Wir gehen um 2 Uhr in der Früh Anker auf und verlassen Tahanea, die Passausfahrt ist einfach und eine ruhige, entspannte Nachtfahrt nach Fakarava liegt vor uns. Wir erreichen den Südpass gegen 11 Uhr, das Timing stimmt. Wir fahren mit leichter Gegenströmung in den anfangs breiten Pass. Die Wassertiefe steigt von 30 m bis auf knapp über 4 m an und wir müssen etwas Schlangenlinien fahren, um in der Einfahrt den Untiefen auszuweichen. Kurz darauf fällt der Anker in einem Minenfeld aus Bommis, einen kleinen Sandfleck für unseren Anker zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach, wird aber gemeistert und wir lassen unsere Kette mit den Bojen schwimmen, um die Korallenblöcke nicht zu beschädigen. Diese Ankertechnik wenden wir zu Zeit eigentlich immer an, um auf Nummer sicher zu gehen. Es erleichtert auch das Aufholen des Ankers/ Kette. Bei Winddrehern schwebt die Kette eben über die Korallen und verhängt sich nicht in diesen, oder wickelt sich gar drumherum. Der Südpass von Fakarava hat auch einen sehr bekannten Tauchplatz, die „Wall of Shark“, den wir auch besuchen wollen. Kurz nach unserer Ankunft sehe ich die ersten Tauchboote zum Pass fahren, das richtige Indiz für die richtige Zeit. Denn auch hier zählt, das richtige Timing zu beachten, daß man mit der beginnenden einlaufenden Strömung den Tauchgang startet. Zu früh hat man noch Gegenströmung und auch eine schlechtere Sicht, zu spät wird die Strömung zu stark für einen entspannten Tauchgang. Ich beschließe mit Fred zum Pass zu fahren und einen Schnorchelausflug zu unternehmen, Sabine hat keine Lust. So habe ich, mit Fred im Schlepptau, einen wirklich schönen Schnorchelgang, ich sehe wie die Taucher sich treiben lassen und natürlich jede Menge an Haien. Außerdem noch einige große Napoleonfische und Fischschwärme, die sich mir präsentieren.
Leider ändert sich die Wetterlage und ein Nordwind soll sich für die nächsten Tage einstellen. Wir beschließen uns in die südöstliche Ecke vom Atoll zu verstecken. Bei einem 30 sm langen Atoll wird sich da einiges an Welle aufbauen, die sehr ungemütlich werden kann, außerdem liegen wir dann Legerwall, sprich wir werden auf die Küste gedrückt. Sollte hier ein Problem mit dem Anker auftreten kann es schnell kritisch werden. Das Umfeld vom Südpass ist natürlich auch stark frequentiert, hier in der Ecke ist dagegen wieder entspannte Ruhe. Wir sind in Kontakt mit Dirk von der Manus 2, er hatte ja den direkten Weg zum Nordende vom Atoll genommen, um seinen Besuch am Flughafen abzuholen, er will schließlich am Tag darauf zu uns stoßen. Wir machen aus, daß wir uns auf dem Weg zum Südpass machen um, nachdem sich der Wind etwas abgeschwächt hatte, zu schauen wie die Bedingungen sind. Vor Ort stellt sich heraus, daß die Wellen doch noch sehr ungemütlich sind, wir drehen kurzerhand wieder um, geben Dirk Bescheid, und treffen uns dann in der Südostecke. Schließlich lernen wir Peter kennen, sein Freund der auf Besuch gekommen ist. Wir unternehmen noch einen Landgang und Schnorchelausflug zusammen und genießen die gemeinsamen Sundowner auf einem unserer Boote, inclusive der Geburtstage der beiden, die aufeinander folgen.
