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Der große Sprung über den Atlantik – Teil 1

1 Montag:  Der Wettervorhersage nach sollte es zur Mittagszeit Wind geben nach der Flautenzeit, die die letzten Tage bestimmend war. Daher planten wir, am Nachmittag zu starten. So blieb noch genügend Zeit, um ein paar letzte Besorgungen von Frischwaren zu erledigen, sich von einigen Seglern zu verabschieden und letztendlich das Schiff seeklar zu machen. So haben wir dann um 15 Uhr Kap Verden Zeit unsere Leinen gelöst und sind von einigen Seglern verabschiedet worden. Es ist schon eine merkwürdige Stimmung, die dabei herrscht. Es wird gewunken, gehupt und getrötet wie bei vielen der Schiffe, die ablegen für den großen Schlag über den Atlantik. Wir sind dann erst einmal unter Maschine los, um noch unseren Wassermacher zu begnügen, um genug Trinkwasser für die Überquerung zu haben. Kaum aus der Deckung der Hafenbucht draußen ließ der Wind auch nicht auf sich warten, wir setzten die Genua, um die Maschinenfahrt zu unterstützen und schon ging es in Rauschefahrt dahin bis wir ca. 1 Stunde später in die Landabdeckung gekommen sind. Wind wieder so weit weg, daß wir das Segel wieder wegpacken konnten; aber auch nicht so schlimm, da ja unser Wassermacher noch lief und die Batterien, die dabei recht leer werden, müssen ja auch wieder geladen werden. Später als die Landabdeckung eigentlich keine Rolle mehr spielen dürfte, immer noch kein segelbarer Wind. So sind wir dann durch die Nacht motort, leider. Einen Segler, den wir bei Tageslicht noch gesehen hatten, ist dann in der Nacht auch verschwunden. Mal sehen, wann wir den nächsten sehen. Da die meisten sich auf den Weg in die Karibik machen und wir bekanntlich nach Brasilien gehen, trennen sich hier unsere Wege meist.

2 Dienstag: Früh in der Morgendämmerung war es dann soweit: der Wind war da und wir konnten die Segel setzen und uns mit der Kraft des Windes weiter fortbewegen. Gleich noch die Angel ausgebracht, um unser Glück hier zu versuchen. Sabine machte sich gerade für das Bett fertig, da sie die letzte Nachtschicht Wache hat, als die Angelrute sich lautstark bemerkbar machte, als die Leine ausrauschte. Das nennen wir Angelglück! Da diese noch keine 15 Minuten im Wasser war, das nächste Abendessen mit frischen Fisch, einer Goldmakrele, war gesichert. Die Aktion ging auch wesentlich schneller über die Bühne, als bei unserem ersten Fang. Wer hätte das gedacht 😉Ansonsten war der weitere Tag von vielen Winddrehern geprägt, der teilweise einen Umbau der Segel nötig gemacht hat, damit es ja nicht langweilig wird. So schaukeln wir uns langsam ein, Sabine benötigt hier leider immer etwas länger. Nicht unbedingt, daß sie seekrank wird, nein. Es sind Probleme beim Einschlafen mit der Schaukelei, was bei ihr einen Schlafmangel hervorruft. Am Ende des Tages, der sehr bewölkt war und nur gelegentlich einen Blick auf die Sonne zugelassen hat, verabschiedet die sich dann mit einem Abendglühen ohnegleichen, als uns noch ein paar Delphine besuchen kamen.

3 Mittwoch: Beim ersten Lichtschein wieder die Angel raus, vielleicht haben wir ja wieder in der Morgendämmerung Glück. Leider, muss man gleich sagen, wurde daraus nicht. Wie von anderen Seglern schon berichtet, fährt man hier durch rechte Algenteppiche bei den man im 10 Minuten Takt den Köder von diesen wieder befreien muss. Wir haben es dann aufgegeben und lassen unsere Angelversuche erst einmal bleiben. Zur Mittagszeit bin ich dann einmal Online gegangen um mir den aktuellen Wetterbericht zu holen. Nebenbei hat sich dann auch das Handy aktualisiert und in einer Gruppe von unserem Segelverein wurde zufällig gerade das Angeln bei Seegras besprochen, mit dem Hinweis das man es doch mal mit einem Wobbler probieren soll. Dieser ist so konstruiert das er sich ein bis zwei Meter unter der Wasseroberfläche hält. Zufällig habe ich auch so einen an Board, gesagt, getan. Köder gewechselt und ab ins Wasser. Nach zwei Minuten sind wir dann wieder durch so einen Algenteppich gefahren und die Rute hat sich bemerkbar gemacht, so ein Sch… , funktioniert auch wieder nicht. Hat sich wohl die Alge an der Schnur verhängt und ist mit in die Tiefe gegangen um sich am Köder zu verhängen. Also gleich wieder rein, blöder Tipp. Die Leine bis ca. 20 m zum Boot aufgeholt, sehe ich da was Buntes unter Wasser, huhu, doch kein blöder Tipp. Die nächste Goldmakrele war am Haken, und eine halbe Stunde später war wohl das frischeste Sushis das es gibt auf dem Tisch, einfach lecker. Heute Abend gibt es dann den nächsten Teil von dem guten Stück. Aber erstmal herrscht Angelverbot an Bord, bis alle Vorräte aufgebraucht sind. Am späten Nachmittag hat uns ein Tanker überholt, das erste Schiff seit dem Start und wer weiß, wie lange es dauert, bis wir den nächsten sehen. Wir haben ihn gleich mal angefunkt, um unsere Verständigung zu überprüfen, dies hatten wir nach dem Umbau bzw. Austausch der neuen AIS-Anlage noch nicht auf Distanz durchgeführt, bisher nur in direkter Hafennähe. Ich bin etwas erschrocken, was die Sprachqualität angegangen ist, war sie auf 10 sm Entfernung eher schlecht. Hatte ich doch auf der Ostsee schon auf 15 sm gefunkt mit hervorragender Verständigung. Das muss ich bei Gelegenheit nochmal prüfen, ob das auch an uns liegt oder vielleicht doch an dem „Großen“. Unsere Sichtbarkeit über AIS und Radar ist aber gut und somit alles noch im grünen Bereich.

4 Donnerstag: Der heutige Tag hat schon sehr bald angefangen, so gegen 4 Uhr. Der Wind hatte wieder erwarten (lt. Wetterbericht) so zugenommen, daß wir im Dunkeln unsere Segel reffen mussten. Das gleiche ereilte uns dann nochmals gegen die Mittagszeit als der Wind nochmals zulegte, auch davon wieder einmal im Wetterbericht keine Spur. Dabei ist uns eine der alten Leinen von der Lazybag (Die Taschen unter dem Baum, in der das Segel liegt, wenn es nicht gesetzt ist) am Ende aufgegangen, das Ende war vernäht und der Garn wohl schon etwas spröde geworden. Ein Stunde später war der Spuk mit dem Wind dann auch schon wieder vorbei. Die Wellen beruhigten sich auch wieder etwas, so daß wir die Reparatur der Leine gleich in Angriff genommen haben. Dazu musste ich in den Mast hoch, um die Leine durch die Umlenkung zu führen, aus der diese ausgerauscht ist. Bei der aktuellen Atlantikwelle auch kein Vergnügen, aber wer weiß, ob vielleicht die Welle sich nochmal so „Ruhig“ präsentiert und nicht wieder stärker wird. Auf jeden Fall ist das jetzt auch erledigt und unser Segel kann es sich, bei Bedarf, wieder in seiner Tasche gemütlich machen. Nachmittags noch ein kurzer Aufreger, als direkt neben dem Boot ein etwas kleinerer Wal mit geschätzten 6 m Länge auftaucht. In ca. 50 m Entfernung sahen wir noch einen zweiten der in einer Welle mitsurfte, wir gehen davon aus, daß dies das Jungtier dazu war. Leider haben sie sich dann nicht mehr blicken lassen, um eine Foto zu machen. Heute gibt´s dann den letzten unseres Fischvorrates.

5 Freitag: Eigentlich gibt es heute nicht viel zu berichten, bis auf einen Supergau. Zum Wachwechsel am Morgen kommt von mir der übliche Kontrollblick auf die Instrumente, wie auch so oft im Laufe des Tages. Der Batterievorrat zeigt noch eine Kapazität von 30% an, alles im guten Bereich, da ja tagsüber die Solaranlage wieder einiges auflädt. Eine Viertelstunde später gehen alle Instrumente aus, Starten wieder neu, gehen wieder aus. Schon komisch, dacht ich mir. Das sie mal ausgehen und wieder an hatte ich schon einmal erlebt, aber so. Eine Überprüfung hat ergeben, daß die Batterien wohl komplett tot sind. Lithiumbatterien haben eine eigene Überwachung verbaut, die die Batterie abschaltet, wenn etwas nicht passt, aber gleich alle fünf? Mal hier und mal dort nachgemessen, tja, hier kommt nirgendwo mehr Strom raus. Kann ja vorkommen das unsere Batterieanzeige da falsche Werte liefert, kein Problem, Maschine anschmeißen und Batterien wieder laden. Hier den Zündschlüssel rumdrehen und, nichts passiert. Die Starterbatterie, die ein für sich eigenes System und von den Verbraucherbatterien getrennt ist, auch leer. Das komplette Boot ist somit ohne Strom, der Megagau. Zum Glück hatten wir uns ja auf den Kanaren noch mit einem Stromgenerator ausgerüstet, auch als Backup für einen Geräteausfall. Aber das gar kein Strom mehr vorhanden ist, war so nicht auf dem Plan gestanden. So haben wir den Generator aus der Backskiste geholt, angeschlossen und gestartet. Und, nichts passiert, die Batterien werden nicht geladen. Unser Batterieladegerät an Bord schalten wir über ein Touchbedienung aus und wieder an. Der letzte Zustand war natürlich aus. So musste Plan B ran. Zum Glück hatte ich noch mein Batterieladegerät von der Autobatterie mit eingepackt. Mit dem konnte ich dann, und mit Hilfe des Generators, die Bedieneinheit wieder zum Laufen bringen und das Ladegerät einschalten. Und was für ein Glück, die Batterien werden wieder geladen. Die Investition des Generators hat sich soeben bezahlt gemacht, nicht auszudenken, die restlichen 800sm ohne Strom zurück zu legen. Gegangen wäre es schon, schließlich sind wir ja ein Segelboot, aber schön ist was anderes. Schließlich kommt wieder etwas auf die To-Do-Liste, wieso ist die Starterbatterie leer gewesen? Die Überwachung der Verbraucherbatterien kann man hingegen gleich umstellen. Aber das „Wieso“ bleibt erst einmal. Nachdem der ganze Schock sich gelegt hatte, versuchten wir uns am Nachmittag wieder mal mit der Angel. Das war uns aber heute nicht gegönnt. Auch mit dem anderen Köder stellten wir fest, wenn nach 2 min kein Fisch anbeißt, hängt auch hier Seegras dran. Nach dem 10ten mal einholen und sauber machen, blieb der Köder dann an Deck. Dafür entfernten wir zwei tote fliegende Fische und eine Sepia, die sich an Deck verirrt hatten.

