Die Cook´s bestehen aus 15 Inseln, die über ein recht weites Gebiet verstreut sind (236,7 km² Landfläche und insgesamt 1.969.553 km² Wirtschaftszone lt. Wikipedia). Es gibt insgesamt nur 3 Einreisehäfen, wir entscheiden uns für Aitutaki, da dies am ehesten auf unserer Route liegt. Die Cookinseln sind ein unabhängiger Staat, aber eng an Neuseeland verknüpft und alle Bürger sind Neuseeländische Staatsangehörige. Auch die Währung ist der neuseeländische Dollar, wobei es aber eigene Münzen und Scheine der Cooks gibt, die nur hier anerkannt sind. Dabei handelt es sich bei den Münzen auch um begehrte Sammlerstücke, da z.B. die 2-Dollar-Münze dreieckig ist. Wir sind jetzt definitiv auch in „Rugby“ angekommen – ab hier wird dies wohl der Nationalsport sein.
Soviel zum Thema Cookinseln. Wer interessiert ist, kann gerne selbst nachlesen. Daher nun zu Aitutaki. Diese Insel ist ein Urlaubsgebiet der Neuseeländer und Australier mit einigen schönen Hotelanlagen. Hier wird viel Wassersport angeboten: Schnorcheln, Tauchen, Surfen, Kiten, Wingfoilen…. Wir selbst dürfen mit unserem Fred leider nicht in der Lagune umherfahren und selbst erkunden. Dies ist hier verboten. Angeblich zum Schutz des Riffes, aber doch hauptsächlich, um den Einheimischen einen Verdienst zu ermöglichen. Eine einzelne Taxifahrt zur „Honeymooninsel“ schlägt gleich mal mit 30 € einfach pro Person zu. Wir verstehen natürlich das Interesse, den Einheimischen eine Verdienstmöglichkeit zu gewähren – aber dafür sind wirklich genug Pauschaltouristen hier. Die paar Segler würden nicht weh tun, wenn die selbst herumfahren könnten.
Die Passeinfahrt ist noch gar nicht so lange für uns zu befahren. Die ursprüngliche Tiefe betrug nur knapp über einen Meter. Die Insel setzt seit einiger Zeit auch auf die Segler, so wurde die Einfahrt bereits auf 4 m Tiefe ausgegraben und der Hafen soll jetzt nach und nach auch fertig gestellt werden. Wir kommen quasi mitten in der Baustelle an, alles verändert sich täglich und man muss schauen, wo man sich ein Plätzchen ergattern kann. Die Einfahrt selbst ist unter den Seglern schon etwas berüchtigt, schmal, lang und mit viel ausgehender Strömung. Für uns heißt es da das richtige Timing zu treffen. Ist man erst einmal drin, gibt es kein zurück mehr, kein Platz für Experimente. Der Hafen selbst benötigt anlegen nach patagonischer Art (oder offiziell: römisch-katholisch wie im Mittelmeer): Anker schmeißen und dann rückwärts an den Rand und Landleinen über das Heck ausbringen. Was sind wir froh, unsere langen Leinen noch zu haben. Alles wird schon draußen vor dem Atoll vorbereitet, drinnen muss es schnell gehen. Über die örtliche WhatsApp-Gruppe gibt man Bescheid, wann die Ankunft ist – ein paar helfende Hände für die Leinen stehen dann bereit.

