Autor: Sabine (Seite 3 von 12)

Von Isla de los Estados bis Ushuaia

Wir haben Euch von der beeindruckenden Einfahrt in die Inner-Bay erzählt. Wir müssen Euch sagen, die ganze Bucht war sehr imposant. Eine unberührte, üppige Natur. Wir haben gleich am ersten Tag in unserer Bucht bei schönstem Wetter einen Landgang gestartet. Schönes Wetter muß hier ausgenutzt werden!!!

Ausgerüstet mit Macheten und Verpflegung sind wir zu viert in unseren Fred und haben einen Zugang zum Land gesucht. Wir wollten versuchen, den Weg Richtung Wasserfall und See einzuschlagen, was hier nicht so einfach ist. Die Büsche und Sträucher wachsen sehr dicht. Man läuft auf einer dicken Schicht Moos und sinkt bei jedem Schritt etwas ein. Der gesamte Untergrund ist feucht – kein Wunder, hier regnet es häufig. Und man kann es kaum glauben, wenn man das Wetter hier sieht: es gibt unwahrscheinlich viele verschiedene Pflanzen, die ihre Blüten ausbreiten. Jetzt ist hier alles in den Startlöchern. Der Sommer ist kurz und für uns gefühlt ziemlich kühl. Ist die Sonne da und kein Windhauch zu spüren, dann fühlt es sich auch wie Sommer an.

Wir können gar nicht beschreiben, wie es hier ist. Man denkt, man ist im Märchenland. Schaut Euch einfach die Bilder an und lasst es auf Euch wirken. Auf den Gipfeln der Berge liegt noch Schnee.

Bis zum Wasserfall haben wir es natürlich nicht geschafft – das wäre eine Mehrtagestour bei diesem Vorankommen bzw. müssten wir uns ein Schlauchboot mitbringen, um über den See zu fahren. Selbst an dessen Ufer sind wir nicht wirklich rangekommen.

Wir haben noch einen weiteren Versuch unternommen, eine weitere Tour zu gehen. Tja, da waren wir falsch im Timing. Da sind wir bei Niedrigwasser losgefahren und hatten keine Chance, irgendwo ans Ufer zu kommen und unseren Fred sicher alleine zurück zu lassen. Also sind wir bei dieser Tour dann einfach noch mal mit Fred die Bucht abgefahren und auch nochmals raus in die „Outer-Bay“. Sehr beeindruckend zu sehen, wie die schmale Durchfahrt bei Niedrigwasser aussieht. Kaum zu glauben, daß wir da durchgefahren sind.

Einen weiteren Spaziergang haben wir dann doch noch unternehmen können. Dies war aber nur ein sehr kurzer Ausflug an den kleinen, vorderen See.

Schnell sind hier die Tage vergangen an dem wir noch einen Ausflug zum großen See unternommen haben und noch die ein oder andere kleine Reparatur erledigen konnten. So sind wir schließlich in die Planung gegangen, wann sich denn ein passendes Fenster auftut. Diesmal war nicht nur der Wind maßgebend:

  1. Wir brauchen als Abfahrtstermin den Hochwasserstand, damit wir durch die Durchfahrt kommen. OK, wir könnten notfalls nochmals in der äußeren Bucht vor Anker gehen.
  2. Wir müssen die „Le Maire Street“ queren. Das ist die Meerenge zwischen der Isla de los Estados und Feuerland. Und die ist berüchtigt!!! Hier ist eine sehr starke Strömung, da sich der Strom durch diese schmale „Tür“ zwängt. Wenn dann Wind gegen Strom steht, kann sich hier sehr unangenehme, ja gefährliche, Wellen bilden. Wir sollten also tunlichst durch diese Meerenge fahren mit Strömung.
  3. Der Wind muss von der Richtung passen und sollte von der Stärke her natürlich auch noch halbwegs ok sein.

Also haben die beiden Männer wieder stündlich die diversen Wettermodelle angeschaut und diskutiert. Die Vorhersagen ändern sich hier halt ständig und man muß permanent drauf schauen, um eine Tendenz zu sehen. Die Entscheidung fiel dann, daß wir am Montagabend (16.12.) um etwa 21 Uhr Hochwasser haben und dazu eine Flaute mit der Strömung Richtung Süd. Super – lieber fahren wir unter Motor und sind auf der sicheren Seite bevor wir irgendetwas riskieren.

Gesagt, getan, die Boote wurden tagsüber entsprechend vorbereitet und gegen 19 Uhr haben wir angefangen, die Landleinen nach und nach zu lösen und sind dann kurz vor Hochwasser aus der Inner Bay ausgefahren. Diese Uhrzeit ist kein Problem, da wir ja im Südsommer sind und entsprechend lange Licht haben. (Genau wie in Skandinavien im Nordsommer). Wir wollten auf alle Fälle bis in den Beagle Kanal kommen und dort einen sicheren Ankerplatz anlaufen.

Und es hat wieder einmal sehr gut geklappt. Ganz zum Anfang hatten wir eine kurze Phase von wilden Wellen, als wir aus dem Schatten der Insel um das Kap gefahren sind. Dort haben sich solche aufgebaut, da es hier ein schnell ansteigende Unterwasserlandschaft hat. Aber dann im tiefen Wasser wieder alles easy. Und wir hatten Strömung mit!!! Normalerweise fahren wir unter Maschine circa 5,5 Knoten Marschgeschwindigkeit. Wir hatten dann zeitweise über 10 Knoten Fahrt über Grund auf unserer Anzeige. Eine Strömung von 4 – 5 Knoten hat uns mit angeschoben, in der Spitze waren es 5,8 kn von leicht quer ab, welche uns unsere Instrumente angezeigt haben. So haben wir die 25 Seemeilen der Meerenge schnell passiert und konnten in den Beagle einbiegen. Zwischendurch konnten wir auch mal ein Stück segeln.

Der Skipper hat den Motorlauf genutzt um wieder einmal unseren Wasservorrat aufzufüllen. Aber kaum verschwindet er unter Deck, um den Wassermacher zu starten, muß ich ihn schon wieder rufen….“Walblas“. Da kommt er natürlich gleich wieder nach oben. Beim nächsten Anlauf muß ich ihn schon wieder rufen, da Delfine Pirouetten springen. Bevor jedoch der Foto klar war, war das Spektakel auch wieder rum – die werden halt auch müde…. Wale, Delfine, Pinguine – was will man mehr?

Im Beagle Kanal hatten wir dann meist Wind von vorne, aber in einem dermaßen ständigen Wechsel von Windrichtung und Windstärke, daß wir nur motort sind. Wir hatten uns im Vorfeld mehrere Optionen an Ankerplätzen ausgesucht. Nur die passten jetzt so gar nicht mehr zur aktuellen Windrichtung, die so ganz anders war als die Vorhersage. Also ganz schnell nachschauen, welcher Ankerplatz denn einigermaßen geeignet ist und diesen angesteuert. Um 18 Uhr fiel dann unser Anker bei Winden über 20 Knoten – wir lagen sicher und ruhig. Der Wind lies dann auch nach und sogar die Sonne bemühte sich noch einmal aus ihren Wolken. Was für eine Natur!!!

Am nächsten Morgen hieß es bald raus und losfahren. Wir wollten ja heute bis Ushuaia kommen – unserem letzten Ziel in Argentinien. Es war auch gleich wieder ordentlich Wind, so daß wir sofort die Genua gesetzt haben. Tja, aber wir sind halt in einem Kanal mit vielen, hohen Bergen. Wind da, Wind weg, Wind da, starke Böen, Wind von links vorne, Wind von rechts vorne: ein ständiges Gefummel am Segel, aber wir konnten segeln. Irgendwann hatte der Wind aber soweit gedreht, daß er meist nur noch von vorne gekommen ist, das war uns dann zu blöd und wir haben die Genua weggepackt und unser Großsegel im 2. Reff als Stützsegel gesetzt und dazu den Motor wieder angeworfen. Zwischendurch dann mal eine Regenzelle mit Hagel und Windböen bis weit über 30 Knoten. Welcome in Patagonien –wir sind wirklich angekommen!

In der Bucht von Ushuaia haben wir ein „Windloch“ genutzt, um das Großsegel wieder zu bergen. Jochen geht an den Mast und will gerade das Segel runter lassen, Schwupps – da ist sie wieder die Böe bis zu 30 Knoten. Oh je, und da wollen wir in die Marina fahren und an einem anderen Schiff anlegen?

Also neben den üblichen Vorbereitungen für die Hafeneinfahrt (Fender anbringen, Leinen vorbereiten) auch mal den Anker vorbereitet. Vielleicht werfen wir doch lieber erst einmal den und warten auf bessere Bedingungen für die Einfahrt in den Hafen?

Aber es ging alles gut, der Hafenmeister Uka, den wir schon im Vorfeld kontaktiert hatten, hatte uns schon im Schlauchboot erwartet und es standen bereits mehrere Leute bereit, die unsere Leinen angenommen haben und schnell waren wir an einem Motorboot längsseits fest. Dann noch schnell die SALTO an uns festmachen und alles mit Ruhe fertig richten.

Hier noch eine kurze Erläuterung, wie das mit dem Festmachen an einem anderen Boot gemeint ist:

Wie hier, wo die Boote längsseits an einem langen Steg festmachen, mal alle Plätze schon belegt sind, macht man quasi in zweiter oder dritter Reihe fest. Dafür legt man sich eben auch längsseits an ein anderes Boot. Natürlich ist das für beide Boote nicht gerade ideal, vor allem für den innen Liegenden. Denn kommt der Wind auf den Steg zu, drückt ja das äußere Boot mit seinem Gewicht das innere Boot gegen den Pier. Kommt der Wind von der anderen Seite, wird das äußere Boot ja weggedrückt und zerrt dabei natürlich mit den Leinen am innenliegenden Boot. Daher werden von den äußeren Booten nochmals zusätzliche Leinen direkt an die Pier gelegt, um so den Zug zu verteilen. Folglich ist hier ein Gewirr an Leinen kreuz und quer….

Außerdem müssen wir ja, um an Land zu kommen über das andere Boot „drüber“. Auch das ist natürlich nicht wirklich schön, aber was sollst, ist ja auch nicht das erste mal. Wir sind hier alle etwas anders – wer hierher fährt, nimmt sowieso einiges in Kauf.

So:  Nun sind wir in Ushuaia angekommen – El fin del Mundo. Ich kann Euch gar nicht sagen, wie happy ich bin, hier angekommen zu sein und auf den letzten beiden Königsetappen so gar keine Probleme mit Starkwind oder gar Sturm gehabt zu haben. Tja, wenn Engel reisen 😊

Jetzt geht es wieder daran, die Stadt zu erkunden, Ersatzteile und Lebensmittel zu besorgen, Wäsche zu waschen, und, und, und….

Auf diesem Weg wünschen wir allen unseren Lesern ein schönes und ruhiges Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr. Allen, denen es im Moment nicht so gut geht, wünschen wir gute Besserung.

Bis zum nächsten Jahr an gleicher Stelle von der JOSA- Crew 😉

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Erste Eindrücke von Patagonien – Caleta Hornos und Puerto Deseado

Vorne weg: wenn wir bisher an Patagonien gedacht haben, war dies für uns eigentlich „nur“ die chilenische Seite mit ihren wunderbaren Kanälen. Aber auch ein großer Teil Argentiniens gehört ja dazu. Alles südlich des Rio Colorado ist schon Patagonien; somit ein sehr großer Anteil.

Und…nun sind wir schon mittendrin in dieser patagonischen Natur.

Das Absitzen des Starkwindes haben wir erfolgreich hinter uns gebracht, ohne daß wir irgendwelche Probleme mit dem Halt des Ankers oder starkem Geschaukel gehabt hätten. Solange wir in unserer Kuchenbude sitzen, sitzen wir warm und merken nur an den Geräuschen, daß da wohl ordentlich Wind weht.

Also konnten wir wieder in die Caleta Hornos verlegen und haben uns diesmal ein sicheres Plätzchen mitten in der Caleta gesucht, bei der wir genügend Wasser unter dem Kiel haben. (Hierzu haben wir auch nochmals Rückfrage mit einem Segler gehalten, der erst kurz vor uns hier gelegen war mit einem größeren Boot mit wesentlich mehr Tiefgang). Die eingezeichneten Plätze in unserer blauen Bibel sind wohl nicht mehr aktuell. Auch das Ausbringen der Landleinen funtkionierte tadellos und wir konnten voller Tatendrang einen ersten Landgang unternehmen.

Und???? Boah!!!! Natur pur, wie wir uns es vorgestellt haben. Felsig, rauh, trocken, mit knorrigem Buschwerk und viel Menschenleere. Bei diesem Landgang haben wir dann erst einmal bewusst wahrgenommen, was es heißt, einen Tidenhub von 5 Metern zu haben. Die Küstenlandschaft verändert sich total, wenn plötzlich einmal ein paar Meter Wasser fehlen. Wo vorher nur Wasser war, sind plötzlich Felsen und Tümpel und man muß wirklich schauen, wo und wie man unseren Fred befestigt, damit man an diesen beim zurückkommen auch wieder herankommt und er nicht 10 Meter weiter im Wasser liegt bzw. ganz fortgeschwemmt wurde. Daher fiel der erste Landgang auch nur kurz aus, wir haben festgestellt, daß wir für einen längeren Landgang eine andere Tidenzeit nutzen müssen.

Dieser zweite Landgang führte uns dann komplett über die Halbinsel auf die andere Seite, von wo aus wir auf die vorgelagerte Insel Leones mit dem alten Leuchtturm schauen konnten. Unterwegs haben wir viele Guanakos (einheimische Lamaart) gesehen, die sich lauthals gewarnt haben, als wir anmarschiert sind. Und viele, viele schöne Vögel. Auch der Blick über die ganze Küstenlinie – einfach nur traumhaft bei bestem Wetter. Die Bilder sprechen hier wirklich für sich.

Es hat sich zeitig ein Wetterfenster aufgetan, damit wir weiter in den Süden kommen und wir haben dann beschlossen, daß wir am Morgen noch einmal zur vorgelagerten Insel Leones verlegen, dort einen Landgang machen und uns danach auf den Weg machen. Und auch diese Insel – der Hammer!!

2 Kolonien von Mähnenrobben mit ihren imposanten Männchen, dazu Pinguine über Pinguine, die eifrig vor uns weggewatschelt sind oder in ihren Nestern gebrütet haben. Dazu mehrere Gürteltiere und eine interessante Pflanzenwelt – vor allem blühende Kakteen in allen Farben und Größen. Auch die Geräuschkulisse der Robben war imposant. Als wir mit dem Dinghi angelandet sind, sind viele der Robben ins Wasser und haben uns beäugt. Was kommt denn da für ein Ungetüm?

