Im strömenden Regen geht es zu der letzten Station in der Vava´u-Gruppe. Wir müssen ja zwischen den einzelnen Inselgruppen immer wieder aus-/ einchecken und hierfür müssen wir zurück nach Neiafu. Wir finden auch gleich eine freie Boje, was hier nicht üblich ist. In einer kurzen Regenpause gehen wir auch gleich zu der Behörde, um alles zu erledigen. Da schon wieder Mittag ist gönnen wir uns noch ein letztes Essen in der Mangobar, bevor es zurück zur JOSA geht und wir gleich die Leine von der Boje lösen. Wir machen uns auf, um an einer der südlichen Inseln vor Anker zu gehen und uns so die Zeit am nächsten Tag zu sparen. Mit 60 sm ist es eine Distanz, die wir bei kalkulierten 5 kn gerade so bei Tageslicht schaffen können. Wir brechen auch am nächsten Morgen mit dem ersten Tageslicht auf. Die Wind- und Wellenverhältnisse sind angenehm und 1 Stunde vor Sonnenuntergang fällt der Anker an einem der nördlichen Ankerplätze in der Ha´apai-Gruppe. Am nächsten Morgen geht´s dann weiter zu einem lauschigen Platz etwas weiter südlich, die Entfernungen hier sind nicht all zu weit. Heute ist Samstag und das Büro für die Einreise geschlossen. Wir nehmen über WhatsApp Kontakt zu der Dame auf und vereinbaren, am Dienstag zum Check-in vorbei zu kommen. Für die nächsten Tage ist Südwind vorhergesagt, der Ankerplatz in Pangai‘i wäre hier total offen. So liegen wir vor der Insel Uoleva, auf der es nur 4 kleine Urlaubsresorts gibt. Wir haben noch Glück und können uns einen schönen Platz aussuchen, wo es keine Bommies unter Wasser gibt. Die Schiffe, die nach uns noch eintreffen, haben dann weniger Glück und müssen ihre Kette mit Schwimmbojen ausstatten, die die Kette über dem Grund schweben lässt. Die meisten der Boote, die sich gerade hier befinden, sind eben hier um Schutz zu suchen – es sind aber auch keine zehn Boote, alles überschaubar. So treffen wir auch alte Bekannte wie die Silverwind wieder und lernen neue Crew´s kennen. Am Abend sind wir alle im Pepa´s Resort, um gemeinsam einen Sundowner zu genießen. Hier buchen wir dann auch ein Abendessen für uns, um am nächsten Tag Sabines Geburtstag zu feiern. Ansonsten gibt es noch ein kleines Strandfeuer, wo wir mit der Silverwind und einer anderen Crew einen weiteren schönen Abend verbringen. Letztendlich geht es dann zurück nach Pangai‘i, um der Behörde einen Besuch abzustatten. Wir machen unsere Anreise klar und machen auch gleich unsere Abreise perfekt. Wir wollen zwar noch ein paar Ankerplätze erkunden, wollen aber einem weiteren Besuch hier entgehen.
Wir verbringen noch ein paar Tage „unter dem Radar“ vor Anker. Bei einem Ankerplatzwechsel sehen wir die Santa Maria Australis mit Jeanette und Wolf kommen – Freunde, die wir von 1,5 Jahren in Puerto Williams kennen gelernt haben. Sie sind von dort nach unserer Abfahrt in Richtung Brasilien gestartet und über den Panamakanal wieder in den Pazifik gesegelt. Wir haben ihre Route schon länger im Auge und dachten, daß wir uns knapp verpassen werden – weit gefehlt! Wir verabreden uns am nächsten Ankerplatz und die Wiedersehensfreude ist groß und wir verbringen gemeinsam etwas Zeit mit ihnen und ihren mitsegelnden Gästen. War das schön, wieder in Patagonien-Erinnerungen zu schwelgen. Die nächsten Etappen bis nach Tongatapu sind wir gemeinsam unterwegs. Hier ist denn auch unser letzter Stopp in Tonga, die Abfahrt nach Neuseeland steht vor der Tür.

