nur noch schnell bei einem indischen „Straßen „-Restaurant zum Essen und dann: nur noch schlafen.

Am Sonntagmorgen sind wir um 10 Uhr losgezogen. Der Plan war zunächst durch die Stadt und eine große Mall zu schlendern, bis es ab Nachmittag Sonne geben soll, um den Hügel in der Stadt zu erklimmen. Da haben wir wieder mal vergessen, daß ja Sonntags hier auch keine Malls geöffnet sind. Also doch gleich zum Cerro Santa Lucia und diesen besucht. Ein toller Hügel mitten in der Stadt mit alten Fort-Resten, einem Neptunbrunnen und schönen Ecken und Aussichten. Bei unserem Mittagssnack kam dann die Entscheidung, daß wir am Nachmittag eine Free-Walk-Tour mitmachen. Hier würden wir zwar alles schon Gesehene nochmals in 3 Stunden ablaufen, erhalten hierzu aber entsprechende Infos.

Den Zeitraum bis dahin haben wir im Nationalmuseum verbracht – der Eintritt ist kostenlos und dieses liegt genau am Meetingpoint. Auch sehr interessant, aber die meisten Infotafeln (fast alle) sind leider wieder nur auf Spanisch. Das ist mir dann doch zu mühsam, bis ich das alle gelesen und für mich übersetzt habe. Aber sehr sehenswert.

Die Tour war dann auch sehr schön, aber sehr Politik-lastig, da der Guide Hector wohl Politikanalyst oder so etwas ähnliches ist. Er hat die komplette chilenische Entwicklung erklärt mit Spanien/Ureinwohner (Mapuche)/Diktatur/Demokratie etc. Sehr interessant, aber kaum im Gedächtnis zu behalten für längere Zeit. Wir wissen jetzt auf alle Fälle, daß Chile schon viel mitgemacht und erlebt hat. Zum Abschluss seiner Tour waren wir dann nochmals auf dem Cerro Santa Lucia zum Sonnenuntergang. An diesem Tag auch wieder ordentlich Kilometer mit den Beinchen abgespult. Gott war ich froh, als ich diese endlich heiß duschen und dann hochlegen konnte. Nix mehr gewohnt, diese Segler!

Tag 3 – der Montag soll schönstes Wetter bringen. Also geht es zum Cerro San Cristobal mit seiner großen Jungfraustatue auf dem Gipfel. Wir laufen hoch (die Bahnen fahren am Montag eh nicht; es gibt eine Zahnradbahn und eine Seilbahn). Leider hat der japanische Garten am Berg auch geschlossen, aber der botanische hatte geöffnet – kostenlos. Sehr nett angelegt mit den Pflanzen Chiles, aufgeteilt in einen „Nord“- und „Süd“-Teil. Sind halt doch sehr unterschiedliche Vegetationszonen. Hier kann man schön Zeit verbringen evtl. mit einem gemütlichen Picknick und die verschiedenen Pflanzen bestaunen.

Danach noch am historischen Observatorium vorbeigeschaut, dieses hat jedoch nur am Wochenende geöffnet. Schade – aber das wussten wir vorher schon. Am Gipfel dann eine schöne Kirche, die Jungfrau und wieder eine tolle Aussicht auf die umliegenden Andengipfel bei bestem Wetter: T-Shirt!!!!! Der Rückweg führt uns durch das „In-Viertel“ mit wirklich schönen Grafittis, Häusern, Bars und Restaurant.

Jetzt hatten wir alles gesehen, was wir im Vorfeld geplant hatten (arg viel mehr gibt es in Santiago wohl auch nicht zu sehen). Also steht einer Abreise morgen via Flixbus nach  Valparaiso nichts mehr im Weg.