Danach ist es endlich soweit, wir verlegen uns zurück zum Südpass. So unternehmen wir gemeinsam Landgang, Restaurantbesuch, schnorcheln und natürlich einen Tauchgang im Südpass. Dazu fahren wir gemeinsam mit Fred zum Pass, Sabine und ich machen den Anfang, während uns die Manus-Crew schnorchelnd mit Fred im Schlepptau folgt und uns am Ende des Tauchgangs schließlich wieder aufnimmt. Das ganze wieder zurück und auf Anfang, nur mit umgekehrter Besatzung. Um es kurz zu machen, es war ein fantastisches Erlebnis nach über 12 Jahren wieder mal mit der Pressluftflasche Unterwasser zu gehen und das noch an einem solchen Platz. Wir sehen eine Unmenge an Haien an uns vorbeiziehen, es sollen bis zu siebenhundert Stück hier leben. Des Weiteren gibt es große Napoleonfische und diverse Fischschwärme, die sich am Riff präsentieren.
Wieder treiben uns die Wetteraussichten zwei Tage später voran, es ist der einzige Tag wo wir unter Segel in den Norden kommen, bevor sich erstmal Flaute einstellt. Wir wollen nach Rotoava, dem Ort von Fakarava, schließlich kommt das Versorgungsschiff dort morgen an. Unsere Frischevorräte sind leer und wollen aufgefüllt werden, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Auch ist es hier Zeit Abschied zu nehmen von Dirk und Peter, die beiden müssen nach Tahiti weiter, um rechtzeitig zum Flieger zu kommen. Für Peter ist der Urlaub zu Ende, kurz darauf fliegt auch Dirk für einen Heimaturlaub nach Hause. Eine schöne Zeit ist vorbei, vielleicht treffen sich unsere Wege wieder im weiteren Verlauf. Wir gehen dann 2 Tage später Anker auf und wollen dem Nordpass einen Besuch abstatten, konnten aber in der Zwischenzeit mit Stephane von der Lazarina 2 ein kleines Wiedersehen feiern.
Am Nordpass waren dann die Bedingungen alles andere als schön, unsere Josa veranstaltete einen kleinen Rodeoritt vor Anker. Wir beschlossen den Pass nicht zu besuchen: alleine das zu-Wasser-lassen von Fred und wieder retour wäre eine Herausforderung geworden. So bleiben wir nur über Nacht und vollbrachten am nächsten Tag das kurze Stück von 20 sm nach Toau. Wir bleiben ein paar Tage in dem nahezu unbewohnten Atoll, vertreiben uns die Zeit mit ausgiebigen Schnorchelausflügen in den beiden Pässen, die in unmittelbarer Nähe liegen und selbstverständlich auch an den kleinen Riffen, die auf dem Weg dorthin sind. Ja und die kleinen Arbeiten die da wieder mal zu erledigen sind, wollen auch abgearbeitet werden. In einem Atoll wo es sonst nichts weiter gibt eine gute Möglichkeit, diese von der ToDo-Liste streichen zu können. Nach 5 Tagen geht es dann ans Nordende von Toau: in den Blindpass. Das ist ein Pass, der nur von der Außenseite zugänglich ist und quasi eine Sackgasse ist. Es ist auch der erste Ort, an der es wirklich Festmacherbojen gibt, an denen wir uns festmachen können. Eigentlich eine perfekte Sache, so werden die Korallen durch die vielen Anker und Ketten verschont. An vielen Orten markiert, aber nur an wenigen vorhanden, leider. Es wurden schon einige Bojen gesetzt, leider fehlt es an deren Pflege und sie sind wieder verschwunden. Wenn ich als Yachti mich an so einer Boje befestige, möchte ich auch die Gewissheit haben, daß sie hält und nicht mein Boot bei aufkommenden Winden auf Drift geht, wenn die Befestigung reißt. Hier ist alles gut, die Bojen gehören wohl einem der beiden Familien, die hier leben und werden regelmäßig kontrolliert. Dafür muss man auch einen kleinen Obolus bezahlen, was auch völlig ok ist. Trotzdem haben wir Glück und liegen umsonst hier, der Besitzer ist aktuell nicht da, den anderen interessiert es nicht. Auch hier wieder schnorcheln vom Feinsten, es gibt jede Menge an Haien, die um das Boot und beim schnorcheln zu sehen sind.
