Irgendwo auf dem Weg von Niue nach Samoa haben wir den Längengrad 170° West überschritten. Da Hamburg bei ca. 10° Ost liegt, haben wir 180° voll und somit den halben Globus umrundet. Von den Längengraden aus gesehen kommen wir so jetzt wieder näher und entfernen uns nicht mehr. Noch dazu kommt, daß Samoa über der Datumsgrenze liegt. Wir sind jetzt nicht mehr im Tag zurück, sondern voraus, wenn man es von der Heimat aus betrachtet. Den 05.08.2026 gibt es bei uns nicht, den haben wir einfach übersprungen. Und als Sahnehäubchen jährt sich unsere Abreise am 11. August zum dritten Mal, während wir hier in Samoa vor Anker liegen mit etwa 22.000 Seemeilen auf dem Buckel.

Die Überfahrt von Niue nach Samoa war wohl die bisher angenehmste ihrer Art im Pazifik. Hatten wir bei der Abfahrt in Niue am Bojenfeld ordentlich Dünung und es war entsprechendes rollig, wurde dies auf offener See deutlich besser. Lediglich kurz nach dem Start zogen einige Wolkenfelder durch, die ordentlich Wind und etwas Regen in sich hatten. So war der Anfang etwas ruppig, da wir hoch am Wind unterwegs waren. Aber nach und nach beruhigte sich alles und wir konnten mit einem Westwind – jetzt auf Halbwindkurs – relativ gut Kurs auf Samoa anlegen und haben zu Beginn auch vernünftig Fahrt gemacht. Wir wussten im Vorfeld, daß der Wind auf Süd drehen wird, was für uns wieder etwas kreuzen vor dem Wind bedeutet, aber dafür haben wir die verhältnismäßig kleine Welle dann schön von hinten. Kein großartiges schlagen der Segel und wir werden schön geschoben. Bei diesem „Windwechsel“ schlief dieser auch etwas ein, so daß wir dann wieder etwas Strecke eingebüßt haben – das ist halt so: mal schneller, mal langsamer. Im Schnitt kommen wir doch immer wieder auf unseren Speed von 5 Knoten 😊

Am 2. Tag bei relativ gemütlicher Fahrt stellt Sabine dann fest „irgendwas passt da nicht!“, da das Boot plötzlich außer Kurs fährt und das Segel Geräusche von sich gibt. Es ist uns eine Steuerleine der Windfahnensteuerung gerissen und daher wurde nicht mehr korrekt gesteuert. Daher halt mal kurzzeitig ein Steuern per Hand (ja, wir sind echt faul geworden) und der Skipper repariert das Ganze mal eben unter beigedrehtem Boot. Und schon steuert unsere Moni wieder von alleine dahin, wo wir hinwollen. Zwischenzeitlich mußten wir auch unser Großsegel herunternehmen, da so wenig Wind war, daß nur noch schlagen angesagt war. Ohne Großsegel steht bei wenig Wind auch unsere Genua besser und zieht uns dahin.

Nach der 3. Nacht auf See kommen wir unserem Ziel näher und auch der Wind legt jetzt wieder zu, da das angekündigte Hoch ankommt und entsprechende Winde mitbringt. So machen wir wieder ordentlich Fahrt, aber auch die Dünung legt natürlich zu, auch geschuldet der Nähe zur Insel, und es wird wieder etwas ruppiger. Wir müssen Samoa halb umrunden, um unserem Ankerplatz in der Hauptstadt Apia anzusteuern. Auf Samoa ist nur hier ein Ankern erlaubt. So fahren wir auf der Nordseite bei einer Windstärke von 6 bft in Böen an Samoa’s Küste entlang, bis der Wind dann in der Abdeckung der großen Vulkanberge plötzlich weg ist (ebenso die Dünung) und wir den Motor anwerfen müssen.

Die Küste Samoa´s empfängt uns mit vielen Wolken

So können wir noch auf See unsere Segel herunternehmen und das Boot schon einmal soweit aufklaren. Denn, wenn wir vor Anker sind, kommen normalerweise die Behörden recht zügig ans Boot bzw. wollen mit dem Dinghy abgeholt werden. So werfen wir um cirka 14 Uhr unseren Anker im Hafen von Apia neben all unseren bereits wartenden Freunden aus den diversen WhatsApp-Gruppen, die schon für den heutigen Tag ein Sundowner-Treffen vereinbart haben.