Wir kommen so langsam zur Passeinfahrt, wo soll die bitte wieder sein, wir verlassen uns wieder blind auf die Seekarten. Und siehe da, da taucht sie auf. Verdammt schmal und im Außenbereich brodelt das Wasser von der ausgehenden Strömung. Wir bergen noch unsere Genua, das Großsegel war schon weiter draußen runtergekommen, drinnen ist einfach kein Platz und keine Zeit, um es zur Unterstützung gegen die Strömung oben zu lassen. Die Maschine muss genügen. Die Anspannung steigt, je näher unser Zuhause dem Pass kommt. Die waschbrettartigen Wellen sind erreicht und wir werden auch gleich von der Strömung gebremst, da muss noch mehr Gas gegeben werden. Sobald das Außenriff erreicht ist beruhigt sich gleich das Wellenbild, aber die Strömung steigt und steigt. Jetzt gebe ich schon fast Vollgas und wir kommen gerade mal so auf 1 kn Fahrt über Grund vorwärts. Die ein oder andere Kurskorrektur in der schmalen Spur muss auch noch sein, bevor nach 100 m die Strömung so langsam wieder abnimmt und das Gas so langsam wieder reduziert werden kann. An der Seite stehen einzelne Stangen, nach denen man sich richten kann, die Riffkante ist aber auch so gut zu erkennen. Nach 500 m ist dann auch der erste Spuk vorbei und die Anspannung fällt etwas ab. Jetzt kommt noch das Anlegen. Im Vorfeld hatten ich schon abgestimmt, wo ich mich hinlege, ein paar aktuelle Drohnenaufnahmen von anderen Seglern erleichtern die Orientierung. Die helfenden Hände stehen am Ufer auch schon bereit, wir lassen den Anker fallen und ich ziehe zurück, während Sabine noch entsprechende Ankerkette auslässt. Der Anker scheint auch gleich gut zu halten, jetzt noch schnell den Steuerstand verlassen und die vorbereiteten Landleien zum Ufer werfen. Die erste Leine ist an einem der Betonblöcke fest, das war es. Für den Rest haben wir dann etwas Zeit, die Anspannung fällt ab. Gut das wir das schon einige Male in Patagonien geübt haben, alles läuft perfekt. Wir bringen noch die zweite Landleine aus und richten das Boot aus. Während wir das Boot aufklaren, steht schon der erste Beamte von der Biosecurity in den Startlöchern. Wir hatten uns draußen über Funk bei der Port Control angemeldet und die freundliche Dame am anderen Ende hat schon alle Behörden organisiert, so soll es sein. Für den Beamten müssen wir aber erst einmal unser Dinghy Fred zu Wasser lassen, damit er zu uns an Bord kommen kann, wird sind halt noch nicht so weit. Kein Problem kommt es vom Ufer, dann komme ich später nochmal vorbei, sehr freundlich. Eine halbe Stunde später sind wir dann soweit und der Beamte steht auch wieder da. Er setzt über und kommt an Bord. Wir werden aufgeklärt das keine mitgebrachten Lebensmittel an Land gebracht werden darf, genauso wie auch der Müll. Einzig hier gekaufte Gegenstände dürfen in den Müll kommen. Er macht noch einen Rundumblick durch das Boot, das war`s auch schon. Er nimmt noch den aktuellen Müll den wir an Bord haben mit und verabschiedet sich. Kurz darauf kommt noch Bob vom Zoll und die Dame von der Gesundheitsbehörde vorbei. Alle sehr freundlich und entspannt. Was es heißt hier krank anzukommen, erfahren wir einige Tage später. Ein kleines Kreuzfahrtschiff legt sich draußen vor Anker und fährt einige Stunden später wieder ab. Wie wir erfahren haben, gab es wohl 6 kranke Personen an Bord, so wurde dem ganzen Schiff die Anlandung verweigert, konsequent kann man da nur sagen. Nach den ganzen Formalitäten dürfen wir auch offiziell das Land betreten, was wir dann auch nutzen. Aber erstmal um unseren Freunden Isabell und Jeff von der „Ouante Vas“ beim Festmachen zu helfen. Sie kommen etwa 3 Stunden später nach uns an. Ich hatte sie schon benachrichtigt über die Örtlichkeiten hier. Auch sie schmeißen den Anker, der aber nicht hält. Erst beim zweiten Versuch scheint er zu greifen. Die Leinen werden versucht an Land zu schmeißen, aber leider ein einziges Leinenchaos, ich komme an Bord um zu helfen. Wir schaffen es gerade so das Schiff in Position zu halten bis das Chaos entwirrt ist und das Schiff sicher vertäut ist. In dem Moment, als die Beiden ihr Dinghy zu Wasser lassen, löst sich ihr Anker erneut. Ich gebe Isabell Anweisungen wie sie das Boot in Position halten kann. Wir machen ihr Dinghy mit dem Außenborder startklar und sichern das Schiff nach vorne mit einem unserer langen Landleinen quer hinüber zu den großen Schiffscontainern und blockieren damit den ganzen Hafen. Die Einheimischen, die gerade aus- oder einfahren wollen haben Verständnis und nehmen es gelassen. Wir nehmen den Anker samt Kette ins Dinghy auf und bringen diesen dann wieder aus. Bei dem Versuch die Kette auf Zug zu bekommen reisst der Anker wieder aus, welch ein Drama. Wieder kommt der Anker mit Kette ins Dinghy und das Spiel wiederholt sich noch einmal. Bei diesem 4. Versuch scheinen wir dann Glück zu haben. So langsam fällt die Anspannung auch bei Ihnen. Ich bin gerade auf unserem Boot zurück, als sich deren Anker ein weiters mal selbstständig macht. Schnell eilen wir wieder zur Hilfe und das Spiel beginnt von vorne. Dieser Versuch sollte jetzt aber wirklich der letzte sein. Wie das Beispiel zeigt, so kann es auch gehen, da haben wir ja Glück gehabt. Für Isabell und Jeff war es das erste Anlegemanöver dieser Art, ich denke das nächste Mal sind sie besser vorbereitet und wissen, was zu tun ist.
