Wir melden uns wieder ordnungsgemäß bei der Port Control und bitten um Erlaubnis, die Landebahn zu kreuzen und auszufahren. Moorea liegt nur cirka 10 Seemeilen westlich von Tahiti, bis zu unserem ersten geplanten Ankerplatz in der Cook’s Bay sollten es etwa 17 Seemeilen sein, also gut in ein paar Stunden zu schaffen.
So verlassen wir Tahiti und setzen die Segel, wie üblich unser Großsegel in das 1. Reff. Wind sollte ja angenehm mit 3 – 4 bft wehen, so daß es eine gemütliche Überfahrt wird. Wir haben natürlich wieder einmal die Welle hier im Pazifik unterschätzt ☹. Zwischen den beiden Inseln kanalisiert sich halt wieder alles und wir haben eine Dünung aus Süd, wobei der Wind aus Ost kommt. Noch dazu in einer Stärke von 5 – 6 bft. Somit wurde die Überfahrt etwas ruppiger, unsere Dicke hat eine ordentliche Salzwasserspülung bekommen und der Skipper war fleißig am Ruder zu Gange. Als wir dann endlich die Nordostspitze Mooreas erreicht haben, ging zumindest die Welle im Inselschatten weg. Zwei bis drei Stunden wilder Ritt sind ja noch gut auszuhalten – dafür waren wir dann ja auch schnell…
So fällt der Anker in der Cook’s Bay auf der Nordseite der Insel, welche schon vom Wasser aus beeindruckend aussieht. Viele zerklüftete Gipfel in üppigem Grün. Wir ankern ziemlich im Ende der Bucht, so daß der Weg mit dem Dinghi zum Anlegesteg am Supermarkt nicht weit ist.
Am Abend dann, als wir gerade unser Abendessen vorbereiten, vermeldet Jochen aus dem Cockpit „oh, am Ufer brennt es“. Mussten wir doch mit ansehen, wie ein kleines Häuschen am Wasser innerhalb einer halben Stunde komplett niedergebrannt ist. Die Häuser hier sind halt wirklich nur Holzbuden, meist mit einem Blechdach und viel brennbarem Material. Durch den starken Wind waren die Flammen sehr hoch und bekamen natürlich ordentlich „Auftrieb“. Am nächsten Tag haben wir dann beim Anlanden gesehen, daß wirklich nichts mehr übrig ist. Direkt nebenan ist ein weiteres Gebäude mit einem Palmdach (oder ähnlichem) – ein Wunder, daß da kein Funkenflug mehr angestellt hat. Die nebenstehenden Palmen waren stark angekokelt.


Bei unserem ersten Landgang haben wir den Supermarkt gecheckt und uns orientiert. So haben wir auch die Pizzeria gefunden, die wir natürlich am Abend testen werden. Leider sind hier die Möglichkeiten, das Dinghi anzulanden, eher schwierig. Es gibt zwar viele Segelboote hier, aber eine Infrastruktur für diese wird nicht aufgebaut. Der einzige Steg ist am Supermarkt, den man nutzen kann. Von hier aus zur Pizzeria ist dann ein Stück zu laufen, also beschließen wir, daß wir unser Dinghi am Strand befestigen. Einen entsprechenden Abschnitt haben wir schon am Tag „ausgeguckt“, um diesen dann im Dunkeln leicht zu finden. So liegt unser FRED halt direkt vor großen Steinblöcken am Anker und ist an Land an einer Palme festgebunden. Nasse Füsse kriegen wir immer! Die Pizza war lecker, nur so viel.
Nächster Tag: heute wird etwas gelaufen. Aber nicht übertreiben!!! Mal probieren, was die Beinchen so sagen. Jochen hat einen kleinen „Rundweg“ von etwa 4 km ausgemacht, der uns eine kleine Anhöhe hinaufbringt, von der wir einen kleinen Überblick über die Bucht haben und auch endlich ein Ananasfeld aus direkter Nähe sehen.