Donnergrollen an Bord

6 Samstag: Heute ist ein guter Tag, es ist noch nichts kaputt gegangen oder ausgefallen 😊. Wir sind schon am Überlegen, ob es an uns liegt, oder ob es allen Seglern so geht. Aber vom Hörensagen sind wir da nicht alleine, so ein Boot muss eben schon einiges aushalten. Und das ein oder andere gehört zur Kategorie „learning by doing“ dazu. Da wir jetzt schon über 24 Stunden bei Windstärke im oberen Bereich von 6 Bft (sind zwischen 21 und 27 Kn) unterwegs sind, hat sich auch das Wellenbild geändert, nicht zum Guten. Ab solchen Bedingungen muss jeder Schritt, jedes Handeln an Bord gut überlegt sein, noch mehr wie sonst. Eine falsche/ unüberlegte Bewegung ohne sich fest zu halten kann schmerzhaft Enden. Weil wir keine Lust hatten unnötig bei den Wellen an Deck rum zu turnen, blieb auch die Angel ungenutzt. Das viele Seegras das es immer noch gibt, tat sein übriges dazu, wo kommt das alles nur her?! So war auf dem Tagesprogramm möglichst wenig bewegen angesagt. Und noch was erfreuliches gibt es zu Berichten, wir hatten zur Mittagszeit Bergfest. Ab jetzt zählt die Entfernung zum Ziel Rückwärts. Wir sind dann jeweils ca. 650 sm vom nächsten Landzipfel entfernt gewesen. Während ich die Zeilen schreibe, lässt der Wind auch allmählich nach, so auf den unteren Bereich von 6 Bft. Liest sich nicht viel, macht sich aber deutlich bemerkbar, die Wellen sind nicht mehr ganz so ruppig und somit ist es auch auf dem Schiff deutlich angenehmer.

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Afrika – Cabo Verde

Ah, war das schön. Schlafen vor Anker, ohne von links nach rechts zu rollen und mit dem Skipper nebendran – da schläft es sich schon vieeeel besser.

Nach dem Frühstück haben wir gleich in die Marina verlegt und haben einen „Außenliegeplatz“ und somit das Ankerfeld, die Zufahrt und die Tankstelle im Blick. An uns kommt keiner vorbei!!!

Wir wurden auch, kaum daß wir festgemacht hatten, von Andre und Tasja begrüßt, für die wir zwei Pakete von Gran Canaria mitgebracht haben. Die beiden haben schon sehnsüchtig auf uns gewartet, denn sie wollten endlich los. Somit war das ein „Hallo, schön daß Ihr das seid“ und „Tschüss, Gute Fahrt“ gleichzeitig.

Auch haben wir mal wieder die TO-Boote im Hafen abgeklappert, um zu sehen wer noch so da ist. Wir sind hier doch schon eine ganz schöne Truppe und haben gleich an diesem Abend noch ein spontanes TO-Treffen in der Pizzeria auf ein paar Getränke.

Wir haben natürlich vorher noch unseren restlichen Fisch zubereitet. Diesmal habe ich das Messer bemüht und aus dem Fisch zwei Filets geschnitten. Das ging besser, als ich erwartet habe. Ich bin guter Dinge, daß das in Zukunft flutscht. Er war wieder sehr lecker und eine gute Grundlage für unsere Ankommensdrinks.

Tagsüber haben wir uns erst einmal bemüht, daß unsere nötigen Reparaturen auf den Weg gebracht werden. Entgegen aller vorherigen Informationen bekommt man hier in Mindelo doch ziemlich alles gut geregelt, man muß halt ein paar Leute fragen. Aber direkt vor Ort ist ein Händler/Werkstatt, die einem Deutschen gehört, der gleichzeitig die TO-Vertretung hier ist. Wenn die etwas nicht machen können, dann wissen sie, an wen man sich wenden muß.

Auch ist die Versorgung mit Lebensmitteln nicht so knapp, wie gerne geschrieben wird. An manchen Tagen gibt es halt nicht alles, aber prinzipiell wird man hier nicht verhungern und sich ganz gut eindecken können. Klar, ist teilweise etwas teurer, weil vieles importiert werden muß.

Die Insel Sao Vincente, auf der wir sind, hat leider nicht so viel zu bieten. Eine karge Insel mit ganz wenig „Grün“. Hier ist wirklich nur die Stadt Mindelo der Anziehungspunkt. Gut, es gibt noch den „Turtle Beach“, zu dem wir auch mit Matthias + Katja von der Chilly hingefahren sind. Dort kann man mit Schildkröten schnorcheln. Ein langer Sandstrand mit einheimischen Fischern und eben einigen Booten der Schildkrötenausflügler. Die füttern die Kröten mit Algen etc. an, so daß die zahlenden Gäste auch wirklich welche sehen. Wir Nichtzahler wurden höflich gebeten, hier nicht zu schnorcheln, sonst müssten wir bezahlen. ??? Naja, wir hatten sie ja vorher schon gesehen, bevor die Ausflugsboote aktiv wurden.

Nach diesem Trip sind wir dann noch die gesamte Insel abgefahren. Das geht ziemlich zügig, gibt es hier doch irgendwie nur drei Straßen, die die drei Hauptorte verbindet.

Viel schöner gestaltete sich da der Ausflug zur Nachbarinsel Santo Antao. Hier haben wir zusammen mit der Crew der Chilly und der Hello Gitti einen Tagestrip gebucht. Mit der Fähre in einer Stunde rübergefahen und dort von einem einheimischen Taxiguide herumgefahren worden. Diese Insel ist sehenswert. Ist sie doch abwechslungsreich, zum Teil grün mit beeindruckenden Schluchten. Wieder ein Wanderparadies, wenn man sich hier mehrere Tage aufhält. Und auch unser „Mittagsimbiss“, der eher einem kompletten Abendessen glich, war sehr lecker.

Unsere Reparaturen gehen auch voran. Die Relingstützen sind beim Richten, der Skipper hat die Genua genäht, den Halterung am Spibaum wieder ordentlich angebracht und widmet sich nun den Lackierarbeiten. Wenn die Relingstützen schon weggeschraubt sind, dann kann man doch gleich mal die ganzen Farbabplatzungen entfernen, schleifen, grundieren und lackieren.

Also ist auch jeden Tag etwas zu tun. Langweilig wird uns nicht. Nach 7 Tagen im Hafen waren wir bisher noch nicht einmal auf dem Markt oder beim Einkaufen.

Die Abende klingen regelmäßig mit einem Absacker in der Hafenbar aus.

Auch mit unseren umliegenden Nachbarbooten haben wir gute Kontakte, so daß wir langsam international werden. Inzwischen hat uns unser britischer Nachbar Toni verlassen mit der Bitte, ob wir ihm ein Paket mit nach Cabedelo in Brasilien mitnehmen könnten. Er hatte sich einen neuen Propeller bestellt, der leider noch nicht angekommen ist. Seine Aussage war so ungefähr:

„wenn wir uns in Cabedelo nicht mehr treffen, dann habt Ihr halt einen neuen Propeller“ Tja, der würde nur leider nicht zu unserer Maschine und Welle passen. Also ich denke, wir werden Toni auf alle Fälle in Brasilien treffen und ihm sein Paket geben. Vorausgesetzt, es kommt noch an, so lange wir da sind. Aber die Chancen stehen gut.

Der Ursprungsplan, hier nur circa 3 Tage zu verbringen wurde ja aufgrund der Reparaturarbeiten gleich mal auf eine Woche verlängert. Jetzt kommt aber noch hinzu, daß über dem Atlantik auf Höhe der Kanaren ein ordentliches Tief einiges aufwirbelt. So soll jetzt zur Mitte der Woche die daraus entstehende Welle hier unten ankommen mit ordentlichen Höhen in kurzen Abständen. Und dazu fast kein Wind, eher eine Flaute. Da macht das Segeln (oder Motorfahren) wirklich keinen Spaß. So daß selbst die, die diese Woche Montag losfahren wollten, entschieden haben, wir warten bis nächstes Wochenende und schauen mal, wie sich das entwickelt. Wenn man schon eine Fahrt über den Teich mit cirka 20 Tagen hat, dann möchte man nicht schon mit der Gewissheit losfahren, daß man die ersten 5 Tage nur großes Geschaukel hat. Somit sind wir hier weiterhin eine große Truppe an deutschen Booten.

Zwischenzeitlich haben wir neue Bootsnachbarn bekommen. Eine zusammengewürfelte Männertruppe aus spanischsprechenden Ländern. (Spanien, Argentinien, Chile, Dänemark (!?!?)…) Sehr nett. Damit wir in Südamerika wieder „online“ gehen können, hat Jochen unser Starlink von Europa versucht auf Südamerika umzustellen. Hierfür muß man eine „Heimatadresse“ angeben. Der Versuch, dies auf eine Marina in Brasilien zu machen, scheiterte daran, daß man für eine Anmeldung auf Brasilien eine brasilianische Steuernummer benötigt. Was tun? Fragen wir doch mal den Nachbarn, der kommt doch aus Chile. Und nach mehrfachem Hin und her wegen der Verständigung und zwei „Zwischenübersetzern“ haben wir nun eine Heimatadresse in Chile bei Manuel. 😊 Somit sind wir guter Dinge, daß wir in Südamerika erreichbar sind und jederzeit unsere Wetterdaten problemlos abrufen können.

Die Tage vergehen hier mit lange ausschlafen, eine neue Farbschicht auftragen, Nachbarboote besuchen, in die Stadt laufen und Dinge besorgen. So sind ganz schnell zwei Wochen hier rum, ohne daß wir es bisher geschafft haben, am Stadtstrand zu baden.

Nun treffen auch wir die letzten Vorbereitungen, um endlich unseren „großen Sprung“ über den Teich anzutreten. Die Reparaturen sind abgeschlossen, das Rigg gecheckt, die Rettungsmittel nochmals getestet und Frischeproviant (soweit hier möglich) aufgestockt. Gestern haben wir bereits zwei deutsche Boote verabschiedet und wir werden wohl am Montag auch mit 2 weiteren Booten losfahren. Alle sind hier auf dem Sprung und warten das passende Wetterfenster ab. Dann werden wir wieder für etwa zwei Wochen „not available“ sein und nur blau, blau, Delfine, Wale und Fische sehen – und als Highlight vielleicht einmal einen Frachter.

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Adieu Europa

Unsere Tage auf Gran Canaria sind gezählt. Haben wir die letzten Tage vor Weihnachten damit verbracht, noch einige Dinge zu besorgen wie z.B. neue Wanderschuhe für Jochen, da sich bei seinen aktuellen die Sohle löst und schon das Nachkleben beim Schuster nur für kurze Zeit gehalten hat.

Wohin auf Gran Canaria, um Wanderschuhe in Größe 47 zu bekommen. Uff – die Spanier haben wohl eher kleinere und dafür breitere Füße. Das Sortiment hört regelmäßig bei Größe 45 auf, mit Glück gibt es mal ne 46. Endlich im letzten Laden, der natürlich am weitesten Weg von der Marina ist, sind wir fündig geworden. Naja, eher ein Kompromiss. Ein Schuh, der endlich in der Länge passt, aber eigentlich etwas zu weit ist. Sollte aber mit den Einlegesohlen und Socken zu regulieren sein. Ein ganz toller Bergsportladen mit gutem Sortiment. Merken: LIMA Sport in Las Palmas. Und sehr kompetenter Beratung, der auch genau wußte, wo er noch welche Schuhe stehen hat.

