Die Überfahrt von Palmerston zum Beveridge Riff war, so sage ich mal, sehr wechselhaft. Zuerst hatten wir ordentlichen Wind mit einer nicht allzu hohen Welle. Leider waren die Wellenabstände wieder verhältnismäßig kurz, was es etwas unangenehm werden lies. Aber wieder war es ok und wir kommen gut vorwärts. Vor Einbruch der Dunkelheit, nach 30 Stunden unterwegs, kommt dann wie angekündigt das erste Flautenloch. Die Genua wird eingerollt und unser Motor treibt uns für die nächsten 6 Stunden an, bevor zum Wachwechsel der Wind wieder zurückkommt. Sabine hat dann aber bei ihrer Wache einiges zu tun mit Segel rauf und runter, Wind von hier und da, hoch und niedrig, Maschine aus und an. In den Morgenstunden zu meinem Wachbeginn beruhigt es sich und wir kommen wieder mit der Kraft des Windes voran. Nur leider dreht er noch zu unseren Ungunsten und kommt jetzt fast von da, wo wir hinwollen. Geht halt mit einem Segelboot nicht, wir fangen an zu kreuzen. Nach zwei Schlägen entscheide ich, mit der Maschine weiter zu fahren, zu schwach ist der Wind und die Welle noch zu groß. Wir machen kaum Strecke gut. Mit der Situation von den letzten Stunden muss die nächste Entscheidung fallen. Zwar dreht der Wind weiter und wir können später wieder mit genug Wind segeln, doch leider wird die Ankunft am Riff am sehr späten Nachmittag sein.

Eine Einfahrt durch den Pass wollen wir in der Dunkelheit nicht wagen, auch wenn dieser als einfach beschrieben ist, aber da wollen wir unser Glück mal nicht herausfordern. Ansonsten müssten wir uns dann die ganze Nacht treiben lassen, auch blöd bei den Bedingungen. So beschließe ich mal kräftig auf die Bremse zu treten, das Großsegel kommt runter und die Genua wird gerefft. Schließlich geht es dadurch bei mittlerweile guten Winden doch langsam voran. In der Nacht nimmt der Wind dann auch wieder ab, das hilft zusätzlich. Letztendlich sind wir im Morgenlicht noch ca. 5 sm vom Atoll entfernt. Genau jetzt lässt uns der Wind ganz im Stich, unserer Eisengenua (der Motor 😊) muss wieder ran.  Wenn man sich dieses Gebilde auf der Seekarte anschaut ist es schon unglaublich. Dieses Atoll, mitten im Nirgendwo, hat eine Größe von etwa 4 auf 6 Kilometern und steigt aus einer Tiefe von 5000 m auf kürzester Strecke auf. Würde man das mit etwas Bildlichem vergleichen, wäre es einer der alten Industrieschornsteine, die der ein oder andere noch kennt, nur halt im Format Super XXL. Schaut man sich Deutschlands höchsten Berg an, die Zugspitze, die nicht einmal 3000 m hoch ist und dann noch Garmisch das auf 700 m liegt, sieht man letztendlich 2300 m Berg. Dieser Unterwasserberg ist mehr als doppelt so hoch und so steil, daß sich wohl jeder Bergsteiger die Zähne daran ausbeißen würde.

Dann heißt es auch Land in Sicht, oder auch nicht. Lange sieht man gar nichts, nur auf dem Plotter ist da etwas zu sehen. Bei der Annäherung erkennt man dann nur die brechende Brandung an der Außenseite. Landmasse sucht man hier vergeblich, alles ist knapp unter der Wasseroberfläche. Einzig, es soll bei Ebbe eine kleine Sandbank in der Nordwestecke geben. Als wir uns von der Nordseite nähern, sehen wir auch, daß die von Süd kommende Dünungswelle aufhört. Dafür fängt das Wasser regelrecht das Kochen an und Strömungswirbel sind zu erkennen, wieder unglaublich wenn man bedenkt, welche Wassermassen sich hier um diesen Schornstein bewegen. Wir biegen auf die Westseite ab, als sich unsere Angel meldet und die Schnur schnell ausrauscht. Ach ja, da war ja was. Als ich den Motor angeworfen habe, dachte ich mir noch wir könnten es wieder einmal versuchen, hier was zu fangen, die Bedingungen sind ruhig, wenn nicht hier, wo dann und habe den Köder ausgebracht. Leider hatten wir unseren beiden letzten Fische verloren, ob es heute klappt?

