Autor: Sabine (Seite 5 von 12)

Brasilien

Jetzt sind wir schon eine Woche in Brasilien – wie schnell doch die Zeit vergeht.

Wir sind angekommen in einer scheinbar ganz anderen Welt, wo die Uhren anders ticken. Brasilien ist landschaftlich schön, sehr warm, mit sehr freundlichen Menschen, die fast ausnahmslos nur portugiesisch sprechen (die Sprache, mit der wir so gar nichts anfangen können), arm und reich und vor allem: laut. Brasilianer feiern gerne und das in enormen Lautstärken. Und: Brasilien ist Bürokratie pur. Wer denkt, daß wir Deutschen da die Weltmeister sind, der irrt. Hier wird gerne mit Papier gehandelt.

Aber der Reihe nach:

Kaum richtig festgemacht am Steg, wurde mit so ziemlich jedem hier ein Schwätzchen gehalten. Ruck Zuck sind da zwei Stunden in praller Sonne um und wir haben unseren ersten Sonnenbrand!! Dachten wir, wir wären durch den permanenten „Außenaufenthalt“ doch schon durchgebräunt und Sonne gewöhnt – falsch gedacht. Hier in der Nähe des Äquators brennt die Sonne ganz anders.

Die Marina hier ist klein und familiär und der Liegeplatz hier im Fluß Paraibo ist sehr ruhig ohne viel Geschaukel und Gezerre an den Festmacherleinen. Lediglich wenn wieder ein Brasilianer sein Motorboot im Fluß vorbeijagt, kommt hier die Welle an und es schaukelt etwas. Aber schlafen – ein Traum. Bettdecken und Co. wurden weggeräumt, die brauchts hier wirklich nicht. Das ist das einzige Manko: man schwitzt beim Schlafen 😊

Strand in Cabedelo

Ganz typisch für Brasilien sind die sogenannten „Self service Buffets“ – man bedient sich am Buffet und die Bezahlung erfolgt dann nach den jeweiligen Regeln des Restaurants. Es gibt Buffets, wo ein fester Preis für einmal Essen holen bezahlt wird. z.B. hier im Ort bei Rivane sind das umgerechnet 3 €. In Intermares beim Buffet ist das Ganze dann auf 2 Fleischstücke begrenzt, Beilagen so viel man will oder aber es wird der Teller gewogen und nach Gramm abgerechnet, wobei egal ist, was auf dem Teller liegt. Hier wird man auf jeden Fall satt und wir konnten unsere erste Fleischgier nach 12 Tagen segeln erst einmal befriedigen. Brasilien ist ein Fleischland – genau wie Argentinien.

Nun mal zu unseren Erfahrungen über die Einreise. Was sind wir in Europa doch verwöhnt mit dem Reisen ohne große Zollformalitäten. Hier heißt es, daß man 3 verschiedenen Behörden anlaufen muß; und das auch noch in richtiger Reihenfolge. Wir haben hierfür den Service eines Taxifahrers in Anspruch genommen, der die Aufträge von der Marina vermittelt bekommt. Er kennt sämtliche Mitarbeiter und Behörden und geht als Agent mit und hilft dabei. Das hat uns sehr geholfen, vor allem da wir gleich noch mehr andere Botengänge mit erledigt haben, die er sprachlich für uns geregelt hat. Das war für hiesige Verhältnisse nicht günstig, hat uns aber insgesamt nur 7 Stunden an Zeit gekostet. Das Nachbarboot, daß das alles alleine erledigt hat, waren 2 volle Tage beschäftigt, ohne daß sie das „Zusatzprogramm“ hatten.

Die erste Anlaufstelle ist die Immigration bei der Policia Federal, also das Visum für uns beide. Hier müssen alle Crewmitglieder persönlich vorstellig werden. Man bekommt sein Visum in den Pass gestempelt – maximal 90 Tage, nicht verlängerbar. Es sei denn, es gibt driftige Gründe. (medizinisch, technisch). Diese ist hier im Hafen von Cabedelo, etwa 20 Minuten Fahrt mit dem Taxi.

Wenige Schritte weiter im Hafen geht es dann zur „Customs“, der Receita Federal, dem Zoll. Hier muß ein vorher im Internet ausgefülltes Formular (hat uns unser Marinabüro gemacht) vorgelegt werden über die Daten des Schiffes, u.a. dem Wert des Schiffes, da sich evtl. verhängte Strafen am Wert des Schiffes bemessen. Daher: Wert gaaaanz unten ansetzen. So, dann ist auch das Schiff offiziell eingereist und darf solange  bleiben, wie unser Visum gilt. Sollten wir ausreisen wollen und das Schiff hier lassen, muß ein sogenannter Überlassungsvertrag mit der Marina hinterlegt und genehmigt werden. Dann könnte das Schiff max. 2 Jahre hierbleiben. Wir haben vorsichtshalber dieses Dokument auch gleich mit abgegeben, man weiß ja nie. Sonst müssten wir den ganzen Gang nochmals machen.

Danach muß man zur Capitania. (die Hafenbehörde) Diese ist dann in Joao Pessao. Also wieder den ganzen gefahrenen Weg zurück in die andere Richtung. 30 Minuten Autofahrt. Dort angekommen – jetzt ist Mittagspause. Also gehen wir erstmal was futtern.

Wieder in der Capitania – ich weiß nicht, welchen der vielen Zettel er jetzt will, also kriegt er mal alles in die Hand gedrückt und geht kopieren und scannen. Jetzt sind wir auch offiziell im Hafen angemeldet.

Das war aber noch nicht alles: die Capitania stempelt den Überlassungsvertrag mit der Marina ab. Diesen Stempel will aber der Zoll nochmals sehen, damit auch jeder hier Bescheid weiß. Also von Joao Pessao wieder zurück nach Cabedelo in den Hafen. Kurz Dokument mit Stempel gezeigt – alles gut.

Zwischendurch haben wir aber auf dem Weg noch zwei weitere Dinge erledigt:

Wir wollen eine Telefonkarte, damit wir unterwegs auch digital sind. Ist für uns wichtig, wenn es um das fußläufige navigieren geht – Google Maps lässt grüßen. Um eine Telefonkarte kaufen zu können (oder auch nur einen Wasserfilter im Baumarkt) benötigt man hier aber eine Steuernummer, die CPF-Nummer.

Hierfür kann man online (wie einfach) einen Antrag ausfüllen und bekommt eine Vorgangsnummer. Damit muß man aber zur Behörde und bekommt dort dann seine Steuernummer. Also auf zum Finanzamt. Nummer ziehen und im Wartesaal Platz nehmen. Oh mei – Menschenmassen vor uns. Wir haben die Nummer CPF18 erhalten. Jeder Vorgang bekommt hier sein eigenes Merkmal. Die Aufrufe erfolgen über Bildschirme. OMG!!! Hier wird gerade erst die CPF06 aufgerufen. Nach etwa 20 Minuten verlässt unseren Taxifahrer die Geduld und er geht nochmals zu dem Herrn, der die Nummern ausdruckt. Er kommt zurück und hält nun plötzlich die EP6 in der Hand. Und – nach zwei Minuten werden wir aufgerufen. Wir hätten, ohne unseren Fahrer, den ganzen Nachmittag da verbracht.  Ich weiß nicht, was er dort erzählt hat und was EP bedeutet. Vielleicht extreme Priority?!?!?!

Mit der Steuernummer auf in das Einkaufszentrum zur Telefongesellschaft. Bei der ersten („Claro“) erklärt der Herr, daß die Steuernummer noch nicht freigeschalten ist und ich morgen noch mal kommen soll. Also gehen wir zu „TIM“,( ist sowieso unserem Taxifahrer lieber – Provision vielleicht). Hier klappt es und wir haben endlich eine Telefonkarte. Zu diesem Thema später mehr, das wird auch noch zum Drama. Was aber ganz toll ist: Datenschutz interessiert hier nicht. Mein Personalausweis wird gescannt und im System hinterlegt, ebenso meine Steuernummer und dann wird noch ein Foto von meinem Gesicht gemacht, welches auch gespeichert wird.

Nun sind wir offiziell eingereist, haben sogar eine brasilianische Steuernummer und eine Telefonnummer – was willst Du mehr? Erster Tag – vorbei.

Abendstimmung

Am Abend fahren wir dann mit der MARGNA-Crew im Dinghi zum abendlichen Bolero-Event. Hier am Flußufer von Jacaré wird jeden Abend von einem Saxophonspieler auf einem kleinen Motorboot zum Sonnenuntergang der Bolero von Ravel gespielt. Ein großes Spektakel, zu dem täglich viele Brasilianer anrücken. Das Flußufer ist in diesem Abschnitt eine Flaniermeile mit Souvenirshops, Getränke- und Essensbuden und könnte auch auf Malle sein. Dieser Abschnitt ist etwa 200 Meter lang, davor und dahinter ist sonst nix. Es war aber auch echt nett, ihm zuzuhören, wie er da so durch das Ankerfeld der brasilianischen Ausflugsboote tuckert und spielt.

Jeden Abend zum Sonnenuntergang- Bolerotime

Was kann ich sonst noch so berichten? Also hier ist es irgendwie so, daß man immer eine Nummer zieht, wenn man etwas benötigt. Nicht nur beim Finanzamt, wie oben erwähnt. Auch beim Kauf der Telefonkarte haben wir eine Nummer erhalten und alles geht geordnet der Reihe nach. Der Brasilianer ist sehr geduldig. Beim Bäcker muß man bei Eintreten eine elektronische Karte ziehen, wo der Im-Haus-Verzehr aufgebucht wird und diese an der Kasse abgerechnet wird. Dann schaltet er sie wieder frei und man kann die Bäckerei auch wieder nur mit Abgabe dieser Karte verlassen. Crazy!

Ansonsten haben wir bisher noch nicht so viel angeschaut, da es echt verdammt heiß ist und ab 10 Uhr eigentlich nix mehr geht. Erst ab dem Spätnachmittag, wenn es dann schon wieder dunkel wird, ist es angenehm und gut auszuhalten. Was wir nicht haben, was aber alle denken: Feuchtigkeit. Hier ist es zwar heiß, aber nicht feuchtheiß. Jochen hat nach der Ankunft in der Marina mal vorsichtshalber nach einen Luftentfeuchter für das Boot gefragt und bekam zur Antwort: „Ich verkaufe Dir einen, wenn Du unbedingt willst. Aber Du brauchst das hier nicht“. Auch sind wir in einem Fluß mit Mangroven am gegenüberliegendem Flußufer – aber ein Mückenproblem haben wir auch nicht.

