Monat: Mai 2026

Tahiti – Traum vieler Deutschen

Wir verlegen in Tikehau am Spätnachmittag vom Mantapoint an den Ankerplatz an der Riffpassage und machen hier bereits in der Dämmerung an einer Muringboje fest (dies, weil wir diesen Platz ja bereits kennen und wissen, wo die Untiefen und die Bojen liegen). So haben wir uns in der Lagune wieder einige Seemeilen erspart und können gemütlich nach dem Frühstück in Richtung Tahiti aufbrechen. Mit unserem Start am Morgen haben wir für die ca. 170 sm nur eine Nachtfahrt und sollten auch noch schön bei Tageslicht ankommen mit den vorhergesagten Winden.

Die Passausfahrt ist einfach und wir setzen Segel mit direktem Kurs auf Tahiti. Kurz vor uns ist die SY Freefall gestartet, die wir eifrig am Plotter und auch visuell am Horizont verfolgen. Sie sind für uns auch ein kleiner Indikator, wie das Wettergeschehen einige Seemeilen voraus ist 😊, indem wir am Plotter ihre Kurslinie und ihre Geschwindigkeit regelmäßig anschauen. Keine Ausreißer? Keine Probleme zu erwarten.

Wir steuern auf Tahiti den nördlichen Ankerplatz „Venus Point“ an. Dieser liegt nicht innerhalb eines Riffsaumes und ist auch bei Dunkelheit einfach anzufahren. Außerdem liegen dort unsere amerikanischen Freunde von der „Whatever she wants“, die wir zuletzt auf Nuku Hiva gesehen hatten. Seit einiger Zeit sind wir immer einige Tage hinter ihnen – in Tahiti werden wir sie endlich wieder treffen.

Tahiti voraus – wieder Berge statt flacher Atolle

Wir erreichen Venus Point am Nachmittag, werfen unseren Anker und gönnen uns natürlich unser Ankergetränk nebst frischem Popcorn, das inzwischen bei uns dazugehört. Wenn ich früher gewusst hätte, wie einfach doch Popcorn herzustellen ist…. Natürlich machen wir auch noch am selben Tag einen Abstecher zu unseren Amerikanern. Die Wiedersehensfreude ist groß und wir beschließen, daß wir uns gemeinsam einen Leihwagen nehmen, um die Insel zu erkunden und unsere gesamten Besorgungen zu erledigen.

Leuchtturm am Point Venus – der erste Leuchtturm im Pazifik

So entscheiden wir, daß wir den Leihwagen aber nicht am Wochenende nehmen, da an diesem die Geschäfte geschlossen haben und auch viele Restaurants, Bars, etc. ebenso. Da wäre es Blödsinn, über die Insel zu fahren und nirgends einkehren zu können. Also – Beschluss gefasst, ab Montag bis Mittwoch werden wir Autofahrer sein. 

So machen wir am Donnerstag einen ersten Landgang; mit dem Dinghi müssen wir durch eine kleine Riffpassage „um’s Eck“ fahren zum Anlegepier. Dieser liegt auf der windzugewandten Seite, so daß wir hier einige kleine, wilde Ritte erleben werden (kommt gleich 😊). Zu den Einkaufsmöglichkeiten bzw. zum Bus sind es dann etwa 1,5 km zu laufen. Aber die beiden Supermärkte hier sind super ausgestattet – es gibt also eigentlich keinen Grund mit dem Boot in die überfüllte Hauptstadt zu verlegen, vor allem da dort die Ankerplätze auch eine längere Dinghifahrt nach sich ziehen. Wir bleiben hier vor Anker und erledigen alles mit dem Bus bzw. dann dem Auto. Die Bucht ist ruhig und geschützt, lediglich eine kleine Welle bildet sich, wenn der Wind heftig bläst. Aber – das ist in Papeete genauso. Hier finden wir wieder Zivilisation pur: geteerte mehrspurige Straßen, Autos ohne Ende, Supermärkte, Läden aller Art.

So bleiben wir vor Anker in der Nähe des Leuchtturmes, der hier 1867 aus Korallensteinen und Findlingen erbaut wurde. Dieser wurde vom Vater des Schatzinsel-Autors errichtet und liegt direkt an einem schwarzen Basaltstrand. Auch James Cook war hier um den Venustransit von 1769 zu beobachten, von dem der heutige Name wohl stammt. Drumherum ist ein Park angelegt, der für viele Insulaner aus Papeete ein Naherholungsziel ist. Wir hatten aber zu keiner Zeit das Gefühl, daß es hier zu voll ist und uns sehr wohl gefühlt.

Ein erster Besuch in Papeete überrascht mich dann doch: alle sagen, es wäre so voll, so viele Autos und, und, und. Ja, es ist schon so – aber nicht dramatisch, ich würde eher sagen: typische Kleinstadt. Außerdem bin ich erst mal froh, wieder etwas „Normalität“ zu erleben. So wünsche ich mir momentan ganz sehnlichst einen einfachen, guten Cappuccino. Unser erster Gang führt zu einer Zahnärztin, müssen doch unsere Beisserchen wieder mal gecheckt werden und mein Skipper hat sich gestern am Popcorn einen Zahn abgebrochen. Nichts Schlimmes, sollte aber gemacht werden. Und zu unserer Überraschung dürfen wir gleich auf dem Stuhl Platz nehmen, ein angekündigter Patient ist noch nicht da und wir dürfen Lückenfüller spielen. Super, nach einer Stunde alles gemacht und der eigentliche Patient ist mittlerweile auch eingetroffen. Unvorstellbar bei uns – eine Stunde zu spät zum ausgemachten Termin zu kommen….“kommen Sie in einem viertel Jahr wieder“.

Nach dem Zahnarzt: der kleine Hunger macht sich bemerkbar. So laufen wir los, mal schauen, was es gibt und wir besuchen meinen 2. Wunsch auf der Liste: McDonalds. Ich wollte einmal wieder das schlabberige McDonalds-Brötchen sehen. Und es war wieder einmal gut nach so langer Zeit etwas zu essen, das man von zu Hause genauso kennt – ohne irgendwelche lokalen Unterschiede. Danach noch einen leckeren Cappuccino im Kon Tiki Cafe getrunken; also meine Wunschliste ist voll erfüllt worden und das schon am ersten Tag. Auf dem Heimweg zufällig noch an einem Autoverleiher vorbeigekommen und Preise gecheckt.