Auf Tongatapu ankern wir vor der Hauptstadt Tongas, Nuku’alofa. Dachten wir zunächst, daß es sich hier um eine großzügige geschützte Bucht handelt, so müssen wir feststellen, dem ist so nicht, viel höher als die Palmen erhebt sich die Landmasse nicht. Wir ankern auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt vor einer Insel bei „Mama’s Yacht Club“, der früher wohl so mal existiert hat. Nach dem Tsunami von 2009 ist aber alles hier in Tonga nur so ein bisschen wieder im Aufbau. Wir sind dann dort auch gar nicht an Land, um uns vorzustellen. Denn eigentlich gibt es wohl am Wochenende Drinks und Essen und auch ein Taxi-Boot-Service wird angeboten. Wir mühen uns lieber mit dem Dinghy ab, um in die „Stadt“ zu kommen und unsere Behördengänge zu machen. So sind wir flexibel, das Taxiboot fährt wohl nur 3 x am Tag.

So gehen wir auch am ersten Abend gleich mal an Land und versuchen einzuchecken. Leider schon geschlossen. Die Crew von der Santa Maria kommt nicht herübergefahren, da es zu viert in ihrem Dinghy viel zu wellig ist und sie alle komplett nass wären – und das Taxi fährt heute nicht mehr. So gehen wir leider nicht gemeinsam zu einem Abendessen, so wie es geplant war. Aber wir gönnen uns ein leckeres Essen in einem sehr schönen Restaurant – was war das lecker und sooo verdient.
Wir liegen vor Anker bei über 20 kn Wind und einer kleinen Welle die sich von der Insel bis hierher aufbaut, die aber die Dinghyfahrt zur Stadt interessant macht. An Bord unserer JOSA merken wir davon überhaupt nichts, nur wenn wir den Kopf zum Cockpit rausstrecken, fühlen wir den Wind. Das Ein- und Aussteigen in unseren Fred ist dagegen eine große Kampfansage.
Am nächsten Morgen geht es wieder in die City. Die Santa Maria hatte noch vor unserem Aufstehen ihr Boot in die Nähe des Stadthafens verlegt, da sie heute ausreisen werden und nach Fiji lossegeln. So treffen wir diese am Dinghy-Dock, als wir ankommen und gehen gemeinsam zu den Behörden. Wenn wir schon nicht Abendessen waren, wollen wir jetzt doch noch einen Kaffee gemeinsam trinken. Also wieder in „unser“ Restaurant. Aus dem Kaffee trinken wurde dann ein längeres Sitzen und die Abfahrer haben sich gleich noch ihr Mittagessen gegönnt (um 11 Uhr früh!). So verabschieden wir uns von Ihnen, ein weiteres Mal werden wir uns wohl nicht mehr über den Weg laufen, da sie eine große Pazifikrunde über Japan und Alaska machen. Wir gehen zurück auf die JOSA und ich widme mich ein letztes Mal der Reinigung des Unterwasserschiffes, nehme ein Video und Bilder davon auf, die wir für Neuseeland bei der Biosicherheit einreichen werden.
Man muss in Neuseeland mit einem sauberen Schiff ankommen, wenn man dort länger mit dem Boot bleiben will. So schützt Neuseeland seine Natur, um fremde Eindringlinge zu vermeiden. Man hat die Möglichkeit, sein Boot vorher in einer Werft reinigen zu lassen und eine Bescheinigung zu erhalten (wenn die Werft von NZ zugelassen ist) oder eben sein Boot selbst zu reinigen. Mit den Videoaufnahmen kann man das Einreiseprozedere etwas verkürzen, denn die Behörden prüfen den Bewuchs am Schiff. Ist auf den Videos nachweislich nichts zu erkennen, wird man quasi „durchgewunken“.