Wir haben unser Schiffchen mal auf Vordermann gebracht und die dicke Salzschicht abgespült. Es wurde ein Berg Wäsche gewaschen und auch die Staubschicht im Boot entfernt. Auch unsere Segel haben eine Süßwasserspülung erhalten. Wir wissen ja noch nicht, wie lange wir jetzt letztendlich hier liegen bleiben werden. Wir spielen gerade in Gedanken diverse Szenarien durch, wie es bei uns weitergeht.  Die Zeit wird zeigen, wie wir uns entscheiden. Hierfür müssen wir erst mal ein paar Infos zusammentragen und recherchieren. Die Nachbarn der SY Margna z.B. lassen ihr Schiff hier an Land stellen, für eineinhalb Jahre, um dann auf dem Landweg Südamerika zu erkunden, auch eine der vielen Möglichkeiten.

unsere Straße zum Hafen

Ansonsten kann ich gerade nicht viel erzählen:

Das Essen ist superlecker, die Eisdiele hier an der Flaniermeile ist eine Selbstbedienungseisdiele, wo am Schluß gewogen wird. (Das Kilo Eis für umgerechnet ca. 6 €) Ratet mal, wo wir fast allabendlich aufschlagen?

Jetzt zu unserem gestrigen Tag:

nachdem wir ja am vergangenen Montag glücklich die Telefonkarte in des Skippers Handy eingelegt hatten, tat sich erst mal nichts. Der Herr vom Telefonladen erklärte uns dann, das könne etwas dauern. Wir sollten abwarten.

Auch am nächsten Tag ging noch nichts und Jochen hat dann versucht, hier mit Nicolas von der Marina das Ganze zum Laufen zu bringen. Wieder Guthaben aufladen, und und und. Nachdem auch die Einheimischen kapitulierten, sind wir gestern dann mit Uber nochmals zum Einkaufszentrum gefahren. Im ersten Laden erklärte uns der Verkäufer, daß er jetzt ein Update angestoßen habe und wir warten müssten. ??? Er hat doch gar nix gemacht, außer seine WhatsApp-Nachrichten auf seinem Handy zu beantworten. Also auf zum zweiten Laden. Hier war der Herr dann so nett und hat mit Jochens Handy das telefonieren angefangen (wohl mit der Telefongesellschaft) und hat sich da schön mit einem Computer unterhalten „Ja“, „Nein“, usw. So- in zwei Stunden sollte es laufen. Also drücken wir uns halt zwei Stunden im Zentrum rum und essen hier zu Mittag. Nach zwei Stunden – nix. Neue Idee: Gehen wir zu nem anderen Anbieter und kaufen dort eine neue Karte für Sabinchens Telefon. Ist ja nicht so teuer und kann ja nicht schaden. Alles klar, nettes Mädel. Kopiert wieder, Scannt Gesicht – volles Programm. Nur um dann festzustellen, „nein, die Dokumente (Reisepass) werden nicht akzeptiert“. Also wieder zu unserem Verkäufer von heute morgen. Neue Auskunft: „das kann bis zu 24 Stunden dauern“.

Jetzt haben wir die Schnauze voll, warten wir halt bis morgen. Jetzt gehen wir erst mal zu unserem Treffen mit den Bootsnachbarn hier im Park, wo Musik und Feiern angesagt ist. Jeden Samstag ist hier Volksauflauf mit viel Bier, Caipirinha, Essen und Tanzen. Da ist sie wieder: die Feierlaune der Brasilianer bei voller Lautstärke. Für unsere Ohren ist das wirklich sehr schmerzhaft und gewöhnungsbedürftig. Aber, die Brasilianer feiern mit jedem, ob sie ihn verstehen oder nicht.

Gerade tauscht sich Jochen mit Silvio aus, der eine funktionierende Telefonkarte besitzt – schwupp, nun funktioniert sie plötzlich. Jetzt ist alles gut – wir sind auch unterwegs im Notfall wieder online oder wenn wir eben Onkel Google etwas fragen müssen.

Samstagnachmittag in Joao Pessoa – Samba, Caipirinha, Bier und Essen aller Art
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Afrika – Cabo Verde

Ah, war das schön. Schlafen vor Anker, ohne von links nach rechts zu rollen und mit dem Skipper nebendran – da schläft es sich schon vieeeel besser.

Nach dem Frühstück haben wir gleich in die Marina verlegt und haben einen „Außenliegeplatz“ und somit das Ankerfeld, die Zufahrt und die Tankstelle im Blick. An uns kommt keiner vorbei!!!

Wir wurden auch, kaum daß wir festgemacht hatten, von Andre und Tasja begrüßt, für die wir zwei Pakete von Gran Canaria mitgebracht haben. Die beiden haben schon sehnsüchtig auf uns gewartet, denn sie wollten endlich los. Somit war das ein „Hallo, schön daß Ihr das seid“ und „Tschüss, Gute Fahrt“ gleichzeitig.

Auch haben wir mal wieder die TO-Boote im Hafen abgeklappert, um zu sehen wer noch so da ist. Wir sind hier doch schon eine ganz schöne Truppe und haben gleich an diesem Abend noch ein spontanes TO-Treffen in der Pizzeria auf ein paar Getränke.

Wir haben natürlich vorher noch unseren restlichen Fisch zubereitet. Diesmal habe ich das Messer bemüht und aus dem Fisch zwei Filets geschnitten. Das ging besser, als ich erwartet habe. Ich bin guter Dinge, daß das in Zukunft flutscht. Er war wieder sehr lecker und eine gute Grundlage für unsere Ankommensdrinks.

Tagsüber haben wir uns erst einmal bemüht, daß unsere nötigen Reparaturen auf den Weg gebracht werden. Entgegen aller vorherigen Informationen bekommt man hier in Mindelo doch ziemlich alles gut geregelt, man muß halt ein paar Leute fragen. Aber direkt vor Ort ist ein Händler/Werkstatt, die einem Deutschen gehört, der gleichzeitig die TO-Vertretung hier ist. Wenn die etwas nicht machen können, dann wissen sie, an wen man sich wenden muß.

Auch ist die Versorgung mit Lebensmitteln nicht so knapp, wie gerne geschrieben wird. An manchen Tagen gibt es halt nicht alles, aber prinzipiell wird man hier nicht verhungern und sich ganz gut eindecken können. Klar, ist teilweise etwas teurer, weil vieles importiert werden muß.

Die Insel Sao Vincente, auf der wir sind, hat leider nicht so viel zu bieten. Eine karge Insel mit ganz wenig „Grün“. Hier ist wirklich nur die Stadt Mindelo der Anziehungspunkt. Gut, es gibt noch den „Turtle Beach“, zu dem wir auch mit Matthias + Katja von der Chilly hingefahren sind. Dort kann man mit Schildkröten schnorcheln. Ein langer Sandstrand mit einheimischen Fischern und eben einigen Booten der Schildkrötenausflügler. Die füttern die Kröten mit Algen etc. an, so daß die zahlenden Gäste auch wirklich welche sehen. Wir Nichtzahler wurden höflich gebeten, hier nicht zu schnorcheln, sonst müssten wir bezahlen. ??? Naja, wir hatten sie ja vorher schon gesehen, bevor die Ausflugsboote aktiv wurden.

Nach diesem Trip sind wir dann noch die gesamte Insel abgefahren. Das geht ziemlich zügig, gibt es hier doch irgendwie nur drei Straßen, die die drei Hauptorte verbindet.

Viel schöner gestaltete sich da der Ausflug zur Nachbarinsel Santo Antao. Hier haben wir zusammen mit der Crew der Chilly und der Hello Gitti einen Tagestrip gebucht. Mit der Fähre in einer Stunde rübergefahen und dort von einem einheimischen Taxiguide herumgefahren worden. Diese Insel ist sehenswert. Ist sie doch abwechslungsreich, zum Teil grün mit beeindruckenden Schluchten. Wieder ein Wanderparadies, wenn man sich hier mehrere Tage aufhält. Und auch unser „Mittagsimbiss“, der eher einem kompletten Abendessen glich, war sehr lecker.

Unsere Reparaturen gehen auch voran. Die Relingstützen sind beim Richten, der Skipper hat die Genua genäht, den Halterung am Spibaum wieder ordentlich angebracht und widmet sich nun den Lackierarbeiten. Wenn die Relingstützen schon weggeschraubt sind, dann kann man doch gleich mal die ganzen Farbabplatzungen entfernen, schleifen, grundieren und lackieren.

Also ist auch jeden Tag etwas zu tun. Langweilig wird uns nicht. Nach 7 Tagen im Hafen waren wir bisher noch nicht einmal auf dem Markt oder beim Einkaufen.

Die Abende klingen regelmäßig mit einem Absacker in der Hafenbar aus.

Auch mit unseren umliegenden Nachbarbooten haben wir gute Kontakte, so daß wir langsam international werden. Inzwischen hat uns unser britischer Nachbar Toni verlassen mit der Bitte, ob wir ihm ein Paket mit nach Cabedelo in Brasilien mitnehmen könnten. Er hatte sich einen neuen Propeller bestellt, der leider noch nicht angekommen ist. Seine Aussage war so ungefähr:

„wenn wir uns in Cabedelo nicht mehr treffen, dann habt Ihr halt einen neuen Propeller“ Tja, der würde nur leider nicht zu unserer Maschine und Welle passen. Also ich denke, wir werden Toni auf alle Fälle in Brasilien treffen und ihm sein Paket geben. Vorausgesetzt, es kommt noch an, so lange wir da sind. Aber die Chancen stehen gut.

Der Ursprungsplan, hier nur circa 3 Tage zu verbringen wurde ja aufgrund der Reparaturarbeiten gleich mal auf eine Woche verlängert. Jetzt kommt aber noch hinzu, daß über dem Atlantik auf Höhe der Kanaren ein ordentliches Tief einiges aufwirbelt. So soll jetzt zur Mitte der Woche die daraus entstehende Welle hier unten ankommen mit ordentlichen Höhen in kurzen Abständen. Und dazu fast kein Wind, eher eine Flaute. Da macht das Segeln (oder Motorfahren) wirklich keinen Spaß. So daß selbst die, die diese Woche Montag losfahren wollten, entschieden haben, wir warten bis nächstes Wochenende und schauen mal, wie sich das entwickelt. Wenn man schon eine Fahrt über den Teich mit cirka 20 Tagen hat, dann möchte man nicht schon mit der Gewissheit losfahren, daß man die ersten 5 Tage nur großes Geschaukel hat. Somit sind wir hier weiterhin eine große Truppe an deutschen Booten.

Zwischenzeitlich haben wir neue Bootsnachbarn bekommen. Eine zusammengewürfelte Männertruppe aus spanischsprechenden Ländern. (Spanien, Argentinien, Chile, Dänemark (!?!?)…) Sehr nett. Damit wir in Südamerika wieder „online“ gehen können, hat Jochen unser Starlink von Europa versucht auf Südamerika umzustellen. Hierfür muß man eine „Heimatadresse“ angeben. Der Versuch, dies auf eine Marina in Brasilien zu machen, scheiterte daran, daß man für eine Anmeldung auf Brasilien eine brasilianische Steuernummer benötigt. Was tun? Fragen wir doch mal den Nachbarn, der kommt doch aus Chile. Und nach mehrfachem Hin und her wegen der Verständigung und zwei „Zwischenübersetzern“ haben wir nun eine Heimatadresse in Chile bei Manuel. 😊 Somit sind wir guter Dinge, daß wir in Südamerika erreichbar sind und jederzeit unsere Wetterdaten problemlos abrufen können.