Den Heiligabend haben wir noch als Abschiedsabend im Hafen genossen. Nach allen Telefonaten mit der Familie kamen Kai von der Sailaway sowie Till und Volker von der VEGA zum Abendessen zu Besuch. Eigentlich hatten wir Kai eingeladen, da er sich hier nochmals mit uns verabredet hat und „extra für uns“ pünktlich zu Weihnachten nach Las Palmas gesegelt kam. Heiligabend morgen kam dann der Anruf von ihm, ob er denn noch 2 Freunde mitbringen dürfte. Die sind jetzt auch extra wegen ihm nach Las Palmas gekommen, um mit ihm Weihnachten zu verbringen. Gut – die zwei wollten wir eh endlich persönlich kennenlernen, planen sie doch genau wie wir die Route nach Südamerika.

Nach dem Essen kamen dann noch unsere beiden holländischen Nachbarn Herma und Andre mit an Bord zur geselligen Runde.

Am 1. Weihnachtsfeiertag hieß es für uns, dann zeitig aufstehen und Boot vorbereiten. Pünktlich wie geplant, sind wir um 9 Uhr aus dem Hafen ausgefahren. Andre half noch beim Ablegen und Kai hat in seinem Schlauchboot vor der Hafeneinfahrt zum Abschied bereit gestanden und gewunken.

Nun geht es cirka 7 Tage lang Richtung Südwesten, nach Mindelo auf der Insel Sao Vincente der kapverdischen Inseln.

Vor der Hafeneinfahrt heißt es durch die ganzen vor Anker liegenden Frachter durchschlängeln. Leider steht hier wieder eine ganz blöde Welle, was sich aber nach und nach gebessert hat je mehr Abstand wir zur Küste gewinnen konnten.

Ab jetzt sollten wir einen beständigen Wind immer aus nördöstlicher Richtung, also von hinten haben. Gegen Abend haben wir dann zum ersten Mal unsere Segel in die Schmetterlingstellung gebracht: die Genua auf die Backbordseite und das Großsegel auf die Steuerbordseite. Das gibt den maximalen Vortrieb bei Wind von hinten. Die Windsteueranlage fährt schön ihren Kurs.

unsere beiden Segel in Schmetterlingsstellung

Die Welle ist nicht ganz so schön, zusammen mit den Böen ist das etwas ruppig, aber wir kommen gut voran.

Und püntklich zum Ende der Nachtschicht gegen 6 Uhr passiert es dann: die Windsteueranlage fährt das Boot aus dem Ruder und verursacht uns eine Patenthalse. D.h. Das Großsegel bekommt von der falschen Seite den Wind und schlägt mit  voller Kraft auf die andere Bootsseite über. Wir hatten zwar einen Bullenstander gesetzt (dies ist eine Leine, die den Baum nach vorne Richtung Bug fixiert, so daß der Baum eigentlich nicht überschlagen kann), aber dieser hat leider der Kraft nicht gehalten. Meist geht hier etwas kaputt, bis hin zum Mast- oder Baumbruch, bei uns natürlich auch. Falsch: der Bullenstander hat gehalten, hat aber alles mitgerissen was ihm in den Weg gekommen ist: Eine angeschweißte Relingsstütze ist abgerissen, zwei weitere sind verbogen, die Curryklemme vom Traveller ist mitsamt Holz ausgerissen, ein Doradenlüfter ist weggeflogen und die Sprayhood hat jetzt Schmauchspuren von der Leine des Bullenstanders in rot und gelb und zwei kleine Löcher.

Es läuft also!!!

Nun war auch der Skipper einmal ratlos wie es weiter geht?!

Option 1: weiterfahren und hoffen, daß wir das in Mindelo reparieren können

Option 2: umkehren nach Las Palmas. Da kriegen wir sicher alles repariert. Bedeutet aber, daß wir jetzt die Strecke gegen den Wind, die Welle und mit 1 Knoten Gegenstrom anfahren müssten. Das wäre ein hartes Stück Arbeit und mit erheblichem Zeitaufwand verbunden.

Also wählen wir Option 1, und weiter geht es.

Die Gute Nachricht von heute: wir haben ein Etmal von 157 Seemeilen (Strecke innerhalb von 24 Stunden).

Der 2. Tag läuft nun etwas langsamer, aber auch insgesamt ruhiger. Am Nachmittag besucht uns wieder einmal eine sehr große Delfinschule, wir schätzten so ca. einhundert Tiere, sie waren rund ums Boot überall. Der Angelerfolg blieb leider bisher aus. Es geht durch die Nacht ohne Probleme und Aufreger.

Am 3. Tag wird der Wind schwächer, wir dümpeln so dahin, bis am Nachmittag der Wind so wenig wird, daß die Segel nur noch am Schlagen sind. Um Material zu schonen, runter damit und Motor an. Aber nach 3 Stunden kommt der Wind zurück, so daß es wieder mit dem Segeln weiter gehen kann. Also Lappen wieder hoch und ab durch die Nacht.

Noch immer kein Angelerfolg – wieder kein Sushi.

Der 4. Tag fängt wieder ganz gemütlich an. Wollen wir nicht mal unseren Blister setzen? Ach, wir haben ja eh nichts zu tun. Normalerweise ist immer cirka eine Stunde rum, bis der rausgekramt und gesetzt ist. Heute dauert es noch etwas länger, da er von unserer letzten Aktion auf der Biskaya, in sich noch total verdreht ist und der Skipper erst einmal die Leinen entwirren muß, damit er sich ordentlich setzen und auch wieder bergen lässt. Das hatte auch geheißen, hoch in den Mast auf offener See. Langsam gibt es auch hier Übung.

Aber irgendwann hängt unser blau-weiß-rotes Glück und zieht uns Richtung Ziel. Ohne Geschlage, ohne Gerolle. Ein Traum.

unser Blister zieht uns durch die Nacht
Sonnenuntergang sieht so aus…..schööön

Wieder einmal Delfine und wieder kein Glück beim Angeln. Aber die Köder werden schön abwechselnd gebadet.

Ein ereignisloser 5. Tag. Nix geangelt, dafür wieder Delfine. Heute Nacht soll der Wind stärkere Böen bekommen, die für unser Leichtwindsegel nicht mehr geeignet sind. Also das wieder runter und die anderen Segel hoch. Da ist es wieder: das schlagen der Genua. Daher die Überlegung, das Großsegel auch wieder zu bergen. Vielleicht bekommt die Genua dann genug Wind und damit mehr Druck, so daß diese nicht mehr schlägt. Ist besser, aber nicht weg.

Das ist halt so bei wenig Wind und Welle: Wenn das Segel den Wind bekommt, steht es schön und zieht das Boot nach vorne. In der Theorie und Praxis bei glatter See (die es bei Wind auf dem Atlantik aber nicht gibt…). Dann kommt aber eine Welle, das Boot schaukelt etwas. Somit steht die Genua in diesem Moment nicht mehr richtig im Wind, da sie durch die Bewegung Gegenwind bekommt, und fällt in sich zusammen. Schaukelt das Boot dann wieder in die andere Richtung, bekommt die Genua wieder Wind und bläht sich mit einem Schlag auf. Und das macht zum Teil ordentlich Krach. Zur Erklärung, unsere Mastspitze macht einen Weg von 3- 5m bei jedem Schaukel innerhalb von sehr kurzer Zeit was den „Gegenwind“ verursacht. Jetzt würden schlaue Leute oder erfahrene Segler wieder sagen: ja, wenn da aber jemand am Ruder steht, das kommen sieht, kann er ja schon gegensteuern?!?! Ja, schon. Das würde aber heißen, daß da 24 Stunden am Tag jemand hinter dem Ruder stehen müsste. Und wer macht das schon auf Langfahrt?

So geht es also durch die Nacht mit rollendem Boot und gelegentlichem Schlagen der Genua.

6. Tag

Sonnenaufgang – auch immer wieder schön

Es rollt und rollt und rollt. Der Wind steht wieder günstiger für Schmetterling. Also gesetzt und es wird etwas besser. Sonst wieder nix. Ach: bis heute noch kein Angelglück. Haben andere an dieser Stelle schon ihren 4. Fisch präsentiert, sind wir noch nicht mal bei Nummer 1.

7. Tag

Der Wind legt etwas zu, wir kommen etwas flotter voran. Und dann: „Walblas“. Sind wir wohl an einem schlafenden Wal keine 100m vorbeigefahren, leider viel zu schnell mit 7 Knoten, so daß wir wirklich nur ein paar kurze Blicke darauf werfen konnten. Endlich mal ein großer Wal!

Und es geht weiter: beim Kontrollblick stelle ich fest, daß der Spibaum an den Wanten anliegt und die Sicherungsleinen locker sind. Beim genauen Hinsehen stellt sich dann heraus, daß der Topnant-Beschlag sich am Spibaum gelöst hat und das ganze Gewerk nicht mehr richtig fixiert ist. Also: Genua reinholen und Spibaum bergen. Wieder eine Aktion bei Geschaukel. Wieder eine neue Aufgabe auf der To-Do-Liste des Skippers für den Hafen.

Kaum sitze ich im Cockpit und Jochen ist noch auf dem Vorschiff. „Die Angel rauscht aus!“ Ein Fisch? Endlich ein Fisch? Der Skipper an die Angel, kurzes Aufzittern – weg. Kein Fisch mehr dran, aber dafür noch der Köder. Wenigstens nicht auch noch den verloren.

Noch nicht mal 12 Uhr und schon so viel Aufregung.

Wieder ein kurzer Blick zur Genua. Da stimmt doch was nicht…Jetzt ist auch hier noch der Achterliekspanner defekt! Noch etwas auf der Liste für den Hafen.

Wir haben mit unseren neuen Segeln echt kein Glück…..

Der Nachmittag verläuft relativ ruhig. Dies wird unsere letzte Nachtfahrt werden. Ich fange gegen 17.30 Uhr gerade an, die Kartoffeln für unser Abendessen zu hobeln (Kartoffelpuffer) und das Cockpit liegt auch noch voll mit den ganzen Leinen, die wir abgebaut hatten, als die Angel erneut ausrauscht.

Jochen geht an die Angel – und tatsächlich ein Biss. Jetzt wird es wieder etwas hektisch….unser erster Fang?! Erst mal alles herholen, darauf waren wir ja gar nicht mehr eingestellt. Kescher und Gaff zum einholen des Fisches, Messer, Wasser zum Deck wässern, und, und… Die Angelschnur wird weiter eingeholt, ein erster Blick auf den Fang: es ist eine Goldmakrele, die am Köder genascht hat. Kurze Zeit später, der Fisch ist an Bord und auch entsprechend getötet. Und jetzt? Learning by doing. Wir haben noch nie selbst einen Fisch ausgenommen oder zerlegt, jetzt wird es lustig. Der Skipper kniet auf dem schwankenden Achterdeck (ist ja noch ordentlich Seegang) und schwingt fleissig das Messer. Es sieht zwar noch etwas unbeholfen aus, aber irgendwann ist der Fisch ausgenommen. Gleich noch überflüssiges abschneiden was man eh nicht isst. Geht doch!

