Ua Huka: das Festival der Marquesas

Am Nachmittag haben wir in Hiva Oa den Anker gelichtet und sind Richtung Norden gestartet. Wir konnten auch gleich die Segel setzen und kamen ganz gut voran.

In der Nacht schwächte der Wind dann wieder ab und drehte hin und her, so daß ich dann letztendlich die Maschine angeworfen habe, nachdem auch die Genua angefangen hatte zu schlagen. Ich bin da immer sehr darauf bedacht, das Material zu schonen. Der Skipper hätte das wahrscheinlich durchgezogen – ich bin da wesentlich früher genervt….

Der Skipper hat dann in den Nachtstunden in seiner Schicht dann wieder Segel gesetzt und wir konnten mit einem Wind von 3 bft gemächlich dahinsegeln. Im Morgengrauen ist dann die Insel aus dem Dunst aufgetaucht und wir konnten gegen 8 Uhr am Morgen unseren Anker werfen. Bei der Zählung der bereits vorhandenen Segelboote waren wir Nummer 15, die angekommen ist. Bis zum Höhepunkt des Festivals haben sich schließlich 32 Segelboote in der Bucht zusammengedrängt.

Wie bereits vorherzusehen war, ist der Ankerplatz hier leider etwas rollig – aber das ist überall in den Marquesas so, da keine vorgelagerten Saumriffe die auflaufende Dünung abbremsen. Aber wir haben schlimmeres erwartet.

Wir sind vor einem kleinen Örtchen namens Hane vor Anker. Hier gibt es eine kleine Kirche, einen Laden sowie ein Minimuseum. Wieder ein sehr netter Ort mit freundlichen Menschen. Seit etwa 2 Monaten ist hier auch ein Pier fertiggestellt. Hier können wir mit dem Dinghi festmachen, solange kein Schiff oder Fähre ankommt; d. h. während des Festivals müssen wir leider am Strand anlanden, was bei Ebbe etwas unschön ist, da das Wasser dann sehr flach und voller Steine ist. Das Örtchen wurde von uns dann einmal erkundet und wir haben das Minimuseum besucht – seht nett. Von unserem Bootsnachbarn Gäel haben wir dann erfahren, daß hier eine Funkrunde besteht, wenn mal also etwas benötigt oder absprechen möchte, auf Kanal 06 ist das zu erledigen. Ebenso erklärte er uns, daß um 18 Uhr Yoga am Pier ist – täglich. Das mach ein anderer Segler und auch wir haben an einem Abend teilgenommen. Das erste Mal Yoga in unserem Leben!

So, und nun zum Grund unseres Besuches: das „Marquesas Islands Kunst- und Kulturfestival“ oder unter der einheimischen Sprache „Matava a o te Henua énana“

Dieses Festival wurde 1986 eingeführt, um die Traditionen zu bewahren und weiterzugeben. Dies ist ein Festival der Marquesas und jede Insel schickt eine Delegation, die hier einen „Tanz“ aufführt. Ebenso sind von den einzelnen Inseln die diversen Kunsthandwerker vor Ort und verkaufen ihre Waren. So sind hier Tiki’s (Skulpturen aus Holz oder Stein), Tapa’s (gemalte Bilder auf Rinde), Schmuck, Vanille, Hüte, Taschen und vieles mehr zu bekommen. Ebenso sind Tattookünstler vor Ort und arbeiten an der tollen polynesischen Körperkunst. Kleine Info am Rande, die Marquesas sind seit kurzeml auch in der Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Ich möchte jetzt einmal Eure Vorstellung von Polynesien etwas ernüchtern: wir sind hier nicht am Ende der Welt, Polynesien gehört zu Frankreich und entsprechend gut ist es auch von französischen Touristen besucht, die hier auch arbeiten dürfen. Man trifft extrem viele junge Franzosen. Geht weg von dem Bild, daß wir uns hier auf einer einsamen Insel mit einem Häuptling befinden, die noch im Lendenschurz rumlaufen, so wie es die Fernsehbilder oder jetzt unsere Fotos vielleicht zeigen. Hier läuft auch jeder mit einem Smartphone in der Hand rum – nur man lässt es halt viel gemächlicher angehen – no stress. Dieses Festival soll eben an jene Zeiten erinnern und die Traditionen werden hin und wieder gepflegt.