Am Freitag wollen wir mit unseren Freunden gemeinsam in die Stadt fahren, einige Dinge erledigen, ein Auto buchen und etwas zu Mittag essen. Nachdem wir einige Zeit an der Bushaltestelle standen, kam ein Einheimischer und erklärte uns, daß heute kein Bus fährt, da Feiertag ist. Oh, nein, was nun? Also versuchen wir es bei einem naheliegenden Scooterverleiher, doch der ist nicht da…So gehen wir in den Supermarkt (die haben nämlich immer offen) shoppen und halt dann zurück zum Boot. Morgen neuer Anlauf….

Zurück auf dem Boot vergleichen wir natürlich die diversen Autoverleiher und obiger fällt leider in den Beurteilungen zurück. Also suchen wir uns online einen aus und ich stelle meine Anfrage für ein Fahrzeug.

Am Sonntag wollen wir uns mit Bekannten aus dem TO-Verein in deren Marina Taina treffen. Da ja hier, wie wir feststellen mussten, an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich kein öffentlicher Transport stattfindet, werden wir das Fahrzeug schon so buchen, daß wir am Sonntag fahrbereit sind. Unser Verleiher gibt die Option, das Auto am Vorabend ab 16.30 Uhr abzuholen gegen einen kleinen Aufpreis, ebenso die Rückgabe am Folgetag bis 8.00 Uhr.

So verbringen wir den Samstag gemeinsam in der Stadt und holen am Spätnachmittag unseren fahrbaren Untersatz ab. Das hat schon mal gut geklappt. Zwischenzeitlich habe ich von einer Bekannten aus Kitzingen erfahren, daß wiederum ihr Bekannter auch gerade in der Marina Taina ist und stellt den Kontakt her. So verabreden wir uns für den Sonntag mittag auch gleich noch mit Daniel und erledigen in der Marina alles auf einen Rutsch.😊

Leider ist das Timing des Autoleihens etwas schlecht ausgefallen. Bereits am Samstag hat es nur geregnet. Bis wir mit dem Dinghi wieder zurück auf unseren beiden Booten sind, sind wir alle klatsch naß. Die ganze Nacht hindurch regnet es, wir nutzen am Sonntag eine Regenlücke, um an Land zu fahren. Bereits Thomas hat uns mitgeteilt, daß wir wohl nicht auf seinem Boot sitzen können – das Cockpit ist nass und unter Deck ist aufgrund der Bauarbeiten an seinem Schaden eher schlecht zu sitzen. Bei Daniel dasselbe. Das Boot, daß er eigentlich mit seinem Skipper in die Karibik überführen wollte, ist ein einziges Wasserloch. Von unten und oben kommt hier Wasser rein. So könnte es sein, daß wir den ganzen Tag in einem Restaurant mit verschiedenen Leuten sitzen werden – es gibt schlimmeres.

So treffen wir zunächst Daniel und seinen Skipper Peer und erfahren deren Geschichte mit dem geplatzten Überführungstörn. Sie waren von den Gambiers gestartet in Richtung Osterinsel, haben auf diesem Am-Wind-Kurs mit Krängung massiv Salzwasser in der Bilge, die sie per Hand ausschöpfen mussten, da keine elektrische Pumpe ging. Nach 14 Stunden hat dann der Motor beschlossen, daß er keine Lust mehr hat. Des Weiteren sind auf diesem Boot viele kleine und große Baustellen, so daß der Skipper beschlossen hat, umzudrehen und Tahiti anzulaufen, um das Boot wieder in die Ausgangsmarina zu bringen und er den Überführungstörn abbricht.

Zum Kaffee begeben wir uns dann doch zu Thomas und Gabriela auf das Boot. Sie haben extra unter Deck aufgeräumt, damit wir gemütlich sitzen können und uns austauschen. Es war ein sehr geselliger Nachmittag mit sehr angenehmen Menschen. Es ist doch schön, endlich jemanden persönlich kennenzulernen, mit dem man vorher unzählige Male schriftlich korrespondiert hat (ach ja, und ein Videocall).

Auf dem Heimweg machen wir noch Station an einem Foodtruck abseits der Touristenroute. Sehr leckeres Essen in größeren Portionen – so, wie die Einheimischen halt essen: viel. So kommen wir spät an unserem Dinghidock an, welches in einem Park liegt. Dieser wird ab 7 Uhr abends verschlossen. Es ist jedoch ein Securitymitarbeiter da, dem ich erkläre, daß wir da rein müssten, um auf unser Boot zu kommen. Nach einigen Google-Übersetzungen lässt er uns reinfahren und parken.

Wir haben uns inzwischen angewöhnt, daß wir zur Dinghifahrt unsere Wander-Regenhosen sowie Regenjacken überziehen. Gesagt, getan. Bei viel Wind und ordentlich Welle sind wir wieder einmal komplett nass, bis wir auf dem Boot sind. Dann fällt Jochen auf, daß er sein Handy nicht hat und das wohl offen im Auto liegt. Also das Ganze wieder retour: Dinghi wieder zu Wasser lassen, Regenklamotten wieder anziehen und zurückfahren. Wir beschließen, nicht ans Dinghidock zu fahren sondern an den Strand, der auf unserer Seite (also Windabgewand hinter Bäumen und Häusern) liegt. Hier haben wir es dann „nur“ mit kleinen Brandungswellen zu tun.

Jochen schlägt sich mit seiner Stirnlampe zum Auto durch und wird auch gleich wieder vom Securitymitarbeiter empfangen. OK, alles klar – nur was vergessen. So ist es dann schließlich schon 22.30 Uhr, bis wir letztendlich verräumt auf unserem Boot sind.