Am Dienstagmorgen beim Frühstück noch geschwind das Hotel gebucht, um dann mit der Metro zum Busterminal zu fahren. Hier am Schalter die Fahrkarte mit nicht mal 4 € pro Nase gekauft und schon sitzen wir 10 Minuten später im Bus. Das nennt man Timing – oder Glück. 4 € für 2 Stunden Bus – was würde das wohl bei uns kosten?

Angekommen in Valparaiso essen wir kurz etwas, um dann mit dem Uber zum Hotel zu fahren. Ein schönes Hotel in einem alten Herrenhaus am Hügel mit toller Aussicht über die Bucht – siehe Fotos. Wie es scheint, sind wir momentan die einzigen Gäste und Christian, der Inhaber ist sehr zuvorkommend und gibt uns gleich Tipps, was sich anzusehen lohnt. Auch weißt er uns darauf hin, daß wir unsere Wertsachen am Körper tragen sollen, keinen Schmuck offen präsentieren und auf unsere Taschen achten müssen. Diese Ratschläge haben wir in Valparaiso insgesamt 4 Mal bekommen. Also scheint es in den Touristenecken doch etwas riskanter zu sein als in unserem verschlafenen Nest Valdivia…. Aber uns ist schon aufgefallen, daß hier sehr viele Bettler und Obdachlose unterwegs sind.

So sind wir dann auch gleich wieder den Hügel hinuntergelaufen und haben uns von den schönen Gebäuden mit den wirklich überragenden Grafitis und Wandmalereien faszinieren lassen. Und prompt: ein deutsches Cafe entdeckt mit seiner Wirtin Marion. Da müssen wir natürlich rein und was war es gut. Marion macht alles selbst, ich konnte einen Mohnkuchen genießen und Jochen einen Erdbeerkuchen!!! Und natürlich konnte ich endlich einmal jemanden in einer verständlichen Art und Weise nach den Lebensmitteln in Chile fragen: wie lange suche ich schon so etwas wie Quark oder Frischkäse a la Philadelphia hier. Nun weiß ich: Quark kennen die hier nicht, auch Molke oder ähnliche Produkte sind ein Graus für Chilenen. Aber einen Frischkäseersatz gibt es und ich konnte ein Foto davon machen. Mal schauen, ob ich den finden werde. Es ist schon merkwürdig, da gibt es so viele Rinder und Rindfleisch, aber gute Milchprodukte gibt es nicht. Selbst der Käse schmeckt für mich alles gleich.

Für den Abend haben wir uns mit Sabine und ihrer Tochter Sasanne zum Essen verabredet. Diese beiden waren im selben Bus von Santiago nach Valparaiso und wir sind beim Aussteigen ins Gespräch gekommen. So haben wir noch einen geselligen Abend verbracht. Wie es der Zufall will, ist Sabine sogar ursprünglich aus Würzburg, also quasi „Nachbar“.

Am nächsten Morgen sind wir nach dem Frühstück auch gleich wieder aufgebrochen und durch die Straßen gezogen. Wir haben eine kleine Bootstour im Hafen gemacht, von wo aus man einen guten Gesamtüberblick über die Stadt hat. Hier haben wir erfahren, daß Valparaiso auf 45 Hügel gebaut ist. OK: ich denke, daß jeder kleine Extrabuckel als separater Hügel gezählt wird. Aber es ist schon unglaublich, wie sich diese Stadt an die Hügel geklebt hat. Und die Straßen, die sich hochwinden, sind teilweise wirklich sehr steil. Nach der Bootstour haben wir die „Metro“ genommen; dies ist eigentlich eher eine Straßenbahn, heißt hier aber stolz Metro. Mit dieser sind wir zum Fischmarkt gefahren und konnten so die imposanten Pelikane aus nächster Nähe bestaunen, die hier zu Dutzenden rumsitzen und wie die Möwen und Seelöwen auf die Abfälle warten. So ein Fischereihafen ist schon bequem, da muß man nicht selbst zum fischen gehen, sondern wartet nur, bis die Fischer mit ihrer Arbeit fertig sind und schon ist man satt….