Von hier aus geht es dann zum 100 sm entfernten Atoll Rangiroa, was wir wieder einmal mit einer Nachtfahrt bewerkstelligen wollen. Die Überfahrt gestaltet sich dann alles andere als einfach. Es zieht ein ausgewachsenes Regenband über uns, das von Flaute bis Starkwind alles im Gepäck hat, Winddreher von weit über 90 Grad inclusive. Ich schaffe es irgendwie auf 2 Stunden Schlaf in der Nacht zu kommen, aber was soll es, ist ja nur eine Nacht. Am Vormittag fällt der Anker vor Tiputa, der Stadt des Atolls. Rangiroa empfinden wir als das touristischste Atoll der Tuamotus, täglich starten und landen mehrere Flugzeuge, die die Gäste anbringen/ abholen. Die örtlichen Tauchschulen fahren ihre Kundschaft fleißig zu den Tauchspots, die wir nur schnorchelnd erkunden. Ein wohl sehr lohnenswerter Tauchgang soll am Außenriff der Passeinfahrt sein, wir entscheiden uns dagegen, zu schlecht sind die aktuellen Sichtbedingungen aufgrund der Wind- und Wetterbedingungen. Der Schnorchelgang an der kleinen Insel an der Innenseite vom Pass entschädigt für so einiges, wenn auch hier die Sicht eingeschränkt ist. In der Zwischenzeit habe ich Kontakt mit einem anderen Boot aufgenommen, das Motorenprobleme hat; sie kommen zu uns gesegelt und ich schaue mal, ob ich da weiterhelfen kann. Sie kommen am späten Abend an und am nächsten Morgen wird schließlich Hand angelegt. Nach einigen Stunden ist das Problem gelöst und der Motor schnurrt wieder, wie er soll, alle sind Glücklich.
In der Zwischenzeit haben wir uns auch festgelegt, daß es am Ende vom Jahr nach Neuseeland gehen soll. Die ganze Zeit war es noch völlig offen, was wir machen. Neuseeland, Australien oder gleich nach Indonesien, wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber wenn wir schon einmal so „Nah“ dran sind, sollten wir das auch ausnutzen. So ist natürlich auch einiges zu Planen und zu Organisieren, langweilig wird es bestimmt nicht.
Nach der getätigten Arbeit geht es dann auch schon weiter zu unserem letzten Stopp in den Tuamotus, auf nach Tikehau. Die 45 sm sollten gut in einer Tagesetappe zu schaffen sein, ja wäre nicht die zeitliche Abstimmung mit der Passausfahrt. Bei Tagesanbruch ist eigentlich die ungünstigste Zeit, die man sich aussuchen kann, ich beschließe 2 Stunden später zu starten. Die entscheidenden 300 m durch den Pass werden trotzdem wild, das Wasser wird mehrfach über das Deck gespült, aber unser Dickschiff meistert die Passage in gewohnter Souveränität. Leider lässt uns ausgerechnet auf dieser Passage die Wind- und Strömungsverhältnisse im Stich. Um noch vor Einbruch der Dunkelheit und natürlich auch zur rechten Zeit am Pass zu sein, entscheiden wir uns, unseren Motor mitlaufen zu lassen, wir Motorsegeln die Strecke. Wir kommen wie geplant an, die Passeinfahrt passt wieder und der auserkorene Ankerplatz ist gleich um die Ecke. Am nächsten Tag geht es noch zum schnorcheln in den Pass, die Zeit am Vormittag sollte passen, am Nachmittag wollen wir noch innerhalb des Atolls verlegen. Leider gibt es aktuell kein einlaufendes Wasser in den Pass, es gibt nur einen kurzes Zeitfenster, in der das Wasser zum Stillstand kommt, die Sicht ist entsprechend schlecht. Zu diesem Ereignis kommt es durch die aktuellen starken Ostwinde die auf der anderen Seite vom Atoll jede Menge