Am nächsten Tag verlegen wir auch näher an die Stadt, um wieder auf die Behörde zu gehen, unsere Ausreise aus Tonga muss klar gemacht werden. Zuvor wird noch ein letzter Check vom Rigg gemacht für die lange Reise. Bei 25 kn Wind geht´s in den Mast hoch um alles zu überprüfen. Aber oh Schreck, bei einem der Wanten sind die ersten Litzen vom Draht gebrochen, nicht gut. Zum Glück haben wir vom Vorbesitzer noch einen gebrauchten Ersatz an Bord. Der kommt aus den Tiefen der Staufächer ans Tageslicht und ist auch schnell gewechselt – puh Glück gehabt. Zum Einen, es gesehen zu haben und zum anderen, Ersatz dabei zu haben. Unserem Nachbarboot ist es nicht so gut ergangen. Bei deren Kontrolle haben sie das gleiche Problem festgestellt. Ersatz muss in Fiji geordert werden und da der Versand mit dem Schiff zeitaufwendig ist, bucht er einen Flug, um es persönlich abzuholen. Schließlich verlegen wir uns zur Stadt und wir gehen noch einmal zum Mittagessen und Einkaufen, um unser letztes tongaische Geld loszuwerden. Dann geht es schon zurück auf das Boot, um die ganzen Dokumente an die Behörden in Neuseeland zu mailen. Das muß man spätestens 48 Stunden vor Ankunft erledigen. Da das aber viel zum Hochladen ist, sollte man das machen, wenn man noch eine stabile Internetverbindung hat – also jetzt in Tonga. Die Dokumente haben wir im Vorfeld schon alle vorbereitet; nun noch ein letzter Check, ob alle Daten stimmen und ab damit nach Neuseeland. Das klingt jetzt so easy, war aber eine Heidenarbeit. Mehrere Tage hat Sabine am Rechner verbracht, um allen gerecht zu werden. Genau aus diesem Grund haben wir uns für die letzte Passage von Tonga nach Neuseeland der Pacific Rally angeschlossen. Dies ist keine Rally im eigentlichen Sinn, wo alle Boote gleichzeitig losfahren. Jeder kann seinen Starttermin und seinen Absprunghafen selbst bestimmen. Man bekommt aber jede Menge Unterstützung mit den Formularen für alle Länder, den Ein- und Ausreisebestimmungen, ein Wetterrouting und kann jederzeit bei Fragen nachfragen. So hat uns Viki sehr geholfen, als wir Probleme damit hatten, unser Visum rechtzeitig zu bekommen. Wir hatten dies genauso beantragt, wie sie es in ihren Webinaren empfohlen hat. Leider haben die Behörden die Bestimmungen geändert und einige Crews haben daher sehr lange auf eine Bearbeitung des Visas warten müssen. Erst nach Vikis Interventionen mit ihren „Insidern“ wurde der Sachverhalt geklärt und schon hatten wir zwei Tage später unser Visum, gerade noch rechtzeitig zur Abfahrt.
Nachdem wir also wieder mal lockere 2 Stunden am Rechner verbracht haben, um unsere ganzen Behörden-Mails abzuarbeiten, haben wir dann auch unsere JOSA reisefertig gemacht und alles vorbereitet. Am späten Nachmittag verlassen wir Nuku’alofa und somit Tonga und fahren wieder raus auf den offenen Pazifik. Die Abfahrt aus der Inselgruppe ist zunächst sehr ruppig und nass. Hierfür muß man wissen, daß Tonga quasi ein Hochplateau mitten im Meer ist. Nebenan ist der Tongagraben mit bis zu 10.000 Metern Tiefe und die Inselgruppen von Tonga liegen alle auf einem sehr niedrigen Niveau, um die 100 Meter. Mal etwas mehr, mal auch nur 8 Meter, so daß bei der Navigation hier schon darauf geachtet werden muß, daß man nicht über eine Untiefe stolpert, die man nicht sieht. Und normalerweise kommt der Wind und die Welle aus Osten, also aus dem Tiefengewässer. Das Wasser muß dann natürlich irgendwohin und schaukelt sich dann auf dem flachen Tongaplateau entsprechend auf. Das sollte aber besser werden, wenn wir wieder in tieferem Gewässer sind. Dazu kommt, daß wir immer noch die 25 kn Wind haben, in Böen bis 30. Wir wollen den Wind aber nutzen, um Strecke zu machen, da es schnell weniger werden soll. Mit der richtigen Segelgarderobe ist das auch gut zu machen und wenn man bedenkt, wie viele Tage der Wind schon in dieser Stärke da ist, sind die Wellenverhältnisse noch gut.