Nach dem Fischmarkt ging es noch zum Busterminal, um unsere Fahrkarten für den morgigen Tag zurück nach Valdivia zu kaufen. Den Abend haben wir bei einer leckeren Pizza beim Italiener direkt gegenüber unseres Hotels ausklingen lassen. So langsam sind wir doch schon ganz schön geschafft von den vielen Kilometern, die wir die letzten Tage gelaufen sind.

Der letzte Tag in Valparaiso: wir können unser Gepäck im Hotel stehen lassen und wir dürfen am Nachmittag auch gerne nochmals duschen, bevor wir zu unserem Nachtbus aufbrechen. Also sind wir nochmals durch die Straßen gelaufen, die wir bisher noch nicht erkundet haben; sind nochmals zu Marion ins Cafe und haben dort einen Mittagssnack zu uns genommen. Auch hier sind wir wieder auf das Thema Chile und Politik gestossen. Es ist doch faszinierend, wenn man die ganzen verschiedenen Meinungen so hört. Hier ist es momentan so, daß der Präsident nur 4 Jahre regieren darf. Eine Verlängerung ist nicht möglich. Daher wechselt momentan alle 4 Jahre die Regierungspartei…. Die einen finden es gut, die anderen schlecht; wenn wir mit noch 5 Leuten reden, werden wir wohl noch 5 Meinungen hören. Es ist wohl auf der ganzen Welt spannend und chaotisch….

Nach einer letzten guten Dusche und einer Verabschiedung von Christian ging es mitsamt Gepäck zum Abschluß noch zum Haus von Pablo Neruda (Schriftsteller) und in Richtung Busterminal. In das Neruda-Museum sind wir nicht gegangen, so interessant ist das jetzt auch nicht, wie die Wohnung von ihm aussah; das war es uns nicht wert. Das Häuschen war nett mit einem schönen Garten und natürlich Aussicht über die Bucht, Punkt, mehr gibts da nicht zu sagen. Auf dem Weg zum Bus haben wir ein peruanisches Restaurant für das Abendessen ausgewählt und haben dort die letzten Stunden verbracht.

Am Busterminal selbst war sehr viel los, aber unser Bus kam pünktlich und um 9 Uhr saßen wir in unseren Sitzen.

Es liegen 6 sehr schöne Tage hinter uns, die wir mit zum Teil tollsten Sonnenwetter verbracht haben. So aufgeheizt geht es nun wieder in das kühle und regnerische Valdivia zurück, wo wir hoffentlich nun bald die Segel setzen können.

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Valdivia

Jetzt sind wir schon über 5 Wochen hier in Valdivia bei Raul in der Roaring Forties Marina und warten auf ein Wetterfenster. Aber – man hätte es schlechter erwischen können!

Wir fühlen uns hier pudelwohl: die Lage ist einfach fantastisch im Fluß Angachilla mit einer tollen Natur drumherum, keine Lichtverschmutzung, ruhig, kein Wellengeschlage und einem Besitzer, der einfach nur toll ist.

Er hat uns schon mehrfach durch die Gegend gefahren für Besorgungen, stellt Kontakte her und hilft bei allem. Wir haben auch schon mehrfach gemeinsam zu Abend gegessen, hatten ein Barbecue, einen Videoabend mit Pizza und waren auch zusammen bei der Brauereibesichtigung. Was will man mehr? An dieser Stelle schon mal ein ganz Dickes MUCHAS GRACIAS RAÚL!!!