Am nächsten Tag geht es früh los. Heute ist Erledigungstag angesagt, da es ja eh Dauerregnet und es keinen Sinn macht, die Insel abzuklappern. Dies ist für den Mittwoch auf der Agenda, an dem das Wetter endlich besser werden soll. So besorgen wir die Tax-free-Zertifikate für den Dieseleinkauf, diverse Ersatzteile in den Bootschandlern; Sandalen, Bikini etc. gibt es dann im Decathlon und schlussendlich gehen wir noch den Carrefour besichtigen. Hier werden wir dann am Tag darauf zuschlagen und unsere Vorräte aufstocken. In der Marina Taina gibt es das letzte Ersatzteil für Gary im dortigen Zubehör und Jochen geht „noch mal schnell“ zu Thomas, weil er noch etwas wissen wollte.

Nachdem wir mit Gary’s shopping fertig waren, sind wir halt auch mal Richtung Bootsbaustelle aufgebrochen und siehe da, wer sitzt da gemütlich im Cockpit? Also stellen sich alle wieder vor, wir sitzen gemeinsam einige Minuten beieinander und beschließen, daß wir jetzt zur Happy-Hour in das Marinarestaurant gehen. Diese rentiert sich wirklich bei den hiesigen Preisen: 50 % auf die Getränke und ebenso auf 2 ausgewählte Pizzas.

So sitzen wir wieder länger als ursprünglich geplant und kommen wieder zur „Sperrstunde“ an unserem Park an. Das Tor ist noch offen, wir fahren rein, ziehen uns wieder an und schon steht die Gendarmerie da und erklärt uns, daß geschlossen wird. Wir sagen dann, daß wir das wissen und auf unser Boot gehen. Dann bekommen wir höflich mitgeteilt, daß wir in der Bucht nur 48 Stunden bleiben dürften. Ja, Ok – wir sind erst seit gestern da 😉

Und natürlich – vier Personen in einem Dinghi mit ordentlich Wind und Welle. Salz- und Regenwasserdusche natürlich inclusive bis zum Boot. Das schlimmste Eck ist direkt am Pier, da hier der Wind voll draufsteht. Sind wir dann in dem schmalen Kanal, haben wir den Wind von hinten und es geht einigermaßen. Verlassen wir dann jedoch den Kanal auf der anderen Seite der kleinen Halbinsel und queren die Lagune, haben wir hier die Welle von der Seite, da die sich hier etwas landabgewandt etwas aufbaut. So haben wir wieder einige Querschläger und Salzwassermengen.

Dienstag – nächster Shoppingtag. Wir fahren in den Carrefour und toben uns dort aus. Nachdem wir unsere Einkäufe auf den Booten verstaut hatten, beschlossen wir, nochmals loszufahren. MaryAnn hatte sich noch einen Restaurantbesuch bei einem empfohlenen Asiaten gewünscht. Warum nicht heute? Das bietet sich doch an. Und es hat sich wirklich gelohnt….wieder einmal eine andere Geschmacksrichtung zu erleben. Alleine das Bestellen war schon sehr nett. Wir Damen haben uns eingebildet, wir wollen Ente haben. Nachdem auch die Jungs Ihre Wünsche geäußert hatten, hat unsere super nette Bedienung uns dann erklärt, was sie uns nun bringen wird, so daß wir alles teilen können und jeder seine Geschmacksrichtung hat. Das Essen war sehr lecker, leider waren wir die einzigen Gäste. Woran das liegt? Keine Ahnung. Am Essen kann es nicht liegen und an der Art der Betreiber auch nicht. Als wir am Abend wieder aus dem Auto stiegen, kam erneut die Gendarmerie angefahren. Diesmal jedoch eine andere Person – dieser wies uns nur darauf hin, daß der Park nun geschlossen wird und hat uns eine gute Nacht gewünscht. Nix von – Ihr müsst hier weg….

Am Mittwoch ist unsere geplante Inselrunde. Am Morgen kurz vor der Abfahrt haben wir noch strahlenden Sonnenschein. Kaum sitzen wir im Dinghi – was kommt? Wasser von oben. Wir fahren mit dem Auto auf der Nordseite der Insel Richtung Osten, also genau in die Richtung, aus der das Wetter hier aktuell herkommt. Dort soll unser erstes Ziel ein Wasserfall sein. Auf dem dortigen Parkplatz beschließen wir, daß wir das mal auslassen und evtl. am Nachmittag noch mal kommen. Den Wasserfall hätten wir sonst direkt beim Öffnen der Autotür 🙂 Sind ja nur rund 2 Stunden um die gesamte Insel. Also weiter geht’s weiter Richtung Osten. Gary hat sich in Google Maps einen Plan gemacht, wo wir überall hinfahren wollen.

da ist ordentlich Wasser zusammengekommen….

Und als wir an der Südostseite der Insel ankommen, hört auch endlich dieser Regen auf. So besuchen wir den Surfstrand, an dem die olympischen Wettbewerbe der Wellenreiter von Paris 2024 ausgetragen wurden. Danach ging es in den Wassergarten Vaipahi – eigentlich ein wunderschöner Ort. Ein kleiner botanischer Garten mit Wasserfällchen und Teichen und vielen schöne Pflanzen. Leider ist alles etwas durch den Dauerregen aufgeweicht, so daß wir einmal durchlaufen und wieder gehen, der angeschlossene Wanderweg war gesperrt.

Nächster Tagesordnungspunkt: Aale schauen. Es gibt eine kleine Quelle, an der man auch baden kann. Hier gibt es einige angefütterte große Aale, die zu einem kommen und hoffen, etwas abzubekommen. Diese lassen sich auch anfassen. Ein Highlight für Mary-Ann!

Weiter geht es zu den Grotten De Mara’a, Mata Va’a und Teanateatea. Diese liegen nahe beieinander in einer kleinen Anlage. Durch den bisherigen Dauerregen tropft es hier ordentlich von der Decke. Die Einheimischen kommen hier wohl auch zum Süsswasserbaden her, wobei Schilder dies aber verbieten. Wir waren dort die einzigen Besucher, also kann ich nicht sagen, was nun Sache ist. Uns war definitiv nicht nach baden bei all dem vergangenen Regen – am Wasserfall wären wir gerne mal drunter gegangen; aber da haben wir auch noch Sonne erwartet….