So – unser Fazit zu Tonga:
Tonga hat uns gut gefallen, die Inseln sind sehr schön mit üppiger Natur, wunderschönen Ankerplätzen und netten Menschen. Das Essen war sehr lecker und auch preislich wollen wir uns hier nicht beschweren. Die von uns besuchten Resorts und Bars waren alle liebevoll eingerichtet und gepflegt. Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter, was in diesem Jahr wohl besonders schlecht sein soll (wieder mal haben wir es erwischt nach Uruguay und Patagonien). Meist hatten wir nur wolkenverhangenen Himmel in den verschiedensten Grautönen, nur selten Sonne. Es hat häufiger geregnet und die Sicht im Wasser war meist schlecht. Von der Unterwasserwelt waren wir auch hier eher enttäuscht. Kaum farbige Korallen, meist auch nur totes Grau, wohl auch durch den Tsunami 2009 verursacht – ich weiß nicht, ob unsere Ansprüche hier zu hoch sind?
Und noch etwas Seglerlatein, oder wieso wir hier nicht nur Urlaub machen 😉. Die oben angesprochenen Biosicherheit Neuseeland´s nimmt es da sehr genau. Im Vorfeld muss man dokumentieren wann, wo, wie oft das Schiff gereinigt wird, insbesondere das Unterwasserschiff. Dazu muss man schon etwas weiter ausholen, denn es müssen die letzten Jahre dokumentiert werden, z.B. welche Art von Antifouling aufgebracht worden ist. Mit den weltweiten Regularien ist dieser besondere Anstrich, der den Bewuchs eindämmen soll in meinen Augen sowieso nur noch eine sündhaft teure Farbe, die in ihrer Wirkung, so sage ich mal, bescheiden ist. Noch dazu haben wir Aluminium als Baumaterial, welches die Auswahl weiter einschränkt. Wir hatten ja den Anstrich in Uruguay erneuert und den wohl kühlen Wassertemperaturen sei Dank, bis zum nächsten Anstrich in Puerto Montt keinerlei Bewuchs. Puerto Montt war da eher dazu da, nochmals Farbe aufzutragen, damit es auch ja genug ist bis zur nächsten Möglichkeit der kompletten Erneuerung. Dazu muss man wissen, daß sich das Material langsam abträgt, sowohl bei der Fahrt als auch beim Reinigen von Hand. So war auch bis zu den Gambier Inseln noch alles schön sauber. Mit der steigenden Wassertemperatur ändert sich das aber schlagartig, der erste grüne algenartigen Bewuchs kommt an der Wasserlinie zum Vorschein. Genauso haften sich Muscheln und Seepocken an, die wollen dann regelmäßig beseitigt werden. So wird es zur Routine, daß zu jedem Schnorchelausflug noch eine Runde ums Boot geschwommen wird. Wenn ich dann etwas erspähe, wird auch gleich Hand angelegt. Bei Fahrten die länger als einen Tag dauern, gibt es noch eine extra Reinigung der Algen, da der Bewuchs auch einiges an Geschwindigkeit kostet. So bin ich regelmäßig mit Spachtel und Co im Wasser, um alles halbwegs sauber zu halten. Besondere Pflege braucht unsere Antriebswelle und der Propeller, beides haben keinen Anstrich, denn den wir hatten, hat leider nicht gehalten. Der Höhepunkt an Tierchen war ja in Hiva Oa/ Marquesas. In dem braunen Brackwasser (Süß-/Salzwassergemisch) der Hafenbucht dachten wir zuerst juhu, alle grünen Algen an der Wasserlinie wurden braun. Wir dachten alles stirbt in der Brühe ab. Bei der Abfahrt stellten wir aber fest, daß wir sehr langsam unterwegs waren. Der Blick in der nächsten Ankerbucht lehrte uns beim Blick unter Wasser etwas anderes: das ganze Schiff war übersät mit Seepocken, denen man nur mit der Spachtel zu Leibe rücken kann. Das Ganze mache ich alles nur mit Maske plus Schnorchel und wer schon einmal zwei Stunden lang ständig auf- und abtaucht, um dabei das