Nachdem dieser erste „Lauftest“ gut lief, ging es am nächsten Tag auf eine größere Tour in die umliegenden Hügel. Und diese hatte es dann in sich und uns und unseren Beinen gleich einmal alles abverlangt. Der Anstieg war wie immer: schweißtreibend über Stock und Stein, aber gut machbar. Im oberen Teil der Strecke waren dann auch wieder Leinen gespannt. Der auf dem Höhenprofil anzuschauende Abstieg sollte leicht sein, war aber dann schlimmer als der Anstieg. Überall lagen Bäume kreuz und quer, zugewuchert und wir mußten wieder alles geben, um über und unter den Bäumen durchzukommen und den Weg zu suchen. Schade für diese doch eigentlich tollen Wege. Bei der hiesigen üppigen Vegetation würde es halt einfach permanenter Pflege bedürfen, um diese sehr alten Wege zu erhalten. Vor allem, da diese auch als Wanderwege ausgezeichnet sind. So haben wir für die 12 km Strecke über 5 Stunden reine Laufzeit benötigt – das sagt schon alles. Und wir waren natürlich entsprechend KO. Die Aussichten waren natürlich gigantisch und dieses üppige Grün in allen Schattierungen, die Mega-Bäume und die Blüten haben die Mühe belohnt. Eigentlich wollten wir noch einen Abstecher zu den Ananasfeldern machen, aber das haben wir dann mal schön sein lassen. Ach ja – und meine heißgeliebten LOWA-Wanderstiefel haben hier leider ihr Leben ausgehaucht, beide Sohlen sind abgefallen (die waren schon etwas dünn und fingen an sich zu lösen) und ich ging den Rest des Abstieges quasi auf der Einlage ins Tal. Da ist nichts mehr zu machen mit Reparatur und wir haben sie in den Wanderstiefelhimmel geschickt….
Nach dieser Tour mußten wir uns erst einmal erholen und es war rumgammeln angesagt, bevor wir die Ankerbucht gewechselt und in die Opunohu Bay verlegt haben. Hier haben wir uns wieder einmal mit der Lazarina 2 getroffen und etwas gemeinsame Zeit verbracht, bevor sich unsere Wege dann wohl endgültig trennen werden. Wir fahren weiter nach Westen und die beiden fliegen erst einmal zurück nach Frankreich.
Auch von hier aus haben wir wieder eine Wanderung unternommen, dafür bietet sich Moorea einfach an. Es ging wieder in die umliegenden Berge und war auch wieder sehr anstrengend. Die Gipfel waren meist in Wolken gehüllt, das hat das Wandern aber etwas angenehmer gemacht. Aber die Ausblicke waren wieder atemberaubend und am Rastplatz waren ein Hahn und ein Huhn, die die Wanderer wie Hunde angebettelt haben.
Weiter ging es zum nächsten Ankerplatz weiter im Süden, nach Ha’apiti. Hier ging eine kleine Wanderung zu einem ebenso kleinen Wasserfall mitten im Wald. Der Weg war einfach und ging durch wirklich gepflegte Gartenanlagen und vorbei an schönen Häusern, aber auch an einem – ich nenne es „Autofriedhof“. Es geht doch!! Endlich sieht man auch mal, daß die Menschen etwas kultivieren und anbauen – hier wächst doch alles, es ist warm und immer genügend Regen. Dann kommen wir mitten im Wald an und sehen als erstes eine simple Boulderwand in einer einfachen Halle. Dazu ein schönes Gebäude und ringsum im Wald sind diverse einfache Kletterleinen und einzelne kleine Hütten. Ich vermute, daß dies eine Freizeiteinrichtung für Kinder ist. Es sah jetzt nicht verwildert aus, scheint also noch benutzt zu werden. Einzig der Weg ab hier zum Wasserfall war dann wieder schwer auszumachen. Wir sind dann mal losmarschiert und haben ihn dann doch auch gefunden. Der Wasserfall war wirklich sehr klein, aber man konnte dort ein erfrischendes Bad nehmen – wenn diese Moskitos nicht wären. Also schnell raus aus den Klamotten, rein ins Wasser und dann genauso schnell raus, abtrocken und rein in die Kleider und los. Diese Tierchen kommen nur, wenn man stehenbleibt oder zu langsam wird. In Bewegung wird man kaum überfallen. So ging es rasch zurück auf demselben Weg, den wir hergekommen sind.