Natürlich haben wir uns es nicht entgehen lassen und sind zum alten Leuchtturm hochmarschiert. Etwas anstrengend, da ja querfeldein und immer aufpassend, nicht in ein Brutloch oder Höhle der Gürteltiere zu treten, haben wir auch das gemeistert. Und ich muß sagen – ich habe mein „Traumhaus“ gefunden. Jetzt nicht unbedingt, was den Zustand betrifft, sondern die Bauweise und Aufteilung der Räume. Ein großes Achteck, in der Mitte das Atrium mit den Stufen hoch zum Leuchtfeuer. Darum angeordnet die einzelnen Räume, jeweils in einem Achtel. Um diese Räume herum nochmals außen ein umlaufender Vorraum, so daß hier quasi eine Nasszelle/Dreckraum geschaffen wurde. Von einzelnen Räumen gehen hierhin direkt Türen, z.B. bei der Küche, so daß hier gut Material angeliefert werden konnte. Ja, diese Raumaufteilung gefiel mir sehr gut. Noch dazu die alten Fließen und die schönen Holztüren bzw. Möbel. Trödelfans wären hier sicherlich auch sehr begeistert gewesen.

Nach diesem Landausflug hieß es für uns dann, fertig machen und losfahren. Bei bestem Wetter, keinerlei Wellen ging es entspannt los. Uns war klar, daß und zwischendurch immer wieder „Windfelder“ begegnen werden, die unterschiedliche Windrichtungen mit sich bringen ebenso wie ein oder zwei Flautenlöcher. Aber alles in allem war es gut zu meistern, bis auf die unangenehme Tatsache, daß es wieder etwas rollig wurde, was meinem Schlafbedürfnis wieder einmal entgegenstand.

es ging ganz gemütlich los…

Unterwegs kam dann die Überlegung auf, gleich bis zur Magellanstraße (zusätzliche 300 sm) durchzufahren, da sich der Wind entsprechend anbot und wir mit guten Winden bis dorthin kommen könnten. Alles abgewogen und überlegt. Der einzige Haken an dieser Sache: nach etwa 5 Tagen kommt ein Tief mit Sturmwinden aus Westen angerauscht, vor dem wir Schutz suchen müssen. Dafür gibt es für uns lediglich einen Ankerspot direkt an der Einfahrt zur Magellanstraße, den wir ansteuern können. Und dort müssten wir dann wenigstens 5 Tage ausharren, die dieses Wetter andauert. Wollen wir das an dieser exponierten Stelle? Was ist, wenn der Wind dreht? Also entschieden wir, daß wir das nicht wollen und daher noch einmal in einen „Hafen“ einlaufen. Unser Ziel heißt daher Puerto Deseado. Die letzte Möglichkeit, noch etwas frisches Gemüse und Obst zu besorgen und uns auszuruhen.

Wie immer, wir kommen mitten in der Nacht an. Aber es läuft alles gut, anfangs haben wir den erwarteten Gegenstrom von 2 Knoten, bis er kippt und uns anschiebt, bis wir letztendlich in der Flußeinfahrt sind. In den Beschreibungen steht etwas von einer Boje, an der man festmachen soll. Diese finden wir im Stockdunkeln mit der leuchtenden Stadt dahinter natürlich nicht und lassen den Anker auf einem für uns guten Platz fallen.

Die Prefectura anfunken – keiner geht ran. Gut, dann halt ins Bett. Kaum sind wir um 4 Uhr endlich im Bett und werden langsam wieder warm, funkt uns die Prefectura an. Ob wir jetzt noch ins Büro kommen? Öh, nein, wir sind schon im Bett. Dann: Der Ankerplatz ist nicht gut, wir lägen mitten im Kanal und wir sollten an die Boje. Nachdem wir sagen, wir finden sie nicht, gibt er uns die Koordinaten durch und „Ja, wir verlegen“. Nachdem dann auch schon der Morgen graut, sehen wir die Boje dann auch und verlegen. Also, wieder ins Bettchen. Jochen hat dann mit dem Kollegen ausgemacht, daß wir um 10 Uhr in der Prefectura sein werden.

Alles wie immer, aufstehen. Jochens kurzer Blick ins Cockpit. Passt alles. Er ins Bad und ich Frühstück machen. Ein kurzes Rumpeln!!! Ich springe ins Cockpit „Oh, wir sind aber nah an der Küste, wir schlagen an“ Dann, ein Blick: die Boje weit weg von uns und wir direkt am Ufer. Alarm, Alarm. Jochen raus, Motor an und versucht, wegzufahren. Geht nix, wir sitzen fest. An die Funke und die Prefectura angerufen, daß wir Hilfe benötigen. Die Antwort: „stand by“ und keinerlei Reaktion mehr, egal wie oft ich noch L4N anrufe. Also ganz schnell das Dinghi ins Wasser geworfen, Motor drauf und Jochen hat dann versucht, mit dem Dinghi unsere Dicke freizubekommen. Ich stand derzeit am Ruder und habe mit dem Gas mitgeholfen. Beim zweiten Anlauf mit Zug am Bug hat es dann geklappt, daß wir uns seitlich wegbewegt haben. Es hat zwei mal kurz „gerumpelt“, wie eben einige Zeit früher und wir waren wieder auf 5 Meter Wassertiefe. Glück im Unglück gehabt!!

Beim genaueren Betrachten der Boje haben wir dann den Festmacher vermisst, durch den wir unsere Leine gesteckt hatten. Auch ist die gesamte Boje nur an einer dünnen Leine befestigt, vertrauenswürdig ist was anderes. Wir sind dann auf die Suche gegangen, wo wir denn besser festmachen können. Auf der anderen Seite des Wellenbrechers war noch eine größere Boje, an die wir auch hätten gehen können, aber die Wassertiefe konnte uns keiner sagen.

Auf dem Rückweg zu unserem Boot (10 Uhr war natürlich schon lange vorbei) kam dann auch schon die Prefectura angefahren. Diese haben dann wieder einmal die Sicherheitsmittel gecheckt und wir sind offiziell angekommen. Bei der Nachfrage nach der Boje hieß es, daß diese sehr sicher wäre. 3 sehr nette junge Männer. Bei der Verabschiedung kam dann von einem Kollegen noch der Spruch: „Funken Sie uns an unter L4N, wenn Sie Probleme haben und Hilfe benötigen“ – aha, gut zu wissen…..

Inzwischen war Jochen mit dem Tauchgerät im 11 Grad kalten Wasser, hat unser Unterwasserschiff gecheckt und noch eine Festmacherleine am eigentlichen Festmacher der Boje durchgesteckt. Nur – dieser liegt halt einen Meter tief im Wasser – bei Niedrigwasser müsste es möglich sein, diese soweit aus dem Wasser zu ziehen um eben noch eine Leine durch das dicke Tau zu führen. Bei Hochwasser kommt man da so einfach nicht ran.

Die erste Aufregung muß jetzt erst mal verdaut werden, willkommen in Patagonien.

Nun sind wir schon einige Tage in Puerto Deseado und uns gefällt es auch hier sehr gut. Ein kleines, aber quirliges Örtchen mit netten Restaurants, vielen Shops und noch viel mehr älteren Autos. Wir haben fußläufig schon einiges erkunden.

Zuerst waren wir an der Cueva de los Leones, einer Höhle an der Felsenküste, die nur bei Ebbe zugänglich ist. Der Weg dorthin etwa 3 km an der Küste entlang. Typisch patagonisch: niedriges Buschwerk und Pflanzen, trocken, rauh und natürlich windig. Aber wunderschön. Die Felsenküste sowie die Höhle sind sehr impossant, vor allem wenn man mal sieht, wie unterschiedlich die Küste bei Ebbe und bei Flut wirkt, wenn 5 Meter Höhenunterschied da sind. Man denkt, man ist an zwei verschiedenen Orten.

Auf dem Rückweg sind wir noch hoch auf die Klippen gelaufen. Dort oben sind diverse Aussichtspunkte sowie das „Autodromo“, eine Autorennstrecke. Wir hatten schon im Ort entsprechende Fahrzeuge gesichtet, die hier wohl ab und an mal bewegt werden.

An einem anderen Tag haben wir einen „Museumstag“ eingelegt. Nachdem uns in einem Restaurant ein Foto mit einem sehr schönen Gebäude aufgefallen war. Die Wirtin sagte uns, daß das die alte Eisenbahnstation sei, in der jetzt ein Museum ist. Da müssen wir ja wohl hin. Und genau genommen sind dort zwei Museen untergebracht. Wir sind zunächst in das Museo del Pueblo gegangen und wurden dort von Morena, einer englischsprechenden Guide (wie nennt man eigentlich einen weiblichen Guide?) durchgeführt. Dieses Museum beherbergt alles, was so im Ort vorhanden war. Alte Einrichtungsgegenstände, Bekleidung, Inventar, komplette Ladeneinrichtungen oder Werkstatteinrichtungen. Alles liebevoll zusammengetragen und von den Dorfbewohnern bereitgestellt. Im selben Gebäude waren wir dann noch im Eisenbahnmuseum. Hier wurde alles über diese ehemalige Station dargestellt. Von altem Ticketschalter über die Personalbücher. Auch wieder alles von den Dorfbewohnern im Ehrenamt zusammengetragen. Auch das ganze Gebäude wurde ehrenamtlich von einigen Menschen hergerichtet ohne einen Peso von der Regierung oder Gemeinde. Eintritt wird keiner verlangt, aber eine Spendenbox steht natürlich bereit.

Gleich nebenan befindet sich die ehemalige Policlinic. Auch diese wurde zu einem Museum gestaltet. Auch hier wieder ohne Eintritt. Die Klinik ist sehr klein und in 30 Minuten ist man wieder draußen, aber man bekommt auch hier zu allem eine Erklärung. Von der Chirurgie, den Untersuchungsraum, den Zahnarztraum und die Entbindungsstation. Alles eingerichtet und mit alten Fotografien untermalt. Ganz tolle und liebevolle Aufarbeitung der alten Zeiten.

Für die kommenden Tage ist der vorhergesagte Starkwind aus Süden im Anmarsch. Daher haben wir uns entschlossen, unsere Boje hier in Stadtnähe zu verlassen und an das gegenüberliegende Südufer vor Anker zu gehen. Zur Erklärung: kommt der Wind aus Süden und drückt uns nach Norden, haben wir so noch genügend Wasser und Zeit im Rücken. Sollten wir am Nordufer liegen, würde uns der Südwind auf die Küste drücken und wir hätten ein Problem, hier im Bedarfsfall schnell genug reagieren zu können. Also: Augen auf bei der Parkplatzwahl!!!!

Also haben wir gegen Mittag, zur Hochwasserzeit, ans andere Ufer verlegt. Nicht lange nachdem wir verlegt hatten, konnten wir auch endlich die SALTO auf dem Bildschirm sehen. Die beiden sind nun auch eingetroffen und liegen neben uns im starken Wind und harren der Dinge, die die nächsten 4 Tage so kommen. Gegenseitige Besuche sind bei diesem starken Wind leider nicht möglich, also begnügen wir uns damit, uns über Funk zu unterhalten.

Schräglage vor Anker – wegen des Gezeitenstromes liegen wir quer zum Wind – hinten die SALTO

Wenn es alles so kommt, wie es kommen soll, werden wir in ca. 1 Woche ein Wetterfenster bekommen, um nach Süden aufzubrechen. Wir werden sehen.

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Das Abenteuer „PATAGONIEN“ beginnt

So, nun geht es los. Aber der Reihe nach:

Nachdem wir in Mar del Plata angekommen waren, haben wir uns wie üblich erst einmal orientiert, wo wir was bekommen können, um uns noch mit den restlichen frischen Lebensmitteln und sonstigem einzudecken.

Wir hatten ja berichtet, daß wir gleich am Steg von einem einheimischen Segler begrüßt wurden, der uns anbot, uns behilflich zu sein und uns auch mit dem Auto fahren würde, wenn wir etwas benötigen würden. Tja, wir haben Marcelo dann gleich zwei halbe Tage beschäftigt 😊

Zunächst sind wir einige Werkstätten und Läden angefahren, wo wir eventuelle Ersatzteile für das Boot bekommen könnten. Wie z.B. neue Opferanoden für unsere Welle und unseren Rumpf. Die Argentinier haben hier eher große Platten (aus der Fischerei), die sie dann passend zuschneiden für ihre Yacht und irgendwie am Rumpf befestigen. Wir haben ja vorgefertigte Vertiefungen für unsere runden Anoden. Diese haben wir leider nicht bekommen, aber wenigstens für die Welle konnten wir eine (teuer) erstehen. Und noch ein paar andere „Kleinigkeiten“, die der Skipper gerne als Ersatz dabei hat. Denn es soll ja lange nichts mehr kommen, wo wir etwas kaufen könnten. Marcelo hat uns hier sehr geholfen, da er sich als Einheimischer gut durchgefragt hat und uns kreuz und quer durch die Stadt kutschiert hat.

Dann waren wir noch in einem Großmarkt für Gemüse und Obst, da wir ja gerne einige Grundmittel wie Kartoffeln, Zwiebeln, Äpfel und Orangen in größeren Mengen kaufen wollten. Und…. Ja, der Großmarkt war klasse und die Preise auch entsprechend unschlagbar günstig. Marcelo meinte nur, daß es ein paar Touristen braucht, damit er auch einmal in dieses „Wunderland“ geht. Er war hier noch gar nicht.

Nach einigen Tagen traf dann noch die SALTO ein und auch Ulf mit seiner FARVEL tauchte zwei Tage später hier auf. Die Marina war nun fest in deutscher Hand!!!

Viel von Mar del Plata haben wir leider nicht gesehen, da wir so beschäftigt waren mit Wäsche waschen, Einkaufen, Boot vorbereiten, Einkochen uva. Die Zeit vergeht so rasend schnell. Wir haben es dennoch geschafft, einer Eisdiele mehrfach einen Besuch abzustatten – es war ja auch ziemlich warm einige Tage und die Eisdiele fußläufig in 10 Minuten zu erreichen. Nutze den Tag!!!