Schiff zu schrubben, weiß, wie anstrengend das ist. Algen werden meist nur notdürftig mit der Spachtel abgekratzt, mit der Bürste kostet es zu viel der Farbe und der Propeller muss regelrecht mit einem feinen Schleifflies poliert werden. Bis zum Ende Französisch Polynesiens haben wir trotz aller Bemühungen ein grünes Unterwasserschiff statt schwarz, dem gilt es hier wieder Herr zu werden. Unsere beiden Tauchflaschen, die wir an Bord haben kommen letztendlich zum Einsatz, aber nachdem beide leer gesaugt sind, bin ich aber immer noch nicht fertig. Ein Nachbarboot mit Tauchkompressor füllt sie uns freundlicherweise wieder auf, um die restliche Arbeit zu erledigen. So, und jetzt ist wieder Schluss mit Arbeit, Zeit für Urlaub 😊
Schließlich sind wir ja auf Kurs Süd Richtung Neuseeland unterwegs. Nach 24 Stunden legt sich der kräftige Wind, mit ihm werden die Wellen auch wieder etwas flacher und alles angenehmer. Unseren ursprünglichen Plan am Minerva-Riff zu stoppen, verwerfen wir. Die Bedingungen sind zu verlockend, um die Strecke nach Neuseeland in einem Rutsch zu machen. Das Minerva-Riff ist auch ein Atoll mitten im Nirgendwo ähnlich dem Berveridge-Riff, das wir besucht hatten. Nur bietet es besseren Schutz, da man bei Ebbe auch den Riffgürtel sieht und kein Wasser über das Riff gespült wird. Diesen willkommenen Zwischenstopp unter Seglern wollen wir uns für die Rückfahrt von Neuseeland nach Norden aufheben. Jetzt gilt es die „guten“ Bedingungen zu nutzen. Dazu muss man wissen, daß die Strecke eigentlich in drei Teilen aufgeteilt wird. Der erste Teil kann man ja gut planen anhand der Wettervorhersage. Der zweite Teil besticht durch Motorfahrt, da man meist durch ein Flautengebiet muss. Ja und der dritte Teil steht bei der Abfahrt noch in den Sternen, die Vorhersagen kann man nur grob einschätzen. Mit dem was nach Teil eins und zwei dann wirklich vorhanden ist, muss reagiert werden. Im Vorfeld schon entsprechend Kurs ändern, um nicht gegen den Wind kämpfen zu müssen; oder sich gar treiben lassen, damit erst irgendwelche Fronten im Süden durchziehen können.
Jetzt im ersten Teil beschließe ich, uns erst einmal auf Südkurs zu halten, keinen direkten Weg. So könnten wir noch etwas den Wind am Rand des Flautenloch´s nutzen und als kleines Extra bekommen wir noch bis zu einem Knoten Strom, der uns anschiebt. Um es vorweg zu nehmen, meine Strategie geht voll auf. Andere Segler, die direkten Kurs genommen haben, sind schon längst unter Maschine unterwegs, während wir noch segeln. Nach zwei Tagen bildet sich ein kleiner Trog in unserer Richtung voraus. Dank Internet auf dem Wasser und der Vorhersagen, die ja zumindest die nächsten 24 Stunden ziemlich genau sind, kann ich den Zeitpunkt zum Kurswechsel genau bestimmen, ohne daß wir stärkere Winde abbekommen. Aber nach 4 Tagen muss dann doch die Maschine herhalten, zumindest für 12 Stunden. Dann taucht im Flautengebiet unerwartet am Vormittag etwas Wind auf. Bei ruhiger See können wir mit 8 kn hoch am Wind schön gemütlich dahin gleiten; Segeln vom Feinsten mitten im Südpazifik. Leider legt der sich mit Einbruch der Dunkelheit wieder, das heißt Segel runter, Motor an. Das bleibt dann auch noch die nächsten 60 Stunden so, leider. Aber damit war ja zu rechnen und auch so eingeplant, genug Diesel haben wir jedenfalls dabei. Die Kurslinie der Tage bestimmt so weit möglich die Strömungsvorhersage um noch etwas angeschoben zu werden oder zumindest diese nicht direkt von vorne zu haben.