Ich merke, daß der Fisch wieder nur in die Tiefe zieht, das hatten wir zuletzt in den Marquesas mit einem Gelbflossenthun. Wir reduzieren etwas die Geschwindigkeit und nach etwa einer halben Stunde können wir ihn das erste Mal erblicken. Es ist wieder ein Gelbflossenthunfisch und was für einer. Jetzt kämpfen wir zu zweit, um ihn an Bord zu bringen. Nach weiteren 20 Minuten ist auch das geschafft, unsere Bordküche hat wieder eine Bereicherung. Wir sichern den Fisch erst einmal an Deck, wir stehen mittlerweile direkt vor der Passeinfahrt.

unser Fang des Tages
unser Fang des Tages

Auch hier steht wieder eine kurze, steile Welle in der Einfahrt, die durch das ausströmende Wasser verursacht wird. Schaut letztendlich schlimmer aus als es ist und wir kommen mit 3 Knoten Gegenstrom durch den Pass, der hier verhältnismäßig breit ist. Im Inneren haben wir eine fast durchgängige Tiefe von 10 m und man erkennt schon wären der Fahrt den Grund sehr klar. Wir werfen unseren Anker dann an der Südostecke in 8 m Tiefe, klaren soweit das Boot auf, um gleich mit dem Zerlegen unseres Fanges zu beginnen. Zuvor muss aber noch schnell ein Bad in dem Wasser sein, das Klarste was wir bisher auf der Reise hatten. Nur der Einstieg ins Wasser gestaltet sich schwierig. Zur Begrüßung kreisen gleich mal drei Grauhaie um unser Boot. Die sind aber so neugierig, daß man aufpassen muss, ihnen nicht auf den Kopf zu treten, ein etwas mulmiges Gefühl. Ich taste mich langsam die Leiter hinunter, Flossen voraus. Sie kommen nah, sehr nah. Ich warte einen Augenblick, bis sie wieder etwas Abstand nehmen bevor der nächste Schritt kommt. Im Wasser muss ich sie noch mit den Flossen auf Abstand halten bis der Abstand wieder größer wird, jetzt traut sich auch Sabine ins Wasser. Wir kontrollieren noch den Anker, immer mit Blick zu den Haien. Aber weit muss man da nicht schwimmen. Das Wasser ist so unglaublich klar, das wir den Anker in 40 m Entfernung schon vom Boot aus gut sehen. Ich schwimme noch das Umfeld ab, um zu sehen ob es Problem beim schwojen geben könnte. Aber die Bommis, die wir vom Boot aus gesehen haben, sind alle sehr tief, das klare Wasser täuscht hier ungemein.

Zurück am Schiff fangen wir dann wirklich an, den Fisch zu verarbeiten. Die Reste gehen natürlich ins Wasser und sind sehr schnell entsorgt, in das Wasser sollte jetzt erstmal keiner zum Schwimmen😊. Während Sabine sich mit dem erstmaligen Einkochen von Fisch widmet (es ist zu viel, um alles gleich zu essen) klare ich final das Boot auf. So verbringen wir hier noch entspannte Tage in der Einsamkeit, wobei am nächsten Tag noch Pat auftaucht, den wir seit Morea kennen. Er ist auf direktem Weg von Aitutaki gekommen. Viel kann man hier nicht anstellen. Landmasse ist absolute Fehlanzeige, da bleibt nur noch schnorcheln übrig. Wir sind zweimal mit Fred unterwegs, um am Pass zu schnorcheln und statten dem kleinen Wrack des ehemaligen Fischerbootes einen Besuch ab. Im Pass sehen wir zahlreiche Haie, die wie schon gewohnt alle sehr nah kommen, um mal zu schauen und dann wieder abdrehen. Als gleich mal 15 Stück auf einmal auftauchen, wird es Sabine zu viel, sie war dann schnell im Dinghy verschwunden. Ansonsten war da noch ein großer Schwarm an nicht kleinen Barracudas zu bewundern neben den üblich verdächtigen Fischen, die zum Teil im großen Schwarm auftauchten.

