Ja es steht ein kleines Jubiläum im Raum, am 7. Mai sind wir seit unserem Start in Hamburg, nun schon so lange unterwegs. Es gibt ein Buch von einem Segler der in drei Jahren um die Welt ist, der Titel: „1200 Tage Sonntag“. Dem kann ich so nicht zustimmen, Wochenende passt da wohl besser. Sonntag ist für mich so ein Tag an dem es heißt, Füße hochlegen. Der Samstag ist dann so der Arbeitstag an dem das ein oder andere zu erledigen ist, typisch Deutsch halt. Wobei sich das mit den Wochentagen ja schon lange erledigt hat. Was für ein Tag ist heute? Keine Ahnung, ich müsste nachschauen. Da sind mit Sicherheit arbeitsreiche Sonntage dabei gewesen, dafür „unter der Woche“ Füße hoch angesagt.
Es nun schon eine lange Zeit her seit dem Beginn, aber Erinnerungen, Erlebnisse oder Begegnungen haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Wie es der Zufall will, ist auch der Tag, an dem ich mein Zuhause verlassen habe nur wenige Tage entfernt, es war der 11. Mai. Wenige Tage zuvor wurde unser Schiff für den Transport auf der Straße verladen. Der Aufruf in der Whatsapp-Gruppe von Willanzheim zu sehr später Stunde für ein paar helfende Hände. Bei der Abfahrt vom LKW stellte sich heraus, daß der Mast falsch liegt und mal eben um 1 m verschoben werden muss. 30 Minuten später waren genügend Helfer da, um das Ganze per Muskelkraft zu korrigieren, Dorfgemeinschaft sei Dank. Ja und dann kam die sehr emotionale Abfahrt von zu Hause, mitten in der Nacht, durch die leeren Straßen. Wenn ich heute diese Zeilen schreibe und zurück denke, wird es wieder emotional. Letzter Besuch beim Arbeitgeber, um Tschüß zu sagen und alles abzugeben. Ankunft in Kappeln: Wo ist unser Boot? Die letzten Stationen der Vorbereitungen, um das Boot fertig zu bekommen waren in Kappeln, Flensburg, Kiel und Hamburg. In der Zwischenzeit Besuch von Freunden, die sich verabschiedeten. Und ganz wichtig: der Besuch von meiner Familie, die sich auch nochmals verabschiedet hat, emotional wieder. In Hamburg letztendlich Besuch von Arbeitskollegen und schließlich Chris, der uns die erste Etappe die Elbe hoch bis nach Cuxhafen begleitet hat.
Erste nervenaufreibende Motorenprobleme in Belgien, nach deren Lösung es den dann aber weitestgehend problemlos weiter geht. Es folgte die Biskaya, weiter die Küste runter bis Lissabon und schließlich auf die Kanaren. Heute muss ich sagen, daß wir hier eine einschneidende Begegnung hatten. Wir trafen Andrea und Dirk von der Southeast, ausgesprochene Südamerikaliebhaber, die die weitere Reiseplanung quasi auf den Kopf gestellt haben, sehr zum positiven! Genauso haben unsere Erlebnisse sie inspiriert und sie sind mittlerweile mit dem eigenen Boot in Brasilien angekommen, sehr zu unserer Freude.
Es folgen die Kap Verden und der Sprung über den Atlantik nach Brasilien mit der Äquatorüberquerung. In Jacare lernen wir Kerstin und Mike von der Salto kennen, die wir immer wieder auf den Weg in den Süden treffen, auf der Isla Los Estados unsere erste gemeinsame Woche im tiefen Süden verbringen, bis wir gemeinsam in Ushuaia ankommen. Leider haben sich durch unsere erneuten Motorenprobleme die Wege in Puerto Williams getrennt. Erst in Puerto Montt gab es ein Wiedersehen. Immer wieder sind es auch diese zufälligen Begegnungen, die es so Besonders machen. Freundliche Menschen die, auch wenn sie wenig haben, teilen und helfen wo sie können, überall auf unserer Reise.
Dann sind wir ja auch so völlig untypische Segler, man muss inzwischen „leider“ dazu sagen. Wenn wir irgendwo vor Anker gehen, setzten wir uns ins Dinghy, fahren eine Begrüßungsrunde zu den Nachbarliegern und stellen uns vor. Wenn jemand keine Lust auf Kommunikation hat, stellt man das innerhalb von Sekunden fest. Mit der ein oder anderen Besatzung hat man dann auch vielleicht das ein oder andere Treffen und eine schöne gemeinsame Zeit. Und dann gibt es noch die Anderen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt. So bei Andres und Guillermo, Argentinier die wir in Brasilien kennengelernt haben und später eine wunderbare Zeit zusammen in ihrer Heimat verbracht haben. In Uruguay war es dann einmal anders herum, wir liegen fest im Hafen als plötzlich an unserem Boot ein deutsches Hallo ertönt. Wir lernen dadurch Daniel und Mechtild kennen, ein uruguayisch-deutsches Ehepaar, die uns dazu verleiteten, doch ein paar Tage länger in dem dortigen Hafen zu verweilen, bis Daniel schließlich eine Etappe mit uns gesegelt ist.
Bei einem weiteren Zwischenstopp haben wir dann auch unseren ersten Kontakt mit Ulf von der Farvel, einem Solosegler, mit dem wir später gemeinsam Patagonien bereisen und am Kap Horn waren. Nora und Hacko von der Anixi, die wir endlich in Pueto Williams persönlich kennenlernen, wir hatten schon lange zuvor Kontakt über Handy. Sie haben Patagonien von Nord nach Süd durchquert und sind uns quasi entgegen gekommen. Man könnte die Liste unendlich weiterführen. Hier in Französisch Polynesien treffen wir viele, die eine ähnliche Route wie wir fahren, man trifft sich immer mal wieder und hat eine schöne Zeit zusammen, lernt immer wieder neue Segler aus unterschiedlichen Ländern kennen, die gemeinsam mit uns den Südseetraum leben.
Auf der bisherigen Reise war aber für mich das absolute Highlight natürlich Patagonien mit seiner fantastischen Natur. Auch wenn es viele andere schöne Orte gegeben hat, war dieser schon etwas Besonderes. Als kultureller Höhepunkt war schließlich das Marquesasfestival auf Ua Huka. So, jetzt genug von dem kleinen Rückblick. Die nächste Etappe steht vor der Tür und die Planungen für Neuseeland laufen, unserem nächsten großen Ziel, das ihr wieder alle auf der Karte findet.

Gratulation und weiterhin alles Gute! Wir freuen uns auf Eure spannenden Berichte und Inspirationen!