Und dann passiert es. Wir haben springende Wale direkt am Boot! Zunächst entdeckt Sabine, als ich gerade aus dem Bett gekrabbelt komme, daß das Wasser an einer Stelle „aber ganz anders“ ist. (Bei flacher See erkennt man sehr gut Blasen, Gischt oder „unübliches Gekräusel“). Da muß was sein! Und dann taucht auch schon der erste Wal aus dem Wasser auf. Wir können eine halbe Stunde die sanften Riesen beobachten, wie sie mit der Fluke auf das Wasser schlagen und spielerisch aus dem Wasser springen, was für ein Erlebnis. Anmerkung von Sabinchen: Der Skipper hat während ich filme und fotografiere beschlossen, jetzt seine Chance zu nutzen, um mit den Walen zu schwimmen. Als ich ins Cockpit komme, steht er schon im Neoprenanzug mit seinen Flossen in den Händen da „ich geh in’s Wasser“. OK, also steuere ich unsere Dicke näher an die Wale heran und Jochen geht in das Wasser. Ich bin dann eigentlich nur beschäftigt, Jochen im Auge zu behalten und mit dem Boot zu verfolgen. Wir haben nur eine kleine Welle, aber das ist wirklich trotzdem nicht zu locker zu nehmen. Schnell verschwindet da jemand aus dem Blickfeld. Das kann man wirklich nur bei ganz einfachen Bedingungen machen. Leider konnte er die Wale unter Wasser nicht ausmachen, zu viele Seepocken, Muscheln etc., die von den Walen durch ihr Springen und Schlagen von ihrem Körper entfernt werden, trüben die Sicht. Auch war das Wasser hier, mitten im Nichts, recht trübe mit Schwebteilchen.
Die letzten 24 Stunden der Überfahrt brechen an. An diesem Samstag kommt dann am späten Nachmittag wieder Wind auf, leider genau von hinten, wir müssten vor dem Wind kreuzen. Leider kommt mit dem Wind auch die Welle zurück, zwar nicht hoch, aber sehr kurz und unangenehm. Das Schiff rollt wieder, was das Zeug hält. Wir entscheiden uns gegen das Segeln und Motoren weiter. Die Segel würden bei diesen Bedingungen ohne Unterlass schlagen, geht nicht nur auf´s Material, sondern auch auf´s Gemüt. Zum anderen müssen wir uns in Neuseeland auch wieder nach den Gezeiten richten, um nicht bei ungünstigsten Bedingungen einzulaufen. So kommen weitere Motorstunden zusammen, aber egal. In der stockfinsteren Nacht ist dann gegen 2 Uhr das Erste, was wir von Neuseeland zu sehen bekommen, eines der Leuchtfeuer auf der vorgelagerten Insel. Wir können in den letzten Stunden auch unsere Geschwindigkeit anpassen und kommen schließlich genau mit dem ersten Tageslicht an der Ansteuerungstonne der Einfahrt an, das nennt man Timing. Es ist gerade Flut und wir lassen uns von der Strömung bei der Fahrt durch das Fahrwasser unterstützen. Doch dann plötzlich fängt der Motor das Stottern an. Sofort lasse ich von Sabine den Anker klar machen, hier in der Strömung ohne Antrieb, das ist fatal. Zeitgleich schießt es mir auch in den Kopf, woran das Problem liegt. Ich hatte unterwegs schon den Diesel von Tank 2 in den Haupttank laufen lassen, so daß es reichen sollte. Aber scheinbar dann doch nicht. Ein kurzer Check, ja der Tank ist leer. Ich lasse wieder Diesel überströmen und nach kurzem orgeln springt die Maschine auch wieder an, der Anker wird nicht gebraucht. Puh, Glück gehabt. Die Unachtsamkeit hätte auch noch an einer ungünstigeren Stelle passieren können. Nach dem kleinen Morgenschreck geht es dann weiter bis zur Marsden Cove Marina, der Ort an dem wir einchecken müssen. Die Einfahrt selbst ist dann recht schmal, an den Ufern stehen links und rechts schicke Häuser. Jedes mit seinem Bootssteg, an dem auch die ein oder andere Yacht steht. Wir machen schließlich am Quarantänesteg der Marina um 7:30 Uhr ohne weiter Vorkommnisse fest. Wir klaren gleich noch das Schiff auf, bevor es Frühstück gibt und für 9 Uhr hat sich schon der Zoll angekündigt. Die Jungs sind pünktlich, Schiff und Crew sind auch zügig und unkompliziert offiziell in Neuseeland. Wir erfahren von den Beamten, daß wir hier das einzige Schiff für heute sind. Sie sind extra, heute