Und wie es kommen sollte, es tat sich schnell ein Wetterfenster von 2 – 3 Tagen auf, das wir nutzen könnten, um relativ angenehm weiter in den Süden zu kommen. Also stand fest: „wir fahren am Donnerstag“ ab. Die SALTO entschied, daß sie noch nicht abfahren werden, da sie mit den Vorbereitungen noch nicht ganz fertig sind. Wir haben uns jedoch entsprechend eingerichtet und sind bereits am Mittwoch vormittag zur Prefektura marschiert, um uns abzumelden. Dies wollten wir zeitnah erledigt haben, da es hieß, daß in Mar del Plata das Boot inspiziert werden würde, ob denn alle von Argentinien vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstungen vorhanden sind. (Hierzu gibt es eine „kleine“ Liste, mit ach so wichtigen Dingen). Zur Inspektion kam natürlich niemand, aber: wir waren wenigstens vorbereitet.

Donnerstag früh, wir wollten gegen 9 Uhr los. Das haben wir natürlich nicht geschafft, irgendwie sind wir nicht fertig geworden. Marcelo wollte uns eigentlich mit seinem Boot ein Stück begleiten, da er jeden Tag zum Segeln rausfährt. Wir waren ihm aber dann doch zu langsam und er fuhr ohne uns los. Wir haben ihn dann später leider nur noch aus der Ferne gesehen.

Beim Ablegen bekamen wir dann Dinghi-Unterstützung von der Marina. Diese haben unser Boot rückwarts aus dem Liegeplatz rausgezogen, da wir einen ordentlichen Seitenwind hatten, der uns auf den Steg gedrückt hatte und wir so aus eigener Kraft sicherlich nicht unseren Liegeplatz ohne Probleme verlassen hätten können. Denn vor uns lag Längsseits die FARVEL und hinter uns ein großes Motorboot. Es ging alles super und wir konnten gegen 11 Uhr aus der Hafenanlage ausfahren.

Es war ja ein Wind von 4 bft mit Böen von 5 bis 6 bft angekündigt und eine Welle von zunächst etwa 1,6 Metern. Also war zu erwarten, daß es etwas wackelig wird – aber so kommen wir wenigstens mit gutem Segelwind vorwärts. Und so war es auch. Wir haben direkt im Hafenbecken unser Großsegel gesetzt, damit wir noch auf ruhigem Wasser am Mast rumturnen (also der Skipper – ich bin da am Ruder). Und kaum aus dem Hafenbecken draußen, ging das Rodeo auch schon los. Prinzipiell ist eine Welle von 1,6 Metern nichts Schlimmes. Wichtig ist dabei immer der Zeitintervall zwischen den Wellen, in welchem Abstand die also ankommen. Und der war halt unangenehm kurz. So war es gleich zu Beginn ein wildes Geschaukel (gut, das Wasser war auch noch sehr flach), so daß wir gleich mal beide eine Tablette gegen Seekrankheit eingeworfen haben. Hatten wir doch schon durch die langen Landaufenthalte wieder Landbeine und müssen uns wieder an das Segeln gewöhnen, sicher ist sicher.

Es lief aber alles gut, der Wind blies beständig mit 4 bis 5 bft, so daß wir gut Fahrt machen konnten und um die 7 kn liefen. Wenn das so bleibt, sind wir nach 2 Tagen da, wo wir hinwollten. Lediglich das Schlafen bei dem Gewackel – ihr wisst, wie gut ich das kann ☹ Aber zwei Tage kriegt man rum.

Wir sind dann auch erst ostwärts Richtung offenes Meer gefahren, um den Untiefen und dem seichten Gewässer direkt an der Küste genug Raum zu lassen. Kurz nachdem wir dann Kurs Richtung Süd eingeschlagen hatten, kam schon der Funkspruch von Ulf von der FARVEL, daß er inzwischen auch losgefahren ist und uns auf Backbord sieht. Wir fahren also im Päckchen!

Irgendwann in der Nacht beim Wachwechsel haben wir dann den Kurs korrigiert, da der Wind (wie angekündigt) gedreht hatte und unsere Windsteueranlage ja nach der Windrichtung fährt. D.h. wären wir so weiter gefahren, wie wir die Windfahne eingestellt hatten, wären wir direkt Kurs Antarktis gefahren. Also Kurs ändern, Segel entsprechend setzen und Windfahne neu justieren. So, das passt jetzt bis zum Ziel.

Ab da haben wir dann die FARVEL aus den Augen verloren, da Ulf wohl später den Kurs korrigiert hatte als wir und daher einige Zeit in eine andere Richtung gefahren ist.

Die erste Nacht war seeehr kalt und so haben wir die meiste Zeit unter Deck verbracht. Die zweite Nacht war dann schon viel angenehmer, da der Wind aus Nord auch entsprechende Temperatur mitgebracht hat. Während der Überfahrt hatten wir wieder einmal Delfine, Pinguine und Möwen ohne Ende. Daher haben wir uns auch gar nicht getraut, unseren Angelhaken auszuwerfen. Nicht bloß wieder Möwen am Haken haben und schon gar nicht einen Pinguin!!! (Abgesehend davon, daß ich bei dieser Welle am Heck auch keinen Fisch einholen und filetieren möchte)

Die zweite Nacht wartete dann mit Überraschungen auf. Ich sah am Himmel vor uns Wolken, die für mich hießen: „ich glaub, da kommt was“. Und so war es auch. Es war zwar nichts gemeldet, aber Jochen durfte dann zwischen zwei Gewitterzellen hindurchfahren. Und wie das so ist: erst hat man Wind mit 20 bis 25 Knoten, der fällt dann komplett weg, um dann wieder richtig aufzudrehen um das versäumte wieder aufzuholen. Das ist typisch Gewitterzelle. Das heißt für uns Segler: erst mal Segeln verkleinern bis wegpacken, kurze Zeit den Motor anwerfen, damit wir steuerfähig bleiben und durchfahren können und dann die Segel wieder auspacken. Nachdem das durch war, blieb es für die Nacht „ruhig“: gewohnter Wind und Welle mit ordentlich Fahrt. Wachwechsel morgens gegen 5.30 Uhr. Der Skipper übernimmt, ich lege mich in die Pantry, da ich in unserem Bett kaum ein Auge zu mache.

Gewitterzelle auf den Instrumenten, links die Windrichtung, rechts die Stärke. Erst fällt der Wind komplett zusammen und dreht sich dabei, bevor er wieder Fahrt aufnimmt und noch nicht so recht weiß, was er machen will. Bis sich wieder alles langsam stabilisiert.

Nach einer Stunde dann wurde ich geweckt: „Wir müssen das Großsegel bergen, da kommt was“. Also raus, Großsegel runterholen und der Skipper steuert sich wieder – diesmal mitten durch – durch die Gewitterzelle. Nach einer halben Stunde bei Windstärke 8 mit 9er Böen, ist auch das alles ausgestanden. Später, nachdem dem der Wind wieder deutlich nachgelassen hat, haben wir dann den Motor angeworfen, um wieder etwas Trinkwasser zu produzieren. Im Anschluss sind wir dann nur noch mit Genua unterwegs da der Wind wieder zugelegt hat und genug Fahrt da war. Passt doch alles. Wenn man die Gefahr rechtzeitig sieht, so wie jetzt, bleibt alles entspannt und das Vertrauen in Schiff und dem eigenen Tun wird dabei auch noch gestärkt.

Es war auch angekündigt, daß zum Ende unserer Fahrt ein Flautenloch kommen sollte. Das hätte uns auch gut gepasst, da wir nach San Blas fahren wollten und hierzu durch ein Flachwasserstück in eine Art Lagune einfahren wollten. Ja denkste! Vor der Einfahrt Wind in Stärke 5 – 6 bft und wilde Welle, weil flaches Wasser. So sind wir dann vor der Einfahrt erst einmal Hin- und hergekreuzt, um uns die Einfahrt „zurechtzulegen“ und um die Motorzeit in der Welle möglichst kurz zu halten. Kurz vorher Segel rein, Motor an und einfahren. Da der Wind genau aus dem Kanal gekommen ist und somit ein Befahren unter Segel so nicht möglich ist. Just in diesem Moment sehen wir unseren ersten Orca, der hier im Flachwasser unterwegs ist. Wir erspähen ein paar Mal die imposante Rückenflosse auftauchen und wie er anschließend noch einige mal mit der Schwanzflosse aufs Wasser schlägt. Das ganze zwar in einiger Entfernung, aber immerhin. Ein Stück eingefahren und der wilde Ritt hört auch sogleich auf, der Wind legt sich etwas und wir konnten den Anker vor der Ortschaft San Blas auf etwa 18 mtr werfen. Etwas tief für unseren Geschmack, aber flacher war leider nicht zu haben, da dort überall Fischerboote an Bojen lagen und die Küste steil aufsteigt, was uns keinen Platz zum schwojen lässt (das rumkreisen am und um den Anker, wenn Wind und Gezeit das Boot bewegen). Wir benötigen da schon einen Radius von 40- 50 Metern.

Kaum den Anker unten, will ich uns bei der Prefektura anmelden. Wir sind da ja ordentlich. Es geht keiner ran!!! Klar, er war mit einem Fischerboot schon bei uns anklopfen gekommen 😉 Kurz hallo gesagt, wie lange wir bleiben, wo wir hinwollen – ja, er kommt in einer Stunde nochmal vorbei wegen der Papiere.

Wir sind fertig mit unserem Ankergetränk (nach dem Anlegen oder Ankern wird zur Feier erst einmal ein Getränk zu sich genommen – bei den Männer meist Bier; bei meinem Skipper natürlich etwas anderes – Preisfrage: wer weiß, welches Getränk ich meine?), da sehe ich auch schon einen Mast auf uns zufahren. Ulf ist da! Kurzer Funkruf und etwas gequatscht.

Tja, ich würde mich ja gerne etwas hinlegen, aber die Prefektura wollte ja noch mal kommen. Da warten wir halt. Natürlich kam er dann, als ich das Kochen anfing. Wieder sehr nett und doch auch aufgeregt. Ich denke, so oft haben sie hier nicht mit Booten zu tun. In der Aufregung hat er seinen Stempel vergessen und nimmt unsere Papiere mit, macht sie im Büro fertig und wir sollen dann vorbeikommen, wenn wir an Land sind. Anschließend noch kurz auf dem Boot die Sicherheitsausrüstung checken, weil das ja in Mar del Plata nicht gemacht wurde. Was hat er denn nun geprüft? Tatsächlich nur, ob der (einer, nicht alle) Feuerlöscher noch aktuell ist und ob wir ausreichen und noch gültige Signalmittel haben wie Leuchtraketen und Rauchtöpfe. Mehr nicht, das war es. Und wir haben im Vorfeld noch extra fehlende Dinge gekauft wie eine Axt, um unsere Innenrichtung kurz und klein zu schlagen oder das Flaggen-ABC, das eh keiner setzt.

So ging dieser Tag schnell zu Ende und wir sind frühzeitig zu Bett gegangen – es war doch einiges an Schlaf nachzuholen.

spektakulärer Abendhimmel vor Anker zur Begrüßung

Nun sind wir hier in San Blas, haben ordentlich Strömung unter dem Boot beim Gezeitenwechsel und warten darauf, daß sich wieder ein Wetterfenster für die Weiterfahrt öffnet.

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letzte Tage in Uruguay

Nachdem wir wieder auf unser Boot umgezogen waren, haben wir erst einmal zwei Tage verschnauft und es wieder genossen, auszuschlafen. Dann ging es auch schon los, das Wetter zu beobachten, um ein entsprechendes Fenster für die Überfahrt nach Piriapolis zu finden.

Es stand zunächst die Frage im Raum, ob wir direkt nach Mar del Plata in Argentinien aufbrechen oder noch einmal in Piriapolis einen Halt einlegen. Entfernungsmäßig wäre der direkte Weg nach Mar del Plata einiges kürzer, ohne den Haken über Piriapolis zu nehmen. Jedoch: für den direkten Weg würden wir zwei verschiedene Windrichtungen benötigen – und dies in einem entsprechenden Fenster – eher unwahrscheinlich. Und: wenn wir in Lacaze das Land verlassen, müssen wir wieder nach Colonia zur Immigration fahren. In Piriapolis ist das alles direkt am Hafen zu erledigen. Also haben wir uns für Piriapolis entschieden. (Außerdem treffen wir da die SALTO-Crew wieder)

Wir haben am Samstag bei der Prefectura „ausgecheckt“ und sind am Sonntag früh zeitig gestartet für die 130 sm bis Piriapolis, damit wir dort möglichst am nächsten Tag bei Tageslicht ankommen. (mit ausreichend Puffer für Flaute gerechnet). Und der Wettergott war uns wieder einmal freundlich gesonnen und wir konnten gut durchsegeln. Leider hatten wir vor Montevideo wieder diese blöde „Hackwelle“ des Mar del Plata. Keine hohe Welle, aber in so kurzer Folge und von allen Richtungen, daß es wieder ordentlich gewackelt hat. Zur Erklärung: hier treffen 3 Wellensysteme aufeinander, Strom vom Fluß, Dünung aus dem Atlantik und der Wind schafft auch nochmal eine, natürlich alles aus verschiedenen Richtungen. Aber für ein paar Stunden kann man das gut aushalten. Und ziemlich genau 24 Stunden später haben wir in Piriapolis neben unseren Freunden von der SALTO festgemacht.

Hier wieder geschwind die Anmeldung bei der Prefectura erledigt und wir sind zum letzten Mal in einem Hafen Uruguay’s angekommen.

In Piriapolis haben wir noch ein paar Kleinigkeiten am Boot gerichtet, der Skipper war noch mal im Mast und hat alles gecheckt, damit wir beim nächsten Wetterfenster Richtung Süden aufbrechen können.

Für die kommenden Tage war wieder Starkwind angekündigt, also haben wir unser Boot ordentlich an den Muringbojen und am Steg verzurrt, damit da auch wirklich nichts irgendwo passieren kann.

Der Wind war dann zwar auch da, aber: nicht an dem Tag, an dem er so stark sein sollte. Für unser Empfinden war der Tag vor dem angekündigten Starkwind der stärkere Wind und der danach hat auch nochmal ordentlich was zu bieten gehabt . Ja, so ist das mit den Vorhersagen…..

Es ergab sich dann zum Glück recht schnell ein passendes Wetterfenster von 2 Tagen für die Überfahrt nach Mar del Plata. Direkt auf den obigen Starkwind aus Süd, sollte der Wind auf Ost und später auf Nord drehen in der passenden Stärke natürlich. Es könnte lediglich sein, daß noch eine kleine Restwelle steht, die es etwas unangenehm machen könnte. Aber nachdem diverse Wettervorhersagen nur von einer Welle von 1 Meter gesprochen haben, war klar: am Sonntag gegen Mittag geht es los.