Das Festival geht über die gesamte Woche und beginnt am Montag morgen mit einer Messe in der Kirche in unserem Ort – die Menschen hier sind sehr gläubige Christen. Das eigentliche Festgelände liegt dann etwa 5,5 km entfernt. Leider gibt es hier keinen regelmäßigen Busverkehr bzw. haben wir das nicht rausfinden können. Die Messe am Montagmorgen haben wir uns verkniffen – jeder weiß, daß ich kein Morgenmensch bin und für die Kirche extra um 7 Uhr aus dem Bett krabbeln – nein, lasst mal gut sein.

Während dieses Festivals wird auch der traditionelle Erdofen betrieben. So wurde früher (und teilweise auch heute noch) für größere Anlässe gekocht. Hierzu wird ein Loch ausgehoben, ein Feuer darin geschürt und Lavasteine obenauf gelegt, die dann die Hitze speichern. Wenn das Feuer soweit heruntergebrannt ist, werden auf die Steine frische Bananenblätter und aufgespaltene Stauden (die viel Wasser beinhalten!) gelegt und darauf dann das in Palmblätter eingewickelte oder in Taschen gepacktes Essen aufgelegt. Das Ganze dann wieder mit Bananenblätter abdecken und mit feuchten Säcken und Folie abdecken. Letztendlich wird noch alles mit Erde abgedeckt. Dieser Ofen wird am Abend angelegt und gefüllt und dann am nächsten Mittag wieder aufgemacht. Hier auf dem Festival wird dann das so gegarte Essen an alle verteilt. Hierzu wurde uns mitgeteilt, daß wir unser „Geschirr“ mitbringen müssen, das dürfe aber kein Plastik sein, sondern sollte aus Kokosschalen bestehen. Und wir sollten vorzugsweise je 2 Kokosnüsse für jeden haben, damit auch etwas reinpasst.

Also war ein To-Do für Ua Huka: in den Wald gehen und Geschirr herstellen. So sind wir dann mit kleiner Axt und Machete in den Wald gezogen, haben uns ein paar schöne große Kokosnüsse ausgesucht die hier ja überall rumliegen. Jochen hat diese dann mit der Axt in mühsamer Arbeit aufgespalten und geschält, die schwierigste Aufgabe dabei. Die innenliegende Nuss dann mit der Machetenrückseite „anklopfen“, so daß diese rundherum springt. Das Kokoswasser dann getrunken bzw. ablaufen lassen, war dann doch zuviel für mich und das Kokosfleisch ausschaben. Zum Schluß die Schale außenrum noch etwas „enthaart“ und etwas ansehnlicher gemacht und fertig ist die Schüssel. Man kann jedoch nur eine Hälfte der Nuss benutzen, da die andere Hälfte ja die Augen für die Triebe hat und daher Löcher. Letztendlich haben wir 6 oder 7 Nüsse bearbeitet, um ein paar schöne Schalen zu bekommen. Das Essen kann kommen!!!

und hier nun mal die Abfolge eines Erdofens in Bildern:

Wie sind wir nun zum Veranstaltungsplatz gekommen? Es gibt die Möglichkeit, mit einem „Taxi“ zu fahren, diese verlangen für die einfache Fahrt pro Person etwa 8 Euro. Ein stolzer Preis finden wir. Dies haben wir einmal gemacht, uns aber entschieden, daß wir einfach mal loslaufen und versuchen, ein Auto anzuhalten. Und das hat immer geklappt, es haben immer Einheimische gehalten, die uns mitgenommen haben. Das Weiteste, was wir einmal laufen mussten, war etwas mehr als 1 Kilometer. Wir wären aber auch die vollen km gelaufen. Spannend ist nur: hier fahren ja alle Pickup’s. Das Mitfahren auf der Ladefläche ist offiziell verboten. Jedoch wurden wir hier häufig mitgenommen. Wir wurden halt in der letzten Kurve vor dem Festivalgelände aufgeladen oder herausgeworfen, damit die Gendarmerie das nicht sieht. Und so haben wir bei einer nächtlichen Pickup-Fahrt ganz nette Menschen auf der Ladefläche kennengelernt – neu angekommene Segler.