am Sonntag, von Auckland (2 Std. einfache Fahrt) hierher gefahren für uns. Was für ein Service, für den wir noch nicht einmal bezahlen müssen! Jetzt fehlt nur noch der Beamte von der Bioisicherheit, der kommt auch extra aus Opua angefahren und soll dann in einer Stunde da sein. Noch eine weiter Stunde wo uns alles Mögliche durch den Kopf geht, ich sag nur Unterwasserschiff. Wir mussten ja im Vorfeld Bilder und Video vom Unterwasserschiff anfertigen und einschicken. Die wurden dann zum Teil bemängelt, gut die Qualität war ja auch nicht die Beste. Bei unserem Walbesuch war ich auch noch einmal im Wasser, um alles zu inspizieren und hatte hier aber einen guten Eindruck. Nichts ist dazu gekommen, eher weniger geworden, aber man weiß ja nie und die Storys die wir schon gehört hatten… Wir hatten dann ja schon einen Krantermin mit der Marina ausgemacht, daß wenn etwas bemängelt wird, wir gleich aus dem Wasser kommen. Das muss dann nämlich auf schnellsten Weg erfolgen und kann nur an zertifizierten Plätzen erfolgen. Dann taucht auch der Beamte auf, nach kurzen Hallo beginnt er auch gleich seine Unterwasserkamera aufzubauen. Er inspiziert das Unterwasserschiff inklusive der bemängelten Stellen und teilt uns mit, daß alles Bestens ist und uns für das saubere Schiff lobt. Uns fällt ein Stein vom Herzen und die Anspannung fällt sofort ab, da hat sich die Arbeit doch gelohnt. Anschließend kommen noch die Lebensmittel dran. Alles was nicht erlaubt war einzuführen, hatten wir schon aufgebraucht beziehungsweise entsorgt, alles was unklar war, liegt auf dem Tisch. Bei seinem Durchblick in den Fächern entdeckt er noch eine Tüte Mais, der nicht erlaubt ist und unsere Kokusnussschalen von den Marquesas, aus den wir gegessen hatten. Der Mais kommt in den Müll, die Schalen werden auf Insekten überprüft und wir dürfen sie behalten. Alles ist aber entspannt und freundlich und letztendlich auch dieser Punkt zur Zufriedenheit des Beamten abgehakt. Willkommen in Neuseeland. So können wir auch gleich unseren Krantermin wieder stornieren, auch schön. Von dem Beamten erfahren wir auch, daß sich für morgen an die 10 Boote angemeldet haben und von Bekannten, der noch unterwegs ist, daß sie in der Nacht hier ankommen werden. Dann wird es ganz schön voll hier am kleinen Steg. So beschließen wir nach einem Mittagssnack, gleich weiter zu fahren zu unserer eigentlichen Marina, in der wir einen Platz gebucht haben. So geht es noch etwa 2 Stunden den Fluss hinauf, teilweise unter Maschine, teilweise unter Segel. Am Dockland 5 angekommen unterstützen uns Wiebke und Ralf von der Flora beim Anlegen. Die beiden kennen wir auch schon sehr lang, aber nur online, und freuen uns auch sie endlich persönlich kennen zu lernen. Jetzt fest an unserem Steg heißt es auch für uns endgültig in Neuseeland angekommen zu sein.
Als Fazit für die Überfahrt, nach 1150 sm und 82 Motorstunden, muss ich sagen, daß es eine der entspanntesten Passagen im ganzen Pazifik war. Die Gedanken, die wir uns im Vorfeld für die berüchtigte Strecke gemacht haben, sind zu keinem Zeitpunkt eingetreten. Schließlich nähern wir uns ja wieder den berüchtigten „Roaring Forties“ …. Da etwas mehr unter Motor unterwegs zu sein, ist da das geringste Übel, der Südpazifik hat auch ganz andere Seiten. Als Beispiel kann man da erwähnen, daß vor wenigen Tagen kurz vor dem Ziel eine Yacht entmastet worden ist; verursacht durch ein örtliches Wetterereignis (alle Crewmitglieder sind wohlauf und konnten den Hafen unter Maschine erreichen). Somit muss ich sagen, daß die Strategie, die wir fahren „nutze das Wetterfenster, wenn es da ist“, wieder voll aufgegangen ist.






















Wat een belevenis met de grootste mooiste zoogdieren op deze wereld. Jongens dit vergeten jullie nooit.
Jullie verslag is zo ontroerend.
Of we zelf aanboord waren. Gerda en Fred.
Dank u wel, wat een compliment! Met vriendelijke groeten