Anschließend ist es Zeit für die erste Erkundungstour in dem kleinen Städtchen. Für den nächsten Tag ist dann ein kräftiger Wind vorhergesagt. Ich plane am Morgen noch einen Landleine an den Bug anzubringen, um den Anker etwas zu entlasten. Gesagt getan. Aber genau in diesem Moment bricht der Anker von Jean-Luc, dem Nachbarboot, das vor uns schon da war, aus. Ich sichere sein Boot über eine Bugleine von uns aus. Das mit dem Anker ins Dinghy aufnehmen und wieder ausbringen kennen jetzt ja schon alle zu genüge, alles geht gut koordiniert und schnell von der Bühne, der erste Versuch ist auch gleich von Erfolg gekrönt. Ein Wunder das unser Anker hält, bei 4 m Wassertiefe und nur 10m Kette draußen. Zur Sicherheit holen wir unser Eisen auch noch einmal hoch, er hat verdammt gut gehalten. Aber sicher ist sicher, der Wind wird nicht weniger. So haben wir dann 30 m Kette draußen, beruhigt das Gewissen und lässt einen ruhiger schlafen. Dieser Hafen ist halt derzeit in Bearbeitung und die „Mono-Alley“, wo Einrumpfboote mit Tiefgang wie wir ankern können, ist sehr begrenzt. Da ist zwischen Bug und gegenüberliegender Mole nur etwa 10 Meter Platz. Wir haben uns schließlich etwas schräg ausgerichtet, um die 30 m Kette ausbringen zu können.
Nach der Anfangsaufregung haben wir dann ein paar entspannte Tage auf der schönen Insel. Wir können unseren Berg Wäsche wieder mal zu vernünftigen Preisen waschen lassen und der Hol- und Bringservice für kleines Geld macht es auch noch einfach. So leihen wir uns Tags darauf mit Isabell und Jeff zusammen Scooter aus, um eine Inselrundfahrt zu unternehmen, bei der wir alle Sehenswürdigkeiten abklappern. Zuerst erklimmen wir zu Fuß den höchsten Punkt, um die Aussicht über das Atoll zu genießen auf 124 m Höhe. Anschließend geht’s vorbei an dem kleinen Flughafen und Golfplatz (!) zur blauen Lagune mit einem Mittagssnack in dem dortigen Restaurant. Dieses war sehr liebevoll dekoriert mit altem Schiffszubehör. Weiter auf unserer Inselrunde geht es zum Crazy-Tree, einem riesigen Baum, der quer über die Straße wächst und man quasi „im Tunnel“ durchfährt. Schnell noch eine alte Versammlungsstätte gesucht, bevor wir jetzt aber einen Kaffee haben wollen. So fahren wir zu einem kleinen Cafe, dem Avatea-Cafe, das sehr gute Kritiken hat. Leider ist es bereits 15 Uhr und sie haben geschlossen. Ähnlich wie überall im Pazifik bisher sind hier die Restaurants, Cafes etc. von 10 – 14 Uhr und dann wieder ab 17 Uhr geöffnet. Das können wir Europäer mit unserem 15-Uhr-Kaffee-trinken-gehen-wollen nicht verstehen….