Als Anfänger hat das doch etwas länger gedauert, da wo geübte Angler mal 10 Minuten für brauchen, sind wir über eine Stunde beschäftigt. Daher beginnt auch langsam die Leichenstarre. Daher Fisch in zwei Hälfte, ab in den Druckverschlussbeutel und in den Kühlschrank. Heute wird der eh nicht mehr zubereitet, die Kartoffeln sind ja schon halb gerieben und werden schon braun – ich muß jetzt dringend mal unser Abendessen fertigstellen, bevor ich es über Bord kippen kann. Morgen abend gibt es frischen Fisch.

Die Nacht verläuft wie die letzten Nächte auch und morgen werden wir endlich „Land in Sicht“ haben. Es ist heute Nacht Silvester. Da ich die Nachtwache habe und mich gegen 20.30 Uhr auf’s Ohr haue, verschlafe ich das natürlich und Jochen sitzt alleine im Cockpit. Ja, ist auch nur eine Nacht auf See wie jede andere, nur daß irgendein Frachter oder Fischer mal einen Funkspruch absetzt „Happy new Year“

8. Tag

Ja wirklich, da hinten im Wolkendunst zeichnet sich ein Gipfel ab. Kennt Ihr das Gefühl, wenn man das Ziel vor Augen hat und im „Segeltempo“ drauf zu fährt? Jochen scheint es nicht zu stören, ich werde eher unruhig – ich will jetzt endlich da sein!

Land in Sicht!!!!

Kurz vor den Inseln wird es wieder etwas ruppiger, da auch hier wieder der Düseneffekt des Windes zwischen den Inseln ist. Und auch der rasche Anstieg des Meeresbodens von über 4000 Metern auf jetzt nur noch 60 Meter macht sich in den Wellen bemerkbar. Doch Skipper Jochen schaukelt uns schön auf unser Ziel zu, das wir dann gegen den frühen Nachmittag erreichen.

Kurz vor dem Hafen die Segel bergen und die Marina anfunken, damit wir ein schönes Plätzchen bekommen. Was da los? Keiner antwortet. Na, dann halt doch vor der Marina ankern. Vielleicht ist noch Siesta? Gerade noch beim Boot aufklaren, kommt schon ein Dinghi angefahren, die uns begrüßen. Sie sind gerade auf dem Weg zum Baden und waren selbst etwas verwundert, daß die Marina nicht antwortet. Sie schauen mal, wenn sie wieder im Hafen sind und sagen den Jungs dort Bescheid.

am Ziel….

Egal, wir bleiben halt erst mal heute Nacht vor Anker, wir werden eh ziemlich bald schlafen. Heute gibt es dann Fisch zum Abendessen. Aber wie machen wir ihn? Wir entscheiden, daß wir den „halben Fisch“ so wie er ist, in die Pfanne werfen. Dauert zwar etwas länger, bis er durch ist, aber wir sparen uns dadurch das Filetieren.

Ich muß sagen, frische Goldmakrele ist echt lecker. Morgen gibt es dann den zweiten Teil des Fisches….

Aber darüber dann mehr im nächsten Beitrag.

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Gran Canaria

Gestartet zu unserem Törn nach GC sind wir ja von La Gomera aus. Bei ca. 110 sm hat es sich angeboten, noch einen Zwischenstopp im Süden von Teneriffa einzulegen. Die Ankerplätze auf den Kanaren sind ja jetzt nicht so üppig gesät, so fiel unsere Entscheidung auf Las Galettas, der unter den aktuellen Wetterbedingungen guten Schutz bieten sollte. Laut Beschreibung soll es hier vor der steinigen Küste auch eine Ecke mit Sandgrund geben, wo unser Anker auch halt finden sollte. Dort angekommen, war von der Sonne nicht allzu viel zu sehen. Den Untergrund vom Boot aus zu erkennen, war so nicht möglich. Sabine hat dann ihre Flossen angezogen, um sich ein Bild vom Wasser aus zu machen. Die erste Stelle, Fehlanzeige, nur Steine. Bei der zweiten und dritten ebenso. Schon bei dem Gedanken, uns eine andere Bucht zu suchen, suchte ich nochmal bei der Ankerplatzbeschreibung nach Infos, die eventuell die Ankerstelle genauer beschreiben. Hier bin ich zum Glück fündig geworden:  ein anderer Segler hat ein Bild direkt vor Anker gemacht, nicht nur die Landschaft drum rum. So war zu erkennen, wo er mit seinem Boot etwa lag und wo genau in dieser Bucht zu ankern ist. Anhand des Bildes dann noch ein letzter Versuch, und siehe da, Sandgrund. Der Ankerplatz war dann so gut, daß wir gleich 3 Tage geblieben sind. Jeden Tag mal ins Wasser springen zum Abkühlen und Schnorcheln, Seglerleben halt.

Da sich aber eine Wetteränderung angekündigt hat, mussten wir aber dann doch mal weiterziehen. Um das kurze, aber günstige Windfenster zu nutzen, war dann Anker auf um 22 Uhr angesagt, um über die Nacht nach GC zu kommen. Wir beschlossen nördlich der Insel nach Las Palmas zu kommen, die Strecke war 20 sm kürzer als „untenrum“. Hatte aber den Nachteil, daß wir bei Südwind, durch die Abdeckung der Insel auf der Nordseite unter Maschine laufen müssen. Da wir unseren Wasservorrat noch auffüllen mussten, konnten wir das gleich mit dem nützlichen verbinden. Wenn unser Wassermacher läuft, zieht der so viel Energie, daß der Motor / Lichtmaschine mitlaufen muss. Sabine hat dann die erste Nachtwache gemacht, da hier die Bedingungen noch sehr entspannt waren; in der zweiten Nachthälfte bzw. am Morgen sollte es, hervorgerufen auch durch den Düseneffekt zwischen den Inseln, dann etwas mehr Wind werden. Arbeiten am Segel fallen mir körperlich ja leichter als Sabine, und ich benötige hierfür nicht unbedingt eine zweite Person. Sabine müßte mich ja jedes Mal wecken, wenn etwas mit Kraft gemacht werden müsste. So sind wir auch gut durch die Nacht gekommen und am Vormittag an der Nordküste entlang motort. Zwischenzeitlich nochmal die Angel raus, um hier unser Glück zu probieren, als so nach einer Stunde „Fischalarm“ war. Die Schnur zog sich rasend schnell von der Rolle. Nachdem die halbe Rolle schon abgespult war und die Bremse der Rolle überhaupt keine Wirkung gezeigt hatte, schaltete ich unseren Vortrieb vom Boot mal ab. Die Schnur spulte weiter bis zum Ende, die Rute bog sich und ich dachte: „gleich fliegt mir alles um die Ohren“. Mittlehrweile ist auch das Boot zum stehen gekommen und ich konnte ein Stück der Schnur wieder einrollen, aber nicht wirklich viel. Bis wir dann das Übel gesehen haben, Fischerbojen. Wir sind zwischen zwei Bojen durch gefahren die wir im Sonnenlicht nicht gesehen hatten. Zwischen zwei Bojen hängt immer ein Netz, an dem wohl unser Angelköder hängen geblieben ist. So sind wir dann mit langsamer Fahrt zurückgesetzt, um dabei die Schnur einzuholen – nicht, daß diese noch bei uns in die Schraube gerät. Nachdem die Rolle wieder zur Hälfe mit der Schnur gefüllt war, war aber auch hier Schluss. Der Rest musste geopfert werden, leider, und so warten wir weiterhin auf unseren ersten Fang.

Wir sind dann weiter unter Motor Richtung Las Palmas, das uns kurz vor dem Ziel noch mit einer ordentlichen Welle begrüßt hat, die sich so im Laufe des Tages bei dem Wind aufgebaut hat, von der wir in der Abdeckung nichts mitbekommen hatten. Neben dem eigentlich sehr großen Yachthafen, (hier passen 1200 Schiffe rein) gibt es noch eine Ankerbucht im eigentlichen Hafen, wo auch die Großschifffahrt und Kreuzfahrtschiffe anlegen. Hier muss man vor Anker gehen, um sich anschließend im Hafenbüro anzumelden und die Wartezeit, bis einem ein freier Liegeplatz zugewiesen wird zu überbrücken hat!!! Nach fünf Tagen durften wir dann auch endlich in den Hafen umziehen. Schon der Wahnsinn, was hier los ist. Die Erklärung ist aber auch schnell dazu erzählt. Erstens ist es ein öffentlicher Hafen und damit recht günstig im Gegensatz zu den meist privat geführten Häfen. Und zum Zweiten gibt es hier eine sehr gute Infrastruktur, die es so auf den Kanaren kein zweites mal gibt. So liegen hier sehr viele Langzeitlieger oder solche, die noch das ein oder andere am Boot zu reparieren haben, so wie wir.

Zu einem stellten wir ja fest, daß unser AIS-Gerät nicht mehr richtig funktionierte. Zum anderen haben wir bei unseren ersten längeren Ankeraufenthalten nun festgestellt, daß unser Strombedarf bei etwas trüben Wetter nicht durch Solar und Windrad gedeckt wird. Das heißt: entweder Dieselmotor in der Ankerbucht laufen lassen oder einen Generator kaufen. Wir entschieden uns für den Generator, von den Unterhalskosten etwas günstiger (von der Anschaffung schweigen wir, das hätte viel Diesel gegeben). So haben wir nun auch ein Backup falls unser bordeigenes 230V System ausfallen sollte. Beides hier schnell gekauft, nur die Bordkasse ist in Tränen ausgebrochen. Parallel dazu haben wir uns nochmal dem Thema „Großsegel“ angenommen. Da unser Segelmacher aus D sich da etwas ziert und sich verleugnen lässt, haben wir einen örtlichen Segelmacher damit beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Seine ersten Aussagen geben uns Hoffnung, daß das dann endlich so funktioniert, wie es soll – und bestätigten bisher eigentlich meine Vermutung der Ursache. Dazu aber später mehr, wenn es wirklich so sein sollte, wie ich es als Laie angenommen habe – was der deutsche Segelmacher vehement abgestritten hat.

Lebensmittel auffüllen, bisschen die Stadt anschauen, Leihwagen organisieren und schwupps, war auch schon über eine Woche rum. Mit dem Leihwagen haben wir dann noch Besorgungen gemacht, die fußläufig nicht zu erreichen waren und natürlich sind wir zu ein paar Wanderungen im Inselinneren aufgebrochen, und schon war auch die zweite Woche vorbei.