Nun war es bereits 15.30 Uhr, so daß es eigentlich fast schon zu spät ist, nochmals zum Wasserfall zu fahren. Wir würden mindestens eine Stunde dorthin brauchen im Feierabendverkehr und ab 17.30 Uhr wird es dann auch schon langsam dunkel. Da wir noch ein Ersatzteil in der Marina Taina abzuholen hatten, das sowieso auf dem Weg lag, fuhren wir also dorthin. Und nun ja – es war dann ja auch wieder Happy Hour Time 😊 Wir haben dann auf dem Rückweg schon Scherze gemacht, daß Jochen heute mit der Gendarmerie sprechen muss.

Aber er blieb verschont, als wir am Tor ankamen, schoben dieses bereits einige Einheimischen auf, um mit dem Auto einzufahren. Wir sind dann gleich mal hinterher. Auch beim Anziehen der Regenkleidung kam niemand mehr. Und wieder einmal hat es sich bewahrheitet – in Papeete ist nichts zu merken von Wind und Regen und hier an unserem Ankerplatz erwischt es uns wieder.

Am nächsten Morgen müssen wir das Auto um 8 Uhr abgeben. Also vereinbaren wir, daß wir gegen 7.20 Uhr starten. Glücklicherweise schreibt mir Daniel noch kurz am Morgen, daß ja wieder Feiertag (Christi Himmelfahrt) ist und kein Bus fährt!!! Ach herrjee. Also kurzer Abgleich mit unseren Freunden – wir bringen das Auto alleine zurück, da 2 Personen auf dem Rückweg einfacher ein Auto anhalten können als 4.

So bringen Jochen und ich das Auto pünktlich zum Verleiher zurück und beschließen, auf dem Rückweg noch am Grab des letzten Königs Pomare V. vorbeizulaufen, der zu seinem Tod mit 52 Jahren schwerer Alkoholiker war. So behaupten Einheimische und Guides, daß der Aufsatz auf dem Grab keine Urne, sondern eine Schnapsflasche darstelle… Sind ja nur etwa 5 km… So erlaufen wir das noch, knipsen unsere obligatorischen Fotos dort und machen uns weiter auf den Weg Richtung Marina. Nach einem weiteren Kilometer hält dann eine nette französische Dame an, die uns bis zu unseren Supermärkten mitnimmt. 5 km Laufen gespart – auch schön. So gehen wir nochmals kurz shoppen und zurück auf das Boot.

Das Grabmal von Pomare V.

Zwischenzeitlich hatten unsere Freunde auch Besuch am Boot. Ein junger Gendarm wies sie darauf hin, daß sie schon zu lange hier in der Bucht seien. Um die Natur zu schützen, mögen sie doch bitte verlegen. Also beschließen wir, daß wir auch am nächsten Tag nach Papeete auf den Ankerplatz am Flughafen verlegen werden. Für unseren letzten Abend hier hatten wir im Vorfeld schon geplant, daß wir am Abend Sauerkraut kochen werden – unsere beiden Ami’s lieben Sauerkraut und deutsches Essen. Wir hatten in den Tiefen unserer dicken noch Original Hengstenberg Kraut, also kochen wir Bratwürste (haben hier echt gute gefunden), Sauerkraut und Kartoffelpürree – wie zu Hause.

Und es war lecker!!! Wenn wir jetzt für Mary-Ann noch irgendwo eine typisch deutsche Buttercremetorte auftreiben könnten, wären wir die Kings. Ever.

Als wir am nächsten Morgen zum Frühstück ins Cockpit gehen, sehen wir nur noch das Heck Ihres Schiffes – sie sind schon auf dem Weg. Dafür kam in der Nacht dann noch Stephane mit seiner Lazarina 2 in der Bucht an. Diese schlafen aber noch, als wir uns später auf den Weg in die Stadt machen.

Für die Einfahrt in den Papeete Pass muss man sich bei der Port Control via Funk anmelden und um Erlaubnis bitten. Ebenso muß man sich melden, wenn man das Rollfeld am Flughafen passieren will. Da man hier genau in der Einflugsschneise der Rollbahn mit seinem Boot verbeifährt, könnte ein landendes Flugzeug sonst den Mast streifen. Die Port Control macht hier den Abgleich mit dem Tower und gibt die Vorbeifahrt frei. Alles gut – wir dürfen passieren und lassen den Anker schließlich im Ankerfeld seitlich am Flughafen fallen. Hier ist ziemlich viel los, aber wir finden noch ein Plätzchen.

Es kommt Wind aus Nord auf und eine kleine Welle bildet sich hier in der Lagune. So wird die Fahrt mit dem Dinghi in das Stadtzentrum zu einer leicht feuchten und wackeligen Angelegenheit, sind es doch etwa 3 Seemeilen dahin. Jochen möchte noch ein Ersatzteil kaufen und wir nutzen die Chance, um Stephane und Michelle zu begrüßen, die zwischenzeitlich auch von Point Venus in die Stadt in die Marina Papeete verlegt haben. Sie werden dort Ihre Tochter am Dienstag vom Boot verabschieden.

Für den späten Nachmittag haben wir natürlich wieder ein Happy-Hour Date am anderen Ende der Stadt in der Marina. Dort treffen wir uns mit Gary und Mary-Ann. Zum Glück hat der Wind und die Welle nachgelassen, so daß die Heimfahrt am Abend dann trocken und angenehm ist. Unterwegs fangen wir noch ein losgerissenes Dinghi ein und bringen es seinem Besitzer an das Boot zurück.

Der nächste Tag, ein Samstag gibt uns ein bisschen das Gefühl, wieder in Brasilien zu sein. Am Riff neben unserem Ankerplatz machen die ganzen Partyboote fest, die uns mit Musik beschallen und die feiernden mit Ihren Getränken auf dem Riff im Wasser sitzen und stehen. Wir beschließen, daß wir Tahiti am nächsten Tag verlassen werden, um nach Moorea überzusetzen. Das ist uns dann doch etwas zu viel Trubel, die Wege mit dem Dinghi sind zu weit und überhaupt wollen wir weiter…

Den letzten Abend verbringen wir bei Gary und Mary-Ann, heute kocht sie ein indisches Curry. Sehr lecker, very spicy 😊 Die beiden bleiben noch einige Tage, da Gary erst seine ganzen Projekte am Boot abschließen möchte, bevor er weiterzieht. Wir werden am nächsten Tag den Anker aufholen und Tahiti verlassen.