Wasser durch die Öffnungen drückt und dann an der Westseite, an der wir uns befinden, nur noch abfließen. Nach dem schnorcheln geht es Anker auf und wir verlegen auf die Ostseite vom Atoll. Der Wind kommt genau von Vorne, ein kreuzen durch das Atoll möchten wir nicht, zu viele Untiefen sind auf dem Weg, denen ausgewichen werden muss. So kommt wieder der Motor zum Einsatz und bringt uns auf die andere Seite. Hier liegen wir jetzt wie im Abrahams Schoss, absolut ruhig und geschützt. Der Anker liegt vor dem „Garden Eden“, zwei Familien die hier noch Obst und Gemüse anbauen, in den Tuamotus absolut einmalig. Sie stellen aus Kompost Erde her, auf denen sie alles anpflanzen. Leider ist zur Zeit nur Pok Choy fertig und die letzten Eier hat die Yacht vor uns mitgenommen, Pech gehabt. Wir bekommen vom Besitzer noch einen Rundgang durch die Anlage, in der er uns alles erklärt und zeigt, leider habe ich keine Kamera, dabei um es euch hier zu zeigen. Die Familien bauen alle möglichen Gemüsesorten an, die sie aus Samen selbst kultivieren, haben diverse Früchte wie Papaya und Banane, ebenso Vanille und stellen sogar eigenes Meersalz her. Ebenso besteht noch eine kleine Perlzucht.
Da uns die Abfahrt nach Tahiti bevorsteht, haben wir hier noch ein strammes Programm. Das Wetter gibt uns wieder den Takt vor. Im Moment zeichnet sich eine stabile Wetterlage ab und für drei Tage sollten die Wellen auch sehr moderat sein, das wollen wie ausnutzen. Wir könnten es auch etwas entspannter Angehen, aber dann wird es wahrscheinlich eine Woche später. Hier eine Woche und da eine Woche, wir wollen weiterkommen. Um nach Neuseeland zu kommen, muss es auch zeitlich passen, die Zyklonsaison fängt im November an. Lieber geben wir jetzt etwas Gas, wenn sich die Möglichkeit ergibt, als es uns am Ende fehlt.
So bleiben wir auch nur zwei Nächte hier um noch an den Mantapoint zu verlegen, ein Ort an dem es eine Putzerstation für die sanften Riesen geben soll, das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Zuvor machen wir aber noch einen Ausflug mit Fred zur Vogelinsel, die vor dem Garten Eden liegt. Auf diesem kleinen, unbewohnten Eiland brüten tausende von Seevögeln unterschiedlicher Art. Auf der Insel ist ein kleiner Rundweg angelegt, der mit Leinen markiert ist. Bei dem ständigen Vogelgezwitscher können wir Weißkopfnoddys, Braunnoddys, Feenseeschwalben und Rotfußtölpel identifizieren. Letztere sind gerade mit der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt. Die Vögel haben auch keine Angst vor uns, wir kommen sehr nah an die Vögel ran. Einfach ein paradiesischer Ort hier. Weiter geht es dann zum Ankerplatz Mantapoint, es ist schwachwindig. Es ist ein schöner Tag und keine Welle, so segeln wir gemächlich unserem Ziel entgegen, für die 10 sm braucht es über 4 Stunden bis der Anker wieder fällt. Beim ersten Schnorchelausflug gibt es auch gleich einen der sanften Riesen zu sehen, wie er gemütlich um den Bommie kreist und sich dabei von den Putzerfischen verwöhnen lässt. Es ist so Windstill das wir am Platz bleiben können und nochmal ins Wasser absteigen, auf der Suche nach den Riesen. Leider ist das Wasser sehr trüb und die Sicht sehr begrenzt. Nach drei Nächten heißt es jetzt, Tahiti wir kommen.
















