Am Samstag früh haben wir dann nochmals zum Abschied den Markt besucht, uns dort von der deutschen Bäckersfamilien verabschiedet (natürlich noch ein Brot gekauft) und letztes Obst und Gemüse eingekauft.

Anschließend sind wir dann im Office vorbei, haben dort bezahlt (man muß die Quittung der Prefectura vorlegen, damit diese die Abreise genehmigen – man darf keine Schulden beim Staat haben), sind zur Immigration wegen der Ausreise und letztendlich zur Prefectura. Dort wurde uns erklärt, daß der Hafen heute geschlossen sei und wir keine Abfahrtserlaubnis bekommen würden. Wir müssten morgen früh nochmal kommen und dann würden wir sehen. Auf die Frage warum der Hafen denn geschlossen sei, kam die Antwort „wegen des Wetters“. ??? Heute war strahlender Sonnenschein, ein laues Lüftchen und nur ein bisschen Restwelle des gestrigen Windes. Also eigentlich nichts, was einen Segler nur im entferntesten abschrecken könnte.

Ein anderer Segler sagte uns dann, daß die hier seeeehr vorsichtig seien, wenn schlechtes Wetter gewesen war und sie daher gerne den Hafen schließen.

OK, dann halt am Sonntag früh nochmal vorbeimarschiert und die Genehmigung abgeholt. Zum Glück sind die Wege in Piriapolis sehr kurz.

Wir rechnen ja für Überfahrten immer mit einem Schnitt von 5 Knoten, also 5 Seemeilen in der Stunde. Somit sollten wir ziemlich genau 2 Tage bis Mar del Plata brauchen. Die Wetter-APP rechnete uns 50 Stunden vor. OK – sollte so passen.

Sonntag Mittag 12 Uhr, wir verlassen Piriapolis und können sofort die Segel bei angenehmen 3 Beaufort und nur 0,5 Meter Welle setzen und direkten Kurs setzen. Der Wind hat dann noch etwas zugelegt, so daß wir sofort mit 7 bis 8 Knoten durchs Wasser gleiten. Ja, wenn das so ist, sind wir ja vieeel zu schnell und kommen mitten in der Nacht an. So sind schon unsere Gedanken nach den ersten Stunden.

Und wirklich, wir können sehr lange sehr schnell fahren. Zwischenzeitlich wirft der Skipper noch den Motor mit an. Nicht, weil wir ihn unbedingt brauchen würden ; nein, weil wir unbedingt Trinkwasser produzieren müssen. Wir waren jetzt fast 4 Monate im dreckigen Süßwasser gelegen und konnten kein eigenes Wasser für uns produzieren, da ansonsten in Windeseile unsere Filter verstopfen würden. Und um Trinkwasser zu produzieren, auch auf Grund der Größe der Anlage, benötigen wir ordentlich Strom. Das geben die Batterien ohne Nachschub leider nicht her, bzw. wären restlos leer. Also: Motor an, in einer Zeit als der Wind etwas abflaute, und Wasser marsch. Wir hatten auch wieder einmal Angelerfolg, so daß es einmal unterwegs frischen Fisch gab.

Und es kam, wie wir vorausgesehen hatten: nach nur knapp 39 Stunden sind wir mitten in der Nacht in den Hafen von Mar del Plata eingelaufen. Wir hatten in den ersten 24 Stunden ein Etmal (zurückgelegte Strecke innerhalb von 24 Std.) von 152 sm, ein Spitzenwert für uns. Für die restlichen 80 sm wurde es dann etwas langsamer, wobei wir die letzten 15 sm sogar unter Maschine zurück gelegt haben weil der Wind dann eingeschlafen ist, auch der wird mal müde um diese Uhrzeit ;-). An dieser Stelle auch mal ein Lob auf die Vorhersagen, alles wie gemeldet, war und ist ja nicht immer so. Stolz darauf, daß der Skipper wieder das Wetter richtig interpretiert hat und unsere Dicke auch entsprechend gelaufen ist, wir glauben sie hat sich genauso gefreut, wieder unterwegs zu sein, wie wir. Um 3 Uhr hieß es: fest an der Boje!!!

Am Funk wurden erste Angaben übermittelt und uns mitgeteilt, daß die „Authorities“ am nächsten Morgen an Bord kommen würden. Hier in Mar del Plata kommen alle Behörden direkt auf das Boot. Daher dürfen wir auch nicht vorher in die Marina einfahren oder anderweitig anlegen, sondern müssen im Hafenbecken vor Anker oder an die Boje. Also, schnell ins Bettchen, wer weiß, wann die Morgen früh hier anklopfen.

Später haben wir uns dann nach dem Frühstück in der Marina gemeldet, daß wir jetzt da wären und an der Boje liegen. Der Hafenmeister klärte dann mit den Behörden, daß diese um 10 Uhr auf das Boot kommen würden.

Und ja, sie kamen. So vielen Menschen hatten wir gleichzeitig noch nicht auf dem Boot: 2 Personen Immigration und Zoll, 2 Personen Gesundheitsamt, 1 Mann Prefectura. Und alle Zettel per Hand in 5-facher Ausfertigung ausfüllen. Aber, alles easy. Nachdem dann die ersten wieder vom Boot gegangen sind, kam dann noch ein weiterer Mann der Prefectura nebst Drogenspürhund an Bord. Die Süße ging einmal quer durch das Boot und schon war alles erledigt. Super freundlich, super nett.

Dann wieder kurze Meldung in der Marina, daß wir fertig sind für die Einfahrt und schon wurden wir mit dem Dinghi abgeholt und zu unserem Liegeplatz begleitet. Auch hier gleich wieder ein freundlicher Empfang durch einen einheimischen Segler: ob er uns helfen könnte, wir sind doch sicherlich todmüde. Nein, danke. Alles schon fertig, wir sind ja schon seit heute Nacht hier. Und schon wieder jemanden kennengelernt, den wir jederzeit fragen sollen, wenn wir etwas benötigen oder er uns irgendwohin fahren kann.

Nun sind wir wieder in Argentinien und unser Abenteuer Patagonien beginnt nun so langsam.

17

Travel to work nach Uruguay

Wir haben Buenos Aires am 29.09.24 mit der Öffnung der Brücke um 20 Uhr verlassen, nachdem wir am Mittag die Behördengänge zum Ausklarieren erledigt hatten und uns zur Belohnung noch ein Abschiedseis gegönnt haben. Es fiel uns doch schon etwas schwer, aus dem sich inzwischen eingeschlichenen Trott aus lange ausschlafen, gemütlich frühstücken, irgendetwas zu erledigen oder anzuschauen und spät ins Bett gehen, auszubrechen. Man darf eigentlich nicht länger als zwei Wochen an einem Ort bleiben, sonst wird man wieder sesshaft und gemütlich.

Nun ja, wir haben’s geschafft, uns aufzuraffen und all den lieben Menschen hier Lebewohl zu sagen.

Die Nachtfahrt war nicht unsere erste Wahl, da wir uns ja in einem flachen Gewässer mit schmalen Schifffahrtsstraßen und mit unzähligen Wracks gespickt bewegen. Aber der vorhergesagte Wind ist nun mal der Chef im Ring und nach dem wird sich gerichtet. So erreichen wir wenigstens bei Tageslicht den nächsten fremden Hafen.

Nach einer Stunde unter Motor konnten wir diesen dann auch abstellen und die Nacht durch mit Windstärken von 3 – 4 am Wind segeln. Wir haben uns so gut es ging in den Schiffahrtsstraßen aufgehalten, um eventuellen nicht verzeichneten Wracks aus dem Weg zu gehen. Denn hier bleibt alles da so liegen, wie es absäuft…

Und so sind wir dann auch morgens um 7 Uhr in den Hafen von Juan Lacaze in Uruguay eingelaufen. Auf unser Anfunken hat leider wieder einmal niemand reagiert, so daß wir beschlossen haben, einfach mal reinzufahren und bevorzugt nach einer Boje zum Festmachen Ausschau zu halten.

Plötzlich wurden wir doch angefunkt und ein Mann stand am Steg und wies uns einen Platz zu. Also schnell die Fender klarmachen und die Leinen entsprechend ausrichten, damit wir doch am Steg voraus anlegen konnten. Das war wieder einmal etwas holprig, da wir ja immer Vorwärts einparken, um unsere Windfahnensteuerung am Heck nicht zu beschädigen.  Ich will Euch mal kurz anhand unseres Fotos erklären, wie ihr Euch das vorstellen müsst:

Wir fahren mit dem Boot vorwärts an den Steg. Beim ranfahren an den Steg muß natürlich rechtzeitig das Boot aufgestoppt werden (durch einlegen des Rückwärtsganges, gibt ja keine Bremse), damit wir nicht den Steg und das Boot beschädigen. Dafür sage ich am Bug stehend dem Skipper an, wie viele Meter wir noch vom Steg weg sind, damit er rechtzeitig aufstoppt und werfe dann die Leine über an die Person die, hoffentlich und meistens, am Steg steht. Die Leinen werden dann an den jeweiligen Festmachern an Land belegt, so daß das Boot erst mal fixiert ist. Wenn keine Person an Land ist…tja, dann muß man schauen, wie man klar kommt. Bei größerer Crew springt halt einer von Bord. Wir würden in diesem Falle nicht am Steg anlegen, sondern eher (wie obenstehend geplant) an eine Muringboje gehen oder den Anker werfen, bis Hilfe kommt. Das Manöver alleine ohne Risiko zu machen geht nur bei ganz ruhigen Bedingungen, kein Wind und Strömung.

Jetzt muß das Boot natürlich noch am Heck fixiert werden, denn wir könnten ja jederzeit nach vorne auf den Steg gedrückt werden. Dafür müssen die Heckleinen durch einen Öse an der Boje geführt werden und am Boot fixiert werden – und das ist unser Problem.

Unser Boot hat ja keine Badeplattform am Heck, so daß wir alles von Deck aus machen müssen, was sehr hoch über das Wasseroberfläche ist. Jetzt müssen wir an eine Boje ran, die gerade mal 20 cm über der Wasseroberfläche rumschwimmt. In Europa kommen da gerne Marineros mit dem Schlauchboot und helfen einem. Hier jedoch nicht. Hier muß man sich selbst helfen.

Also mit dem Rückwärtsgang langsam rückwärts ziehen, bis man an der Boje ist. Hierzu müssen aber die Bugleinen auch wieder mitgelockert werden, damit sich das Boot auch wieder vom Steg wegbewegt. Dann muß einer am Heck rumturnen und irgendwie schauen, die Leine durch die Öse zu bekommen. In unserem Falle muß da der Skipper mit seinen längeren Armen mithelfen, da ich mit meinem Stummelärmchen da einfach nicht rankomme.

Bei Booten mit einer Badeplattform ist das relativ einfach, denn da kann man direkt hinlangen und schwupps – fest.

Wenn dann alle Leinen erst einmal fixiert sind, wird das Ganze noch feinjustiert in der Entfernung zum Steg, man will ja auch vom Boot runterkommen. Das heißt bei uns: über den Bugkorb und den Anker hinweg auf den Steg zu gelangen. Auf der anderen Seite muss noch genug Platz vorhanden sein damit sich das Boot etwas bewegen kann, wenn Wind, Welle und Gezeiten zuschlagen.

Wenn zu solchen Aktionen dann auch noch Wind hinzukommt, ist ganz schön Stress angesagt. Denn der Wind drückt das Boot ganz schön in eine Richtung und man muß höllisch aufpassen, nicht beim Nachbarboot einzuschlagen und natürlich treibt man mit dem Heck auch von der Boje weg, die man dann erst mal wieder einfangen muß.

Bei Null Wind und entsprechenden Hilfen an Land und Schlauchboot ist das ein Kinderspiel. Aber das gibt es hier in Südamerika so nicht, es sei den man hat nette Bootsnachbarn die die Situation erkennen und schnell zur Hand und im Schlauchboot sind.

Aber wir haben es hier geschafft und sind sicher angekommen in einem kleinen Städtchen mit noch kleinerer, aber sehr netter Marina.

Und wie immer: erst mal Behördengänge. Obwohl wir todmüde sind und schlafen wollen. Hier im Ort ist nur die Prefektura, zur Immigration müssen wir mit dem Bus nach Colonia fahren (ca. 1 Stunde). Das wollen wir am nächsten Tag erledigen. In der Prefektura bekommen wir aber mitgeteilt, daß wir heute noch zur Immigration müssten. Bis spätestens 18 Uhr. Der Bus würde um 14.25 Uhr fahren.

OK, der Stress geht ja schon los. Also erst mal aufs Ohr legen, schnell eine Runde schlafen und dann gleich auf zur Suche nach einer Telefonkarte fürs Internet (Google Maps ganz wichtig!) und dann zum Bus.

Es hat sich dann so ergeben, daß sich gleich Ricardo bei uns gemeldet hat. Ricardo ist hier der Mann für alles und hat uns schon geholfen, unsere Farbe für den Anstrich zu kaufen. Er hat einen Bootsservice und arbeitet an so ziemlich jedem Boot hier, das auf dem Gelände steht. Was ihm noch zu Gute kommt: er spricht aufgrund seiner deutschen Ehefrau unsere Sprache und ist somit unser persönlicher Translator 😊, wenn es holpert. Ricardo hat sich dann angeboten, uns nach Colonia zu fahren, da das mit dem Bus „doch total umständlich“ ist. Das haben wir natürlich gerne angenommen. Er wußte sofort, wo er hin muß, hat alles kommunikative erledigt (Immigration und Zoll) und nach 20 Minuten waren wir wieder auf dem Rückweg.

Und wir waren wieder einmal überrascht von der Bürokratie. Als wir damals in Punta del Este angekommen sind, mußten wir ja erst zur Immigration, dann zum Zoll und dann zur Prefektura. Diese bestanden ja auf ein Zolldokument. Als wir hier bei der Prefektura waren, hieß es: nein, zum Zoll müsst ihr nicht. Auch im Hafenoffice bekamen wir diese Aussage. Wir sind dann doch in Colonia zum Zoll, da das Büro genau neben der Immigration war und dort bekamen wir die Aussage: „er macht uns gerne das Papier fertig, aber es geht eigentlich keiner zum Zoll hier. Da wird nicht danach gefragt“.

Egal, sicher ist sicher. Wenn wir wieder aus Uruguay wegfahren und jemand fragt nach einem Zolldokument, so können wir es vorlegen. Wenn keiner fragt, egal.