Wir haben zunächst gehofft, zeitnah ein Wetterfenster für unsere Weiterfahrt zu erhalten und haben uns entsprechend zügig mit Diesel und Proviant versorgt. Für die Dieselbesorgung ist Raul mit uns 3 mal in die Stadt gefahren und hatte jedes Mal den Kofferraum mit etlichen Kanistern Diesel voll. Nachdem ich meine Liste für den Proviant zusammengestellt hatte, haben wir beschlossen, daß wir uns hierfür einen Leihwagen nehmen – das wollen wir Raul nicht antun. Als Leihwagen mußte es ein 4-Rad-Antrieb sein, da die Zufahrt zur Marina doch recht steil und „geländig“ ist. Und nun mal zum Thema Proviant – diese Frage wurde mir schon gestellt: wie viel nimmt man da mit?

Ja, das Thema ist ein großes Thema. Im Vorfeld unserer Reise habe ich etliche Blogs und Berichte gelesen, Vorträge angesehen etc. Ich bin ja bekanntermaßen nicht die Premium-Hausfrau, die das alles mit links macht. Der Tipp, der für viele hilfreich ist – „schreibt zu Hause auf, was Ihr so über einen längeren Zeitraum von 4 – 8 Wochen verbraucht und rechnet das dann hoch“ – hilft uns halt so leider gar nicht. Wie soll ich einen Lebensmittelverbrauch aufschreiben, wenn der Herr des Hauses die Woche über auf Montage ist und meine Ernährung dementsprechend „Single-gemäß“ ist. Also eher mal ein Gries- oder Reisbrei, eine gute Suppe (bin ja eh ein Suppenkaspar) oder ein „ich schnorr mich mal irgendwo durch“…

Hatten wir doch schon in Mar del Plata in Argentinien ordentlich Vorräte gebunkert für einen geplanten Zeitraum von 3 Monaten; jetzt sprechen wir aber von 6 Monaten, die wir planen. Auch hatten wir ja in Ushuaia und Puerto Williams immer noch ordentlich nachkaufen können – zwar auch teuerer, aber es ging noch. Da waren wir mal grob gerechnet, maximal 6 Wochen ohne Versorgungsmöglichkeit. Das wird jetzt so die nächste Zeit nicht mehr möglich sein bzw. wollen wir vermeiden, daß wir in Tahiti oder einer anderen Südseeinsel größere Mengen Lebensmittel kaufen müssen – dort ist alles entsprechend richtig teuer. Erst Neuseeland oder Australien würde hier wieder in angemessenen Preisen interessant werden. Auch wollen wir ja nicht unbedingt die großen und überlaufenen Plätze anlaufen, wir möchten auf die kleinen Atolle und Inselchen. Und da gibt es halt nix. Nix zu kaufen und nix an Menschen…

Also habe ich wieder einmal das rechnen und kalkulieren angefangen:

Ich muß jeden 3. Tag ein Brot backen, dafür brauche ich jeweils 700 g Mehl, plus Haferflocken, plus andere Zutaten. Dann gibt es einmal die Woche bestimmt unsere geliebten Pfannkuchen; auch ein Kuchen soll mal drin sein. Also bin ich dann bei etwa 75 kg Mehl angekommen, die ich benötigen werde.

Dasselbe Spiel für Nudeln, Reis und Kartoffeln. Hier bin ich auch davon ausgegangen, daß ich täglich 300 – 400 g benötige (ich habe in Nudelmenge gerechnet). Also haben wir mal eben 25 kg Nudeln, 10 kg Reis, 25 kg Kartoffeln gekauft. Entsprechend auch noch je 15 kg Zwiebeln, Orangen, Äpfel. Alles, was man gut länger lagern kann. Denn das Problem der Lagerung besteht ja auch noch. Momentan ist alles kühl, aber bald wird es wärmer…. Drei Tage lang habe ich eingekocht: 10 Gläser Gulasch, 15 Gläser Hackfleisch-Soße, 15 Gläser Karottensalat, 8 Gläser Apfelbrei. Wer hätte gedacht, daß ich – Sabine Bauer – einmal das einkochen für mich entdecke und anfange??? Und dazu noch Mengen an Dosen von Obst, Gemüse und sonstigem gekauft.  Irgendwann wird uns das Frischzeug ausgehen und wir wollen ja auch etwas Abwechslung haben zu dem Fisch, den wir dann hoffentlich fangen werden.