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La Gomera – die wilde Insel

Die 55 sm von La Palma nach La Gomera waren in einer Tagesetappe gut zu schaffen, Wind und Wellen sollten soweit passen. Früh aufstehen war aber dennoch Pflicht, da wir noch vor dem Dunkelwerden ankommen möchten. Die Überfahrt war dann auch soweit ok, nur die Wellen waren zeitweise etwas unangenehm. Am Nachmittag hieß es dann, fest im Hafen von San Sebastian de la Gomera. Bei der Anfahrt auf La Gomera sieht diese Insel nicht anders aus, wie die anderen: karge, schroff aufragende Felswände. Und diese Insel soll grün sein? Ja, ist sie. Diese Insel hat genau wie La Palma ganz unterschiedliche Vegetationszonen. Nur ist La Gomera wilder und viel weniger besiedelt; wie in vielen Reiseführern beschrieben für Naturliebhaber, insbesondere Wanderer.

Erste kleine Erkundungsrunde im Städtchen, Leihwagen organisieren und den Badestrand auf Tauglichkeit testen waren dann die Aufgaben für den nächsten Tag. Den ersten Tag mit Auto verbrachten wir dann damit, unsere leere Gasflasche zum Füllen zu bringen und eine kleine Wanderung im Inselinneren zu unternehmen, die uns zu einem schönen kleinen Wasserfall geführt hat. Die Wanderung zu jenem war sehr schön, immer entlang dem Bachlauf (eher Rinnsal), nichts war wegetechnisch angelegt und entsprechend natürlich, was auch leichte Klettereinheiten über größere Steine bedeutete. Aber das macht eben den Reiz aus, nicht auf geraden und geschotterten Wegen zu laufen, sondern in der Natur zu sein. Auf dem Rückweg dann noch ein paar Lebensmittel besorgen und schwupps, war der Tag auch schon wieder rum.

Tags drauf konnte die Gasflasche wieder abgeholt werden und wir konnten zur Wanderung Nr. 2 aufbrechen, die uns in den Norden der Insel geführt hat. Die Landschaft gleicht dem Bild auf dem Mars – wie man es sich vorstellt: alles rote Erde, karger Bewuchs (hier wird wohl aktiv wieder angepflanzt); wie unterschiedlich die Insel auf solch kleiner Fläche sein kann. Hier auf den Kanaren immer wieder zu sehen, da doch keine Insel der anderen gleicht.

Nachdem wir uns nun schon etwas „eingelaufen“ hatten ging es dann am nächsten Tag zu einer etwas längeren Runde, die uns durch den Lorbeerwald führte, der auch Märchenwald oder Urwald von La Gomera genannt wird. Mit dem anschließenden Finale auf dem höchsten Punkt von La Gomera, den Alto de Garajonay mit 1487m Höhe. Eine Tour, die bei der mitlerweile herrschenden „Hitzewelle“, die gerade über die Inseln schwappt, recht angenehm zu laufen ist, da sie überwiegend im Wald verläuft. Unterwegs ging es auch mal mehrere Kilometer entlang an einem Bachlauf, dieser hätte auch einer von zu Hause sein können, Heimatgefühle kommen auf. Auch dies eine wunderschöne Wanderung mit vielen „Highlights“.

Solange wir den Leihwagen noch haben, wollten wir auch nochmal zu einer Wanderung aufbrechen, so langsam wird es anstrengend, lach. Aber der Wagen will ja genutzt werden und nicht auf dem Parkplatz vor dem Hafen sein Geld verdienen. Auf dem Plan stand eine Wanderung im Süden, die wieder den krassen Gegensatz der Insel zeigt. Es ist ein Wanderweg durch eine Schlucht (= Barranco), ohne wirklich viel Schatten, eigentlich gar keiner. Dann nur über und entlang von Felsen und das bei den Temperaturen und Sonnenschein ohne nur ein einziges Wölkchen, eigentlich zu warm. Für Sabine kam noch eine weitere mentale Erschwernis hinzu: der steile Abgrund neben dem Weg. Während der Weg durch dir Schlucht nach unten ok war, war der Schlussanstieg, der sich an einer Steilwand entlang hochschlängelte, eine Herausforderung für sich. Am Ende glücklich es geschafft zu haben, sind wir dann im Ort, der dann folgte, eingekehrt und haben uns ein Kaltgetränk gegönnt, bevor es die letzten Kilometer bis zum Auto gegangen ist.

Schließlich war dann nochmal Großeinkauf angesagt, bevor das Auto zurück gegangen ist. Der Rest vom Tag war dann Füße hochlegen und Flüssigkeitshaushalt ausgleichen angesagt und weil es so schön war, der nächste Tag auch noch. Unterbrochen nur durch Abkühlung im Hafenbecken, die 300m zum Strand wären zu anstrengend gewesen. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes im Hafen von San Sebastian galt es das Städtchen mal ein wenig weiter zu erkunden als bisher. So sind wir dann hoch zum Aussichtspunkt gelaufen, der einen schönen Rundumblick über Stadt und Hafen ermöglicht. Dazu muss man in den Garten einer Hotelanlage laufen, wird aber so geduldet wie uns gesagt wurde. So war es dann auch, der Ausblick wirklich schön, war das Hotel auch recht nett anzusehen. Wer also mal eine Bleibe für den nächsten Urlaub sucht…

Am nächsten Tag haben wir dann den Hafen verlassen und sind zu einem Ankerplatz aufgebrochen, um hier noch ein paar Tage das Seglerleben zu genießen. Ohne Handynetz und Internet – nur wenn wir es wollen: Starlink machts möglich. So verbringen wir hier jetzt ein paar Tage mit Blockeintrag schreiben, schwimmen gehen und die Seele baumeln lassen. Heute waren ein paar Wanderer in der Bucht, gestern noch eine andere Yacht, die aber nur kurz da war, bevor sie weitergezogen ist, vor der Küste zieht gelegentlich mal ein anderes Schiff vorbei. Mehr gibt es hier nicht zu erleben, was aber sehr schön und erholsam ist, wenn die sonstigen Tage so gefüllt sind. Und: man hat keinerlei Möglichkeiten, auch nur einen Cent auszugeben! Man lebt von den Vorräten die man hat und muß halt eventuell mal improvisieren. Das war es dann auch schon für die Tage.

So schmieden wir gerade einen Plan wie es bei uns weiter geht. Wie es ausschaut werden wir die nächsten Tage nach Gran Canaria weiter ziehen, um da dann über Weihnachten und Silvester zu bleiben, wir werden sehen.

Hier habt Ihr nun die gesammelten Impressionen von La Gomera aus unseren unterschiedlichen Unternehmungen:

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La Palma – la isla bonita

Der Hafen in Santa Cruz de La Palma (auf den Kanaren heißt auf jeder Insel eine Stadt irgendwie Santa Cruz…) ist eigentlich von einigen als recht schwellig und laut beschrieben, was wir bei unserer Ankunft so nicht bestätigen konnten. Die Schiffsbewegungen sind recht moderat im Gegensatz zu unserem letzten Hafen in Garachico und von Lärm keine Spur.

Nun, nach ein paar Tagen, können wir zumindest was den Schwell betrifft, hier eine Übereinstimmung feststellen. Es schaukelt und zerrt zwischendurch an den Leinen, daß man denkt, jetzt geht irgendetwas zu Bruch. Bei Ankunft hatten wir wohl eine etwas ruhigere Phase erleben dürfen, das Gegenteil kennen wir jetzt auch. Offensichtlich müsste alles sehr ruhig sein, der Yachthafen hat sogar ein Schleusentor, das nur geöffnet wird, wenn jemand rein oder raus möchte. Auf Nachfrage soll es eine Fehlkonstruktion in der Anlage geben, bei der die Unterwasser-Öffnungen, für den Wasseraustausch bei Ebbe und Flut zuständig, wohl etwas zu groß ausgefallen sind und so die Schiffsbewegungen im Hafen verursachen. Einen Krach durch die Fähren können wir so nicht bestätigen, ja man hört sie mal – aber das stört nicht. Vielmehr ist es so, daß hier auch Kreuzfahrtschiffe anlegen. Dann sollte man die Stadt meiden – etwas überfüllt. So erst einmal die Beschreibung unseres aktuellen Liegeplatzes.

Hatten wir hier im Vorfeld ja nur für 3 Nächte gebucht (sollte ja nur der Hafen zum Ausklarieren für die Weiterfahrt werden), war eine Verlängerung der Liegezeit dann kein Problem, da jemand anderes abgesagt hatte.

So sind wir erst mal mit dem Bus nach El Paso gefahren, um uns das ganze Ausmaß des jüngsten Vulkanausbruchs von 2021 anzuschauen. Beeindruckend und erschreckend zugleich, wenn man sich alte Satellitenbilder anschaut: wie dicht die Gegend doch besiedelt war. Stehen jetzt nur noch einzelne Gebäude inmitten des Lavastroms. An deren Rand sind einzelne Gärten zum Teil verschüttet, der eine Pfosten der Hofeinfahrt verdrückt, während diese aber noch problemlos passiert werden kann, Häuser an deren Fassade die Lava aus den Fenstern gelaufen ist und dann erstarrt ist, usw. Glück und Leid nur wenige Meter voneinander entfernt.

Bei unserer nächsten Wanderung sind wir von Santa Cruz aus gestartet, einfach den Berg hinauf. Nachdem die Beschilderung in den Häusergassen etwas zu wünschen übrig lies, wurde es dann nach dem Abzweig auf einen Pfad besser. Gut, die Möglichkeiten falsch abzubiegen war ja auch nicht mehr sooo groß. Auf den letzten Metern noch oben haben wir dann einen gigantischen Regenbogen beobachtet, der schnell immer näher gekommen ist. Eine Entscheidung musste her, weiter laufen, oder in das Restaurant einkehren, um den Regen auszusitzen. Wir entschieden uns für das Restaurant, in dem wir aber nur etwas getrunken haben. Der Blick auf das Essen der anderen Tische hat ergeben, daß wir hier wohl nochmal zurückkommen werden. Nachdem wir ausgetrunken und bezahlt hatten, sollte es weiter gehen. Der Blick vor die Tür sagt, es ist immer noch trocken und der Regenbogen steht immer noch da wo er zuletzt war, also weiter. Bei dem Höhepunkt des Wanderweges, einer sehr schönen Wallfahrtskirche, hat es dann leicht angefangen zu regnen. Wir sind dann weiter, da es ab jetzt nur noch bergab gegangen ist. Bis wir zurück am Schiff waren hat es immer wieder mal aufgehört und angefangen, zum durchweichen hat es nicht gelangt.

In der Zwischenzeit haben wir uns auch einen Leihwagen besorgt, mit dem wir bei einem Einkauf unsere Vorräte aufgefüllt haben und zu unseren nächsten Wanderungen aufgebrochen sind. Erst zu einem Wasserfall bei dem wir anschließend noch bis zu einem Aussichtspunkt weitergelaufen sind. Und am nächsten Tag eine Gipfeltour zum PICO BEJENARO, beides sehr schöne Touren die zu empfehlen sind.

Am Tag darauf wurde dann ein Erholungstag angesetzt, da die Gipfeltour ganz schön an unseren Kräften gezehrt hat. Zur Belohnung ging es dann am Abend mit unseren Bootsnachbarn Geli und Hans von der Bijou zu unserem Restaurant von der Wanderung über Santa Cruz. Was sollen wir sagen, es war genau die richtige Entscheidung. Fleisch gegrillt über dem Holzkohlegrill, ein Genuss. Von dem Preis-/Leistungsverhältnis ganz zu schweigen. Hans und ich haben uns ein Steak von ca. 1 kg geteilt, nachdem die Bedienung gesagt hatte, daß das Steak zu groß (für Hans alleine) ist, wir wurden auch beide satt. Bei uns zu Hause hätte man für das Steak soviel bezahlt wie wir mit 4 Person gegessen und getrunken hatten.