So haben wir am ersten Tag gleich alles erledigt an Papierkram und können einen Haken dahinter setzen. Auch für die Kranung unseres Bootes an Land bedurfte es einer Genehmigung durch die Prefektura. Wenn man hier Arbeiten durchführen will, müssen diese genehmigt werden und bei sicherheitsrelevanten Reparaturen müssen diese sogar von einem Gutachter abgenommen werden, ehe das Boot wieder ins Wasser darf. Bei entsprechender Bezahlung natürlich. Daher – immer nur schön „reinigen + malern“ angeben.

Wir haben uns dann für einen Tag ein Auto gemietet und sind nach Piriapolis zu unseren Freunden von der „SALTO“ gefahren, die uns ja einige Ersatzteile aus ihrem Heimaturlaub in Deutschland mitgebracht haben. Und so der Zufall will, waren an diesem Tag auch Andi und Cordula von der „MARGNA“ zu Besuch, die ihr Boot in Jacare, Brasilien stehen lassen haben und seitdem wir uns dort getrennt haben, mit einem Wohnmobil durch Südamerika fahren. Auch sie haben sich einige Ersatzteile für ihr WoMo mitbringen lassen, die hier schlichtweg nicht zu bekommen waren. Das war ein schönes Wiedersehen mit der 6er-Truppe aus Jacare.

Am Donnerstag sollte gegen Mittag unser Krantermin sein. Wir haben alles vorbereitet und haben dann auch gehört, daß der Travellift läuft. Also losgemacht und in die Box zum Kranen gefahren. Leider ist unsere Dicke etwas zu lang für den Travellift, so daß wir nicht weit genug hineinfahren konnten, da die Traverse des Liftes an unserem Vorstag anschlug. Also mußte geschwind unser Vorsegel geborgen und das Vorstag abmontiert werden. Aber auch das ging rasch durch die Hilfe von Ricardo und Felipe. Beim losfahren von unserem Steg hat unser Motor leider wieder einmal Probleme gemacht und ist erst nach etwas zureden angesprungen. Also werden wir (also eher der Skipper) auch hier noch mal auf Fehlersuche gehen müssen. So können wir nicht in den Süden losfahren!

Inzwischen ist eine Woche vergangen und wir haben die Arbeiten an der JOSA soweit fertiggestellt. Sie wurde zunächst mit dem Hochdruckreiniger gewaschen, „obenrum“ poliert und gewachst. Der alte Unterwasseranstrich wurde ebenfalls angeschliffen und neu aufgetragen. Jetzt glänzt unser Mädchen wieder in strahlendem weiß, war sie zuletzt doch schon sehr vergilbt. Dann noch ein paar so Kleinigkeiten wie Impellerwechsel, Seeventilaustausch. Der Skipper war seeehr fleißig und spürt inzwischen jeden Muskel, schließlich macht er die ganze Arbeit beim Schleifen und Polieren. Ich bin hier nur Handlanger bzw. mache Nebenarbeiten wie den Propeller per Hand polieren.

Während der Zeit, in der das Boot an Land steht, dürfen wir nicht auf unserem Schiff wohnen, sondern müssen so gegen 18 Uhr das Gelände verlassen. Wir haben für diese Zeit hier in einer Posada ein kleines Zimmerchen, wo wir auch ein Frühstück bekommen. In Lacaze gibt es leider nicht die Auswahl an Unterkünften; lediglich ein weiteres „Hotel“ ist hier zu verzeichnen. Ebenso ist unter der Woche auch lediglich ein Restaurant geöffnet, nur am Wochenende gibt es noch eine kleine Auswahl. Daher freuen wir uns schon, wenn unser Schiff wieder im Wasser ist und wir wie gewohnt schlafen, leben und vor allem essen können.

Aber da wir in den letzten Zügen sind, wird das auch nicht mehr allzu lange dauern, bis wir wieder hier einziehen können.

Die Tage haben wir leider die traurige Nachricht aus Deutschland bekommen, daß eine liebe Freundin von uns verstorben ist. Nun sind wir erstmals mit dieser Situation konfrontiert worden, von der wir doch im Voraus wußten, daß so etwas geschehen kann; aber doch gehofft hatten, daß so etwas nicht eintritt. Wir sind in Gedanken zu Hause.

So, die Arbeiten sind erledigt und das zu Wasser lassen muss wieder organisiert werden. Dazu den Krantermin kurz mit dem Büro absprechen, zur Prefektura gehen und eine Genehmigung einholen, Liegeplatz aussuchen und die neuen Bootsnachbarn, die wir auch schon bei der Ankunft kennengelernt haben, informieren und um Hilfe beim anlegen bitten. Einen weiteren Bootsnachbarn bitten, mit dem Dinghy bei den Muringleinen zu helfen, FERTIG. Zum Krantermin wird dann das Boot vorbereitet: Vorstag wieder abbauen, vorsichtshalber alle Seeventile schließen und noch die Farbe/ Utensilien für den restlichen Unterwasseranstrich zurechtlegen. Als der Travellift unser Boot wieder angehoben hat, können wir dann die Stellen, auf denen das Boot stand und abgestützt war, noch mit Farbe versorgen, bevor sie wieder in ihr Element abgesetzt wird. Kurzer Check im Inneren ob alles dicht ist und es geht zum Liegeplatz am Steg, wo schon die fleißigen Helfer warten. Alles geht entspannt und zügig von statten. Noch eben das Vorstag wieder anschlagen, bevor es mit den neuen Nachbarn und Helfern ein Anlegergetränk gibt. Im Anschluß wird das Segel noch angeschlagen und ein paar arbeiten im Mast erledigt und der Tag neigt sich dem Ende.

Wir sind wieder auf dem Wasser, unser Boot schaut wieder nach Wohnraum aus und jetzt heißt es: erst mal erholen von 10 arbeitsreichen und langen Tagen.

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…langsamer Abschied von Buenos Aires

Ich habe es leider geschafft, mein Handy im Hafenbecken zu versenken – auf etwa 7 Meter in absolut trüber Brühe. Wir hatten hier ordentlich Sturmwind stehen und ich habe an einem anderen Boot eine Leine etwas besser befestigt. Dabei ist mir mein Handy aus der Jackentasche gefallen. Leider war ein Hochholen nicht möglich, da wir hierfür ein Tauchgenehmigung bei der Prefectura hätten einholen müssen, zum anderen sind wir am nächsten Tag nochmals weggefahren und nach 5 Tagen im Wasser wäre da nix mehr zu retten gewesen. Also in den sauren Apfel beißen und in Argentinien ein neues Gerät besorgen. Shit happens!

Von unserem argentinischem Freund Guillermo wurden wir eingeladen, mit ihm ein paar Tage auf seiner Ranch (Farm, Estanzia oder wie auch immer man es nennen will) zu verbringen und das „Real Life Pampa“ zu erleben. Diese Einladung haben wir natürlich gerne angenommen.

Also hieß es in der Frühe einsammeln und aufspringen in den Pick-up um die Großstadt zu verlassen. Es ging Richtung Süden und die Landschaft änderte sich. Guillermo hat uns während der Fahrt auch einiges hierzu erklärt. Viele der Bäume, die hier stehen und wachsen, wurden erst von den Siedlern gepflanzt, die begannen, das Land zu bewirtschaften. Die Pampa ist eigentlich eher eine baumlose Steppe und bedeutet übersetzt auch Ebene oder Flachland. Guillermo’s Ranch ist in einer Gegend, in der es einige Hügel gibt, also nicht ganz so flach.

Wir Deutschen können uns diese Weiten gar nicht vorstellen, so verbaut und begrenzt unsere Flächen sind. Alleine die Zufahrt zu den eigentlichen Höfen ist so toll. Ein Abzweig von der Straße, meist eine Piste und dann fährt man erst mal, Abzweig hier und Abzweig da. Irgendwann sieht man eine Gruppe Bäume – und da steht dann das Farmhaus und die Gebäude. Ringsrum nichts außer Weideflächen mit Zäunen.

Guillermo hat sich hier ein kleines Idyll geschaffen mit mehreren kleinen Häuschen für seine Gäste, da der Argentinier sich gerne mit Freunden und Familie umgibt, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

Landidylle bei bestem Wetter

Kein Lichtsmog außenrum, alles stockdunkel außer die Beleuchtung des Hauses am Abend und die Geräusche der Natur. Neben unserer Unterkunft stehen die Pferde auf der Koppel, die Vögel machen krach in den Bäumen. Sooo schön – aber: abgelegen. Strom wird selbst erzeugt, das Wasser kommt aus dem Brunnen, der offene Kamin bringt die Wärme.

Gemeinsam haben wir die Ranch erkundet und haben einen Ausritt unternommen, wobei Guillermo mit seinem Mitarbeiter Juan die Tiere, Zäune und gepflanzten Bäume besichtigt und besprochen hat.

Es waren drei tolle Tage auf der Ranch mit einem leckeren Asado und reichlich guter Verpflegung durch Dorita, dem guten Geist von Guillermo. Jochen hat sich etwas beim Holzhacken ausgetobt, ich habe etwas beim Wässern der Pflanzen geholfen und wir haben viel gechillt, gegessen, getrunken und gelacht.

Als Guillermo uns eingeladen hatte, kam hinterher noch die kurze Nachricht, daß er vergessen hätte zu erwähnen, daß alle Besucher seiner Ranch eine Flagge ihres Landes mitzubringen hätten…

Tja, wir haben natürlich nur eine deutsche Flagge und die brauchen wir. Aber, wir wären nicht wir – schwupps in die Stadt, ein Paket bunter Permanentmarker kaufen und selber malen. Flaggenstoff hatte ich noch von meiner Näharbeit der ganzen Gastlandflaggen. Wir haben dann natürlich nicht nur eine schwarz-rot-goldene Flagge gemalt. Nein – da kommt unsere JOSA-Schildkröte natürlich auch mit drauf.

Und so wurde diese Gastflagge am Tor der Ranch gehisst.

Wir möchten uns nochmals für die Gastfreundschaft bedanken und revanchieren uns gerne, wenn wir wieder zu Hause sind…. dauert halt noch etwas.

Nachdem wir von unserem Trip zurück waren und gerade mit dem Auspacken beschäftigt waren, klopfte es an unserem Boot und es wurde deutsch gesprochen. Lars kam vorbei, der hier im Hafen auf einem Boot lebt und aus seinem Deutschlandurlaub während unserer Abwesenheit zurückkam. Das hatte uns noch keiner erzählt, daß wir hier gar nicht alleine sind. Aber er hatte sofort durch die Marineros erfahren, daß „das deutsche Boot“ wieder „zu Hause“ ist und so kam er spontan vorbei. Und so ein Zufall – Lars hat am selben Tag Geburtstag wie ich.

Wir haben jetzt auch angefangen, uns mit Proviant für Patagonien einzudecken. Hier haben wir die Möglichkeit, die Lebensmittel recht günstig einzukaufen und entsprechend zu bunkern. Auch wenn es noch etwas dauert und wir erst nochmal nach Uruguay fahren, um das Boot aus dem Wasser zu holen. Aber alles was haltbar ist, kann schon eingelagert werden und wir können sehen, wie wir Verpflegung für 3 – 4 Monate einlagern können. So habe ich nun schon fast 30 kg Mehl einvakuumiert (wegen evtl. Feuchtigkeit) und verräumt. Natürlich haben wir es geschafft, unseren Mehleinkauf gerade zum größten Gewitter zu tätigen. Also wurde im Geschäft wieder fleißig aus dem Wagen umgeräumt und erstmal der Wagen mit Folie ausgelegt, um das Mehl trocken heimzubringen. Von oben kam zwar fast nichts mehr nach, aber das Wasser stand hier auf der Straße ganz schön hoch. Aber – wir haben es geschafft und keine Feuchtigkeitsschäden sind zu beklagen. Außerdem wurden noch ein paar kleinere Reparaturen vorgenommen, die dann schon von der Liste wieder gestrichen werden konnten. Hier und da noch ein paar Teile organisiert, nur damit es uns ja nicht langweilig wird.

Inzwischen ist auch ein weiteres deutsches Segelboot eingetroffen. Ulf, den wir schon kurz vor der Abfahrt in Piriapolis noch kennengelernt haben, liegt jetzt auch in Buenos Aires. Zwar nicht hier im Hafen, sondern etwas weiter nördlich im Flußdelta, wofür unser Boot einfach einen zu großen Tiefgang hat. Er hat inzwischen festgestellt, daß es bei uns im Hafen doch einfacher gewesen wäre – einfach, weil hier halt alles fußläufig zu erreichen ist. Sei es, um sich mit Geld zu versorgen, eine Telefonkarte zu kaufen oder auch die SUBE-Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Auch wird hier fast überall , selbst beim kleinsten Händler, die Kreditkarte angenommen. Er hat da schon etwas größere Probleme.

Wir haben uns dann in Tigre getroffen, um gemeinsam eine Bootsfahrt durch das Flußdelta zu unternehmen. Tigre ist ein Touristenort, von wo aus viele Bootsanbieter Fahrten anbieten. Mit oder ohne Mittagessen, mit oder ohne Landausflug, kleines Holzboot, großer Katamaran – alles vorhanden. Wir sind mit einem relativ kleinen Boot zu einer einstündigen Fahrt aufgebrochen. Auf den kleinen Flüssen konnte man sehen, wie die Menschen hier mitten im Fluß auf Inseln leben. Die ganze Versorgung erfolgt mit Booten. Wir haben unter anderem ein Müllboot und ein Lebensmittelhändlerboot gesehen. Was ich leider schade fand, daß die ganzen Ausflugsboote mit einer ungeheueren Geschwindigkeit da durch fahren. Es ist zum einem sehr laut und zum anderen entsteht auch ein extremer Wellenschlag, der auch an den Uferbefestigungen der Häuser nagt.

Alle Häuser sind hier nochmals auf Stelzen gebaut, da der Wasserstand hier ordentlich schwanken kann und gerne mal 2 Meter über dem normalen Wasserstand geht.

wir haben es zu guter Letzt doch noch geschafft, die beiden hier im Hafen liegenden Museumsschiffe zu besuchen.