So – und nun unser Fazit zu Tahiti…

Viel gesehen von der Insel haben wir aufgrund des langanhaltenden Regens nicht, wobei die Möglichkeiten auch begrenzt sind. In das Hinterland und die Berge kommt man mangels Straßen auch nicht wirklich. Es war schön, wieder einmal „richtige“ Zivilisation und Kleinstadtleben zu genießen. Aber Tahiti ist und bleibt für mich kein „To-Do“ auf einer Reiseliste. Für uns Segler ist sie ein To-Do, wenn man sich Verproviantieren muß oder Ersatzteile benötigt – also fährt hier jeder mal rein. Aber schönere, leere Ankerplätze sind auf den kleineren Inseln doch eher zu finden als hier. Tahiti ist einfach das Drehkreuz Polynesiens – für Flugzeuge und Versorgungsschiffe, für an- und abreisende Urlauber und vieles mehr. Dieses reale Leben wird in den gängigen Dokumentarfilmen oder dem „Traumschiff“ halt nicht gezeigt. Wenn die Kreuzfahrtschiffe hier anlegen, liegen sie inmitten einer aktiven Stadt zwischen Berufshafen und mehrspuriger Straße: da ist nichts mit Ruhe. Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden, was ihm gefällt. Es ist sicherlich toll, in einer der teuren Bungalow-Hotel-Anlagen mit Pool und eigenem Strand abzusteigen und sich verwöhnen zu lassen – aber da sieht man halt nicht viel vom täglichen Leben.

Genug hierzu, jetzt geht es weiter auf die Nachbarinsel, nach Moorea.

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Tuamotus, zweiter Teil

Wir gehen um 2 Uhr in der Früh Anker auf und verlassen Tahanea, die Passausfahrt ist einfach und eine ruhige, entspannte Nachtfahrt nach Fakarava liegt vor uns. Wir erreichen den Südpass gegen 11 Uhr, das Timing stimmt. Wir fahren mit leichter Gegenströmung in den anfangs breiten Pass. Die Wassertiefe steigt von 30 m bis auf knapp über 4 m an und wir müssen etwas Schlangenlinien fahren, um in der Einfahrt den Untiefen auszuweichen. Kurz darauf fällt der Anker in einem Minenfeld aus Bommis, einen kleinen Sandfleck für unseren Anker zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach, wird aber gemeistert und wir lassen unsere Kette mit den Bojen schwimmen, um die Korallenblöcke nicht zu beschädigen. Diese Ankertechnik wenden wir zu Zeit eigentlich immer an, um auf Nummer sicher zu gehen. Es erleichtert auch das Aufholen des Ankers/ Kette. Bei Winddrehern schwebt die Kette eben über die Korallen und verhängt sich nicht in diesen, oder wickelt sich gar drumherum. Der Südpass von Fakarava hat auch einen sehr bekannten Tauchplatz, die „Wall of Shark“, den wir auch besuchen wollen. Kurz nach unserer Ankunft sehe ich die ersten Tauchboote zum Pass fahren, das richtige Indiz für die richtige Zeit. Denn auch hier zählt, das richtige Timing zu beachten, daß man mit der beginnenden einlaufenden Strömung den Tauchgang startet. Zu früh hat man noch Gegenströmung und auch eine schlechtere Sicht, zu spät wird die Strömung zu stark für einen entspannten Tauchgang. Ich beschließe mit Fred zum Pass zu fahren und einen Schnorchelausflug zu unternehmen, Sabine hat keine Lust. So habe ich, mit Fred im Schlepptau, einen wirklich schönen Schnorchelgang, ich sehe wie die Taucher sich treiben lassen und natürlich jede Menge an Haien. Außerdem noch einige große Napoleonfische und Fischschwärme, die sich mir präsentieren.

Leider ändert sich die Wetterlage und ein Nordwind soll sich für die nächsten Tage einstellen. Wir beschließen uns in die südöstliche Ecke vom Atoll zu verstecken. Bei einem 30 sm langen Atoll wird sich da einiges an Welle aufbauen, die sehr ungemütlich werden kann, außerdem liegen wir dann Legerwall, sprich wir werden auf die Küste gedrückt. Sollte hier ein Problem mit dem Anker auftreten kann es schnell kritisch werden. Das Umfeld vom Südpass ist natürlich auch stark frequentiert, hier in der Ecke ist dagegen wieder entspannte Ruhe. Wir sind in Kontakt mit Dirk von der Manus 2, er hatte ja den direkten Weg zum Nordende vom Atoll genommen, um seinen Besuch am Flughafen abzuholen, er will schließlich am Tag darauf zu uns stoßen. Wir machen aus, daß wir uns auf dem Weg zum Südpass machen um, nachdem sich der Wind etwas abgeschwächt hatte, zu schauen wie die Bedingungen sind. Vor Ort stellt sich heraus, daß die Wellen doch noch sehr ungemütlich sind, wir drehen kurzerhand wieder um, geben Dirk Bescheid, und treffen uns dann in der Südostecke. Schließlich lernen wir Peter kennen, sein Freund der auf Besuch gekommen ist. Wir unternehmen noch einen Landgang und Schnorchelausflug zusammen und genießen die gemeinsamen Sundowner auf einem unserer Boote, inclusive der Geburtstage der beiden, die aufeinander folgen.