Zu Hans und Geli muß gesagt werden, daß die beiden auch stolze Besitzer einer „Van de Stadt“ sind. So kam der erste Kontakt überhaupt zustande, man spricht sich ja an und fragt, was hast Du für ein Boot. Und wenn als Antwort der selbe Konstrukteur rauskommt, da ist man doch gleich näher zusammengerückt. Welch eine Freude und natürlich reger Austausch über die jeweilige Technik (vornehmlich durch die Herren der Schöpfung – die Mädels schlürfen da lieber gemeinsam am Eierlikör).

Tags drauf, war dann eine Wanderung mit Geli und Hans angesagt. Da Geli erst noch einen Oberschenkelhalsbruch auszukurieren hatte, sollte es etwas moderater zugehen. So hatten wir gesagt das wir mit beiden Autos fahren und eines am Zielpunkt abstellen und so die Strecke nur einfach laufen. Auf dem Weg zu dem Zielparkplatz dann die Ernüchterung, eine Schranke die nur mit Genehmigung passiert werden kann. So sind wir dann zurück zum Besucherzentrum, um eben jene zu besorgen. Hier dann die Aussage, es gibt keine mehr für heute. Nach kurzer Beratschlagung sind wir dann mit einem Auto bis kurz vor die Schranke gefahren um, dann von da aus die Wanderung zu starten. So konnten wir zwar nicht den kompletten Weg laufen, sind dafür das Stück natürlich hin und wieder zurückgelaufen. Auch Geli hat tapfer durchgehalten, Chapeau – Hut ab.

Uns gefällt diese Insel wirklich außerordentlich gut. Von üppigen, feuchten Lorbeerwäldern über Kieferwälder und von der Lava zerstörte Natur.

Gestern haben wir nochmals unseren Liegeplatz verlängert, da zum eigentlichen Abreisetermin recht viel Wind vorhergesagt ist. Im Anschluss musste natürlich auch der darauffolgende Liegeplatz wieder verschoben werden. Noch ein letzter Einkauf, bevor morgen das Leihauto zurück geht – und ein Abendessen hatten wir dann auch noch organisiert. Mit den Crews der anderen Schiffe aus dem TO-Verein, es war ein sehr schöner Abend unter Gleichgesinnten.

Zum Abschluss auf La Palma, haben wir dann noch eine Wanderung unternommen. Schauen wo eine Bushaltestelle ist und von da aus los und irgendwo wieder ankommen, wo man mit dem Bus wieder zurück kommt. Gesagt – getan. Der Weg, den wir auf einer Wander-App gefunden hatten, war nicht als Wanderweg ausgeschildert, also einfach mal drauf los. Der Weg entpuppte sich als eine der vielen Wasserleitungen, die auf den Inseln mal angelegt worden sind. Ob jener noch aktiv genutzt wird, hat sich nicht rausfinden können. Der Weg war durchweg nicht breiter wie einen Meter und hat mit der einen oder anderen Überraschung auf sich aufmerksam gemacht. Von dichtem Unterholz, umgestürzten Bäumen, Erd- und Steinrutschen war alles dabei und es wurde nicht langweilig. Aber man bewegte sich inmitten ansonsten unberührter Natur, einfach traumhaft. Die einzigen Leute auf dem Streckenabschnitt waren jeweils zum Anfang und Ende zu sehen, es waren Einheimische, die Kastanien gesammelt haben. Der zweite Teil ist dann wieder über einen offiziellen Weg gegangen, auch schön, aber anders.

Außerdem hatten wir festgestellt das unser AIS-System, (das, wo ihr auf den diversen Traffic-Apps zu sehen bekommt, wo wir uns gerade befinden), wohl keine Daten mehr sendet. Auch hier wieder einige Anrufe und Mails mit Daten schicken, um dann die Aussage vom Hersteller zu bekommen, Gerät defekt. Mal schauen wie es da jetzt weiter geht, die Garantie ist natürlich gerade abgelaufen, vielleicht geht ja was auf Kulanz.

Ganz schön stressig so ein Seglerleben.

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Gastbeitrag zu Abfahrt Hamburg

Erstmal zu meiner Person: mein Name ist Christopher, ich habe neulich vor über 8 Jahren den Jochen bei der Arbeit kennenglernt und aus Kollegen wurden Freunde.

Nachdem ich ja auch, seit ich denken kann, unter Segel unterwegs bin, war ich von Anfang an Feuer und Flamme für das Projekt und war begeistert von diesem Vorhaben.

Als der Termin näher rückte, wollten ein paar Arbeitskollegen und ich die beiden in der Ostsee ein Stück begleiten und verabschieden; aber dieser Plan wurde dann durch ein paar Verzögerungen und das Umlegen des Schiffes nach Hamburg durchkreuzt.

Ich habe den beiden immer gesagt, falls ich kein Schiff auf die Schnelle bekomme, um Euch ein Stück zu begleiten, möchte ich wenigstens den letzten Festmacher beim Ablegen übergeben. Da sagte der Jochen ja glatt: Segel doch ein Stück mit, wir haben nichts dagegen. Ich habe sehr lange und gründlich überlegt, ob ich dieses Angebot annehme und nach 0,05sec kam meine Antwort ja klar!!! Ich bin dabei!

Dann bekam ich den Anruf vom Jochen es geht los. Ich sofort Urlaub eingereicht für die nächste Woche und dann voller Vorfreude Richtung Hamburg gefahren mit einem kleinen Zwischenstop in Bremen.

Tag 1 Auf der JoSa

Als ich frühs in dem kleinen verschlafenen Hafen ankam wurde ich erstmal sehr herzlich begrüsst und habe mit Sabine und Jochen noch eine Kleinigkeit gefrühstückt.

Beim Frühstück wurde der Plan besprochen: der Ofenbauer kommt, macht die Bleche fertig, dann legen wir ab. Soweit der Plan. Es hat sich relativ schnell herausgestellt, das der besagte Ofenbauer nicht kommt. Also ab in die Arbeitsklamotten und mit Jochen in die Werkstatt; als hätten wir nicht die letzten Jahre genug zusammen geschraubt. War aber nochmal schön! Die Bleche angepasst und gebohrt und zum Teil auch montiert. Unser Zeitfenster war sehr eng, weil ja alles von Ebbe und Flut abhängt. Also Bleche soweit vorbereitet, aus den Arbeitsklamotten raus, Händewaschen und Ablegen.

Also dann kam das Kommando: klarmachen zum Ablegen! Wieder umgezogen und jeder war auf seiner zugewiesenen Station. Es verlief alles reibungslos, trotz der engen Gegebenheiten im Hafen. Als wir in die Schleuse eingefahren und wieder ausgefahren sind, habe ich die beiden mal beobachtet und die konzentrierten Gesichter gesehen und habe festgestellt, daß die beiden noch gar nicht realisiert haben, was hier gerade passiert (jeder der mich kennt weiß, daß ich eine lustige, flapsige Art habe) Da habe ich mal das Wort ergriffen und gesagt: ihr habt doch momentan gar nicht begriffen, was hier gerade passiert! Ihr habt soeben eure WELTREISE begonnen die beiden schauten mich an und mussten sofort wie ein Honigkuchenpferd grinsen und lachen.

Während wir über die Elbe tuckern unter zur Hilfenahme vom Joggel (Motor) haben wir interessante große Schiffe gesehen: Frachtschiffe, die richtig imposant sind und wenn man da vorbeifährt, kommt man sich winzig vor.

Der erste Stopp war bei Glückstadt: angelegt und erstmal ein Anlegebier getrunken (ja, sogar Jochen hat zur Feier des Tages Eins getrunken). Danach noch in der Stadt rumgeschlendert und dann was Essen gegangen. Es war ein schöner Abend und wir haben sehr viel gelacht.

Ich habe dann auch die Bugkoje bezogen und durfte mit der Kuchenbude und dem Blister kuscheln die da so gelagert waren.

Tag 2 auf der JoSa

Das morgendliche Ritual beim Segeln: aufstehen, frühstücken, Zähne putzen, fertigmachen zum auslaufen. Aber alles sehr gemütlich. Nachdem das Wetter beschissen war, war ich dann schon im kompletten Ölzeug dagestanden und den Südwester aufn Kop. Sabine hat mein Südwester und mein Aussehen sehr gefallen, so eingepackt wie ein Michelin-Männchen.

Da kam die Frage: wollen wir wirklich den ganzen Tag durch den Regen fahren. Nach kurzer Überlegung wurde entschieden: wir machen einen Hundetag, das Heißt es wird sich ausgeruht und nur die nötigsten Bewegungen werden durchgeführt. Wir haben viel geschlafen und gegessen. Am Abend sind wir dann noch in eine kleine feine Kneipe gegangen, wo wir dann bei strömenden Regen den Tag ausklingen gelassen haben.

Tag 3 auf der Josa

Ablegen nach Cuxhaven: gesagt, getan. Das Wetter hat gepasst und auf los geht’s los.

An diesem Tag war alles schön: die Sonne hat geschienen, es gab Wind. Also alles im grünen Bereich ich durfte auch mal wieder ans Steuer und habe wieder mal die Gewalt von Ebbe und Flut gespürt: die Strömung. Es ist wirklich heftig, wie diese 3 Knoten Strömung das Schiff versetzen. Was mich gewundert hat, ist, daß Jochen mir ja blind vertraut hat und ich natürlich mir es nicht habe nehmen lassen, beim Aufkreuzen ein bissel sportlicher die gute Josa zu bewegen. Als wir dann fast die Fahrwassertonnen berühren konnten, wurde ich dann aber doch wieder ein bissl eingebremst; aber sie hat sich sooo schön fahren lassen. Nach dem Skipperwechsel kurz vor der Einfahrt in den Hafen von Cuxhafen: war sehr spannend, wie Jochen das Schiff im ca. 40 Grad-Winkel vorgehalten hat und wir mit ordentlich Fahrt in den Hafen eingelaufen sind und wieder mal erfolgreich angelegt haben. Natürlich durfte das Anlegerbier mit Sabine nicht fehlen, Jochen hat mit seiner Spezi angestoßen.

Die beiden haben mich gefragt, ob ich noch mit nach Helgoland am nächsten Tag segeln möchte. Ich habe lange überlegt und (jetzt leider im Nachhinein) dankend abgelehnt (ich könnte mir in den Arsch beißen), da die Fähre erst nachmittags wieder zurück fahren würde. Somit ca. 2 Std Fähre, dann mit dem Zug zurück nach Hamburg 1,5 Std fahrt und schlussendlich mit dem Auto 5-6 Std. wieder zurück nach Würzburg, und schließlich am nächsten Tag wieder arbeiten: das wäre ein bissel knackig gewesen. Aber gut: meine Entscheidung ist gefallen ich werde die beiden morgen verlassen. Sind noch schön was Essen gegangen und ich habe noch einen schönen Cocktail getrunken, bevor wir wieder zurück zum Schiff sind und uns hingelegt haben.