Zuerst waren wir auf der „Uruguay“, eine als Korvette gebautes Segelschulschiff der argentinischen Armada. Berühmt wurde sich dadurch, daß sie zu einer Rettungsaktion in die Antarktis gefahren ist, um dort ein schwedisches Expeditionsteam zu retten. (Nordenskjöld-Rettung – sh. Wikipedia) Danach war sie ein Vermessungsschiff und Depotschiff.

danach ging es auf die „Presidente Sarmiento“, ein dreimastiges Segelschulschiff, das 39 Ausbildungsreisen in der Welt unternommen hat. Jede Ausbildungsfahrt hat ein Jahr gedauert.

von unserem Freund Guillermo wurden wir dann nochmals zu einem Asado eingeladen, an dem alle unsere argentinischen Freunde zusammengekommen sind, um uns noch einmal zu sehen (…und meinen Geburtstag zu begießen). Es war wieder ein sehr schöner und geselliger Abschluß – leider trennen sich unsere Wege nun erst einmal und wir hoffen, daß wir alle nochmals wiedersehen.

Nun werden wir morgen Abend aufbrechen und wieder nach Uruguay fahren, um unsere Dicke aus dem Wasser zu holen und ihr einen neuen Unterwasseranstrich zukommen zu lassen.

Uns hat es hier in Buenos Aires wirklich sehr gut gefallen. Die Stadt ist riesig und bietet so viele Möglichkeiten, ob Kunst, Kultur oder Natur. Und die Menschen sind unwahrscheinlich freundlich und hilfsbereit und freuen sich sehr, wenn Ausländer zu Besuch kommen. Das andere Argentinien, die Pampa durften wir ja auch kennenlernen, und das wieder andere Gesicht, Patagonien, dürfen wir auch noch kennenlernen. Also Leute – auf nach Argentinien. Euch entgeht sonst etwas.

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Gastbeitrag von Daniel aus Uruguay

Wer unseren Blog aufmerksam verfolgt, weiß ja, daß jeder Mitsegler auf unserem Boot dazu „verdonnert“ wird, einen kleinen Gastbeitrag zu hinterlassen.

Hier kommt nun der Beitrag von Daniel, der mit uns von La Paloma bis Punta del Este in Uruguay mitgesegelt ist. Da Daniels Bericht auf Englisch geschrieben ist, habe ich so gut als möglich versucht, das Ganze zu übersetzen, damit auch die No-Englisch-Reader mitlesen können. Die guten Englisch-Speaker verzeihen mir bitte, falls etwas nicht so schön formuliert ist.

Sailaway Day

After much rain, the day was bright as I drove into town and work. The „TO DO“ list in the companion seat steared at mi and I steared to my left knowing that behind that narrow strip of pine trees was the ocean… I could smell it,  that’s how close it was.

The wheel went to port of it’s own accord and two pinewoods blocks later I was right in front of it, greenish blue and immense with a white beach as a sole shore… a little ahead the small fishing port of La Paloma and to the right a few masts… they always catch my eye..

This is a nice detour to go into town, I  thought, however when the next turnaround shortly came up the wheel once again, and even more surprisingly, went swiftly to port all of its own and left downtown in the dust… somewhere to starboard.
Before I knew it I was in the harbor

At this point I didn’t question what was going on any longer, how could I? I did what any sailor worth his salt that had been land bound for too long would have done, I got off the truck and walk the few yards toward those masts… the ones that always catch my eye.

I saw the „locals“, that always hang out on this side of the pier and then a little ahead. .. there it was clean and streamlined, no clutter about it, shining in the morning sun like the stainless steel anchor it sported in the bow and not far from it in the port side read „JOSA“

A friendly voice coming out of the middle cockpit said „Ola“ with a familiar accent, by then I had already caught eye of a German flag in the stern and I answered „Hallo“ replicating as best as I could my wife’s mother tongue… a short dialogue ensued, in which I used most words I know in German, and I was kindly invited to come on board…

Now, Laguna the Rocha was abeam, about 8 miles south of the harbor, and the huge and extensive coastal dunes that we had walked together a couple of days before looked unimpressive. Astern was slowly receding the town’s skykine of La Paloma, with the tall white lighthouse at the very tip of Cabo Santa Maria, seemingly emerging from the ocean, from our perspective. JOSA riding the southeastern swells with a kind and even motion, all sails set and drawing to the southeast wind in the quarter

During their brief stay, we shared with Sabine and Jochen some of our favorite spots around,
and had a chance to return their hospitality by opening the doors of our home in the „campo“ the day before their departure. unexpecting then, although secretly wishing, that an invitation to sail the next leg to Punta del Este with them  was in store…  what could I do? Well, I hoisted the main sail in my heart and gladly accepted

Coastal sailing is an amazing experience of being in two worlds at once, that meet and not. The sense of being removed from the „world“ is there every time you turn to gaze at the horizon and yet the eventual seagull venturing out or a the passing whiff of moist soil brings you right back to a new shore a d venture.  The Jose Ignacio lighthouse Mark’s the mid point of our sojourn to Punta del Este, rising and hiding astern to the rytm of the increasing south eastern, as sunset approaches in this short winter day.

After the first hours of sailing, talk among the three of us recedes, and the sounds of sails, ship and sea become the norm, I feel we continue sharing in a more intimate way we have silently agree at the surroundings request. I catch myself rediscovering time at sea, hours slip by as my eyes and mind rest in the ample horizon, every movement onboard evoque a silence I’m acquainted with anew every time I’m at sea and… I’m fully present.

The last light fades out in reds and crimsons behind Isla de Lobos, 8 miles SE of Punta, is clear now we won’t make it to port in daylight.
A scant mile south of our destination is Isla de Gorritti, a pine wooded island with a beautiful and deep small bay to the southwest and we agree spending the night there at anchor. A little moonlight help us to define the best spot not to far from the round sand beach. This is a place of simple beauty I love. Josa welcome us into its warm cabin to relish Sabine’s yummy diner, sharing life stories and rest…

When I peak out of the companionway occasionally I meet a star peaking out among dark clouds, tomorrow the bay will glitter with the early morning lights, the pines will recover their green and we’ll head into the harbor.

As I say farewell to my kind sailing companions at the bus station I’m grateful and light, full and empty, far and close,  we part with a common purpose, to sail the world we live in, without and within

Life is good

Ein Segeltag

Nach viel Regen war es ein strahlender Tag als ich in die Stadt zum Arbeiten fuhr. Die „To-Do-Liste“ auf dem Beifahrersitz starrte mich an und ich starrte nach links, wohl wissend, daß hinter diesem schmalen Streifen Kiefern der Ozean ist…. Ich konnte es riechen, so nah war er.

Das Auto fuhr ganz von selbst nach links und zwei Blocks mit Kieferwäldchen weiter war ich direkt davor, grünlich blau und riesig mit einem weißen Strand als Ufer… ein Stückchen weiter der kleine Fischereihafen von La Paloma und auf der rechten Seite einige Masten …. Sie fallen mir immer direkt ins Auge…

Dies ist ein netter Umweg in die Stadt, dachte ich, als sich in der nächsten Kurve das Lenkrad wieder wie von alleine nach links drehte und die Innenstadt im Dunst zurückließ – irgendwo auf der rechten Seite von mir. Bevor ich es wußte, war ich im Hafen.

Zu diesem Zeitpunkt fragte ich mich nicht mehr, was ist los, wieso auch? Ich tat, was jeder Segler getan hätte, der zu lange schon an Land ist. Ich stieg aus dem Truck aus und ging die paar Meter auf die Masten zu…die, die mir immer ins Auge stechen.

Ich sah die Einheimischen, die immer hier am Pier herumhängen und ein bisschen weiter vorne…. Dort war es, sauber und stromlinienförmig, kein Gerümpel drumherum, glänzend in der Morgensonne wie der Edelstahlanker, den es am Bug trug und nicht weit davon entfernt stand an der Backbordseite „JOSA“.

Eine freundliche Stimme rief mir aus dem mittleren Cockpit ein „Ola“ mit einem mir bekannten Akzent zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon die deutsche Flagge am Heck entdeckt und antwortete „Hallo“, wobei ich so gut ich konnte die Muttersprache meiner Frau anwendete. Es folgte ein kurzer Dialog, in dem ich die meisten Wörter verwendete, die ich auf Deutsch kenne und ich wurde freundlich eingeladen, an Bord zu kommen.

Nun liegt Laguna de Rocha querab, etwa 8 Meilen südlich des Hafens und die riesigen und ausgedehnten Küstendünen, die wir ein paar Tage zuvor gemeinsam erwandert hatten, sahen nicht besonders beeindruckend von hier aus aus. Achtern entfernte sich langsam die Skyline der Stadt La Paloma und der hohe weiße Leuchtturm an der äußersten Spitze von Cabo Santa Maria schien aus unserer Perspektive aus dem Meer aufzutauchen. JOSA reitet mit einer freundlichen und gleichmäßigen Bewegung auf der  südöstlichen Dünung, alle Segel sind gesetzt und in den südöstlichen Wind gedreht.

Während ihres kurzen Aufenthaltes haben wir mit Sabine und Jochen einige unserer Lieblingsplätze in der Gegend geteilt und hatten die Gelegenheit, ihre Gastfreundschaft zu erwidern. Unerwarteterweise, obwohl insgeheim von mir erhofft, erhielt ich die Einladung, die nächste Etappe bis Punta del Este mit zu segeln. Was sollte ich tun? Nun, ich hisste in meinem Herzen das Großsegel und nahm dankend an.

Küstensegeln ist die erstaunliche Erfahrung in zwei Welten gleichzeitig zu sein, die sich begegnen und doch auch nicht. Das Gefühl, fern der „Welt“ zu sein, ist jedes Mal da, wenn man sich umdreht, um auf den Horizont zu blicken und doch bringt einen die Möwe, die sich hinauswagt oder der Hauch feuchter Erde zurück an ein neues Ufer und Abenteuer. Der Leuchtturm Jose Ignacio markiert die Mitte unseres Ausfluges nach Punta del Este, der im Rhythmus des zunehmenden Südostwindes aufsteigt und sich hinter dem Heck versteckt, während an diesem kurzen Wintertag der Sonnenuntergang naht.

Nach den ersten Stunden des Segeln wird das Reden zwischen uns Dreien leiser und die Geräusche der Segel, des Schiffes und des Meeres werden zur Normalität. Ich habe das Gefühl, daß wir weiterhin stillschweigend auf eine intimere Art und Weise miteinander kommunizieren. Ich ertappe mich dabei, wie ich die Zeit auf See wiederentdecke, Stunden vergehen, während meine Augen und Gedanken am weiten Horizont ruhen, jede Bewegung an Bord ruft eine Stille hervor, die ich jedes Mal neu erkenne, wenn ich auf See bin, und … ich bin ganz präsent.

Die letzten Lichter verblassen in Rot- und Purpurtönen hinter der Isla de Lobos, 8 Seemeilen südöstlich von Punta. Jetzt ist klar, daß wir es bei Tageslicht nicht bis zum Hafen schaffen werden.

Eine knappe Meile südlich unseres Zieles liegt die Isla de Gorritti, eine mit Kiefern bewaldete Insel mit einer wunderschönen und tiefen, kleinen Badebucht im Südwesten und wir vereinbaren, die Nacht dort vor Anker zu verbringen. Ein wenig Mondlicht hilft uns, den besten Platz nicht weit vom bogenförmigen Sandstrand zu finden. Dies ist ein Ort von schlichter Schönheit, die ich so liebe. JOSA heißt uns in ihrer warmen Kabine willkommen, um Sabines leckeres Abendessen zu genießen, Lebensgeschichten auszutauschen und uns auszuruhen…

Wenn ich aus der Niedergangstreppe hochschaue, sehe ich gelegentlich einen Stern zwischen den dunklen Wolken hervorlugen. Morgen wir die Bucht im Licht des frühen Morgens glitzern, die Kiefern ihr grün zurückgewinnen und wir werden in den Hafen einlaufen.

Als ich mich am Busbahnhof von meinen freundlichen Segelgefährten verabschiede, bin ich dankbar und leicht, voll und leer, fern und nah. Wir trennen uns mit einem gemeinsamen Ziel: die Welt zu besegeln, in der wir leben, in Gedanken und in der Realität.

Das Leben ist schön

3 in einem Boot

Buenos Aires – Teil 2

wie versprochen, möchte ich Euch hier einige Stadtteile vorstellen mit ihren Sehenswürdigkeiten (besser: einem kleinen Auszug der Sehenswürdigkeiten). Denn man kann hier sicherlich Tage und Wochen verbringen und hat nicht alles gesehen.

San Telmo

Dies ist ein sehr alter Stadtteil von BA mit vielen kleinen, alten Häusern. Meist ist die Häuserfront an der Straße sehr schmal, das Haus selbst zieht sich nach hinten, was man nicht sieht. So haben wir hier ein altes restauriertes Haus, das „El Zanjón“ besichtigt, welches sich ein Investor gekauft hatte, um hier evtl. ein kleines Restaurant einzurichten. Bei den aufräumarbeiten der Schutt- und Trümmerberge ist er auf gemauerte Fundamente gestoßen, die sich als alte Wassertunnel herausstellten. Er hat dann dieses Haus nicht in ein Restaurant „aufgearbeitet“, sondern hat diese ganzen alten Mauern und Anlagen in über 25 Jahren Arbeit wiederhergestellt und in ein Museum verwandelt, um zu zeigen, wie hier früher gelebt wurde. Ein tolles Projekt! Ganz in der Nähe ist der San Telmo Market , der auch wunderschön ist. Hier haben wir auch super leckeres Brot bei einer Bäckerei gefunden.

Lo Boca und Caminito

La Boca ist bekannt für den Fußballverein und sein Stadion der Boca Juniors, das in blau-gelber Farbe angestrichen ist und steil aufragt. Es wird auch La Bombonera genannt, da es wie eine Pralinenschachtel aussieht und so eng ist. Einige Tribünen sind nur 2 Meter vom Spielfeldrand weg.

Ein witziger Hintergrund der Farbwahl des Vereines ist der, daß sowohl La Boca als auch das naheliegende Fußballteam San Lorenzo die Farben rot und weiß als Trikotfarben hatten. In einem Spiel wurde entschieden, wer diese Farben behalten darf. Tja, La Boca hat verloren und mußte sich nach neuen Farben umsehen. Zufällig kam an diesem Tag ein Schiff in den Hafen eingelaufen. Dieses war schwedisch und hatte die Farben blau und gelb am Heck mit sich geführt. So kam La Boca zu gelb-blau.

Caminito ist das Künstlerviertel und die Häuser hier sind kunterbunt gestrichen und überall laden kleine Läden mit Kunstartikeln zu einkaufen ein. Ebenso kann man an vielen Ständen typische Speisen und Getränke konsumieren. Hier drängen sich aber natürlich auch die Touristenströme.