Jeden Tag auf dem Festival haben immer 2 Inseln ihren Tanz aufgeführt. Das war schon sehr eindrucksvoll. Zu einem diese wahnsinnig großen Trommeln, die einen richtig mitnehmen; die teils ganz toll tätowierten Männer, die wirklich sehr martialisch wirken, wenn sie vor einem in ihrer traditionellen „Bekleidung“ (was man Bekleidung nennt) stehen und der Gesang der Frauen ist einfach klasse. Pro Vorführung dauert das Spektakel ca. 1 Stunde und die unterschiedlichen Darbietungen gehen zum Teil durch Mark und Bein.

Wir sind in der Regel immer gegen Mittag auf das Festival gegangen, die Vorführungen am Morgen ab 10 Uhr war uns einfach zu bald. Erstens müssen wir ja damit rechnen, eventuell etwas mehr als eine Stunde zu laufen, zum anderen wird es ja abends recht lang bis die letzte Vorführung beendet und wir wieder auf dem Boot sind. Leider stimmte das heruntergeladene Programm nicht ganz. Die aufgedruckten Nachmittagsvorführungen fanden nicht statt – ich denke, es war einfach zu heiß dafür. So haben wir viel Zeit mit rumhängen auf dem Festgelände in großer Hitze verbracht und waren am Abend entsprechend geschafft. Aber es hat sich definitiv gelohnt.

Nun noch ein Wort zu den Tattoo’s:

Nein, die Tätowierer hier benutzen nicht mehr die traditionellen Werkzeuge wie Hammer und „Kamm“, sondern arbeiten genauso elektrisch und professionell wie die Tätowierer bei uns zu Hause. Nur mit dem Unterschied, daß hier halt die Motive ganz anders sind und wenn man ganz korrekte Körperkunst tragen will: für jeden Körperteil gibt es ein bestimmtes Motiv, je nach Insel oder Archipel. So hat auch jedes Zeichen seine Bedeutung und manche sind wirklich nur den Einheimischen vorbehalten und man würde die als Tourist wohl nicht bekommen. Und es sind großflächige schwarze Flächen vorhanden, auch im Gesicht. Mehrfach wurde wir, als wir sagten, daß wir aus Deutschland sind, gefragt, ob wir einen Jo Steiner kennen würden. Dieser Deutsche hat wohl vor langer Zeit als Erster die polynesischen Zeichen und Malereien “übersetzt“ und in einem Buch zusammengetragen. Dieses Buch bzw. seine Erkenntnisse werden hier von allen Tätowierern und anderen Künstlern als Nachschlagewerk benutzt. Leider habe ich hierzu bei Onkel Google nichts gefunden. Wir haben jedoch auf Fatu Hiva so ein Originalbuch ansehen dürfen, das schon sehr zerfleddert war.  Falls hier irgendjemand etwas dazu finden sollte, bitte gebt mir diese Info weiter.

Und ich muß Euch sagen: solche Ganzkörpertattoos sehen schon toll aus!

So, jetzt habe ich genug gelabert. Lasst einfach die Bilder auf Euch wirken und schaltet den Ton an!

und hier das kleine, aber feine Museum

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3 Kommentare

  1. Nici

    Schön, dass ihr den Umu Kai so genau dokumentiert habt, hatte uns interessiert. Danke für den Bericht.
    Der deutsche, der die marquesanische Kunst aufgeschrieben hat heißt:
    Karl_von_den_Steinen

    Grüße von euren Bootsnachbarn Celerity

  2. Fred Bol

    Genoten van de opnames, jongens wat een rijkdom om dit te mogen aanschouwen.

    Gerda en Fred

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