Aber: es gibt ja ein Restaurant, das durchgängig den ganzen Tag offen hat!!! Also gehen wir halt da hin. Ach ja: der Tag fing ja super an mit den Scootern. Wir bekamen diese an die Boote geliefert. Sabine und ich wollten dann noch schnell unsere Gasflasche zum Füllen bringen und sind schon mal vorausgefahren. Weit sind wir nicht gekommen. Bereits nach 300 Metern mussten wir anhalten, da der Vorderreifen platt war. So standen wir vor der Touristinfo, die natürlich geschlossen war, da Samstag ist. Aber eine nette Dame hielt an, fragte ober wir Hilfe gebrauchen könnten und rief für uns beim Verleiher an, der dann auch kam und einen neuen Vorderreifen brachte. Bis dieser da war, haben uns auch Jeff und Isabell eingeholt 😊
Wir haben dann auch noch zu Fuß eine kleine Farm besucht, wo man diverse Gemüse, Salate und Kräuter kaufen kann. Leider gab es derzeit noch nicht so viel – ist ja Winter. Aber immerhin haben wir wieder einmal einen frischen Salat, der sogar schon geputzt ist und das noch zu einem recht fairen Preis. Und obendrein bekamen wir dann auch noch 4 Papaya geschenkt. Wir haben es wieder einmal genossen, lecker Essen zu gehen – nicht nur Steak oder Burger, was hier überall so üblich ist. Auch wollten wir die Happy Hour in einem Hotel nutzen. Die Stunde stimmte, aber das mit dem Happy müssen wir noch mal üben. Es gab eine spezielle Happy-Hour-Karte mit 4 alkoholischen Cocktails, die jeweils etwa 1,50 € günstiger waren, als auf der normalen Karte. Da waren wir von Happy ganz weit weg….
Wir haben am Abend dann in besagtem Hotel noch eine Tanzvorführung angeschaut. Diese wird 2 mal wöchentlich dargeboten und die Gäste können vorher an einem Buffet teilnehmen. Dieses Geld sparen wir uns und kommen einfach direkt als Zaungäste zur Vorstellung. Das ist gar kein Problem und machen einige hier.
Alles in allem muß man sagen, daß es uns hier schon sehr gugt gefallen hat. Die Menschen sind unwahrscheinlich freundlich und suchen das Gespräch. Kaum stehst Du irgendwo und guckst etwas dumm in der Gegend rum, schon wird Dir Hilfe oder eine Autofahrt angeboten, wenn man die Straße langläuft. Die Häuser und Gärten sind gepflegt und alles sieht sehr ordentlich aus. Es gab leckeren Kaffee und Smoothies und auch eine kleine „Dorfdisco“ war vorhanden.
Von Aitutaki aus wollen wir weiter nach Palmerston. Diese Insel gehört auch zu den Cook’s, man benötigt jedoch eine Genehmigung (Permit) hierfür und muß diese per E-Mail beantragen. Dies haben wir bereits gemacht, als wir angekommen sind. Eigentlich wollten wir auch eine Einwohnerin von Palmerston aus Aitutaki mitnehmen, die über die WhatsApp-Gruppe eine Mitfahrgelegenheit gesucht hatte. Denn es gibt dort keinen Flughafen und auch keine Fährverbindung. Jedoch hat sie uns 2 Tage vor der geplanten Abfahrt mitgeteilt, daß sich bei ihr etwas verzögert und sie in der kommenden Woche mit einem anderen Boot mitfährt. So haben wir entschieden, nicht bis Samstag mit der Abfahrt zu warten und schon am Freitag loszufahren. So haben wir definitiv auch bessere Bedingungen.
Also wieder zu unserem Zoll und ausklarieren und alle Schulden bezahlen. Hier gibt es eine Gebühr für die Biosicherheit, für die Gesundheitsbehörde, eine Hafengebühr für das Ankern sowie eine Abreisegebühr. Alles in allem kommt da schon ein schönes Sümmchen zusammen, dafür daß wir in so einer Baustelle ankern. Aber: wir sind am Ende der Welt!
Das schöne hier ist, daß in den WhatsApp-Gruppen auch Einheimische aktiv sind und vor allem auch die, die für etwas zuständig sind. Diese kümmern sich und helfen, wo sie können. So hatten wir im Vorfeld bereits Kontakte nach Palmerston geknüpft und nachgefragt, ob noch etwas benötigt wird, was wir mitbringen können. Da wir aber ja eigentlich eine Dame mitnehmen wollten, hat niemand mehr sonst noch etwas beauftragt – ging man doch davon aus, daß unser Boot schon voll wird.