Die Tage vergehen hier mit lange ausschlafen, eine neue Farbschicht auftragen, Nachbarboote besuchen, in die Stadt laufen und Dinge besorgen. So sind ganz schnell zwei Wochen hier rum, ohne daß wir es bisher geschafft haben, am Stadtstrand zu baden.

Nun treffen auch wir die letzten Vorbereitungen, um endlich unseren „großen Sprung“ über den Teich anzutreten. Die Reparaturen sind abgeschlossen, das Rigg gecheckt, die Rettungsmittel nochmals getestet und Frischeproviant (soweit hier möglich) aufgestockt. Gestern haben wir bereits zwei deutsche Boote verabschiedet und wir werden wohl am Montag auch mit 2 weiteren Booten losfahren. Alle sind hier auf dem Sprung und warten das passende Wetterfenster ab. Dann werden wir wieder für etwa zwei Wochen „not available“ sein und nur blau, blau, Delfine, Wale und Fische sehen – und als Highlight vielleicht einmal einen Frachter.

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Adieu Europa

Unsere Tage auf Gran Canaria sind gezählt. Haben wir die letzten Tage vor Weihnachten damit verbracht, noch einige Dinge zu besorgen wie z.B. neue Wanderschuhe für Jochen, da sich bei seinen aktuellen die Sohle löst und schon das Nachkleben beim Schuster nur für kurze Zeit gehalten hat.

Wohin auf Gran Canaria, um Wanderschuhe in Größe 47 zu bekommen. Uff – die Spanier haben wohl eher kleinere und dafür breitere Füße. Das Sortiment hört regelmäßig bei Größe 45 auf, mit Glück gibt es mal ne 46. Endlich im letzten Laden, der natürlich am weitesten Weg von der Marina ist, sind wir fündig geworden. Naja, eher ein Kompromiss. Ein Schuh, der endlich in der Länge passt, aber eigentlich etwas zu weit ist. Sollte aber mit den Einlegesohlen und Socken zu regulieren sein. Ein ganz toller Bergsportladen mit gutem Sortiment. Merken: LIMA Sport in Las Palmas. Und sehr kompetenter Beratung, der auch genau wußte, wo er noch welche Schuhe stehen hat.

Den Heiligabend haben wir noch als Abschiedsabend im Hafen genossen. Nach allen Telefonaten mit der Familie kamen Kai von der Sailaway sowie Till und Volker von der VEGA zum Abendessen zu Besuch. Eigentlich hatten wir Kai eingeladen, da er sich hier nochmals mit uns verabredet hat und „extra für uns“ pünktlich zu Weihnachten nach Las Palmas gesegelt kam. Heiligabend morgen kam dann der Anruf von ihm, ob er denn noch 2 Freunde mitbringen dürfte. Die sind jetzt auch extra wegen ihm nach Las Palmas gekommen, um mit ihm Weihnachten zu verbringen. Gut – die zwei wollten wir eh endlich persönlich kennenlernen, planen sie doch genau wie wir die Route nach Südamerika.

Nach dem Essen kamen dann noch unsere beiden holländischen Nachbarn Herma und Andre mit an Bord zur geselligen Runde.

Am 1. Weihnachtsfeiertag hieß es für uns, dann zeitig aufstehen und Boot vorbereiten. Pünktlich wie geplant, sind wir um 9 Uhr aus dem Hafen ausgefahren. Andre half noch beim Ablegen und Kai hat in seinem Schlauchboot vor der Hafeneinfahrt zum Abschied bereit gestanden und gewunken.

Nun geht es cirka 7 Tage lang Richtung Südwesten, nach Mindelo auf der Insel Sao Vincente der kapverdischen Inseln.

Vor der Hafeneinfahrt heißt es durch die ganzen vor Anker liegenden Frachter durchschlängeln. Leider steht hier wieder eine ganz blöde Welle, was sich aber nach und nach gebessert hat je mehr Abstand wir zur Küste gewinnen konnten.

Ab jetzt sollten wir einen beständigen Wind immer aus nördöstlicher Richtung, also von hinten haben. Gegen Abend haben wir dann zum ersten Mal unsere Segel in die Schmetterlingstellung gebracht: die Genua auf die Backbordseite und das Großsegel auf die Steuerbordseite. Das gibt den maximalen Vortrieb bei Wind von hinten. Die Windsteueranlage fährt schön ihren Kurs.

unsere beiden Segel in Schmetterlingsstellung

Die Welle ist nicht ganz so schön, zusammen mit den Böen ist das etwas ruppig, aber wir kommen gut voran.

Und püntklich zum Ende der Nachtschicht gegen 6 Uhr passiert es dann: die Windsteueranlage fährt das Boot aus dem Ruder und verursacht uns eine Patenthalse. D.h. Das Großsegel bekommt von der falschen Seite den Wind und schlägt mit  voller Kraft auf die andere Bootsseite über. Wir hatten zwar einen Bullenstander gesetzt (dies ist eine Leine, die den Baum nach vorne Richtung Bug fixiert, so daß der Baum eigentlich nicht überschlagen kann), aber dieser hat leider der Kraft nicht gehalten. Meist geht hier etwas kaputt, bis hin zum Mast- oder Baumbruch, bei uns natürlich auch. Falsch: der Bullenstander hat gehalten, hat aber alles mitgerissen was ihm in den Weg gekommen ist: Eine angeschweißte Relingsstütze ist abgerissen, zwei weitere sind verbogen, die Curryklemme vom Traveller ist mitsamt Holz ausgerissen, ein Doradenlüfter ist weggeflogen und die Sprayhood hat jetzt Schmauchspuren von der Leine des Bullenstanders in rot und gelb und zwei kleine Löcher.

Es läuft also!!!

Nun war auch der Skipper einmal ratlos wie es weiter geht?!

Option 1: weiterfahren und hoffen, daß wir das in Mindelo reparieren können

Option 2: umkehren nach Las Palmas. Da kriegen wir sicher alles repariert. Bedeutet aber, daß wir jetzt die Strecke gegen den Wind, die Welle und mit 1 Knoten Gegenstrom anfahren müssten. Das wäre ein hartes Stück Arbeit und mit erheblichem Zeitaufwand verbunden.

Also wählen wir Option 1, und weiter geht es.

Die Gute Nachricht von heute: wir haben ein Etmal von 157 Seemeilen (Strecke innerhalb von 24 Stunden).

Der 2. Tag läuft nun etwas langsamer, aber auch insgesamt ruhiger. Am Nachmittag besucht uns wieder einmal eine sehr große Delfinschule, wir schätzten so ca. einhundert Tiere, sie waren rund ums Boot überall. Der Angelerfolg blieb leider bisher aus. Es geht durch die Nacht ohne Probleme und Aufreger.

Am 3. Tag wird der Wind schwächer, wir dümpeln so dahin, bis am Nachmittag der Wind so wenig wird, daß die Segel nur noch am Schlagen sind. Um Material zu schonen, runter damit und Motor an. Aber nach 3 Stunden kommt der Wind zurück, so daß es wieder mit dem Segeln weiter gehen kann. Also Lappen wieder hoch und ab durch die Nacht.

Noch immer kein Angelerfolg – wieder kein Sushi.

Der 4. Tag fängt wieder ganz gemütlich an. Wollen wir nicht mal unseren Blister setzen? Ach, wir haben ja eh nichts zu tun. Normalerweise ist immer cirka eine Stunde rum, bis der rausgekramt und gesetzt ist. Heute dauert es noch etwas länger, da er von unserer letzten Aktion auf der Biskaya, in sich noch total verdreht ist und der Skipper erst einmal die Leinen entwirren muß, damit er sich ordentlich setzen und auch wieder bergen lässt. Das hatte auch geheißen, hoch in den Mast auf offener See. Langsam gibt es auch hier Übung.

Aber irgendwann hängt unser blau-weiß-rotes Glück und zieht uns Richtung Ziel. Ohne Geschlage, ohne Gerolle. Ein Traum.

unser Blister zieht uns durch die Nacht
Sonnenuntergang sieht so aus…..schööön

Wieder einmal Delfine und wieder kein Glück beim Angeln. Aber die Köder werden schön abwechselnd gebadet.

Ein ereignisloser 5. Tag. Nix geangelt, dafür wieder Delfine. Heute Nacht soll der Wind stärkere Böen bekommen, die für unser Leichtwindsegel nicht mehr geeignet sind. Also das wieder runter und die anderen Segel hoch. Da ist es wieder: das schlagen der Genua. Daher die Überlegung, das Großsegel auch wieder zu bergen. Vielleicht bekommt die Genua dann genug Wind und damit mehr Druck, so daß diese nicht mehr schlägt. Ist besser, aber nicht weg.

Das ist halt so bei wenig Wind und Welle: Wenn das Segel den Wind bekommt, steht es schön und zieht das Boot nach vorne. In der Theorie und Praxis bei glatter See (die es bei Wind auf dem Atlantik aber nicht gibt…). Dann kommt aber eine Welle, das Boot schaukelt etwas. Somit steht die Genua in diesem Moment nicht mehr richtig im Wind, da sie durch die Bewegung Gegenwind bekommt, und fällt in sich zusammen. Schaukelt das Boot dann wieder in die andere Richtung, bekommt die Genua wieder Wind und bläht sich mit einem Schlag auf. Und das macht zum Teil ordentlich Krach. Zur Erklärung, unsere Mastspitze macht einen Weg von 3- 5m bei jedem Schaukel innerhalb von sehr kurzer Zeit was den „Gegenwind“ verursacht. Jetzt würden schlaue Leute oder erfahrene Segler wieder sagen: ja, wenn da aber jemand am Ruder steht, das kommen sieht, kann er ja schon gegensteuern?!?! Ja, schon. Das würde aber heißen, daß da 24 Stunden am Tag jemand hinter dem Ruder stehen müsste. Und wer macht das schon auf Langfahrt?

So geht es also durch die Nacht mit rollendem Boot und gelegentlichem Schlagen der Genua.

6. Tag

Sonnenaufgang – auch immer wieder schön

Es rollt und rollt und rollt. Der Wind steht wieder günstiger für Schmetterling. Also gesetzt und es wird etwas besser. Sonst wieder nix. Ach: bis heute noch kein Angelglück. Haben andere an dieser Stelle schon ihren 4. Fisch präsentiert, sind wir noch nicht mal bei Nummer 1.

7. Tag

Der Wind legt etwas zu, wir kommen etwas flotter voran. Und dann: „Walblas“. Sind wir wohl an einem schlafenden Wal keine 100m vorbeigefahren, leider viel zu schnell mit 7 Knoten, so daß wir wirklich nur ein paar kurze Blicke darauf werfen konnten. Endlich mal ein großer Wal!

Und es geht weiter: beim Kontrollblick stelle ich fest, daß der Spibaum an den Wanten anliegt und die Sicherungsleinen locker sind. Beim genauen Hinsehen stellt sich dann heraus, daß der Topnant-Beschlag sich am Spibaum gelöst hat und das ganze Gewerk nicht mehr richtig fixiert ist. Also: Genua reinholen und Spibaum bergen. Wieder eine Aktion bei Geschaukel. Wieder eine neue Aufgabe auf der To-Do-Liste des Skippers für den Hafen.