Nun wollen wir weiterziehen und Moorea hinter uns lassen und nach Huahine übersetzen. Für diese etwa 100 Seemeilen wollen wir wieder über Nacht fahren, um im Tageslicht anzukommen. So ist der Plan, gegen 15 Uhr loszufahren. In der letzten Nacht war es sehr unruhig hier am Ankerplatz, da der Schwell aus Süd über das Riffdach mit ordentlich brechender Welle hereinströmte. So war es für mich fraglich, ob wir bei diesen Bedingungen aus dem Pass ausfahren können. Kommt die Welle mit 3 Metern und mehr an, wird der Pass unpassierbar, da durch die einlaufende Dünung und die ausgehende Strömung dann das Ganze auch in der Passeinfahrt zu steilen Wellen wird.
Am Morgen beim Frühstück beobachten wir dann, wie ein Katamaran ausfahren will und kurz vorher wieder umdreht und in unserer Nähe erneut den Anker wirft. Na – da schauen wir mal, ob das was wird mit der Ausfahrt.
Wir lichten dann wie geplant am Nachmittag den Anker und Jochen fährt auf die Passausfahrt zu – also ich wäre da schon umgedreht, als ich die Brecher über dem Riffdach sehe. Aber der Pass selber sieht gut aus: keine brechenden Wellen im Pass, auch keine hohe anrollende Dünung auszumachen. Und es läuft gut. Es ist zwar eine heranrollende Dünung, aber nichts, was unsere Dicke und den Skipper beeindrucken könnte (nur mich…), die ausgehende Strömung schiebt kräftig, dazu ordentlich Gas geben und schon sind wir wieder ausgespuckt. Es ist einfach unglaublich, wie weit hinaus man die ausfließende Strömung bemerkt und wie lange man die Wasserverwirbelungen noch sieht. So setzen wir Segel und legen Kurs Huahine an. Wir haben uns aufgrund der Wettervorhersage entschlossen, die Insel auf der Ostseite zu umrunden und den Pass, der auf der Nordwestseite liegt, vom Norden her anzufahren. So haben wir immer den Wind mit uns und müssten die komplette Strecke segeln können. Vor allem da der Wind drehen soll und uns dann noch in die Karten spielt.
Dann sehen wir auf unserem Plotter die Schiffskennzeichnung unserer Freunde von der Freefall und einem weiteren Boot auftauchen. Auch sie sind in Moorea losgefahren, allerdings von einem Ankerplatz auf der Nordseite. Kurzer Kontakt via WhatsApp, daß wir alle auf Kanal 68 auf Funk erreichbar sind und schon hören wir Theresa mit Pat vom anderen Boot sprechen. So sind wir also zu dritt auf dem Weg nach Huahine. Wir sehen dann, daß die beiden aber einen anderen Kurs einschlagen als wir. Sie halten sich weiter westlich und wollen wohl Huahine vom Süden aus anfahren. Mal schauen, wer das Rennen gewinnt 😊 Wobei wir sagen müssen, daß die Freefall generell schneller ist als wir: ein größeres Schiff und noch dazu ein Katamaran – die können richtig schnell werden.
Der Wind ist uns gewogen, die Welle mit etwa 1,5 Metern ist akzeptabel und so können wir komplett unter Segel bis in die Lagune von Huahine einfahren. Als wir dort auf der Westseite ankommen, sehen wir die Freefall wieder auf unserem Plotter. Sie nähern sich von Süden, sind aber noch ein Stückchen weiter weg als wir. So ist unser Plan mit dem uns gewogenen Wind doch gut aufgegangen. Auf dem Weg in der Lagune gen Süden auf den ausgesuchten Ankerplatz sehen wir dann auch Pat mit seiner Fairtide auf den Pass zuhalten.
Wir machen fest an einer Mooringboje in der Baie d’Avea. Das erste Mal seit langem wieder an einer Mooring, ohne den eigenen Anker zu bemühen. Hat auch mal wieder was. Diese Ankerbucht war auch sehr schön, wir genossen zusammen mit anderen Booten einen Sundowner zur Happy Hour im hiesigen Hotel La Mahana. Dieses Hotel ist Seglern sehr offen zugetan und wir dürfen unsere Dinghi’s an deren Pier festmachen, wenn wir an Land wollen. Ebenso organisieren sie gerne einen Leihwagen oder etwas ähnliches für uns Segler. Das finde ich sehr zuvorkommend!
Wir waren hier dann mit dem Dinghi unterwegs, um wieder einmal zu schnorcheln und es war wirklich toll. Vom Dinghi aus sah alles aus, als gäbe es keine Fische. Aber sobald der Kopf dann unter Wasser war, brummte das Leben doch. So sind wir quasi die ganze Strecke von etwa 2 km zurück wieder geschnorchelt (ok – mit der Strömung), wobei ich Fred schön brav an der Leine hatte.