Tag 4 Auf der JoSa

Aufgestanden und ich habe meine 7 Sachen gepackt: Schlafsack zusammengerollt und mein Hab und Gut in meinem Rucksack verstaut. Um die Mittagszeit rum habe ich mich von den beiden verabschiedet und habe ihnen erzählt, daß die JOSA in der Nacht mit mir geredet hat:

„Wenn Sie mich vor dem Land beschützen, beschütze ich die beiden vor dem Wasser“.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, daß nicht die ein oder andere Träne gelaufen ist bei mir. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht noch was für Sabine hätte: habe meinen Rucksack aufgemacht und meinen knallgelben Südwester rausgeholt und habe ihn Ihr geschenkt mit den Worten: Wenn du irgendwann völlig durchnässt am Ende Deiner Kräfte den Niedergang runterkommst, den Südwestern vom Kopf reisst und ihn in die Ecke feuerst, dann denke an mich und wie viel wir die 4 Tage gelacht haben (Anmerkung der Redaktion: nicht zu vergessen die Notration Leberkäs im Glas😉).Habe den beiden Eine gute Reise gewünscht und bin über die Dünen Richtung Hauptbahnhof gelaufen, als ich plötzlich ein Signalhorn hörte. Ich drehte mich Richtung Hafen um und sah Jochen und Sabine auf Deck stehen und mir ein letztes Mal zuwinken (Gänsehautmoment, mir ist es durch alle Gliedmaßen gefahren)

Chris

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Pläne, welche Pläne?

Die Pläne eines Seglers sind bei Ebbe in den Sand geschrieben. Diesen Spruch haben wir schon des Öfteren gesagt und er bewahrheitet sich mal wieder. Seit Ankunft auf La Palma haben wir uns auch entschieden, unsere Pläne etwas zu ändern:

Bisher hegten wir die Absicht, noch heuer über den Atlantik nach Brasilien zu fahren, um im „heimatlichen Winter“, dem Sommer auf der Südhalbkugel, um Kap Horn zu fahren. Dies würde für uns jetzt jedoch wieder Zeitdruck bedeuten und wir müssten die lange Südamerikanische Küste (die übrigens länger ist als die Atlantikpassage!!) im Eiltempo passieren.

In einigen Gesprächen mit Andrea und Dirk, die ausgemachte Südamerika-Fans sind und hier schon viel mit dem Wohnmobil bereist haben, kam dann die Anregung: bleibt doch den Winter über hier und fahrt im nächsten Jahr nach Brasilien. Dann könnt Ihr die Küste entlangfahren, könnt Brasilien und Argentinien gemütlich mitnehmen und der Druck wäre raus. Das war ja die ganze Zeit unsere Angst, immer nur Vollgas geben, um irgendwelche Ziele zu erreichen: schnell über den Atlantik, die Küste runter um dann rechtzeitig, der Jahreszeit entsprechend, in die anspruchsvolleren Segelregionen anzukommen und dabei nichts von Land und Leute mit zu bekommen. Nachdem wir jetzt durch die zwei Wochen hier auf Teneriffa endlich da angekommen sind, wo wir hinwollten – Zeit lassen, und eben Land und Leute kennenzulernen, genießen – haben wir uns entschlossen: genau so machen wir es. Wir bleiben jetzt erst mal den Winter über hier und tingeln die Inseln ab, so wie wir es ursprünglich mal vorgesehen hatten.

Jetzt müssen wir nur noch schauen, ob es irgendwo auch noch freie Liegeplätze gibt, Ankerplätze gibt es auch nicht wirklich viele. Die paar Tage hier auf La Palma waren eigentlich nur im Vorfeld gebucht worden, um aus der EU auszuklarieren und dann weiter. Aber das hat sich jetzt ja geändert, zwei Tage konnten wir hier jetzt noch dranhängen. Vielleicht sagt ja noch einer eine Reservierung ab, wir hoffen. Wir hoffen auch, daß sich die Situation auf den Kanaren ändert, wenn die ARC mal gestartet ist. Wie schon mal erwähnt: Die ARC ist eine große organisierte „Segelregatta“, an der so an die 300 Boote auf einmal über den Atlantik starten, dann sollte ja der ein oder andere Liegeplatz wieder frei werden.

Rückblickend sind wir aber auch froh, daß wir diese Entscheidung erst auf den Kanaren gefällt haben. Segelbekannte die sich schon an der spanisch / portugiesischen Küste Zeit gelassen haben, hängen da fest, da das Wetter im Nordatlantik seit Wochen tobt und an eine Weiterreise nicht zu denken ist.

Wie wir es bereits immer im Vorfeld gesagt haben – „kann sich alles ändern“. Und wer vor hatte, uns mal zu besuchen, kann das ja jetzt gerne tun, die Wege sind ja jetzt noch „kurz und günstig“.

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mal Pause, die Zweite – Teneriffa

Nach der letzten zugestandenen Verlängerung unserer Liegeplatzzeit konnten wir nochmals um einige Tage verlängern, da wieder Welle angesagt war, bei der wir nicht rausfahren konnten. Jetzt waren wir insgesamt 14 Tage in Garachico auf Teneriffa gelegen und haben hierbei dann im Hafen auch noch ein zweites deutsches Gastboot begrüßen dürfen. Dirk und Andrea von der Southeast haben direkt gegenüber unseres Bootes festgemacht.

Wir haben dann auch gemeinsam einiges unternommen. So waren wir zusammen in der Höllenschlucht. „Barranco del Infierno“. Eine Schlucht, für die ein satter Eintritt von 11 Euro genommen wird für einen fest gebuchten Starttermin, damit man einen Helm auf den Kopf bekommt und selbst bis zum Ende der Schlucht zum Wasserfall und wieder zurücklaufen darf. Am Wasserfall soll man sich höchstens 10 Minuten aufhalten und wieder umkehren. (wegen Steinschlaggefahr und begrenzter Zeit). Es war trotzdem eine schöne Tour, in der sich die Vegetation in der Schlucht merklich verändert hat. Auf etlichen Schildern wurde über die Tier- und Pflanzenwelt informiert. War es am Anfang noch eher karg und spärlich, wurde es nach hinten hin feuchter und üppiger. Der Wasserfall war eher ein Fällchen aufgrund des fehlenden Wassers und der aktuellen Trockenperiode.

Wenige Tage später kam dann die Anfrage, ob wir mit Wandern gehen würden, Andrea hätte da eine Tour im Teide-Nationalpark ausgesucht von ca. 4,5 Stunden Wanderung bei ca. 600 Höhenmetern. Diese Tour wäre laut Touristinformation schön für den Nachmittag zu laufen.

Also sind wir morgens um 10 Uhr losgefahren und sind erst einmal noch eine schöne Autostrecke auf einem Bergkamm entlang gefahren, bei der es viele schöne Ausblicke gab. So eine Strecke zieht sich hier auf Teneriffa dann auch etwas, denn man rast bei den vielen Serpentinen mit maximal 60 km/h dahin. Aber wunderschön. Es gab als Zwischenstopp dann noch einen guten Kaffee unterwegs und schon wurden die Wanderschuhe geschnürt. Es sollte eine Temperatur von 14 Grad haben, also mal mehrere Schichten und Regenjacke einpacken, wir sind ja schließlich auf 2000 Meter Höhe. Aber na ja, die Kanaren halt. Von kühlen 14 Grad waren wir weit entfernt und so haben wir bei 21 Grad vor uns hin geschwitzt.

Ging es anfänglich noch moderate Wanderwegen entlang, änderte sich das Ganze dann doch in bergauf auf schmalen Pfaden, die aber gut zu gehen waren. Dann denkst Du, jetzt bin ich oben…..nach der nächsten Biegung geht es wieder bergauf. Mit wunderbaren Ausblicken auf die dichte Wolkendecke, die unter uns lag. Einfach traumhaft!

Aber jeder Berg hört mal irgendwo auf und wir waren wirklich auf dem Gipfel des Guajara auf 2718 Metern (der Dritthöchste Gipfel der Insel) mit einem tollen Blick auf den Teide, der da noch mal 1000 Meter höher ist. Es war jeden Schweißtropfen wert.

Abwärts ging es dann durch eine Schlucht, wo man denkt, da geht es doch nicht weiter! Aber wirklich, auch hier ein schmaler Pfad am Fels entlang, vorbei an Kiefern, über große Steinstufen.

Und Punktlandung! Nach genau 4 Stunden 30 Minuten und 29 Sekunden waren wir wieder am Ausgangspunkt. Noch nie hat eine Zeitangabe für eine Wanderung so genau gepasst. (unsere Pausen inclusive). Sind wir es von Deutschland doch gewohnt, daß da immer viel zu viel Zeit steht.

Es war ein schöner, aber auch anstrengender Tag.

Was haben wir uns noch angeschaut? Wir waren am westlichsten Punkt Teneriffas, am Punta de Teno mit seinem Leuchtturm. Dorthin kann man nicht mit dem Auto fahren. Die entsprechende Straße darf nur von den Bussen, Taxis oder per Fahrrad oder zu Fuß genutzt werden. Also haben wir ab der Straßensperrung den Bus genommen. Dieser fährt im Stundentakt hin und zurück. Hin – eine Stunde schauen – zurück. Das passte bei uns ziemlich genau und wir hatten keine „Durststrecke“. An dieser Busstation gibt es noch einen Wanderweg, der über den Bergkamm führt. Diesem sind wir dann noch eine halbe Stunde nach oben gefolgt, um uns selbst noch etwas zu bewegen. 30 Minuten bergauf – uff. Wieder ordentlich durchgeschwitzt – aber schön. Wir sind dann wieder umgekehrt, nicht daß wir dann im Dunkeln noch irgendwo rumstolpern und Verluste zu verzeichnen hätten.

Punta de Teno:

Wanderweg

Auch haben wir es noch geschafft, in unserem Garachico den Wanderweg PR43 den Berg hoch zu laufen in das darüberliegende Örtchen San Juan del Reparo. Das waren dann auch gleich 480 Höhenmeter auf ca. 4 km hinauf. Also auch ganz ordentlich für mal so zwischenrein. Von diesem Höhenweg hatten wir schöne Ausblicke auf unseren Hafen und den gesamten Ort.

Die letzten 2 Nächte in Garachico waren sehr, sehr kurz. Wir hatten Vollmond, was bedeutet, daß die Tiden stärker ausgeprägt sind. Hat man normalerweise 2 Meter Tidenhub, kommt da dann nochmal was drauf. Und das Wasser kommt dann auch stärker in den Hafen reingedrückt. Dazu die Fallwinde vom Berg herunter, ergab ein sehr starkes Geschaukel im Hafenbecken. Die Fender quitschen, die Festmacherleinen scheuern und rucken stark, wenn sich das Boot hin- und herbewegt. Da wir immer gegen Abend auflaufendes Wasser hatten, fing das Ganze halt immer zur Bett-Geh-Zeit an. Und erst mit Erreichen des Hochwassers, wenn die Tide dann wieder fällt, hörte das Ganze auf und wurde erträglicher. Das war halt immer so ab 2 Uhr in der Nacht. Bis dahin war an Schlaf eigentlich nicht zu denken.