Kaum sitze ich im Cockpit und Jochen ist noch auf dem Vorschiff. „Die Angel rauscht aus!“ Ein Fisch? Endlich ein Fisch? Der Skipper an die Angel, kurzes Aufzittern – weg. Kein Fisch mehr dran, aber dafür noch der Köder. Wenigstens nicht auch noch den verloren.

Noch nicht mal 12 Uhr und schon so viel Aufregung.

Wieder ein kurzer Blick zur Genua. Da stimmt doch was nicht…Jetzt ist auch hier noch der Achterliekspanner defekt! Noch etwas auf der Liste für den Hafen.

Wir haben mit unseren neuen Segeln echt kein Glück…..

Der Nachmittag verläuft relativ ruhig. Dies wird unsere letzte Nachtfahrt werden. Ich fange gegen 17.30 Uhr gerade an, die Kartoffeln für unser Abendessen zu hobeln (Kartoffelpuffer) und das Cockpit liegt auch noch voll mit den ganzen Leinen, die wir abgebaut hatten, als die Angel erneut ausrauscht.

Jochen geht an die Angel – und tatsächlich ein Biss. Jetzt wird es wieder etwas hektisch….unser erster Fang?! Erst mal alles herholen, darauf waren wir ja gar nicht mehr eingestellt. Kescher und Gaff zum einholen des Fisches, Messer, Wasser zum Deck wässern, und, und… Die Angelschnur wird weiter eingeholt, ein erster Blick auf den Fang: es ist eine Goldmakrele, die am Köder genascht hat. Kurze Zeit später, der Fisch ist an Bord und auch entsprechend getötet. Und jetzt? Learning by doing. Wir haben noch nie selbst einen Fisch ausgenommen oder zerlegt, jetzt wird es lustig. Der Skipper kniet auf dem schwankenden Achterdeck (ist ja noch ordentlich Seegang) und schwingt fleissig das Messer. Es sieht zwar noch etwas unbeholfen aus, aber irgendwann ist der Fisch ausgenommen. Gleich noch überflüssiges abschneiden was man eh nicht isst. Geht doch!

Als Anfänger hat das doch etwas länger gedauert, da wo geübte Angler mal 10 Minuten für brauchen, sind wir über eine Stunde beschäftigt. Daher beginnt auch langsam die Leichenstarre. Daher Fisch in zwei Hälfte, ab in den Druckverschlussbeutel und in den Kühlschrank. Heute wird der eh nicht mehr zubereitet, die Kartoffeln sind ja schon halb gerieben und werden schon braun – ich muß jetzt dringend mal unser Abendessen fertigstellen, bevor ich es über Bord kippen kann. Morgen abend gibt es frischen Fisch.

Die Nacht verläuft wie die letzten Nächte auch und morgen werden wir endlich „Land in Sicht“ haben. Es ist heute Nacht Silvester. Da ich die Nachtwache habe und mich gegen 20.30 Uhr auf’s Ohr haue, verschlafe ich das natürlich und Jochen sitzt alleine im Cockpit. Ja, ist auch nur eine Nacht auf See wie jede andere, nur daß irgendein Frachter oder Fischer mal einen Funkspruch absetzt „Happy new Year“

8. Tag

Ja wirklich, da hinten im Wolkendunst zeichnet sich ein Gipfel ab. Kennt Ihr das Gefühl, wenn man das Ziel vor Augen hat und im „Segeltempo“ drauf zu fährt? Jochen scheint es nicht zu stören, ich werde eher unruhig – ich will jetzt endlich da sein!

Land in Sicht!!!!

Kurz vor den Inseln wird es wieder etwas ruppiger, da auch hier wieder der Düseneffekt des Windes zwischen den Inseln ist. Und auch der rasche Anstieg des Meeresbodens von über 4000 Metern auf jetzt nur noch 60 Meter macht sich in den Wellen bemerkbar. Doch Skipper Jochen schaukelt uns schön auf unser Ziel zu, das wir dann gegen den frühen Nachmittag erreichen.

Kurz vor dem Hafen die Segel bergen und die Marina anfunken, damit wir ein schönes Plätzchen bekommen. Was da los? Keiner antwortet. Na, dann halt doch vor der Marina ankern. Vielleicht ist noch Siesta? Gerade noch beim Boot aufklaren, kommt schon ein Dinghi angefahren, die uns begrüßen. Sie sind gerade auf dem Weg zum Baden und waren selbst etwas verwundert, daß die Marina nicht antwortet. Sie schauen mal, wenn sie wieder im Hafen sind und sagen den Jungs dort Bescheid.

am Ziel….

Egal, wir bleiben halt erst mal heute Nacht vor Anker, wir werden eh ziemlich bald schlafen. Heute gibt es dann Fisch zum Abendessen. Aber wie machen wir ihn? Wir entscheiden, daß wir den „halben Fisch“ so wie er ist, in die Pfanne werfen. Dauert zwar etwas länger, bis er durch ist, aber wir sparen uns dadurch das Filetieren.

Ich muß sagen, frische Goldmakrele ist echt lecker. Morgen gibt es dann den zweiten Teil des Fisches….

Aber darüber dann mehr im nächsten Beitrag.

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Pläne, welche Pläne?

Die Pläne eines Seglers sind bei Ebbe in den Sand geschrieben. Diesen Spruch haben wir schon des Öfteren gesagt und er bewahrheitet sich mal wieder. Seit Ankunft auf La Palma haben wir uns auch entschieden, unsere Pläne etwas zu ändern:

Bisher hegten wir die Absicht, noch heuer über den Atlantik nach Brasilien zu fahren, um im „heimatlichen Winter“, dem Sommer auf der Südhalbkugel, um Kap Horn zu fahren. Dies würde für uns jetzt jedoch wieder Zeitdruck bedeuten und wir müssten die lange Südamerikanische Küste (die übrigens länger ist als die Atlantikpassage!!) im Eiltempo passieren.

In einigen Gesprächen mit Andrea und Dirk, die ausgemachte Südamerika-Fans sind und hier schon viel mit dem Wohnmobil bereist haben, kam dann die Anregung: bleibt doch den Winter über hier und fahrt im nächsten Jahr nach Brasilien. Dann könnt Ihr die Küste entlangfahren, könnt Brasilien und Argentinien gemütlich mitnehmen und der Druck wäre raus. Das war ja die ganze Zeit unsere Angst, immer nur Vollgas geben, um irgendwelche Ziele zu erreichen: schnell über den Atlantik, die Küste runter um dann rechtzeitig, der Jahreszeit entsprechend, in die anspruchsvolleren Segelregionen anzukommen und dabei nichts von Land und Leute mit zu bekommen. Nachdem wir jetzt durch die zwei Wochen hier auf Teneriffa endlich da angekommen sind, wo wir hinwollten – Zeit lassen, und eben Land und Leute kennenzulernen, genießen – haben wir uns entschlossen: genau so machen wir es. Wir bleiben jetzt erst mal den Winter über hier und tingeln die Inseln ab, so wie wir es ursprünglich mal vorgesehen hatten.

Jetzt müssen wir nur noch schauen, ob es irgendwo auch noch freie Liegeplätze gibt, Ankerplätze gibt es auch nicht wirklich viele. Die paar Tage hier auf La Palma waren eigentlich nur im Vorfeld gebucht worden, um aus der EU auszuklarieren und dann weiter. Aber das hat sich jetzt ja geändert, zwei Tage konnten wir hier jetzt noch dranhängen. Vielleicht sagt ja noch einer eine Reservierung ab, wir hoffen. Wir hoffen auch, daß sich die Situation auf den Kanaren ändert, wenn die ARC mal gestartet ist. Wie schon mal erwähnt: Die ARC ist eine große organisierte „Segelregatta“, an der so an die 300 Boote auf einmal über den Atlantik starten, dann sollte ja der ein oder andere Liegeplatz wieder frei werden.

Rückblickend sind wir aber auch froh, daß wir diese Entscheidung erst auf den Kanaren gefällt haben. Segelbekannte die sich schon an der spanisch / portugiesischen Küste Zeit gelassen haben, hängen da fest, da das Wetter im Nordatlantik seit Wochen tobt und an eine Weiterreise nicht zu denken ist.

Wie wir es bereits immer im Vorfeld gesagt haben – „kann sich alles ändern“. Und wer vor hatte, uns mal zu besuchen, kann das ja jetzt gerne tun, die Wege sind ja jetzt noch „kurz und günstig“.

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mal Pause, die Zweite – Teneriffa

Nach der letzten zugestandenen Verlängerung unserer Liegeplatzzeit konnten wir nochmals um einige Tage verlängern, da wieder Welle angesagt war, bei der wir nicht rausfahren konnten. Jetzt waren wir insgesamt 14 Tage in Garachico auf Teneriffa gelegen und haben hierbei dann im Hafen auch noch ein zweites deutsches Gastboot begrüßen dürfen. Dirk und Andrea von der Southeast haben direkt gegenüber unseres Bootes festgemacht.

Wir haben dann auch gemeinsam einiges unternommen. So waren wir zusammen in der Höllenschlucht. „Barranco del Infierno“. Eine Schlucht, für die ein satter Eintritt von 11 Euro genommen wird für einen fest gebuchten Starttermin, damit man einen Helm auf den Kopf bekommt und selbst bis zum Ende der Schlucht zum Wasserfall und wieder zurücklaufen darf. Am Wasserfall soll man sich höchstens 10 Minuten aufhalten und wieder umkehren. (wegen Steinschlaggefahr und begrenzter Zeit). Es war trotzdem eine schöne Tour, in der sich die Vegetation in der Schlucht merklich verändert hat. Auf etlichen Schildern wurde über die Tier- und Pflanzenwelt informiert. War es am Anfang noch eher karg und spärlich, wurde es nach hinten hin feuchter und üppiger. Der Wasserfall war eher ein Fällchen aufgrund des fehlenden Wassers und der aktuellen Trockenperiode.

Wenige Tage später kam dann die Anfrage, ob wir mit Wandern gehen würden, Andrea hätte da eine Tour im Teide-Nationalpark ausgesucht von ca. 4,5 Stunden Wanderung bei ca. 600 Höhenmetern. Diese Tour wäre laut Touristinformation schön für den Nachmittag zu laufen.

Also sind wir morgens um 10 Uhr losgefahren und sind erst einmal noch eine schöne Autostrecke auf einem Bergkamm entlang gefahren, bei der es viele schöne Ausblicke gab. So eine Strecke zieht sich hier auf Teneriffa dann auch etwas, denn man rast bei den vielen Serpentinen mit maximal 60 km/h dahin. Aber wunderschön. Es gab als Zwischenstopp dann noch einen guten Kaffee unterwegs und schon wurden die Wanderschuhe geschnürt. Es sollte eine Temperatur von 14 Grad haben, also mal mehrere Schichten und Regenjacke einpacken, wir sind ja schließlich auf 2000 Meter Höhe. Aber na ja, die Kanaren halt. Von kühlen 14 Grad waren wir weit entfernt und so haben wir bei 21 Grad vor uns hin geschwitzt.