So sind wir dann am Freitagmorgen mit dem ersten Tageslicht gegen 7.30 Uhr aufgebrochen und haben unsere Leinen gelöst und den Anker gelichtet. Alles lief reibungslos. Der Hafen war inzwischen leer – nur noch Pat und wir waren da. So hatten wir Platz zum hantieren und mussten nicht auf andere Schiffe aufpassen; wir konnten mit Ruhe unsere langen Landleinen aufrollen und gleich wieder verräumen (3x 100 Meter Leine wollen erst mal aufgerollt werden), während wir noch am Anker hingen und den Platz in der schmalen Gasse für uns hatten.

Die Passausfahrt war total entspannt und noch war das Meer ruhig im Inselschatten. Wir setzten die Segel und setzen Kurs auf Palmerston. Nach kurzer Zeit setzt dann die Dünung und Windsee ein, auch wenn die Wellen nicht all zu hoch sind, sind deren Abstände recht kurz und die Fahrt etwas ruppig. Aber alles nicht so schlimm, die 210 sm schaffen wir bis zum späten Samstagnachmittag. Gerade noch rechtzeitig, daß uns Edward und Julianna besuchen kommen und den Check-in erledigen. Wir werden noch schnell über die Gepflogenheiten der Insel aufgeklärt und das war es. Hier liegen wir im Außenbereich des Atoll´s an einer Boje. Edward hat hier einige Bojen mithilfe von anderen Seglern installiert, um das Korallenriff zu schützen. Einen Pass in das Atoll für Schiffe gibt es nicht. Die Öffnung durch das Riffdach ist so klein und flach, das man es nur mit kleinen Booten befahren kann. Es wird auch empfohlen, nicht mit dem eigenen Dinghy zu fahren, zu schwierig ist der Zugang. So kommt es, daß wir gleich mit Edward einen Shuttle für Sonntagfrüh um 9 Uhr verabreden, denn um 10 ist Kirche, da muss er zurück sein. Fast pünktlich kommt er dann am nächsten Morgen an, um uns abzuholen, wir erleben so live die Durchfahrt. Aber als wir auf ihn warteten, tauchten 50 m neben unserem Boot zwei Buckelwale auf, welch ein Erlebnis die Giganten der Meere zu beobachten, immer wieder. Ich überlege noch kurz, ob ich mich schnell ins Wasser begebe, ein Traum von mir ist es, diese Tiere auch mal Unterwasser zu sehen, aber ich verkneife es mir, es kommt bestimmt noch eine Gelegenheit. Edward kennt natürlich die Örtlichkeiten hier im Schlaf und zirkelt das Boot, nachdem wir eingestiegen sind, durch Strömung und Untiefen. Wir werden dann herzlich von der Familie empfangen und werden zum Mittagessen eingeladen. Zuvor geht es aber noch in die Kirche, wir gehen da auch mit. Aber Sabine hat nur kurze Hose und Shirt an, das geht gar nicht. So bekommt sie von Meli, Edwards Schwiegertochter, noch ein passendes Outfit, Kleid und Hut verpasst. Ich hatte mir schon vorsorglich eine lange Hose mitgebracht. So haben wir von den 37 Inselbewohnern schon einmal 21 gesehen. Was die paar Leute für eine Lautstärke beim Gesang an den Tag legen war auch schon sehr beeindruckend, wobei noch Mann und Frau mehrstimmig das ganze gestalteten. Zurück am Haus gab es dann leckeres Essen und das ein oder andere wurde ausgetauscht. Der Nachmittag ist hier, am Tag des Herrn, ganz der Entspannung gewidmet, alle legen sich zum Schlafen hin. Wir machen uns da auf die Socken und erkunden das kleine Eiland. So staunen wir, als wir die Schule besichtigen: nicht schlecht für die 11 Kinder, die hier leben. Daneben gibt es gleich noch einen Lerngarten, in dem Gemüse angebaut wird. Ob das einmal Früchte trägt und die Bewohner ihr eigenes Gemüse anbauen ist aber eine andere Frage. Es ist natürlich sehr mühselig hier etwas anzubauen, aber Zeit hätten sie ja. Gleich neben der Schule steht die relativ neue Energiezentrale der Insel, ein kleiner Solarpark mit Batteriespeicher und falls es nicht ausreicht ein Dieselgenerator. So ist es auch nicht verwunderlich, daß auf den kleinen Wegen überall Straßenlaternen angebracht sind, ein Kuriosum das wir so nicht erwartet hätten. Leute sind um diese Uhrzeit sonst keine zu sehen, mit denen man sich unterhalten könnte, so sind wir dann am Strand entlang noch einmal rundherum gelaufen. Zum Teil sind auch noch schwere Baumaschinen zu sehen, wo man sich fragt, wie sie die auf die Insel gebracht haben, leider werden diese nicht gepflegt und werden einfach der Natur überlassen. So steht ein Bagger am Strand, der Fahrerstand ist noch in einem neuwertigen Zustand, nur das Fahrgestell und die Ketten sind schon so von der Salzluft zerfressen, so daß er keine 5 m mehr fahren würde. Wie auf allen bisherigen Inseln fehlt es an Wissen und/oder Ersatzteilen, um alles am Laufen zu halten. So verabreden wir uns noch vor der Abfahrt zurück zu unserem Boot mit Edward für den nächsten Tag, um einen seiner Außenbordmotoren zu reparieren. Für seine Taxidienste übergebe ich ihm noch 10 Liter von dem kostbaren Sprit den wir dabeihaben, wir bekommen wenigsten wieder welchen, wenn wir an einer der größeren Inseln vorbeikommen. Obenauf lege ich noch eine unserer Landleinen von Patagonien, die dankbar angenommen wird. Hier ist alles sehr rar, das Versorgungsschiff kommt nur alle 3- 4 Monate!!!