Wir haben hier auch wieder eine kleine Wanderung gemacht. Diese führte uns gemütlich durch die Siedlung, wo wir wieder schöne Häuser und Gärten sehen konnten. Hier achten die Einwohner wohl sehr stolz auf ihren Besitz. Bei der Rückkehr in Richtung Boot sind uns dann Feierlichkeiten aufgefallen. Wird hier der Muttertag doch Ende Mai an einem Sonntag ordentlich gefeiert. Die Restaurants werden schön dekoriert, die Frauen tragen tolle Kleider und ihre Blumenkränze auf dem Kopf und es spielt zum Teil Livemusik.
Nachdem wir hier bei ordentlichem Südschwell auch wieder eine sehr rollige Nacht hatten, haben wir beschlossen, daß wir in die geschützte Bucht Port Bourayne verlegen werden. Hier liegen wir etwas hinter Insel versteckt zwischen Hügeln und sind so vor Wind und vor allem Schwell geschützt. Die Ankertiefe ist dafür beträchtlich: diesmal müssen wir auf 27 Metern ankern. Neben uns legt sich die Freefall vor Anker und auch unsere Franzosen von der Penny Lane sind an einer Mooring-Boje. So ergibt es sich, daß wir einen Schlechtwetternachmittag dazu nutzen, wieder einmal Karten zu spielen. Charles und Jeanne hatten wir ja bereits früher schon in „Wizard“ eingelernt, nun sind Theresa und Joe an der Reihe. Es war wieder sehr gesellig.
Nun stand auch hier eine kleine Wanderung den Hügel hinauf an. Hierfür sind wir mit dem Dinghi „ums Eck“ an einen Strand gefahren, von dem aus ein Weg den Hügel hinauf ging. Dieser bot uns wieder einen tolle Ausblicke über unsere Ankerbucht und die umliegende Gegend – und war relativ einfach.
Aber dann wollten wir dann doch mal wieder etwas mehr Leben haben und beschlossen, auf den Ankerplatz bei Fare, der Hauptstadt zu verlegen. Nachdem Jochen schon bemerkte, daß unser Schwojkreis in der Nacht aber sehr eingeschränkt war und wir evtl. mit der Ankerkette irgendwo hängen, baten wir die Freefall darum, uns evtl. zur Hand zu gehen, falls nötig.
Und so kam es, wie es kommen mußte: Ankerauf ging nicht, wir hingen wirklich fest. Bei 27 Meter Tiefe mußte dann halt das Tauchgerät herhalten und unsere Erfahrung als Rettungstaucher bei der Wasserwacht hat sich hier bewährt. So ging Jochens auf Tauchstation mit einer Leine zum „Reden“ in der Hand und wir haben unsere Leinensignale abgestimmt, wann ich Anker auf, ab oder stoppen sollte. Ich sah dann viele, viele Luftblasen – was bedeutet: Jochen ist ordentlich am Arbeiten auf Tiefe. Auch spürte ich die Bewegungen an der Ankerkette. Die beiden von der Freefall haben uns ebenso beobachtet, ob sie irgendwie helfend eingreifen können oder müssen. Doch nach etwa 30 Minuten und einigen Anker-auf’s sah ich dann Jochen an der Ankerkette hängen und seine Dekompressionsstopps machen. Wir hatten es geschafft.
Was war passiert? Wir haben eine alte Mooringbojen-Verankerung gefunden!! Da hing auf etwa 20 Metern Tiefe noch eine alte Boje als Auftriebskörper, befestigt an einer schweren, dicken Kette. Also stand da quasi ein „Kettenbaum“ etwa 7 Meter senkrecht in die Höhe und wir haben unsere Ankerkette beim Schwojen mehrmals darum gewickelt. Ebenso fand Jochen auf dem Grund noch eine große Baggerschaufel – vielleicht war diese einmal als Grundgewicht gedacht. Auf alle Fälle mußte Jochen unsere Ankerkette aufzwirbeln, was auf 27 Metern Tiefe ordentliche Arbeit ist. Das ist halt leider das Übel, wenn hier Moorings installiert, aber nicht gepflegt und überprüft werden. Die gehen kaputt, verfallen und die Reste liegen irgendwo herum und man verheddert sich darin.