Ging es anfänglich noch moderate Wanderwegen entlang, änderte sich das Ganze dann doch in bergauf auf schmalen Pfaden, die aber gut zu gehen waren. Dann denkst Du, jetzt bin ich oben…..nach der nächsten Biegung geht es wieder bergauf. Mit wunderbaren Ausblicken auf die dichte Wolkendecke, die unter uns lag. Einfach traumhaft!

Aber jeder Berg hört mal irgendwo auf und wir waren wirklich auf dem Gipfel des Guajara auf 2718 Metern (der Dritthöchste Gipfel der Insel) mit einem tollen Blick auf den Teide, der da noch mal 1000 Meter höher ist. Es war jeden Schweißtropfen wert.

Abwärts ging es dann durch eine Schlucht, wo man denkt, da geht es doch nicht weiter! Aber wirklich, auch hier ein schmaler Pfad am Fels entlang, vorbei an Kiefern, über große Steinstufen.

Und Punktlandung! Nach genau 4 Stunden 30 Minuten und 29 Sekunden waren wir wieder am Ausgangspunkt. Noch nie hat eine Zeitangabe für eine Wanderung so genau gepasst. (unsere Pausen inclusive). Sind wir es von Deutschland doch gewohnt, daß da immer viel zu viel Zeit steht.

Es war ein schöner, aber auch anstrengender Tag.

Was haben wir uns noch angeschaut? Wir waren am westlichsten Punkt Teneriffas, am Punta de Teno mit seinem Leuchtturm. Dorthin kann man nicht mit dem Auto fahren. Die entsprechende Straße darf nur von den Bussen, Taxis oder per Fahrrad oder zu Fuß genutzt werden. Also haben wir ab der Straßensperrung den Bus genommen. Dieser fährt im Stundentakt hin und zurück. Hin – eine Stunde schauen – zurück. Das passte bei uns ziemlich genau und wir hatten keine „Durststrecke“. An dieser Busstation gibt es noch einen Wanderweg, der über den Bergkamm führt. Diesem sind wir dann noch eine halbe Stunde nach oben gefolgt, um uns selbst noch etwas zu bewegen. 30 Minuten bergauf – uff. Wieder ordentlich durchgeschwitzt – aber schön. Wir sind dann wieder umgekehrt, nicht daß wir dann im Dunkeln noch irgendwo rumstolpern und Verluste zu verzeichnen hätten.

Punta de Teno:

Wanderweg

Auch haben wir es noch geschafft, in unserem Garachico den Wanderweg PR43 den Berg hoch zu laufen in das darüberliegende Örtchen San Juan del Reparo. Das waren dann auch gleich 480 Höhenmeter auf ca. 4 km hinauf. Also auch ganz ordentlich für mal so zwischenrein. Von diesem Höhenweg hatten wir schöne Ausblicke auf unseren Hafen und den gesamten Ort.

Die letzten 2 Nächte in Garachico waren sehr, sehr kurz. Wir hatten Vollmond, was bedeutet, daß die Tiden stärker ausgeprägt sind. Hat man normalerweise 2 Meter Tidenhub, kommt da dann nochmal was drauf. Und das Wasser kommt dann auch stärker in den Hafen reingedrückt. Dazu die Fallwinde vom Berg herunter, ergab ein sehr starkes Geschaukel im Hafenbecken. Die Fender quitschen, die Festmacherleinen scheuern und rucken stark, wenn sich das Boot hin- und herbewegt. Da wir immer gegen Abend auflaufendes Wasser hatten, fing das Ganze halt immer zur Bett-Geh-Zeit an. Und erst mit Erreichen des Hochwassers, wenn die Tide dann wieder fällt, hörte das Ganze auf und wurde erträglicher. Das war halt immer so ab 2 Uhr in der Nacht. Bis dahin war an Schlaf eigentlich nicht zu denken.

Die größten Sorgen machte ich mir eigentlich über das Auslaufen aus unserem Hafenbecken. Für den Abreisetag nach La Palma war erst mal null Wind mit 2m Welle und später ca. 14 Kn und Welle von 1,7 mtr angesagt. Aber der Skipper hat uns gut rausgeschaukelt, nachdem wir im Hafenbecken Kreise gedreht haben, bis alle Fender und Leinen sicher verstaut waren, damit das nicht draußen auf der Welle geschehen muß. Im Bild oben könnt Ihr vielleicht erkennen, wie schmal die Einfahrt wirklich ist. 2 Booten aneinander vorbei wird nicht funktionieren.

Wir sind dann losmotort in Richtung Westen, die Dünungswelle war schon ganz ordentlich, aber kam in relativ angenehmen Abständen, so daß es gut fahren ging. Nach der kurzen Nacht habe ich mich nochmals hingelegt, bis des Skippers Frage kam „schläfst Du schon?“ Er hatte den Wind gefunden, also nochmals raus und gemeinsam Segel gesetzt. Nachdem ich 2 Stunden geschlafen hatte, legte sich der Skipper nochmals aufs Ohr. Als er dann wieder auf Deck war, ging dann das Vibrieren unseres Großsegels wieder los. Dies passiert anscheinend immer, wenn der Wind ungünstig auf die Vorderkante des Segels auftrifft. Also wieder schauen, wo wir da noch rumzippeln können, daß das besser wird. Bis zu einer gewissen Windstärke kann man das durch die Segelstellung auch etwas ausgleichen, bei starkem Wind ist da nix zu machen.

Der Wind hat sich natürlich nicht an die Vorhersage gehalten. Die Stärke legte permanent zu, so daß wir vor La Palma mit 28 – 32 Knoten Wind und entsprechend ordentlich Welle dahingerauscht sind (mit ordentlichem Krach vom vibrierenden Großsegel). Zum Glück sind wir gleich stark gerefft losgefahren, wobei wir eigentlich noch hätten ins 3. Reff gehen müssen. Da wir aber wußten, wir sind gleich da, hat der Skipper das Ganze ausgesessen und das Ruder geführt.

PS: wir hatten unser Segel ja in Teneriffa  nochmals beim Segelmacher, aber wie Ihr gelesen habt, ist keine Besserung eingetreten. Es vibriert immer noch – diese Baustelle ist also auch noch nicht abgeschlossen.

Das Positive daran: wir waren wesentlich schneller da, als geplant.

Vor der Hafeneinfahrt Santa Cruz de La Palma kam dann zum Glück etwas Landabdeckung, so daß wir plötzlich von 28 Knoten Wind auf quasi null Wind und wenig Welle trafen. So konnten wir die Segel ohne großen Stress bergen und in den Hafen einfahren.

Und nun sind wir in Santa Cruz de La Palma….

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mal Pause – Teneriffa

wie wir schon im vorigen Beitrag erwähnt haben, war unsere erste Nacht auf Teneriffa vor Anker in einer Bucht im Nordosten Teneriffas. Wir hatten etwas Schwell (ständige Bewegung des Bootes), aber alles in allem waren wir gut gelegen und haben eine ruhige Nacht verbracht.

am nächsten Morgen ging es dann weiter in den Nordwesten der Insel. Wir hatten ja im Hafen von Garachico telefonisch (und mit Mailbestätigung danach) einen Platz für 6 Nächte reserviert. Laut Wettervorhersage sind wir davon ausgegangen, daß wir die gesamte Strecke unter Motor fahren werden müssen….

Aber die Kanaren wären nicht die Kanaren, wenn hier eine Windvorhersage passen würde. Wir hatten auf dieser Strecke wirklich alles abwechseln – von Wind von Hinten über absolute Flaute bis Wind von Vorne – wir sind aber wirklich nur in eine Richtung gefahren und haben keine Kreise gedreht!!! Man nimmt es wie es kommt und ändert halt dann auf so einer eigentlich recht kurzen Strecke (40 sm) ständig was an den Segeln. Rauf, runter, raus, rein, kleiner, größer, von Steuerbord nach Backbord und umgedreht.

Vor der Hafeneinfahrt von Garachico hatte ich etwas Respekt. Dies ist wirklich ein sehr kleiner Hafen, der fast nur von einheimischen Dauerliegern benutzt wird mit einer noch kleineren Einfahrt, gemeint ist hier eine sehr schmale Spur. Aber da kaum Welle vorhanden war, ging alles gut.

Aber es kam, wie es kommen mußte. Von meiner Reservierung wußte der wachhabende Sicherheitsdienstmitarbeiter gar nix und wollte uns erklären, daß der Hafen voll ist und ich ihn hätte anfunken sollen. Tja, wir wußten, daß am Sonntag kein Hafenmeister da ist, also haben wir erst gar nicht gefunkt. Wer sollte da auch ran gehen. Wir wußten nicht, daß der Sicherheitsdienst das mit abarbeitet. Nachdem wir ihm dann klar gemacht hatten, daß wir telefonisch reserviert hatten und auch eine Mail hinterhergeschickt hätten, rief er dann seinen Hafenmeister an. Vor allem die Bemerkung, daß wir für 6 Nächte reserviert haben, hat dann wohl gezogen…Ergo: wir durften von der bösen Kaimauer verlegen in eine Minibox, die eher für Schiffe bis 10 Meter gedacht ist, als für unsere Dicke. Aber wir liegen.

Am nächsten Morgen war dann der Hafenmeister da und wir haben die Registrierung durchgeführt und aus den 6 Tagen gleich mal 10 Tage gemacht. Wir haben das Glück, daß wir in einer Box liegen, deren Dauermieter momentan nicht da ist. So, jetzt liegen wir mal und organisieren uns jetzt ein Auto, damit wir mobil sind und etwas von der Insel sehen können, ohne immer Bus zu fahren.

Garachico gilt als eine „der schönsten Orte“ Spaniens. Ja, es ist wirklich nett und unser Hafen ist so was von ruhig. Wir sind auch so ziemlich die einzigen, die hier als Besucher liegen.

Hier einmal ein paar Impressionen aus unserem Hafen und unserem Örtchen

Wir haben jetzt auch schon einige Touren über die Insel unternommen. Zuerst sind wir mit unserem Auto quer durch den Teide-Nationalpark gefahren. Auf der entsprechenden Zufahrtsstraße sind wir durch das Waldgebiet gekommen, welches heuer im Frühjahr einen verheerenden Waldbrand hatte. Viele Bäume sind hier schwarz verkohlt – aber sie sind robust und werden sich wieder erholen. Lediglich das Unterholz ist leider komplett vernichtet und braucht seine Zeit, bis es wieder nachgewachsen ist.

Der Teide Nationalpark ist einfach toll. Ich mag einfach karge Flächen, auf denen nur die Hartgesottenen wachsen. Kein Wunder, daß hier die Mondfahrzeuge ausprobiert werden und schon etliche Filme in dieser Kulisse gedreht wurden. Wir hatten das Glück, daß wir hier an einem Tag hochgefahren sind, an dem absolut bestes Wetter war. Kein in Wolken verhüllter Berg – alles klare Sicht.

auch dem Loro Parque haben wir natürlich einen Besuch abgestattet. Ich bin ja immer etwas zwiegespalten, was Zoo’s betrifft. Auf der einen Seite sind sie gut, um Arten zu erhalten und den Menschen die Möglichkeit zu geben, diese einmal in Natura zu sehen, auf der anderen Seite ist das halt leider oft nicht sehr artgerecht, wie die Tiere gehalten werden, vor allem was die Größe der Gehege angeht.