Danach ist es endlich soweit, wir verlegen uns zurück zum Südpass. So unternehmen wir gemeinsam Landgang, Restaurantbesuch, schnorcheln und natürlich einen Tauchgang im Südpass. Dazu fahren wir gemeinsam mit Fred zum Pass, Sabine und ich machen den Anfang, während uns die Manus-Crew schnorchelnd mit Fred im Schlepptau folgt und uns am Ende des Tauchgangs schließlich wieder aufnimmt. Das ganze wieder zurück und auf Anfang, nur mit umgekehrter Besatzung. Um es kurz zu machen, es war ein fantastisches Erlebnis nach über 12 Jahren wieder mal mit der Pressluftflasche Unterwasser zu gehen und das noch an einem solchen Platz. Wir sehen eine Unmenge an Haien an uns vorbeiziehen, es sollen bis zu siebenhundert Stück hier leben. Des Weiteren gibt es große Napoleonfische und diverse Fischschwärme, die sich am Riff präsentieren.

Wieder treiben uns die Wetteraussichten zwei Tage später voran, es ist der einzige Tag wo wir unter Segel in den Norden kommen, bevor sich erstmal Flaute einstellt. Wir wollen nach Rotoava, dem Ort von Fakarava, schließlich kommt das Versorgungsschiff dort morgen an. Unsere Frischevorräte sind leer und wollen aufgefüllt werden, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Auch ist es hier Zeit Abschied zu nehmen von Dirk und Peter, die beiden müssen nach Tahiti weiter, um rechtzeitig zum Flieger zu kommen. Für Peter ist der Urlaub zu Ende, kurz darauf fliegt auch Dirk für einen Heimaturlaub nach Hause. Eine schöne Zeit ist vorbei, vielleicht treffen sich unsere Wege wieder im weiteren Verlauf. Wir gehen dann 2 Tage später Anker auf und wollen dem Nordpass einen Besuch abstatten, konnten aber in der Zwischenzeit mit Stephane von der Lazarina 2 ein kleines Wiedersehen feiern.

Am Nordpass waren dann die Bedingungen alles andere als schön, unsere Josa veranstaltete einen kleinen Rodeoritt vor Anker. Wir beschlossen den Pass nicht zu besuchen: alleine das zu-Wasser-lassen von Fred und wieder retour wäre eine Herausforderung geworden. So bleiben wir nur über Nacht und vollbrachten am nächsten Tag das kurze Stück von 20 sm nach Toau. Wir bleiben ein paar Tage in dem nahezu unbewohnten Atoll, vertreiben uns die Zeit mit ausgiebigen Schnorchelausflügen in den beiden Pässen, die in unmittelbarer Nähe liegen und selbstverständlich auch an den kleinen Riffen, die auf dem Weg dorthin sind. Ja und die kleinen Arbeiten die da wieder mal zu erledigen sind, wollen auch abgearbeitet werden. In einem Atoll wo es sonst nichts weiter gibt eine gute Möglichkeit, diese von der ToDo-Liste streichen zu können. Nach 5 Tagen geht es dann ans Nordende von Toau: in den Blindpass. Das ist ein Pass, der nur von der Außenseite zugänglich ist und quasi eine Sackgasse ist. Es ist auch der erste Ort, an der es wirklich Festmacherbojen gibt, an denen wir uns festmachen können. Eigentlich eine perfekte Sache, so werden die Korallen durch die vielen Anker und Ketten verschont. An vielen Orten markiert, aber nur an wenigen vorhanden, leider. Es wurden schon einige Bojen gesetzt, leider fehlt es an deren Pflege und sie sind wieder verschwunden. Wenn ich als Yachti mich an so einer Boje befestige, möchte ich auch die Gewissheit haben, daß sie hält und nicht mein Boot bei aufkommenden Winden auf Drift geht, wenn die Befestigung reißt. Hier ist alles gut, die Bojen gehören wohl einem der beiden Familien, die hier leben und werden regelmäßig kontrolliert. Dafür muss man auch einen kleinen Obolus bezahlen, was auch völlig ok ist. Trotzdem haben wir Glück und liegen umsonst hier, der Besitzer ist aktuell nicht da, den anderen interessiert es nicht. Auch hier wieder schnorcheln vom Feinsten, es gibt jede Menge an Haien, die um das Boot und beim schnorcheln zu sehen sind.

Von hier aus geht es dann zum 100 sm entfernten Atoll Rangiroa, was wir wieder einmal mit einer Nachtfahrt bewerkstelligen wollen. Die Überfahrt gestaltet sich dann alles andere als einfach. Es zieht ein ausgewachsenes Regenband über uns, das von Flaute bis Starkwind alles im Gepäck hat, Winddreher von weit über 90 Grad inclusive. Ich schaffe es irgendwie auf 2 Stunden Schlaf in der Nacht zu kommen, aber was soll es, ist ja nur eine Nacht. Am Vormittag fällt der Anker vor Tiputa, der Stadt des Atolls. Rangiroa empfinden wir als das touristischste Atoll der Tuamotus, täglich starten und landen mehrere Flugzeuge, die die Gäste anbringen/ abholen. Die örtlichen Tauchschulen fahren ihre Kundschaft fleißig zu den Tauchspots, die wir nur schnorchelnd erkunden. Ein wohl sehr lohnenswerter Tauchgang soll am Außenriff der Passeinfahrt sein, wir entscheiden uns dagegen, zu schlecht sind die aktuellen Sichtbedingungen aufgrund der Wind- und Wetterbedingungen. Der Schnorchelgang an der kleinen Insel an der Innenseite vom Pass entschädigt für so einiges, wenn auch hier die Sicht eingeschränkt ist. In der Zwischenzeit habe ich Kontakt mit einem anderen Boot aufgenommen, das Motorenprobleme hat; sie kommen zu uns gesegelt und ich schaue mal, ob ich da weiterhelfen kann. Sie kommen am späten Abend an und am nächsten Morgen wird schließlich Hand angelegt. Nach einigen Stunden ist das Problem gelöst und der Motor schnurrt wieder, wie er soll, alle sind Glücklich.

In der Zwischenzeit haben wir uns auch festgelegt, daß es am Ende vom Jahr nach Neuseeland gehen soll. Die ganze Zeit war es noch völlig offen, was wir machen. Neuseeland, Australien oder gleich nach Indonesien, wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber wenn wir schon einmal so „Nah“ dran sind, sollten wir das auch ausnutzen. So ist natürlich auch einiges zu Planen und zu Organisieren, langweilig wird es bestimmt nicht.