Wir sind nur froh, daß wir das geschafft haben und Jochen meinte nur, daß sich die Übungen mit der Unterwasserarbeit bei unserer Wasserwachtsausbildung nun doch wieder mal bezahlt gemacht hat. So haben wir nach einer Stunde doch noch unseren Anker aufgeholt und konnten an die „Stadt“ verlegen.
Das Ankerfeld vor der Stadt war schon ziemlich voll und unser erster Ankerversuch verlief erfolglos. Der Ankergrund war einfach nur schlecht. Der zweite Versuch an einem anderen Platz klappte dann, allerdings waren wir nun schon sehr nah an einigen Bommies. Aber da hier immer eine Strömung vorhanden war, sind wir erstmal so verblieben und schauen, ob sich da was ändert und unser Schiff das schwojen anfängt.
Auch hier gab es ein Restaurant („Yacht Club“!!!), in dem es zwischen 17 und 18 Uhr eine Happy Hour gab. Dies wurde von uns auch täglich genutzt, so günstig kommen wir hier nie mehr an einen Drink. Auch haben wir natürlich die Empfehlungen anderer Segler zusammen mit Pat ausprobiert und sind einige Male gut zum Essen gegangen. Mehr haben wir hier eigentlich nicht unternommen, es war einmal Füße hochlegen angesagt.
Und es kam, wie es kommen mußte. Hatten wir 2 Tage permanent Strömung hier in der Lagune, wachten wir morgens auf hörten einen kleines Klong. Nichts wie raus und nachschauen. Klar, Strömung weg, etwas Wind und wir sind geschwojt. Also hieß es, sofort Anker auf und verlegen. Somit haben wir nochmals den Ankerplatz „gewechselt“, bevor wir am nächsten Tag sowieso nach Raiatea übersetzen wollen. Nachdem wir umgeankert hatten, kam dann auch später wieder die gewohnte Strömung und wir hingen wieder in der üblichen Richtung – Murphys Gesetz.
In Raiatea wollen wir vor allem unseren Dieselvorrat auffüllen und beim dortigen großen Carrefour unsere Lebensmittelvorräte für die nächsten Monate auffüllen, so daß wir gut bis Neuseeland durchkommen, ohne unterwegs viel nachkaufen zu müssen.
Nach Raiatea sind es nur etwa 20 Seemeilen, so daß wir hierfür nur ein kurzen günstiges Wetterfensterchen benötigen. So legen wir ab und können gemütlich, nur unter Genua, hinübersegeln und machen dann in der Bucht Fa’aroa ganz entspannt an einer vorhandenen Boje fest. In dieser tiefen Bucht konnten wir am Ende mit dem Dinghi den Fluß hinauffahren bis zu einem botanischen Garten. Hier sind die Pflanzen Polynesiens erklärt: Berg- oder Sumpfpflanzen, invasiv, eingeführt oder endemisch und für was diese benutzt werden. Sehr schön angelegt mit der Möglichkeit, ein Picknick zu machen.
Gegenüber des botanischen Gartens, auf der anderen Flußseite (etwa 10 Meter breit), befindet sich der private Garten von Andre, der auch gerne Besucher willkommen heißt und ihnen seinen Garten zeigt. Er hat Jochen dann auch zugewunken, hinüberzukommen und das haben wir natürlich getan. Es hat uns seinen Garten auf etwa 1 ha mit seinen ganzen Pflanzen gezeigt, uns etliche Obstsorten probieren lassen (Orange, Passionsfrucht, Banane, Litschi) und uns mit frischem Obst versorgt. So haben wir eine ganze Bananenstaude heimgetragen, einen Strang Litschi, Passionsfrucht und Pampelmusen. Die Bananen haben wir dann später an unsere Seglerfreunde zum Teil verteilt, die können wir ja gar nicht alle verarbeiten. Wir haben ihm dann etwas Geld gegeben, lt. anderen Seglern nimmt er auch gerne Lebensmittel oder Angelzubehör im Tausch entgegen. Wir hatten leider nichts dabei, da wir gar nicht geplant hatten, zu ihm zu gehen.