Palermo

Palermo ist so etwas wie die grüne Lunge hier. Große Parkanlagen, darunter der „Rosedal“ – der Rosengarten, der Japanische Garten oder der Eco Park. Letzteres war früher einmal ein Zoo, der nun in einen interaktiven Park umgebaut wurde. Der Eintritt ist kostenlos und es gibt noch einige Tiere zu sehen, z.B. Giraffen, Elefanten, ein Andenkondor. Ich denke, das sind die übrig gebliebenen Rentner. Die Anlage ist wunderschön, die Gehege und Gebäude sind dem Herkunftsland des Tieres angepasst gewesen, so daß der Bezug da war. So mancher Zoo würde sich über solche Anlagen freuen. In Palermo gibt es auch noch ein „Altstadtgebiet“ mit dem Plaza Serrano, welches auch sehr schön ist und wo man gut shoppen und essen kann.

San Nicola

Dies ist das aktive Zentrum mit Regierungssitz, Kathedrale, Kongress, Theatern, Shoppingstraßen, Restaurants, Kneipen und natürlich der Obelisk, Wahrzeichen der Stadt. Hier brummt rund um die Uhr das Leben. Hier werden auch die meisten Tango-Shows angeboten.

Retiro und Ricoleta

In Retiro befindet sich der Bahnhof, von wo aus man mit dem Zug starten kann. Ebenso befinden sich in diesen beiden Bezirken Universitäten und Museen (wie übrigens in der ganzen Stadt überall Museen zu finden sind). Ricoleta ist auch der Stadtteil, wo „das Geld“ wohnt. Wir haben hier die Ausstellung im Automobilclub besucht – klein, fein und kostenlos sowie natürlich den Friedhof Ricoleta. Dieser kostet ordentlich Eintritt, ist aber wirklich sehenswert.

Über die ganze Stadt verteilt finden sich Monumente und Denkmäler für Menschen, die in der Geschichte Argentiniens eine wichtige Funktion hatten. Man sollte mal alle Denkmäler zählen, wäre interessant zu wissen, wie viele es insgesamt sind.

zu guter Letzt haben wir noch einen „Gaucho-Markt“ besucht. Wir erhofften uns hier wirkliches Gauchoflair mit Rindern und Pferden – was wohl manches mal auch so ist. Bei uns leider nicht. Es handelt sich hierbei um einen lokalen Markt, auf dem Regionale Produkte (Wurst, Käse, Aufstriche, Kunsthandwerk) angeboten werden, sowie Musik und Tanz. Rund um diesen Markt hat sich ein großer Flohmarkt entwickelt, auf dem viel Bekleidung, aber auch viel Ramsch angeboten wird.

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Großstadtdschungel Buenos Aires und argentinische Besonderheiten – Teil 1

Leute, was soll ich sagen? Ich mag diese Stadt vom ersten Augenblick an. Selbst Jochen, der ja bekanntlich kein Großstadtfan ist und lieber große Bögen um solche macht, hat sich ein bisschen verliebt.

Aber wieso? Ja, das kann ich gar nicht sagen. Bei Buenos Aires handelt es sich um eine Megacity mit 15 Mio. Einwohnern. Aber es ist trotzdem nicht soooo hektisch. Die Menschen sind gelassen, schlürfen wie in Uruguay immer und überall ihren Mate und sind auch ausgesprochen freundlich. Jeder versucht Dir zu helfen, wenn Du nach etwas fragst. Da wird halt dann mal schnell rumtelefoniert oder gegoogelt. Ok, der Verkehr ist was anderes 😊

Man kann auch nicht glauben, wenn man diese Stadt so sieht, daß Argentinien eine Wirtschaftskrise mit einer Rieseninflation hat. Gut, das bekommen wir zu spüren – das mit dem Geld hier ist doch etwas merkwürdig. Zu einem hat man hier Riesenbeträge und Geldbündel in der Tasche. Wenn man mal eben 200 € abhebt, bekommt man drei dicke Bündel Scheine, so um die 280.000 Peso. Der gängigste Schein ist der 1000-Peso-Schein, also so um die 80 Cent. Stellt Euch das einfach mal bildlich vor: 280 Scheine für gerade mal 200 €. Dann gibt es hier ja den offiziellen und den „blauen“ Kurs. Offiziell ist der Kurs irgendwo bei 950 Peso für den €, der blaue Kurs ist derzeit bei 1400 Peso. Das bekommen wir auch belastet, wenn wir hier mit Kreditkarte zahlen.

Überall auf der Straße stehen Leute und rufen „Cambio, Cambio, Dolares!“ und wollen wechseln. Aber Vorsicht ist hier geboten: es droht Falschgeld. Auch wird oft angeboten, wenn man bar bezahlt und nicht mit Karte, daß man bis zu 20 % Rabatt bekommt. (Die Umsatzsteuer hier beträgt 21 %…) Es ist schon alles etwas spooky, das sagen selbst die Einheimischen. Man muß sich halt arrangieren und anpassen. Normalerweise kann man bei jedem Minihändler mit Kreditkarte bezahlen, das ist in Südamerika gang und gäbe, daß jeder ein Kartenlesegerät besitzt. Manche Läden aber nehmen nur Bargeld – Schwarzgeld lacht. Wir schauen jetzt halt immer, was für uns günstiger ist. Wir gehen jetzt lieber einmal mehr zu Western Union, um uns mit Bargeld zu versorgen und nehmen die 5 % Gebühr in Kauf. Wir haben dann immer noch eine Ersparnis von vielleicht 15 %.

Auch haben wir festgestellt, daß die Geschäfte und Restaurants voll sind mit Leuten und haben unsere argentinischen Freunde diesbezüglich gefragt. Diese erklärten uns dann, daß die jungen Leute gar keine Chance hätten, Geld zu sparen (wofür auch, bei der Inflation – ist ja morgen nichts mehr wert) und es daher so ausgeben wird, wie es reinkommt. Daher sind die Restaurants voll mit jungen Leuten.

Aber zurück zur Stadt. Prachtvolle, riesige Gebäude, die von der reichen Zeit träumen lassen und auch dazu noch wirklich gut erhalten sind. (Naja: alt sind das Land und die Gebäude ja nicht wirklich – im Gegensatz zu Europa) Einkaufsstraßen mit Läden und Malls, in denen alle Marken zu haben sind, die man sich vorstellen kann. Überall kleine Kioske, Restaurants und Cafes. Dazu Parks und Grünanlagen als Erholungsgebiete.

Wir wollten dann einmal einen Stadtplan oder Busplan haben, um eine Übersicht zu bekommen. Fehlanzeige, so was gibt es nicht. Wir sollten uns die Moovit-App holen, damit kämen wir überall hin. Das haben wir dann auch mal irgendwann gemacht. Aber zuerst haben wir für den ersten Überblick Karten für den Hop-On-Hop-Off-Bus für zwei Tage genommen. An Tag eins sind wir die gesamte Tour einmal rundherum mitgefahren und konnten uns dann so vormerken, wo wir nochmal genauer hinwollen. Diese Rundtour sind 40 km und dauert etwa 4 Stunden. (Das ist aber nur wirklich das Herz von BA!) Am zweiten Tag der Nutzungsdauer sind wir dann zu einigen bestimmten Punkten mitgefahren und von da aus dann losmarschiert.

Inzwischen sind wir auch fit hier im öffentlichen Nahverkehr unterwegs; wenn man mal etwas durchblickt, ist das gar nicht so schwer – ist halt wie überall, man muß sich ein paar bestimmte Stationen merken, die wichtig sind – vor allem die für „Zuhause“. Und der öffentliche Nahverkehr ist wirklich günstig. Die innerstädtischen Strecken, die wir so fahren, kosten immer um die 20 – 40 Cent pro Nase. Das „Teuerste“, was wir bisher bezahlt haben, war die Heimfahrt von unseren argentinischen Freunden, die ca. 40 km außerhalb, am Stadtrand wohnen. Diese Busfahrt hat ganze 1,10 € pro Nase gekostet – und das bei einer Fahrzeit von 1,5 Stunden. Der Zug ist übrigens genauso günstig – alles hier zu machen mit einer „Sube“-Karte, auf die man vorher Guthaben aufbucht und das dann „abarbeitet“.

Wie ich eben schon erwähnt habe, waren wir bei unseren argentinischen Freunden auf dem Land zu Besuch. Sie haben uns zu einem typischen Asado eingeladen: Fleisch auf dem Grill. Und es war ja soooo lecker. Die Argentinier essen gerne gemeinsam mit vielen Freunden Asado und so war es auch, als wir eingeladen waren. Wir hatten einen schönen Tag mit wirklich netten Menschen auf dem Land verbracht. Apropo Land: viele Menschen, die unter der Woche in BA leben und arbeiten, fahren am Wochenende aufs Land in Ihre eigentlichen Häuser oder Ferienhäuser. Das ist eine regelrechte Völkerwanderung.

Wir waren in Buenos Aires in einigen schönen Stadtteilen unterwegs, die ich mit den Highlights dann im kommenden Bericht vorstelle. Hier jetzt schon mal ein kleiner Vorgeschmack der von uns gemachten Führungen mit Guide.

Führung Palacio Barolo

Das Palacio Barolo ist schon von außen eine imposante Erscheinung, ob man es schön findet sei jedem selbst überlassen. Dieses wurde zwischen 1919 und 1923 erbaut von einem italienischen Investor, Herrn Luis Barolo und einem italienischen Architekten, Mario Palanti. Dieses sollte als Geldanlage dienen, da Barolo, wie viele in Argentinien lebende Europäer, vermutete, daß Europa noch viele Kriege bevorstehen und damit der Kontinent zerstört werden würde und daher noch viele nach Argentinien auswandern würden und dann wäre es doch ganz gut, in ein großes Bürogebäude zu investieren und dort dann einzelne Büros zu vermieten. Das Bürogebäude wurde in Anlehnung an die „Göttlichen Komödie“ des Dichters Dante Alighieri erbaut. Das Erdgeschoss – die „Hölle“ hinauf zum Paradies – dem Leuchtturm. Unten noch reichlich verziert wird es Stockwerk um Stockwerk schlichter – im Paradies braucht es diesen Protz nicht. Luis Barolo erlebte die Fertigstellung jedoch nicht mehr, er verstarb ein Jahr vorher. Daraufhin wurden die vorhandenen Büros allesamt an einzelne Personen verkauft, so daß dieses Gebäude heutzutage in „vieler Hände“ ist. Die einzelnen Büros sind recht klein und jeweils 4 Büros teilen sich eine Toilette auf dem Flur. Manche Käufer haben sich mehrere Büros gekauft und diese zusammengelegt und daher auch Zwischentüren etc. eingezogen. Heute darf hier nichts mehr verändert werden. Es muß die vorhandene Substanz genauso erhalten bleiben. Sehr interessant! Das letzte Stück zum Leuchtturm hoch ging es über enge Wendeltreppen und wir saßen dort oben wie die Hühner auf der Stange in der Glaskuppel mit dem Blick über die Stadt. Der Leuchtturm (das Licht)  stellt „das Göttliche“ dar und wird nur noch einmal täglich für 15 Minuten befeuert, ab 22 Uhr.

Diese Führung fand ich persönlich super, da unser Guide Silvana wirklich Wissen hatte und die Führung zweisprachig in Spanisch und Englisch abhielt. Und in beiden Sprachen hat sie sehr langsam und deutlich gesprochen, so daß selbst das spanische für mich gut zu verstehen war. Auch war unsere Gruppengröße von13 Leuten sehr angenehm.

Führung Teatro Colon

Das Theater ist ein beindruckender Bau und eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt! Die Treppe und die Wände sind alle aus mehrfarbigem Marmor aus Italien und Portugal, riesige Kristallleuchter und die Wandbemalung war einmal 2 Karat Blattgold. Bei der letzten Restaurierung wurde dann jedoch mit goldener Farbe gearbeitet, die Kosten wären wohl sonst exorbitant hoch geworden. Auch die alten Polstermöbel, Stühle und Schränke stehen noch dekorativ herum.

Der Theatersaal selbst ist hufeisenförmig mit 4 Etagen an Balkon-Logenplätzen. Ganz oben gibt es noch eine Galerie mit Stehplätzen. Diese sind die günstigste Kategorie, sollen aber angeblich die beste Akkustik bieten.

Das Theater hat im Kellergeschoss seine eigenen Werkstätten , in der alle Bühnenbilder und Kostüme selbst angefertigt werden. Überall stehen Büsten von bedeutenden Künstlern herum, die momentan größte ist die von Franz Liszt und wurde von Ungarn vor nicht allzu langer Zeit gespendet.

Bis das Theater endgültig fertiggestellt wurde, hat es 3 Architekten gebraucht, da jeweils der Vorgänger über dem Bau verstarb.

Leider war diese Führung nicht so toll wie die im Palacio. Der Guide sprach fließend Englisch, leider mit diesem unleidlichen Texas-Ami-Slang, bei dem ich mich so schwer tue. Dann war die Gruppe noch sehr groß und er sprach viel zu leise für diese riesigen Räume, so daß es wirklich schwer war, alles zu verstehen.

Ganz nach Touriprogramm haben wir uns auch eine Tangoshow angeschaut. Wir fanden es sehr schön, aber das ist wohl lt. Einheimischer typisch auf Touri ausgelegt und stellt nicht unbedingt den argentinischen Tango dar. Zu diesem Abend gehörte auch der Transfer vom und zum Hotel. Wir mußten hierfür zum nahegelegenen Hilton gehen, da unser Hafen nicht als Hotel zählt. Zunächst gab es ein leckeres Abendessen. Wir hatten uns für ein ordentliches Stück Fleisch entschieden – super lecker. Auch die Getränke waren den ganzen Abend frei – manche haben auch ordentlich Wein getankt. Ab 22 Uhr fing dann die Show an, die ungefähr 1 – 1,5 Stunden gedauert hat. Danach ging dann sofort der Rücktransfer zu den Hotel los. Dies fanden wir sehr witzig: wir hatten in unserem Bus Mitfahrer, die eigentlich nur quer über die große Straße hätten laufen müssen. Aber selbst diese wurden abgeholt und wieder abgeliefert. Was viel länger gedauert hat, als wenn diese gelaufen wären. Warum? Südamerikas Städte sind in quadratischen Blocks angelegt und sämtliche Straßen sind Einbahnstraßen. Also muß man halt mal großzügig außenrum fahren, weil einfach links oder rechts abbiegen so nicht geht.