Beim Loro Parque bin ich definitiv positiv gestimmt. Diese züchten vor allem viele gefährdete Papageien, Sittiche und Kakadus und haben es schon geschafft, zwölf Arten vom Aussterben zu schützen. Die Stiftung engagiert sich weltweit an vielen Projekten, um Tierschutz aktiv zu fördern und zu betreiben. Wir haben hier einen sehr informativen Tag verbracht und uns alle angebotenen Shows angesehen, bei denen es vor allem darum geht, etwas Wissen an die Besucher zu vermitteln und den Tierschutz voranzutreiben.

Ja – es war eine Delphinshow und eine Orcashow dabei. Aber nicht so, wie man es von Seaworld oder solch großen Tierparks kennt. Es war sehr gemäßigt, max. 20 Minuten mit vielen Videoeinspielern. So z.B. konnte man erfahren, daß die im Loro vorhanden Orcas bis auf eine Dame alle in Gefangenschaft geboren wurden. Die einzig „freie“ Orcadame wurde als Kalb alleine auf See aufgefunden, halb verhungert und kurz vor dem Verenden. Es wurde dann festgestellt, daß sie taub ist und daher ihre Familie und andere Wale gar nicht hören kann und entsprechend keinen Anschluss finden kann. Und nur durch die Unterbringung im Loro und Einbindung in das bestehende Rudel konnte ihr Überleben gesichert werden.

Im Loro kann man auch die Medizin- und Laborabteilung sehen. Hier wird hinter großen Fenster gearbeitet, so daß man von außen zusehen kann.

Die Anlagen sind super schön naturnah gestaltet – auf alle Fälle besuchen, wer mal nach Teneriffa kommt. Die Preise für die Verpflegung im Park selbst fanden wir sehr human, sind wir es doch gewohnt, daß da bei uns zu Hause ordentlich hingelangt wird – dafür ist hier der Eintritt mit 42 € pro Nase schon hoch.

Geplant war ja, daß wir hier nur bis Dienstag im Hafen bleiben. Jedoch war für den gestrigen Sonntag extrem hohe Welle angekündigt. Diese sollte bis zu 6 Meter Höhe auf die Nordseite Teneriffas auftreffen. Es wurde im Örtchen auch alles darauf eingestellt. Das Naturschwimmbecken wurde abgesperrt, die Gastronomen direkt an der Mole haben ihre Bestuhlung sicher verräumt. Unsere Hafeneinfahrt ist bei so einer Welle nicht zu passieren. Hier wird empfohlen: nicht mehr als 1,5 Meter Welle und selbst das sehe ich sehr kritisch (bin halt ein Angsthase). Ergo können wir da am Dienstag auf keinen Fall raus. Frühestens am Mittwoch oder Donnerstag – also heute am Montag nochmals zum Hafenmeister. Unter Mithilfe von Andrea (wir haben zwischenzeitlich ein deutsches Nachbarboot 🙂 bekommen), die sehr gut spanisch spricht, wurde zugesagt, ja zwei, drei Tage gehen noch. Wir sollten aber Dienstag oder Mittwoch nochmals nachfragen. Nun schauen wir mal, was wir so rausschinden können.

Wir haben ja letzte Woche auch unser Großsegel nochmals zum Segelmacher gefahren, da wir immer noch ein paar kleine Reklamationen haben. Morgen können wir das Segel wieder abholen. Und dann sehen wir weiter…

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Lanzarote

Nach unserer ersten, etwas windigeren Nacht vor Anker hatten wir doch noch etwas Schlafmangel. Aber wir durften dann ja in die Marina Rubicon umziehen und einen Liegeplatz unser nennen. Da können wir das dann nachholen…

Wir hatten uns nicht viel vorgenommen für Lanzarote, da wir diese Insel aus einem früheren Hotel- und Segelurlaub schon ordentlich abgeklappert hatten. Vielmehr stand auf dem Programm:

  • Bootsentsalzung (nach 6 Tagen auf See konnten wir schon das Meersalz abkratzen und zum Kochen verwenden)
  • Ersatzteile besorgen für das Boot
  • Friseurtermin für Sabinchen (wildes Chaos auf dem Kopf – letzter Termin im Mai)
  • mal nix tun??

So waren dann die 4 Tage auf Lanzarote auch recht schnell rum. Nach dem Verlegen in die Marina (uns wurde erst um 11:30 Uhr eine Zusage erteilt) wurde dem Salz zu Leibe gerückt und das Boot gewässert und gereinigt. Schwupp, erster Tag vorbei ☹

An Tag 2 sind wir dann eben losgezogen, den Friseur aufzusuchen und die Besorgungen zu erledigen. Hier waren wir auch erfolgreich und ich muß sagen, ich hatte noch nie so einen schönen Ausblick, während mir die Haare gewaschen wurden. Direkter Blick auf Fuerteventura rüber.

Der Skipper ist dann auch noch mal in den Mast gekrabbelt und hat diesen gecheckt, ob noch alles in Ordnung ist. Die Drähte, die Verschraubungen, Splinte etc. Sichtprüfung i.O.

Zwischendurch hat man natürlich den ein oder anderen Klönschnack mit dem Nachbarbooten, allen voran den Mitgliedern des Trans Ocean. Da ist Ruckzuck der Tag rum…..

Und an Tag 4 dann endlich mal nix tun – die Marina Rubicon hat auch einen Salzwasser-Swimmingpool. Da will ich mal hin und nur rumliegen.

Und schon sind die Tage auch wieder wie im Fluge vergangen.

Wir hätten nicht gedacht, daß das so schwierig wird, auf den Kanaren einen Liegeplatz zu bekommen. Eigentlich hatten wir ja vor, etwas um die Inseln zu tingeln. Ankerplätze gibt es hier leider kaum, da diese vulkanischen Insel halt meist sehr steil ins Meer abfallen und entsprechend keine flachen Strände oder adäquate Buchten, die genug Schutz bieten, vorhanden sind. Und da sich im Moment alles auf den Kanaren versammelt, was noch über den Atlantik gehen will (und das sind nicht wenige), wird es hier halt recht voll. Viele haben schon vor einem halben Jahr Ihren Liegeplatz gebucht – und dann liegen die dann ernsthaft wochenlang in der selben Marina.

Also ändern wir wieder einmal unsere Pläne und schauen uns gleich mal nach dem nächsten Liegeplatz um. Gran Canaria fällt aus, da startet die ARC, die Atlantic Ralley for Cruisers, auf deutsch ist das eine „geführte“ Atlantiküberquerung, an der viele Boote teilnehmen. Das ist gut durchorganisiert und auch betreut. Und für eben diese ARC ist der gesamte Hafen in Las Palmas auf Gran Canaria reserviert. Alle anderen Schiffe müssen ausweichen. Folglich ist Gran Canaria voll, völler….

Fuerteventura fällt ebenfalls aus, da es dort quasi nix für Segler gibt. Außerdem kennen wir diese Insel auch schon von früheren Urlauben. (Gran Canaria übrigens auch – drum tut es nicht weh, dort nicht hinzukommen).

Also richten wir unser Augenmerk auf Teneriffa. Dies war dann auch wieder mal nachmittag-füllend. Ich habe wirklich alle Marinas angerufen und nach einem Platz gefragt. Von jedem bekam ich zu hören, daß sie nix mehr haben, daß sie zu klein für unser Boot sind usw. Wirklich erst bei der letzten Marina hatte ich anscheinend Glück. Das Problem: der gute Hafenmeister spricht nur Spanisch und Französisch und no Englisch. Uff – ich kann ja spanisch, aber einen Bootsliegeplatz auf spanisch abklären?? Anscheinend funktionierte es aber, er hat mir zumindest ein Datum bestätigt: Domingo, 15. Also Sonntag, der 15. Mal schauen, ob dem so ist, wenn wir dort aufschlagen. Ich habe zumindest gleich mal für 6 Tage nachgefragt, denn diese Insel wollen wir uns definitiv noch anschauen.

So sind wir dann am Freitag morgen losgefahren Richtung Teneriffa. Wir sind wieder über Nacht gefahren, damit wir schön im Tageslicht dort ankommen und eine Nacht vor Anker gehen werden (wir hoffen, daß die eingezeichneten Ankerplätze in den Karten auch machbar sind), um am Sonntag dann gemütlich zu unserem Hafen zu fahren.

Nun liegen wir hier vor Anker auf Teneriffa in einer der wenigen „Buchten“. Als wir ankamen, war hier wieder mal alles rappelvoll von einheimischen Booten, die Ihren Badeausflug in diese Bucht machen. Doch jetzt am Abend sind wir wieder alleine – halt, nein – da kommt noch ein Segelboot rein. Wir bekommen noch Nachbarn.

Und morgen früh geht’s dann weiter….

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Lissabon

was wollen wir sagen? Einfach toll! Wir haben wieder einmal eine kostenlose Stadtführung gebucht, bei der man hinterher das bezahlt, was es einem Wert war. Wir hatten mit Julia, einer Deutschen, die seit 3 Jahren in Lissabon lebt, einen wirklich guten „Guru“ (so heißen diese Führer auf der entsprechenden App). Sie führte uns 3 Stunden lang durch die Ecken Lissabons, die sie auch wirklich gerne mag. Ich glaube, an diese Ecken wären wir so niemals hingelaufen. Es ist auch wirklich alles sehr weitläufig in Lissabon und man kann ganz schön Kilometer machen.

Nach dieser Führung haben wir es geschafft, uns mit Sabine und Peter zu treffen, die auch an diesem Tag nach Lissabon gefahren sind. Wir haben gemeinsam einen wirklich tollen und lustigen Tag verbracht; sind gemeinsam noch mit der berühmten alten Tram, der Linie 28 gefahren, über den Fluß zum Christo Rei, der großen Jesusstatue marschiert und zum Abschluß noch gemütlich zum Essen eingekehrt. Hier hat JOY-Sabine einfach eine junge Dame angesprochen und gefragt, wo man denn hier gut und traditionell (nicht Touri) essen könne. Super. Das Mädel hat uns wirklich gut beraten (in Zusammenarbeit mit Ihrer Oma) und das Essen war super lecker und günstig. Leider trennen sich ab hier unsere Wege wieder, da die beiden in das Mittelmeer abbiegen werden. Die Trauer hierrüber war auf beiden Seiten glaube ich sehr groß, hatten wir doch wirklich „gleiche Seelen“ gefunden.

Letztendlich war es ein langer Tag, bis wir gegen Mitternacht wieder auf unserem Schiffchen waren.