Nach der getätigten Arbeit geht es dann auch schon weiter zu unserem letzten Stopp in den Tuamotus, auf nach Tikehau. Die 45 sm sollten gut in einer Tagesetappe zu schaffen sein, ja wäre nicht die zeitliche Abstimmung mit der Passausfahrt. Bei Tagesanbruch ist eigentlich die ungünstigste Zeit, die man sich aussuchen kann, ich beschließe 2 Stunden später zu starten. Die entscheidenden 300 m durch den Pass werden trotzdem wild, das Wasser wird mehrfach über das Deck gespült, aber unser Dickschiff meistert die Passage in gewohnter Souveränität. Leider lässt uns ausgerechnet auf dieser Passage die Wind- und Strömungsverhältnisse im Stich. Um noch vor Einbruch der Dunkelheit und natürlich auch zur rechten Zeit am Pass zu sein, entscheiden wir uns, unseren Motor mitlaufen zu lassen, wir Motorsegeln die Strecke. Wir kommen wie geplant an, die Passeinfahrt passt wieder und der auserkorene Ankerplatz ist gleich um die Ecke. Am nächsten Tag geht es noch zum schnorcheln in den Pass, die Zeit am Vormittag sollte passen, am Nachmittag wollen wir noch innerhalb des Atolls verlegen. Leider gibt es aktuell kein einlaufendes Wasser in den Pass, es gibt nur einen kurzes Zeitfenster, in der das Wasser zum Stillstand kommt, die Sicht ist entsprechend schlecht. Zu diesem Ereignis kommt es durch die aktuellen starken Ostwinde die auf der anderen Seite vom Atoll jede Menge Wasser durch die Öffnungen drückt und dann an der Westseite, an der wir uns befinden, nur noch abfließen. Nach dem schnorcheln geht es Anker auf und wir verlegen auf die Ostseite vom Atoll. Der Wind kommt genau von Vorne, ein kreuzen durch das Atoll möchten wir nicht, zu viele Untiefen sind auf dem Weg, denen ausgewichen werden muss. So kommt wieder der Motor zum Einsatz und bringt uns auf die andere Seite. Hier liegen wir jetzt wie im Abrahams Schoss, absolut ruhig und geschützt. Der Anker liegt vor dem „Garden Eden“, zwei Familien die hier noch Obst und Gemüse anbauen, in den Tuamotus absolut einmalig. Sie stellen aus Kompost Erde her, auf denen sie alles anpflanzen. Leider ist zur Zeit nur Pok Choy fertig und die letzten Eier hat die Yacht vor uns mitgenommen, Pech gehabt. Wir bekommen vom Besitzer noch einen Rundgang durch die Anlage, in der er uns alles erklärt und zeigt, leider habe ich keine Kamera, dabei um es euch hier zu zeigen. Die Familien bauen alle möglichen Gemüsesorten an, die sie aus Samen selbst kultivieren, haben diverse Früchte wie Papaya und Banane, ebenso Vanille und stellen sogar eigenes Meersalz her. Ebenso besteht noch eine kleine Perlzucht.

Da uns die Abfahrt nach Tahiti bevorsteht, haben wir hier noch ein strammes Programm. Das Wetter gibt uns wieder den Takt vor. Im Moment zeichnet sich eine stabile Wetterlage ab und für drei Tage sollten die Wellen auch sehr moderat sein, das wollen wie ausnutzen. Wir könnten es auch etwas entspannter Angehen, aber dann wird es wahrscheinlich eine Woche später. Hier eine Woche und da eine Woche, wir wollen weiterkommen. Um nach Neuseeland zu kommen, muss es auch zeitlich passen, die Zyklonsaison fängt im November an. Lieber geben wir jetzt etwas Gas, wenn sich die Möglichkeit ergibt, als es uns am Ende fehlt.

So bleiben wir auch nur zwei Nächte hier um noch an den Mantapoint zu verlegen, ein Ort an dem es eine Putzerstation für die sanften Riesen geben soll, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zuvor machen wir aber noch einen Ausflug mit Fred zur Vogelinsel, die vor dem Garten Eden liegt. Auf diesem kleinen, unbewohnten Eiland brüten tausende von Seevögeln unterschiedlicher Art. Auf der Insel ist ein kleiner Rundweg angelegt, der mit Leinen markiert ist. Bei dem ständigen Vogelgezwitscher können wir Weißkopfnoddys, Braunnoddys, Feenseeschwalben und Rotfußtölpel identifizieren. Letztere sind gerade mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Die Vögel haben auch keine Angst vor uns, wir kommen sehr nah an die Vögel ran. Einfach ein paradiesischer Ort hier. Weiter geht es dann zum Ankerplatz Mantapoint, es ist schwachwindig. Es ist ein schöner Tag und keine Welle, so segeln wir gemächlich unserem Ziel entgegen, für die 10 sm braucht es über 4 Stunden bis der Anker wieder fällt. Beim ersten Schnorchelausflug gibt es auch gleich einen der sanften Riesen zu sehen, wie er gemütlich um den Bommie kreist und sich dabei von den Putzerfischen verwöhnen lässt. Es ist so Windstill das wir am Platz bleiben können und nochmal ins Wasser absteigen, auf der Suche nach den Riesen. Leider ist das Wasser sehr trüb und die Sicht sehr begrenzt. Nach drei Nächten heißt es jetzt, Tahiti wir kommen.

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1000 Tage Wochenende

Ja es steht ein kleines Jubiläum im Raum, am 7. Mai sind wir seit unserem Start in Hamburg, nun schon so lange unterwegs. Es gibt ein Buch von einem Segler der in drei Jahren um die Welt ist, der Titel: „1200 Tage Sonntag“. Dem kann ich so nicht zustimmen, Wochenende passt da wohl besser. Sonntag ist für mich so ein Tag an dem es heißt, Füße hochlegen. Der Samstag ist dann so der Arbeitstag an dem das ein oder andere zu erledigen ist, typisch Deutsch halt. Wobei sich das mit den Wochentagen ja schon lange erledigt hat. Was für ein Tag ist heute? Keine Ahnung, ich müsste nachschauen. Da sind mit Sicherheit arbeitsreiche Sonntage dabei gewesen, dafür „unter der Woche“ Füße hoch angesagt.