schnelle Resteverwertung am Riff

Bei den vielen dunklen Flecken, die wir bei der Einfahrt beobachtet haben, stellte sich heraus, daß es meist nur ein dunkler Untergrund war. Korallenbommis wie wir sie kennen gab es nur wenige und dann auch sehr klein, schade. Ein Tag war auch komplett verregnet, an dem wir einige kleine Arbeiten ab Boot erledigt haben. Ansonsten war dann nach vier Tagen die Abreise geplant, weiter geht’s nach Niue.

Der kleine Inselstaat gehört zu Neuseeland, ist aber eigenständig. Für uns ist es der letzte Stopp bevor es über die Datumsgrenze geht. Die Überfahrt ist mal wieder bescheiden. Die Winde sind so wechselhaft, daß wir kein Setup für unsere Windsteueranlage finden, unsere Kurslinie schaut schlagenförmig aus. Man könnte meinen, da wäre jemand volltrunken unterwegs gewesen. Es beruhigt uns etwas, daß es Pat, der zusammen mit uns gestartet ist und das gleiche Ziel vor Augen hat, auch nicht besser ergangen ist. Angekommen sind wir aber beide und liegen nun an einer der Bojen, die vor der kleinen Inselhauptstadt Alofi angebracht sind und die wir im Vorfeld gebucht haben. Zur Begrüßung haben wir noch bei der Anfahrt springende Buckelwale gesehen und nahe ans Bojenfeld kommen sie auch um hallo zu sagen. >Niue ist die Spitze eines erloschenen Vulkans und mit 261,46 km² Fläche eines der größten gehobenen Atolle der Welt. Es erhebt sich etwa zwischen 4000 und 5000 Meter über den Meeresgrund (Wikipedia)<, alles andere könnt ihr selbst dort nachlesen😉. Wir melden uns über Funk an und sollen dann am nächsten Tag mit dem Dinghy an Land kommen für den Papierkram, es ist halt schon wieder Nachmittag. So bleiben wir an Bord und checken die Lage vom Schiff aus. Wie wir feststellen, haben wir wieder den Jackpot gezogen, es ist Hauptsaison auf der Insel und kein Leihwagen verfügbar, alles ausgebucht. Die Insel lebt vom Tourismus und jetzt, wo die Wale da sind, ist zur Walbeobachtung halt alles voll. Das Wetter ist noch für ein paar Tage stabil, danach kommt kräftiger Wind für eine lange Zeit, so die Vorhersage. Wir wollen gleich unsere Boje noch für ein paar Tage verlängern, geht auch nicht, auch alles ausgebucht, scheiße sag ich da nur. Eigentlich wollten wir hier etwas länger verweilen, schmeißen aber alles über den Haufen und planen um. Schließlich machen wir am Morgen zur vereinbarten Zeit Fred startklar und begeben uns Richtung Pier, an dem uns die nächste Herausforderung erwartet. Hier in Niue werden jedes Mal und alle (!) Boote mit einem Kran an Land gehoben. Während der Zufahrt können wir uns die Handhabung schon bei einem der Ausflugsboote für die Walbeobachtungen anschauen, der vor uns an der Reihe ist. Wieder eine neue Erfahrung und erstmal spannend, einmal gemacht, aber ganz easy zu bewerkstelligen.