Am Abend als wir uns ins Bett legen hören wir ein, ich sage mal, rhythmisches Geräusch. Zuerst denke ich wieder mal eine neue Geräuschkulisse am Boot, die ich noch nicht kenne. Was könnte das wieder sein? Nur passt es so gar nicht zu den Bewegungen die das Boot an der Boje macht, was eigentlich der Fall ist. Wir hören beide gespannt und überlegen. Plötzlich ändert sich das Klangbild, es sind Wale, die sich unterhalten. Auch so ein Traum den ich mal erleben wollte, erfüllt, hoffentlich erleben wir noch mehr davon. Da ist unser Aluminiumdampfer ein guter Resonanzkörper und wir hören im Schiff mehr als außerhalb. Ein wirklich krönender Abschluss für einen fantastischen Tag. So sind wir am Montag wieder abgeholt worden. Nach der obligatorischen Begrüßung, Sabine hatte einen Kuchen mitgebracht, der gleich getestet wurde, wollte Edward das wir erst einmal noch die Insel erkunden und nach dem Mittagessen könne wir uns ja mal den Motor anschauen. Da hat er aber die Rechnung ohne mich gemacht. Ich mache im deutlich, daß ich gleich mit dem Motor anfange, das hat ihn dann, so glaube ich, ganz schön gestresst 😊. So hat er mir dann doch das Problem gezeigt und ich habe mich über den Motor her gemacht. Schnell war klar, daß es nichts Großes ist, das eigentliche Problem, ein hängender Schwimmer im Vergaser, schnell behoben. Laufen tut er leider doch nicht so rund. Ich probiere die Verunreinigungen im Vergaser zu beseitigen, leider sind die so stark, daß mir hier die richtige Ausrüstung fehlt. Ich zeige im am Handy einen Ultraschallreiniger, der hier helfen würde, vielleicht hat einer der nächsten Segler einen dabei oder er bestellt einen und lässt ihn mit dem nächsten Versorgungsschiff kommen. Wie der Zufall so will, soll nächste Woche das Schiff kommen, nur leider ist das zu spät für eine Bestellung, dann halt erst in ca. 3-4 Monaten. Es läuft ja nicht davon, die Uhren ticken hier halt etwas anders. Leider zwingt uns das Wetter schon für den nächsten Tag wieder zur Weiterfahrt. Die einzige Chance noch Wind bis zu unserem nächsten Ziel zu haben. Da wir uns in dem Bereich der Interkonvergenzzone befinden, das viel Windstille und Turbulenzen beinhaltet, das will genutzt werden. Wenn wir nicht abfahren, müssen wir hier für mindesten die nächsten 10 Tage bleiben, das ist uns dann doch etwas zu lange. So verabschieden wir uns nach getaner Arbeit von der Familie und Edward bringt uns am Nachmittag zurück zum Boot. Dort beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Fahrt zum Beveridge Riff, die wir am nächsten Morgen starten werden. Früh lösen wir unsere Leine dann von der Boje und blicken ein letztes mal zurück zu dem kleine Eiland auf dem Atoll.

