Leider kommt an diesem Tag nur die Hafenbehörde an Bord und checkt uns ein. Da wir noch nicht offiziell eingereist sind, dürfen wir das Boot nicht verlassen und können nicht an diesem Sundowner teilnehmen. Dafür bekommen wir Besuch von einem Deutschen, der unsere TO-Flagge erkannt hat und seine Clubkollegen begrüßen will. Dirk aus Hamburg hat aus der Entfernung unseren Fetzen an Flagge erkannt ( große Leistung!!!!) und will Hallo sagen.

Von der Hafenbehörde bekommen wir auf nochmalige Nachfrage mitgeteilt, daß die anderen Behörden am nächsten Tag kommen würden und wir über Funk eine Mitteilung erhalten würden. So sitzen wir am nächsten Morgen im Cockpit beim Frühstück, als wir sehen, daß sich uns ein Boot nähert. Keine Info, aber plötzlich 4 Mann auf dem Boot. Auch wenn man alle Formulare die man schon im Vorfeld per Mail geschickt hat, nochmal von Hand ausfüllen muss, geht alles schnell und entspannt von statten. Die Einwanderungsbehörde nimmt noch unsere Ausweise mit, die wir später im Büro wieder abholen sollen. Nachdem wir unser Frühstück dann final beendet hatten, machten wir uns auch gleich auf dem Weg, um unsere Dokumente wieder abzuholen und die Stadt etwas zu erkunden.

  • Die Kathedrale sehen wir direkt vom Ankerplatz
  • Beeindruckendes Innere
  • und die Kuppel
  • Markthalle von Apia
  • alle anwesenden Boote beim gemeinsamen Abendessen

So fanden wir auch gleich einen Laden, der Sabines Handy wieder zum Leben erwecken kann – das Batterielademodul hatte sich verabschiedet. Anschließend gibt es noch die obligatorische Runde mit dem Dinghy zu unseren Nachbarliegern. Altbekannte treffen wir wieder sowie neue Crews. So vereinbaren wir auch gleich mit der Matatoa zusammen einen Leihwagen zu nehmen, um Besorgungen zu erledigen sowie die Insel zu erkunden. Nachdem ich ja schon erste Erfahrungen mit dem Roller und Linksverkehr in Aitutaki hatte, kommt jetzt das mit dem Auto dran. Der Verkehr klappt ganz gut, nur mit der Bedienung tue ich mir etwas schwer. Blinker- und Scheibenwischhebel sind ebenfalls vertauscht und der Wischer ist mehr in Aktion als bei den Verhältnissen nötig 😉. Die ersten beiden Tage gehen für die besagten Besorgungen drauf, danach machen wir zwei Tage Inselrundfahrt. Der Tag beginnt mit dem Besuch des Robert-Louis-Stevenson-Museum, der Schriftsteller (er hat unter anderem „Die Schatzinsel“ geschrieben) hat die letzten Jahre seines kurzen Lebens hier gelebt. Sein altes Anwesen, das auch mal Gouverneursunterkunft war, ist sauber gepflegt und in dem Haus gibt es viele der alten Gegenstände und sehr viele Fotos zu sehen. Danach gibt es noch eine Wanderung zu seinem Grab, das auf dem nahegelegenen Berg liegt. Die schöne Wanderung geht durch den Wald und oben gibt es noch eine schöne Aussicht zu genießen. Da hier auch viele der Sehenswürdigkeiten auf privaten Grund sind, wird natürlich auch Eintritt verlangt. Wir finden einen Wasserfall mit Bademöglichkeit, der frei zugänglich ist. Die Erfrischung in dem Süßwasserpool ist nach einem langen Tag sehr erholsam und zu genießen.