Am nächsten Tag sind wir in die Hauptstadt Uturoa zur Tankstelle gefahren. Hier kann man bequem am Pier der Tankstelle anlegen und direkt das Boot betanken. Das erspart uns das lästige Kanister schleppen. Eine Stunde später: Tank voll – Geldbeutel leer… so verlegen wir auf die Westseite der Insel vor die dortige Marina und Werft, da wir hier unsere Gasflasche füllen lassen möchten. Leider haben diese keinen passenden Adapter für unsere Flasche und wir müssen mit unserer leeren Flasche wieder abfahren. Wir hätten diese an der Tankstelle abgeben können, dann wäre diese Freitags nach Tahiti gefahren worden und wir hätten sie Dienstag wieder abholen können. Das machen wir nicht, da es unseren wetterbedingten Zeitplan sonst durcheinander bringt.
Der Ankergrund hier ist auch sehr schlecht, der Platz nicht wirklich schön, so daß wir hier wirklich nur die eine Nacht bleiben. Am nächsten Tag fahren wir wieder nach Uturoa, um unsere Lebensmittel einzukaufen. Hier darf man am Stadtpier tagsüber anlegen, muß aber am Abend wieder weg sein. Unser Timing war wieder etwas blöde. Als wir ankommen, sehen wir, daß ein großes Kreuzfahrtschiff da ist. Der Pier, an dem wir eigentlich anlegen dürfen ist mit 2 Katamaranen zum Teil besetzt, der Rest ist Baustelle. Also legen wir am anderen Stadtpier an und liegen damit genau vor der kleinen Hafeneinfahrt. Diese ist halt gerade rege besucht, da die ganzen Kreuzfahrttouristen auf Tagesausflüge mit Booten gehen und diese natürlich nicht langsam aus dem kleinen Hafen ausfahren, sondern mit ordentlich Speed, Zeit ist Geld 😉. Dies erzeugt natürlich Welle und unser Schiff wird an der Hafenmauer ordentlich bewegt. Wir fragen noch kurz bei einem Ausflugsboot, ob wir hier überhaupt liegen dürfen und er meinte, für ein bis zwei Stunden wäre das OK. So marschieren wir los zum nahegelegenen Carrefour und kommen mit einem vollen Einkaufswagen wieder zurück. Während ich die Sachen soweit unter Deck schaffe und schon etwas verstaue, bringt Jochen den Wagen wieder zurück. Genau jetzt sind die Ausflüge der Touristen auch schon wieder vorbei und alle kommen sie wieder zurück. Also wieder das gleiche Spiel an der Hafenmauer. Mit dem Ablegen warten wir, bis die meisten Ausflugsboote zurück sind und wir bei ruhigem Wasser die Leinen lösen können. Nun ist es schon Nachmittag und wir wollen direkt nach Tahaa fahren.
Laut Wettervorhersage kommt die nächsten Tage ein großer Schwell aus dem Süden angerollt und bleibt einige Tage bestehen. Vor diesem wollen wir uns in eine kleine Bucht auf der Westseite von Tahaa verkrümeln. Hierher haben sich auch unsere Freunde von der Matatoa verzogen, die wir nun endlich wieder treffen können. Mit ihnen hatten wir letztes Jahr Weihnachten und Silvester in Nuku Hiva verbracht und sie seitdem nicht mehr gesehen. Außerdem habe ich Ihnen noch etwas an Lebensmitteln besorgt. So schreibe ich sie an, daß „der Brokkoli auf dem Weg ist“ und sie warten auf uns.
Noch im letzten Sonnenlicht können wir unseren Anker in der Bucht Tapuamu werfen und unser Ankerbier gemeinsam mit Juliet und Gordie genießen. Auf Tahaa genießen wir gemeinsam die Tage in der ruhigen Bucht, vom Südschwell ist hier nichts zu merken, lediglich einige Windböen kommen die Berge runtergerauscht. So leihen wir uns an einem Tag ein paar E-Bikes und umrunden gemeinsam die Insel, besichtigen kostenlos eine Perlfarm, eine Vanillefarm (diese ist auch gleichzeitig ein Cafe und eine Unterkunft) und die Rumdestillerie, in der man auch kostenlos Rum probieren kann. Aber das ist ja eh nicht unser Geschmack, so trinke ich lieber ein Fläschchen eines Bieres der Destillerie.