Mehr können wir gar nicht sagen und lassen einfach Bilder sprechen

zunächst mal die Gebäude und Monumente

dann kommen wir mal zu den tollen Fliesen und Fliesenbildern

nun zu den Kirchen

das rechte Bild ist eine Kirche, die bereits zwei Erdbeben und zwei Brände erlebt hat. Beim letzten Brand wurde dann nur der Dachstuhl neu aufgesetzt und alle Säulen und Wände wurden belassen, mitsamt den Spuren. Es gibt hier auch keinen tollen Schmuck. Das daher, weil man davon ausgeht, daß diese Kirche verflucht ist und eh wieder vernichtet wird. Das rentiert sich dann nicht ….. Ich finde gerade diese Kirche schön

weitere Impressionen

und dann unsere Bahnfahrt und der Spaziergang zum Christo Rei über die Stahlbrücke auf die andere Flußseite (des Tejo)

Danke Sabine und Peter, daß wir Euch kennenlernen durften und so einen schönen Tag zusammen hatten. Hoffentlich sehen wir uns mal wieder – nächster Meetingpoint Südsee!!

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immer weiter Richtung Süd

ihr habt lange nix gehört….wir waren echt beschäftigt mit dem Vorwärtskommen!

In Muros mussten wir uns leider von Kai verabschieden, da er Probleme mit dem Motor hat und diese erst einmal beheben muß. Geplant war, daß er uns am nächsten Tag nachfährt. Schon bei der Abfahrt meinte Jochen „ich glaube, das war das letzte Mal, daß wir Kai gesehen haben“. Die Befürchtung sollte sich bewahrheiten, da es Probleme bei der Reparatur gegeben hat.

Unser nächster Anlaufpunkt war die Illa de Ons, dies ist eine Insel nördlich von Vigo, die, wie die anderen Inseln hier zu einem Naturschutzgebiet gehört. Um hier ankern zu dürfen, muß man vorher eine Navigationsgenehmigung beantragen und wenn man diese dann hat, mit dieser dann wiederum eine Ankererlaubnis. Das ging aber alles problemlos. Die Navigationsgenehmigung gibt es via E-Mail mit Einreichung einiger Dokumente. Dann erhält man eine Mail zurück mit einem PIN-Code, mit dem man dann online die Ankererlaubnis innerhalb von 5 Minuten hat. Deutschland – merk Dir das, es geht digital auch einfach!!!

Auf dem Weg zur Insel habe ich es dann geschafft, eine Langleine der Fischer aufzusammeln. Die großen Bojen habe ich noch gesehen und auch die kleinen, die sich links von uns befanden. Die Fischer haben auch auf ihrem kleinen Boot angedeutet, daß da etwas ist. Daß die diese Leinen jetzt aber im Kreis verlegen, war mir auch neu und die rechts von uns habe ich in den Wellen einfach nicht gesehen. So bin ich quasi mitten durch ihren „Ring“ gefahren und habe die Langleine aufgesammelt. Gerade als Jochen sich die Flossen angezogen hatte und uns Wasser wollte, kamen die Fischer angefahren und haben kurzerhand links und rechts von uns die Langleine durchgeschnitten und eingesammelt. Ich denke, die knoten die beiden Enden einfach wieder zusammen und dann hat sich das Ganze. Sie waren auch noch recht freundlich….Sie meinten nur „Ihr müsst schauen!“ Haha, nen Tennisball in einer Meterwelle erkennen; und das auch noch, wenn sich der Sonnenschein auf dem Wasser spiegelt – ja, klar, ganz einfach.

Das ankern (das erste Mal mit unserem neuen Anker) ging dann auch problemlos und wir lagen vor dem nördlichen Strand der Insel ganz alleine für uns. Einzig der Schwell in der Nacht war etwas unangenehm.

Am nächsten Tag sind wir dann an den Strand geschnorchelt und haben eine Wanderung über die Insel gemacht. Unser Dinghi wollten wir wegen dem einen Tag nicht zu Wasser lassen, da war uns der Aufwand zu groß. Also, Flossen an und rüber.

Die Insel ist recht nett, ziemlich karg auf der windzugewandten Seite, aber so mag ich es. Anscheinend war aber irgendeine Fiesta, denn in dem kleinen Örtchen war enorm was los; es sind anscheinend sehr viele vom Festland herüber gekommen und haben hier üppig Fisch gespeist (und Bier getrunken). Da waren wir ganz froh, daß wir am nördlichen Strand geankert haben und nicht an dem Strand direkt vor dem Fähranleger.

An diesem Abend waren wir dann drei Boote an „unserem“ Strand. Also auch noch sehr übersichtlich.

Von dieser Insel haben wir uns dann auch verabschiedet und sind weiter Richtung Süden. Leider gibt es ab hier dann nicht mehr so viele Möglichkeiten zum ankern oder Häfen, die man anlaufen kann. Da muß man dann schon etwas schauen., wo man bleibt und entsprechend auch mal Nachts durchfahren.

Wir haben uns einen kleinen Fischereihafen ausgesucht „La Guardia“. Hier kann man im Hafenbecken ankern, aber eigentlich nur 1 – 2 Boote, je nach Größe, dann ist es voll.

Als wir dort ankamen, sahen wir bereits, daß dort schon ein Schiff liegt, das größer ist als unseres. Boah, ob das geht? Wir sind dann reingefahren und haben den Anker gesetzt – ja, ist schon etwas eng jetzt. Sven, der Skipper des anderen Bootes, der Apple Pie, meinte dann, wir sollten doch seitlich bei ihm anlegen, das hätte er hier schon so gehabt und das ginge gut. Also, wieder Anker auf und seitlich fest gemacht. Das gefiel uns dann aber gar nicht, da sich unsere beiden Schiffe in den Wellen, die in den Hafen kamen, so aufgeschaukelt hatten, daß das ein wildes Geschlage war und prompt ist auch eine Leine gerissen, die uns an Sven’s Boot gehalten hatte. Ne, ne, da ankern wir doch lieber wieder.

Also, wieder selber den Anker runter. Dafür sind wir aber dann gemeinsam am Abend mit Sven’s Dinghi zum Essen gefahren, wobei Jochen beim Einsteigen fast ins Wasser gefallen wäre, aufgrund des Wellenschlagens am Schlauchboot…..Alles sehr spannend hier!!

Beim zurückkommen stellten wir dann fest, daß unsere beiden Boote ja jetzt komplett anders im Hafenbecken liegen – folglich muß der Wind gedreht haben. Gerade beim Zubettgehen hören wir dann ein Knirschen. Mist! Der Anker ist gerutscht und wir liegen plötzlich noch weiter an der Kaimauer. Aber der Anker sitzt jetzt wohl fest und hält. Aber so ganz trauen wir dem Frieden nicht und Jochen beschließt, daß er die heutige Nacht im Cockpit verbringt, um schnell reagieren zu können.

Ich kann dann natürlich auch nicht ruhig schlafen. Bei jedem Geräusch denkst Du, treibt es uns wieder ab? Liegen wir noch richtig? Und so schaue ich vorsichtig aus meinem Minifensterchen raus und checke für mich den Standort. Frühmorgens gegen 5 Uhr kommt dann Jochen  „Wir verlegen noch mal, das wird mir zu eng“. Als ich rauskomme, sehe ich, daß Sven mit seinem Boot schon voll in der Hafeneinfahrt liegt und rufe ihn an. Er scheint aber überhaupt nicht beunruhigt zu sein „Nee, ich liege hier die ganze Zeit schon so und bewege mich nicht“. OK, wenn er meint. Wir ankern nochmals um und stellen dann fest, daß wir jetzt sicherer liegen und legen uns nochmals schlafen.

Wir sind dann zeitig aufgestanden und losgefahren. Da haben wir dann im Hellen festgestellt, daß der Hafen ja zwischen zwei Bergen im Einschnitt liegt – Aha, daher weht der Wind. Da entsteht ein Düseneffekt und wir hatten in dem Hafenbecken einen deutlich stärkeren Wind als draußen auf See. Somit erklärt sich einiges.

Leixoes heißt unser nächster Zielhafen. Hierhin hatten wir noch zwei Pakete aus Deutschland bestellt, auch wenn wir mehrfach lesen, daß dies kein schöner Hafen wäre. Egal, die nehmen unsere Pakete auch im Vorfeld an, obwohl wir selbst noch gar nicht da sind. Und wir sind ja nur für eine Übernachtung da.

Auf dem Weg hierher ging es dann schon wieder los mit dem Slalomgefahre um die Fischernetze herum. Vor der Hafeneinfahrt richten wir unser Boot zum Anlegen her und ich stelle fest: „Jochen, wir ziehen da was hinter uns her!“

Also im Hafen festgemacht, angemeldet und erst mal geschaut, was da los ist. Wir haben einen kleinen Schwimmkörper auf den Steg gezogen, an dem noch ordentlich Grundleine mit einschließlich Stein als Gewicht dran hing. Das andere Ende muß aber am Ruder noch irgendwo hängen. Also habe diesmal ich die Flossen angezogen und bin ins Wasser. Haben wir es doch tatsächlich geschafft, eine komplette Boje mit Stange und Fahne einzusammeln, die sich vor unserer Ruderanlage am Skeg eingehängt hat. Boje einmal unten drunter herziehen und auf den Steg gelegt. Fertig. Nix kaputt, nix in der Schraube – nur der Fischer hat halt eine Boje weniger.

Auch hier sind wir nur für die Nacht im Hafen geblieben und am nächsten Mittag dann weiter gezogen. Wir wußten, daß wir für unser nächstes Ziel über Nacht fahren müssen und haben daher auf den passenden Wind gewartet, der gegen Mittag eintreffen sollte. So würden wir dann auch bei Tageslicht in Nazaré eintreffen.

So war es auch. Unterwegs hatten wir wieder einmal eine Delphinschule am Boot. Das ist gut, wo Delfine sind, sind keine Orkas!!

Nazaré ist weltbekannt – dies ist das Mekka der Wellenreiter. Dies ist der Unterwassertopographie geschuldet. Direkt vor Nazaré ist ein tiefer Graben. Dieser bewirkt, daß die anrollende Atlantikdünung aus dem Westen sich durch den Canyon quasi teilt. Das aufströmende Wasser aus diesem Canyon kreuzt sich dann mit der normalen Dünung und lässt diese gigantischen Wellen entstehen. Die Hafeneinfahrt war für mich auch wieder spannend. Man soll lt. Internetrecherche genau über diesem Graben auf die Hafeneinfahrt zufahren und würde die bei jedem Wetter gut ansteuern können. Aha! Schmale Einfahrt – links und rechts knallen die Brecher auf die Mole – ich weiß nicht! Aber es geht wirklich gut. Man rollt ja mit der Dünung rein. Spannend wird es dann eher beim rausfahren.

Früh am Morgen haben wir im Südhafen festgemacht und haben uns erst mal auf’s Ohr gelegt. Leider ist es vom Südhafen zur eigentlichen Marina ein Fußweg von 1,5 km um das Hafenbecken herum, so daß ich dann beim Anmelden (ja, zu Fuß einmal außenrum) nachgefragt habe, ob es denn im Nordhafen noch ein freies Plätzchen für uns gibt. Der nette Hafenmeister sicherte mir zu, Bescheid zu geben, wenn wir verlegen könnten und fuhr mich dann mit seinem Golfcaddy wieder zurück zum Boot. Und wirklich – keine Stunde später klopft es am Boot, daß wir verlegen können. Super. Das haben wir dann auch gleich gemacht und beim Festmachen am neuen Platz hat uns auch die Crew vom Boot nebenan geholfen. So haben wir dann Sabine und Peter von der JOY kennengelernt. Aus diesem „kurzen Schwatz“ beim Anlegen sind dann gleich 2 Stunden geworden!!!