An Tag zwei starten wir mit einer Erfrischung. Auf dem Gelände einer Kircheneinrichtung sind die Preise mit 5 Tala pro Person und 10 für das Auto noch erträglich (3Tala entsprechen einem Euro). Der Süßwasserpool speist sich hier aus einer kleinen Grotte. Auf der Weiterfahrt halten wir noch hier und da an, um die Schönheit der Insel zu genießen. Am Nachmittag noch ein kurzer Spaziergang zum MA-Tree. Der beworbene Baum stellt sich als schon abgestorben heraus, die Abmessungen der Reste aber nicht minder beeindruckend. Auch die Nachkommen in der Umgebung geben sich alle Mühe dem Vorbild nachzukommen und haben schon eine entsprechende Größe. Der Schlusspunkt an diesem Tag ist der Baha’i-Tempel, einer von 8 kontinentalen „Muttertempeln“ mit ihren beeindruckendem Kuppeldesign. Die Baha’i-Religion glaubt an einen einzigen Gott, an den alle großen Religionen nach ihrer Überzeugung glauben. Die Tempel haben üblicherweise neun Seiten und neun Eingänge, die die Offenheit für alle Menschen und Religionen symbolisiert. Es gibt keine Predigten, sondern es wird aus allen (!!) heiligen Schriften der Weltreligionen gelesen. Es gibt keine Vorurteile hinsichtlich Rasse, Nation, Geschlecht oder dergleichen. Wir fanden im dortigen Tempel die Bibel, die Thora und auch den Koran ausliegen. Apropos Kirche, die Kirchendichte hier auf Samoa ist enorm, noch nie habe ich so viele Kirchen wie hier gesehen.

Juliet und Gordi machen Tags darauf eine Pause, wir entschließen uns eine Wanderung zum Lake Lanotoó zu machen. Der Kratersee liegt in einem Naturschutzgebiet und ist über einen, ich sage mal, vor langer Zeit angelegten Weg zu erreichen. Die Stufen und Geländer, die mal angebracht worden sind, sind schon sehr in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie überhaupt noch vorhanden sind. Der Steg, der am See installiert wurde, ist entsprechend verfallen – leider. Schön war die Tour trotzdem. Zur Abkühlung und Reinigung unserer Füße und Beine fahren wir nochmal zum Wasserfall vom ersten Tag weiter, der nicht allzu weit weg ist.

Für die darauffolgenden Tage haben wir den Besuch der Nachbarinsel Savai‘i auf den Plan. Hierfür hat Juliet eine Unterkunft ausgesucht, Fale`s direkt am Strand. Es sind einfache Hütten inclusive Frühstück und Abendessen, die zu einem kleinen Preis zu bekommen sind. Wir starten am Morgen mit der Fahrt zur Fähre, die dann auch mit uns pünktlich ablegt. Mit dabei sind noch Rob und Margie von der Silverwind, sie haben sich einen Leihwagen auf Savai‘i gemietet. Zur Fähre hatten sie sich ein Taxi genommen, die Preise hierfür erschwinglich. Drüben angekommen, lassen wir es entspannt angehen, gehen erst einmal einen Mittagssnack zu uns nehmen, bevor es zur nächsten Süßwasserquelle geht. Mit dem vielen Salzwasser um uns herum ist so etwas eine beliebte Angelegenheit bei Seglern😊. Die Verhandlungen über den Eintrittspreis sind dann etwas amüsierend. Sie beginnen bei 10 Tala, gehen dann auf 25 Tala (pro Person versteht sich) und letztendlich bezahlen wir 5 Tala. Über einen Fußweg geht es zur Quelle, von der wir dann den Rückweg schwimmend zurücklegen. Ein kleiner Fluss, der quasi durch eine Art Mangrovenwald führt. Weiter geht es anschließend zu unserer Unterkunft und wir beziehen Quartier. Jede Crew bezieht ihr eigenes Fale, einfache Holzhütten die an den Seiten Jalousien aus Bambus oder anderen Naturmaterialien zum runterlassen haben, ausgestattet mit Matratze, Moskitonetz und direktem Blick auf´s Meer. Neben den Badhäusern die mit Toilette und Dusche glänzen können, gibt es noch ein Gemeinschafts-Fale, in dem das Essen gemeinsam eingenommen wird. Pünktlich um 19 Uhr schlägt die Glocke, die alle Besucher zum Essen ruft. Das Essen wird auf dem Teller serviert und beinhaltet verschiedene lokale Köstlichkeiten, die sehr lecker sind. Da wir alle ziemlich müde sind fallen wir recht bald ins Bett, den um 8 Uhr kommt der nächste Glockenschlag für das Frühstück. Auch hier wieder „Regional“, wir beide als Süß-Frühstücker müssen uns etwas umstellen, aber lecker ist es trotzdem, ausreichend sowieso. Da Juliet und Gordie einen Strandtag einlegen wollen trennen sich unsere Wege, Strand und schnorcheln können wir ja quasi überall, wir wollen uns die Insel anschauen.