Der Besuch der Perlfarm war sehr aufschlussreich, wußten wir doch theoretisch von den Gambierinseln, wie die Perlen gewonnen werden. Den Besuch einer Perlfarm dort hatten wir uns verkniffen, da die dort sehr viel Geld dafür wollten. Das war es uns nicht wert. Perlen zu züchten ist eine zeitaufwendige Handarbeit, müssen doch die Austern alle 3 Monate aus dem Wasser genommen und gereinigt werden. In die Auster wird per Hand von meist chinesischen Mitarbeitern (nur die haben wohl wirklich das Händchen dafür) ein Stückchen Austernmuskel als DNA-Spender sowie ein kleiner Kugelkörper eingesetzt, um den sich im Laufe der Zeit dann das Perlmaterial ansetzt. Für die erste Perle benötigt man etwa 12 Monate. Diese wird dann entnommen und neues Material implantiert für die nächste Anzucht. Die entnommenen Perlen werden dann evtl. wieder implantiert, damit diese noch größer wird. Ein laufender Prozess. Austern, die nicht mehr zur Anzucht verwendet werden können, werden dann komplett zerlegt und das Austernfleisch auch zum Verzehr entnommen. Die Muschelschale ist dann Müll oder wird auch für Souvenirs verwendet.
Auch die Vanillefarm hat uns viele Erkenntnisse gebracht. Besichtigt hatten wir ja schon eine, nur haperte es da an der Verständigung. Hier war der Chef ein junger Mann, der fließend Englisch sprach und so war es alles gut zu verstehen. Und er lebt Vanille! So erklärte er uns, daß jede einzelne Vanilleblüte in der Blütezeit per Hand bestäubt wird, da die einzige Biene, die das von Haus aus machen kann, hier nicht vorkommt (auch die Vanille wurde hierher importiert) und auch nicht anzusiedeln ist. Die Blüten gehen hier morgens mit dem Sonnenlicht auf und schließen sich zur Mittagsstunde wegen der Hitze wieder. Daher ist Bestäubungszeit auch nur zwischen 6 und ungefähr 11 Uhr möglich – Akkordarbeit. Eine einzelne Vanilleschote kann bis zu 8 USD bringen, je nach Qualität. Daher gibt es hier auch das Problem, daß die Vanilleschoten gerne geklaut werden und die Vanillefarmer hier gegenhalten müssen. Gerne kommen wohl die Räuber von anderen Inseln und spionieren die Bauern aus. Viele Vanillebauern ernten daher die Schoten schon, bevor diese ganz ausgereift sind. Hier auf Tahaa hat wohl so ziemlich jede Familie eine Vanillepflanze, wenn man hier wandern geht, sieht man mitten im Wald auch überall Vanillepflanzen in Büschen und Bäumen. Die gehören immer jemanden! PS: Vanille ist ja übrigens eine Orchideenart. In seinem kleinen Cafe konnten wir dann noch etwas trinken, ich genoß einen Cafe Latte Vanille – super lecker mit frischer Vanille. Zum Abschied hat er uns noch eine Vanilleschote in die Hand gedrückt; aber wohl eher aufgrund der Tatsache, daß unsere neuseeländischen Freunde mit ihm einige Gemeinsamkeiten hatten und entsprechend lange mit ihm geredet haben und er sich so gefreut hat.
Auch über Rum wissen wir jetzt etwas mehr. Ähnlich wie beim Wein oder Hopfen gibt es auch hier unterschiedliche Zuckerrohrpflanzen, die den ein oder anderen Vor- und Nachteil haben und entsprechend gemischt wird. Diese kleine Rumdestillerie ist sehr innovativ und entwickelt ihre diversen Spezialitäten über mehrere Jahre hinweg und ist permanent am experimentieren. Das von mir verköstigte Bier war übrigens seehr lecker.
Auch eine kleine Wanderung musste auf Tahaa wieder sein. Was soll sagen? Wie immer schön? Wir Damen haben es Blütenwanderung genannt….Man kann diese Grünschattierungen, Üppigkeit und Blütenpracht halt leider gar nicht in Worte fassen. Einfach immer wieder nur zu genießen.














Nachdem der Südschwell dann vorbei war, hieß es für uns Anker auf und rüber nach Bora Bora. Darüber dann mehr im nächsten Bericht, das wird hier ja langsam viel zu viel.

































































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