Alles in allem sind wir 3 mal mit unserem Leihwagen zu den diversen Supermärkten hier gefahren, bis alles auf unserer Dicken war. Uff!!! Und dann das verräumen! Aber, wir haben es geschafft. Jetzt muß nur noch kurz vor Abreise die restliche Frischware eingekauft werden und das, was wir bis dahin wieder aufgebraucht haben. Und dann hoffen wir, daß wir dann mal ein paar Monate ohne größere Ausgaben unterwegs sein werden. Und vielleicht halte ich dann in zwei, drei Jahren Vorträge über das Proviantieren und einkochen und ihr könnt was von mir lernen? Who knows?

So, das war die Abhandlung über das Proviantieren. Wer noch Fragen hat, bitte stellen. Ich schau dann mal, ob ich in der Seglercommunity jemanden finde, der diese fachmännisch beantworten kann 😉

Aber jetzt zurück zu Valdivia:

Unsere Marina liegt ja nicht direkt in Valdivia, sondern etwas außerhalb in einem sogenannten Condomino. Das sind Wohnanlagen mit mehreren Grundstücken, ein kollektives Eigentum. Diese sind mit Zäunen abgegrenzt, haben eine eigene Torzufahrt und meist einen Sicherheitsmitarbeiter am Tor sitzen. So auch bei uns. Diese Wohnanlagen sind hier in Südamerika (wohl auch in den USA) weit verbreitet, auch unsere argentinischen Freunde wohnen in so einer Anlage. In der Anlage selbst sind dann die einzelnen Grundstücke jeweils nochmals mit Zäunen, Toren und Gattern abgegrenzt. Eine eigene kleine Siedlung. Unser Condomino „Ribera del Miraflores“ ist sehr nett und wir müssen bis zum Tor etwa 20 Minuten laufen. Aber direkt vor dem Tor kommt der Bus vorbei, der uns in die Stadt bringt. Wir sind kurz vor der Endstation dieser Buslinie. Auch kommt der Bus hier im 5- bis 10-Minuten-Takt, also super für einen Ausflug in die Stadt. Unsere Buslinie fährt von hier bis in die Stadt, darüber hinaus bis nach Niebla. Wir könnten also für den Preis von ungefähr 0,70 € eine Strecke von etwa 25 km zurücklegen. Von Niebla erzähle ich gleich noch etwas.

Valdivia liegt in einer tollen Gegend und auch die Stadt hat nette Ecken. Man merkt aber nicht, daß man in einer Großstadt ist. Sie hat doch eher den Flair einer Kleinstadt. Valdivia hat Stand 2017 etwa 150.000 Einwohner und wurde ab 1846 stark von deutschen Einwanderern besiedelt und ist daher auch bekannt für die erste Brauerei Chiles (damals Anwandter, heutiger Name Kunstmann Brauerei – siehe weiter unten). Ebenso bekommt man hier leckere Kuchen und Torten, was den deutschen Einwanderern geschuldet ist und uns bereits in Puerto Williams mitgeteilt wurde. 1960 gab es hier ein schweres Erdbeben und ein Tsunami traf die Stadt, was hier sehr viel zerstörte. Sie war eine bedeutende Stadt der Spanier hier am Pazifik und eine Festung im Kampf gegen die Ureinwohner, die Mapuche. Der Zugang zum Pazifik wurde durch diverse Festungen rund um die Bahia Corral verteidigt, wobei es für einlaufende Schiffe eigentlich keinen Korridor gab, in dem es nicht von einer Kanonenkugel erreicht werden konnte. Ein faszinierendes Bollwerk. Wir haben uns die Festung in Niebla angeschaut, als wir noch unsere Leihwagen hatten und mit den Einkäufen fertig waren. Leider war es an diesem Tag sehr neblig und wir konnten nicht weit sehen, so daß wir die Bucht nicht überblicken konnten. Hier sei mal angemerkt, daß Niebla ja auch auf spanisch Nebel heißt….Das Fort selber war jedoch schon beeindruckend. Dies war in den Fels (Sandstein) gebaut, so daß es sehr geschützt war und auch die Pulvervorräte und sonstiges gut gesichert unter Fels gelagert werden konnte. Im Fort selber haben wir Mito getroffen. Mito ist ein Lama, das hier für die Rasenpflege zuständig ist 😊 So etwas könnte ich mir in meinem Garten auch vorstellen.