So ziehen wir los und machen den ersten Stop bei den „Blow Holes“. Eigentlich nur ein paar Löcher im vulkanischen Ufergestein, die von der Dünung gespeist werden und hohe Wasserfontänen in die Höhe schießen lassen, aber schön anzusehen, was uns Mutter Natur da wieder mal gebastelt hat. Nach dem obligatorischen Halt an einem Strandrestaurant für einen Mittagssnack geht es weiter zu einer Ruine der Missionarskirche, die durch die massiven Wellen von Hurrikan Ofa im Februar 1990 zerstört wurde. Bei der Abfahrt werden wir noch aufgehalten und sollen 10 Tala pro Person für den Besuch bezahlen, zum Glück war Sabine im Auto sitzen geblieben 😉. Weiter geht´s zu einer Lavahöhle die auf privaten Grund ist, auch hier wieder 20 Tala p.P. Aber die sind wenigstens gerechtfertigt. Ein schön angelegter Weg führt durch den Garten zur Höhle. Die Höhle selbst ist ca. 5 km lang. Man darf ohne Führer nur die ersten 500 m betreten, leider ist heute kein Führer da, wahrscheinlich muss man vorher buchen oder es hatte gerade keiner Zeit/ Lust, wir wissen es nicht. Unsere Stirnlampen, die wir dabei haben sind fast etwas zu schwach, die Lava schluckt viel von dem Licht, das zur Verfügung gestellt wird. Wenn man die Höhle betritt, vernimmt man ein permanentes Klicken, was – nicht wie zu vermuten lässt von Fledermäusen stammt; nein es sind schwalbenartige Vögel, die hier ihre Nester haben und sich so orientieren. Es scheint aber nicht so gut wie bei den Fledermäusen zu funktionieren, wir werden einige mal angerempelt. Nach den 500 m kehrt man freiwillig um, die Höhle teilt sich und zwei Schlunde führen in die Tiefe, während ein Großer auf gleicher Höhe weiter geht, aber nur auf einen schmalen abschüssigen Streifen, den selbst ich ohne Sicherung nicht weiter gehen würde. So geht es auf gleichem Weg zurück und mit dem Auto zu unserer Unterkunft. Jetzt nehmen auch wir noch ein kurzes Bad im Meer, um unseren Schweiß vom Tag abzuwaschen und lassen den Tag Revue passieren. Nach dem Abendessen kommt noch eine Tanz- und Feuervorführung einer Gruppe aus dem Ort, immer wieder unterschiedlich aber schön anzusehen.

Unseren letzten Tag lassen wir dann entspannt beginnen. Wir verabschieden uns noch bei allen, die wir hier kennengelernt haben bevor wir zu einem Wasserfall aufbrechen, bei dem man auch schön baden kann. Auch hier wieder Privatgrund und diesmal 10 Tala zu berappen. Ein schönes Schwimmbecken mit einem ordentlichen Fall erwartet uns, die umgebene Natur gibt ihr Bestes dazu. In dem Wasser entdecke ich zahlreiche Süßwassergarnelen, die sich hier zwischen den Füßen der Gäste tummeln. An dem Wasserfall kann man auch über die Felsen auf die Rückseite dessen gelangen und in die Fluten springen. Bis wir uns wieder aus dem Wasser begeben ist auch schon wieder Mittag. So halten wir auf dem Rückweg zur Fähre noch bei einem Imbiss an bevor wir Abschied von Savaii nehmen.

Ansonsten haben wir am nächsten Tag noch bis zum Mittag den Wagen um letzte Besorgungen zu machen, die Abfahrt zum nächsten Inselstaat steht schon bevor. Gemeinsam mit den anderen Booten genehmigen wir uns einen letzten Sundowner in der naheliegenden Bar und gönnen uns beiden ein letztes Abendessen in einem Restauraunt, dem „Paddles“ – echte italienische Küche in Samoa! Und es hat auch nach Italien geschmeckt!