Was wir auch gelernt haben: die Flußbegrenzung ist in den vergangenen Jahrhunderten deutlich gewandert. Früher war der Fluß eigentlich direkt am Casa Rosada, dem rosafarbenen Präsidentenpalast, was häufig zu Überschwemmungen geführt hat bzw. der Grund dafür war, daß in Stadtgebieten wie San Telmo die Bürgersteige sehr hohe Kanten hatten. Heute ist das Flußufer ca. 2 km entfernt und direkt am Flußufer ist jetzt ein ökologisches Reservat mit 2 Lagunen. Der Untergrund hierfür ist eigentlich ein Schuttberg, der hier aufgekippt wurde. Aber die Natur ist zäh und hat dieses Gebiet wieder in Beschlag genommen. In die Lagune sind Holzstege gebaut, so daß man hier über das Wasser und durch den Schilf laufen und dabei mit Glück auch etwas Tiere beobachten kann. Als wir durch dieses „Naturschutzgebiet“ gelaufen sind, fanden wir es anfangs etwas doof, da von uns aus der Weg am Meer entlang führte und ein sehr breiter Wanderweg war, voll mit Joggern und Radfahrern, mit viel Blick auf die alten Hinterlassenschaften, die am Flußufer noch zu sehen sind. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Aber als wir dann in den Bereich der Lagunen kamen, fanden wir es doch sehr schön und ist für die Städter natürlich ein kleines Naherholungsgebiet.

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Auf zu neuen Ufern – von Uruguay nach Argentinien

Nach unserem Roadtrip haben wir uns wieder auf unserem Boot häuslich eingerichtet. Zwischenzeitlich ist ein weiteres deutsches Boot hier eingetroffen, das uns schräg gegenüberliegt. Ulf ist grundsätzlich „Einhand“ unterwegs und hatte bei der Atlantiküberquerung Crew dabei, was ihm sehr gut gefallen hatte. Ich denke, auch ihn werden wir nochmals wiedersehen auf dem Weg nach Süden.

Wie geplant haben wir unser Auto am Mittwoch zurückgegeben, nachdem wir nochmals beim Einkaufen waren und einige schwere Dinge wie Wasser und Milch besorgt haben, damit wir dies nicht im Rucksack schleppen müssen.

letzter Sonnenuntergang in Uruguay

Am Freitag Vormittag haben wir dann unseren Papierkram für die Ausreise erledigt und haben unser Boot klar gemacht zum Auslaufen. Dies haben wir dann auch unverzüglich gegen 13 Uhr gemacht, da jetzt so langsam der Wind aufkommt. Es sollte laut Wetterbericht ja ab Freitagnachmittag Wind kommen, der dann ab Sonntag komplett weg ist. Daher wollen wir mitnehmen, was wir können, da eine Strecke von ca. 160 sm vor uns liegt. Alternative wäre gewesen erst am Samstag zu starten. Dann hätten wir weniger Welle, aber hinten raus keinen Wind mehr und wir müssten wieder viel Strecke unter Motor zurücklegen.

Und der Wind war auch da wie angekündigt, so daß wir sofort nach der Hafenausfahrt unsere Genua mit nur 70 % gesetzt haben. Das Großsegel haben wir mal schön da gelassen, wo es war, da Windstärke 5 – 6, in Böen 7 vorhergesagt war. Da ist es einfacher für uns im Handling, nur mit der Genua zu arbeiten, vor allem, wenn jemand nachts alleine auf Wache ist. Und Vortrieb haben wir nur mit der Genua bei der vorherrschenden Windrichtung auch genug.

Einzig die Welle war sehr unschön. Da der Rio de la Plata ja sehr flach ist, bildet sich eine sehr kurze und steile Welle. Dies ist sehr ruppig, aber man gewöhnt sich an das permanente Geschaukel. Wir sind in Piriapolis bei etwa 15 Meter Wassertiefe gestartet und nach den ersten 50 sm der Strecke, war die Durchschnittstiefe so bei 6 – 8 Metern. Das wird immer flacher.

Wir sind auch gut vorwärts gekommen mit einer Geschwindigkeit von etwa 6,5 Knoten (wohlgemerkt: nur mit der Genua), so daß wir schon davon geträumt haben, daß wenn der Wind uns so erhalten bleibt, wir ja schon nach 24 Stunden da sein könnten.

Woran wir natürlich wieder nicht gedacht haben: die Strömung. Wir hatten Südost-Wind, was bedeutet, daß der Atlantik schön in die Mündung reingedrückt hat und wir ordentlich Strom mit hatten. Doch je weiter wir natürlich in das Delta reinkamen, umso mehr kam dann die Strömung gegen uns, weil es ja ein Fluß ist, und die Tide hat auch noch ihren Teil dazu beigetragen. So hatten wir halt dann irgendwann einmal etwa 2,5 Knoten Strom gegenan, was uns wieder ausbremste. Am Schluß hatten wir dann doch in Summe wieder unsere Standard-Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten als Etmal (= Strecke in 24 Stunden), somit rund 120 Seemeilen.

Auch hat der Wind langsam gedreht, so daß wir immer achterlicheren (= direkt von hinten) Wind hatten und immer etwas vor dem Wind hin und her kreuzen mussten und nicht ganz genau Kurs halten konnten. Aber das war wirklich minimal.

Was bei achterlichem Wind halt auch blöd ist: der Wind steht immer im Cockpit, das heißt, wir sitzen immer „im Zug“ und das war das unschöne an dieser ganzen Überfahrt. Es war von Haus aus schon kühl und wenn dann der Wind mit 20 Knoten bläßt und man sitzt darin, fängt man sehr bald ganz schön zu frieren an. Am Schluß hatten wir 3 – 5 Schichten an Bekleidung an und Jochen hat schließlich unseren Dieselofen angeheizt und wir haben uns unter Deck aufgehalten, die Instrumente im Auge behalten und alle 15 – 30 Minuten einen Rundumblick im Cockpit geworfen.

Dies war insoweit kein Problem, da der Plata ja so flach ist und die Großschiffe sich nur in ihren Fahrrinnen bewegen können, so daß uns hier nichts querkommen konnte, auf das wir uns nicht hätten einstellen können. Fischer gibt’s hier wohl kaum. Das einzige sind die vielen Wracks, die hier herumliegen, aber das ist in den Karten gut verzeichnet und zu beobachten.

Wir wollten eigentlich gerne bei Tageslicht in Argentinien ankommen, vor allem da das Einlaufen in eine Großstadt bei Nacht eine besondere Herausforderung ist. Man fährt auf so unendlich viele Lichter zu, daß die Orientierung mit dem Auge wirklich schwierig ist. Welches dieser vielen Lichter ist jetzt für uns bedeutend? Also wieder stur nach Plotter und Radar fahren und kurz vorher erkennen, wo man hin muß.

Wir habe uns für eine Marina mitten in Buenos Aires entschieden. Hauptgrund hierfür ist eigentlich unser Tiefgang von 2 Metern. Diese Marina ist gut über die Fahrwasser der Großschifffahrt zu erreichen und man muß nicht auf die Tide aufpassen. Hier ist immer genügend Wasser unter unserem Kiel. Das sieht in den Marinas weiter nördlich leider anders aus. Diese können wir nur anfahren, wenn entsprechende Windrichtung herrscht, die genug Wasser reindrückt, damit wir mit unseren 2 Metern da auch fahren können. Und diese Marina hat aber auch schon etwas: wir liegen mitten in der Stadt und können bequem zu Fuß alles erkunden bzw. haben hier alle Möglichkeiten mit Restaurants, Bars, Sehenswürdigkeiten.

Die Zufahrt zur Marina ist jedoch nur möglich, wenn dafür eine Straßenbrücke geöffnet wird. Diese wird eigentlich stündlich auf vorherige Anmeldung hin geöffnet (mind. 30 Minuten vorher) mit ein paar Ausnahmen. So war in unserem Fall am Samstag keine Öffnung um 20 Uhr und dann um 22 Uhr möglich. Na klar, wir hätten mit unserer Geschwindigkeit die Öffnung um 22 Uhr benötigt!!! Also hat der Skipper mal schön die Fahrt rausgenommen, damit wir nicht ne Stunde vor der Brücke Kreise drehen müssen und so haben wir uns für die Öffnung um 23 Uhr angemeldet. Das hat auch gut funktioniert und um 23.30 Uhr waren wir schön fest am Steg in der Marina Madero mitten in Buenos Aires. Noch eben das Boot aufklaren und den Papierkram beim Marinero machen. Wir haben uns dann noch unser „Anleger“ in Form einer Spezi gegönnt, bevor wir müde ins Bett gekrabbelt sind. Was haben wir gut geschlafen.

fest mitten in Buenos Aires

Am Sonntag hieß es für uns dann, den Papierkram bei den Behörden zu erledigen. Was haben wir für Horrorgeschichten über Argentinien gehört!!! Von wegen, daß man seine Kopien alle schon selber in zigfacher Ausfertigung mitzubringen hat, daß alle Dokumente samt „Kopien“ händisch auszufüllen seien und daß man den ganzen Tag dafür braucht. Entweder hatten wir großes Glück oder die anderen einfach Pech. Wir fanden es nicht schlimm.

Bevor wir aber die Behörden angingen, haben wir uns erst einmal mit Argentinischen Pesos versorgt. Falls wir bei den Behörden wieder eine Gebühr in bar entrichten müssen oder sonst irgendetwas ist, wollen wir lieber ein bisschen Klimperkram im Geldbeutel haben. Und natürlich auch eine Internetkarte für das Telefon. Wie soll ich denn sonst den Uber bestellen, der uns zu der entfernten Immigration fährt?

Geld haben wir dann in einer Wechselstube bekommen, zwar zu einem schlechten Kurs, aber lieber mal einen schlechten Kurs als ganz ohne Geld da zu stehen. Telefonkarten gibt es hier auch am Kiosk und der Verkäufer richtet auch gleich alles ein. Das hat leider etwas gedauert, weil es irgendein Problem gab (eventuell nur ein Tippfehler beim Eingeben von der Ausweisnummer – hier wurde wieder der Pass und das Gesicht fotografiert…). Danach konnten wir dann wieder den Uber bestellen, der uns zur Immigration fuhr. Dies war nicht ganz so leicht zu finden. Weder der Uber-Fahrer noch die Polizei im Gebäude gegenüber wußten, wo diese ist. Die wollten uns wieder ganz woanders hinschicken. Aber wir hatten ja die Adresse und die Info über die Seglerapp „Noforeignland“, daß das hier sein muß!!!

Die Immigration befindet sich in einem alten Gebäude, das wohl gerade saniert wird und es ist von außen halt überhaupt nicht zu erkennen, daß da ein Büro ist, das auch noch benutzt wird. Wir wurden von einer jungen Dame bedient und konnten nach 10 Minuten das Gebäude wieder verlassen. Einen Visa-Stempel im Pass gab es nicht und auch meine Nachfrage hin teilte sie mir mit, daß in Argentinien kein Stempel in den Pass gemacht wird. Aha! Also auf zur nächsten Behörde, der Prefectura. Diese ist 10 Minuten Fußweg entfernt und auch hier ging alles Ratz-Fatz. Somit sind wir nun auch navigatorisch in Argentinien angekommen. Fehlt nur noch der Zoll, so daß auch unser Boot offiziell in Argentinien eingereist ist. Also wieder Uber und zurückfahren. Der Zoll ist in der Nähe unserer Marina.

Nach einigem Suchen und Nachfragen haben wir ihn auch im Terminal des Fährunternehmens Buquebus gefunden. Doch leider war der Schalter nicht besetzt. Das haben wir aber auch schon so nachgelesen, daß das gerne so wäre. An der Kasse nebenan mal nachgefragt; ja, erst wieder ab 14 Uhr. Ok, dann machen wir halt auch Mittagspause und kommen dann zurück. Tja, auch nach 14 Uhr: Schalter nicht besetzt. Jochen ist dann mal in die „Kein-Zutritt“-Area eingedrungen in die dahinterliegenden Büros und hat mal angeklopft und nachgefragt (auch das hatten wir so gelesen 😊) und bekam dann zur Antwort „in 5 Minuten“.

Irgendwann tauchte die Dame dann auf, um unsere „ROL“ (unser Dokument, das wir jetzt immer mit fortführen) anzuschauen, wieder im Backoffice zu verschwinden und zu kommen und uns zu sagen, daß wir noch zur Immigration müssten. Äh, nein. Dieser Stempel hier ist die Immigration und dieser die Prefectura. Alles da! Sie verschwindet wieder und erklärt, wir müssten warten, da sie ihren Chef hierfür benötigt und der ist gerade beschäftigt. Sie verschwindet wieder und wir warten und warten.

Nach und nach kommen immer mehr Leute, die etwas vom Zoll möchten. Wir erklären, sie komme gleich wieder, ist nur im Backoffice….. Irgendwann kommt ein Mann aus dem Backoffice, sieht die vielen Menschen und dreht wieder rum. Plötzlich tauchen 3 Zoll-Mitarbeiter hinterm Tresen auf. Wir wieder ran, wir sind ja die ersten in der Schlange. Nein, wir müssten noch warten, wir sind ja das Segelboot – der Chef…..

Wir haben dann von einer Dame erklärt bekommen, daß Ausländer, die argentinische Produkte in Argentinien kaufen, sich immer die gezahlte Umsatzsteuer erstatten lassen können und dafür ihre Quittung und ihr Produkt hier beim Zoll vorzeigen müssen. Sie bekommen dann einen Beleg und das Geld gleich nebenan an der Kasse ausbezahlt. Daher der Andrang! Das waren alles Uruguayer, die auf Shopping-Tour mit der Fähre hier waren und sich nun ihre Steuer wieder erstatten lassen.  Gut zu wissen für uns! Also schön Belege sammeln, wenn wir was kaufen und dann mal zum Zoll marschieren.

Nach einiger Zeit waren wir dann endlich dran und durften mit im Hinterzimmer verschwinden. Und schon hat sich alles geklärt. Die Dame, die uns beim ersten Mal in Empfang genommen hatte, wurde nun eingewiesen, was sie in unserem Falle zu machen hatte und welche Eingaben am PC zu erfolgen haben. Und dann waren wir auch da nach 10 Minuten draußen.

Also braucht es in Summe auch nicht viel mehr als zwei Stunden, um hier alle Behörden abzuarbeiten. Wenn man am besten vorher weiß, zu welcher Uhrzeit wohin man genau gehen muß. Wir wissen es jetzt!

So sind wir nun offiziell in Argentinien angekommen und können uns hier austoben.

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