Wir sind dann mit Raul nochmals hierhergekommen bevor wir zu unserer Brauereibesichtigung gefahren sind. Es war tollstes Wetter, sonnig, blauer Himmel mit Weitsicht. Und? Es war Montag…und Sonntag und Montag ist das Fort geschlossen, wie so viele andere öffentlichen Gebäude hier. Naja – wir sind ja noch etwas da und werden wohl nochmals mit dem Bus kommen. Nachdem wir ja dann noch Zeit hatten bis zu unserer Tour in der Brauerei sind wir dann noch etwas an der Küste entlanggefahren und Raul hat uns seine Lieblingsplätze gezeigt. Wir haben auch versucht, unterwegs an einem Restaurant mit Ausblick einen Kaffee zu trinken. Aber leider – auch noch geschlossen. Also Buchten-Sightseeing und ab zur Brauerei.

Die Kunstmann-Brauerei hat es geschafft, durch gutes Marketing eine Topmarke zu werden (und schmeckt mir außerdem). Und es ist wirklich gut aufgezogen. Die Tour ging vorbei an Hans, dem Maskottchen der Brauerei zuerst in den „Hopfengarten“. Der Hopfen wächst hier eigentlich nicht und wird auch aus Europa und den USA importiert. Lediglich für eine kleine Biersorte wir hier in diesem kleinen Garten etwas Hopfen angebaut. Ein Feld wurde hier mit künstlichem Hopfen angelegt, damit die Menschen auch einmal Hopfen „sehen“ können und wie dieser eigentlich wächst. Was für uns ein typischer Anblick in der Hallertau ist, kennt man hier halt nicht. Im Hopfengarten wurden uns dann alle Zutaten erklärt – von ihrem Rohzustand bis zu dem jeweiligen Einsatzbereich in den Biersorten und die Herstellung des Bieres vom Maischen bis zum Abfüllen. Danach ging es in die Brauerei selbst – zunächst in das Sudhaus (eine Anlage aus Bamberg – viele Grüßen an meine ehemaligen Kollegen in der Brauereitechnik) und dann in die Abfüllerei, wo der „günstigste“ Mitarbeiter schnell die Paletten bestückt.

Während dieser Tour gab es für jeden einen Glaskrug, gefüllt mit leckerem Getränk – in meinem Fall ein unfiltriertes Torobayo – leeecker. Es war eine interessante Tour, auch für mich, die ja schon in einer Brauerei gearbeitet hatte und wußte, wie das Ganze so eigentlich abläuft.

Neben diesen beiden „Ausflügen“ haben wir auch eine kleine Spritztour mit unserem Fred unternommen und sind den Fluß hochgefahren. Auch das hatte Raul uns empfohlen. Der Fluß ist toll und sehr dicht mit Schilf bewachsen. In einem kleinen Seitenarm konnten wir etliche Vögel beobachten und tolle Aufnahmen machen. Raul hat uns auch ein Stück mit seiner Drohne verfolgt und uns ebenfalls tolle Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

In Valdivia selbst haben wir den Fischmarkt besucht, haben das Museums-U-Boot „O’Brien“ angeschaut, das von Mitte der 1970er bis Mitte der 2000er in Betrieb war, waren auf dem Wochenmarkt, Cafe trinken und etwas Shopping – von Hosen für Ulf bis zu Papier für uns. Und sicherlich werden wir noch das ein oder andere Mal in die Stadt fahren bis wir wirklich hier wegkommen. Nun dazu. Wegkommen.