Es nun schon eine lange Zeit her seit dem Beginn, aber Erinnerungen, Erlebnisse oder Begegnungen haben sich in das Gedächtnis eingebrannt. Wie es der Zufall will, ist auch der Tag, an dem ich mein Zuhause verlassen habe nur wenige Tage entfernt, es war der 11. Mai. Wenige Tage zuvor wurde unser Schiff für den Transport auf der Straße verladen. Der Aufruf in der Whatsapp-Gruppe von Willanzheim zu sehr später Stunde für ein paar helfende Hände. Bei der Abfahrt vom LKW stellte sich heraus, daß der Mast falsch liegt und mal eben um 1 m verschoben werden muss. 30 Minuten später waren genügend Helfer da, um das Ganze per Muskelkraft zu korrigieren, Dorfgemeinschaft sei Dank. Ja und dann kam die sehr emotionale Abfahrt von zu Hause, mitten in der Nacht, durch die leeren Straßen. Wenn ich heute diese Zeilen schreibe und zurück denke, wird es wieder emotional. Letzter Besuch beim Arbeitgeber, um Tschüß zu sagen und alles abzugeben. Ankunft in Kappeln: Wo ist unser Boot? Die letzten Stationen der Vorbereitungen, um das Boot fertig zu bekommen waren in Kappeln, Flensburg, Kiel und Hamburg. In der Zwischenzeit Besuch von Freunden, die sich verabschiedeten. Und ganz wichtig: der Besuch von meiner Familie, die sich auch nochmals verabschiedet hat, emotional wieder. In Hamburg letztendlich Besuch von Arbeitskollegen und schließlich Chris, der uns die erste Etappe die Elbe hoch bis nach Cuxhafen begleitet hat.

Erste nervenaufreibende Motorenprobleme in Belgien, nach deren Lösung es den dann aber weitestgehend problemlos weiter geht. Es folgte die Biskaya, weiter die Küste runter bis Lissabon und schließlich auf die Kanaren. Heute muss ich sagen, daß wir hier eine einschneidende Begegnung hatten. Wir trafen Andrea und Dirk von der Southeast, ausgesprochene Südamerikaliebhaber, die die weitere Reiseplanung quasi auf den Kopf gestellt haben, sehr zum positiven! Genauso haben unsere Erlebnisse sie inspiriert und sie sind mittlerweile mit dem eigenen Boot in Brasilien angekommen, sehr zu unserer Freude.

Es folgen die Kap Verden und der Sprung über den Atlantik nach Brasilien mit der Äquatorüberquerung. In Jacare lernen wir Kerstin und Mike von der Salto kennen, die wir immer wieder auf den Weg in den Süden treffen, auf der Isla Los Estados unsere erste gemeinsame Woche im tiefen Süden verbringen, bis wir gemeinsam in Ushuaia ankommen. Leider haben sich durch unsere erneuten Motorenprobleme die Wege in Puerto Williams getrennt. Erst in Puerto Montt gab es ein Wiedersehen. Immer wieder sind es auch diese zufälligen Begegnungen, die es so Besonders machen. Freundliche Menschen die, auch wenn sie wenig haben, teilen und helfen wo sie können, überall auf unserer Reise.

Dann sind wir ja auch so völlig untypische Segler, man muss inzwischen „leider“ dazu sagen. Wenn wir irgendwo vor Anker gehen, setzten wir uns ins Dinghy, fahren eine Begrüßungsrunde zu den Nachbarliegern und stellen uns vor. Wenn jemand keine Lust auf Kommunikation hat, stellt man das innerhalb von Sekunden fest. Mit der ein oder anderen Besatzung hat man dann auch vielleicht das ein oder andere Treffen und eine schöne gemeinsame Zeit. Und dann gibt es noch die Anderen, bei denen sich eine Freundschaft entwickelt. So bei Andres und Guillermo, Argentinier die wir in Brasilien kennengelernt haben und später eine wunderbare Zeit zusammen in ihrer Heimat verbracht haben. In Uruguay war es dann einmal anders herum, wir liegen fest im Hafen als plötzlich an unserem Boot ein deutsches Hallo ertönt. Wir lernen dadurch Daniel und Mechtild kennen, ein uruguayisch-deutsches Ehepaar, die uns dazu verleiteten, doch ein paar Tage länger in dem dortigen Hafen zu verweilen, bis Daniel schließlich eine Etappe mit uns gesegelt ist.

Bei einem weiteren Zwischenstopp haben wir dann auch unseren ersten Kontakt mit Ulf von der Farvel, einem Solosegler, mit dem wir später gemeinsam Patagonien bereisen und am Kap Horn waren. Nora und Hacko von der Anixi, die wir endlich in Pueto Williams persönlich kennenlernen, wir hatten schon lange zuvor Kontakt über Handy. Sie haben Patagonien von Nord nach Süd durchquert und sind uns quasi entgegen gekommen. Man könnte die Liste unendlich weiterführen. Hier in Französisch Polynesien treffen wir viele, die eine ähnliche Route wie wir fahren, man trifft sich immer mal wieder und hat eine schöne Zeit zusammen, lernt immer wieder neue Segler aus unterschiedlichen Ländern kennen, die gemeinsam mit uns den Südseetraum leben.

Auf der bisherigen Reise war aber für mich das absolute Highlight natürlich Patagonien mit seiner fantastischen Natur. Auch wenn es viele andere schöne Orte gegeben hat, war dieser schon etwas Besonderes. Als kultureller Höhepunkt war schließlich das Marquesasfestival auf Ua Huka. So, jetzt genug von dem kleinen Rückblick. Die nächste Etappe steht vor der Tür und die Planungen für Neuseeland laufen, unserem nächsten großen Ziel, das ihr wieder alle auf der Karte findet.

Auf die nächsten 19400sm (ca.36000km) 😉
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