Die größten Sorgen machte ich mir eigentlich über das Auslaufen aus unserem Hafenbecken. Für den Abreisetag nach La Palma war erst mal null Wind mit 2m Welle und später ca. 14 Kn und Welle von 1,7 mtr angesagt. Aber der Skipper hat uns gut rausgeschaukelt, nachdem wir im Hafenbecken Kreise gedreht haben, bis alle Fender und Leinen sicher verstaut waren, damit das nicht draußen auf der Welle geschehen muß. Im Bild oben könnt Ihr vielleicht erkennen, wie schmal die Einfahrt wirklich ist. 2 Booten aneinander vorbei wird nicht funktionieren.

Wir sind dann losmotort in Richtung Westen, die Dünungswelle war schon ganz ordentlich, aber kam in relativ angenehmen Abständen, so daß es gut fahren ging. Nach der kurzen Nacht habe ich mich nochmals hingelegt, bis des Skippers Frage kam „schläfst Du schon?“ Er hatte den Wind gefunden, also nochmals raus und gemeinsam Segel gesetzt. Nachdem ich 2 Stunden geschlafen hatte, legte sich der Skipper nochmals aufs Ohr. Als er dann wieder auf Deck war, ging dann das Vibrieren unseres Großsegels wieder los. Dies passiert anscheinend immer, wenn der Wind ungünstig auf die Vorderkante des Segels auftrifft. Also wieder schauen, wo wir da noch rumzippeln können, daß das besser wird. Bis zu einer gewissen Windstärke kann man das durch die Segelstellung auch etwas ausgleichen, bei starkem Wind ist da nix zu machen.

Der Wind hat sich natürlich nicht an die Vorhersage gehalten. Die Stärke legte permanent zu, so daß wir vor La Palma mit 28 – 32 Knoten Wind und entsprechend ordentlich Welle dahingerauscht sind (mit ordentlichem Krach vom vibrierenden Großsegel). Zum Glück sind wir gleich stark gerefft losgefahren, wobei wir eigentlich noch hätten ins 3. Reff gehen müssen. Da wir aber wußten, wir sind gleich da, hat der Skipper das Ganze ausgesessen und das Ruder geführt.

PS: wir hatten unser Segel ja in Teneriffa  nochmals beim Segelmacher, aber wie Ihr gelesen habt, ist keine Besserung eingetreten. Es vibriert immer noch – diese Baustelle ist also auch noch nicht abgeschlossen.

Das Positive daran: wir waren wesentlich schneller da, als geplant.

Vor der Hafeneinfahrt Santa Cruz de La Palma kam dann zum Glück etwas Landabdeckung, so daß wir plötzlich von 28 Knoten Wind auf quasi null Wind und wenig Welle trafen. So konnten wir die Segel ohne großen Stress bergen und in den Hafen einfahren.

Und nun sind wir in Santa Cruz de La Palma….

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mal Pause – Teneriffa

wie wir schon im vorigen Beitrag erwähnt haben, war unsere erste Nacht auf Teneriffa vor Anker in einer Bucht im Nordosten Teneriffas. Wir hatten etwas Schwell (ständige Bewegung des Bootes), aber alles in allem waren wir gut gelegen und haben eine ruhige Nacht verbracht.

am nächsten Morgen ging es dann weiter in den Nordwesten der Insel. Wir hatten ja im Hafen von Garachico telefonisch (und mit Mailbestätigung danach) einen Platz für 6 Nächte reserviert. Laut Wettervorhersage sind wir davon ausgegangen, daß wir die gesamte Strecke unter Motor fahren werden müssen….

Aber die Kanaren wären nicht die Kanaren, wenn hier eine Windvorhersage passen würde. Wir hatten auf dieser Strecke wirklich alles abwechseln – von Wind von Hinten über absolute Flaute bis Wind von Vorne – wir sind aber wirklich nur in eine Richtung gefahren und haben keine Kreise gedreht!!! Man nimmt es wie es kommt und ändert halt dann auf so einer eigentlich recht kurzen Strecke (40 sm) ständig was an den Segeln. Rauf, runter, raus, rein, kleiner, größer, von Steuerbord nach Backbord und umgedreht.

Vor der Hafeneinfahrt von Garachico hatte ich etwas Respekt. Dies ist wirklich ein sehr kleiner Hafen, der fast nur von einheimischen Dauerliegern benutzt wird mit einer noch kleineren Einfahrt, gemeint ist hier eine sehr schmale Spur. Aber da kaum Welle vorhanden war, ging alles gut.

Aber es kam, wie es kommen mußte. Von meiner Reservierung wußte der wachhabende Sicherheitsdienstmitarbeiter gar nix und wollte uns erklären, daß der Hafen voll ist und ich ihn hätte anfunken sollen. Tja, wir wußten, daß am Sonntag kein Hafenmeister da ist, also haben wir erst gar nicht gefunkt. Wer sollte da auch ran gehen. Wir wußten nicht, daß der Sicherheitsdienst das mit abarbeitet. Nachdem wir ihm dann klar gemacht hatten, daß wir telefonisch reserviert hatten und auch eine Mail hinterhergeschickt hätten, rief er dann seinen Hafenmeister an. Vor allem die Bemerkung, daß wir für 6 Nächte reserviert haben, hat dann wohl gezogen…Ergo: wir durften von der bösen Kaimauer verlegen in eine Minibox, die eher für Schiffe bis 10 Meter gedacht ist, als für unsere Dicke. Aber wir liegen.

Am nächsten Morgen war dann der Hafenmeister da und wir haben die Registrierung durchgeführt und aus den 6 Tagen gleich mal 10 Tage gemacht. Wir haben das Glück, daß wir in einer Box liegen, deren Dauermieter momentan nicht da ist. So, jetzt liegen wir mal und organisieren uns jetzt ein Auto, damit wir mobil sind und etwas von der Insel sehen können, ohne immer Bus zu fahren.

Garachico gilt als eine „der schönsten Orte“ Spaniens. Ja, es ist wirklich nett und unser Hafen ist so was von ruhig. Wir sind auch so ziemlich die einzigen, die hier als Besucher liegen.

Hier einmal ein paar Impressionen aus unserem Hafen und unserem Örtchen

Wir haben jetzt auch schon einige Touren über die Insel unternommen. Zuerst sind wir mit unserem Auto quer durch den Teide-Nationalpark gefahren. Auf der entsprechenden Zufahrtsstraße sind wir durch das Waldgebiet gekommen, welches heuer im Frühjahr einen verheerenden Waldbrand hatte. Viele Bäume sind hier schwarz verkohlt – aber sie sind robust und werden sich wieder erholen. Lediglich das Unterholz ist leider komplett vernichtet und braucht seine Zeit, bis es wieder nachgewachsen ist.

Der Teide Nationalpark ist einfach toll. Ich mag einfach karge Flächen, auf denen nur die Hartgesottenen wachsen. Kein Wunder, daß hier die Mondfahrzeuge ausprobiert werden und schon etliche Filme in dieser Kulisse gedreht wurden. Wir hatten das Glück, daß wir hier an einem Tag hochgefahren sind, an dem absolut bestes Wetter war. Kein in Wolken verhüllter Berg – alles klare Sicht.

auch dem Loro Parque haben wir natürlich einen Besuch abgestattet. Ich bin ja immer etwas zwiegespalten, was Zoo’s betrifft. Auf der einen Seite sind sie gut, um Arten zu erhalten und den Menschen die Möglichkeit zu geben, diese einmal in Natura zu sehen, auf der anderen Seite ist das halt leider oft nicht sehr artgerecht, wie die Tiere gehalten werden, vor allem was die Größe der Gehege angeht.

Beim Loro Parque bin ich definitiv positiv gestimmt. Diese züchten vor allem viele gefährdete Papageien, Sittiche und Kakadus und haben es schon geschafft, zwölf Arten vom Aussterben zu schützen. Die Stiftung engagiert sich weltweit an vielen Projekten, um Tierschutz aktiv zu fördern und zu betreiben. Wir haben hier einen sehr informativen Tag verbracht und uns alle angebotenen Shows angesehen, bei denen es vor allem darum geht, etwas Wissen an die Besucher zu vermitteln und den Tierschutz voranzutreiben.

Ja – es war eine Delphinshow und eine Orcashow dabei. Aber nicht so, wie man es von Seaworld oder solch großen Tierparks kennt. Es war sehr gemäßigt, max. 20 Minuten mit vielen Videoeinspielern. So z.B. konnte man erfahren, daß die im Loro vorhanden Orcas bis auf eine Dame alle in Gefangenschaft geboren wurden. Die einzig „freie“ Orcadame wurde als Kalb alleine auf See aufgefunden, halb verhungert und kurz vor dem Verenden. Es wurde dann festgestellt, daß sie taub ist und daher ihre Familie und andere Wale gar nicht hören kann und entsprechend keinen Anschluss finden kann. Und nur durch die Unterbringung im Loro und Einbindung in das bestehende Rudel konnte ihr Überleben gesichert werden.

Im Loro kann man auch die Medizin- und Laborabteilung sehen. Hier wird hinter großen Fenster gearbeitet, so daß man von außen zusehen kann.

Die Anlagen sind super schön naturnah gestaltet – auf alle Fälle besuchen, wer mal nach Teneriffa kommt. Die Preise für die Verpflegung im Park selbst fanden wir sehr human, sind wir es doch gewohnt, daß da bei uns zu Hause ordentlich hingelangt wird – dafür ist hier der Eintritt mit 42 € pro Nase schon hoch.

Geplant war ja, daß wir hier nur bis Dienstag im Hafen bleiben. Jedoch war für den gestrigen Sonntag extrem hohe Welle angekündigt. Diese sollte bis zu 6 Meter Höhe auf die Nordseite Teneriffas auftreffen. Es wurde im Örtchen auch alles darauf eingestellt. Das Naturschwimmbecken wurde abgesperrt, die Gastronomen direkt an der Mole haben ihre Bestuhlung sicher verräumt. Unsere Hafeneinfahrt ist bei so einer Welle nicht zu passieren. Hier wird empfohlen: nicht mehr als 1,5 Meter Welle und selbst das sehe ich sehr kritisch (bin halt ein Angsthase). Ergo können wir da am Dienstag auf keinen Fall raus. Frühestens am Mittwoch oder Donnerstag – also heute am Montag nochmals zum Hafenmeister. Unter Mithilfe von Andrea (wir haben zwischenzeitlich ein deutsches Nachbarboot 🙂 bekommen), die sehr gut spanisch spricht, wurde zugesagt, ja zwei, drei Tage gehen noch. Wir sollten aber Dienstag oder Mittwoch nochmals nachfragen. Nun schauen wir mal, was wir so rausschinden können.

Wir haben ja letzte Woche auch unser Großsegel nochmals zum Segelmacher gefahren, da wir immer noch ein paar kleine Reklamationen haben. Morgen können wir das Segel wieder abholen. Und dann sehen wir weiter…

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