Ab jetzt geht es ja dann raus ins Blaue auf den Pazifik. Unser erster Stopp wird das Juan-Fernandez-Archipel sein mit seiner Insel Robinson Crusoe. Diese Inselgruppe liegt von hieraus gesehen nordwestlich. Danach geht es dann schon nach Rapa Nui, der Osterinsel. (die kennt Ihr wahrscheinlich dem Namen nach schon eher).

Nach Robinson Crusoe sind es ungefähr 500 Seemeilen, so daß wir etwa 4 Tage benötigen werden, je nach Wind. Hierfür benötigen wir einen Wind aus südlichen Richtungen, damit wir nicht gegen irgendeine Welle anfahren müssen und wir schönen Vortrieb haben. In der momentanen Jahreszeit Winter ist das halt nicht so der übliche Wind. Die meisten Segler überqueren ab den Monaten September/Oktober diese Passage. Daher müssen wir halt etwas warten, bis sich ein entsprechender Wind einstellt und der lange genug anhält. Und momentan ist es leider eher so, daß ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen auf die chilenische Küste zuhält. Also: warten, Käffchen trinken und noch das ein oder andre erledigen.

So haben wir einen Händler gefunden der unsern „alten“ Außenbordmotor, der gerade erst richtig eingefahren ist, zurücknimmt und uns einen Neuen, mit entsprechendem Aufpreis, überlässt. Den, den wir die ganze Zeit im Einsatz hatten, war einfach zu schwer und hatte zu wenig Leistung, um mit unserem Fred sicher ins Gleiten zu kommen. Dies ist aber in der Südsee unerlässlich, wenn einmal weitere Strecken zurückgelegt werden sollen. So haben wir jetzt einen 2-Takt-Motor, den es bei uns gar nicht mehr zu kaufen gibt; der ist leichter und hat mehr Leistung. (Und die Technik ist nicht so anfällig wie beim 4-Takter). Die erste Testfahrt war dann auch ein voller Erfolg, wir sind sogar mit drei Personen problemlos ins Gleiten gekommen, so haben wir genug Reserve, wenn mal Material transportiert werden muss. Außerdem ist jetzt noch genug Zeit, sich unserem Problem mit dem Autopiloten zu widmen. Der Antrieb komplett zerlegt, jetzt muss nur noch das entsprechende Ersatzteil hier in Valdivia gefunden werden, ein sehr spezielles Lager. Und Tata: gefunden!! Und so ist auch diese Reparatur erledigt.

Wir haben aufgrund des fehlenden Wetterfensters zwischenzeitlich einen Ausflug nach Santiago und Valparaiso gemacht. (Darüber berichten wir im nächsten Beitrag) Diese Städte liegen etwa 1000 km weiter nördlich und sind dadurch schon in der beständigeren Zone. Auf dieser Höhe liegt auch unser erstes angestrebtes Ziel, so daß wir guten Mutes sind, doch endlich die 4 Tage passendes Wetter zu bekommen. Und so wie es ausschaut, werden wir jetzt wirklich schon am morgigen Montag die Gänge zu den Behörden unternehmen, die Marina verlassen und in der Bahia Corral vor Anker gehen, um am Dienstag morgen in See zu stechen. Und wie es der Zufall will, ist morgen der 11. August. An diesem Tag vor genau 2 Jahren sind wir von Hamburg aus in See gestochen.

Wir hören uns dann aus dem großen, weiten Blau – bis dahin könnt Ihr dann erst einmal in unserem Bericht über Santiago und Valparaiso schmökern, wenn er dann da ist ;-).

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