Begrüßung am Bojenfeld

Alle Offiziellen stehen bereit und alles geht entspannt und zügig von statten. Mit den neuen Gegebenheiten wollen wir uns schon wieder am Sonntagabend verabschieden. Da es Donnerstag ist, Freitag ein Flieger kommt, so daß die Immigration keine Zeit für uns hat und Samstag/ Sonntag nicht gearbeitet wird, vereinbaren wir auch gleich wieder einen Termin für die Ausreise. Dazu sollen wir später noch ins Büro kommen, was wir dann auch erledigen. So schlendern wir noch etwas durch den Ort, bevor wir uns am Abend zum Essen begeben in dem Yachtclub hier, ein Yachtclub ohne Boote und Hafen. Heute gibt es dann noch zufällig etwas Livemusik zum Essen. Nach einem kleinen Regenschauer sitzen wir dann mit einigen Einheimischen am Tisch und unterhalten uns etwas. Wie üblich das woher und wohin und wie uns die Insel gefällt und was wir uns alles noch ansehen. Wir erklären unsere Situation, daß es keine Autos zum Ausleihen gibt und wir so nichts weiter anschauen können. Da kommt der Vorschlag, wir könnten doch am Samstag ihren Wagen nehmen. Das ist ja mal eine Ansage, wir freuen uns wie Schneekönige. Sie müsse nur abklären ob jemand anderes aus der Familie den Wagen braucht, wir tauschen Kontakte aus. Leider bekommen wir weder eine positive noch eine negative Rückmeldung, wie schade. So unternehmen wir noch an den folgenden Tagen zwei Wanderungen im Umfeld zum Hafen und genießen das, was geht. Vom Boot aus schnorchel ich noch die Küste ab, das klare Wasser lädt dazu ein. So kann ich auch die endemische Seeschlange beobachten. Außerdem noch Adlerrochen und sehr viele der Rifffische die hier ansässig sind. Leider sehen wir keine der Wale mehr im Umfeld vom Boot, einzig am Abend als wir vom Landausflug zurück waren, hören wir den lauten Walblas eines Kollegen, der zwischen unserem Boot und der Küste entlang schwimmt. Sehen tun wir ihn nicht, da es schon zu Dunkel ist.

Wie gesagt planen wir die Abfahrt für Sonntagabend und eigentlich müssten wir die Boje um 10 Uhr verlassen. Wir fragen im Büro nach und bekommen den Kontakt von dem Boot, das unsere Boje übernimmt, zum Glück plant er erst spät anzukommen. Wir vereinbaren in Kontakt zu bleiben und er meldet sich, wenn er in der Nähe ist – solange können wir bleiben. An unserem Abreisetag hat dann der Wind auf West gedreht, es ist wie vorhergesagt nur schwachwindig, aber das Bojenfeld ist sehr rollig, da es nach Westen komplett offen ist. Wir wollen am Mittag noch an einem Buffet teilnehmen, um uns nochmal für die Überfahrt zu stärken. Das wird eine spannende Angelegenheit bei diesen Bedingungen mit dem Dinghy an Land zu kommen. Aber nachdem wir ja schon einige mal am Kran üben konnten, meisterten wir auch das ohne Zwischenfälle. Zurück am Boot musste dann der Außenborder und das Dinghy an Deck gebracht werden. Unter diesen schlechten Bedingungen hatten wir das auch noch nicht, aber auch hier; Ende gut, alles gut. Jetzt kommt auch die Nachricht von dem Folgeboot unserer Boje, daß er keinen Stopp in Niue einlegt und direkt weiter fährt, das Wetter für die nächsten Tage hat seine Entscheidung geändert. Kurz darauf kommt auch die Info vom Büro, daß wir länger bleiben können, aber unser Entschluss ist gefasst und wir ziehen weiter. Zu lange müssten wir auf das nächste Wetterfenster warten und ohne Leihwagen macht es auch keinen Sinn. So heißt es um 16 Uhr: Leinen los mit Ziel Samoa.