Am Abend haben wir uns dann wieder mit Sven von der Apple Pie verabredet, der auch in Nazaré lag. So schnell lernt man Leute aus der Heimat kennen und trifft sich dann immer wieder.

Neuer Tag, neues Ziel: wir laufen heute morgen noch zum Leuchtturm hoch und schauen uns den Surferstrand mal an. Sehr beeindruckend!!! Nazaré ist insgesamt auch wirklich ein nettes Örtchen, wo man es durchaus einige Tage aushalten kann.

Beim Zurückkommen sind Sabine und Peter leider schon ausgelaufen gewesen – Schade. Aber wir haben ja das gleiche Ziel heute: Peniche. So sind wir dann am Nachmittag auch losgefahren und haben am Abend im Hafenbecken unseren Anker geworfen, um am nächsten Morgen gleich früh wieder weiterzufahren. Leider haben wir die JOY-Crew hier nicht mehr getroffen, da diese in der vollen Marina gelegen waren. Aber die Apple Pie hat auch wieder ihren Anker neben uns gesetzt, so daß wir uns am Abend zumindest noch einmal aus der Entfernung zuprosten konnten.

Unser letztes Ziel am Festland lautet Lissabon. Einen Liegeplatz haben wir in der Marina Oeiras bekommen, ca. 16 km vor Lissabon. Hier in der Ecke sind die Liegeplätze meist vergeben und es nur auf mehrfaches Nachfragen einer zu bekommen ist. Wir hatten Glück! Hier in Oeiras wollten wir 3 Nächte bleiben, um uns auf unsere Überfahrt auf die Kanarischen Inseln vorzubereiten.

Am späten Freitagnachmittag haben wir hier festgemacht. Am darauffolgenden Samstag ist der Skipper den ganzen Tag unter Deck verschwunden und hat seine ganzen To-Do-Projekte abgeschlossen, die sich so nach und nach wieder angesammelt haben. Es ist halt immer was zu reparieren, zu prüfen und … Ich habe mal „in Wäsche“ gemacht und mich wieder mal über die ach so schlechten Waschmaschinen in den Marinas aufgeregt. Ja, wie soll die Wäsche auch richtig sauber werden, wenn die Maschine nur eine halbe Stunde läuft???? Aber egal, es ist alles mal durchs Pulver gezogen.

Und wir waren wieder mal festgehangen!!! 3 Liegeplätze weiter liegt die Seestern mit Anke und Thomas, die wir schon auf der BOOT in Düsseldorf beim Losseglertreffen kennengelernt hatten. Auch da haben wir uns natürlich festgeschnattert. In der Zwischenzeit ist auch die Joy mit Sabine und Peter im Nachbarhafen eingelaufen, in unserem haben sie keinen Platz mehr bekommen.

An diesem Samstag war hier in Oeiras dann auch noch eine Flugshow. Bereits am Mittag haben die tollkühnen Flieger hier geprobt und ab 15 Uhr ging dann die Veranstaltung los. Da es auch eine Nightshow gab, sind wir dann gemeinsam mit Anke und Thomas zum Strand, wo auch eine enstprechende „Musikbeschallung“ und Verpflegung stattfand. OK, in Deutschland wären bei so einer Veranstaltung über 3 km lang ein Essenstand neben dem anderen gewesen. Bei dem Versuch bei einem lecken Imbiss, den Thomas am Tag zuvor besucht hatte, was zu bekommen, scheiterte daran das er völlig ausverkauft war. Hier gab es glaube ich insgesamt 5 Buden sowie den McDonalds. Also entsprechend Schlange stehen, wenn man etwas wollte. Wir haben uns für den Hotdog-Stand entschieden, hier war die Schlange am kürzesten und wir standen lediglich 30 Minuten an, um etwas zu Essen und zu Trinken zu bekommen. In diesem Zuge haben wir uns an der Bahnstation auch gleich Tickets für den Sonntag besorgt, da wir da zeitig nach Lissabon wollen und nicht früh am morgen planlos vor dem portugiesischem Kartenautomat Zeit verschwenden wollten.

Über Lissabon berichten wir dann separat im nächsten Beitrag…

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Endlich Spanien

Ja was habe ich meine Südländer vermisst!!! Endlich wieder Spanisch hören und reden und lecker TAPAS genießen.

In A Coruña haben wir wie geplant schön ausgeschlafen und sind dann mal losgezogen, um diverse Dinge zu besorgen. Wir sind jetzt Besitzer einer Angel (für die Bordversorgung mit frischen Lebensmitteln) und haben auch unsere Vorräte aufgestockt. Der Supermarkt in der Nähe hat den schönen Service, daß er das Gekaufte bis ans Boot liefert, das musste ausgenutzt werden. So wurden auch die Getränkevorräte großzügig aufgefüllt. Es war ja Sturm angesagt, also war klar, daß wir hier wenigstens 3 Nächte verbringen werden.

Gegen Abend sind wir dann mit Kai in die Stadt marschiert, um festzustellen: aaah, in Spanien! Da ist das ja wieder mit der Siesta, Öffnungszeiten der Restaurants ab 20 Uhr. Wir sind dann zufällig über eine Tapas-Bar gestolpert, die wohl durchgehend bewirtet. Beim Brüten über der Speisenauswahl habe ich mal freundlich die Damen am Nebentisch gefragt, was sie denn da so essen. Deren Tapas sahen echt lecker aus.

Nachdem wir die Portionsgrößen abgecheckt hatten, haben wir beschlossen, wir bestellen mal alle Tapas-Varianten durch. So sind wir auf 10 verschiedene Leckereien gekommen und haben damit auch die beiden Männer so richtig satt bekommen. (und das für kleines Geld)

Als ich der Kellnerin mitteilte, wir werden mal alle nehmen, sah sie mich nur groß an. (Auf der Karte waren auch Raciones, also große Portionen – die wollten wir natürlich nicht) Sie hat dann schön alles notiert und nach 10 Minuten war unser Tisch reichlich gedeckt.

Den folgenden Tag haben wir genutzt, unseren Bewegungsdrang zu befriedigen und sind losmarschiert. Es war zwar windig, aber nicht kalt. Ziel war zunächst der Torre de Hércules, der älteste noch aktive Leuchtturm der Welt. Erbaut von den Römern um 110 nach Christus. Dieser kann für einen Obulus von 3,00 € von innen besichtigt und bestiegen werden und das sollte man auch machen. Innen sind die alten Fundamente zum Teil freigelegt, da im 18ten Jahrhundert außenrum neue Mauern zur Verstärkung hochgezogen wurden. Zu allen Umbauarbeiten sind entsprechende Informationstafeln vorhanden. Oben auf der Plattform hat es dann auch im Wind ordentlich geblasen.

Den Rückweg haben wir dann am Küstenpfad entlang weiter noch zum Stadtstrand unternommen und sind quer durch die Stadt wieder zu unserem Hafen.

Am Abend wollten wir dann nochmals schön zum Fischessen gehen. Ein Desaster!! Hatten wir uns doch ein Restaurant ausgesucht, in dem viele Einheimische waren. Wir haben halt leider total das Falsche bestellt. Die beiden Essen der Männer waren nur Häppchen und mein Fisch war leider geschmacklich nix. Die beiden Männer haben auch nur kurz probiert und festgestellt, daß sie den so auch nicht mögen – Fisch Galizischer Art. Was tun? Wir kennen doch da eine Tapas-Bar, wo wir Euch noch satt kriegen…..Gesagt, getan. Dort nochmals eingekehrt und schwupps war Ruhe.

Tags darauf ist Kai früh losgesegelt und wir sind zurück geblieben. Wir wollten noch auf ein Paket warten, aber das wurde noch gar nicht weggeschickt, was Jochen am Vormittag in Erfahrung gebracht hat. Also haben wir beschlossen, auch gleich loszusegeln (nachdem wir die Lieferadresse noch ändern konnten in einen der nächsten Häfen), da sich der nächste Sturm in 2 Tagen ankündigt und wir bis dahin um die Nordwestspitze Spaniens sein wollen. Der Wind, den der Sturm mit sich bringt, ist nicht günstig, um nach Süden voranzukommen und wir möchten nicht noch eine ganze Woche in A Coruña festhängen. Da jetzt aber nur wenig Wind genau gegenan ist, fahren wir lieber mit Motorunterstützung, als hier zu sitzen. Daher haben wir auch beschlossen, gleich die Nacht durchzufahren und morgen früh dann im Zielhafen Muros einzulaufen, da für den morgigen Tag mit mehr Gegenwind zu rechnen ist, was sich dann wieder zieeeeeht.

Cabo Finisterre – das westliche Ende der „Alten Welt“. Freundlicherweise von Kai zur Verfügung gestellt, da es bei uns stockdunkle Nacht war und nur das Leuchtturmfeuer zu sehen war.

Unterwegs hatten wir dann nochmals Kontakt zu Kai aufgenommen, ihm unsere Pläne mitgeteilt und daß wir uns halt dann in Muros treffen. Unterwegs dann, am Spätnachmittag teilt Kai mit, daß er Motorenprobleme hat und nur unter Segeln fahren kann. Es soll aber eine Flaute kommen. Da wir aufgrund seiner „Langsamkeit“ ziemlich aufgeholt haben und er festhing, telefoniert die Männer dann miteinander und Kai hat schon mal Leinen zum Abschleppen vorbereitet, wenn wir dann bei ihm aufschlagen würden , um ihm evtl. zu helfen. Jochen gab dann noch Tipps wegen des Motors und Kai konnte dann doch wieder selbständig weiter in seine Übernachtungsbucht fahren. Wir sind dann weiter und morgens um 5 Uhr haben wir in Muros vor der Hafeneinfahrt den Anker geworfen und uns erst mal schlafen gelegt.

Gegen 14 Uhr haben wir dann in die Marina verlegt und uns einen schönen Platz am Steg gesucht, an dem wir festgemacht haben. Kai schlug dann auch wirklich knapp 2 Stunden später auf und diesmal konnten wir ihm beim Festmachen helfen.

Es ging für uns dann noch etwas in die kleine Stadt; dieses Örtchen hat was. Eine sehr alte, denkmalgeschützte Stadt mit einer uralten Kirche, engen Gässchen, klobigen Steinhäusern, vielen kleinen Läden, Bars usw. Wirklich schön.

Und an diesem Abend haben wir endlich unseren leckeren Fisch bekommen, den wir uns gewünscht haben. Im ersten Restaurant, das uns der Hafenmeister empfohlen hat, gab es leider nichts zu essen, der Koch war krank. Aber die Aufsteller mit den Gerichten standen schön vor den Tischen. So kann man Kundschaft locken. Daher auf gut Glück weitergezogen und etwas gefunden! Wird da jemand neidisch???

und heute sitzen wir hier, hören dem pfeifenden Wind zu und kümmern uns mal um organisatorisches wie der Webseite und um uns – nix machen, nur chillen.

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